Aktualisiert am 12 März 26 von

Wie spielst du nach dem Flop?

Einleitung

In diesem Artikel lernst du:

  • Wie du Profit aus starken Karten holst
  • Wie du dein Blatt schützt
  • Warum du setzt und warum du nicht setzt

Kommen wir zum harten Kern der Bigstackstrategie, dem Spiel nach dem Austeilen des Flops. No-Limit Hold'em ist ein dynamisches, situationsabhängiges Spiel. Was du wann machst, hängt von vielen Faktoren ab. Was ist vor dem Flop passiert? Wie sehen die Gemeinschaftskarten aus? Wer sind deine Gegner?

Nach Lektüre des folgenden Artikels wirst du in der Lage sein, in einer Spielsituation selbstständig Antworten auf die Fragen zu finden: Was will ich erreichen? Wie kann ich das erreichen?

Die daran anschließenden Artikel, auf die du nach Bestehen des PokerStrategy.com-Quiz Zugriff hast, werden dieses Wissen verfeinern, dir die Mathematik des Pokerns näherbringen und zeigen, wie sich die Stärke und Spielweise eines Blattes in verschiedenen Ausgangssituationen radikal ändern kann.

Doch zunächst einmal die Grundlagen: Was kannst du überhaupt treffen?

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Was sind gemachte Blätter?

MONSTER

  • zwei Paare
  • Drilling
  • Straße
  • Flush
  • Full House
  • Vierling
  • Straight Flush
  • Royal Flush

 

Das sind Blätter, z.B. ein Paar oder ein Drilling, die schon jetzt gewinnen könnten. Sie müssen sich nicht unbedingt verbessern, manchmal haben sie auch überhaupt keine oder nur wenige Verbesserungsmöglichkeiten.

Die meisten gemachten Blätter kennst du schon aus dem Artikel zu den Spielregeln von Texas Hold'em:

Gehe zum Artikel: Die Spielregeln von Texas Hold'em

Das sind zwei Paare, Drillinge, Straßen, Flushes oder noch bessere Blätter. Diese nennt man auch Monster, eben weil sie meist sehr stark sind. Mit ihnen liegst du oft vorn und sie werden dir gutes Geld einbringen, wenn du sie richtig spielst.

Es gibt aber auch Paare und schlechtere Blätter. Wirklich gut sind davon nur zwei Arten, die jetzt ausführlicher erklärt werden. Das sind zwei spezielle Formen von Paaren, das Toppaar und das Überpaar.

TOPPAAR

Hast du ein Paar und das besteht aus einer deiner beiden Startkarten und der höchsten Gemeinschaftskarte, ist das ein Toppaar.

 

ÜBERPAAR

Hast du ein Paar fertig in deinen beiden Startkarten und die Karten sind größer als jede Gemeinschaftskarte, nennt man das Überpaar. Es ist kein größeres Toppaar möglich.

 

HINWEIS: ZWEI PAARE SIND NICHT GLEICH ZWEI PAARE

Zwei Paare hast du im engeren Sinne nur dann, wenn das eine Paar aus deiner ersten Startkarte und einer Gemeinschaftskarte und das zweite Paar aus deiner zweiten Startkarte und einer Gemeinschaftskarte bestehen.

Anders ausgedrückt: Wenn eines der beiden Paare in den Gemeinschaftskarten liegt, dann kannst du dir das nicht anrechnen, schließlich kann ein Gegner ja damit einen Drilling oder sogar ein Full House bilden.

Zwei Paare
 

 

Nur scheinbar zwei Paare
 

Was sind Draws?

Draws sind Blätter, die zwar noch kein gutes gemachtes Blatt ergeben, aber sie können es werden, nämlich dann, wenn noch eine hilfreiche Gemeinschaftskarte ausgeteilt wird.

Es gibt starke und schwache Draws, je nachdem wie viele Karten hilfreich sind. Hast du die Chance auf einen Flush, dann helfen dir 9 Karten weiter. Hast du hingegen ein fertiges Paar auf der Hand, dann bringen dir nur 2 Karten einen Drilling.

