Am Flop - Wann spielst du aggressiv?
Einleitung
In diesem Artikel
- Warum du aggressiv spielst
- Wie du dich bei Gegenwehr verhältst
Im ersten Artikel zum Spiel am Flop hast du etwas über die Grundsätze gelernt. Du hast gesehen, dass es wichtig ist, das Board zu analysieren und dir darüber klar zu werden, wo du mit deiner Hand stehst und was du damit erreichen willst. In diesem Artikel lernst du anhand von Beispielen, wann du dich für eine aggressive Spielweise entscheiden solltest und wie du diese am besten umsetzt.
Das aggressive Spiel
Das aggressive Spiel wurde grundsätzlich in die folgenden vier Zielsetzungen unterteilt:
- Value
- Protection
- Bluff
- Semibluff
Dem entsprechend ist klar, dass deine Aktion am Flop aggressiv sein muss. Du musst also entweder betten oder raisen.
Bei den folgenden Beispielen ist es deswegen wichtig zu überlegen, wo du mit deiner Hand stehst, warum du aggressiv spielen solltest bzw. musst, wie du das umsetzt und wie deine Aktionen aussehen sollten, wenn dein Gegner Widerstand zeigt.
Ab und an gibt es auch mal ein Fullring-Beispiel, hauptsächlich soll es hier aber um das Shorthanded-Game gehen. Das Spiel am Flop ist grundsätzlich sehr ähnlich, somit gelten die Aussagen für die SH-Beispiele ebenso für FR-Beispiele.
Wann spielst du for Value?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BB ($25)
SB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Preflop: Hero is UTG with Q

Hero raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, 1 fold, SB calls $1.00 1 fold
Flop: ($3.25) 4


SB checks, Hero bets $2.50, ...
Du hast aus der first Position geraist und zwei Coldcaller bekommen. Der Flop gefällt dir durchaus recht gut, du liegst hier in den meisten Fällen vorne. Dass deine Gegner hier eine 4 halten ist recht unwahrscheinlich, maximal dem loosen Cutoff dürftest du solch eine Hand zutrauen. Seine Range wird aber grundsätzlich so groß sein, dass du gegen ihn keinen Fold finden darfst. Da das Board paired und Rainbow (drei verschiedene Farben) ist, brauchst du auch nicht zu protecten.
Die Bet hat in diesem Fall einzig und alleine Sinn der Valuemaximierung. Du hast eine starke Hand, dafür möchtest du ausbezahlt werden.
Es gibt hier eigentlich keinen Grund, sich bei Gegenwehr zu viele Gedanken zu machen. Sollte einer der beiden Gegner raisen, so hättest du kein Problem damit, am Flop dein ganzes Geld reinzubringen. Die Line bet/3-bet wäre also durchaus möglich. Sollte der Cutoff raisen, so kannst du in der Tat 3-betten. Der Spieler scheint nicht sehr solide zu sein und wird häufig sein Geld mit einer schwächeren Hand reinstellen, Jx dürfte ihm da wohl immer ausreichen. Zudem bist du gegen ihn out of Position, müsstest also den Turn checken und versuchen zu check/raisen.
Sollte jedoch der relativ tighte Small Blind check/raisen, so hast du die Möglichkeit diesen Gegner weiter bluffen zu lassen. In Position könntest du am Flop nur einen Call finden und am Turn All-in raisen bzw. selber betten.
Du liegst hier nahezu immer vorne und möchtest wenn möglich all dein Geld investieren. Da du in der Sandwichsituation spielst und somit zwei Gegner vorfindest, solltest du gleich aggressiv spielen und betten, immerhin bist du der Preflopaggressor. Bei Gegenwehr stellt sich nicht die Frage ob du broke gehst, sondern wie.
PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25) (40/5/0.3/35/432) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Hero ($25)
CO ($25) (8/5/1.8/18/371) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (15/12/2.1/23/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (12/9/2.6/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Preflop: Hero is MP3 with A

1 fold, UTG+1 calls $0.25, 3 folds, Hero raises to $1.25, 4 folds, UTG+1 calls $1.25
Flop: ($2.85) A


