Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Am River - Die Theorie

Einleitung

In diesem Artikel

  • Welche Möglichkeiten du am River hast
  • Wie du deine Hand einschätzt
  • Welche Rolle deine Position spielt

Im Verlaufe einer Hand hast du maximal 4 Streets zu überstehen, um zum Showdown zu kommen. Jede Street hat ihre eigene Dynamik und Problematik, aber besonders das Spiel am River ist nicht all zu leicht zu bewerkstelligen.

Dieser Artikel wird sich zunächst damit beschäftigen, wo die Besonderheiten des Riverplays liegen und worauf du genau achten solltest. Der nächste Artikel wird dann vermehrt mit Beispielen aufwarten, wobei neben verschiedenen Gegnern und Spots vor allem auf deine Position eingegangen wird.

Was für Probleme hast du am River?

Wie erwähnt hat jede Street ihre eigene Problematik, doch gerade der River wird von vielen etwas unterschätzt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Namensgebung dafür mitverantwortlich ist, aber nicht wenige haben einen Fluss unterschätzt und wurden letztlich weit, weit davon gespült.

Der River hat viele Besonderheiten. Das menschliche Gehirn merkt sich Standardsituationen und versucht, diese in Muster zu pressen. Du als Pokerspieler weißt, dass das durchaus gefährlich werden kann. Also untersuchst du dein Spiel nicht nur anhand von Ergebnissen, sondern versuchst zu analysieren, ob du gut gespielt hast. Kommst du am Ende zu dem Ergebnis, dass dein Spielzug einen positiven Erwartungswert hatte, so kannst du abschließend damit zufrieden sein.

Dieser Lerneffekt ist natürlich sehr wichtig, wird sich aber nur zu deinen Gunsten auswirken, wenn du darauf hin ähnliche Spielzüge in Zukunft diesbezüglich überdenkst. Hast du erst einmal diese Spieldynamik entwickelt, wirst du auf Dauer immer besser, was bedeutet, du triffst häufiger richtige Entscheidungen. Viel Erfahrung und viel Praxis sind demnach von Nöten.

Untersuchst du daraufhin nun die verschiedenen Streets, so befindest du dich natürlich am häufigsten in Preflopsituationen, wo du dein Spiel schon sehr stark nach deinen Gegnern ausgerichtet hast und im Laufe der Zeit viele Fehler vermeiden solltest.

Ganz am Ende kommt jedoch der River. Es ist logisch, dass die letzte zu spielende Runde im Verhältnis zu den anderen Streets relativ selten stattfindet. Wenn du deinen VPIP und dazu deinen „Went to showdown“-Wert beachtet, wirst du unterm Strich sehen, dass du sehr selten Entscheidungen am River treffen musst, nämlich in einem Verhältnis von grob 1 zu 25. Oder besser gesagt: Dir fehlt verhältnismäßig die Erfahrung am River.

TEURE ENTSCHEIDUNGEN, FALSCHE WAHRNEHMUNG UND SICH ÄNDERNDE ODDS

Dies ist natürlich sehr ärgerlich, wenn dir bewusst wird, dass du am River die teuersten Entscheidungen triffst. Natürlich ist der Pot nun mittlerweile sehr groß und da sich die meisten Bets beim No-Limit Hold’em immer nach der Größe des Pots richten, musst du verhältnismäßig viel investieren.

Zudem gibt es einen großen Unterschied zwischen dem River und allen anderen Streets:
Die Hände sind gemacht und es gibt keine ausstehenden Karten mehr. Es stehen sich zwei Hände gegenüber, von denen meist eine die bessere ist und quasi das Anrecht auf den Pot hat. Ob diese Hand jedoch auch gewinnt, ist noch lange nicht klar.

Häufig sieht man die Hand am River als beendet an und muss sie nur noch zum Showdown führen. Hast du Villain auf einen Draw gesetzt, so kommt er am River entweder an und du musst sehr vorsichtig sein, oder dein Gegner verfehlt ihn und du siehst dich meistens vorne. Du hast die Entscheidung schon am Turn getroffen, ob du den River daraufhin aufgibst, einen Bluff induzieren willst oder einfach valuebettest. Häufig lässt man jedoch am River die letzte Konzentration vermissen.

