Wie hoch sollte ein Mincash ausfallen?
Das Doppelte des Buy-ins? Doch etwas mehr oder weniger? Die Höhe von Mincashes wird nur selten diskutiert, für viele Spieler haben sie jedoch Bedeutung.
In dieser Woche gab es eine bizarr anmutende Schlagzeile von einem Bracelet-Event an den Online-Tischen von WSOP.com, bei der ein Mincash von lediglich $7.797 bei einem High Roller mit $7.777 Buy-in vergeben wurde. Lediglich $20 Profit also für eins der größten Buy-ins, das viele Spieler im Turnier online je ausgegeben haben dürften.
Without a doubt one of the worst payout structures I have ever seen. pic.twitter.com/b8f0G9MB4x
— Ryan LaplanteðŸ³ï¸ðŸŒˆ (@Protentialmn) July 26, 2021
Die Höhe von Preisgeldern wird in der Pokerwelt häufig diskutiert, normalerweise drehen sich derartige Debatten aber um die Payouts am Final Table, wo es letztlich um das meiste Geld geht. Eher selten landen Mincashes im Fokus und für üblich betragen sie schlicht rund das 1,5- bis 2,5-Fache des ursprünglichen Buy-ins.
Die Höhe des Mincashs beim kritisierten Turnier erscheint aber besonders bizarr, weil es sich um ein High Roller gehandelt hat. Ich würde sogar so weit gehen, dass man weniger Kritik hätte einstecken müssen, wenn man den Spielern nur das Buy-in zurückerstattet hätte, statt den Mincash mit einem Plus von $20 zu versehen. Für derartigen Profit verlässt ein High Roller im Normalfall nicht einmal das Bett.
Die Balance muss stimmen
Wenn man den Mincash bei Turnieren höher ansetzt oder mehr Spieler im Feld den kleinsten Preisrang erreichen sollen, muss man stets auf die richtige Balance achten. Diejenigen, die die Preisränge erreichen, müssen das Gefühl haben, dass sie etwas erreicht und Sinnvolles mit ihrer Zeit angestellt haben. Das gilt insbesondere, wenn viele Satellite-Qualifikanten in einem Turnier unterwegs sind, bei denen auch der Mincash schon einen enormen Profit darstellen kann.
Setzt man das kleinste Preisgeld jedoch zu hoch an, muss man die Preisgelder am Final Table in der Folge senken. Bei Turnieren bleibt das Erreichen des großen Finals jedoch immer das ultimative Ziel, entsprechend groß müssen dort auch die Gewinnsummen ausfallen, damit Turniere nicht ihren wesentlichen Anreiz verlieren. Die meisten Spieler akzeptieren daher auch ohne viel Murren, dass Mincashes nicht zu hoch ausfallen können.
How much should the first min cash be? Obviously we are acknowledging that a small min cash means bigger prizes later on and vice versa
— Barry Carter (@Barry_Carter) July 26, 2021
Qualifiziert man sich über ein Satellite, ist letztlich jeder Mincash willkommen, da man ohnehin nur für einen Bruchteil des eigentlichen Buy-ins gespielt hat. Diese Spieler dürften daher die einzigen sein, die damit zufrieden sind, wenn man beim Mincash lediglich das Buy-in zurückbekommen würde. Jeder andere Spieler ist bei Turnieren stattdessen an einer toplastigen Auszahlungsstruktur interessiert. Bei der PSPC stellte der Mincash eine Gutschrift des Buy-ins von $25.000 dar, dafür hatten aber sämtliche Teilnehmer im Vorfeld gestimmt und es hat Sinn ergeben, weil sich allein 320 Spieler kostenlos für das Mega-Turnier qualifiziert hatten.
Für viele Spieler ist der Mincash nur ein Mittel, um die Varianz zu verringern, während man versucht den großen Wurf bei Turnieren zu landen und den Final Table zu erreichen. Daher ist der Schnitt von Mincashes in Höhe des 1,5- bis 1,7-Fachen des Buy-ins zufriedenstellend, weil man weniger am ROI selbst interessiert ist, sondern schlichtweg daran das eigene Buy-in nicht zu verlieren.
Flachere Strukturen werden bevorzugt

Generell bin ich persönlich für durchgehend flachere Payoutstrukturen bei Turnieren. Die meisten großen Events enden ohnehin mit einem Deal am Final Table und in vielen Fällen würde man sogar noch vor dem großen Finale choppen, wenn es nicht so verpönt wäre.
Viele Spieler dürften in der Öffentlichkeit sagen, dass Mincashes kleiner ausfallen sollten, damit am Final Table höhere Preisgelder zustande kommen, am Final Table selbst dann aber auf einen Deal zurückgreifen, um die Preissprünge doch wieder flacher zu gestalten.
Meine Sicht ist, dass ein Mincash in Höhe des Doppelten des Buy-ins die beste Lösung darstellt. Eine Verdopplung des Einsatzes ist keine schlechte Ausbeute und ein sattes Preisgeld für alle, die sich kostengünstig für ein Turnier qualifiziert haben. Wie viele davon im Turnier bei WSOP.com unterwegs waren, ist jedoch nicht klar. Daher bleibt die Ansetzung der Mincash-Höhe dort definitiv fraglich.
Wie hoch sollte ein Mincash ausfallen? Wir freuen uns auf eure Meinung!