War's das mit den Online-Highstakes?
Im vergangenen Jahr konnte nur ein Highstakes-Spieler einen siebenstelligen Gewinn einfahren. Stehen die Nosebleed-Partien online vor ihrem Ende?

Es sah im vergangenen Jahr schon früh danach aus, als würde kaum ein Spieler die Online-Nosebleeds so richtig crushen. Zunächst dachte ich der Grund sei, weil die größten Gewinner und Verlierer ihre Resultate nicht tracken ließen. Am Ende des Jahres kam es jedoch zu einem Besitzerwechsel bei HighStakesDB und die Resultate aller Nosebleed-Spieler wurden veröffentlicht. Zu meiner Überraschung gab es nur einen Spieler, der mehr als $1 Million Profit machen konnte.
In vorherigen Jahren wurde die siebenstellige Marke auf Gewinner- und Verliererseite bereits im ersten Quartal gebrochen und bis zum Jahresende erreichten noch viele weitere Spieler diesen Meilenstein. In diesem Jahr konnte nur Alexander Kostritsyn $1.466.568 gewinnen. Der größte Verlierer war 'bodamos' mit einem Minus von $788.183. Selbst Viktor Blom, der sein Jahr für gewöhnlich im positiven oder negativen siebenstelligen Bereich beendet, landete am Ende nur bei einem Verlust von $488.718.
Die größten Partien gibt es wieder live

Der Hauptgrund für den Rückgang an Gewinnen und Verlusten sind natürlich die einschneidenden Änderungen, die wir bei den Online-Nosebleeds erlebt haben. Full Tilt hat sich komplett von den höchsten Online-Partien verabschiedet und PokerStars hat gewöhnliche Heads-up-Partien auf den Highstakes mit Zoom-Heads-up ersetzt.
Ich denke nicht, dass die Highstakes-Partien am Ende sind, sondern schätze eher, dass sie nun live stattfinden. Macau ist seit mehreren Jahren bereits in aller Munde, es scheint jedoch, als würden die großen Partien auch wieder in Bobby's Room nach Las Vegas zurückkehren. Sogar altbekannte Größen wie Gus Hansen lassen sich wieder blicken.
Was im letzten Jahr auffiel, war natürlich das große Angebot an High-Roller- und Super-High-Roller-Turnieren – und auf diesen Bereich scheint sich die Highstakes-Action immer mehr zu konzentrieren.
Das Aria in Las Vegas hat zum Beispiel fast an jedem Wochenende ein Event mit $25.000 bis $100.000 Buy-in veranstaltet. Wir sind es mittlerweile gewohnt, Highroller-Turniere im Schedule der größten Pokertouren zu sehen. Dass es sie jedoch auch auf wöchentlicher Basis bei einem Cardroom gibt, ist besonders beeindruckend, was den Zustand der Highstakes-Szene betrifft.
Auch die Highroller-Events der großen Turnierserien werden immer stärker. Gerade im vergangenen Monat war die Nachfrage so groß, dass man bei der EPT Prag in letzter Minute noch drei weitere €25.000-Turniere aus dem Boden stampfte. Das €10.000 High Roller, das William Kassouf für sich entscheiden konnte, stellte zudem mit 407 Entrys einen neuen Teilnahmerekord auf.
Dann bleibt natürlich der rasante Erfolg der Super-High-Roller-Turniere im vergangenen Jahr zu erwähnen. Beim €111.111 One Drop High Roller der WSOP, das Fedor Holz für sich entscheiden konnte, kamen satte 183 Entrys zustande. Und es war nur eins von unfassbar vielen Events mit sechsstelligem Buy-in im Jahr 2016. Als letztes Ausrufezeichen haben wir 2016 dann auch das erste Online-Turnier der Geschichte mit sechsstelligem Buy-in erlebt, bei dem erfreulicherweise bencb und natürlich wieder Fedor Holz auf Platz 1 und 2 landen konnten.
Nicht tot, nur anders

Ich bin mir nicht mehr wirklich sicher, welcher Umstand nun eigentlich was bedingt hat. Sind die Online-Cashgames ausgetrocknet und jeder hat sich daher in die Highstakes-Turnierszene gestürzt? Oder hat jeder Live-Turniere für den großen Geldbeutel entdeckt und das Austrocknen der Online-Cashgames war nur die Folge? Wie auch immer, Nosebleed-Partien sind jedenfalls nicht tot, sondern finden einfach nur in anderer Form statt.
Das ist wahrscheinlich sogar etwas Gutes für die Highstakes. Mein Eindruck ist, dass die High Roller und Super High Roller derart unterhaltsam und gut organisiert sind, dass es für alle Beteiligten ein riesiger Spaß ist. Und ich würde auch sagen, dass wir Railbirds davon profitieren, da die Live-Streams dieser Tage vernünftig produziert werden und jede Menge Unterhaltung beim Zuschauen bieten.
Alles verläuft jedoch stets in Zyklen. Wenn die reichen Geschäftsleute irgendwann wieder vor allem online spielen wollen, erleben wir auch wieder Zeiten, in denen Patrik Antonius und Viktor Blom um sechs- oder siebenstellige Pötte streiten. Bis dahin können wir Fanboys mit reichlich Popcorn die Highroller-Live-Streams verfolgen.
Werden die Nosebleeds online irgendwann wieder ihren alten Status erreichen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!