Natürlich ändern sich auch die Odds. Auf den ersten Streets verstehst du Odds meistens als eine Art Wette darauf, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine für dich hilfreiche Karte auf den folgenden Streets noch erscheinen wird. Du gehst meistens davon aus hinten zu sein und kannst dir mathematisch relativ genau errechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit dir die nächste Karte die beste Hand bescheren wird. Bei den Pot Odds hast du darauf hin zwar eine etwas schwierigere Rechung aufgrund der möglichen implied Odds, mit viel Erfahrung kannst du jedoch abschätzen, ob ein Call mit einem Draw am Flop auf Dauer erfolgsversprechend sein wird.

Am River bekommst du bei einer Bet von Villain auch Odds, nur kannst du diesmal keine feste Mathematik zu Rate ziehen.

BEISPIEL

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is Button with A , K
UTG raises to $1.00 2 folds, Hero raises to $3.25, 2 folds, UTG calls $3.25

Flop: ($6.35) K, 3, 4 (2 players)
UTG checks, Hero bets $4.50, UTG calls $4.50

Turn: ($15.35) 5 (2 players)
UTG checks, Hero checks

River: ($15.35) 6 (2 players)
UTG bets $7.50, Hero ???

Bis zum Turn eine Standardhand, du hast dich jedoch am Turn entschlossen behind zu checken um einen Bluff zu induzieren. Selbstverständlich hast du auch die Möglichkeit, am Turn zu bet/callen, immerhin befindest du dich in einem 3-bettet Pot. Schau dir nun aber die alternative Möglichkeit an, nachdem du am Turn behind gecheckt hast.

Du bekommst natürlich eine Bet vorgesetzt. Du musst 7,50$ bezahlen um eine Chance zu haben, 22,85$ zu gewinnen. Das machte grobe Odds von 3 zu 1, dass bedeutet du musst in einem von vier Fällen vorne liegen, um hier profitabel zu callen.

Diese Odds einzuschätzen fällt dir allerdings schwer. Liegst du hier in einem von vier Fällen vorne? Auf Anhieb ist hier eine schnelle mathematische Überschlagung kaum möglich.

Genau für solche Fälle braucht man Erfahrung, muss sich aber im Klaren darüber sein, dass hier teure Entscheidungen getroffen werden müssen. Es kann also nicht verkehrt sein, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und ein wenig den Equilator zu bemühen, um deinem Gegner spezielle Ranges zu geben und zu schauen, ob du dagegen noch häufig genug vorne liegst.

Du darfst also hier nicht in deine Denkmuster verfallen und eine feste Line im Kopf haben. Die Höhe einer Bet oder eines Raises von Villain verändert deine Odds teilweise drastisch und kann aus einem Call mit einem positiven Erwartungswert einen schlechten Call machen.

Im obigen Beispiel ist die Sache klar, du hast am Turn behind gecheckt und einen möglichen Bluff induziert. Durch die kleine Bet und die Wahrscheinlichkeit, dass Villain hier ab und an bluffen wird, ist dies ein Pflichtcall für dich mit Toppair/Topkicker.

Falsch wäre es jedoch, dich der Line checkbehind Turn / call any River zu verschreiben, ohne dabei auf die Odds zu achten. Bei einer Potsizebet wären hier weitergehende Überlegungen möglich, einen Push solltest du sicherlich nicht blind callen.

Was willst du am River erreichen?

Grob eingeteilt hast du vier unterschiedliche Möglichkeiten, wie du einen River spielen kannst.


  • Du bluffst

    Du siehst dich am River nicht vorne und willst versuchen, deinen Gegner von einer besseren Hand runter zu bekommen. Neben dem Handverlauf und der Entwicklung des Boards ist natürlich ein Grundwissen über deinen Gegner notwendig, sowie eine mögliche History unter Einbeziehung deines Images. Natürlich kannst du nur pur bluffen, Semibluffs sind aufgrund der abgeschlossenen Hand nicht mehr möglich.

    Dein Ziel: Eine bessere Hand zum Folden bringen.


