Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

WSOP Weekly #5 - The Real Deal

Die WSOP biegt langsam in die Zielgerade ein und selbst das Main Event ist nur noch zwei Tage entfernt. Bis dahin betrachten wir rüstige Rentner und freuen uns darüber, dass unsere PokerStrategen ihr Glück bisher noch nicht unnötig in Lowroller-Events verbraucht haben.

Beginnen wir diesmal mit einem Bekannten aus der letzten Ausgabe des WSOP Weekly: Frank Kassela. Der fünffache Familienvater ist bekanntermaßen bereits in den besten Jahren ("Die guten sind vorbei", wie mein alter Lateinlehrer zu sagen pflegte) und dennoch der Star der WSOP 2010. In der Vorwoche gewann er im Seven Card Razz sein zweites Bracelet und es lag der Schluss nahe, dass das ja eventuell ein ganz liebenswürdiger Opa sei, der in den Randsportarten wie Omaha Hi/Lo oder Seven Card Razz gut abschneidet, aber wenn es wirklich mal um echtes Poker von heute geht, gnadenlos versagen würde.

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Seniors represent: Frank Kassela.
Quelle: PokerNews.com

Wenns's läuft, läuft's.

Nun im Schnellvorlauf an den Final Table des $25.000 6-max NL Hold'em Event - und wer sitzt da? Wieder dieser Opa. Und zwar als Zweiter in Chips.

In einem der wohl härtesten Turniere der WSOP, wo sich sonst primär hyperaggressive Internetkinder Bluff-12betten. (Okay, das war übertrieben.) Fairerweise muss man aber auch sagen: Er hatte bisher das Glück des Tüchtigen. An Tag 2 ging er mit A-8 und dem Nussflushdraw all-in gegen Barry Greensteins Doppelasse und riverte sich (natürlich!) den besagten Nussflush und verdoppelte.

Insgesamt liegt Kassela momentan im Ranking des "WSOP Player of the Year" 45 Punkte vor John Juanda, der im 6-max Event den Bubbleboy markierte. Zuvor hatte Kassela an der Bubble noch Nines gegen Hether Sue Mercer gefolded, als diese ihre letzten 18 Big Blinds nach einem Raise von Kassela in die Mitte brachte. "Ich möchte dich nicht busten, erst soll Juanda rausfliegen", meinte er. Definitv die Expert-Line.

Tournament of (elder) Champions

Apropos rüstige Rentner: Das Tournament of Champions ist inzwischen an Tag zwei angekommen und die Granden des Pokerbusiness freuen sich, dass sie immerhin in einem Turnier unter sich sind. Lediglich dieser Internetfranzose mit den weißblonden Haaren störte da zeitweilig ein wenig, aber Elky ist inzwischen der Shorty des Turniers, so dass von ihm kaum noch Gefahr ausgeht. Joe Cada bustete ohnehin als einer der Ersten.

Insgesamt ist das Feld des ToC eben eher gesetzt. So wollte Doyle Brunson gerne mit Daniel Negreanu wetten, dass einer der älteren Pokerspieler das Event gewinnen würde, doch Daniel fiel bei näherer Betrachtung auf, dass die Wette in Anbetracht des Feldes nur wenig Sinn ergibt. Man wettet bei Pferderennen ja auch nicht darauf, dass der Sieger wahrscheinlich ein Pferd sein wird.

The real deal with Evander Holyfield

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Evander Holyfield (rechts im Bild)
Quelle: insidesocal.com

Ich hoffe, ich werde dafür nicht von Korn und Xantos in ein Fass voll glühendem Schwefel geworfen, aber ich werde jetzt über einen neuen Pokerraum sprechen, der auf der WSOP präsentiert wurde: RealDealPoker.

Als Aushängeschild konnte dafür der mehrfache ehemalige Schwergewichts-Boxweltmeister Evander Holyfield geworben werden, der sonst insbesondere durch sein offenbar schmackhaftes Ohr zu Berühmtheit kam.

Dabei wendet sich RealDealPoker explizit an alle Verschwörungstheoretiker, Illuminaten und sonstige Esoteriker, die fest davon überzeugt sind, dass Onlinepoker "rigged" sei.

Zwar sieht das Interface von RealDealPoker quasi genauso aus wie überall, aber im Hintergrund arbeitet eine Maschine, die echte Karten austeilt und mischt. So soll sichergestellt werden, dass die Karten auch wirklich zufällig kommen und nicht wie bei anderen Pokerräumen, wo der Gegner gemeinerweise am River immer den Nussflush trifft.

Dazu ist es auch möglich, zwischen vier verschiedenen Dealern zu wählen, falls man mit den Karten unzufrieden ist "oder einfach mal Dampf ablassen möchte". Außerdem kann man am Tisch die Position wechseln während des Spiels, es werden Burn Cards angezeigt und noch viele weitere Schmankerl, die beweisen, dass RealDealPoker wirklich der "Real Deal" ist.

"Real cards being dealt online - why didn't someone think of this sooner?" fragt sich Holyfield. Fragen wir uns auch. Brillante Idee, sowas.

jlittle
Platz 3 im FL Shootout:
Videoproduzent Jonathan Little

Save yourself for Ma... in Event

Das Main Event rückt bekanntermaßen näher und somit steigt auch die Zahl der in Sin City anwesenden PokerStrategen kontinuierlich.

Lediglich die Zahl der bisher gewonnenen Bracelets hat sich bisher leider noch nicht verändert und verharrt auf einem eher niedrigen Niveau.

Die besten Ergebnisse im kurzen Überblick: Videoproduzent jonathanlittle wurde Dritter im Fixed Limit Shootout und der russische Black Member vedevas wurde schließlich sechster im No Limit Triple Chance Event. Beide erhielten hohe fünfstellige Beträge für ihre Mühen. Dazu gesellen sich zahlreiche andere PokerStrategen, die immerhin die Geldränge in diversen Events erreichen konnten.

Als Schlussfolgerung kann daher nur entnommen werden: Kräfte und Suckouts aufsparen für das Main Event.

Meinen groben Schätzungen zufolge wird mehr als nur eine doppelte Handvoll an PokerStrategen da an den Start gehen und ich bin mir angesichts der hervorragenden Spieler unserer Community nahezu sicher, dass die November Nine zum Jahresende geschlossen mit einer Chartermaschine aus Deutschland anreisen. Und sollte das nicht klappen, werden wir halt Fußballweltmeister. Ist auch okay.