UTG checks, Hero bets $2.00, ...
Schauen wir uns nun ein Fullring-Beispiel an, wobei du aus middle Position mit AJo geraist hast und eine loose Callingstation aus früher Position limp/call gespielt hat.
Du liegst auch hier meistens vorne. Die Callingstation kann aus früher Position eine Menge Mist limp/callen. Kleine Pocketpairs sowie schlechtere Baby-Aces sind mit am wahrscheinlichsten.
Einzig und alleine um Value zu extrahieren. Protection ist auf diesem Board nicht nötig, jedoch wird Villain kaum irgendwas selber betten. Er liebt es runter zu callen und genau diese Möglichkeit solltest du ihm bieten.
An dieser Stelle musst du aufpassen. Wirst du auf diesem sehr trockenen Board von einem solch passiven Spieler geraist, klingeln die Alarmglocken. Eine 3-Bet macht nun am Flop gar keinen Sinn. Hält dein Gegner eine schwächere Hand oder tatsächlich einem Bluff (den du ihm eigentlich recht selten zutraust), so kann er noch folden, jede stärkere Hand wird natürlich pushen. Wenn du tatsächlich 3-betten würdest, müsstest du diesen Push auch callen.
Du hast zwei Optionen: Entweder du gibst ihm Credit und erkennst an, dass AK/AQ/77/22/A7 durchaus in seiner Range liegen können und findest einen Fold. Das wäre jedoch eine sehr vorsichtige Line. Ebenso möglich ist ein Call, denn du hast hier wieder den großen Vorteil in Position agieren zu dürfen.
Am Turn könntest du dann neu entscheiden, ob du ihm bei einer 2nd-Barrel seinerseits die stärkere Hand glaubst.
Hältst du eine solche Hand auf einem trockenen Board, so musst du gegen einen so passiven Gegner einfach durchbetten. Sollte er Gegenwehr zeigen, musst du dir klar darüber werden, dass Villain wohl irgendwas getroffen hat. In diesem Fall musst du sicherlich nicht broke gehen, eine 3-Bet würde hier recht wenig Sinn ergeben. Während du in diesem Fall in Position einen Call finden solltest, wird die Alternative „fold“ gerade out of Position durchaus etwas interessanter.
Wann spielst du for Protection?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
Hero ($25)
MP ($25)
CO ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is UTG with A

Hero raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, 3 folds
Flop: ($2.35) K


Hero bets $1.50, ...
Du raist aus first Position mit AKo und bekommst einen Coldcaller. Du befindest dich am Flop also im Heads-up out of Position gegen einen recht tighten Gegner, der preflop wohl nicht sonderlich viele Hände coldcallt.
Du hast mit deiner Hand gut getroffen. Toppair / Topkicker ist gerade im Heads-up eine recht starke Hand. Allerdings ist klar, dass die Range von Villain recht polarisiert ist. Das heißt du kannst seine Hände die er preflop callt ungefähr abschätzen. Meist werden das kleine Pocketpairs sein, die ihm zu schlecht zum 3-betten aber zu gut zum folden sind. Oder aber potentiell dominierte Hände wie möglicherweise AQ, AJ oder KQ. Recht selten hält er hier suited Connectors, dennoch kannst du auch Hände wie 45s+ nicht völlig ausschließen.
Du bettest hier, um vor den eventuellen suited Connectors zu protecten. Kleine Pocketpairs wirst du damit meistens zum Folden bekommen, aber auch das ist ein akzeptables Ergebnis. Eine Hand wie KQ wird dich möglicherweise auszahlen.
Bei Gegenwehr musst du auch bei diesem Gegner erstmal vorsichtig sein. Er ist nicht der aggressivste, dennoch wird er in der Lage sein mit Händen wie suited Connectors oder sogar schwächeren Kx Hände zu raisen. Auch einen Bluff kann man solch einem Spieler hier und da mal zutrauen.
Dein Problem liegt darin, dass du nun out of Position agierst und somit im Falle eines Calls den Turn checken würdest. Das bedeutet, du verteilst quasi zwei Freecards. Da dies nicht ideal ist, solltest du hier die Varianten fold oder 3-bet in Betracht ziehen. Klar ist auch hier, wenn du 3-bettest, musst du natürlich einen Push callen.
Wenn du dir die oben genannte Range anschaust, so liegst du nur gegen 66 und 77 zurück. Raisen wird der Gegner mit einer breiteren Range. Du machst hier mit der Line bet/3-bet/broke keinen sonderlich großen Fehler.
Auf diesem Board muss protectet werden. Dein Gegner ist recht aggressiv, out of Position hast du dort nicht sonderlich viele Möglichkeiten. Bevor du bettest, solltest du dir am besten im Klaren darüber sein, wie du auf ein Raise reagierst. Ist dir der Gegner als eher tight aufgefallen in den Spielen die du direkt gegen ihn ausgetragen hast, so ist ein Fold ab und an vertretbar. Deine Line sollte dann bet/fold lauten, am Flop sowie am Turn.
Gibst du ihm aber nicht genügend Credit, so reicht diese Hand aus, um deinen ganzen Stack zu investieren. Da ein Call out of Position nicht in Betracht kommt, ist die Line bet/3-bet hier durchaus angebracht.
PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25) (40/5/0.3/35/432) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Hero ($25)
CO ($25) (8/5/1.8/18/371) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (15/12/2.1/23/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (12/9/2.6/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Preflop: Hero is MP3 with K

