Aktualisiert am 12 März 26 von

Blindbattle - Das Spiel aus dem Small Blind

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Einleitung

In diesem Artikel

  • Mit welcher Range du spielst
  • Wie du dich an unterschiedliche Stacksizes anpasst
  • Wie du gegen passive und aggressive Gegner spielst
  • Wie du gegen Regulars spielst

Neben dem normalen Blinddefend, bei dem du deinen Blind gegen einen Spieler außerhalb der Blinds verteidigst, gibt es im Blindspiel eine weitere sehr besondere Situation, welche sich von allen anderen Spielsituationen an einem Shorthanded- oder Fullring-Tisch stark unterscheidet und einer sehr individuellen Dynamik unterliegt: das Blindbattle

Unter einem Blindbattle versteht man hierbei die Situation, wenn alle anderen Spieler, welche keinen Blind bezahlt haben, preflop folden und dem Small Blind die Möglichkeit hat, first in die Setzrunde zu eröffnen.

Dieser Artikel wird dir nun das Spiel aus dem Small Blind in solch einem Blindbattle näherbringen und dir aufzeigen, auf was du achten musst und wie du dich am besten deinem Gegner anpasst.

Was sind die Besonderheiten beim Spiel SB vs. BB?

Natürlich stellt sich nun die Frage, was denn dieses Blindbattle so besonders gestaltet und warum man sich darauf speziell anpassen sollte. Als Hauptaugenmerk muss man hierbei die besondere Spieldynamik einer Heads-up-Partie beachten. Diese Situation stellt im Grunde nichts anderes als eine kleine Heads-up-Partie an einem Shorthanded- oder Fullring-Tisch dar. Das bedeutet für dich, dass dein eigenes Spiel sehr stark vom gegnerischen Spiel abhängig ist und du ein besonderes Augenmerk darauf legen musst, die gegnerischen Spielkonzepte zu durchschauen und deren Lücken auszunutzen. Es gilt also, dass du in einem Blindbattle nie ein wirkliches Standardspiel durchziehen kannst, von dem du überzeugt sein kannst, dass es immer +EV sein wird.

Der psychologische Aspekt steht hier im Vordergrund, wobei du ihn nicht so hoch bewerten kannst wie in einer normalen Heads-up-Partie, da der zeitliche Abstand solcher Blindbattles gerade an aggressiven Tischen sehr hoch sein kann und der Gegner die vorangegangenen Blindbattles nicht mehr so stark im Gedächtnis haben wird. Du kannst daher nicht immer darauf zählen, dass der Gegner noch von deinem letzten Openraise/4-Bet-Move aus dem Small Blind genervt ist und dich dieses Mal eher 5-betten wird.

Falls er mehrere Tische spielt oder neben dem Online-Poker noch andere Dinge am PC macht, wird er oftmals diese Situation schon längst vergessen haben. Dies wird jedoch bei einer normalen Heads-up-Partie niemals vorkommen, da ein Spieler dort immer versuchen wird, sich seinem Gegner anzupassen.

Neben der psychologischen Besonderheit gibt es aber eine weitere direkte Auswirkung auf deine eigene Hand. Aufgrund der Tatsache, dass du nun in einer Heads-up-Situation bist, verändert sich die Handstärke dramatisch. Es wird dir schwerer fallen, ein Toppair mit mittlerem Kicker auf eine gegnerische „raise Flop / bet Turn“-Line bei einem trockenen Board wegzulegen, obwohl diese Situation in einer normalen 6-handed-Partie ein Standardfold sein sollte.

Jedoch kannst du genauso wenig sagen, dass du als Standardline immer dein Toppair heruntercallen solltest. Es ist zwar eine Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit bei nur einem Gegner kleiner ist, dass beide den Flop gut getroffen haben, jedoch sind die einzelnen gegnerspezifischen Spieltendenzen von solch großer Bedeutung, dass du dich immer an den Gegner anpassen musst.

In solch einem Blindbattle ist dann also auch teilweise Mut gefragt, um deinem Read folgen zu können und beispielsweise ein Midpair ohne Kicker gegen eine „raise Flop / bet Turn / bet River“-Line auf einem trockenem Board gegen einen überaus aggressiven Gegner zu callen, um dann seinen Bluff catchen zu können. Aber zu diesen speziellen Anpassungen folgt später mehr. Zunächst aber soll auf einige grundlegende Fragestellungen eingegangen werden.

Was ist der Unterschied zwischen einem Blindbattle aus dem Small Blind im Vergleich zum Big Blind?

Die Frage ist, worin der Unterschied zwischen dem Spiel im Blindbattle aus dem Big Blind und dem Small Blind heraus besteht. Warum gibt es zwei Artikel statt nur einem? Kann man nicht ein Blindbattle nahezu identisch spielen, unabhängig ob man nun den Small Blind oder den Big Blind bezahlt hat? Es handelt sich doch um die gleiche Spielsituation.

Hier muss gesagt werden, dass es sich zwar um die gleiche Spielsituation handelt und so gesehen auch die gleiche Situation beschrieben wird. Jedoch wird sie aus zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln beschrieben. Und diese beiden Blickwinkel unterscheiden sich hauptsächlich durch die Position, welche du in der Spielsituation hast.

Spielst du aus dem Small Blind, hast du stets mit dem Positionsnachteil zu kämpfen, da du sowohl preflop wie auch postflop vor deinem Gegner agieren musst und er so einen Informationsvorteil dir gegenüber hat. Du bist nie in der Lage eine Setzrunde mit deiner ersten Entscheidung zu beenden und hast dadurch auch keine direkte Kontrolle über die Potsize. Du stehst daher jederzeit vor der Gefahr, durch ein Raise des Gegners einen großen Pot out of Position mit einer marginalen Hand spielen zu müssen. Dies ist ein enormer Nachteil für dich, da du nun sehr oft in marginale Spots gelangen wirst, in denen du gegen einen sehr gut spielenden Gegner kaum eine Edge hast und bestenfalls mit einem neutralen EV spielen kannst.

Dein Anliegen ist hier also, zu vermeiden, zu viel Geld in solchen Situationen zu verlieren. Und dies erfordert von dir auch dementsprechend eine andere Spielweise als die deines Gegners.

Openraise oder Complete aus dem Small Blind?

Zunächst einmal gilt es die Frage zu beantworten: Mit welchen Händen solltest du raisen und mit welchen solltest du nur completen?

Diese Frage kann nicht allgemeingültig beantwortet werden und sollte es auch nicht, da sie zu einfach gestellt ist und damit auch zu einfache und damit falsche Antworten liefert. Deine Entscheidung, ob du nun raist oder completest, hängt nicht nur von deiner eigenen Hand ab, sondern ist sehr stark von der gegnerischen Spieltendenz abhängig.

Betrachtet man die Situation kurz aus einem mathematischen Blickwinkel, so ist klar, dass du preflop immer die korrekten Odds hast, um deinen Blind zu completen. Du bekommst Odds von 3:1 auf deinen Complete und würdest daher nur eine Equity von 25% benötigen, um hier +EV callen zu können. So betrachtet, müsstest du jede Hand completen, da EV(Call) > EV(Fold). Dies ist jedoch sehr eindimensional betrachtet.

Du vernachlässigst bei dieser Betrachtung vollkommen, dass du die Setzrunde nicht abschließt und somit niemals sicher sein kannst, dass der Big Blind nun nicht noch ein Raise ansetzt und du somit einen höheren Preis zahlen musst, um dir den Flop anschauen zu können. Außerdem vergisst du bei solch einer Strategie, dass du postflop ohne Position und ohne Initiative gegen einen Gegner spielst, der alle möglichen Karten halten kann.

