Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Wie Katerina Malasidou von einer Buchhalterin zum Pokerprofi wurde

Katerina Malasidou, Neuzugang im PokerStars Team Online, erzählt in unserem Interview, wie sie ohne große Erfahrung Pokerprofi wurde.

"Man muss ein guter Botschafter des Pokerspiels sein, um den Sponsorenvertrag zu verdienen"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/03/07/1ea63e67354d1ae5a2b347896e794d7d.jpegPokerStrategy.com: Herzlichen Glückwunsch zur Aufnahme ins PokerStarsPokerStars Team Online. Das Team ist auch das Ziel vieler unserer Spieler. Wie hast du es geschafft?

Katerina Malasidou: Im letzten Herbst, ich glaube im Oktober, hat PokerStars eine E-Mail an Supernovas und Supernova Elites geschickt und um Bewerbungen für das Team Online gebeten. Wie alle anderen auch habe ich einfach eine Bewerbung losgeschickt und wurde tatsächlich aufgenommen. Vermutlich hatte das etwas damit zu tun, dass ich eine Frau bin und es bisher nur ein weibliches Teammitglied gab.

Darüber hinaus schreibe ich einen Blog, in dem ich über alle pokerbezogenen Erfahrungen und mein Leben als Pokerspielern berichte. Mit dem Bloggen habe ich angefangen, noch bevor ich überhaupt die leiseste Ahnung vom Pokern hatte. Mein erster Blogeintrag sah ungefähr so aus: "Okay, ich habe keine Ahnung von den Regeln und weiß nicht, ob ein Flush besser als ein Full House ist oder nicht."

PokerStrategy.com: Einen Sponsorenvertrag zu haben bedeutet heutzutage viel mehr als sich nur ein Logo anzuheften und Poker zu spielen. Was erwartet dich als PokerStars Pro?

Katerina Malasidou: Meiner Meinung nach muss man ein guter Botschafter des Pokerspiels und nahe an den anderen Spielern sein, um den Sponsorenvertrag wirklich verdient zu haben. Genau das versuche ich mit meinem Blog zu erreichen. Im Grunde bin ich ein Pokerspieler wie alle anderen auch und teile meine Erfahrungen mit meinen Lesern.

"Meine Pokerkarriere verdanke ich meinem Freund"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/03/07/Katerina-Malasidou.pngPokerStrategy.com: Dein Lebensgefährte André Coimbra gehört ebenfalls zum PokerStars Team Online. Wie ist es für dich, mit deinem Freund zu arbeiten?

Katerina Malasidou: Ich finde es schön und kann mich eigentlich nicht darüber beklagen. Für mich ist es in dieser Beziehung überhaupt sehr gut gelaufen, denn ohne ihn würde ich wahrscheinlich gar nicht Poker spielen.

Unserer Beziehung hat es sehr gut getan, da wir vorher kaum über Poker sprechen konnten, obwohl das Spiel nun einmal sein Job war. Er wollte sich mit mir darüber unterhalten, obwohl ich relativ wenig Ahnung hatte, weil die Pokerwelt damals noch etwas ganz fremdes für mich war.

Im Gegensatz dazu ist Poker nun eine weitere Gemeinsamkeit, die wir teilen und über die wir sprechen können. Natürlich helfen wir uns oft gegenseitig und diskutieren über bestimmte Hände. Das ist sehr angenehm.

PokerStrategy.com: Kommt es dir manchmal so vor, als würdet ihr zu viel über Poker sprechen und nicht genug andere Themen finden?

Katerina Malasidou: Nein, das empfinde ich bisher nicht so. Es kann zwar vorkommen, dass unsere Pokerdiskussionen sehr intensiv werden, wenn wir uns nicht einig sind, aber viel weiter geht das dann nicht.

"Ich war sehr unerfahren, als ich Pokerprofi wurde"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/03/07/8G2A3418__TeamOnline_Katerina_Malasidou_Neil_Stoddart.jpgPokerStrategy.com: Ich habe einmal gelesen, dass du deinen Job als Buchhalterin gekündigt hast, bevor du auch nur annähernd gut Poker spielen konntest. Warum bist du solch ein Risiko eingegangen?

Katerina Malasidou: Ich war damals noch sehr unerfahren. Mein Job hat mich aber sehr viel Zeit gekostet, sodass ich das Spiel nicht richtig einfach nur nebenher lernen konnte. Ich musste jeden Tag mindestens eine Stunde zur Arbeit fahren und eine wieder nach Hause. Dazu kam dann noch die eigentliche Arbeitszeit, sodass nicht mehr viel übrig blieb.

Der Job war aber nicht nur sehr zeitaufwändig, sondern hat mir außerdem nicht viel Spaß gemacht. Ich war Buchhalterin, obwohl ich einen Abschluss als Lehrerin für Französisch als Fremdsprache habe. Mit meiner Ausbildung hatte das also nicht viel zu tun und ich habe zu viel Zeit mit etwas verbracht, das mir nicht viel Spaß gemacht hat.

Mein Gehalt als Buchhalterin war zwar ganz akzeptabel und es kam jeden Monat sicher auf mein Konto, aber so richtig viel anfangen konnte ich damit auch nicht.

