Der Semibluff
Einleitung
In diesem Artikel
- Warum du Semibluffs in dein Spiel einbauen solltest
- Die Bedeutung der Position
- Wie du nach einem Checkraise weiterspielst
Dieser Artikel beschäftigt sich mit einer mächtigen und komplizierten Waffe im Hold’em Poker, dem Semibluff.
Der Semibluff muss zum Arsenal eines jeden guten Pokerspielers gehören, jedoch ist es dafür ungeheuer wichtig, die Funktionsweise zu verstehen. Was genau ist ein Semibluff? Wann, warum und gegen wen wendest du ihn an? Um genau diese Fragen geht es in diesem Artikel.
Was ist ein Semibluff?
Grob formuliert, gibt es drei Arten von Bets:
- Zum einen die Valuebet, bei der du davon ausgehst, vorne zu liegen und von deinen Gegnern Value extrahieren willst und natürlich gleichzeitig protecten musst.
- Auf der anderen Seite eine Bluffbet, bei der du dir relativ sicher bist, hinten zu liegen, jedoch die Möglichkeit hast, eine bessere Hand zum Folden zu bringen und den Pot unimproved zu gewinnen.
- Die dritte Art ist der Semibluff, bei dem du zwar weißt, dass du hinten liegst, jedoch noch Möglichkeiten (Outs) auf die beste Hand hast.
Die Definiton könnte also lauten:
Ein Semibluff ist eine Bet mit einer relativ schwachen Hand, die sich bei noch ausstehenden Karten jedoch zur besten Hand entwickeln könnte.
Hast du also vor, eine Hand spielen zu wollen, so ist es immer profitabler, selber zu betten, als check/call zu spielen. Durch deine Bet erzeugst du Foldequity. Solange du nicht setzt, kann dein Gegner nicht folden.
Wann ist ein Semibluff sinnvoll?
Die wichtigste Grundvoraussetzung wurde bereits erwähnt: Es müssen noch Karten ausstehen. Da die Wahrscheinlichkeit für die ausstehenden Karten, die dir deine Outs liefern würden, im Verlaufe der Streets geringer wird, ist ein Semibluff am Flop meist profitabler als am Turn. Am River ist dementsprechend gar kein Semibluff mehr möglich, da du deine Hand nicht mehr verbessern kannst. Du liegst nun entweder vorne oder hinten und hast nur die Wahl zwischen Valuebet, Bluffbet oder Aufgabe.
Außerdem ist es entscheidend, dass dein Gegner seine Hand auch aufgeben kann. Wie du später ausführlich sehen wirst, ist die Foldequity ein wichtiger Bestandteil des Semibluffs. Gehst du also davon aus, dass dein Gegner unter keinen Umständen seine Hand folden wird, lohnt sich eine Semibluffbet bzw. ein Semibluffraise nicht.
Semibluffs sind in Position sowie out of Position möglich. Vor Augen führen solltest du dir nur, dass du in Position eher die Möglichkeit hast, dir selber eine Freecard zu nehmen. Semibluffbets finden somit eine vermehrte Anwendung out of Position.
Welche Arten von Draws kannst du nun als Semibluff spielen? Natürlich fallen dir dort zuerst Flushdraws und open-ended Straightdraws (OESD) ein, jedoch gibt es viele weitere Hände. Auch eine Hand wie A




Dies ist ebenfalls eine typische Semibluff-Hand, mit der du zwar häufig mal betten würdest, jedoch eher auf Foldequity bzw. Verbesserung der Hand auf einer der folgenden Streets aus bist, als zu glauben, mit dieser Hand vorne zu liegen und Value von einer schwächeren Hand zu bekommen.
Welche Ziele verfolgt ein Semibluff?
In erster Linie setzt du auf die Foldequity. Du hast eine Hand, die momentan wohl sehr häufig hinten liegt, sich jedoch verbessern kann. Solltest du nun betten und dein Gegner folden, so foldet er auch häufig genug die beste Hand. Sollte dir dies gelingen, so würde Villain einen großen Fehler machen und du ohne aktuellen Showdownvalue mit einer sehr schwachen Hand den Pot sofort gewinnen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 2