Als Basisstrategie ist daher eine „raise or fold“-Strategie angeraten, auch um die Tendenzen des Gegners besser zu erkennen. Der Grund hierfür ist recht schnell erklärt. Durch das Raise erlangst du die Initiative und vereinfachst dein Postflopspiel gegen einen normalen Gegner recht stark, da du ihn mit der ersten Aktion schon unter Druck setzt und zu Fehler zwingst. Hinzu kommt, dass du durch eine aggressive Strategie direkt Informationen über die Prefloptendenzen des Gegners erlangst.

Foldet er zu viel auf solche Raises? Wenn ja, dann ist das gut für dich und du kannst so weiter machen, ihn so exploiten und einen direkten Gewinn aus dieser Situation schöpfen. Tendiert er dazu, deine Raises zu oft zu callen oder zu 3-betten, kannst du dein Spiel ebenfalls anpassen.

Beginnst du jedoch nicht mit einer aggressiven Strategie, so fehlen dir diese Informationen und du kannst den Gegner nicht direkt einschätzen. Hinzu kommt, dass du durch einen Complete aus dem Small Blind keinerlei Information über die gegnerische Handrange erlangst und der Gegner somit auf jedem Flop ein potenzielles Monster halten kann. Sind deine Handreadingskills nicht sehr gut ausgeprägt, wirst du postflop durch einen Complete sehr oft in sehr unangenehme Situationen gelangen, in denen du vermehrt selbst Fehler begehst. Und eigene Fehler solltest du stets vermeiden, wenn dein Ziel beim Pokern der Profit ist.

Wie hoch solltest du preflop raisen?

Prinzipiell kann man sagen, dass der Unterschied der Betsize nicht so erheblich groß ist. Dennoch gibt es den ein oder anderen kleinen Unterschied. Die Frage, welche also beantwortet werden muss, lautet: Soll man bei 100 BB effektiven Stacks auf 3 BB oder 4 BB aus dem Small Blind raisen?

Für beide Seiten gibt es Argumente, welche die jeweilige Entscheidung untermauern. Für eine größere Betsize spricht, dass man so eventuell mehr Foldequity erzeugt und dadurch weniger oft gezwungen ist, postflop out of Position zu spielen.

Für eine kleinere Betsize spricht, dass du postflop einen kleineren Pot spielen und besser aus der Hand kommen kannst, solltest du gecallt werden. Man kann beide Überlegungen weiterführen und von allen möglichen Seiten betrachten. Schlussendlich kommt es dann doch wieder auf das eigene Spielgefühl und den eigenen Spielstyle an, für welche Richtung man sich dann entscheiden wird.

Der Unterschied, welcher eventuell vorhanden ist, hat immer individuell andere Konsequenzen und kann sich für den einen Spieler negativ auswirken, während es für den anderen Spieler wieder eine positive Auswirkung haben kann. Hier gilt es also, die für sich individuell passende Antwort zu finden, so dass man sich dann auch selbst damit wohl fühlt. Eine Raisesize von 3,5 BB kann ebenfalls sinnvoll sein. Es kommt immer auf den eigenen Spielstil an.

Wie kann eine Standard-Openraisingrange aus dem Small Blind aussehen?

Sehr oft wird nach Standardranges gefragt, welche man sich dann nur noch aufschreiben muss, um nach einer bestimmten Tabelle spielen zu können. Selbstverständlich könnte man sich nun hinsetzen und an einer Handrange arbeiten, mit welcher man bei 100 BB Stacks gegen jeden unbekannten Gegner immer openraist.

Auf die Schnelle kann man z.B. folgende auf den ersten Blick recht brauchbar aussehende Range aufstellen: 22+, A2s+, K9s+, QTs+, T8s+, 95s+, 65s+, A2o+, KTo+, QTo+, 87o+

Es ist sicher nichts falsch daran, sich solch eine Handrange niederzuschreiben, um dann gegen einen unbekannten Spieler diese Range als Startpunkt zu verwenden und später anhand der Informationen, welche man durch Erfahrung mit dem Gegner gewinnt, anzupassen. Schaut man sich nun die obere Handrange mal etwas genauer an so wird man erkennen, dass sie keinen schlechten Ansatzpunkt für eine Standardrange gibt. Jedoch sind in ihr, gravierende Fehler enthalten, welche man gerne einmal übersieht.

Besonders bei den kleinen Assen müssen Einschränkungen vorgenommen werden, weil sie zu leicht dominiert werden. Es ist sehr schwer, eine tendenziell dominierte Hand out of Position profitabel zu spielen. Du spielst die kleinen Asse in einem Blindbattle also immer mit reverse implied Odds. Das muss dir unbedingt bewusst sein.

Daher sollte man bei den offsuited Assen teilweise Abstriche machen und sie eventuell erst ab A8o+ raisen.

Bei den suited Assen gilt im Grunde der gleiche Gedanke, hier solltest du doch weiter bedenken, dass du durch die Möglichkeit, Flushdraws zu treffen und diese aggressiv zu spielen, enorme implied Odds haben wirst. Hier muss man also nicht solch große Abstriche machen wie bei den offsuited Assen. Je nach eigenem Spielgefühl kann man hier alle suited Asse openraisen oder die ganz kleinen weglassen.

Eine andere Baustelle bei der Handrange sind die kleinen Pocketpairs. Viele Spieler spielen grundsätzlich alle Pocketpairs aus allen Positionen. In einem Blindbattle muss dir klar sein, dass du deine kleinen Pocketpairs unimproved out of Position im Grunde nur als Bluffinghand ohne große Chance zur Verbesserung spielen wirst. Triffst du am Flop nicht dein Set, musst du deine Hand meist bet/fold Flop, bet/fold Turn oder bet/fold Flop, check/fold Turn, check/fold River spielen.

Spielst du also gegen einen Gegner, welcher dich durch seine Postflopcalls vermehrt in ungemütliche Spots mit deinen kleinen Pocketpairs manövriert, solltest du dir Gedanken machen, mindestens die ganz kleinen Pocketpairs aus der Range herauszunehmen, da du mit diesen kaum eine Chance hast, einen Pot unimproved nach einer gecallten Continuationbet noch am Showdown zu gewinnen. Ab 66 oder 77 hast du eine höhere Chance, noch einen Showdown gegen ein kleineres getroffenes Paar zu gewinnen, welches nur aufgrund seines Hits am Flop deine Continuationbet gecallt hat.

Gegen einen unbekannten Gegner kannst du zu Beginn die kleinen Pocketpairs also durchaus in deiner Range lassen, wenn du einigermaßen sicher postflop mit dieser Situation umgehen kannst. Merkst du jedoch, dass du Probleme hast, sie postflop nach einer Continuationbet weiterzuspielen, ist es keine Schande, diese einfach nicht mehr zu openraisen.

Insgesamt gesehen sollte sich deine Handrange aus zwei verschiedenen Handtypen zusammensetzen:

  • Hände mit guter Chance auf Toppair-Hits am Flop
  • Hände mit guter Playability und großem Potential

Bei beiden Handtypen müssen aber, wie oben geschildert, Ausnahmen machen. Es ist zwar klar, dass A4o durchaus eine akzeptable Equity gegen die meisten Callingranges hat und sehr gut ein Toppair treffen kann, jedoch sind hier die reverse implied Odds enorm bemerkbar. Letztlich ist jedem die Entscheidung selbst überlassen, wo er nun den Strich zieht. Wichtig ist, dass man sich in einem Blindbattle preflop nicht in Situationen manövriert, mit denen man postflop nicht mehr fertig wird.