  • Du willst billig zum Showdown

    Hast du die Möglichkeit dazu, so willst du möglichst billig zum Showdown. Du gibst dir zwar Showdownvalue, siehst dich aber nicht zwangsweise sehr weit vorne und willst nicht mehr als notwendig investieren.

    Dein Ziel: Ein günstiger Showdown.


  • Du willst Value

    Du siehst dich klar vorne, egal ob dir der River geholfen hat oder ob du vorher schon eine starke Hand hattest. Dein Augenmerk liegt nun darauf, wie du am besten weiteres Geld von Villain extrahieren kannst.

    Dein Ziel: Du willst maximal Value für deine starke Hand.

  • Du gibst auf

    Du siehst dich klar hinten und gibst die Hand auf. Du glaubst nicht, dass dein Gegner eine bessere Hand foldet. Sollte beispielsweise ein Draw nicht angekommen sein und du erwägst es nicht zu bluffen, kannst du die Hand einfach aufgeben.

    Dein Ziel: Du gibst die Hand auf und willst kein weiteres Geld investieren.

DEINE HANDSTÄRKE

Entscheidend dafür, welche Optionen und Ziele du verfolgen willst, ist natürlich die Stärke deiner Hand. Auch hier kannst du grobe Einteilungen treffen:


  • Weak Hand

    Deine Hand ist schwach und bietet kaum bis gar kein Showdownvalue. Möglich ist das z.B. bei einem busted Draw, bei unimprovten Overcards oder nach einem Call mit einem middle Pair am Flop, welches nach weiteren Overcards am Turn und River nun als 4th Pair deutlich an Stärke verloren hat.


  • Made Hand

    Du hast eine made Hand, die zwar gut ist und Showdownvalue hat, aber nicht zwangsweise die beste sein muss. Möglich sind hier z.B. Overpairs oder Toppair/Topkicker. Ebenso möglich sind natürlich Hände, die eventuell ausgedrawt worden sind, also z.B. ein Set bei angekommener Straight oder ein starkes Twopair bei angekommenem Flush.


  • Strong made Hand

    Am River kannst du eine sehr starke Hand vorweisen. Du siehst dich so häufig vorne, dass du hier ausbezahlt werden willst Du gibst dir sozusagen die Nuts und siehst nur eine geringe Wahrscheinlichkeit dafür, dass Villain eine bessere Hand hält.

Vergleichst du nun die vier Optionen mit deinen möglichen Händen, so kannst du natürlich jeweils die Punkte eins bis drei zusammenführen. Punkt vier, die Aufgabe, solltest du natürlich nur mit einer weak Hand in Betracht ziehen.

Hältst du eine weak Hand, bietet sich natürlich wesentlich eher ein Bluff an als bspw. bei einer made Hand. Hältst du eine made Hand, so solltest du auch nicht versuchen durch ein Raise deine Hand unnötig zu teuer zu machen. Und mit einer strong made Hand solltest du nicht versuchen, eine Valuebet auszulassen.

DER BLUFFINDUCE

Der Bluffinduce gewinnt natürlich nur auf den letzten Streets an Bedeutung. Häufig setzt du dies schon am Turn ein, wo du in Position behind checken kannst, um eine Bluffbet am River zu inducen.

Ähnliche Bedeutung hat der Bluffinduce natürlich am River out of Position. Häufig versuchst du durch einen Check einen Bluff zu inducen, mit dem du zwar relativ günstig zum Showdown gelangen kannst, durch die erwartete Bluffbet aber insgesamt noch einen höheren Erwartungswert hast.

Du bist in Position

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie genau du diese Optionen
umsetzen sollst. Schau dir zunächst das Spiel in Position näher an und
wie du welche Option – natürlich in Abhängigkeit von Villain – am
besten umsetzen kannst.

Egal in welcher Situation du dich befindest, es ist beim No-Limit Hold’em immer ein riesiger Vorteil in Position agieren zu können. Dies gilt natürlich auch für das Riverplay. Du erhältst wesentlich mehr Informationen über die eventuelle Handstärke deines Gegners und kannst deine Entscheidungen somit sorgfältiger überdenken.