1 fold, UTG+1 calls $0.25, 3 folds, Hero raises to $1.25, BU calls $1.25, 3 folds, UTG+1 calls $1.25
Flop: ($4.10) 5


UTG checks, Hero bets $3.35, ...
In diesem Fullring-Beispiel hältst du Kings und raist aus middle Position. Der loose UTG+1 ist wieder mit in der Hand, aber auch der recht tighte Button findet diesmal einen Call. Du befindest dich am Flop also in einem 3-handed Pot in der Sandwichposition.
Alleine der Fakt, dass ihr 3-handed seid, lässt dein Overpair etwas an Wert verlieren. Du kannst hier gegen drawing Hands und kleinere Overpairs vorne liegen, aber gerade die Range des Button beinhaltet recht häufig Hände wie 33,55,66.
Natürlich musst du hier protecten. Du willst am Turn weder eine 
Kommt nämlich ein Raise, so wird die Geschichte langsam eng. Erhältst du auf diesem Flop ein Raise, so machst du mit einem Fold nicht viel verkehrt.
Es macht in diesem Fall auch keinen großen Unterschied, ob dich der passive UTG oder der aggressive aber tighte Button raist. Bei beiden ist eine sehr starke Hand durchaus möglich.
Deine Line sollte bet/fold lauten, sofern jemand callt ist diese Line auch am Turn vertretbar.
Da ihr zu dritt am Flop seid, ist deine Hand etwas weniger wert. Bei beiden Gegnern musst du einem Raise Credit geben. Eine Alternative wäre ausschließlich broke zu gehen am Flop, denn ein Call kommt auf diesem drawlastigen Board kaum in Frage. Und selbstverständlich gilt auch hier: Entscheidest du dich für eine 3-Bet, so musst du auch broke gehen am Flop.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
UTG ($25)
Hero ($25)
SB ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25)
CO ($25)
Preflop: Hero is BB with Q

4 folds, SB raises to $1.00, Hero raises to $3.25, SB calls $3.25
Flop: ($6.50) 2


SB checks, Hero bets $5.00, ...
Nun betrachten wir einen 3-betted Pot, in dem natürlich die gleichen Regeln gelten.
Grundsätzlich gibt es jedoch ein paar kleine Unterschiede in 3-betted Pots:
- die Potgröße am Flop ist höher
- die Range des Gegners ist eingeschränkter
- drawing Hands sind unwahrscheinlicher
- der Weg zum All-in ist kürzer
Im Klartext heißt das, dass du auf einem 2-suited Board nicht zwanghaft von einem Draw bei deinem Gegner ausgehen musst, da viele spekulative Hände wie suited Connectors oder suited Aces seltener in 3-betted Pots zu finden sind.
In diesem Fall jedoch triffst du ein 3-suited Board, somit ist natürlich die Gefahr eines Onecard-Flushdraws sehr groß.
Es gibt keinen Grund dich auf diesem Board hinten zu sehen. Wie bereits beschrieben ist ein made Flush bei Villain recht unwahrscheinlich, einzig A



Neben der Annahme dass du häufig vorne liegst, musst du hier natürlich hart protecten. Welche Hände sind da gefährlich für dich? Beispielsweise A