Du siehst also, dass du in der Lage bist, eine Standardrange festzulegen. Du solltest dir aber auch darüber im Klaren sein, dass du lieber dazu tendieren solltest, deine Handrange tighter zu gestalten, da du so deinem Postflop-Positionsnachteil entgegenwirken kannst. Hast du später mehr Informationen über deinen Gegner, kannst du deine Handrange dementsprechend anpassen.

Wie passt du dich an unterschiedliche Stacksizes an?

Viele Spieler vergessen, ihr Spiel eventuell an unterschiedliche Stacksizekonstellationen anzupassen. Mit diesen Anpassungen beschäftigt sich der folgende Abschnitt.

Im Grunde gibt es zwei unterschiedliche Situationen, an die du dich anpassen musst, wenn du von einer Standardstacksize von 100 BB ausgehst. Einerseits sind das Stacks, die viel größer als 100 Big Blinds sind, und andererseits Stack von weit weniger als 100 Big Blinds.

Die Stacks sind erheblich größer als 120 BB

Bei solch großen Stacksizes muss dir klar sein, dass sich dein postflop Positionsnachteil enorm negativ auswirken wird, da ein guter Spieler bei derartigen Stacksizes deine Preflop-Openraises lighter callen wird, um so seinen Positionsvorteil postflop vollständig ausspielen zu können.

Bei dieser gegnerischen Spielweise solltest du deine Handrange anpassen und dazu tendieren, mehr spekulative Hände zu openraisen, um so die enormen implied Odds auszunutzen. Manche Spieler sehen in einem Blindbattle eine Toppair-Top-Kicker-Hand sofort als Nuthand an, ohne ein gutes Auge auf die Stacksizes zu werfen. Durch deine etwas verlagerte Handrange (verlagert in dem Sinne, dass du mehr spekulative Hände raist und leicht dominierte Hände foldest) nutzt du diese mangelnde Anpassung des Gegners aus. Du kannst dann entscheiden, mit welchen Händen du die richtig großen Pötte out of Position spielen wirst, und verringerst die Möglichkeit, eine dominierte Hand out of Position spielen zu müssen.

In solch einer Situation sollte man also davon absehen, Hände wie A6, K9 oder ähnliches zu openraisen, da man dann zwar oft einen kleinen Pot gewinnen kann, bei Gegenwehr jedoch immer in die Gefahr einer Domination läuft und in die Versuchung gelangt, billig zum Showdown zu kommen, was aber so gut wie nie gelingen wird. Um diesen Problemsituationen aus dem Weg zu gehen, ist ein Preflopfold unbedingt angeraten!

Spielst du gegen einen Gegner, der dich bei hohen Stacksizes vermehrt preflop 3-bettet, so solltest du dich nicht dazu verleiten lassen, zu viele Hände out of Position auf deine implied Odds zu callen, um dann recht straightforward weiterzuspielen. Die implied Odds, die du dir geben kannst, sind sehr stark positionsbezogen. Da du es out of Position grundsätzlich schwerer hast, den gesamten Stack in einer für dich vorteilhaften Situation in die Mitte zu schieben, solltest du preflop nicht zu viele spekulative Hände auf eine 3-Bet callen.

Hier gilt es, herauszufinden, wie weit der Gegner preflop zu gehen bereit ist. Mit einer gut gewählten 4-Betsize stellst du den Gegner vor die Frage, seinen gesamten Stack mit seiner Hand reinzustellen oder zu folden. Je nachdem, ob der Gegner bereit ist, Hände wie 88 oder AJ preflop für 140bb reinzustellen, solltest du dazu tendieren, ihn preflop vermehrt zu 4-betten (falls er mit diesen Händen nicht All-In gehen möchte!) oder deine Openraisingrange zu verkleinern, so dass du bei solch einer Situation vermehrt als Favorit deine Chips in die Mitte stellen kannst.

Eine weitere Möglichkeit, wie du gegen massive 3-Better vorgehen kannst ist folgende Idee, welche jedoch mit Vorsicht anzuwenden ist. Du kannst damit beginnen, die 3-Bets preflop zu callen. Hier callst du sie jedoch nicht alleine auf deine großen implied Odds. Bei deinem Call ist dein Hauptziel, den Gegner durch Donkbets an Flop und/oder Turn, welche du zwischen ½ und 2/3 Potsize ansetzen kannst, aus dem Konzept zu bringen, um so den mittelgroßen Pot selbst einzusammeln.

Bei dieser Anpassung solltest du jedoch immer stark darauf achten, ob der Gegner dir bisher schon durch Postflop-Bluffraises aufgefallen ist. Denn gegen einen Gegner, welcher nur zu gerne solche Donkbets in einem 3-Bet-Pot bluffraist, hat diese Spielweise nur zur Folge, dass du damit sehr viel Geld aus dem Fenster wirfst.

Ist der Gegner jedoch recht weak und straightforward, so wird er vermehrt in einem 3-Bet-Pot auf deine Donkbet folden oder sich vom Großteil seiner Range verabschieden, falls du am Turn einen Schritt weiter gehst und dort so nachsetzt, dass du dich zur Hand committest. Hältst du hier also eine recht ausgeglichene Range, so dass du diesen Move nicht nur mit Bluffhands machst, sondern auch Sets und Nutflushdraws enthalten sind, so hat es der Gegner sehr schwer, in solch einem Spot gegen dich zu spielen.

Gerade weak-tighte Gegner, die in großen Pötten dazu tendieren, eher zu folden als zu pushen, sind so profitabel zu spielen. Sie werden zudem ihre Preflop-3-Bets einschränken. Wendest du diesen Spielzug immer gut getimt an und ist deine Range auch mit AA und KK in solchen Spots balanced, kannst du hier eine sehr gute +EV-Situation für dich schaffen.

Diese Anpassung ist jedoch nur ein mit Vorsicht zu genießender Vorschlag. Sie enthält eine hohe Gefahr des spewy Plays und man sieht sich oft gezwungen, zu viele Boards zu donken, bzw. achtet man nicht mehr wirklich auf seine eigene Hand und vollzieht zu viele Bluffpushes.

Mach dir also selbst nochmals Gedanken, gegen welchen Gegner und bei welchen Boards man diese Spielweise vollständig durchziehen kann. Du wirst sehen, dass du nur durch das reine Beschäftigen mit solch einer Spielweise ein besseres Spielverständnis erlangst und insgesamt ein besseres Gefühl für die Situationen erhältst, da du dich mit wirklich jeder möglichen Line auseinandergesetzt hast.

Bei deepen Stacks ist, insgesamt gesehen, besonders wichtig, dass du in dieser Situation die gegnerische Tendenz durchschaust und deine Preflopranges anpasst. Spielst du hier mit einer Standardrange weiter und hast dann das Gefühl, dass du durch die größeren Stacks permanent herumgeschubst wirst, so besteht die Gefahr, zu tilten, was besonders bei deepen Stacks sehr schlecht für deine Winrate sein wird.

Die Stacks sind erheblich kleiner als 100 Big Blinds

Spielst du gegen Stacks von 95 BB oder 80 BB, bist du nicht wirklich dazu gezwungen dein Spiel in irgendeiner Weise anzupassen. Spielst du jedoch gegen einen 50-BB-Stack oder gar einen Shortstack mit 25 BB oder weniger, so solltest du dir schon Gedanken machen, inwiefern du dein Spiel anpassen musst.