3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold
Flop: ($2.25) A


SB bets $1.00, Hero raises to $4.25, SB folds
SB shows [5

Du bekommst am Flop eine Donkbet und raist. Nun könntest du meinen, es wäre ein Bluffraise, jedoch sollte dir klar sein, dass du einige Outs hast. Du hast einen Flushdraw und einen Gutshot-Straightdraw. Es ist also ein Semibluffraise. Du willst die Hand sofort gewinnen, hast jedoch gute Möglichkeiten, dich auf den weiteren Streets zu verbessern.
Letztlich gelingt dir genau das, was du wolltest. Eine stärkere Hand, die ein unteres Paar getroffen hat, foldet. Es ist dir gelungen, Villain einen Fehler machen zu lassen, in dem er eine bessere Hand als deine gefoldet hat.
Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn du Villain's Donkbet nur gecallt hättest und hoffen würdest, eines deiner Outs am Turn zu treffen. Wenn du nicht raist, kann Villain nicht folden, du bleibst also weiterhin mit der zweitbesten Hand im Pot.
Der zweite Hauptpunkt neben der Foldequity ist natürlich die Möglichkeit, deine Hand zur besten werden zu lassen. Im Falle eines Treffers auf den folgenden Streets hast du bereits einen großen Pot und kannst deinem Gegner eventuell seinen gesamten Stack abnehmen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 2

3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold
Flop: ($2.25) A


SB bets $1.00, Hero raises to $4.25, SB calls $4.25
Turn: ($10.75) 4
SB checks, Hero bets $8.00, ...
Du hast die gleiche Situation wie im Beispiel zuvor. Leider ist es dir nicht gelungen, den Pot am Flop unimproved mitzunehmen, du bekommst einen Call.
Am Turn kommt dann eines deiner 12 Outs wie erhofft an. Nach Villains Check hast du nun eine Value- und Protectionbet. Deine Semibluffbet am Flop war somit indirekt wieder erfolgreich und profitabel. Mit etwas Glück wird sich Villain an dieser Stelle nicht einmal von seinem Mittelpaar und seinem Gutshot-Straightdraw trennen können. Er kann aber auch deutlich stärkere Hände haben, die du jetzt womöglich stacken kannst.
Solltest du dich in Position befinden, hast du natürlich zudem die Möglichkeit, durch deine aggressive Spielweise Freecards zu ermöglichen. Dies ist insbesondere wichtig, wenn dir genügend Outs zur Verfügung stehen und du eine 2nd Barrel am Turn nicht häufig genug als erfolgreich betrachtest.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25) (35/3/0.8/34/287) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 2