Welche Karten dir weiterhelfen und wie du ganz einfach berechnen kannst, ob es profitabel ist, deinen Draw weiterzuspielen, lernst du übrigens in den weiterführenden Bronze-Artikeln zur Mathematik des Pokers. Sobald du das Quiz von PokerStrategy.com bestanden und dein kostenloses Startkapital erhalten hast, kannst du darauf zugreifen.

OESD

Kannst du aus deinen beiden Karten und den Gemeinschaftskarten irgendwie eine Folge von vier direkt aufeinanderfolgenden Karten bilden, dann hast du einen OESD. Das steht für open-ended Straightdraw.

Das heißt, du hast momentan eine unvollständige Straße. Ihr fehlt am oberen oder am unteren Ende die fünfte Karte, eben open-ended. Im unteren Beispiel komplettieren 8 Karten deine Straße, jedes Ass und jede Neun, von denen je 4 Stück im Kartenstapel sind.

 

FLUSHDRAW

Kannst du schon einmal vier Karten einer Farbe vorweisen, hast du die Möglichkeit einen Flush zu bilden, sofern noch eine Gemeinschaftskarte in der gleichen Farbe ausgeteilt wird.

 

MONSTERDRAW

Der Monsterdraw ist eine Kombination von Flushdraw und OESD. Du hast sowohl die Aussicht auf einen Flush, als auch auf eine Straße.

 

DOPPELTER GUTSHOT

Eine weitere Möglichkeit eines Straßendraws ist nicht immer leicht zu erkennen. Es ist der doppelte Gutshot (engl.: Double Belly Buster). Der Name leitet sich vom so genannten Gutshot ab. Das ist ein schwacher Straßendraw, dem eine mittlere Karte fehlt, z.B. 8, 9, Bube, Dame, wo die Zehn zur Straight fehlt.

Der doppelte Gutshot ist eine Art Kombination von zwei Gutshots. Du hast sozusagen zwei Straßendraws auf einmal, denen je eine mittlere Karte fehlt.

Im Beispiel unten sind das Ass, Dame, Bube, Zehn und Dame, Bube, Zehn, Acht. Wie du schon siehst, helfen dir hier wie beim OESD 8 Karten weiter, jeder König und jede Neun. Und in der Tat ist der doppelte Gutshot von der gleichen Stärke wie der OESD.

Wie du im Artikel zu den implied Odds noch lernen wirst, ist der doppelte Gutshot sogar ein Stückchen profitabler als ein OESD, weil er vom Gegner schwerer zu erkennen ist.

 

ÜBERKARTEN

Hast du keinen der genannten Draws getroffen und auch kein gemachtes Blatt, aber deine Karten sind höher als jede Gemeinschaftskarte, dann nennt man sie Überkarten. Sonderlich stark ist dieser Draw zwar nicht, aber wenn du noch ein Paar triffst, dann ist das auf jeden Fall ein Toppaar.

 

Warum setzt du?

In No-Limit Hold’em gewinnt der aggressive, aber auch denkende Spieler, der seine Aggressivität gezielt einsetzt. Jeder Einsatz und jede Erhöhung verfolgen ein bestimmtes Ziel.

Valuemaximierung

Der erste Verwendungszweck für einen Einsatz ist ganz klar: Du hast ein starkes Blatt und willst dafür Geld in den Pot bekommen. Du willst, dass Spieler mit schlechteren Karten den Einsatz mitgehen und weiter im Spiel bleiben. Deine Einsätze sind in diesem Fall for Value.

Aber Vorsicht! Es geht dabei nicht darum, ob du glaubst, dass dein Blatt besser ist als das deines Gegners. Es geht um die Frage, welche Karten er gegen einen Einsatz von dir weglegt bzw. mit welchen er mitgeht.

Nur wenn dein Gegner dich auch oft genug mit schlechteren Blättern ausbezahlt, ist dein Einsatz for Value.