Die Anpassung deines Spiels kann hierbei nun über zwei unterschiedliche Wege führen, welche auch kombiniert werden können.

Auf der einen Seite kannst du deine Handranges beibehalten und deine Betsize verändern, um so der Situation gerecht zu werden.

Die zweite Möglichkeit lautet, deine Betsize beizubehalten, dafür aber deine Ranges zu verändern. Für welche Variante du dich entscheidest, hängt wie immer von dir und dem Gegner ab.

Gegen einen Shortstack, der sein Spiel so weit aufzieht, dass er in einem Blindbattle seinen Stack nahezu perfekt ausnutzt und eine sehr gute Resteal-Pushingrange hat, bist du dazu gezwungen, deine Handrange zu verändern, um dem Shortstackspiel gerecht zu werden. Du kannst hier nun damit beginnen, selbst first in All-In zu pushen, oder deine Handrange so zu gestalten, dass du auf der einen Seite einfache Raise/Fold- bzw. Raise/Call-Entscheidungen hast. Beide Ansatzpunkte haben ihren Vorteil.

So nutzt du, ähnlich wie in einem Turnier, bei einem Push die Foldequity nahezu perfekt aus, da der Shortstack immer dazu gezwungen sein wird, mit einer akzeptablen Hand zu callen. Raist du weiterhin normal, kannst du den Gegner in der Hinsicht trappen, dass er schlechtere Hände pusht, welche insgesamt gesehen einen Equitynachteil gegenüber deiner Raise/Call-Handrange haben.

Einen Anhaltspunkt um diese Entscheidung für sich selbst zu treffen kann folgende Überlegung sein: Schätzt du deinen Gegner als „professionellen“ Shortstack ein, solltest du eher dazu tendieren, den direkten Push zu suchen und nicht normal zu raisen, da dieser Gegner viel vertrauter mit den korrekten Handranges ist, mit denen er auf dein Openraise pushen muss, so dass du in solch einer Situation kaum auf Fehler seinerseits hoffen kannst.

Pushst du direkt, so kann er nur noch callen oder folden und muss versuchen deine Handrange einzuschätzen, was ihm durchaus schwer fallen wird, da ein „professioneller“ Shortstacker meist sehr viele Tische spielt und kaum sehr gute Reads auf deine Handrange in solch einer Situation sammeln kann. Umso kompetenter der Shortstack ist, desto eher solltest du also den direkten Push suchen. Spielst du gegen einen passiven Fisch, der seinen Shortstack nicht ausnutzen kann, so kannst du hier weiterhin normal openraisen, da du postflop mit normalen Betsizes immer noch eine große Foldequity erzeugen kannst.

Bisher hört sich das alles nicht so schlecht an. Doch es ist immer noch nicht klar, welche Line bei welchem Gegner eine bessere Anwendung findet. Daher folgt jetzt eine Analyse beider Ansätze auf einer etwas mathematischeren Ebene.

DER DIREKTE ALL-IN-PUSH

Zu Beginn benötigst du alle Variablen, welche in dieser Situation wichtig sind.

S: Stacksize des Shortstacks nach Abzug der Blindeinsätze (Angabe in Big Blinds)
pH: Eigene Pushingrange (Angabe in %)
cH: Gegnerische Callingrange (Angabe in %)
E: Equity deiner Pushingrange vs. gegnerische Callingrange

Foldequity: f = 1 – cH

Nun wird es insgesamt drei verschieden Ausgangsmöglichkeiten bei solch einer Hand geben:

  • a) Du foldest deinen Small Blind -> Der Shortstack gewinnt 1,5 BB, du verlierst 0,5 BB.
  • b) Du pusht und der Shortstack foldet -> Du gewinnst 1,5 BB, der Shortstack verliert 1 BB.
  • c) Du pusht und der Shortstack callt -> Deine Equity gibt dir an, wie viel du langfristig gewinnst/verlierst.

Der nächste Schritt lautet nun, für alle drei Fälle eine Gleichung zur Bestimmung des Erwartungswertes aufzustellen, um dann später diese drei Werte miteinander addieren zu können und so den Gesamterwartungswert den Push-or-Fold-Strategie gegen einen Shortstack zu erhalten.

  • a) EV1 = (1-pH) * (-0, 5 BB)
  • b) EV2 = pH * (1-cH) * (+1,5 BB)
  • c) EV3 = pH * cH * [E * (S + 1,5 BB) – (1-E) * (S + 0,5 BB)]

EVgesamt = EV1 + EV2 + EV3

Wenn man nun die oberen Gleichungen in die Gesamtgleichung einsetzt, kann man diese noch etwas umstellen, um später weniger Tipparbeit zu haben. Dies ist jedoch nur eine kleine mathematische Spielerei, welche keine große Bedeutung hat.

Die vereinfachte Endgleichung sieht dann wie folgt aus:

EVGesamt = pH * [2 – 1,5*cH + cH * (2*E*S + 2*E – S –0,5)] – 0,5

Beispiel

Stacksize nach Abzug der Blindeinsätze S = 20 BB
Vermutete gegnerische Callingrange cH = 77+, A9s+, AJo+, KJs+, KQo
Deine Pushingrange pH = 55+, A2s+, A2o+, K9s+, KTo+, QJ

Anhand dieser Informationen kannst du nun deinen EV betrachten. Dazu berechnest du mit Hilfe des Equilators nur noch die Equity und den prozentualen Anteil der Ranges.

cH = 9.35%
pH = 24.13%
E = 40.185%

Nun kannst du zuerst die einzelnen möglichen Ausgänge berechnen und dann addieren oder direkt die Gleichung für den Gesamterwartungswert benutzen. Zur besseren Veranschaulichung und zum Beweis, dass beide die gleichen Ergebnisse liefern, sind im Folgenden beide Berechnungswege dargestellt.

EV1 = (1-0,2413) * (-0,5BB) = -0,37935BB
EV2 = 0,2413 * (1-0,0935) * (+1,5BB) = 0,328107675BB
EV3 = 0,2413 * 0,0935 * [0,40185 * (20BB + 1,5BB) – (1- 0,40185) * (20BB + 0,5BB)] = -0,081724702BB
EVGesamt = -0,37935BB + 0,32810BB – 0,08172BB = -0,132967BB

Oder

EVGesamt = 0,2413 * [ 2- 1,5 * 0,0935 + 0,0935 *(2 * 0,40185 * 20 + 2 * 0,40185 – 20 –0,5)] –0,5 = -0,132967BB

Ist deine Annahme über die gegnerische Callingrange also korrekt, so ist deine Pushingrange wohl nicht perfekt gewählt, da du so langfristig weiterhin Verlust machen wirst. Deine Pushingrange ist sicher nicht vollkommen falsch gewählt, da du immerhin einen höheren EV hast im Vergleich zur Strategie, bei der du 100% deiner Hände folden würdest (EVfold = -0.5BB).

Dein Ziel sollte jedoch nicht nur sein, diese 100%-Fold-Strategie mit deiner Pushingstrategie zu schlagen, sondern aus jeder Situation den maximalen EV zu erreichen. Um hier nun ein besseres Ergebnis zu erhalten, gibt es momentan leider nur den Weg, mit den verschiedenen Handranges herumzuspielen und selbst zu schauen, wie der EV im Einzelfall aussieht.