In Position gibt es für dich nur zwei Szenarien: Entweder Villain checkt den River zu dir oder Villain bettet. Jedes mal hast du drei Möglichkeiten zu agieren, basierend auf oben genannten Gedanken, die du sorgfältig nach den oben genannten Kriterien abwägen solltest.

Wichtig ist, dass du am River feststellen musst, wo du mit deiner Hand stehst: Siehst du dich weit hinten, so kannst du bluffen oder aufgeben. Siehst du dich eher in einer way ahead / way behind-Situation mit einer mittelstarken made Hand, willst du möglichst günstig zum Showdown. Siehst du dich deutlich vorne, so willst du Value für deine Hand haben.

Sollte Villain zu dir checken, so ist die Verteilung der Optionen recht klar. Hast du eine Hand, mit der dir ein Showdown ausreicht, sollte der Checkbehind Standard sein. Du gehst davon aus, ab und an vorne zu liegen, gehst aber nicht davon aus, dass Villain mit einer schwächeren Hand nochmals eine Bet callen würde.

Siehst du dich vorne, so musst du natürlich betten, ebenso wenn du bluffen willst.

Sollte Villain jedoch betten, müssen weitere Überlegungen her. Wie erwähnt hast du nun den Vorteil deiner Position und hast durch die Riverbet eine zusätzliche Information erhalten.

Ein Call wäre hier natürlich die Option, solltest du gerne den Showdown sehen. Die Frage ist nur, ob du ihn günstig siehst. Ohne die Betrachtung der Betsize, der Rivercard sowie der vorherigen Action ist hier ein Standardcall nicht drin.

Das gleiche gilt für einen Bluff. Die einzige Möglichkeit besteht nun in einem Raise, bei einem raised Pot handelt es sich evtl. sogar um einen Shove. Klar ist, dieser Move muss häufig genug klappen, denn Villain deutet schon eine sehr starke Hand an. Um festzustellen, ob er seine Hand tatsächlich noch häufig genug weglegen wird, sind klare Reads von Vorteil. Grundsätzlich solltest du auf Moves gegen unbekannte Gegner verzichten, sofern du dafür deinen kompletten Stack in die Mitte stellen musst.

Bleibt die Option Raise mit einer sehr starken Hand. Auch hier ist es nicht verkehrt, deine Handstärke noch einmal zu hinterfragen. Ist deine Hand wirklich so stark bzw. sehr nahe an den Nuts? Gibt es in Villains Range genügend schwächere Hände, mit denen er am River bet/call spielt? Ist dem so, kann das Raise guten Gewissens erfolgen. Solltest du jedoch Zweifel bekommen, mag ein Call aufgrund der neu gewonnenen Informationen über Villains Hand auch eine Option sein.

VILLAINS RIVERPLAY

Natürlich ist das Spiel am River nicht nur für dich von besonderer Bedeutung, gleiches gilt natürlich für deine Gegner. Unterm Strich werden sie mindestens die gleichen Probleme haben.

Um gerade in Position das Spiel deiner Gegner einordnen zu können, ist es wichtig, deine Gegnertypen diesbezüglich etwas zu kategorisieren:

  • Standardtyp:

    Ein Standardspieler hat seine normal abfallende Aggressionsverteilung und bleibt am River nicht mehr ständig auf dem Gas, was auch daran liegt, dass er häufig auf den vorherigen Streets viel gebettet hat und nun häufig im c/c-Modus steckt. Meistens sind dies gute Spieler wie TAGs bzw. LAGs mit Händen, die den Showdown sehen wollen. Hier musst du dir gut überlegen, ob ein Bluff Sinn macht und ob die Foldequity dafür ausreicht. Mit sehr starken Händen solltest du hier eine Valuebet setzen.

  • Der weak-tighte Typ:

    Der weak-tighte Typ bekommt am River meist kalte Füße angesichts des großen Pots. Mag er am Flop und am Turn noch einen Funken von Aggression versprühen, so ist am River Ende im Gelände. Häufig wird auch hier der c/c-Modus eingeführt, der bei manchen Spielern auch schon auf vorherigen Streets präsent war. Meistens handelt es sich um Callingstations oder um Rocks. Auch hier ist es wichtig dir zu überlegen, ob du wirklich ausreichend Foldequity besitzt. Die relative Handstärke nimmt zu, selbst mit vermeintlichen Monstern wird hier häufig nur gecheckt. Eine Bet hingegen sollte sehr ernst genommen werden und du musst dich schon fragen, ob du mit deiner marginalen Hand für den angebotenen Preis wirklich den Showdown erkaufen solltest.