Bluffen

Der zweite Verwendungszweck ist der Bluff. Du willst Gegner mit besseren Karten zur Aufgabe zwingen und so den Pot für dich holen.

Wann immer du einen Bluff in Erwägung ziehst, halte dich an fünf Regeln:

  • Bläh mit Bluffs keine Pötte auf.
  • Bluff eher dann, wenn dein Blatt sich noch verbessern kann.
  • Bluff nur Spieler, die auch aufgeben können.
  • Bluff nicht gegen mehrere Spieler.
  • Bluff nur, wenn du auch etwas repräsentieren kannst und deine Gegner selten gut getroffen haben.

BEISPIEL 1 - GUTE BLUFFGELEGENHEIT

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im BU

  • UTG1, UTG2, UTG3, MP1, MP2, MP3 und CO steigen aus
  • Du erhöhst auf $1
  • SB geht $0.90 mit
  • BB geht $0.75 mit

Am Flop - Aktive Spieler(3): Du, SB, BB - Pot: $3.00

  • SB und BB schieben
  • Du setzt $2
  • SB und BB steigen aus

Ein klassisches Beispiel für eine so genannte Continuationbet und eine gute Bluffchance. Nur wenige Blätter, mit denen deine Gegner vor dem Flop mitgegangen sind, haben auf diesem Flop etwas Spielbares getroffen. Zudem kannst du gut ein Toppaar Asse repräsentieren. Wenn sie keines der drei verbliebenen Asse halten, wird es schwer für sie.

BEISPIEL 2 - SCHLECHTE BLUFFGELEGENHEIT

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im BU

  • UTG1, UTG2, UTG3, MP1, MP2, MP3 und CO steigen aus
  • Du erhöhst auf $1
  • SB geht $0.90 mit
  • BB geht $0.75 mit

Am Flop - Aktive Spieler(3): Du, SB, BB - Pot: $3.00

  • SB und BB schieben
  • Du schiebst

Die Flopkarten sind stark drawlastig. Sie verbinden sich mit einer Menge möglicher Karten, mit denen deine Gegner vor dem Flop mitgegangen sind. Zudem kannst du kaum etwas repräsentieren. Bei sehr vorsichtigen Gegnern, kann man auch einmal setzen, aber auf diesem Flop wirst du immer Schwierigkeiten haben, deine Gegner zur Aufgabe zu zwingen.

Continuationbet

Wann immer du vor dem Flop erhöhst, Kundschaft findest und als Aggressor in die späteren Setzrunden gehst, bietet sich dir die Möglichkeit für eine so genannte Continuationbet. Durch deine Erhöhung vor dem Flop kannst du ein stärkeres Blatt repräsentieren, als du es tatsächlich hast.

Setzt du dann am Flop und hast eigentlich nur einen Bluff, wird er häufiger funktionieren. Du kannst als Aggressor mit einer Continuationbet viele Pötte attackieren, aber nicht jeden.

BEISPIELE FÜR GUTE FLOPS

Eine hohe Karte  

  • Du setzt

Ass und Bildkarte 

  • Du setzt

Ein Paar

  • Du setzt

Wie du siehst, macht einen guten Flop für eine Contibet als Bluff aus, dass er nur wenigen Blättern weiterhilft. Er bietet wenig Drawmöglichkeiten und wenig Chancen für starke gemachte Blätter. Auf einem guten Flop kannst du ein starkes Blatt repräsentieren, während dein Gegner selten die Karten hat, um einen Bluff von dir auffliegen zu lassen, selbst wenn er sich sicher ist, dass du bluffst.

BEISPIELE FÜR SCHLECHTE FLOPS

Sehr drawlastig  

  • Du schiebst

Sehr drawlastig

  • Du schiebst

Sehr drawlastig

  • Du schiebst

Alle drei Beispiele tragen die Überschrift: Sehr drawlastig. Trifft das zu, kommt das Setzen einer Continuationbet am Flop eigentlich nur in Frage, wenn du nur einen Gegner hast.