Pushst du nun die Top 50% aller Hände, so würdest du folgende Werte erhalten:

pH = 49.32% = 22+, A2s+, K2s+, Q2s+, J6s+, T7s+, 98s, A2o+, K2o+, Q6o+, J7o+, T9o
E = 35.345%
EVGesamt = +0.15684BB

Pushst du any2 (pH = 100%, E = 31,505%), so erhältst du folgenden EV:

EVGesamt = +0.6802BB

Es ist zu vermuten, dass dies der maximal zu erreichende EV ist, da du bei solch kleinen Stacks mehr darauf achten musst, dass du durch Openfolds nicht zu viel verlierst. Aufgrund dessen kannst du kleinere Abstriche bei deiner Equity hinnehmen, die durch die anwachsende Handrange nur korrekt sind. Sind die Stacks größer, so verschiebt sich dieser Gedanke natürlich ab einem gewissen Punkt, bei dem du durch deine Equityeinbußen mehr verlierst, als du durch deine vergrößerte Handrange einsparen kannst.

Mit dieser Methode kannst du also nun anhand deiner Annahme über die gegnerische Callingrange und anhand der Stacksize durch Ausprobieren verschiedener Pushingranges den maximalen Erwartungswert herausfinden.

Zur Vereinfachung kannst du auch folgende Excel-Tabelle benutzen: Excel-Tabelle zum EV eines First-in-Pushes

Trage in die Tabelle einfach alle Werte ein und der EV wird automatisch berechnet. Mit etwas Fleißarbeit kannst du dir also sehr gut +EV-Pushingranges gegen verschiedene Callingranges und Stacksizes erstellen.

Neben dieser Methode, die dazu gedacht ist, gegnerspezifisch aus dem Small Blind +EV zu pushen, gibt es noch eine etwas andere Möglichkeit, aus dem Small Blind sichere +EV-Pushingranges zu erstellen, die gegen jeden Gegner +EV sind.

Hierbei wendet man die so genannten Sklansky-Chubukov-Zahlen an, um zu wissen, ob man mit einer Hand pushen sollte oder nicht.

Dieses Konzept und dessen Herleitung hier zu erläutern, würde den Rahmen etwas sprengen. Dazu findest du hier mehr: Sklansky-Chubukov Pushes

Dieser ist zwar aus der entgegengesetzten Sichtweise der Shortstackstrategie geschrieben, doch auch als Bigstacks kannst du diese Strategie verfolgen, wenn du first in aus dem Small Blind gegen einen Shortstack spielst, da du in dieser Situation aufgrund der effektiven Stacksize selbst zum Shortstack wirst.

Nun ist es natürlich auch noch interessant, inwiefern man solch eine mathematische Betrachtung auch bei einer Raise/Call- bzw. Raise/Fold-Line durchführen kann.

DIE RAISE/CALL- BZW. RAISE/FOLD-LINE

Auch hier benötigst du zu Beginn alle möglichen Parameter.

S: Stacksize des Shortstacks nach Abzug der Blindeinsätze (Angabe in Big Blinds)
rH: Eigene Raisingrange (Angabe in %)
r: Deine Openraisingbetsize (Angabe in BB)
cH: Gegnerische Callingrange (Angabe in %)
pH: Gegnerische Pushingrange (Angabe in %)
pcH: Eigene Pushcallingrange (Angabe in %)
E: Deine Equity mit deiner Pushcallingrange vs. gegnerische Pushingrange

Foldequity: f = 1 – cH – pH

Nun zu den verschiedenen Ausgangsmöglichkeiten, welche eintreffen können.

  • a) Du foldest deinen Small Blind -> Der Shortstack gewinnt 1,5 BB . Du verlierst 0,5 BB.
  • b) Du raist, der Shortstack foldet -> Du gewinnst 1,5 BB. Der Shortstack verliert 1 BB.
  • c) Du raist, der Shortstack pusht, du foldest -> Der Shortstack gewinnt 1 BB+r. Du verlierst r.
  • d) Du raist, der Shortstack pusht, du callst -> Deine Equity gibt an, wie viel du langfristig gewinnst oder verlierst.
  • e) Du raist, der Shortstack callt -> Du hast keine Ahnung, wie viel du langfristig postflop gewinnst oder verlierst, und hast auch keine Möglichkeit, Annahmen darüber aufzustellen

Du siehst also, hier gibt es nun schon fünf verschieden Ausgangsmöglichkeiten. An sich macht dir das natürlich nichts aus, solange du einzeln den Erwartungswert der Möglichkeiten berechnen kannst. Doch hier ist schon das große Problem. Du kannst es nicht. Durch die neue Komplexität des möglichen Postflopspiels steht dir keine akzeptable Möglichkeit mehr zur Verfügung, ohne unangemessene Annahmen vorauszusetzen (eine solche Annahme wäre direkt vorauszusetzen, dass der Gegner nur Push-or-Fold aus dem Big Blind spielt), welche das Ergebnis verfälschen können.

Du stehst hier also nun vor einem mittelgroßen Problem. Du kannst auf Basis dieser Annahmen keine qualifizierte Aussage über deinen Erwartungswert machen, selbst wenn du die genauen gegnerischen Handranges kennen würdest, da das mögliche Postflopspiel zu komplex ist, um es einfach mathematisch darzustellen und zu lösen.

Insgesamt gesehen, solltest du in solch einer Situation also unbedingt bedenken, dass es der vollkommen falsche Ansatzpunkt ist, permanent Hände wie QTo oder A6o zu raise/folden, ohne eine ungefähre Annahme über die gegnerische Handranges zu haben und wie du gegen diese postflop bei Action reagierst. Bevor du in solch ein Spiel verfällst, ist es geschickter, sich Gedanken über die potenziellen Pushcallingranges des Gegners zu machen und eine gute Pushingrange herauszuarbeiten/abzuschätzen und den direkten Push zu suchen. Für diese Methode stehen dir nun auch die mathematischen Grundlagen zur Verfügung.

Ist der Shortstack jedoch sehr tight in seiner Pushingrange und tendiert dazu, preflop zu callen, um postflop „Fit or Fold“-Poker zu spielen, so kannst du weiterhin normal openraisen, da dieser Gegner dich nicht zu oft direkt preflop aus der Hand drückt. Gegen einen solchen Gegner hast du nun zwei verschieden Ansatzpunkte der Anpassung, welche du entweder einzeln oder kombiniert anwenden können.

  • Du vergrößerst deine Raisingrange
  • Du erhöhst deine Preflopraises

Beide Ansatzpunkte verfolgen das gleiche Ziel auf etwas unterschiedlichen Wegen. Du willst den Gegner für sein weak-tightes Spiel bestmöglich bestrafen, indem du ihm sehr oft den Pot stiehlst, wenn ihr beide nichts getroffen habt und er durch einen Fold entweder die beste Hand foldet oder einen enormen Potequityanteil aufgibt.

Durch die erste Anpassung bist du in der Lage, viele kleine Pötte zu stehlen. Die zweite Anpassung gibt dir die Chance, große Pötte zu stehlen.

Jedoch solltest du in solchen Situationen immer eine ungefähre Ahnung haben, wie es um deine Equity am Flop gegen eine made Hand aussieht, um bei einem gegnerischen Push am Flop nicht einen schlechten Instafold zu machen. Sind die Odds vorhanden, sollte man dann auch callen.

Hier ein Beispiel für solch eine Situation, in der man nicht zu schnell folden sollte, wenn man weiß, dass der Gegner am Flop „Fit or Fold“ spielt.

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

BB: 35$, weak-tighter Shortstack
Hero: 200$

Preflop: Hero is SB with A , T
3 folds, Hero raises to $7.00, BB calls $5.00.