3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold
Flop: ($2.25) A


SB bets $1.00, Hero raises to $4.25, SB calls $4.25
Turn: ($10.75) K
SB checks, Hero checks
River: ($10.75) 4
SB bets $3.00, Hero raises to $10.00
Wieder das Beispiel von oben. Diesmal schaffst du es weder, Villain am Flop herauszubekommen, noch am Turn zu improven. Aber auch dies ist noch kein Problem. Durch dein Raise am Flop hast du die Initiative behalten und Villain gewährt dir eine Freecard am Turn.
Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder du bettest erneut, demnach wäre es wieder eine Semibluffbet. Oder aber du nimmst dir die Freecard und hoffst, eines deiner 12 Outs zu treffen.
Wie du bereits gesehen hast, ist die Foldequity mittlerweile sehr wichtig geworden. Villain ist an sich ein sehr looser Spieler, der sich gerne den Showdown anguckt ("Went to Showdown"-Wert von 34), somit ist deine Foldequity als gering zu bewerten. Zudem hast du keinerlei Showdownvalue. Sollte Villain also callen und den River zu dir checken, bleibt nur ein 3-Barrel-Bluff oder die Aufgabe der Hand.
Oder mathematisch formuliert: Am Flop hast du grobe Odds von 1 zu 1 auf deiner Seite, du kannst also davon ausgehen, durchschnittlich in 50% aller Fälle auf den beiden ausstehenden Streets noch eines deiner Outs zu treffen.
Am Turn jedoch betragen die Odds nur noch 3 zu 1, dass heißt du kannst nur noch in 25% alle Fälle am River improven. Nimmst du diesen Fakt und die zusätzlich nicht als hoch empfundene Foldequity, so entscheidest du dich für einen Checkbehind am Turn und hoffst auf einen Treffer.
Dieser Treffer gelingt dir am River, Villain macht eine kleine Blockbet, die du jedoch for Value raisen kannst (musst).
Als Deception bezeichnet man Elemente der bewussten Täuschung in deiner Spielweise, die eben deine Gegner über deine Strategie, deine allgemeine Spielweise und auch deine Hände bzw. Handranges hinwegtäuschen soll.
Deception ist in allen Bereichen des Pokerns ein unglaublich wichtiger Bestandteil. Selbstverständlich sind Semibluffs ein sehr probates Mittel, um deine Deception zu verbessern und unlesbarer zu wirken. Du bettest nicht nur deine starken Hände, sondern auch mittelstarke Hände sowie Draws. Wie im ersten Beispiel gesehen, verleitest du dadurch Villain zu Fehlern in deinem Sinne.
Des Weiteren hast du natürlich ebenso den Vorteil, dass deine aktuelle Hand sehr schwer zu bestimmen ist. Du kannst bei der Hand im vorherigen Beispiel relativ sicher sein, dass ein Ass, eventuell sogar mit getroffenem Kicker, any Twopair oder gar ein Set meistens callen werden.
Nach dem Handverlauf kann Villain kaum davon ausgehen, dass du mit 2

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25) (35/3/0.8/34/287) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with A

3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold
Flop: ($2.25) 4


SB bets $1.00, Hero raises to $4.25, SB folds
Diesmal eine etwas andere Situation, jedoch gleicher Gegner und gleiche Hand. Du kannst hier auch davon ausgehen, dass Villain 5

In diesem Fall sieht die Sache aber etwas anders aus. Du liegst aktuell vorne mit Ace high und dem King als Kicker. Solltest du nun zufrieden sein über den Fold von Villain?
Die Antwort lautet selbstverständlich: Ja. Du siehst am Flop, dass das Board recht drawlastig ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass du hier mit Ace high noch vorne liegst, ist durchaus gegeben. Durch deinen Semibluffraise protectest du somit deine Hand und erlaubst es Villain nicht, durch eine Freecard (in diesem Fall cheap Card, immerhin hat Villain einen Dollar investiert) am Turn eventuell zu improven.
Auch wenn Villains Hand recht schwach wirkt, so würde er bei einer 5, einer 6 oder gar einer 3 am Turn vorne liegen. Er hat somit ganze 10 Outs gegen dich. Bei einer 7 am Turn bekäme Villain gar 14 Outs, um am River zu improven.
Du hast somit am Flop deine Hand protectet und deinem Gegner keine Freecard gewährt.
Du hast jetzt zahlreiche Möglichkeiten gesehen, wie sich deine Semibluffbet bzw. dein Semibluffraise im Verlaufe der Hand entwickelt hat. In Beispiel zwei hast du bewusst auf eine 2nd Barrel verzichtet, da du die Foldequity als zu gering ansahst.
Es gibt aber auch Situationen, in denen der Turn eine Scarecard bringt, die dem Spieler mit der Initiative meistens mehr nützt als dem passiveren Spieler:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25) (13/6/0.7/23/652) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
SB ($25)
BU ($25)
Preflop: Hero is BB with J