BEISPIEL 3 - KEINE CONTINUATIONBET

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist in MP2

  • UTG1, UTG2, UTG3 und MP1 steigen aus
  • Du erhöhst auf $1
  • MP3 und CO steigen aus
  • BU geht $1 mit
  • SB steigt aus
  • BB geht $0.75 mit

Am Flop - Aktive Spieler(3): Du, BB, BU - Pot: $3.10

  • BB schiebt
  • Du schiebst

Auf diesem Flop gibst du am besten auf. Sind deine beiden Gegner nicht extrem tight, dann lohnt sich eine Bluffcontibet überhaupt nicht. Sehr viele Blätter haben hier etwas getroffen und du kannst kaum etwas repräsentieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Spieler aufgeben, sinkt auf so einem Flop dramatisch.

Protection

Nicht immer ist ein gemachtes Blatt gleich ein Monster. Oftmals siehst du dich mit deinem Blatt noch vorn, aber weißt auch, dass es verwundbar ist und deine Gegner nur darauf lauern, eine gute Gemeinschaftskarte zu erwischen, um dir das Genick zu brechen.

Deine Gegner können dich nur überholen, wenn sie eine gute Gemeinschaftskarte am Turn oder am River treffen. Je höher die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass sie treffen, desto stärker musst du deine Karten schützen (protecten).

Protection bedeutet, dass du die nächste Gemeinschaftskarte zu teuer machst. Hat ein Gegner ein Blatt, das deines überholen kann, muss er einen zu hohen Preis bezahlen.

In der Konsequenz heißt das: Hast du ein gutes gemachtes Blatt und es sind viele Draws möglich, dann schütze deine Karten und mach die nächste Gemeinschaftskarte teuer.

Das Thema rührt an die mathematischen Grundlagen von Texas Hold’em, die du in den weiterführenden Bronze-Artikeln noch kennen lernst. Du kannst auf sie zugreifen, sobald du das Quiz von PokerStrategy.com bestanden hast.

BEISPIEL 4 - PROTECTION

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im BU

  • UTG1, UTG2, UTG3, MP1, MP2, MP3 und CO steigen aus
  • Du erhöhst auf $1
  • SB geht $0.90 mit
  • BB geht $0.75 mit

Am Flop - Aktive Spieler(3): Du, SB, BB - Pot: $3.00

  • SB und BB schieben
  • Du setzt $2.5

Der Flop, den wir im letzten Beispiel noch als zu schlecht für einen Bluff befunden haben, ist gleichzeitig ein Flop, auf dem du deine gemachten Blätter unbedingt schützen musst. Es sind viele Draws möglich. Deine Gegner können einen Flushdraw, einen OESD, ein Paar und einen Gutshot haben. Mach die nächste Gemeinschaftskarte teuer. 

Warum setzt du nicht?

Es gibt viele gute Gründe, einmal nichts zu setzen bzw. zu erhöhen, z.B. wenn du so absolut nichts auf der Hand hast. Es gibt aber noch drei andere gute Gründe mit Namen Potcontrol, Bluffinduce und Slowplay.

Potcontrol

Stehst du am Flop, weißt du schon ungefähr, um was für einen Pot du spielen möchtest. Hast du ein Monsterblatt, willst du einen großen Pot spielen und bestenfalls All-In kommen. Hast du ein schwaches Blatt, magst du keine großen Einsätze sehen und spielst lieber um einen kleinen Pot.

Man sagt: Große Pötte sind für große Blätter da, kleine Pötte für kleine Blätter. Wenn du nicht wirklich starke Karten hältst (ein Toppaar ist selten wirklich stark), dann ist ein Ziel deiner Taktik, den Pot nicht ausufern zu lassen.

Das nennt man Potcontrol.