Flop: ($14.00) K , 8 , J (2 players)
Hero bets $10.00, BB raises to $28.00, Hero ???.

Du musst nun $18 callen, um $52 zu gewinnen, und bekommst somit auf deinen Call Odds von 2.88:1, Du benötigst also 25,7% Equity gegen die gegnerische Range, um hier einen +EV-Call zu haben.

Da du beim Gegner nun nur von made Hands ausgehen kannst, kommt folgende Handrange in Frage:

  • Sets (JJ, 88)
  • Twopair (KJ, K8, J8)
  • Toppair (KQ, KT, K9)
  • Midpair (AJ, QJ, JT, J9)
  • Bottompair (A8, T8, 98)
  • Mittlere Pocketpairs (TT, 99, 77)

Deine Gesamtequity gegen diese Range liegt bei 30,1%. Du hast hier also immer einen +EV-Call und solltest nicht folden!!

Du siehst also, dass du zwar ab und an in ein Set läufst, aber ist das nicht direkt ein Anzeichen für einen falschen Call. Ist deine Annahme über die gesamte Pushingrange des Gegners korrekt, so hast du den +EV-Call und solltest ihn auch immer tätigen.

An diesem Punkt wäre noch anzumerken, dass in dieser Range keinerlei Semibluffs (Straightdraws) enthalten sind, welche deine Equity gegen die Gesamtrange noch etwas verbessern würden.

Bist du gezwungen, gegen einen Spieler mit einem Stack von etwa 50 BB zu spielen, solltest du deine Spielweise sehr an seine Postfloptendenzen anpassen. Ist sich der Spieler hier über die Stärken seiner Stacksize im Klaren und benutzt seinen Stack dementsprechend gut, um in Position zu floaten, wogegen du kaum gut agieren kannst, da du mit einem Move gezwungen bist, die kompletten 50 BB in die Mitte zu schieben, ist es angeraten, einfach tighter aus dem Small Blind zu raisen und nicht zu 100% bei einem Hit am Flop zu continuationbetten.

Hier gilt es, mittelkleine Pötte bis zum Showdown zu bringen, um dort durch deinen Hit eine gute Chance zu haben, den Showdown zu gewinnen. Spielt der Gegner jedoch mit jedem Hit direkt um seinen kompletten Stack, kannst du in diesem Falle auch mit jedem Toppair gegen ihn broke gehen und musst nicht darauf bedacht sein, günstig zum Showdown zu kommen. Es kommt also immer auf den Gegner an, jedoch solltest du immer im Hinterkopf haben, dass gerade solch eine Stacksize sehr gut dazu geeignet ist, postflop Semibluffpushes zu machen, da sich der Gegner im Allgemeinen einer sehr hohen Foldequity sicher sein kann.

Weiß der Gegner das, willst du dich mit deinem Spiel genau gegen diesen Move schützen oder ihn selbst gegen diesen Gegner anwenden und derjenige sein, der ihn zu einem All-In-Call zwingt, um so die Foldequity auf deiner Seite zu haben.

Wie spielst du gegen Callingstations, die ihr Midpair an Flop und Turn immer callen?

Spielst du gegen einen Gegner, der sehr oft dein Preflopraise callt und an Flop und Turn seine mittelstarken made Hands nicht folden kann, musst du herausfinden, wie er spielt, wenn du ihm die Initiative überlässt. Es hat keinen Sinn, bei seinem Standardspiel zu bleiben und eine hohe Prozentzahl an Flops ohne Hit weiterhin zu continuationbetten, um dann am Turn vor der Entscheidung einer 2nd Barrel zu stehen.

Du musst also bei deinem aggressiven Spiel etwas Fahrt heraus nehmen und beobachten, wie der Gegner reagiert, wenn du beginnst, Flops zu checken. Übernimmt er dann selbst die Initiative und versucht er, diese Pötte aufzusammeln, oder checkt er permanent den Flop behind. Durch deinen Check am Flop, bist du in der Lage, mehr Informationen über den Gegner zu bekommen.

Du checkst „for Information“, was du bisher eigentlich nur von Bets kennst. Je nachdem, wie der Gegner reagiert, passt du dich an. Checkt er den Flop vermehrt behind, hast du dadurch eine gute Option gefunden, recht billig mit marginalen Händen mit Showdownvalue zum Showdown zu gelangen und out of Position Potcontrol zu betreiben. Bettet der Gegner jedoch nun nahezu jeden Flop, stellst du ihn selbst vor eine neue Entscheidung und checkraist den Flop. Diese Checkraises sind dann natürlich nicht nur for Value sondern auch vermehrt als Bluffs anzusetzen.

Sollte der Gegner auch auf einen „check/raise Flop, bet Turn“-Move weiterhin sein Midpair callen, so bedeutet dies für dich, dass du nun eine perfekte Line gefunden hast, um das Maximum an Value aus deinen Toppair-Händen herauszuholen.

Sollte der Gegner von deinen Bluffraises am Flop genervt sein und damit beginnen, Flops mit mittelstarken made Hands behindzuchecken, so ist dir ebenfalls geholfen, da du den Pot ohne Hit out of Position klein halten und recht gut zum Showdown kommen kannst.

Die Idee, den Flop als Preflopaggressor zu check/callen, ist eine etwas gewagtere Methode, da du so keinerlei Informationen über die gegnerische Handstärke erlangst und am Turn wieder out of Position vor einer schwierigen Entscheidung stehst. Daher würde ich von dieser Line im Allgemeinen bei solch einem Gegner abraten, denn diese Line hat ihren größten Erwartungswert, wenn du gegen einen aggressiven (Semi-)Bluffer spielst, gegen den du so selbst deine mittelstarken made Hands for Bluffinduce spielen kannst.

Falls man jedoch merkt, dass man gegen solche Callingstations postflop einfach nicht ankommt, so gilt es, seine eigene Range tighter zu gestalten, um so oft genug Toppair-Hände in dieser Situation zu halten und dann sehr dünn zu valuebetten. Dein Ziel ist es, oft genug bei einem guten Hit alle drei Streets for Value, teilweise auch superdünn, durchzubetten, um so den Gegner eventuell dazu zu bekommen, vermehrt seine Midpairs direkt am Flop oder Turn zu folden.

Wie kannst du dich gegen notorische Flopraiser bzw. Turnfloater wehren?

Einige Gegner mögen es sehr, preflop zu callen, um dann eine hohe Anzahl von Flops als Semibluff oder puren Bluff zu raisen in der Hoffnung, dass du nach deiner Standardcontinuationbet aufgibst. Hier gilt es, dem Gegner die Aktion entweder direkt am Flop zurückzugeben oder deine guten made Hands als Bluffcatcher zu verwenden, wenn der Gegner am Turn weiterfeuert.

Hier gilt natürlich: Je ungefährlicher das Board für deine Hand, desto eher kannst du das Flopraise nur callen, um den Turn zu check/callen und eine weitere Bluffbet am River zu catchen. Oder falls das Board am Turn für dich selbst gefährlicher wird, diesen zu check/raisen, um deinen Stack in einer für dich schöneren Situation in die Mitte zu schieben und dem Gegner zu zeigen, dass er dich nicht so leicht aus solchen Blindbattles herausschubsen kann.

Anders sieht es aus, wenn das Board schon am Flop drawheavy ist und du nur ein mittelstarkes Paar hast wie in folgendem Handbeispiel.

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

BB: 200$, aggressiver Postflopbluffer
Hero: 200$

Preflop: Hero is SB with A , T
3 folds, Hero raises to $7.00, BB calls $5.00.