  • Der aggressive Typ:

    Am problematischsten wird es bei dem aggressiven Typ. Nicht nur, weil du somit grundsätzlich wesentlich teurere Entscheidungen treffen musst, sondern weil es dir oft schwer fällt, diese Aggression einzuschätzen. Erkennungsmerkmal ist hier ein höherer River-AF als Turn-AF.

    Diese Aggression kann zwei Hintergründe haben: Entweder es handelt sich um einen Spieler, der deine eventuell angedeutete Schwäche am Turn nun ausnutzen will, um dich aus der Hand zu drängen. Es handelt sich also um einen Bluffer.

    Oder aber Villain will häufig am Turn einen Bluff induzieren und muss dann den River for Value betten, solltest du behind gecheckt haben. Demnach hast du es mit einem Slowplayer zu tun.

Die Problematik sollte damit klar sein, im ersten Fall läufst du gegen einen Bluff, wogegen du mit vielen Händen noch vorne liegst. Im zweiten Fall jedoch läufst du meist gegen eine Monsterhand, die nun erst anfängt zu betten. Diese Unterscheidung fällt relativ schwer und muss mit weiteren Anhaltspunkten, die du über deinen Gegner gesammelt hast, kombiniert werden.

Gerade Maniacs mit einem hohen VPIP, aber ebenso einem hohen PFR müssen natürlich häufig genug versuchen, dich aus der Hand zu drängen, da die relative Handstärke von Villain gegenüber deiner meist weit hinten liegt. Da die Aggression bei fast allen Spielern am River deutlich abfällt, ist der River ein geeigneter Ort für diese Spieler, um die verrücktesten Bluffs zu platzieren. Ein weiterer Anhaltspunkt ist ein niedriger „Went to showdown“-Wert.

Maniacs, die zwar einen hohen VPIP haben, aber nicht sonderlich häufig preflop raisen, zeigen dort schon an, dass sie leichte Tendenzen zur Callingstation haben. Ein hoher „Went to showdown“-Wert komplettiert das Bild, so dass du hier bei übermäßiger Aggression am River eher von einem slowgeplayten Monster ausgehen solltest.

Du bist out of Position

Es sollte dir klar sein, dass du out of Position einen großen Nachteil hast und demnach so häufig wie möglich versuchen solltest, in Position zu agieren. Häufig kannst du das aber nicht vermeiden, da du auch aus frühen Positionen gute Hände aggressiv spielen willst und dabei natürlich recht häufig gecallt wirst.

Abhängig davon, wie sich die Hand bis zum River nun entwickelt hat, stehst du dort nun vor einer schwierigen Entscheidung. Neben der Frage ob Bluffs sinnvoll sind, ist es natürlich auch entscheidend, wie du mit deinen starken Händen maximal Value herausholen kannst.

Deine Standardoptionen sind klar: Entweder du checkst oder du bettest. Jedoch kannst du auch hier eine dritte Option einfügen. Neben deiner normalen Valuebet in Höhe von ca. 2/3-Potsize (die du am River aber eher variieren kannst, da sie mittlerweile nicht mehr den Zweck der Protection erfüllen muss) kannst du eine Blockbet anbringen.

Die Blockbet kann mehrere Zwecke erfüllen. Du versuchst durch sie, den positionellen Nachteil auszugleichen und durch sie für einen relativ günstigen Preis eine wertvolle Information zu erhalten. Als Voraussetzung dafür gehst du davon aus, dass Villain nicht bluffraised.

Nimm also neben Bet (in normaler Höhe) und Check die Option Blockbet dazu, schau dir an, wann du sie theoretisch anwenden solltest.

CHECK/FOLD

Du gehst davon aus, am River eindeutig hinten zu liegen, sprich du gibst dir keinerlei Showdownvalue. Des Weiteren siehst du keine Chance, Villain durch eine Bet zu einem Fold zu bewegen. Solltest du die Foldequity als nicht ausreichend einstufen, macht ein Bluff keinen Sinn. Du gibst die Hand also einfach auf.