UTG calls $0.25, 4 folds, Hero checks
Flop: ($0.60) 7


Hero bets $0.50, SB calls $0.50
Turn: ($1.60) A
Hero bets $1.35, SB folds
Preflop hast du nicht vor, mit deiner marginalen Hand den sehr tighten UTG-Limper zu raisen. Du bist out of Position und hast am Flop einen Hit gelandet. Dein 2nd Pair ist zwar keine traumhafte Hand, jedoch hast du insgesamt 5 Outs auf Trips oder Twopair und noch die Backdoorstraight in der Hand. Du bettest also.
Villain callt nur und am Turn kommt eine Scarecard. Du erachtest die Foldequity als relativ hoch, da Villain kaum Ax aus UTG mitlimpen würde. Du spielst also bet/fold und erkaufst dir somit den Pot.
Schaust du dir die obigen Punkte an, so sollte dir klar werden, was der Sinn einer Semibluffbet ist. Du hast viel mehr Möglichkeiten, den Pot zu gewinnen, als wenn du nur passiv check/call spielen würdest. Die Einbeziehung der Stärke deiner (drawing) Hand, der Gegner sowie der aktuellen Street sind natürlich unerlässlich.
Nun wirst du sehen, welche Arten von Semibluffs du spielen kannst. Zudem wird es ausführliche Beispiele geben, die auch das Spiel in Multiwaypötten einbeziehen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with A

3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold
Flop: ($2.25) 3


SB checks, Hero raises to $1.75, SB raises to 6$, Hero...?
Preflop bleibt es bei der Standardsituation. Du raist vom Button und bekommst einen Caller. Am Flop triffst du den Nutflushdraw sowie zwei Overcards zu Toppair Topkicker.
Nach Villains Check machst du deine Continuationbet. Du hast Ace high vorzuweisen, was eventuell gut sein könnte und protectet werden muss, zudem 15 Outs auf die womöglich beste Hand und natürlich einiges an Foldequity.
Nun bekommst du aber ein Checkraise. Da dir Villain leider noch völlig fremd ist, kannst du diese Aktion nur sehr schwer deuten. Du hast nun drei Möglichkeiten: Fold, Call oder Raise. Da dich ein standardmäßiges Raise mehr als 2/3 deines Stacks kosten würde, heißt Raise in diesem Fall Push.
Ein Fold kommt für dich nicht in Frage, dafür siehst du deine Hand als zu stark an. Bliebe also der Call. Bei dem Call sollte dir aber klar sein, dass du am Turn hitten müsstest. Solltest du am Turn unimproved dastehen und Villain pushen, bekommst du schlechtere Odds und hast natürlich nur noch eine ausstehende Karte.
Sollte der Turn jedoch eines deiner Outs bringen, so könnte Villain scared sein. Ein Ass oder König würde ihm sicherlich am wenigsten gefallen, so würdest du eventuell von schwachen Overpairs kaum noch Value bekommen. Die beste Option ist hier also der Push.
Es ist natürlich eine reine Form des Semibluffs, denn du kannst dir nach dem Checkraise von Villain recht sicher sein, mit Ace high relativ häufig hinten zu liegen (wie du aber gleich sehen wirst nicht immer).
Solltest du nun also All-In pushen, stellt sich die Frage, welche schlechtere Hand hier callen soll. Deswegen solltest du nun einmal Villains Range genauer betrachten.
Möglich sind hier Hände wie 88+ oder 7x (z.B.A7). Villain möchte sehen, wo er steht, wird aber mit vielen Händen den Push callen. Nach dem Preflopplay sind jedoch AA/KK relativ unwahrscheinlich. Diese Hände würden dir natürlich wertvolle Outs auf deine Overcards nehmen. Gegen QQ-88 hast du 15 saubere Outs und bist Favorit. Eine Hand wie A7 würde dir nicht so gefallen, du hättest keine Outs auf das Ace, da du reverse dominated wärst. Dennoch blieben dir 12 Outs.
Selbstverständlich kann Villain selber eine drawing Hand halten, gerade auf dem Board sind massig Draws möglich, du liegst gegen fast jeden anderen Flushdraw (außer 7

