Aktualisiert am 12 März 26 von

Bet Turn for free Showdown (1) - Allgemeines

» KOLUMNE

Das Turnplay ist mit das schwierigste im No-Limit Hold’em. Es gibt viele Optionen, viele Möglichkeiten Fehler zu begehen, aber naturgemäß auch Chancen, den Gegner Fehler machen zu lassen.

Wann und gegen wen du den Turn for free Showdown betten solltest, wirst du in dieser 3-teiligen Kolumne lernen.

Was ist eine Bet for free Showdown?

BEISPIEL 1:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6 , 6
2 folds, CO raises $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds

Flop: ($2.35) 3, 4, 7 (2 players)
CO bets $1.50, Hero calls $1.50

Turn: ($5.35) 8 (2 players)
CO checks, Hero bets $3.25

Eine Turnbet for free Showdown bedeutet, dass du am Turn in Position eine Valuebet in der Hoffnung platzieren kannst, dass eine schwächere Hand callt. Sollte dein Gegner callen und am River zu dir checken, kannst du dir den free Showdown durch einen Checkbehind gönnen, da es für eine erneute Valuebet zu eng wird.

BEISPIEL 2:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6 , 6
2 folds, CO raises $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds

Flop: ($2.35) 3, 4, 7 (2 players)
CO bets $1.50, Hero calls $1.50

Turn: ($5.35) 8 (2 players)
CO checks, Hero bets $3.25. CO calls $3.25

River: ($5.35) Q (2 players)
CO checks, Hero checks

Was ist der Sinn?

Der Grundsatz hinter dieser Bet ist vielschichtig und erfüllt mehrere Aspekte:

  • Valuebet
  • Protection
  • Balancing von Floats
  • Vorantreiben des aggressiven Plays
Valuebet:

In erster Linie ist die Bet selbstverständlich eine Valuebet. Dein Ziel ist es, Value von einer schlechteren Hand zu extrahieren.

Tatsächlich muss diese Bet jedoch als dünne Valuebet bezeichnet werden. Hältst du eine starke Hand, stehen die Vorzeichen anders. Du bettest in einem solchen Fall einfach for Value und kannst je nach Riverkarte und Riveraction entscheiden, ob du auf gegnerische Aggression hin einen Call findest oder aber eine erneute Valuebet platzierst.

Bei einer Bet for free Showdown jedoch ist die Range, die dein Gegner callen kann, nicht sonderlich groß. Wie im obigen Beispiel ist nun die Frage, welche schlechtere Hand da callen soll?

Beispielsweise: Flushdraws, Overcards, A4, 55, 45, 35,…

Es gibt viele Hände, die durchaus callen könnten. Sollte dein Gegner diese Hand jedoch folden, ist das für dich auch nicht sonderlich schlimm. Er gibt seine Equity auf - die er mit jeder Hand noch hat - alternierend zwischen 2 Outs (55) und bis zu 15 Outs (AT ).

Protection:

Die Protection ist praktisch immer ein Resultat der Valuebet. Schaust du dir oben genannte Range an, protectest du in der Tat deine Hand vor einer unschönen Riverkarte.

Die Protection hängt daher mit einer solchen Bet zusammen, da du immer davon ausgehen musst, dass viele Draws möglicherweise callen. Sie machen meist den Großteil von Villains Range aus, denn selbst made Hands wie A4 oder 55 im obigen Beispiel haben neben der made Hand einen Draw vorzuweisen (wobei die Hand 55 durch deine 66-Hand um 4 Outs zurückfällt).

Balancing von Floats (sofern du ohne Initiative agieren musst):

Ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Aspekt. Bist du in der Lage, am Turn leicht zu valuebetten, wird es für deinen Gegner sehr schwer, gegen dich optimal zu spielen. Du kannst im obigen Beispiel auch mit einem Draw am Turn betten, eventuell mit einer sehr starken Hand (wobei man nun davon ausgehen müsste, dass die meisten Sets am Flop geraist worden wären).

Somit erreichst du zwei Vorteile:

Sieht dein Gegner wie du schwache made Hands betten kannst, bekommst du etwas mehr Credit für deine zukünftigen Floats. Oder anders herum formuliert: Checkst du auf solch einem Turn eine Hand wie 66, möglicherweise sogar Hände wie A8 oder TT behind, was willst du in Zukunft mit einer Turnbet als Bluff (Float) verkaufen?

Dein Gegner geht nun nicht davon aus, dass du eine weite Range bettest, also sieht er deine Range als polarisiert an (Nuts / Bluffs) und kann somit besser gegen dich spielen.

Daraus ergibt sich der zweite Vorteil. Je mehr du am Turn bettest, umso häufiger werden deine Gegner geneigt sein, herunter zu callen. Da sich ihre Range somit nach unten erweitert, wird eine Hand wie 66 im obigen Beispiel zu einer immer klareren Valuebet. Sofern dieser Punkt eintritt, gilt die Konzentration dementsprechend eher den lighten Valuebets als den Floats.

