"Wir behandeln Poker wie ein Videospiel"
Im Gespräch mit dem Head of Poker des aufstrebenden GGNetwork erfahren wir mehr über die Ausrichtung und das rasante Wachstum des Netzwerks und die Beschränkung von Multitabling.

Seit ein paar Jahren wird darüber spekuliert, ob es partypoker gelingen könnte, PokerStars als Marktführer zu verdrängen. Das am schnellsten wachsende Netzwerk ist jedoch das GGNetwork. Glaubst du, dass ihr die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr verdient habt?
Jean-Christophe Antoine: Wir haben bisher noch keine signifikanten Ressourcen ins Marketing gesteckt. Unser Ursprung liegt in der Technologie- und Softwareentwicklung, also haben wir mit den Dingen angefangen, mit denen wir uns auskennen.
Wir waren tatsächlich sogar froh darüber, bei niemandem frühzeitig auf dem Radar gelandet zu sein, sodass man auch nicht wusste, wer wir genau sind und was wir geplant haben. Wir wollten es ruhig angehen lassen, bis wir uns sicher waren, dass wir technologisch der Konkurrenz voraus sind. Nun ist der Punkt gekommen, an dem wir überzeugt sind, dass das der Fall ist.
Man kann sich schon einmal drauf einstellen, dass in den nächsten Monaten noch sehr viel mehr von uns zu hören sein wird.
Ein Ort, an dem das GGNetwork bereits umfangreicher promotet wird, ist Twitch. Ist das ein wichtiger Wachstumsmarkt für euch?
Jean-Christophe Antoine: Hauptsächlich sind wir bisher per Mund-zu-Mund-Propaganda gewachsen und indem wir das Netzwerk genutzt haben, um Anbieter und Spieler auf allen Kontinenten miteinander zu verbinden. Im Laufe des Jahres haben wir dann angefangen, auch den einen oder anderen Twitch-Streamer zu unterstützen, aber auch da operieren wir noch längst nicht auf Höchstgeschwindigkeit. Twitch und allen anderen Video- und Social-Media-Plattformen sind natürlich sehr wichtig für uns, denn genau dort schaut unser Publikum Tag für Tag rein. Wir werden also auch genau dort vorstellen, was wir als nächstes alles geplant haben.
"Wir behandeln Poker wie ein Videospiel"

Ein auffälliger Aspekt des GGNetwork ist, wie schnell neue Features bei euch eingebunden werden. Cash Drops zum Beispiel waren nicht ursprünglich eure Idee, sind dann aber auch rasant bei euch veröffentlicht worden, kurz nachdem die Splash Pots bei RunItOnce das Tageslicht erblickt hatten. Wie gelingt es euch, derart schnell im gesamten Netzwerk Features herauszubringen?
Jean-Christophe Antoine: Cash Drops befanden sich tatsächlich schon auf unserer Roadmap, als RunItOnce seine Version veröffentlicht hat. Es war also lediglich noch etwas Optimierungsarbeit bei uns fällig. Aber ja, auch ich selbst bin beeindruckt vom Tempo und der Flexibilität, mit denen unser Entwicklerteam agiert. Sie können innerhalb von wenigen Wochen echte Wunder vollbringen und ich bin nach wie vor erstaunt, wenn ich bedenke, was ich sonst so in der Industrie erlebt habe.
Habt ihr aber vielleicht nicht etwas zu viele Features im Angebot? Bei Cashgames allein gibt es zum Beispiel Smart HUDs, Rabbit Hunt, Run it Twice/Three Times, Straddle & No Look All-in und die All-in-Versicherung. Manchmal sorgen zu viele Optionen beim Kunden doch nur für Verwirrung?
Jean-Christophe Antoine: Wir sehen unseren Software-Client in einem anderen Licht als den Großteil der Produkte der Konkurrenz. Wir behandeln Poker im Grunde wie ein Videospiel. Man kann alle neuen Features, die wir veröffentlichen, als eine Art kostenlosen DLC sehen, wenn man denn so will. Beim Verbessern unserer Software versuchen wir nicht einfach andere Räume zu kopieren. Wir operieren eher mit dem Gedanken, dass wir mit dem Erlebnis eines echten Casinobesuchs, der Spannung eines Homegames mit Freunden und dem Unterhaltungswert eines Videospiels konkurrieren wollen. Daher bieten wir auch nicht eine riesige Auswahl an Varianten. Wir konzentrieren uns auf das, was funktioniert, und verpassen dem Ganzen eine GG-Ausrichtung, während wir das Angebot optimieren. Im November haben wir Short Deck veröffentlicht und auch Jackpot-SNGs sind schon bald wieder im Angebot bei uns.
"Unsere Zielgruppe sind Millennials"

