Aktualisiert am 12 März 26 von

AK in der frühen Phase

» KOLUMNE

AK in der frühen Phase

von shakin65

AK gilt zu Recht als eine der stärksten Starting Hands. Dennoch benötigt man im Vergleich mit anderen starken Starthänden sehr oft Hilfe durch das Board, um Value herauszuholen.

Aus diesem Grund gilt sowohl die Preflop- wie auch die Postflopphase in den ersten Blindlevels eines SNG als nicht so leicht. Diese Kolumne soll ein wenig Licht ins Dunkel bringen und dir Anregungen und Tipps zur Spielweise von AK bieten. Sie richtet sich an Spieler der Micro und Low Stakes.

Das Preflopplay

Schau dir zunächst einmal an, welche Faktoren die Spielweise von AK preflop in der frühen Phase beeinflussen.

  • Stacksizes: Eher selten, da die Stacks in der frühen Phase eher selten kritisch sind.
  • Reads: Eher zweitrangig, da man nach wenigen gespielten Händen kaum Informationen hat und auf den niedrigen Limits auch selten gemeinsame Histories hat.
  • Position: Wichtiger als die ersten beiden Faktoren, aber nicht von entscheidender Bedeutung.
  • Handverlauf: Ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, seine Entscheidung zu treffen. Anzahl der Limper, Raise(s) vor Hero, Anzahl der Caller gehören dazu.
  • Image: Wie Reads kaum von Bedeutung. Selbst wenn man schon eine gemeinsame History mit dem ein oder anderen Spieler hat, wird das von den meisten Gegnern der niedrigen Buy-ins kaum zur Kenntnis genommen.
  • Größe des Pots: Ist in den frühen Blindlevels eher selten ein entscheidender Faktor.
Mögliche Szenarien vor dem Flop

Wie du gesehen hast, ist der entscheidende Faktor für die Spielweise von AK der bisherige Handverlauf, also die Aktionen deiner Gegner bevor du an der Reihe bist.

Dabei sind natürlich die verschiedensten Szenarien denkbar, je nach deiner Position kann es eine Menge Action vor dir geben. Schau dir im Folgenden einmal an, wie das bisherige Spielgeschehen deine Hand beeinflusst.

Kein Limper und kein Raise vor Hero:

Kein Spieler ist vor dir in den Pot eingestiegen und du hast eine der stärksten Starhände überhaupt. Du bist first to act und es gibt absolut keinen Grund, in einer solchen Situation dein AK nicht zu raisen.

1 Limper, kein Raise vor Hero:

Nun ist schon ein Spieler im Pot, aber ein Limper ist kein Grund, über etwas anderes als eine Erhöhung nachzudenken. Auch in diesem Fall solltest du AK immer raisen und für den Limper ein zusätzliches BB draufpacken. Also: Raise 3 BBs + 1 BB/Limper.

2 bis 4 Limper, kein Raise vor Hero:

Es sind zwar nun schon mehr Spieler im Pot, aber ein passives Limpen sollte dich nicht davon abhalten, deine starke Hand auch angemessen zu spielen. Du kannst dich auch hier an die schon genannte Formel halten: Raise 3 BBs + 1 BB/Limper.

5 oder mehr Limper vor Hero:

Sollten bereits fünf oder mehr Spieler vor dir in die Hand eingestiegen sein, kannst du mit AK deinen Stack direkt in die Mitte stellen. Grund hierfür ist, dass ein Raise schon einen nicht unerheblichen Anteil deines Stacks ausmacht und auf Grund der Größe des Pots ein Push gerechtfertigt ist.

Geht man beispielsweise von einem Blindlevel 30/15 aus, wären bei fünf Limpern inklusive Blinds mehr als 180 Chips im Pot. Legt man die Größe des Pots auf die Blinds um, entspräche das einem Blindlevel von 120/60. Geht man von einem Stack von t1500 bei Hero aus, könnte man hier effektiv für ~12 BBs pushen. Unter Umständen kann man auch schon bei vier Limpern direkt pushen.

1 normales Raise (3 bis 4 BBs), kein Caller vor Hero:

Hat ein Spieler vor dir geraist und gibt es danach keine Caller mehr, so kannst du in diesem Fall flatcallen. Das Ziel sollte es in den meisten Fällen sein, mit AK einen Flop zu sehen, ohne allzu viele Chips zu committen.

Reraist du in einer solchen Situation, kann die Action bereits preflop eskalieren und du wirst möglicherweise vor eine unangenehme Entscheidung gestellt werden: Einen Push zu callen oder die bereits investierten Chips abzuschreiben.

Hinzu kommt, dass schlechtere Aces dann von den Gegnern noch gefoldet werden, während du postflop von diesen mehr Value bekommen kannst.

1 normales Raise, einer oder mehrere Caller:

Hat ein Spieler vor dir geraist und es gibt einen oder mehrere Caller, spielen Faktoren wie Reads/Stats auf den Raiser, dessen Position sowie die Potgröße eine entscheidende Rolle. Hast du loose Reads auf den Raiser und ist der Pot (umgelegt auf die Blinds) im Verhältnis zu deinem Stack groß genug, ist ein Push eine Option. Ohne Reads auf die Gegner wäre dies auf den Low Stakes die beste Line.

Handelt es sich um einen eher tighten Spieler oder Regular ist ein Flatcall die beste Option.