Flop: ($14.00) T , 8 , 5 (2 players)
Hero bets $10.00, BB raises to $34.00, Hero ???.

So solltest du dazu tendieren, direkt am Flop zu 3-betten. Da du gerne gegen Draws spielen möchtest, ist es besser eine normale 3-Bet anzubringen, statt direkt All-In zu pushen. Das hat den Vorteil, dass du dem Gegner Foldequity vortäuschst, wo keine vorhanden ist, so dass er mit seinen Draws erneut reraist bzw. pusht. Pushst du direkt, wird er Draws teilweise folden, jedoch nie eine bessere made Hand als deine weglegen.

Solltest du in dieser Situation selbst einen Nutflushdraw halten, ist eine gleiche Betsizewahl bei einer 3-Bet anraten, da du damit den gleichen Effekt erreichen wirst und teilweise dann gegen dominierte Draws All-In gehen kannst. Hinzu kommt, dass der Gegner sieht, dass du diese Line mit Draws wählst, und er wird unter Umständen dazu verleitet, in solch einem Blindbattle seinen vollständigen Stack mit einem Midpair/good Kicker reinzustellen, mit dem er gegen deinen Draw zwar eine gute Equity hat, jedoch gegen deine made Hands weit hinten liegt.

Bisher zeigt sich also, dass du deine Toppair-Hände und guten Draws am Flop durchaus schnell gegen solche Gegner spielen kannst. Doch was machst du mit mittelstarken Händen? Hier sollte dein Ziel darin liegen, recht günstig zum Showdown zu gelangen und zu versuchen, diesen mit deiner mittelstarken Hand zu gewinnen.

Ein Beispiel für solch eine Situation folgendee Hand gegen einen Gegner, der sehr gerne den Flop bluffraist bzw. den Turn in Position floatet.

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

BB: 200$, aggressiver Postflopbluffer
Hero: 200$

Preflop: Hero is SB with K , J
3 folds, Hero raises to $7.00, BB calls $5.00.

Flop: ($14.00) Q , J , 5 (2 players)
Hero checkt und callt eine Flopbet.

Turn: ($X) 9 (2 players)
Hero checkt und callt gegebenenfalls eine mittelgroße (ca. ½ Potsizebet) 2nd Barrel.

River: ($X) A (2 players)
Hero checkt und callt eine weitere Bet.

Diese „check/call all Streets“-Line, die zuvor noch als wirkungslos gegenüber Callingstations dargestellt wurde, hat in solch einer Situation ihre größte Stärke. Du schaffst es, so den Pot recht klein zu halten und mit den geringsten Kosten zum Showdown zu kommen. Jedoch sollte dir bewusst sein, dass diese Situation nicht mit der eines Calldowns in Fixed Limit Hold’em zu vergleichen ist. Hier ist es unbedingt wichtig, auf die Betsize des Gegners zu achten, denn ansonsten wird der letzte Rivercall ein sehr teurer Payoff sein.

Daher ist auch immer zu beachten, wie sich das Board verändert. In diesem Beispiel ist das Ass am River eine besonders wichtige Karte, da sie eine Scarecard für deine Hand darstellt und der Gegner dies auch selbst gut weiß. Daher stellt sie für ihn eine perfekte Bluffmöglichkeit für seine Hände ohne Showdownvalue dar.

Wäre die Hand so verlaufen, dass der Gegner an irgendeiner Straße behindgecheckt hätte, solltest du dennoch nicht die Initiative übernehmen. Bettest du zu irgendeinem Zeitpunkt, wirst du kaum Value aus schlechteren Händen bekommen und musst deine Hand meist folden bzw. hast du einen oder gar mehrere schwere Calls, da der Gegner durch sein Raise im Grunde enorme Stärke angezeigt hat. Bei solch einem Board kannst du eine Hand wie Q8 exakt identisch spielen, da du mit ihr vor den gleichen Problemen stehst wie mit KJ.

Spielst du nun gegen einen solch aggressiven Gegner ohne einen Hit am Flop, solltest du dir stets darüber Gedanken machen, ob du deine Hand auch wirklich continuationbetten willst. Es ist kein großer Fehler, wenn du nach einem Preflopraise gegen solch einen Gegner den Flop check/foldest, sollte deine Hand kaum Verbesserungspotenzial haben und/oder du kannst mit ihr keiner großen Gegenwehr standhalten.

Gegen diese Gegner willst du ihre Stärke zur Schwäche umgestalten. Sie sollen nicht durch ihre Aggression Pötte gewinnen, welche eigentlich dir zugestanden hätten und sie nur durch einen Bluffraise oder Float gewinnen konnten. Du willst, dass sie sich gegen deine besseren Hände zu Tode bluffen und dir das Geld sozusagen freiwillig geben.

Du selbst solltest also deine eigenen Bluffs weitestgehend zurückschrauben. Die Option eines Rebluffs solltest du nur dann in Erwägung ziehen, wenn du merkst, dass der Gegner nicht „die Eier“ dazu hat, einen Turnfloat auf ein kleines Checkraise vollständig durchzuziehen, und in diesem Spot zu oft foldet. Du solltest dabei aber darauf achten, dass du in diesen Situationen nicht zu spewy wirst und langfristig Geld verlieren.

Wie spielst du gegen sehr gute Regulars in einem Blindbattle?

Gute Regulars zeichnen sich durch ihre Anpassungsfähigkeit in solch einer Situation aus. Im Grunde kann man sagen, dass sie all die Konzepte und Anpassungsmöglichkeiten anwenden, die im Artikel zum Blindbattle aus dem Big Blind erläutert wurden. Gegen solche Gegner ist es besonders schwer, postflop out of Position zu spielen, da dir das Handreading aufgrund der gegnerischen Anpassungsvielfalt sehr schwer fällt. Du solltest es daher also nicht zu sehr auf eine Konfrontation anlegen und dich postflop selbst in sehr schwierige Spots bringen.

Da du weißt, dass du postflop kaum eine Edge gegen einen guten Regular hast, solltest du also darauf bedacht sein, deine Verluste postflop out of Position in Grenzen zu halten. Das bedeutet für dich, dieser Situation einfach aus dem Weg zu gehen und deine Openingrange sehr tight zu gestalten. Du versuchst dann einfach, deine starken Hände straightforward for Value zu spielen, um so insgesamt dennoch breakeven first in aus dem Small Blind zu spielen. Diese Möglichkeit der Anpassung ist mit Sicherheit die varianzärmste und am einfachsten umzusetzen, wenn du gegen einen Regular spielen musst.

Nun solltest du jedoch nicht den Fehler machen und jeden Spieler, der regulär auf deinem Limit spielt, direkt als soliden Regular einstufen und wieder in ein Standardspiel verfallen. Hier gibt es nun zwei besondere Typen von Regulars, gegen die du dir besonders klar über dein Spiel sein solltest.

MULTITABLENDER REGULAR

Ein solcher Spieler zeichnet sich meist dadurch aus, dass er mehr als 8 Tische gleichzeitig spielt und oftmals eine solide tight-aggressive Preflop-Strategie verfolgt. Du kannst dir also sicher sein, dass ein solcher Spieler aufgrund der hohen Anzahl an Tischen nicht die volle Aufmerksamkeit an allen Tischen haben kann und somit in einem Blindbattle dazu tendieren wird, sehr straightforward zu spielen.

Es gibt teilweise einige guter Regulars, welche durch ihr massives Multitabling nur sehr wenige deiner Openraises callen werden, da sie einfach "keine Zeit" haben, sich in einen derart marginalen Spot zu bringen und dann postflop eher schwierigere Entscheidungen zu treffen.

