Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Wie oft gewinnt der Chipleader der November Nine das Main Event?

Der Chipleader geht zwar meistens als Favorit in den Final Table des WSOP Main Events. In der Regel gewinnt aber ein anderer November Niner. Auf wen sollte man also wetten?

Joe McKeehen bei der WSOP
Der diesjährige Chipleader Joe McKeehen

Die Wettquoten für die November Nine 2015 sind bekannt und Chipleader Joe McKeehen ist wenig überraschend der Favorit bei den Buchmachern mit einer Quote von 13/8. Mit 32,8% aller Chips vor sich wird er als Chipleader mit dem größten Vorsprung überhaupt im WSOP Main Event an den Final Table zurückkehren.

Man kann schon vor Tag 1A des Main Events fast genau vorhersagen, wie die Odds der November Nine am Ende aussehen werden. Sie sind fast immer wie in diesem Jahr. Es gibt in der Regel einen großen Favoriten bei Quoten von 13/8, gefolgt von einem Zweiten mit 5/1. Es folgen drei Spieler mit 7/1, einer mit 16/1 und ein paar Underdogs um die 33/1.

Die Wettquoten orientieren sich dabei fast immer an den Chipstacks. Ausnahmen sind die Jahre, in denen es wie in diesem Jahr mit Max Steinberg einen etablierten Spieler am Final Table gibt. Dieser erhält niedrigere Odds als einige Spieler, die eigentlich mehr Chips als er haben.

WSOP Main Event Final Table
Position Spieler Chips Beste Odds
1. Joseph McKeehen 63.100.000 13/8
2. Zvi Stern 29.800.000 5/1
3. Neil Blumenfield 22.000.000 7/1
4. Pierre Neuville 21.075.000 15/2
5. Max Steinberg 20.200.000 7/1
6. Thomas Cannuli 12.250.000 16/1
7. Joshua Beckley 11.800.000 14/1
8. Patrick Chan 6.225.000 33/1
9. Federico Butteroni 6.200.000 33/1
Teilnehmer: 9 (6.420)

Für alle Wettbegeisterten, die auf den Sieger des Main Events setzen wollen, stellt sich an dieser Stelle folgende Frage: Sollte man immer auf den Chipleader setzen?

Nur ein November Niner gewann auch

Jonathan Duhamel gewinnt das One Drop
Jonathan Duhamel hielt seine Führung

Auf den ersten Blick liegt es nahe, diese Frage positiv zu beantworten. Der Chipleader hat offensichtlich die größte Equity. Er kann insbesondere bei den hohen Preissprüngen auf alle seine Gegner viel Druck ausüben und es sich außerdem leisten, Fehler zu machen. Zudem ist ein großer Stack am Ende eines großen Turniers wie dem Main Event auch ein Zeichen dafür, gute Entscheidungen treffen zu können. Ansonsten ist es unwahrscheinlich, überhaupt so weit zu kommen (auch wenn Ausnahmen diese Regel sicherlich bestätigen).

Poker ist ein Spiel der kleinen Edges, besonders wenn gute Spieler am Final Table sitzen. Nur wenige Spieler machen auf diesem hohen Buy-in-Level zu solch spätem Turnierzeitpunkt noch große Fehler. Alle Spieler sind nur wenige Cooler oder Setups vom Ausscheiden oder einem unwahrscheinlichen Sieg entfernt. Umso klarer sollte sein, dass ein größerer Stack auch fast immer eine größere Edge mit sich bringt.

Seit Einführung der November Nine im Jahr 2008 hat mit Jonathan Duhamel jedoch nur ein Finalist das Main Event gewonnen, der nach viermonatiger Pause als Chipleader nach Vegas zurückgekehrt war. Die meisten anderen Main-Event-Sieger schafften diesen Erfolg aus der Mitte des Feldes heraus, von den Positionen 3-7. Martin Jacobson ist der einzige November Niner, der anfangs den zweitkleinsten Stack hatte und dennoch gewinnen konnte.

November Nine Chipleader
Jahr Chipleader Ergebnis Tatsächlicher Champion Startposition
2008 Dennis Phillips 3. Peter Eastgate 4.
2009 Darvin Moon 2. Joe Cada 5.
2010 Jonathan Duhamel 1. Jonathan Duhamel 1.
2011 Martin Staszko  2. Pius Heinz 7.
2012 Jesse Sylvia 2. Greg Merson  3.
2013 JC Tran 5. Ryan Riess 5.
2014 Jorryt Van Hoof 3. Martin Jacobson 8.

Seit Ausbruch des Pokerbooms konnten außerdem Greg Raymer und Jamie Gold als Chipleader in den Final Table startend das Main Event gewinnen. Dies war jedoch vor Einführung der November Nine und damit ohne den speziellen Wettmarkt, der mit ihnen neben dem besonderen Druck, dem die Finalisten ausgesetzt sind, entstand.

Die Schattenseite des Chipleads

WSOP-Sieger 2014: Martin Jacobson
Martin Jacobson - vom 8. auf den 1. Platz

Auf gewisse Weise bedeutet die viermonatige Pause vor dem Final Table für den Chipleader einen großen Nachteil im Vergleich zum Rest des Tischs. Er verliert vor allem sein Momentum, das er in aller Regel in der Spätphase des Turniers hatte. Alle Chipleader im Main Event, die ich interviewte, gaben an, dass sie den Final Table lieber direkt im Juli gespielt hätten, weil sie zu diesem Zeitpunkt gut spielten und einen echten Lauf hatten.

Es ist natürlich Quatsch, dass ein guter Lauf ('Rungood') eine messbare Größe ist, die man während einer Turnierpause verlieren kann. 'In the Zone' sein, das Spiel und die Gegner voll im Griff zu haben, kann es hingegen sehr wohl sein. Die Form ist ein entscheidender Faktor im Sport, sowohl physisch als auch mental.

Heute muss der Chipleader den Druck seiner Position vier Monate lang ertragen. Man könnte zwar denken, dass eine Führung für ein befreiendes Gefühl sorgen kann, das entspannt. Aber hier geht es um das Main Event und mit ihm um Summen, die in den meisten Fällen das Leben verändern. Eine Chance, die sich so vielleicht nie wieder bietet. Im Gegensatz zum Rest des Tisches läuft der Führende Gefahr, im Kopf sein Preisgeld bereits auszugeben. Er muss vier Monate lang mit der Angst klarkommen, seine Führung wieder zu verlieren.

Alle anderen am Tisch hingegen sind sich vollkommen bewusst, dass sie nur eine Hand davon entfernt sind, aus dem Turnier auszuscheiden. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die meisten Sieger aus einer mittleren Position im Chipcount heraus erfolgreich sind. Bei ihnen halten sich Angst und Zuversicht am gesündesten die Waage und sie haben nicht das Gefühl, besonders viel verlieren zu können.

Die gute Nachricht für die Chipleader der November Nine ist jedoch, dass sie mit Ausnahme von JC Tran, der Fünfter wurde, bislang alle mindestens Dritter werden konnten. Ein Zahltag von vier Millionen US-Dollar und mehr ist daher wahrscheinlich.

Bislang gab es nur sieben November Nine, die Sample Size ist also viel zu klein, um aus den Daten sichere Annahmen abzuleiten. Wieder einmal wird jedoch klar, wie hoch die Varianz im Poker ist und wie schnell sich ein Riesenstack in nur einem Orbit in einen zerplatzten Traum verwandeln kann.

Auf wen würdet ihr in diesem Jahr setzen? Warum gewinnt der Chipleader so selten?

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