CHECK/CALL

Mit check/call begibst du dich quasi in eine way ahead / way behind Situation. Du willst starke Hände nicht ausbezahlen, aber wenn möglich günstig zum Showdown. Am River ist diese Situation ein Sonderfall, bspw. im Gegensatz zu einem c/c am Flop oder Turn.

Du brauchst nicht mehr zu protecten, die Hand ist gemacht. Du musst deine Hand einstufen und einschätzen, ob du damit ausreichend Showdownvalue hast. Im Gegensatz zum Turnplay jedoch wird Villain hier relativ häufig eine Bluffbet ansetzen, und zwar teilweise so häufig, dass du mit einem positiven Erwartungswert die Bet callen kannst.

Entscheidend dafür ist natürlich das Board. Sollte bspw. ein Draw nicht angekommen sein, den du Villain recht häufig zugetraut hast, so mag check/call eine gute Option sein, solange du eine Hand wie TPTK hältst. Sollte Villain recht aggressiv sein, wird er häufig eine Bluffbet einstreuen, da er deinen Check als weak interpretieren könnte, er jedoch auch weiß, dass er mit einem Draw (ohne Hit) keinerlei Showdownvalue hat.

Ebenso ist check/call möglich, wenn du eine recht marginale Hand hältst, wie z.B. ein Toppair ohne guten Kicker. Du willst zwar den Showdown sehen, gehst aber kaum davon aus dass eine schwächere Hand callen wird.

Dennoch ist check/call keine grundsätzliche Option, sondern wie oben bereits erwähnt, immer in Abhängigkeit der Pot- und Betsize zu sehen. Du kannst durchaus eine ½-Potsizebet callen, auf einen Push aber folden.

CHECKRAISE

Das Checkraise ist eine Waffe, die du bis zum River entweder schon gezogen haben solltest (am Flop oder Turn) oder sie nun stecken lässt.

Grundvoraussetzung für ein Checkraise am River wäre eine sehr starke Hand und ein sehr aggressiver Villain. Du musst also davon ausgehen, dass Villain nahezu immer den River betten (bluffen) wird, ebenso musst du aber auch der Meinung sein, dass er sogar mit schlechteren Händen noch häufig genug dein Raise (in den meisten Fällen ein push All-in) callt. Diese Situationen sind sehr selten und werden dazu noch relativ häufig falsch eingeschätzt.

BET/FOLD

Bet/fold ist eine Option, die du mit Bedacht anwenden solltest. Dir muss klar sein, was du damit erreichen willst. Ein starke Bet am River kostet dich eine Menge, bei einem Raise verpasst du den Showdown.

Du musst dir also einen Call von Villain versprechen, der hier bereit sein muss, eine schlechtere Hand als deine zum Showdown zu führen, die er jedoch nicht selber betten würde. Andererseits musst du dir bei einem Raise sicher sein, nur die zweitbeste Hand zu halten.

Grundsätzlich lohnt sich so ein Spiel am ehesten gegen schlechte loose-passive Spieler, also den Typ Callingstation, der kaum etwas anderes als die Nuts am River raisen würden.

BET/CALL (BET/PUSH)

Bet/call ist eine der einfachsten Optionen. Hältst du eine sehr starke Hand, mit der du bereit bist broke zu gehen, solltest du gegen beinahe jeden Gegner betten, anstatt wie erwähnt ein Checkraise zu versuchen (das ja auch in den meisten Fällen widersprüchlich zu deinem Verhalten auf den vorherigen Streets wäre).

BLOCKBET/FOLD

Oben wurde die Blockbet kurz angesprochen. Sollte bspw. ein Flushdraw verpasst werden, so wurde die Option check/call als durchaus empfehlenswert eingestuft. Du versuchst dort, einen Bluff zu inducen. Jedoch ist besonders wichtig, dass es natürlich dennoch in Abhängigkeit der dir vorgesetzten Odds entschieden werden muss, ob du callst.

