Aktualisiert am 12 März 26 von

Zeit - Über die oft vernachlässigten Aspekte im Poker

Einleitung

In diesem Artikel

  • Glück und Pech gleichen sich aus. Oder?!
  • Schau auf die Nummer 1

Gute Zeiten

Ich spreche oft mit anderen Pokerspielern und manchmal erzählen wir uns dann auch von einem magischen Online-Königreich, das vor vielen Jahren existierte. Ein Land, in dem es nur schlechte Spieler gab und man nur ein einziges Buch lesen musste, um beim Pokern zu gewinnen.

Dieses längst vergessene Land, tief in der Vergangenheit begraben, ist heute nichts weiter als eine Erinnerung, ein Mythos und eine Legende. Wenn wir doch nur die Zeit zurückdrehen könnten.

Kein Grund, melancholisch zu werden

Das ist die Einstellung eines Spielers, der nicht mit der Zeit geht: Er denkt lieber daran, wie er einst das Spiel beherrschte, ist aber nicht bereit, den gestiegenen Anforderungen von heute gerecht zu werden. Mama hat immer gesagt „Von nichts kommt nichts” und Programmierer nennen dieses Prinzip auch „GIGO” (Garbage In, Garbage Out).

Diese Weisheit ist mit Sicherheit eine Konstante des Lebens. Und Poker verkörpert das Leben. Man begibt sich in Situationen, in denen man versucht, seinen möglichen Ertrag zu maximieren. Diese Erwartungen werden zwar nicht immer vollständig erfüllt, aber letztendlich haben diejenigen, die am meisten investieren, auch die deutlich besseren Erfolgsaussichten.

Muskelschmalz

Über die Jahre habe ich viele Leute gecoacht, denen Poker eine Leidenschaft war. Bei allen war der entscheidende Faktor, ob sie zu einem langfristigen winning Player wurden oder nicht, keineswegs ihr natürliches Talent sondern ihre mentale Stärke. Harte Arbeit, um die Konzepte des Spiels zu verstehen, ist wesentlich wichtiger als jegliche angeborene Affinität zu Kartenspielen, die einem eventuell in die Wiege gelegt wurde.

Wenn man weiterkommen will, gibt es keinen Umweg um diese Arbeit und wenn alle anderen besser werden, dann musst du es auch werden. Mein Vater hat mir immer gesagt, nur mit viel Muskelschmalz komme man im Leben weiter.

Die Sharks fressen die Fische

Charles Darwin hätte für seine These des „Survival of the Fittest” nur ein Pokerspiel beobachten müssen. Egal was die anderen auch darüber denken, am Ende haben immer diejenigen am meisten gewonnen, die ihre Tage mit intensiver Vorbereitung zugebracht haben. Es gibt jedoch einen großen Unterschied, wie unser Körper mit physischen im Vergleich zu mentalen Defiziten umgeht.

Auch das Gehirn muss trainiert werden

Wenn man an Körperumfang zunimmt, verliert man nach und nach an Beweglichkeit, wird weniger agil und weniger erfolgreich auf der Jagd nach der täglichen Nahrung. Das teilt einem sein Körper durch Magenknurren mit, während der Hase, den man gerade jagt, durch das nächste Dickicht in die Freiheit entkommt. Beim Poker gibt es diese Warnzeichen nicht. Der eigene Körper gibt einem keine Hinweise darauf, dass man schlecht spielt.

Glück und Pech gleichen sich aus! Oder?

Die Balance zwischen dem Gewinn und dem Verlust von Pötten und der Entwicklung zu einem winning Player dauert lange. Nein, es dauert sogar sehr lange und es ist durchaus möglich, dass man es nie ganz schaffen wird.

Ein Spieler mit einer Winrate von nur 0,1BB/100 kann beim Limit Hold'em mit etwas Pech bei zwei Standardabweichungen mehr als 3.000.000 Hände im Minus sein. Tatsächlich braucht man 12 Millionen Hände, bis sich das Ergebnis der „wahren” Winrate annähert (die sich zu diesem Zeitpunkt sowieso geändert hat).

Jeder kennt jemanden

Die einzige wirksame Methode, die wir haben, ist die Meinung von anderen zu hören. Und genau hier scheitern die meisten bei ihrem Versuch, sich zu verbessern. Beim Poker geht es nur ums Geld. Wenn man auf eine Art und Weise Poker spielt, die einen Geld kostet, dann wäre es sicher von Vorteil, wenn man diesbezüglich Hilfe bekäme.

Leider können jedoch nicht alle etwas damit anfangen. Manche haben große Freude daran, der Welt mitzuteilen, wie schlecht du doch wärst und gleichzeitig können die Empfänger dieser Kritik sowohl im Negativen als auch im Positiven überempfindlich darauf reagieren und sich, anstatt einen Fehler einzugestehen, einigeln und jede Hilfe ablehnen.

