Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Was man als Pokerspieler auf jeden Fall erleben sollte

Was sind die Schlüsselerlebnisse, die sich ein Pokerspieler von Welt in seiner Karriere nicht entgehen lassen sollte?

bucket list movie

In ein paar Jahren erreiche ich einen wichtigen runden Geburtstag. Ich weiß, ich kann es manchmal selbst kaum glauben, dass ich mittlerweile fast 20 bin. Jedenfalls habe ich das Ganze zum Anlass genommen, mal darüber nachzudenken, was man als echter Pokerspieler in seinem Leben auf jeden Fall gemacht haben sollte.

Was gehört auf die "Bucket List" eines jeden Pokerspielers? Was muss man auf jeden Fall gesehen haben? Viele würden an dieser Stelle hoch gegriffene Ziele ausrufen, wie zum Beispiel "mindestens $1 Million gewinnen" oder "mehrere Bracelets bei der WSOP einsacken". Wir wollen es jedoch etwas realistischer gestalten.

Abgesehen von ambitionierten ergebnisorientierten Zielen habe ich also einige Vorschläge zusammengetragen, die einen Platz auf einer solchen Liste verdient hätten.

Ein Live-Turnier gewinnen

One Drop Jonathan Duhamel
Das denkwürdige Siegerfoto

Ups, da hat es nur einen Absatz gedauert, bis ich doch direkt bei einem ergebnisorientierten Ziel gelandet bin. Das hat jedoch einen Grund.

Zweifellos einer der denkwürdigsten Momente in einer Pokerkarriere ist es, wenn man am Ende eines gewonnenen Turniers für einen Schnappschuss mit den siegbringenden Holecards sein bestes Lächeln auflegt. Es muss gar nicht eines der Major-Turniere sein. Es könnte auch einfach ein beliebiges Rebuy-Event im örtlichen Casino reichen. Das Gewinnerfoto am Ende ist jedoch etwas, das man auf jeden Fall einmal persönlich erlebt haben sollte.

Ich schreibe das mit etwas Wehmut, denn genau diese Erfahrung blieb zumindest mir bisher leider verwehrt. Wenn man dann auch noch einen Job hat, bei dem man praktisch jede Woche über große Turniersiege berichtet und die besten Schnappschüsse der Gewinner heraussucht, wird der Zustand umso frustrierender. Aber irgendwann klappt es bestimmt und ich kann das Fotoalbum meiner "Pokerkarriere" vervollständigen.

Bei einem Live-Turnier bubblen

WSOP bubble boy
Schlechte Zeiten sind nötig, damit man die guten richtig zu schätzen weiß

Die guten Zeiten weiß man nie richtig zu schätzen, solange man nicht auch die schlechten erlebt hat. Beim Poker gibt es wenige ernüchterndere Erfahrungen, als einen ganzen Tag lang oder sogar über mehrere Tage ein Live-Turnier zu spielen, nur um dann der letzte Spieler zu werden, der es nicht ins Geld geschafft hat. Nur dann weiß man aber die Cashes mehr zu schätzen und lernt nebenbei noch eine wichtige Lektion über das entscheidende Spiel an der Bubble.

Ich muss gestehen, dass ich diese Erfahrung leider schon machen durfte. Das Ganze war umso schmerzhafter, da ich als Chipleader die Bubblephase in Angriff genommen hatte und am Ende – da es sich um ein Turnier in Vegas gehandelt hat – meinen persönlichen "Walk of Shame" durch einen vollbesetzten Floor antreten durfte, bei dem sich glückliche Amateure in die Arme fielen, weil sie es ins Geld geschafft hatten.

Nach Las Vegas reisen

Swingers movie vegas scene
Vegas, Baby!

Nun zum Offensichtlichen: Man sollte sich selbst nicht als echter Pokerspieler sehen, solange man nicht eine Runde im Glücksspiel-Mekka schlechthin gespielt hat. In Vegas gibt es 24 Stunden am Tag Action, die amerikanische Gastfreundschaft ist unbestritten und auch abseits der Tische warten an jeder Ecke einmalige Erlebnisse, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet.

Vielmehr muss man zu diesem Punkt eigentlich nicht sagen.