BEISPIEL 5 - POTCONTROL

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im CO

  • UTG1, UTG2, UTG3, MP1, MP2 und MP3 steigen aus
  • Du erhöhst auf $1
  • BU geht $1 mit
  • SB steigt aus
  • BB geht $0.75 mit

Am Flop - Aktive Spieler(3): Du, BB, BU - Pot: $3.10

  • BB schiebt
  • Du setzt $2.5
  • BU steigt aus
  • BB geht $2.5 mit

Am Turn - Aktive Spieler(2): Du, BB - Pot: $8.10

  • BB schiebt
  • Du schiebst

Diese Spielweise bietet sich an, wenn keine nennenswerten Draws möglich sind und du in Position bist. Im Beispiel lassen die Gemeinschaftskarten keine starken Draws zu. Du musst dein Blatt auf diesem Turn nicht schützen.

Wenn du schiebst, passiert das Folgende:

  • Hat dein Gegner ein besseres Blatt, gibst du ihm dafür weniger Geld. Du hältst den Pot klein.
  • Hat dein Gegner ein schlechteres Blatt, vielleicht ein schlechteres Paar Asse, ein Paar Achten oder ein anderes Paar, wird er vieles weglegen, wenn du setzt. Schiebst du, signalisiert das Schwäche und er wird womöglich noch etwas am River setzen, als Bluff oder weil er glaubt, das beste Blatt zu halten. Setzt er nicht, wird er aber vielleicht eher einen Einsatz von dir mitgehen.

Slowplay

Wann immer du dein Blatt schwächer darstellst, als es tatsächlich ist, betreibst du Slowplay, du spielst deine Karten „langsam“.

Indem du dein Blatt unterrepräsentierst, animierst du Gegner dazu ein schwächeres Blatt zu überspielen oder überhaupt erst einmal etwas Spielbares zu treffen.

Du triffst z.B. am Flop ein Full House. Es gibt nicht viele Karten, die dein Gegner jetzt weiterspielen wird. Indem du auf einen Einsatz verzichtest, gibst du ihm die Chance, entweder am Turn etwas Spielbares aufzugreifen oder schon am Flop eine Dummheit zu begehen.

Slowplaye nicht gegen viele Gegner und slowplaye nicht bei drawlastigen Gemeinschaftskarten. Tu es auch nicht, wenn dein Gegner passiv ist. Tu es nur dann, wenn du dir sicher bist, dass dein Gegner die Einladung annimmt, sein Blatt zu überspielen.

Im Normalfall ist Slowplay die schlechtere Alternative. Es gibt auf den unteren Limits nämlich eine Regel, die du niemals vergessen solltest: Deine Gegner werden eher einen Einsatz mitgehen, als selbst zu setzen. Grund dafür ist der schon früher erwähnte Umstand, dass der normale Spieler auf den unteren Limits zu passiv und zu loose spielt.

BEISPIEL 6 - SLOWPLAY

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im BU

  • UTG1 erhöht auf $1
  • UTG2, UTG3, MP1, MP2, MP3 und CO steigen aus
  • Du gehst $1 mit
  • SB steigt aus
  • BB geht $0.75 mit

Am Flop - Aktive Spieler(3): Du, BB, UTG1 - Pot: $3.10

  • BB schiebt
  • UTG1 setzt $2.5
  • Du gehst $2.5 mit

Ein gutes Beispiel für eine Situation, in der ein Slowplay Sinn ergibt. Der Flop ist nicht drawlastig. Er sieht ungefährlich aus und es liegt ein Ass. Du brauchst dein Blatt nicht zu schützen und kannst am Flop den Einsatz auch erst einmal nur mitgehen, wenn du der Meinung bist, dadurch langfristig mehr Geld zu machen als mit einer direkten Erhöhung.