Vorantreiben des aggressiven Plays:

Anknüpfend an das Balancing bleibst du somit ein aggressiver Spieler. Willst du winning Player sein, musst du von Natur aus viel und gezielt valuebetten, auch in engen Situationen. „If you want action, you have to give action“.

Du hast in solchen Spots alle Vorteile auf deiner Seite: Eine made Hand, einen Gegner out of Position, der nicht weiß wo er steht und am River einen weiteren guten Spot, weil du entscheiden darfst, ob Villain ein weiteres Mal in seinen Geldbeutel greifen muss oder ob du dir den free Showdown leisten kannst.

Bleibe aggressiv, dies sind die idealen Spots für dünne Valuebets, die deinem Gesamtspiel gut tun.

Weiteres Play?

Tatsächlich ist es leider nicht so, dass die Hand jedes Mal wie oben läuft. Vieles kann schiefgehen.

Ideal wäre ein Verlauf wie in Beispiel 2. Villain zeigt dir am River seinen busted Flushdraw, du gewinnst den Pot und freust dich über die gut gesetzte Valuebet am Turn.

Was möchtest du aber nicht sehen?

  • Villain zeigt am River eine stärkere Hand (A8,99 etc.).
  • Villain checkraist den Turn.
  • Villain check/callt am Turn und donkt den River.

Gegen den ersten Punkt kannst du nicht viel machen. Daher ist es auch eine dünne Valuebet. Die Gefahr besteht immer, dass dein Gegner eine bessere Hand hält. Das Problem an der Sache ist nur, dass du bei der alternativen Line checkbehind Turn am River auch nicht besser dastehst, häufig kommt dort eine Blank und die Wahl zwischen Call und Fold wird eng:

BEISPIEL 3:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6 , 6
2 folds, CO raises $1.00, Hero calls $1.00, 2 folds

Flop: ($2.35) 3, 4, 7 (2 players)
CO bets $1.50, Hero calls $1.50

Turn: ($5.35) 8 (2 players)
CO checks, Hero checks

River: ($5.35) 3 (2 players)
CO bets $2.50, Hero...

Wenn du hier häufig genug callst, hast du gegen Hände wie 99 und A8 ohnehin verloren und mögliche Flushdraws könnten dich jetzt rausbluffen (und eben denen hast du auch noch die Freecard am Turn gewährt).

Was passiert wenn dein Gegner das Checkraise auspackt? Die Hand ist in fast allen Fällen gelaufen. Eine Bet for free Showdown ist defintionsgemäß dünn und wird einem Checkraise daher nicht standhalten können. Ebenso wenig kannst du eine Donkbet am River callen, sofern sich an deiner Handstärke nicht viel ändert. Findest du einen Spot für eine solche Bet, so sollte sie die letzte Bet sein, die du in diese Hand investierst.

Welche Gegner?

Die Gegnerauswahl ist naturgemäß elementar und wird in den nächsten Teilen anhand von Beispielen ausführlich beleuchtet.

Klar sollte sein, dass du den EV einer Turnbet größer einstufen solltest, als den eines Checks und eines möglichen Calls am River. Siehst du die Bet als –EV an und glaubst somit, dass die Aufgabe der Hand (runterchecken, EV=0) die bessere Wahl ist, dann handle dementsprechend.

Klassischer Spot für eine solche Bet ist ein drawy Board gegen einen sehr passiven Spieler, das Gegenteil ist der Fall bei einem dry Board gegen einen aggressiven Gegner. In solch einem Fall mag der Checkbehind for Bluffinduce die sinnvollere Variante sein.

Welche Boards?

Die grundlegende Frage: Können viele schlechtere Hände callen?

Dies ist bei jeder Valuebet das wichtigste Kriterium, daher erwartungsgemäß auch hier. Wie bereits im vorherigen Abschnitt angedeutet, je draw-lastiger das Board ist, desto mehr schlechtere Hände können einen Call finden.

Alternativen

Die Alternative ist einzig und allein der Checkbehind. Je nach Riverkarte bleiben dort nur drei Optionen übrig:

  • Aufgabe der Hand (check, fold)
  • Zum Showdown gehen (check, call)
  • Bluffen (bei schlechter Rivercard) (bet, raise)
  • Valuebetten (bei womöglich guter Rivercard) (bet, raise)

Es gibt dafür unzählige verschiedene Spots, jedoch solltest du dir beim letzten Punkt die Frage stellen: Hat sich die Handstärke am River nicht sonderlich geändert, warum hast du jetzt eine Valuebet, aber nicht am Turn?

» ZUSAMMENFASSUNG

Du hast heute die Grundsätze zur Bet for free Showdown erfahren. In diese Situation kannst du durch zwei Szenarien kommen: Aktiv als Preflopaggressor mit Initiative und als passiver Spieler ohne Initiative. Dadurch ändern sich ein paar Grundgedanken hinter dem Sinn der Bet, in den nächsten beiden Teilen wird auf beide Situationen spezifisch eingegangen.

Hängen bleiben sollte jedoch: Lieber einmal zu dünn betten, als häufig zu wenig.