Der dritte Fall ist der schlechteste für dich. Villain hat ein Twopair, Set oder die Straight getroffen. Selbstverständlich bist du hier nun klarer Außenseiter.
Nun nimm alle drei Fälle und überlege dir, wie du eine made Hand auf dem Board spielen würdest. Hieltest du beispielsweise Aces, würdest du die Hand gegen Unknown auf einem solch drawheavy Board wohl nicht zwangsweise aufgeben. Du wärst auch hier in den ersten beiden Fällen Favorit. Betrachtest du aber Fall drei, so musst du feststellen, dass deine drawing Hand hier stärker ist als Aces. Immerhin hat A

Fassen wir also die komplette Range von Villain zusammen, ist ein Push hier meistens profitabel. Du kannst davon ausgehen, in den meisten Fällen Favorit zu sein. Durch deine aggressive Spielweise, also deinen Semibluff, erzeugst du natürlich auch einiges an Foldequity. Es wäre dir auch durchaus Recht, die Hand mit Ace high am Flop zu entscheiden.
Du darfst nun aber nicht den Fehler machen, zwei Overcards + Flushdraw am Flop als eine ultimative All-In-Hand zu verstehen. Um die wesentlichen Punkte aufzuzeigen, ein weiteres Beispiel:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with K

1 fold, MP calls $0.25, CO calls $0.25, Hero raises to $1.50, SB calls $1.50, 1 fold, MP calls $1.50, CO calls $1.50
Flop: ($6.25) 6


SB bets $4.00, 1 fold, CO raises to $12.50, Hero...?
Du hältst preflop diesmal eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so starke Hand wie in Beispiel eins. Wieder triffst du am Flop einen Flushdraw sowie zwei Overcards.
Leider befindest du dich in einem 4-handed Pot, dass heißt, drei weitere Gegner schauen sich diesen Flop an. Der Small Blind donkt, der Cutoff raist sogar. Du stehst nun vor einer schweren Entscheidung.
Theoretisch hast du wieder drei Möglichkeiten, jedoch sollte dir klar sein, dass ein Call hier nahezu ausgeschlossen ist, da du dich ohnehin committen würdest. Somit kannst du entweder pushen, was natürlich aufgrund deiner Hand ein reiner Semibluff wäre, da du kaum davon ausgehen kannst, nach dieser Flopaction mit K high vorne zu liegen. Alternativ könntest du folden.
Denke an einen der wichtigsten Punkte, die eine Semibluffbet erfolgreich machen: Die Foldequity. Diese kannst du in diesem Fall wohl nahe Null setzen, da der Cutoff wohl kaum in einem 4-handed Pot seinen halben Stack reinstellt, um bet/fold zu spielen. Bei einem Push deinerseits bekäme er Odds von besser als 4:1, normalerweise kann er hier keine Hand mehr folden.
Bleiben also deine Outs: Denke an die in Beispiel eins genannten Ranges. Die Wahrscheinlichkeit, dass du hier gegen eine Hand der Kategorie 3 läufst, also Twopair, Set oder Straight, ist natürlich wesentlich höher als in Beispiel eins.
Nicht nur dass du hier gegen drei Hände spielst anstatt gegen eine, auch die Aktionen am Flop lassen darauf schließen, dass zwei deiner Gegner großes Interesse an der Hand haben und womöglich ihre starke Hand protecten wollen. Höchst unwahrscheinlich ist es zudem, dass hier zwei drawing Hands eine solch aggressive Spielweise an den Tag legen. Es wäre also ziemlich naiv zu glauben, dass du dir einen König oder eine Dame als Out anrechnen kannst.
Bleibt dir also dein Flushdraw. Gegen ein mögliches Set hättest du nur 8 Outs. Zudem besteht die Problematik, dass du im Falle eines 
Nun wirst du dir einige Situationen anschauen, in denen du Semibluffst und du kannst untersuchen, ob diese Aktionen auf Dauer profitabel sein können. Um die Beispiele recht offen zu halten, gehe jedes Mal von einem unknown Gegner aus.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 5

