Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Trendwende erkennbar?

Deutsche Gerichte beschäftigen sich seit einigen Monaten verstärkt mit dem Thema Live-Poker. Dabei fielen die Entscheidungen in der jüngeren Vergangenheit erstaunlich positiv für Turniere aus, die nur einen geringen Unkostenbeitrag erheben.

Rückblick

Diverse Meldungen über die Pläne eines generellen Pokerturnier-Verbots entfachten eine Kontroverse. Die Politik konzentrierte sich vor allem darauf, privaten Veranstaltern die Erlaubnis zu entziehen.

Karl-Peter Bruch

Rheinland-Pfälzischer Innenminister Karl-Peter Bruch
gehört zu den stärksten Befürwortern eines Verbotes. Um sein Interview Warum Poker spielen verboten werden muss gab es eine regelrechte Eruption an Emotionen und Meinungsbekundungen. Unzählige Kommentare überschwemmten unsere News-Sektion und andere Medien wie die WELT-Onlineredaktion. Der Chefredakteur des Royal Flush-Magazins forderte Bruch gar zu einer Partie Poker heraus, um ihm zu beweisen, dass Poker kein Glücksspiel sei. Auch die Forschungsstelle für Glücksspiel der Universität Hohenheim kritisierte das geplante Pokerverbot.

Gerichte entscheiden mit Augenmaß

Letztendlich kann die Politik in Deutschland die Gesetzte jedoch nur entwerfen. Die Überprüfung dieser obliegt in unserem Staat den Gerichten. Und diese entscheiden in entsprechenden Fällen zunehmend besonnen und mit dem nötigen Augenmaß.

Zwar wird die Frage, ob Poker denn nun ein Glücksspiel sei oder nicht, gar nicht erst behandelt, doch das ist auch nicht das Ziel der Gerichte. Poker um höhere Geldeinsätze soll nach der wohl vorherrschenden Meinung in diesem Land auch weiterhin den Spielbanken und Casinos der Länder vorbehalten bleiben. Daran möchte weder die Politik noch die Rechtsprechung in diesem Lande etwas ändern. Doch die kleine Partie zwischendurch, oder Turniere mit einem geringen Unkostenbeitrag - meist maximal €15 - erkennen die Gerichte als das an, was sie sind – ein Hobby und Zeitvertreib.

Die Suchtgefahr, die von solchen Veranstaltungen herrührt und von der Politik immer wieder aufgeführt wird, darf wohl zu recht als minimal eingeschätzt werden. Die finanzielle Gefahr für die Teilnehmer ist bei solch Turnieren kaum vorhanden. Die Gerichte scheinen dies ebenfalls zu erkennen. Anstatt die Pokerturniere generell zu verbieten, beschränkt man sie. Ein Kompromiss. Es wird eben nie so heiß gegessen, wie gekocht wird.

Signalwirkung? Eher nicht

Es darf jedoch bezweifelt werden, ob diese Urteile Auswirkungen auf die generelle, rechtliche Situation des Pokerspiels in Deutschland haben werden. Vielmehr werden für Turniere mit geringem Unkostenbeitrag und moderater Preisausschüttung Ausnahmen geschaffen
Dennoch könnten die jüngsten Entscheidungen aus Neustadt und Münster auf eine Trendwende hindeuten. Poker scheint im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen zu sein. Es lässt den Ruf der Betügereien und der verqualmten Hinterzimmer hinter sich und etabliert sich als gesellschaftsfähiges Hobby.


Schwarze Schafe identifizieren

Die privaten Pokerturniere leiden allerdings noch unter einem zweiten Problem. Viele Veranstalter entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als schwarze Schafe. Sowohl die Qualität der Turniere als auch die Organisation sind oftmals verbesserungswürdig.
Solche Veranstalter zu identifizieren, liegt jedoch in der Verantwortung der Teilnehmer. Nur wir können durch unser Konsumverhalten den Markt steuern, indem wir unseriöse Anbieter ignorieren und eine bewusste Turnierauswahl betreiben. Ein Hilfsmittel dafür könnte unsere Datenbank sein. Dort habt ihr die Möglichkeit, unterschiedliche Veranstaltungen zu registrieren, und diese zu bewerten.