Wie genau setzt sich eure Zielgruppe zusammen? Features wie das in eure Software integrierte Turnierstaking, das Smart HUD oder zum Beispiel die Straddle-Option wirken, als liege die Ausrichtung eher auf erfahrenen Spielern anstatt auf Neulingen und Ersteinzahlern.
Jean-Christophe Antoine: Man muss wahrscheinlich etwas mehr bei GGPoker spielen, um zu sehen, dass das alles eigentlich sehr leicht zu verstehen sind. Ich bin überzeugt, dass wir auch mit diesen Features die aktuell beste und benutzerfreundlichste Mobile App auf dem Markt haben. Der Großteil unserer Spieler, die im Schnitt 18 bis 35 Jahre alt sind, ist auf Poker durch das Spielen mit Freunden oder durch einen Besuch im örtlichen Casino gestolpert. Also haben wir sichergestellt, dass unsere Spieler unsere Features auch leicht verstehen würden.
Das Smart HUD zum Beispiel beinhaltet keine komplizierten Statistiken, die nur erfahrenen Pokerspielern geläufig sind. Stattdessen präsentieren wir Dinge wie einen heißen oder kalten Lauf gegen einen bestimmten Spieler oder wie oft man den Flop gesehen hat (nicht vergleichbar mit dem VPIP-Wert), um dem Ganzen einen geselligen und reizvollen Touch zu verpassen.
Features wie die All-in-Versicherung, Run it Twice/Thrice und Smart Betting sorgen zudem dafür, dass die Varianz verringert wird, was am Ende auch das Spielerlebnis von neuen Spielern verbessert. Ich würde sagen, wir sind in einer Phase, in der wir nahezu alles für jedermann bieten, und wir werden nicht aufhören, unser Produkt weiter zu verbessern und zu erweitern. Wer es auf innovative Features und neue Partien abgesehen hat, ist bei uns genau richtig.
Ihr habt wie PokerStars in diesem Jahr das Multitabling auf maximal vier Tische begrenzt. Warum dieser Schritt?
Jean-Christophe Antoine: Ein sehr großer Anteil der Kunden spielt mittlerweile über Mobilgeräte. Das ist die Realität der neuen Welt, in der wir leben.
Die meiste davon sind Menschen, die auch nie in Erwägung gezogen haben, Poker auf einem PC zu spielen. In der Mobile App lag die Maximalanzahl an möglichen Tischen bereits bei vier und die Daten, die wir von Desktop-Spielern gesammelt haben, haben ebenfalls nahegelegt, dass genau diese Zahl am meisten Sinn machen würde, was den Spielablauf und die Zusammensetzung des Spielerpools betrifft. Also haben wir uns daran gehalten.
Man sollte sich aber klarmachen, dass unsere Begrenzung deutlich anders als bei anderen Anbietern ausfällt: Es gilt nur ein Limit von maximal vier Tischen pro Cashgame-Variante (Rush & Cash, All-in or Fold etc.) und nicht etwa für Cashgames insgesamt.
Im zweiten Teil des Interviews mit dem Head of Poker im GGNetwork Jean-Christophe Antoine, der in Kürze erscheinen wird, erfahren wir mehr über die öffentliche Roadmap, die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für einen Pokeranbieter und die geplante Ausrichtung des Netzwerks mit einem neuartigen Fokus auf PVP-Spielen.
Die Features und Partien im GGNetwork könnt ihr über GGPoker und Natural8 unter die Lupe nehmen.