Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Barry Carter: Alle Turniere sollten Re-Entry Turniere sein

PokerStrategy.com Kolumnist Barry Carter hat einen weiteren Artikel veröffentlicht. Dieses Mal konzentriert er sich auf ein neues Buy-In Konzept: Das Re-Entry Turnier. In diesem Artikel erfahrt ihr, warum er der Meinung ist, dass Re-Entry Turniere gut für Poker sind.

DTD
Der Dusk Till Dawn Cardroom

Letzte Woche wurde bekannt, dass die WPT Malta ein Re-Entry Event sein wird. Es ist nicht das erste Mal, dass die World Poker Tour das Re-Entry Format ausprobiert und auch einige andere Veranstalter wagten in diesem Jahr bereits einen Schritt hin zu diesem Format.

In letzter Zeit fanden in Großbritannien viele bekannte Mid-Stakes Events im Re-Entry Format statt. Das größte davon war das rekordverdächtige Grosvenor Goliath mit 1765 Teilnehmern. Hinzu kamen eine Reihe weiterer größerer Events im Pokerclub Dusk Till Dawn.

Das Feedback der meisten Spieler und Organisatoren war sehr positiv. Da ich selbst an vielen dieser Turniere teilgenommen habe und mit den Organisatoren sprechen durfte, denke ich, dass die Re-Entries nicht wie eine Nischenerscheinung behandelt, sondern Standard bei jedem Turnier werden sollten, bei dem es mehr als einen Tag 1 gibt. Sie bringen eine Menge Vorteile mit sich und keine größeren Nachteile.

Bevor ich erkläre warum, lasst mich noch schnell Re-Entry definieren, da es anscheinend zwei Arten von Re-Entry Turnieren gibt. Einige der Turniere, wie zum Beispiel das Grosvenor Goliath, erlauben allen an Tag 1A ausgeschiedenen Spielern, sich neu für Tag 1B einzukaufen, jedoch nicht für den gleichen Tag 1A.

Andere Formate erlauben den Spielern, sich nicht nur für den nächsten Tag 1 neu einzukaufen, sondern auch direkt für den gleichen Tag 1 - das jedoch nur vor einem bestimmten Blindlevel. Der Unterschied zu einem Standard Rebuy-Turnier ist dabei, dass der Spieler an einem neuen Tisch startet, anstatt einen neuen Stack am selben Tisch zu bekommen (außerdem gibt es keine Add-On Option).

Ein Vorteil für alle

Tom Dwan
Raus am ersten Tag.
Okay,
tschüss, bis zum Tag 1B.

Der Hauptgrund warum ich das Konzept von Re-Entry Turnieren mag, ist die Tatsache, dass man keinen Nachteil hat, falls man nicht vorhat, sich erneut ins Turnier einzukaufen.

Wenn ihr nicht vorhabt, euch bei einem herkömmlichen Rebuy-Turnier neu einzukaufen, habt ihr einen bedeutenden Nachteil, weil Spieler, bei denen das Geld locker sitzt, einfach so oft flippen und nachkaufen, bis sie - oft mit mehr Glück als Verstand - einen großen Chipstack erreicht haben. Ihr hingegen müsst eine Freezeout-Strategie an eine Runde Bingo anpassen.
 
Dies ist jedoch nicht der Fall bei einem Re-Entry Turnier. Wenn ihr dort einen Spieler rauswerft, ist er weg von eurem Tisch und ihr werdet ihn gar nicht oder erst im späteren Verlauf des Turniers wiedersehen. Wenn ihr ein Re-Entry Turnier also wie ein traditionelles Freezeout-Turnier ansehen wollt, könnt ihr es wie eines spielen, ohne Änderungen an eurer Strategie vorzunehmen.

Es gibt daher nicht nur keine Nachteile, sondern zudem noch einen großen Vorteil: der erheblich größere Preispool.

Natürlich bedeutet das, dass die Chance auf Free Money aus einem garantierten Preispool sinkt, jedoch brechen solche Live-Events fast jede Woche neue Besucherrekorde und am Ende ist es besser für alle, wenn der garantierte Preispool überschritten, anstatt unterschritten wird.