BEISPIEL 7 - FLUSH NIEMALS SLOWPLAYEN

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im BU

  • UTG1 erhöht auf $1
  • UTG2, UTG3, MP1 und MP2 steigen aus
  • MP3, CO und Du gehen $1 mit
  • SB und BB steigen aus

Am Flop - Aktive Spieler(4): Du, UTG1, MP3, CO - Pot: $4.35

  • UTG1 setzt $2.5
  • MP3 und CO steigen aus
  • Du erhöhst auf $9

In diesem Beispiel hast du zwar mit dem Flush ein starkes Blatt getroffen, doch jede höhere Pik-Karte hat einen Draw auf einen besseren Flush. Mit einem Flush musst du am Flop direkt Gas geben und versuchen, alles Geld sofort in die Mitte zu stellen. 

Putting it together…

Deine Spielentscheidungen nach dem Flop versuchen eine Balance zu finden, zwischen ...

  • ... deinem natürlichen Gewinnstreben, immer das meiste herauszuholen, wenn du vorne liegst.
  • ... dem Bestreben, den Pot zu kontrollieren und den Preis für deine schwächeren Blätter im Rahmen zu halten.
  • ... dem Bestreben, mit verwundbaren Blättern die nächste Gemeinschaftskarte teuer zu machen.
  Value  
   
Protection   Potcontrol

Je schwächer dein Blatt ist, desto wichtiger wird Potcontrol. Je stärker dein Blatt ist, desto wichtiger wird Valuemaximierung. Je verwundbarer dein Blatt ist, desto wichtiger wird Protection.

Wie spielst du gemachte Blätter?

Das Spiel mit gemachten Blättern ist relativ simpel. Hast du das beste Blatt, dann setze oder erhöhe. Je schwächer dein Blatt ist, desto mehr solltest du auf Potcontrol achten, den Pot klein halten und bei zu viel Action oder Gegenwehr schlicht aussteigen.

Dein Blatt muss umso stärker sein, je mehr Gegner du hast. Gab es vor dem Flop keine Erhöhung oder du bist eine Erhöhung mitgegangen, solltest du schon wirklich gute Karten vorweisen, um größere Action zu machen.

Slowplaye nur mit sehr starken Karten. Je drawlastiger die Gemeinschaftskarten sind und je verwundbarer dein Blatt ist, desto stärker achte auf Protection und lass deine Gegner nicht zu günstig die nächste Gemeinschaftskarte sehen.

Versuch immer, eine Balance zwischen Potcontrol und Protection zu finden. Du brauchst ein marginales Blatt nicht schützen, wenn es auch so schon gut hinten liegen kann.

BEISPIEL 8 - ZWEI PAARE

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist in MP3

  • UTG1 und UTG2 gehen $0.25 mit
  • UTG3, MP1 und MP2 steigen aus
  • Du gehst $0.25 mit
  • CO steigt aus
  • BU geht $0.25 mit
  • SB steigt aus
  • BB schiebt

Am Flop - Aktive Spieler(5): Du, BB, UTG1, UTG2, BU - Pot: $1.35

  • BB, UTG1 und UTG2 schieben
  • Du setzt $1.2
  • BU steigt aus
  • BB und UTG1 gehen $1.2 mit
  • UTG2 steigt aus

Am Turn - Aktive Spieler(3): Du, BB, UTG1 - Pot: $4.95

  • BB und UTG1 schieben
  • Du setzt $3.5
  • BB erhöht auf $8
  • UTG1 und Du steigen aus

Dein Einsatz am Flop ist Standard. Nachdem beide Spieler am Turn schieben, solltest du noch einmal setzen. Es kann durchaus Flushdraws geben, die nun mitgehen. Auch schlechtere gemachte Blätter könnten noch einen Grund finden, um mitzugehen. Zudem behältst du die Initiative. Wenn du schiebst, hast du keine Kontrolle mehr und weißt auch nicht wo du stehst.

Doch dann kommt eine Erhöhung vom Spieler im Big Blind. Dieser Spielzug am Turn gegen mehrere Gegner demonstriert sehr viel Stärke. Er wird häufig den Flush haben. Damit siehst du mit deinen zwei Paaren natürlich nicht mehr so gut aus. Es ist nur richtig, daraufhin auszusteigen.