Raise und Reraise vor Hero:

Nun gab es vor dir mit einem Raise und einem Reraise bereits einiges an Action. Da ist Vorsicht geboten. Ohne spezielle Reads auf zumindest einen der beiden Gegner, solltest du AK in der frühen Phase folden. Mit einem Flatcall, der oft auch ziemlich teuer ist, kannst du die Action nicht zwingend beenden. Und bei einem Push kannst du nicht sicher sein, gegen die Range eines oder beider Gegner vorne zu liegen.

Hast du auf den Reraiser einigermaßen verlässliche loose Reads und auf den Raiser keine allzu tighten, kannst du direkt preflop pushen. Der Pot ist dazu meist groß genug und gegen loose Ranges hast du mit AK eine ausreichend große Equity.

Hast du auf den Raiser loose Reads, kommt es auch auf die Reads/Stats bzgl. des Reraisers an, ob du direkt pushst oder foldest. Ohne loose Reads solltest du auch in diesem Fall folden.

Hero raist, ein Gegner reraist:

Du hast dich entschieden, deine Hand zu raisen, bekommst es nun aber mit einem Reraise zu tun. In diesem Fall sollten die Höhe des Reraises sowie Reads/Stats über deine weitere Spielweise entscheiden.

Bei halbwegs verlässlichen loosen Reads/Stats kannst du direkt darüberpushen. Hast du keine loosen Reads und hält sich die Höhe des Reraises in einem, gemessen an Heros Stack, erträglichen Rahmen, kannst du callen.

Sollte das Reraise zu hoch sein und du keine loosen Reads auf den Gegner haben, kannst du in den meisten Fällen folden. Eine Ausnahme kann es geben, wenn es sich um ein Raise von dir in später Position handelt und vom Gegner eventuell als Steal interpretiert werden kann. In dem Fall könntest du eine weitere Restealingrange bei vielen Gegnern annehmen und könntest dann eher pushen.

Das Postflopplay

Analog zum Spiel vor dem Flop solltest du dir bewusstmachen, welche Faktoren deine Spielweise mit AK in der frühen Phase postflop beeinflussen:

Das Board:

Gerade bei einer Hand wie AK ist es in vielen Fällen wichtig, ob du das Board getroffen hast oder nicht. Hast du das Toppair verpasst, kommt es auf weiter unten genannte Faktoren an, ob du eine Continuationbet machst oder nicht. Und selbst wenn du das Board mit Toppair getroffen hast, muss es - je nach Struktur des Boards, Anzahl der Gegner und Reads auf diese - nicht immer so sein, dass du zwangsläufig auch broke gehst.

Die Preflopaction:

Für die Postflopaction nicht immer entscheidend, aber doch von Bedeutung, ist die Preflopaction. Warst du der Preflopaggressor oder hast du lediglich flat gecallt? Eventuell ist es auch ein multiway Pot mit entsprechender Action preflop. Die Größe des Pots wird ebenfalls nicht selten entscheidend beeinflusst.

Die Anzahl der Gegner:

Je mehr Gegner in der Hand sind, desto weniger ist ein Toppair wert. In einem multiway Pot kann einer der Gegner durchaus eine stärkere Hand halten (Sets, Twopair oder auch Straights oder Flushs) als du mit deinem Toppair. Die Gefahr ist natürlich größer, wenn es sich um mehr als einen Gegner handelt.

Auch bei Continuationbets solltest du bei mehr als einem Gegner vorsichtig und in den meisten Fällen davon absehen (siehe auch Faktor Position).

Deine Position:

Wie sieht die Action bis zu dir aus? Auch mit einem Toppair musst du auf multiway Action postflop nicht zwingend broke gehen. Gehen beispielsweise zwei Gegner All-In oder committen sich, bevor du am Zug bist, könnte das Toppair nicht mehr allzu viel wert sein. Dies ist allerdings auch abhängig von dem folgenden Faktor: Reads/Stats.

Es kann gerade bei mehreren Gegnern und/oder Hero in einer Late Position angeraten sein, behind zu checken. Viele Gegner erwarten eine Continuationbet, um anschließend zu checkraisen. Gerade wenn zu den vermutlichen Overcard-Outs noch Gutshot oder Flushdraw Outs hinzukommen, kann ein Checkbehind von dir mehr wert sein.

Reads/Stats:

Je looser die Gegner, desto eher kannst du auch auf multiway Action mit TP broke gehen. Ist zumindest einer der beteiligten Spieler ein eher tighter Regular, wird die Entscheidung schon knapper.

Größe des Pots/Stacksizes:

Das Verhältnis von Pot- zu Stacksize spielt im wesentlichen dann eine Rolle, wenn du erwägst, bei nicht getroffenem Board eine Continuationbet zu machen. Ist der Pot bereits so groß, dass du dich mit einer solchen Bet committest, solltest du in vielen Fällen eine Continuationbet weglassen.

Image:

Gerade auf den Low Stakes in den meisten Fällen von nicht allzu großer Bedeutung.

» ZUSAMMENFASSUNG

Du hast in dieser Kolumne einige Anregungen bekommen, wie du AK in der frühen Phase eines SnGs spielen kannst und welche Faktoren dabei Einfluss auf Entscheidung über die richtige Line nehmen.

Es soll abschließend noch darauf hingewiesen werden, dass es sich bei den in dieser Kolumne dargestellten Empfehlungen um mögliche Spielweisen von AK handelt, die nach Meinung des Autors sinnvoll sind. Darin eingeflossen sind Erfahrungen aus mehreren tausend SNGs auf den 6,50ern und 16ern Turbos auf Pokerstars.