Gegen solch einen Spieler solltest du also nicht direkt damit beginnen, abwartendender und zurückhaltender aus dem Small Blind zu spielen. Du kannst gegen solch einen Gegner sogar damit beginnen, deine Handrange zu erweitern und viel looser zu openraisen, da der Gegner sich der Situation nicht entsprechend anpassen wird und oftmals weiterhin eine Raise-or-fold-Strategie verfolgen wird und daher viel zu oft auf deinen Openraise folden wird.

Solange er dies nicht ändert, kannst du fleißig seinen Big Blind stehlen und die Pötte am Flop mit einer Continuationbet einsammeln.

TRICKY REGULAR MIT HISTORY

Du kennst es sicher selbst, wenn du schon eine Weile auf dem gleichen Limit spielst. Es gibt Regulars, mit denen man nach einiger Zeit eine ganz eigene Geschichte hat und somit das Spiel gegeneinander einer ganz besonderen Dynamik unterliegt. Dies können sowohl Preflop-3-Bet- und 4-Bet-Battles gewesen sein wie auch postflop lighte (Semi-)Bluffraises.

Spielt man nun gegen solch einen Gegner aus dem Small Blind heraus, sollte man sich natürlich der besonderen History bewusst sein. Da du sowohl preflop als auch postflop out Of Position spielen musst, solltest du dich in solch einem Spot sehr stark zurückhalten und die zuvor erwähnte tighte und geradeaus gerichtete Spielweise umsetzen. Grund hierfür ist, dass es dir sehr oft passieren wird, dass der Gegner gegen dich moven wird und du selbst nur mit einem eigenen Move antworten kannst, den er aber aufgrund seines „besonderen“ Reads auf dich bzw. deiner besonderen Geschichte oftmals sehr light mit einer made Hand callen wird.

Deine Bluffmoves werden also in solch einer Situation nicht so oft gelingen. Spielst du jedoch tight und bist dadurch in der Lage, oftmals eine gute Hand zu halten, bist du nicht auf Moves angewiesen und kannst selbst besser die gegnerischen Moves mit made Hands catchen. Oftmals wird solch ein Regular nicht direkt verstehen, dass du in dieser Situation nun besonders tight spielst und sieht daher hinter jedem deiner Raises einen Bluffspot, den er nun mit seinem Toppair, no Kicker in einem Blindbattle unbedingt catchen muss. Das nicht auszunutzen wäre daher fahrlässig!

Welche Fehler musst du auf jeden Fall vermeiden?

Dieser Punkt ist besonders wichtig, da es beim Blindbattle aus dem Small Blind zwei Standardfehler bei vielen TAGs gibt.

Den ersten Standardfehler kann man als den „One Bullet“-Fehler bezeichnen. Damit bezeichnet ist eine Spielsituation, in der du einfach jeden Flop continuationbettest und den Turn check/fold oder check/call spielt. Gerade in einem Blindbattle ist es oft eine gute Option für den Big Blind, eine Continuationbet mit einem schwachen Paar oder sogar Ace high zu callen, um die Hand recht günstig zum Showdown zu bringen. Wolltest du am Flop vielleicht sogar nur sehen, wo du stehst und einfach deine Contibet abfeuern, ohne einen Plan für die späteren Streets zu haben (check/fold any Turn ist kein Plan), spielst du in einem Blindbattle langfristig mit negativem Erwartungswert.

Gerade in Blindbattles sind Scarecards am Turn oder River wunderbar zu nutzen, um weiter Druck auf den Gegner auszuüben und ihm die Gelegenheit zu nehmen, mit mittelstarken Händen den Pot zu kontrollieren und günstig zum Showdown zu gelangen.

Nimm dir die Zeit, mach dir Gedanken über deine Hand, die Boardtextur und den Gegner und feuere nicht einfach eine Continuationbet, um dann die Hand unimproved aufzugeben. Sollte das der Fall sein, wird der Gegner nämlich auch immer wissen, wenn du etwas getroffen hast.

Der zweite grundlegende Fehler findet seine Ursache in der eigenen Einstellung zu einem Blindbattle. Viele solide TAGs beginnen in Blindbattles plötzlich, ihr solides Spiel aufzugeben und hyperaggressiv zu agieren. Oftmals steckt hier der Gedanke dahinter, dass man gegen nur einen Gegner mehr Foldequity auf seine Hände bekommt und daher auch vermehrt mit Craphänden bluffen kann. An einer aggressiven Spielweise ist nie etwas verkehrt, jedoch sollte man seine Spots immer mit Bedacht wählen.

Spielst du eine Hand als Bluff, dann achte darauf, dass deine Hand auch noch eine akzeptable Equity gegen die Callingrange deines Gegners hat, sollte er callen. Folgende Hand soll als Negativbeispiel dienen.

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

BB: 110$
Hero: 200$

Preflop: Hero is SB with K , J
3 folds, Hero raises to $7.00, BB calls $5.00.

Flop: ($14.00) Q , 7 , 3 (2 players)
Hero bets $10, BB calls $10.

Turn: ($34) A (2 players)
Hero checks, BB bets 23$, Hero raises to 66$, BB calls 43$ (All-In)

Du hast bei dieser Hand zwar durchaus einiges an Foldequity, bist aber auch sehr weit hinten, solltest du gecallt werden. Solch ein Bluff ist also total spewy und langfristig eine sichere Methode, Geld zu verbrennen.

Wenn du die Hand nun folgendermaßen veränderst, kann man solch einen Bluff durchaus vertreten.

1/2 No-Limit Hold'em (5 handed )

BB: 110$
Hero: 200$

Preflop: Hero is SB with K , J
3 folds, Hero raises to $7.00, BB calls $5.00.

Flop: ($14.00) Q , 7 , 3 (2 players)
Hero bets $10, BB calls $10.

Turn: ($34) A (2 players)
Hero checks, BB bets 23$, Hero raises to 66$, BB calls 43$ (All-In)

Vergleichst du beide Situationen siehst du, wie stark sich deine Equity unterscheidet. Im ersten Beispiel hattest du bei einem Call gegen die einzelnen Hände folgende Equity:

  • Set: 9%
  • 2Pair: 9%
  • One Pair (Ax, Qx): 12%

Im zweiten Beispiel sieht es nun schon wie folgt aus:

  • Set: 22.7%
  • 2Pair: 22.7%
  • One Pair (Qx, Ax): 29,4%

Dies ist ein enormer Sprung, da du niemals einen puren Bluff spielen solltest, bei dem du nach einem Call oftmals drawing dead bist. Denk also daran, dass du im Blindbattle zwar etwas häufiger bluffen kannst, jedoch immer nur mit Händen, mit denen du nicht nahezu drawing dead bist, solltest du gecallt werden.

Fazit

Dieser Artikel hat dir gezeigt, worauf es im Blindbattle aus Sicht des Small Blinds ankommt. Wichtig ist, dass du nicht in ein Standardspiel verfällst, sondern dich den besonderen Umständen einzelner Hände anpasst. Der Gegner und seine Spielweise sind dabei wesentliche Faktoren.

Die Spielweise im Kampf Blind vs. Blind aus Sicht des Big Blinds findest du im folgenden Artikel: Blindbattle - Das Spiel aus dem Big Blind

Zum Abschluss sei erneut auf das Excel-Formular verwiesen, das dir bei verschiedenen Berechnungen unter die Arme greift. Die Datei kannst du hier herunterladen: Excel-Tabelle zum EV eines First-in-Pushes