BEISPIEL 9 - ÜBERPAAR

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist in MP2

  • UTG1, UTG2, UTG3 und MP1 steigen aus
  • Du erhöhst auf $1
  • MP3 und CO steigen aus
  • BU geht $1 mit
  • SB steigt aus
  • BB geht $0.75 mit

Am Flop - Aktive Spieler(3): Du, BB, BU - Pot: $3.10

  • BB schiebt
  • Du setzt $2.5
  • BU geht $2.5 mit
  • BB steigt aus

Am Turn - Aktive Spieler(2): Du, BU - Pot: $8.10

  • Du setzt $6.5
  • BU erhöht auf $15
  • Du steigt aus

Die beste Spielweise bei dieser Turnkarte ist, zu setzen und auf eine Erhöhung hin auszusteigen. Dein Gegner wird zu selten mit einem schlechteren Blatt als deinem erhöhen. Du kannst aber auch nicht schieben, denn sogar ein Blatt wie 22 hat geschätzte drei Millionen Chancen gegen dein Paar Buben.

Geht dein Gegner deinen Einsatz nur mit, dann gibst du am River entweder direkt auf oder machst einen kleinen Einsatz und steigst auf eine Erhöhung hin aus.

BEISPIEL 10 - ÜBERPAAR

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im BU

  • UTG1, UTG2, UTG3, MP1, MP2 und MP3 steigen aus
  • CO erhöht auf $1
  • Du gehst $1 mit
  • SB und BB steigen aus

Am Flop - Aktive Spieler(2): Du, CO - Pot: $2.35

  • CO setzt $1.5
  • Du erhöhst auf $5

In diesem Beispiel erhöhst du am besten. In den Gemeinschaftskarten liegen einige Draws. Fällt am Turn eine höhere Karte als eine Neun, z.B. ein König oder eine Dame, dann dürftest du dich auch nicht mehr wirklich wohl mit deinen Karten fühlen.

In einer solchen Situation ist es immer besser, direkt zu erhöhen. Erhöht der Gegner weiter, weißt du sicher, dass du geschlagen bist. Geht er nur mit, kannst du je nach Turnkarte weiterentscheiden.

Wie spielst du Draws?

Für ein perfektes Drawspiel benötigst du einen Einblick in die mathematischen Konzepte Outs, Odds und Pot Odds, die du nach Bestehen des PokerStrategy.com-Quiz in den Bronze-Artikeln noch kennen lernst.

Generell gilt, dass du in Runden, in denen vor dem Flop niemand erhöht hat oder in denen du eine Erhöhung mitgegangen bist, Draws fast immer passiv spielst. Mit starken Draws wie Flushdraws und OESD kannst du moderate Flop-Einsätze mitgehen. Schwache Draws wie einen Gutshot kannst du meist gleich wegwerfen.

Jag keinen Draws hinterher! Stehst du mit einem Flushdraw am Turn, wirst du in nicht einmal 20% der Fälle am River den Flush treffen. Du verbrennst dein Geld, gehst du trotzdem am Turn große Einsätze mit.

Hast du vor dem Flop erhöht, kannst du mit vielen Draws auch am Flop weiter aggressiv spielen, sofern du nur einen oder zwei Gegner hast. Du setzt z.B. mit einem starken Draw fast immer eine Continuationbet am Flop.

Dennoch gilt auch für das aggressive Spiel mit Draws, dass es nur dann überhaupt sinnvoll ist, wenn die Gegner aussteigen können. Gegen viele Spieler oder solche, die aus Prinzip jeden Einsatz mitgehen, kannst du nicht bluffen und deshalb Draws auch nicht aggressiv spielen.