Nimm nun eine Situation an, in der ein Draw ankommt. Du hast zwar eine gute made Hand wie TPGK oder ein weakes Twopair, siehst dich aber nicht mehr häufig vorne. Das Problem ist, dass check/call mittlerweile eine Option geworden ist, die für dich nicht mehr profitabel ist, wenn du der Meinung bist, nicht häufig genug vorne zu liegen um eine 2/3-Potsizebet callen zu können. Genauso wenig willst du einen Bluff induzieren, denn selbst wenn du von einigen Bluffbets ausgehst, siehst du dich im Verhältnis noch zu häufig hinten.

Du willst also keine starke Hand ausbezahlen, andererseits dich nicht billig aus dem Pot bluffen lassen. Du blockbettest also.

Der Gedanke basiert darauf, dass Villain wesentlich seltener zu einem Bluffraise greifen wird als zu einer Bluffbet. Hatte er mit einer Craphand vor, am River zu bluffen, so wird er sie nach einer Blockbet wegschmeißen. Raist er jedoch dennoch, so ist es wesentlich häufiger eine starke made Hand, und zwar so häufig, dass du deine Hand aufgeben kannst.

Leider funktioniert dies nicht gegen alle Spieler. Was du hierfür brauchst sind schlechte Spieler, egal wie du sie ansonsten kategorisierst. Er darf nicht verstehen, was du mit dieser Blockbet erreichen willst. Von einer Callingstation bspw. erhoffst du dir sogar noch Value von schwächeren Händen, da dieser Spielertyp dafür bekannt ist, auch sehr schlechte Hände zum Showdown zu tragen. Einen aggressiven Spieler willst du am Bluffen hindern.

Da diese Blockbet dir also noch häufig genug Value beschert und dir bei einem Raise eine gute Information gibt, wo du mit deiner Hand stehst, ist sie gegen schwache Spieler eine nützliche Waffe.

BLOCKBET/CALL (BLOCKBET/PUSH)

Blockbet/Call ist eine Option, die man sehr genau betrachten muss. Beim ersten Hinschauen macht sie keinen Sinn, denn die genaue Definition der Blockbet sagt aus, dass man auf ein Raise foldet (sonst wäre es eine Valuebet und keine Blockbet).

Jedoch gibt es hier zwei Ausnahmen:

  • Es gibt Situationen, in denen deine Blockbet mit einem Minraise beantwortet wird. Wie schon oft angesprochen wurde, spielen am River die Odds immer noch eine entscheidende Rolle. Solltest du also ein Minraise erhalten und somit gute Odds bekommen (da du eine Blockbet meist mit 1/4-1/3-Potsiz ansetzt), ist ein Call dennoch denkbar, wenn du davon ausgehen kannst, dass Villain vielleicht nur günstig zurückmoven möchte.

  • Ebenso kann eine Blockbet als reverse Bluff angewendet werden, beispielsweise gegen thinking Player. Wenn du weißt, dass Villain bekannt ist, was eine Blockbet ist und ebenso das Wissen besitzt, dass du in der Lage bist diese Waffe gezielt einzusetzen, so kann er dich durch ein Raise profitabel mit Air von einer made Hand herunter bluffen. Es macht also auch mit starken Händen mal Sinn, gegen so einen Gegner zu blockbetten, und dadurch ein Bluffraise zu induzieren (auf das du dann callen oder pushen kannst). Hierfür ist es jedoch wichtig, genaue Reads auf Villain zu haben.

Zusammenfassung

Am River stehen meistens schwere und teure Entscheidungen an. Anhand deiner angenommenen Handstärke, der Entwicklung des Boards sowie Annahmen über deine Gegner musst du entscheiden, welche Optionen für dich in Frage kommen.

Mit entscheidend ist die Position. Wie oben beschrieben hast du natürlich in Position viele Vorteile und kannst dem entsprechend entscheiden, ob du für den vorgesetzten Preis den Showdown sehen willst oder ob du value- oder gar bluffbetten möchtest.

Out of Position wird es recht schwer, da Villain das letzte Wort hat. Du solltest dir obige Optionen immer vor Augen führen und immer hinterfragen, was du mit einer Bet bzw. einem Check erreichen möchtest.

Im nächsten Artikel findest du einige Beispiele zum Thema Riverplay.