Protection - Die Hand schützen
Einleitung
In diesem Artikel
- Made Hands gegen Draws schützen
- Protection Heads-up und Multiway
- Gegen implied Odds schützen
Nur selten hältst du wirklich die absoluten Nuts. Meist hast du eine gemachte Hand, egal von welcher Stärke, und stehst vor dem Problem, dass deine Gegner durchaus noch Outs zu einer besseren Hand haben. Du magst momentan die beste Hand halten, kannst aber noch durchaus überholt werden.
Dein Ziel muss jetzt also sein, deine Hand zu schützen. Das nennt man Protection. Das Prinzip ist einfach: Du bettest so groß, dass dein Gegner nicht die korrekten Odds für seine Outs erhält.
Ein weiteres Ziel einer so genannten Protection Bet ist es, sich jenen Teil des Pots zu sichern, der einem von der Pot-Equity her eigentlich nicht zusteht, sprich: den Gegner zum Folden und zur Aufgabe seines Equityanteils zu bringen.
Protection in HU-Pots
Zum leichteren Verständnis hier ein einfaches Beispiel mit offenen Karten:
0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BU with K
3 folds, Hero raises to $4,00, SB folds, BB (T

Flop: ($8,50) Q


BB checks, Hero ?
So ziemlich jeder Spieler würde hier eine Valuebet knapp unter Potsize anbringen, aber nur wenige wissen, was dabei eigentlich passiert. Im Folgenden wird erklärt, wozu diese Bet gut ist und warum sie so wichtig ist. Bevor wir anfangen können, brauchen wir erst einmal die Equity-Verteilung am Flop. Der Equilator sagt:
Hero: 75.8%
BB: 24.2%
Beide Spieler haben einen EV in Höhe ihres Equityanteiles am Pot:
EV(Hero) = 0.758 * 8.5BB = +6.443BB
EV(BB) = 0.242 * 8.5BB = +2.057BB
Wenn die Hand bis zum Showdown einfach durchgecheckt würde, wäre diese Situation also für beide Spieler +EV. Und genau das kann und muss Hero hier durch eine Bet verhindern. Beim Poker dreht sich alles darum, profitable Situationen für den Gegner zu vereiteln, und hier bietet sich eine Chance, genau das zu tun.
Hero bets $7
Die Situation aus der Sicht des Big Blinds: Es sind 15.5BB im Pot, 7BB sind zu zahlen. Wenn wir davon ausgehen, dass Hero am Turn zwecks Pot Control check behind spielt und BB so eine Freecard gibt, sieht die EV-Berechnung folgendermaßen aus:
EV(fold) = +0BB
EV(call) = Pot Equity * Gesamtpot - Kosten = 0.242 * 22.5BB - 7BB = -1.555BB
Im Vergleich zu den +2.057BB vor Heros Bet natürlich unschöne Aussichten. Der Gegner muss sich also entscheiden, entweder den Pot aufzugeben oder einen -EV-Call zu machen. Auf diese Weise ist er gezwungen, einen Fehler zu machen, wenn er weiterhin um den Pot spielen will.
Protection in Multiway-Pots
Mit guten Händen (keinen Monsterhänden) solltest du in Multiway-Pots immer versuchen, das Gegnerfeld möglichst zu reduzieren. Hier wird erklärt, warum dieses Prinzip der Gegner-Reduktion so wichtig ist:
0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is MP3 with A
1 fold, Hero raises to $4,00, CO folds, BU (K





Flop: ($16,00) K


SB checks, BB checks, Hero ?
Zunächst sollten wir uns die Equity-Verteilung am Flop ansehen:
Hero: 50.7%
BU: 18.9%
SB: 9.2%
BB: 21.2%
Hero ist klarer Favorit, würde die Hand bei einem Checkdown aber dennoch nur in der Hälfte der Fälle gewinnen. Wie verändert sich aber die Gewinnerwartung, wenn es uns gelingt, 5



Hero: 80%
BU: 20%
Die Equity der gefoldeten Hände teilt sich also nicht gleichmäßig auf die zwei verbliebenen Spieler im Pot auf. Während die schlechtere Hand fast gar nichts abbekommt (1.1%), profitiert die bessere Hand enorm von den beiden Folds (29.3%). Da wir nun wissen, welche Situation wir erreichen wollen, wissen wir auch was zu tun ist:
Hero bets $15
Angenommen, der Button callt mit TPGK und SB foldet sein Underpair, dann sieht die Situation für den Big Blind wie folgt aus: 46BB sind im Pot, 15BB zu zahlen, er hält ein offensichtlich wertloses Bottom Pair, hat aber 5 outs auf TwoPair+ und einen Backdoor-Straightdraw. Er hat keine Position und kann auf keine Freecard am Turn hoffen.
EV(Turn) = ~5 Outs Flop * Gesamtpot - Kosten = (5/47) * 61BB - 15BB = -8.534BB
Der Big Blind muss sich also wieder entscheiden: Entweder er gibt seine gut 20% Equity auf, oder er macht einen -EV-Call. Genau das, was Hero erreichen wollte. (Der Button macht hier auch einen -EV-Call, kann das aber nicht wissen.)
Protection gegen implied Odds
Bisher haben wir die Spielsituationen sehr vereinfacht betrachtet und haben eines der wohl schwierigsten Themen im No-Limit Hold'em gemieden: die implied Odds.
Angenommen, du hältst TPGK und wirst am Turn von einem OESD ausgedrawt. Sehr unschön, aber nicht besonders teuer, da du TPGK durchaus gegen Action folden kannst (nicht nur die Straight schlägt uns, sondern auch jedes bessere TopPair, TwoPair oder Set).
Aber was, wenn du ein Set hast? Du wirst dich noch oft genug vorne sehen und nicht nur callen, sondern sogar raisen. Nicht selten wandert dann schon am Turn dein ganzer Stack in die Mitte. Die zehn Outs, die du gegen die Straight hast, sind zwar ein Trost, die Situation bleibt aber wohl trotzdem deutlich -EV.
Der springende Punkt ist: Ein Call von einem OESD kann gegen TPTK -EV sein, gegen ein Set aber aufgrund der hohen implied Odds +EV!
Zur Verdeutlichung seien im Folgenden zwei Beispiele analysiert. Villain wird mit seinem OESD jeweils bis zum Turn drawen und dabei implied Odds gegen die jeweilige Hand von Hero einberechnen.
0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BU with A
3 folds, Hero raises to $4,00, SB folds, BB (J