BEISPIEL 11 - PASSIVES SPIEL

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im SB

  • UTG1, UTG2 und UTG3 steigen aus
  • MP1 geht $0.25 mit
  • MP2 steigt aus
  • MP3 und CO gehen $0.25 mit
  • BU steigt aus
  • Du gehst $0.15 mit
  • BB schiebt

Am Flop - Aktive Spieler(5): Du, BB, MP1, MP3, CO - Pot: $1.25

  • Du und BB schieben
  • MP1 setzt $1
  • MP3 geht $1 mit
  • CO steigt aus
  • Du gehst $1 mit
  • BB steigt aus

Am Turn - Aktive Spieler(3): Du, MP1, MP3 - Pot: $4.25

  • Du setzt $3

Hier hast du dich am Flop aufgrund der Menge der Gegner nur für eine passive Spielweise entschieden. Aufgrund des Geldes, das MP1 und du noch haben, kannst du den Einsatz locker mitgehen.

Am Turn triffst du deinen Draw. Nun solltest du selbst aktiv werden. Würdest du schieben, würden deine Gegner aus Angst vor dem Flush nur selten etwas setzen. Aber gerade auf den kleineren Limits gehen sie oft noch einen Einsatz mit, u.a. weil dein Einsatz für sie wie ein Bluff aussehen mag.

BEISPIEL 12- AGGRESSIVES SPIEL

Vor dem Flop - NL25 Blinds: $0.10/$0.25

Du bist im CO

  • UTG1 geht $0.25 mit
  • UTG2 und UTG3 steigen aus
  • MP1 geht $0.25 mit
  • MP2 und MP3 steigen aus
  • Du gehst $0.25 mit
  • BU steigt aus
  • SB geht $0.15 mit
  • BB schiebt

Am Flop - Aktive Spieler(5): Du, SB, BB, UTG1, MP1 - Pot: $1.25

  • SB, BB, UTG1 und MP1 schieben
  • Du setzt $1.1
  • SB und BB steigen aus
  • UTG1 geht $1.1 mit
  • MP1 steigt aus

In diesem Beispiel hast du einen starken Flushdraw und zusätzlich noch Überkarten (König und Bube), die deinen Draw noch etwas besser machen. Normalerweise solltest du gegen vier Gegner einen Semibluff unterlassen. Du wirst selten alle zur Aufgabe zwingen.

Doch in dieser speziellen Situation kannst du dennoch setzen. Wesentlicher Grund dafür ist, dass du in Position bist, also alle deine Gegner vor dir agieren müssen. Hinzu kommt, dass dir viele Karten am Turn oder River weiterhelfen. Geht jemand deinen Einsatz mit, wirst du dennoch häufig eine gute Karte treffen und die Runde für dich entscheiden können. 

Zusammenfassung

Dieser Artikel hat dir einen Überblick über alle wichtigen Konzepte für das Spiel nach dem Flop gegeben. Natürlich kann einer allein nicht das ganze Thema abdecken. Dafür gibt es noch weiterführende Artikel, auf die du zugreifen kannst, sobald du das PokerStrategy.com-Quiz bestanden hast.

Was du mitnehmen solltest, ist das Zusammenspiel von Potcontrol und Protection. Du willst mit einem mittelstarken Blatt nicht um große Pötte spielen. Du willst aber auch deinen Gegnern keine günstigen Gemeinschaftskarten schenken, mit denen sie dich noch überholen können.

Ebenfalls solltest du verstanden haben, dass ein Einsatz nur dann Profit bringt, wenn er entweder dein Blatt vor Draws schützt oder schlechtere gemachte Blätter mitgehen. Kannst du am River kostenlos zum Showdown kommen und dein Blatt reißt dich nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin, dann nutz die Gelegenheit.

Generell gelten auch am Flop, am Turn und am River, die gleichen Regeln wie für das Spiel vor dem Flop:

  • Du spielst tight und bist in der Lage, marginalen Situationen aus dem Weg zu gehen.
  • Du spielst aggressiv und gestaltest das Spiel aktiv, anstatt ständig Einsätze nur mitzugehen.
  • Du spielst Position und achtest wie schon vor dem Flop darauf, nach Möglichkeit in Position auf deine Gegner zu sein.

So und das war es auch schon... fürs Erste.