Per Satellite zu einem Major-Turnier

Chris Moneymaker WSOP win
Satellites machen das Live-Erlebnis umso süßer

Ich hatte schon überlegt als weiteren Punkt "ein Major-Event wie die EPT oder WSOP spielen" aufzulisten. Hier kann man allerdings zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es muss dabei auch nicht einmal ein Main Event der WPT, WSOP oder PokerStars Championship sein. Turniere mit kleinerem Buy-in haben meist eine derart gute Struktur (vor allem bei der WSOP) und bieten so große Teilnehmerfelder und Preisgelder, dass man trotz des günstigeren Buy-ins im Grunde dieselbe Erfahrung machen kann.

Einen Seat in einem solchen Turnier für lau zu gewinnen, ist ein tolles Erlebnis. Schon zu Turnierbeginn stellt sich eine gewisse Zufriedenheit ein, wenn man weiß, dass jemand anderes für alle Kosten aufkommen wird, ob nun Unterkunft oder Buy-in. So wird selbst ein Mincash zu einem großen Erfolgserlebnis.

Gegen einen bekannten Spieler antreten

Aaron Paul playing poker
Nur nicht in Ehrfurcht erstarren

Ich bin überzeugt davon, dass einer der wichtigsten Aspekte von Poker ist, dass an einem guten Tag praktisch jeder jeden schlagen kann. Ich könnte tausend Mal gegen Roger Federer beim Tennis antreten und hätte dennoch nur dann eine Siegchance, wenn er sich ein Bein brechen würde. Wenn nicht sogar noch ein zusätzlicher Armbruch nötig wäre. Würde man mich jedoch genau in diesem Moment an einen Tisch mit Phil Ivey setzen, hätte ich mit der nötigen Portion Glück auf meiner Seite durchaus eine realistische Chance ihn tatsächlich zu schlagen.

Als Amateurspieler gegen jemanden anzutreten, den man sonst nur als großen Gewinner aus dem TV oder den Live-Streams kennt, ist ein denkwürdiges Erlebnis, insbesondere wenn man es schafft, den einen oder anderen Pot gegen den Star zu gewinnen. Und auch für die Profispieler ist es eine gute Sache, denn genau solche Momente erinnern einen daran, dass man trotz all des Könnens und der bisherigen Erfolge immer wieder dieselbe Anzahl an Startkarten wie alle anderen bekommt und am selben Punkt beginnt.

Eine Heads-up-Challenge eingehen

Doyle Brunson and Jennifer Tilly
Im Heads-up werden Sieger gemacht

Keine Form von Poker ist intensiver und persönlicher als das Heads-up gegen jemanden, den man kennt oder mit dem man eine Fehde hat. In keiner anderen Konstellation ist derart viel Metagame und Anpassung des eigenen Spiels gefragt wie beim direkten Duell eins gegen eins. Wenn man dann noch im persönlichen Clinch mit dem Gegner liegt und auf gar keinen Fall den Kürzeren ziehen will, wird das Match umso nervenaufreibender und lehrreicher.

Ich selbst konnte unzählige Schwächen in meinem Spiel nur dadurch beseitigen, dass ich eine Challenge von einem anderen Spieler zu einem Heads-up-Duell angenommen habe. Diese Lebenslektion sollte man sich als Pokerspieler nicht entgehen lassen.

Eine verrückte Propbet eingehen

Joe Sebock
Abwechslung vom monotonen Grind

Aberwitzige Propbets sind einer der unterhaltsamsten Aspekte der Pokerszene und häufig ist dabei die Verbesserung der eigenen Lebensweise das Ziel. Wir haben mittlerweile schon vieles gesehen, von Kampfwetten über Abnehmwetten bis hin zur kuriosen "Das Hotelzimmer nicht verlassen"-Wette. Eine lustige Propbet ist auch stets ein toller Weg, um mit Gleichgesinnten in der Pokerszene Kontakte und Freundschaften zu knüpfen.

Zwangsläufig bin auch ich über die Jahre die eine oder andere verrückte Wette eingegangen. Mein persönliche Favorit: Eine Propbet mit einem Raucher, bei der es darum ging, so schnell wie möglich eine Zigarette zu rauchen. Ich bin Nichtraucher, hatte an dem Tag jedoch gerade einen Halbmarathon hinter mir und war korrekterweise davon überzeugt, dass meine Lungenkapazität mir den Sieg bescheren kann. Poker kann hin und wieder monoton werden, manchmal ist derartige Ablenkung also genau das Richtige.

Was befindet sich auf eurer persönlichen "Bucket List" als Pokerspieler? Was muss man auf jeden Fall einmal erlebt haben? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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