3 folds, Hero raises to $1.00, SB raises to $2.00, 1 fold, Hero calls $1.00
Flop: ($4.25) 3


SB bets $3.00, Hero...?
Preflop versuchst du mit 75s zu stealen, was leider misslingt. Auf das Minraise bekommst du sehr gute Odds, so dass du callst.
Am Flop triffst du nun ein Middlepair ohne Kicker sowie einen Flushdraw. Der Small Blind macht erwartungsgemäß seine Continuationbet.
Nun musst du dir überlegen, ob ein Semibluff hier angebracht ist. Der Small Blind kann bei der Blinddefence loose raisen, der Minraise deutet jedoch auf einen eher schwachen Spieler hin. Er kann hier durchaus ein Monster halten und slowplayen. Foldequity ist sicherlich vorhanden, wie viel genau ist jedoch kaum auszumachen.
Outs kannst du dir jedoch einige anrechnen. Gegen starke made Hands wie bspw. Aces, Kings oder AQ hast du 14 Outs, da auch hier die 7er und 5er dazugerechnet werden können, die dir Trips bzw. Twopair bescheren.
Einzig gegen Queens sieht die Sache relativ schwierig aus, dort blieben dir nur die Flush-Outs. Es spricht hier nichts gegen ein Raise, da du häufig den Pot direkt gewinnst, im Falle eines Calls entweder am Turn improven kannst oder häufig die Möglichkeit bekommst, dir eine Freecard am Turn zu nehmen. Sollte Villain auf dein Raise hin pushen, so ist die Situation natürlich recht ungünstig, dennoch müsstest du callen.
Raist du auf 10$, so bekämst du bei einem Push Odds von beinahe 3:1. Dafür würdest du gerade einmal 6 Outs benötigen, die musst du dir bei allen möglichen Konstellationen im Schnitt anrechnen können.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BU ($25)
Preflop: Hero is BB with 4

UTG calls $0.25, 2 folds, BU calls $0.25, SB completes $0.25, Hero checks
Flop: ($1.00) 3


Sb checks, Hero bets $1.00, 1 fold, BU raises to $3.00, 1 fold, Hero...?
Ein typisches Problem für den Semibluff out of Position. Der Pot ist unraised und du gabelst einen recht starken Draw am Flop auf. Du bettest daraufhin. Nun kannst du dich hier schon fragen, ob diese Bet sehr sinnvoll ist. Wie du weißt, benötigst du einiges an Foldequity, um einen Semibluff erfolgreich anwenden zu können. Hast du in einem 4-handed Pot genügend Foldequity? Gegen Unknown ist das meist schwer einzuschätzen. Jedenfalls wäre es nicht verkehrt, würdest du auf einen Semibluff verzichten und nur check/call spielen.
Nachdem du nun aber gebettet hast, bekommst du ein Raise vorgesetzt. Nachdem die anderen beiden Villains gefoldet haben, hast du nun drei Möglichkeiten: Folden, callen oder semibluffraisen.
Was versprichst du dir von einem Semibluffraise? Da du unmöglich mit 5 high vorne liegen kannst, baust du hier komplett auf die Foldequity sowie auf deine 8 Outs. Du kannst nicht wissen, wie die Range deines Gegners vom Button aussieht, aber sein Preflopplay (Limp vom Button) kann durchaus auf ein kleines Pocketpair deuten, womit er sein Set gehittet hat, oder eine starke Hand, die auf dem Board zum Overpair geworden ist. Einen puren Bluff kannst du beinahe ausschließen, im 4-handed Pot ist ein Bluffraise sehr selten. Andere Draws sind auf diesem Board ebenso kaum möglich.
Wenn du hier 3-bettest, verlässt du dich also beinahe nur auf deine 8 Outs. Da du in diesem Fall erneut einen Push callen müsstest (Rechnung siehe oben), ist es eine sehr varianzreiche Entscheidung.
Wäre ein Fold in Ordnung? Auf dem Rainbow-Board hast du 8 klare Outs und bekommst Odds von 2,5:1. Da du Villain hier eine recht starke Hand zutraust, wäre ein Fold etwas zu weak.
Bliebe also ein Call. Die Odds sind annehmbar, mit implied Odds ist es sicherlich ein recht profitabler Call. Natürlich hast du das Problem, solltest du am Turn improven, Geld in den Pot zu bekommen. Durch eine Donk verrätst du eventuell deine Hand, ein Check könnte Villain dazu verleiten, for Potcontrol ebenso zu checken, ein Checkraise wäre natürlich noch offensichtlicher, aber immerhin bekämst du dadurch noch eine Turnbet.
Abweichend zum eigentlichen Thema ist hiermit noch mal kurz bewiesen, dass das Spielen von drawing Hands out of Position wesentlich unprofitabler ist als in Position, da du bei drawing Hands grundsätzlich Semibluffs mit einstreuen musst.
Ein wichtiger Faktor des Semibluffs sind die noch ausstehenden Karten. Somit ist ein Semibluff am Flop meist wertvoller als am Turn, an dem nur noch eine Karte aussteht. Dennoch gibt es gute Möglichkeiten, auch am Turn zu semibluffen, zum Beispiel durch das Erscheinen von Scarecards, wie bereits oben beschrieben.
Es muss aber nicht unbedingt eine Scarecard sein, es reicht schon, wenn sich deine Hand deutlich verbessert und du dir eine hohe Foldequity ausrechnest.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with Q

