Werden Highroller-Resultate überbewertet?
Ist Fedor Holz der beste Spieler der Welt oder übersteigt der kürzliche Erfolg in Super-Highroller-Turnieren seine Fähigkeiten?
Es scheint so, als gäbe es in jedem Jahr einen Spieler, der die Super-Highroller-Events dominiert. Beinahe über Nacht werden sie dann zum Führenden der All-Time-Moneylist. Diese Ehre gebührt zurzeit Fedor 'crownupguy' Holz.
Im Sommer fing alles mit seinem zweiten Platz im Super High Roller Bowl für $3,5 Millionen an. Danach gewann er drei weitere Highroller-Turniere im Aria: eines am 3. Juni für $637.392, eines am 10. Juni für $393.120 und schließlich das Dritte am 17. Juni für $276.012. In einem weiteren Turnier cashte er für zusätzliche $407.310.
Zuletzt hat er im $111.111 One Drop High Roller ein Feld von 183 Teilnehmern, gespickt mit den besten 'No-Limit Hold'em'-Spielern, hinter sich gelassen. Somit sicherte er sich sein erstes Bracelet und $4.981.775.
Wirklich erstaunlich ist, dass Fedor zwar gerade einmal 22 Jahre alt, aber trotzdem der größte deutsche Gewinner aller Zeiten ist. Er sammelte bisher $18.495.174 in Cashes. Diese riesige Summe brachte ihn auch unter die Top 10 des All-Time-Money-Rankings. Machen ihn diese Leistungen zum besten Turnierspieler unserer Zeit, oder werden die Highroller-Resultate überbewertet?
Super-Highroller-Turniere sind noch neu

Vor nur fünf Jahren war der Pokermarkt ein ganz anderer als heute. Auch die Super-Highroller-Events sind ein noch recht neues Konzept, obwohl sie in kürzester Zeit sehr beliebt wurden.
Kurz nach dem Black Friday etablierten sich die Turniere mit Buy-ins in sechs- und siebenstelliger Höhe und das bisherige All-Time-Money-Ranking wurde im Prinzip wertlos. Antonio Esfandiari z. B. katapultierte sich durch seinen Sieg im One Drop an die Spitze der Moneylist und nun reichen ein paar Resultate eines jungen Spielers in Highroller-Turnieren, um Pokerikonen zu verdrängen, die 20 Jahre gebraucht haben, um dort zu stehen, wo sie heute sind.
Hätte es zu den Zeiten von Phil Ivey oder Doyle Brunson schon Super-Highroller-Turniere gegeben, so hätten sie diese Events wohl auch gecrusht. Trotzdem sollte man den Erfolg von Spielern wie Fedor nicht kleinreden. Heutzutage ist es zwar einfacher geworden eine Möglichkeit zu finden siebenstellig zu gewinnen, die Felder sind dafür aber auch um einiges härter als vor dem Boom. Natürlich gehört Glück dazu, wenn man drei oder mehr Super-Highroller in einem Jahr gewinnt, man musste sich aber trotzdem mit den Besten messen.
Niemand spielt für 100%

Ein weiterer Faktor ist, dass fast jeder Pro in diesen Events gestaked ist und/oder mit anderen im Feld Prozente getauscht hat. Die Events sind also wenige bedeutsam, als sie zunächst erscheinen. Kein Pokerpro besitzt die Bankroll, um Super-Highroller-Turniere zu spielen (oder zum Großteil sogar $10ks). Dennoch sind diese Events +EV für sie, obwohl sie nur einen geringen Prozentanteil halten.
Dazu kommt (außer beim One Drop mit 183 Spielern), dass bei Super-Highrollern oft nur 50 Spieler teilnehmen. Die Felder sind also tough und die Tische haiverseucht, aber einer der Elitespieler wird zwangsläufig besser runnen als seine Kontrahenten und somit eine Reihe von guten Resultaten einfahren.
Fedors Erfolg in den Highroller-Events der WSOP ist einer der großartigsten Runs im Poker, aber nicht wegen des Geldes. Vielmehr sollte man anerkennen, dass er wiederholt die stärksten Felder im heutigen Poker geschlagen hat.