Kannst du dir vorstellen diese Hand aufzugeben? Es gibt zu viele Hände die du noch schlägst, ein Fold wäre hier zu weak. Das Ziel muss es sein, möglichst am Flop All-in zu kommen. Die Line sollte bet/(call)push lauten.
Auch in 3-betted Pots muss protectet werden, allerdings gilt es hier wiederum genauer auf den Gegner zu achten. In 3-betted Pots kannst du häufiger die Range deines Gegners einschränken und viele Draws somit ausschließen. Dennoch sind auch auf 2-suited Boards Draws möglich, ausschließen sollte man so etwas nicht. Auf einem Board wie oben jedoch muss hart protectet werden, zudem ist ein Fold zu weak, da du einfach zu häufig die beste Hand hältst.
Wann bluffst du?
Bluffs am Flop müssen am ehesten nach der Preflopaggression unterteilt werden. Solltest du selbst der Preflopaggressor sein, so ist die Continuationbet ein geeignetes Mittel den Pot sofort mitzunehmen. Zum Thema Continuationbets gibt es aber einen eigenständigen Artikel, so dass du dir hier Beispiele anschaust, in denen du preflop passiv gespielt hast.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
UTG ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
CO ($25) (19/8/1.4/28/519) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with 2

UTG raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($3.35) Q


UTG checks, CO checks, Hero bets to $2.25, 2 folds
Preflop hast du in Position auf Setvalue gecallt, nachdem bereits der CO einen Coldcall vollzogen hatte. Den Flop verfehlst du natürlich komplett, jedoch checken beide Gegner zu dir und du bekommst die Möglichkeit einer Positionbet.
Unter Gewissen Umständen kannst du sogar die beste Hand halten, sollte UTG so etwas wie AK geraist haben und CO mit 78s gecallt haben. In den meistens Fällen wirst du aber hinten liegen, gerade in COs Range dürften ebenfalls kleine Pocketpairs liegen, wie beispielsweise 33-55.
Du bettest hier aus einem einzigen Grund: Du willst beide Gegner zu einem Fold am Flop bewegen. Im Idealfall folden beide eine bessere Hand. Aber auch wenn sie AK und 78s folden, ist das ein Erfolg, denn immerhin hätten sie viele Outs gegen dich. Umgekehrt kannst du jedoch nicht behind checken und eine Turnbet callen, dafür ist deine Hand viel zu schwach.
Bei einer Bluffbet hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder du ziehst durch und gehst als Bluff All-in. Oder du gibst auf. Callen kannst du selbstverständlich nicht, da ein Bluff von der Foldequity (dazu musst du betten) lebt und du im Grunde kein Showdownvalue hast.
In dieser Situation hast du bei Gegenwehr nicht mehr viel zu erwarten, ein Bluffpush sollte ohnehin nur in Ausnahmesituationen gegen sehr aggressive Gegner erfolgen. Ist dieser Move nicht in deinem Repertoire, so begehst du auch keinen großen Fehler. Gerade im 3-handed Pot wird meistens eine recht gute Hand unterwegs sein, die nicht mehr aufgeben wird.
Dein Plan sollte sein, eine Bet zu setzen und bei jeglicher Gegenwehr aufzugeben.
Ein Bluff bietet sich an, wenn keiner der Gegner am Flop die Intention zeigt, den Pot mitnehmen zu wollen. Wenn ihn keiner haben will, solltest du dich anbieten und ihn durch eine Bet einfach einkassieren.
Gerade in Position eignet sich dies sehr gut (Positionbet), da du bereits Informationen über deine Gegner hast. Solltest du in dieser Situation beispielsweise out of Position spielen, so wäre check/fold natürlich die beste Line. Donk/fold bietet sich nur in Ausnahmefällen an, macht in einem 3-handed Pot aber weniger Sinn, da du zu häufig gecallt oder gebluffraist wirst.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
UTG ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
CO ($25) (19/8/1.4/28/519) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with 4

