Collin Moshman: "Das Sit & Go-Spiel ist noch nicht komplett gelöst"
Bei PokerStrategy.com beginnen heute die "Moshman Mondays" und deshalb kommt die Sit & Go-Legende ausführlich zu Wort: Collin Moshman, seit Jahren schon als Coach aktiv, spricht über sein Coaching, neue Strategien und Hyper-Turbos.
Er gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten Sit & Go-Coaches der Welt: CollinMoshman begann bereits vor einigen Jahren, sein Wissen an andere Spieler weiterzugeben. Um seine Leistung zu würdigen, widmen wir ihm extra einen ganzen Tag - heute beginnen die Moshman Mondays.
In absehbarer Zeit wird es jede Woche ein neues Sit & Go-Video von ihm geben. Parallel dazu empfehlen wir euch die Teilnahme an seiner Coachingsession am Mittwoch, die zu den beliebtesten Sit & Go-Trainingsstunden der Welt gehört.
"Ich bin sehr glücklich darüber, dass so viele talentierte Spieler beim Coaching dabei sind"
PokerStrategy.com: Collin, jede Woche versorgst du unsere PokerStrategen mit einem Live-Coaching. Kannst du uns verraten, was du unserer Community beibringst?
CollinMoshman: Selbstverständlich. Es gibt drei verschiedene Arten der Coachingsession: Entweder wir machen Handhistory-Reviews, lernen theoretisches Wissen oder es gibt ein Live-Play. Hier spiele ich einige Tische und die Community kann mir beim Spielen über die Schulter schauen.
Natürlich gehe ich immer auf die Wünsche der Mitglieder ein: Egal, ob es ein 180-Mann oder ein 9-Mann Sit & Go ist - ich spiele das Format, das die meisten PokerStrategen sehen wollen. Und ich freue mich natürlich auch immer darauf, Fragen zu beantworten.
PokerStrategy.com: Du bist seit vielen Jahren in der Coachingszene aktiv. Welche Vorteile bietet das Live-Coaching-Format im Vergleich zu traditionellen Lernmethoden?
CollinMoshman: Es ist eine großartige Möglichkeit und ich denke, dass es PokerStrategy.com auch sehr gut umgesetzt hat. Man kann auf einem sehr direkten Weg lernen und unsere Mitglieder können bei Problemen sofort Fragen stellen.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass so viele talentierte Spieler beim Coaching dabei sind, die mit ihren fachkundigen Kommentaren sowohl mich als auch die anderen Teilnehmer zum Nachdenken und Überlegen bringen.
PokerStrategy.com: Bedeutet das also auch, dass man vom Wissen anderer Mitglieder profitieren kann?
CollinMoshman: Es ist hilfreich, besonders wenn Fragen auftreten, die komplexer sind - hier hilft man sich gegenseitig. Manchmal kommt es auch vor, dass manche Spieler sich nicht trauen, eine Frage zu stellen. Da man oft die gleiche Frage hat, wird sie dann einfach von einem anderen Mitglied gestellt.
Die generelle Qualität der Fragen ist ziemlich hoch. Ich denke, dass nicht nur die Teilnehmer davon profitieren können: Auch ich habe definitiv einiges gelernt, als Fragen gestellt wurden und andere Mitglieder ihre Sichtweise verraten haben.
"Das Sit & Go-Spiel ist noch nicht komplett gelöst"
PokerStrategy.com: Welche Themen werden während deines Coachings besonders angesprochen?
CollinMoshman: Ein Punkt, über den sehr oft gesprochen wird, ist das Postflop-Spiel.
Ich erinnere mich gern an die Anfänge der Sit & Gos: Damals wurde immer angenommen, dass jeder Spieler tight spielen und erst sehr spät pushen sollte. Damals dachte man auch, dass die Fähigkeiten eines Cash Game- oder Turnierspielers nur bedingt nützlich sind.
Heutzutage gibt es viele Spieler, die bereits zu Beginn sehr loose agieren und das versuche ich auch in mein Coaching zu integrieren.
PokerStrategy.com: Es hört sich so an, als ob man auch heute noch neue Sit & Go-Strategien entwickeln kann?
CollinMoshman: Ja, absolut - das Sit & Go-Spiel ist noch nicht komplett gelöst. Selbst Aspekte wie Push/Fold sind noch nicht komplett aufgedeckt worden.
Eine große Sache ist auch, dass sich zurzeit viele talentierte junge Spieler in den ersten Blind-Levels nicht zurückhalten. Ich stake zum Beispiel einen Spieler mit einem 26/22-Stil, der selbst zu Beginn eines Sit & Gos 4-bettet und all die anderen Moves macht, wenn er denkt, dass es der passende Zeitpunkt ist, um Chips zu generieren.
Oft sieht man jedoch verstärkt 3-Bets: Also wenn ein Regular im Cutoff erhöht und man dann selbst eine 3-Bet macht. Man möchte zwar zu Beginn nicht um einen großen Pot spielen, doch der Kontrahent möchte dies ebenso wenig, da man die Initiative übernommen hat und in Position spielt. Das sind Strategien, die wir heutzutage viel öfter sehen als früher.
PokerStrategy.com: Würdest du zustimmen, dass diese Art der Spielveränderung es notwendig macht, andere Regulars zu exploiten?
CollinMoshman: Es gibt heute viel mehr Regulars. 2005 hatte man mit der folgenden Strategie richtig viel Erfolg: Unglaublich tight spielen, damit sich alle anderen Kontrahenten selbst ausschalten und man dann mindestens Dritter wird. Heute wird man mit einer solchen Strategie oft ausgeblindet, das liegt definitiv am gestiegenen Anteil von Regulars.
"Viele Spieler wissen nicht, wie viel Aufwand hinter dem SuperNova Elite-Status steckt"
PokerStrategy.com: Bist du der Meinung, dass das Interesse an Hyper-Turbos und MTTSNGs gestiegen ist?
CollinMoshman: Die MTTSNGs bieten generell gesehen mehr Value: Viele der 9-Mann Turbos ab $15 sind oft mit vielen Regulars besetzt. Etliche SuperNova Elite-Grinder spielen die Mid- bis Highstakes Hyper-Turbos.
Bei den MTTSNGs ab 45 Spielern ist die Quote in Sachen Freizeitspieler und Regulars tendenziell besser. An den 18-Mann-Turnieren nehmen jedoch auch viele Regs teil.
PokerStrategy.com: Viele Spieler sind der Meinung, dass man bei Hyper-Turbos keine wirkliche Edge haben kann. Wie stehst du dazu?
CollinMoshman: Wenn man darüber spricht, muss man sich die folgende Frage stellen: Wie wirkt sich der Rake auf meine Edge aus? Wenn man $500 6-max Hyper-Turbos spielt und nach dem gezahlten Rake break-even ist, verdient man dennoch richtig viele FPPs und Boni als SuperNova Elite-Spieler.
Allerdings kennen viele Spieler, die diesen Status anpeilen, nicht den Aufwand, der dahinter steckt. Bei einem Spiel, das komplett break-even ist, muss man sich auf brutale Swings einstellen. Es gibt Zeiten, da fragt man sich dann selbst, ob man noch ein Winning-Player ist. Es ist also nicht nur eine Herausforderung in Sachen Spieldauer, sondern auch in Sachen Psychologie.
von Barry Carter
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