Als ich noch dort arbeitete, habe ich immer Andres Leben als Pokerspieler verfolgt und ihn um seine vielen Reisen beneidet. Als er auf den Bahamas war und mir Fotos vom Pool und beim Sonnen geschickt hatte, saß ich im Januar in einem Büro während es regnete und die Sonne nicht zu sehen war. Diesen Lebensstil habe ich sehr beneidet.

PokerStrategy.com: War der Sprung für dich einfacher, weil dein Freund schon Pokerprofi war?

Katerina Malasidou: Mit Sicherheit war Andre einer der Hauptgründe dafür, warum ich den Sprung gewagt habe. Wie schon gesagt würde ich ohne ihn gar nicht Poker spielen. Er hat so viel mehr für mich getan, als mir nur die Regeln zu erklären.

Er war dabei als sich mein Leben von Grund auf verändert hat. Obwohl er mir nicht garantieren konnte, dass ich überhaupt etwas gewinnen oder gar meinen Lebensunterhalt damit bestreiten könne, versprach er mir, immer für mich da zu sein. Er glaubte daran, dass ich es tatsächlich schaffen und mit seiner Hilfe ein guter Pokerspieler sein könne.

PokerStrategy.com: Der Druck muss dennoch enorm gewesen sein. Immerhin hattest du bis dahin noch nie erfolgreich Poker gespielt.

Katerina Malasidou: Ja, das war schon sehr belastend. Immerhin habe ich einen Bürojob mit einem sicheren Gehalt aufgegeben für etwas, von dem ich keine Ahnung hatte. Ich wusste, dass ich zunächst nichts verdienen würde, da ich so viel zu lernen hatte und mich erst auf den Microstakes beweisen musste.

Da war also ganz gewaltig Druck vorhanden und der Einstieg war psychologisch sehr schwer. Ich war am Anfang auch oft sehr unsicher darüber, ob ich das Richtige mache. Die meisten Spieler haben wohl diese Phasen, in denen sie unsicher sind, weil sie gerade einen Downswing erleben oder längere Zeit nicht mehr gespielt haben und glauben, nicht mehr so richtig auf der Höhe zu sein. Wenn man aber gerade erst mit dem Pokern anfängt und gleich Profi werden will, ist der Druck natürlich viel viel höher.

"In den Hyper Turbos gibt es immer noch viel Value zu holen"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2014/03/07/katerina-malasidou.jpgPokerStrategy.com: Genau wie Andre spielst du die Hyper Turbo Satellites. Wie profitabel sind diese Turniere heutzutage noch?

Katerina Malasidou: Dort gibt es immer noch sehr viel Value zu holen, auch wenn die Spiele immer härter werden, weil mehr und mehr Spieler auf die Hyper Turbos aufmerksam werden. Es wird in Zukunft also nicht leichter werden. Die Edges sind recht klein, manchmal sogar kaum spürbar, aber da es ja Hyper Turbos sind, kann man sehr viele von ihnen spielen. Es ist also sehr wichtig, so viel Volumen wie möglich hinzubekommen.

Aufgrund der kleinen Edge ist aber auch die Varianz ganz enorm. Nur 1.000 oder auch 5.000 Turniere zu spielen wird kaum ausreichen, um herauszufinden, ob man gut ist oder nicht. Es braucht schon viele Tausend Turniere bis man sagen kann "Okay, ich bin auf einem guten Weg" oder "Nein, irgendwas stimmt hier nicht."

PokerStrategy.com: Dein nächstes Ziel ist Supernova Elite. Wirst du das in diesem Jahr schaffen?

Katerina Malasidou: Für mich wird das in diesem Jahr sehr schwer und aufgrund der Stakes, auf denen ich spiele, wohl kaum zu schaffen sein. Ich spiele aktuell auf den Mid Stakes und müsste schon sehr viel mehr Tische hinzunehmen, um das schaffen zu können. Zwar gibt es auf meinen Stakes einige Spieler mit Supernova-Elite-Status, aber die spielen wahrscheinlich 24 Tische und ich meistens nur 12. Mein großes Ziel ist es, in den Limits aufzusteigen und mein Spiel zu verbessern. Das sollte auch durchaus möglich sein.

Ich könnte zwar auch das Spielvolumen erhöhen, aber ich glaube es ist sinnvoller, an meinem Spiel zu arbeiten und in den Limits aufzusteigen, als wie verrückt 30 Tische gleichzeitig zu spielen. Auch wenn ich auf meinem aktuellen Limit bleiben wollen würde, wäre die Verbesserung des eigenen Spiels das Hauptziel.

PokerStrategy.com: Einen Traum hast du dir mit der Aufnahme ins Team Online schon verwirklicht. Was willst du 2014 sonst noch erreichen?

Katerina Malasidou: Ich würde gerne dafür sorgen, dass mehr Frauen mit dem Pokern anfangen. Im Vergleich zu den Männern sind das nämlich immer noch zu wenige und es ist immer schön, ein paar Frauen an den Tischen zu sehen. Abgesehen davon hoffe ich, meine Begeisterung für das Spiel an alle Fans weiterzugeben.

PokerStrategy.com: Vielen Dank und nochmals herzlichen Glückwunsch an dich.
 

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von Barry Carter l Barry Carter bei Twitter