UTG raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($3.35) 7


UTG bets to $2.25, CO fold, Hero raises to $6.50
Diesmal weißt du ganz genau wo du stehst. Du hältst 5-high und hast kaum Outs deine Hand zu verbessern. Du liegst ganz weit hinten.
Nachdem du das Board analysiert hast, ist es eigentlich recht offensichtlich, dass hier selten jemand etwas getroffen hat. UTG ist ein sehr looser Spieler, der preflop sehr viele Hände raisen wird, auch aus früher Position. Der CO ist ein eher passiver Spieler, der sich aber ohnehin schon aus dem Pot verabschiedet hat.
Somit stehen dir drei Möglichkeiten zur Verfügung:
- Fold: Du hast nichts getroffen und gibst die Hand einfach auf
- Call (Float): Du callst am Flop, mit der Intention am Turn zu betten, sollte Villain diesen zu dir checken.
- Raise: du raist um UTG sofort aus dem Pot zu drängen. Er wird zwar auch wissen, dass du hier ab und an pur bluffen wirst, kann aber selber out of Position kaum profitabel weiterspielen
Möglich sind alle drei Varianten. Da du eine starke made Hand wie 77 oder Jx wohl am Flop nur callen würdest, bietet sich ein Float durchaus an. In diesem Fall wäre ein call am Flop denkbar.
Dennoch ist das Raise hier möglich, da deine Foldequity ungemein hoch ist. Problematisch wird es zudem, sollte dein Gegenspieler häufig 2nd-barreln, das heißt auch mit Bluffs seinerseits am Turn erneut betten. Demnach würde ein Float natürlich selten funktionieren, da ein Bluffraise am Turn einfach zu teuer wäre.
Bei Gegenwehr musst du natürlich sofort aufgeben, da dein Gegner bei einer 3-Bet nicht mehr aus dem Pot kommt. Da du absolut kein Showdownvalue hast, gibst du deinen Bluff selbstverständlich auf.
Auch wenn du den Flop komplett verfehlt hast, muss die Hand noch nicht gelaufen sein. Gerade gegen loose Gegner, die sehr viele Hände spielen, lohnt sich ein Bluff, da solche Gegner in der Lage sein müssen, ihre Hände auch mal wegzulegen. Solltest du jedes Mal nur auf einen Hit warten und dann die Action starten, so wirst du eher lesbar und bekommst von aggressiven Spielern zu wenig Value. Andersrum betrachtet fehlen dir dann für die Preflopcalls meist die implied Odds, da du am Flop und auf späteren Streets nicht mehr viel Gewinn erwarten kannst.
Wann semibluffst du?
Die Idee des Semibluffs hängt eng mit der Theorie des puren Bluffs zusammen. Der Unterschied: Auch wenn dir ein Fold deines Gegners gelegen kommen würde, da du aktuell kein Showdownvalue besitzt, ist ein Call keine Katastrophe für dich, da du deine Hand auf den späteren Streets noch verbessern kannst.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
UTG ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
CO ($25) (19/8/1.4/28/519) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with 4

UTG raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($3.35) 7


UTG bets to $2.25, CO fold, Hero raises to $7.50
An der aktuellen Lage hat sich nichts geändert. Du stehst immer noch mit 5-high am Flop und liegst aktuell gegen deine Gegner nahezu immer hinten.
Jedoch hast du diesmal einen starken Draw aufgegriffen. Neben dem Flushdraw hast du sogar einen openended Straightdraw getroffen, somit hältst du hier einen der stärksten möglichen Draws mit 15 recht sauberen Outs.
Einerseits hast du kein Problem damit, wenn dein Gegner foldet und du mit 5-high den Pot gewinnst. Andererseits wäre auch ein Call des Gegners in diesem Fall nicht schlimm für dich, da du auf eines deiner 15 Outs am Turn hoffen kannst.
Dies ist natürlich immer abhängig von der Stärke deines Draws. In diesem Fall hast du einen sehr starken Draw, den du am Flop nicht aufgeben darfst. Ab einem 12-Outer aufwärts wird es profitabel für dich, am Flop All-in zu gehen. Idealerweise kannst du selber pushen, da du dadurch nochmals Foldequity erzeugst.
Das wird hier jedoch nicht möglich sein, sollte dein Gegner 3-betten wird er sich nicht mehr von der Hand lösen. Klar ist aber, dass du hier häufig eine Situation vorfindest, in der du mindestens 50% Equity besitzt. Oftmals bist du sogar Favorit. Sollte dein Gegner also pushen, bekommst du so phantastische Odds, dass du nicht mehr folden kannst.
Mit einem sehr starken Draw ist es sehr wichtig am Flop zu Semibluffen. Du kannst den Pot sofort gewinnen und brauchst nicht auf eines deiner Outs zu hoffen. In diesem Beispiel hättest du nämlich ein Problem, solltest du den Flop nur callen, in der Hoffnung am Turn zu hitten. Hittest du nämlich nicht, würdest du bei einer großen Bet am Turn Probleme bekommen. Mit einem 15-Outer und angerechneten implied Odds könntest du am Turn eventuell noch mal einen Call finden, müsstest aber den River unimproved aufgeben.
Solltest du aber einen schwächeren Draw haben, so musst du häufig schon am Turn aufgeben. Das liegt ganz einfach daran, dass im Gegensatz zum Flop nur noch eine Karte aussteht und deine Equity somit schlagartig sinkt.
Du bist mit einem sehr starken Draw am Flop häufig sogar Favorit, deswegen solltest du auch dort versuchen dein Geld in die Mitte zu bewegen. Ganz hart gesagt: Dein Raise am Flop kann man hier unter Umständen sogar als Valueraise bezeichnen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
UTG ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
CO ($25) (19/8/1.4/28/519) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with A