3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold
Flop: ($2.25) 9


SB checks, Hero bets $1.75, SB calls $1.75
Turn: ($5.75) 3
SB checks, Hero bets $4.25, SB folds
Du triffst am Flop nur einen Gutshot sowie zwei Overcards, die du aber nur vorsichtig als mögliche Outs anrechnen darfst. Du contibettest und Villain callt. Am Turn fällt eine schöne Karte. Zwar wird es für Villain keine Scarecard sein, aber deine Hand verbessert sich deutlich. Neben deinem Gutshot und den Overcards hast du nun noch einen Flushdraw hinzubekommen.
Durch deine Bet kannst du unimproved die Hand gewinnen. Deine Hand hat sich verbessert, da sie einige Outs hinzugewonnen hat. Hier musst du dir nun die Frage stellen, ob du ausreichend Foldequity besitzt.
Natürlich hast du auch den Luxus, dir eine Freecard zu nehmen, aber sofern du der Meinung bist, dein Gegner wird häufig genug eine mittelmäßige made Hand folden, so kannst du betten. Sollte Villain callen und du am River improven, kannst du eine recht große Valuebet anbringen. Sollte der River dir ein Toppair bringen, so bekommst du meistens den free Showdown.
ZUSAMMENFASSUNG
Du hast nun einige Beispiele gesehen, bei denen du die grundsätzlichen Gedanken deiner Semibluffs gegen Unknown durchgegangen bist. Natürlich lassen sich die Gedanken noch deutlich verfeinern, solltest du genaue Reads auf deine Gegner haben. Die grundsätzlichen Punkte bleiben dadurch natürlich erhalten, aber durch die Einschätzung der Range von Villain bzw. seinem Spielstil und der damit verbundenen Foldequity kannst du den Erfolg deiner Semibluffs noch besser einschätzen.
Betrachtest du also immer genau die Situation und setzt deine Semibluffs gezielt ein, in Abhängigkeit von Art und Anzahl der Gegner, deiner Position, deinem Image und natürlich der Stärke deiner (drawing) Hand, so kannst du auf Dauer damit gute Erfolge erzielen.
Achtest du dazu noch auf deine Deception, so kannst du Valuebets, Bluffbets und Semibluffbets so gut verstecken, dass du deine Gegner zu vielen Fehlern zwingen wirst.
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