Sonnenbrillen schaden nie

Und so erhebt mein Lieblings-Internetspruch wieder sein hässliches Antlitz: „Komm' damit klar (bitte hier ein Smilie mit Sonnenbrille einfügen).“ Wenn du wirklich vorhast, besser Poker zu spielen, dann musst du nicht nur hart an dir arbeiten, sondern auch mit viel Kritik umgehen können. Einiges davon wird gerechtfertigt sein, anderes nicht. Eine dicke Haut und, noch wichtiger, zu lernen, diese Dinge nicht persönlich zu nehmen (obwohl es persönliche Ratschläge sind), sind wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Karriere.

Ich war auch schlecht. Früher.

Als ich angefangen habe zu spielen, hätte ich alles dafür gegeben, jemanden zu haben, der mit dem Finger auf mich zeigt und sagt: „Du spielst scheiße!” Das hätte mir vielleicht einen Teil der $1.200 gespart, die ich im Jahr verlor, als ich das Spiel gelernt habe.

Es ist zwar nicht angenehm, aber im Grunde bekommt man durch den Hinweis auf die eigenen Mängel einen Gefallen getan. Natürlich hätte man das auch netter formulieren können, aber es ist besser, es auf die harte Art und Weise zu erfahren, als gar nicht.

Ich mag das Gefühl, Geld zu besitzen. Wenn es bedeutet, ein paar intellektuelle Ohrfeigen zu kassieren, um ein paar dieser schönen Dollar zu behalten, dann ist mein Ego bereit, diese Schläge einzustecken. Ich kann mich innerhalb von ein paar Minuten von so etwas erholen. Meine Bankroll könnte das sicher nicht.

Gleichheit am Arbeitsplatz

Erinnere dich daran, dass eine Analyse deiner winning Sessions genauso wichtig ist wie die der losing Sessions. Es ist durchaus möglich, ohne es zu wissen, schlecht zu spielen und trotzdem Profit zu machen. Wenn man nur wegen eines guten Laufs Gewinne macht, geht man immer gleich davon aus, quasi perfekt zu spielen, schließlich geht es doch nur ums Gewinnen.

Ein gutes Poker-Mindset beinhaltet nicht nur eine absolute Hingabe oder eine ernsthafte Zwangsstörung, um die 15-stündigen Pokermarathons zu bewältigen. Es gehört auch dazu, zu Erkennen, dass man sich als Pokerspieler immer weiterentwickeln muss. Pink Floyd haben das in ihrem wegweisenden Album “Dark Side of the Moon” auf den Punkt gebracht:

Tired of lying in the sunshine staying home to watch the rain.
(Müde vom Liegen in der Sonne bleibst du zuhause und beobachtest den Regen)

You are young and life is long and there is time to kill today.
(Du bist jung, das Leben lang und heut ist nicht viel zu tun)

And then one day you find ten years have got behind you.
(Nur eines Tages stellst du fest, dass zehn Jahre vergangen sind)

No one told you when to run, you missed the starting gun.
(Niemand gab dir ein Signal, du hast den Startschuss verpasst)

Schau auf die Nummer 1

Konzentriere dich auf deine Ziele. Letztendlich wird das niemand anderes für dich übernehmen. Ab und zu wirst du von anderen einen mehr oder weniger sanften Schubser in die richtige Richtung bekommen, der aber nichts mehr als ein Verstärker deiner eigenen Entschlossenheit und deines eigenen Willens ist. Wie Pink Floyd es ausgedrückt haben, wird das Leben an dir vorbeiziehen, wenn du nichts unternimmst. Und in diesem Fall auch die Pokerkarrieren der anderen.

Die gute alte Zeit

Von Zeit zu Zeit erleben wir eine kurze Rückkehr dieser glücklichen Tage des Poker. Zum Beispiel als bei Full Tilt Rush Poker eingeführt wurde. Zwei Monate lang ist die Internet-Pokerszene kollektiv ausgeflippt und hat gezockt wie verrückt. Das ging aber nicht lange so und wird es auch niemals. In wenigen Jahren werden die Leute über die ersten Monate von Rush Poker so reden, wie ich heutzutage über Pokerseiten wie Planet Poker und Poker.com rede.

Nicht aufgeben

Das bedeutet aber nicht, dass so etwas nicht wieder passieren kann. Ein Anbieter könne Double Rush Poker (doppelt so schnell wie das normale Rush Poker!) einführen und Pokerspieler auf der ganzen Welt damit wieder für einen Monat verrückt spielen lassen. Wenn das passiert, musst du bereit sein, gleich von Beginn an mitzumischen. Wenn du ein paar Wochen wartest, weil du mit deiner Strategie nicht auf dem neusten Stand bist, könnte es schon zu spät sein und sich in den neuen Gewässern nur noch Sharks herumtreiben, die nur auf Zuspätkommer wie dich warten. So ist das Leben nun einmal. Es hängt allein von dir ab.

Jetzt wird es Zeit ein bisschen Pink Floyd zu hören. Jedenfalls solange es nicht “Another Brick in the Wall Part II” ist: “We don't need no education” ist nämlich nicht ganz richtig.