Wann ist ein Amateur eigentlich schon ein Profi?
Lässt sich ein professioneller Spieler darüber definieren, dass er durch Poker höhere Erträge erzielt als durch seinen Job? Oder gibt es ein anderes Merkmal?

In der vergangenen Woche konnte der britische Vermögensverwalter Talal Shakerchi das $100.000 Triton Poker Main Event für sich entscheiden und eine Summe von $3.250.000 einstreichen. Talal hat nicht nur beim Live-Poker bereits zahlreiche Highroller-Events gewonnen, auch online hat er sich bereits fünf SCOOP-Titel einverleibt – um nur eine kleine Auswahl seiner Erfolge zu nennen.
Auf einer derartige Bilanz bei Pokerturnieren wären wohl viele professionelle Spieler stolz. Tatsächlich übertreffen seine Fähigkeiten am Tisch sehr wahrscheinlich auch die Skills einiger Highstakes-Spieler, mit denen er sich regelmäßig bei Nosebleed-Events duelliert.
Wie viele andere Spieler in seiner Position legt er jedoch viel Wert darauf, dass er nicht als professioneller Spieler eingeordnet wird – trotz all seiner Erfolge. Daher muss man sich fragen, ab wann ein Amateur auch unbeabsichtigt die Schwelle zur Professionalität überschreitet?
Kein Profi zu sein hat Vorteile

Schon seltsam, wie sehr sich das Blatt manchmal wenden kann. Zu Zeiten des Pokerbooms wurde die Szene von Spielern überschwemmt, die behaupteten Profis zu sein, obwohl sie es eigentlich nie waren.
Heutzutage versuchen viele hochkarätige Spieler genau das Gegenteil zu erreichen. So sind ehemalige Legenden, die bereits den Vorruhestand genießen, wie etwa Doug Polk oder Fedor Holz, kein seltener Anblick an den Tischen. Daneben verbringen Geschäftsleute wie Tony G und Dan Shak wahrscheinlich ähnlich viel Zeit am grünen Filz wie im Büro.
Der Aufstieg von Events wie dem Coin Rivet Invitational ist entsprechend wenig verwunderlich. Zur Erinnerung: Bei diesem Highstakes-Turnier werden Profis und Amateure am ersten Turniertag noch getrennt, um den ersten Tag untereinander auszufechten. Entsprechend vorteilhaft ist es, in solch einem Event als Amateur und nicht als Profi eingeordnet zu werden.
Nach welchen Kriterien entscheidet das Gremium bei solch einem Event aber, wer ein professioneller Spieler ist und wer ein Amateur?
Wo liegen die Schwerpunkte im Leben?

Offensichtlich kann der Ertrag durch Poker, verglichen mit dem Einkommen aus dem Job, nicht als Definition für einen professionellen Spieler dienen. Demnach wäre jeder Spieler, der wie Jerry Yang einmal ein gigantisches Turnier gewonnen hat, ein professioneller Spieler.
Verdient ein Spieler durch Einkommensströme fernab der Tische eine enorme Summe, kann ihm dadurch nicht in Abrede gestellt werden, ein ausgezeichneter Spieler zu sein. So könnte Daniel Negreanu mutmaßlich durch seine Partnerschaft mit GGPoker und anderen Unternehmungen mehr Profit erwirtschaftet haben als an den Tischen. Niemand würde aber bestreiten, dass Negreanu ein professioneller Spieler ist, und erst dieser Status ermöglichte ihm überhaupt das Vordringen in andere Geschäftsfelder.
Meiner Meinung nach existiert keine perfekte Definition über den Status eines Spielers. Wünschenswert wäre eine ehrliche Selbsteinschätzung darüber, wie viel Zeit jemand dem Spiel widmet, verglichen mit anderen Unternehmungen. Wenn es einem Talal Shakerchi gelingt, nach einem stressigen Arbeitstag auf profitable Weise Dampf am Pokertisch abzulassen, so sollte man ihn immer noch als Freizeitspieler wahrnehmen.
Allerdings wäre es äußerst bedenklich, wenn sich Stephen Chidwick beim nächsten Event mit getrenntem Spielerpool als Steinmetz ausgibt.
Wo liegt für euch die Schwelle, bei der ein Amateur zum Profi wird? Wir freuen uns auf eure Meinung!