UTG raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, Hero raises to $4.50, 3 folds, CO calls $4.50
Flop: ($10.35) 4


CO bets to $6.00, Hero raises All-in
Diesmal befindest du dich wieder in einem 3-betted Pot. Du hast den aggressiven UTG-Raise ge-3-bettet, der daraufhin aufgegeben hat. Der loose Cutoff hat jedoch zweimal gecallt und steht nun gegen dich im Heads-up out of Position am Flop.
Seine Range ist sicherlich recht groß und seine Donk zeigt keine große Stärke. Jedoch kann das häufig eine schwache made Hand sein, die eventuell sogar (seiner Ansicht nach) Showdownvalue hat. Dein Problem: Mit A-high schlägst du am Flop nicht viele Hände.
Zum einen hast du gegen schwache made Hands einiges an Foldequity zu erwarten. Wenn du hier eine bessere Hand zum Folden bekommst, ist das natürlich ein Erfolg. Jedoch ist auch hier wieder die Frage, ob du equity-technisch tatsächlich hinten liegst?
Selbst gegen made Hands wie Tx oder JJ/QQ hast du meist 15 saubere Outs. 9 Outs für deinen Flushdraw und 6 Outs auf deine Overcards. Zudem ist auch durchaus möglich, dass Villain selber einen Draw hält oder eine Hand wie bspw. AQ overplayed. Gegen diese Hände liegst du sogar aktuell schon vorne.
Deswegen solltest du hier raisen (in diesem Fall pushen) und Villain vor eine schwere Entscheidung stellen.
Mehr als callen kann Villain nicht mehr.
Auch in 3-betted Pots sind Semibluffs möglich. Rät man von puren Bluffs eher ab, so haben Semibluffs den Riesenvorteil, dass du neben der Foldequity natürlich noch einige Outs hinter dir weißt und häufig sogar als Favorit dein Geld in die Mitte bewegst, obwohl du aktuell am Flop kein Showdownvalue vorweisen kannst.
Zusammenfassung
Du hast dich mit einigen aggressiven Zügen am Flop beschäftigt und gesehen, welche verschiedenen Hintergründe sie haben.
Willst du Value extrahieren? Musst du protecten? Hast du ausreichend Foldequity und kannst bluffen? Erzeugst du Foldequity mit Hilfe eines Semibluffs oder bist du mit starken Draws sogar Favorit?
Wichtig ist immer zu wissen, wie du dich bei Gegenwehr verhältst. Der angesprochene Plan muss stehen. Es muss nicht immer der perfekte Plan sein, es ist schon gut, wenn man zumindest einen hat. Solltest du dir dabei unsicher sein, so helfen dir die Handbewertungsforen weiter.
Sofern du dort deinen Plan für die Hand vorstellst, kann auch aktiv darüber diskutiert werden. Schlecht ist es immer, wenn du auf einmal ein gewagtes Checkraise am Flop auspackst und letztlich gar nicht weißt warum und wie du auf einen Push / eine 3-Bet reagieren sollst.
Natürlich muss am Flop nicht immer aggressiv gespielt werden. Wie du den Flop auch passiv spielen kannst, wird dir in dem Artikel „Am Flop – Wann spielst du passiv?l“ vermittelt.
| LINKS | |||||
|
|||||