Flop: ($8,50) K


BB checks, Hero bets $7, BB ?
Der Einfachheit halber schätzen wir die Implied-Gewinne hier gegen TPTK auf ca. $15, unter der Voraussetzung, dass Hero fähig ist, TPTK z.B. bei einer Queen am Turn gegen ein Checkraise oder ähnliches zu folden.
EV(Fold) = +$0
EV(Call) = 8 Outs Flop * (Pot + Implied) - Kosten = (8/47) * ($22,5 + $15) - $7 = -0.62BB
Selbst mit implied Odds zahlt sich der Call für Villain am Flop also nicht aus.
0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BU with K
3 folds, Hero raises to $4,00, SB folds, BB (J

Flop: ($8,50) K


BB checks, Hero bets $7, BB ?
Angenommen, Villain trifft seinen Draw am Turn und es kommt zum All-In. Beide Spieler hatten vor der Hand einen normalen Stack (100BB), also wandern am Turn/River noch 2*89BB in den Pot. Hero hat noch 10 Outs auf ein Full House oder Quads.
EV(Fold) = +0BB
EV(Call) = 8 Outs Flop * [36 Outs Turn * (Pot + Heros Stack) - 10 Outs Turn * (eigener All In + Flopcall)] - 39 Outs Flop * $7
EV(Call) = (8/47) * [(36/46) * ($15.50 + $89) - (10/46) * $96] - (39/47) * $7 = +$4.56
Gegen ein Set und mit der Gewissheit, im Falle eines Hits den ganzen Stack des Gegners in den Pot zu bekommen, ist ein OESD in diesem Pot also durchaus +EV spielbar. Eine Möglichkeit für Hero, hier ein „+EV-Suckout" zu verhindern, ist eine Overbet am Flop. Natürlich stellt sich dabei die Frage, ob man sich dadurch nicht mehr schadet als nützt, da man ja schließlich ein Monster hält und von schlechteren Händen ausbezahlt werden will. Im Grunde genommen kann man sich in HU-Pots also eigentlich nicht angemessen gegen solche Suckouts mit großen implied Odds zur Wehr setzen.
In Multiway-Pots ist das allerdings oft anders:
0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)
(Alle Spieler sind vor der Hand etwa 100BB deep.)
Preflop: Hero is BU with 3
UTG raises to $4,00, 2 folds, CO calls, Hero calls, SB folds, BB calls.
Flop: ($16,50) K


BB checks, UTG bets $12, CO calls, Hero raises to $45
In dieser Situation kann (und muss!) Hero ausreichend gegen einen Flushdraw oder einen OESD protecten, selbst wenn die implied Odds seinen ganzen Stack betragen. Hier die EV-Berechnung für UTG oder CO wenn einer der beiden den Nutflushdraw hält (der BB hätte natürlich noch schlechtere Odds, da er den Reraise coldcallen müsste):
BB folds, UTG folds, CO: A

EV(Fold) = +0BB
EV(Call) = 8 Outs Flop * (37 Outs Turn * (Pot + Heros Stack) - 10 Outs Turn * (eigener All In + Flopcall)) - 39 Outs * $33
EV(Call) = (8/47) * [(37/47) * ($85,50 + $51) - (10/46) * $84] - (39/47) * $33 = -$12,20
In diesem Beispiel gelingt es Hero sehr gut, gegen die Implied Odds des Flushdraws zu protecten. Der Grund dafür ist so einfach wie einleuchtend: wenn Hero an der Reihe kommt, kann ein Reraise die Potgröße so anschwellen lassen, dass die Implied Odds entscheidend verringert werden.
Auch sollten die Bedenken, schlechtere Hände zu verscheuchen, hier weit in den Hintergrund treten. Auf keinen Fall sollte Hero hier nur callen!
Zusammenfassung
Die Protection Bet ist das wohl wichtigste Werkzeug im No-Limit Hold'em. Sie erlaubt es, die Pot-Equity für die gegnerische Hand direkt zu manipulieren und zu unseren eigenen Gunsten zu verändern. Protection Bets sind die einzige Möglichkeit zu verhindern, +EV ausgedrawt zu werden.
Diese Thematik vollständig zu verstehen ist sehr schwierig, deshalb hier ein paar einfache Merkregeln, mit denen du schon recht weit kommen solltest:
- Das Wichtigste bei starken Händen in Multiway-Pots ist die Gegnerreduktion!
- Slowplay ist nur bei absoluten Monsterhänden, die nicht ausgedrawt werden können, wirklich zu empfehlen.
- Sehr starke Hände, mit denen du im Falle eines Suckouts den Gegner ausbezahlen müsstest, solltest du möglichst stark raisen.
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