Dies sind auch sehr gute Neuigkeiten für Turnierorganisatoren, die sich nun weniger um den garantierten Preispool sorgen müssen und mit erheblich mehr Rake rechnen können. Die meisten größeren Pokertouren schauen heutzutage weniger auf den Rake eines Main Events, doch je eher sie ihre laufenden Kosten decken können, umso wahrscheinlicher ist es, dass ähnliche Events auch in Zukunft stattfinden.

Live Poker attraktiver machen

WSOP
Jeder mag eine zweite Chance

Dann sind da natürlich noch die Vorteile für Spieler, die bereit sind, mehr als einen Tag 1 zu spielen. Jeder, der viele Live-Turniere spielt, weiß, wie frustrierend es sein kann, den ganzen Tag unterwegs zu sein und sich auf das Event zu freuen, nur um dann am Anfang von Tag 1A auszuscheiden.

Wenn das passiert, sitzt man den Rest der Woche am Turnierort fest, weil die Flüge schon gebucht sind (das trifft vor allem dann zu, wenn das Event irgendwo in der Einöde stattfindet und es nichts anderes zu tun gibt). Dafür gibt es natürlich Side-Events, aber die Aussicht auf eine weitere Chance im Main Event dürfte für alle Betroffenen sicherlich einen größeren Anreiz darstellen, oder?

Die Profis erhalten also eine zweite Chance in einigen der lukrativsten Events, Freizeitspieler erhalten mehr Spielzeit und niemand wird sich beschweren, wenn ein Fisch anfängt, sich mehrmals in Main Events einzukaufen.

Ich könnte mir sogar vorstellen, das Online-Pokerräume Re-Entry Qualifier Packages für einige Mid-Stakes Events zusammenstellen mit Entries für beide Tag 1 Events. Wenn man dann beim ersten Versuch bis zu Tag 2 kommt, könnte das zweite Buy-In in Cash erstattet werden.

Für viele neue Spieler und Spieler, die sich online qualifiziert haben, ist das Wichtigste beim Spielen des Main Events weniger der Preispool selbst, sondern die Spielerfahrung. So ein Package würde dem Gewinner viel Zeit an den Tischen garantieren.

Einige Re-Entry Events bieten nicht nur Re-Entry am gleichen Tag, sondern erlauben den Spielern ein Buy-In bis zum Tag 2. Offensichtlich haben diese Spieler dann einen sehr kleinen Stack, was bedeutet, dass sie direkt in den Push-oder-Fold Modus wechseln, sobald sie Platz nehmen.

Das scheint erst einmal keinen Sinn zu machen, wenn man bedenkt, dass einer der Hauptvorteile eines Main Events seine tiefe Struktur ist, aber es gibt auch zwei gegensätzliche Denkweisen im Turnierpoker. Für den Geschmack einiger Profis ist man heute im Verlauf eines Turniers zeitweise viel zu deepstacked. Andere wiederum bevorzugen das Spiel mit deepen Stacks. Durch Re-Entry Turniere bekämen beide Parteien, was sie wollen - Spieler, die 250 oder mehr Big Blinds möchten und Spieler, die schnell zum Geschäft kommen wollen.

Sollten also alle Main Events Re-Entry Turniere sein? Ich denke ja, es gibt einfach so viele Vorteile, ohne dass jemandem ein echter Nachteil entsteht. Es erscheint mir als einfacher, aber wirksamer Weg, einem Turnier auf die Beine zu helfen.

Ein Teil von mir denkt, das WSOP Main Event sollte eine Ausnahme sein, weil das Stattfinden "nur einmal im Jahr" etwas Besonderes an sich hat. Durch ein Re-Entry könnte etwas von der Magie verloren gehen. Davon abgesehen, könntet ihr euch vorstellen, wie groß der Preispool wäre, wenn es jedem erlaubt wäre, sich beim Main Event viermal oder öfters einzukaufen?

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Bleib exklusiv, WSOP.

von Barry Carter