Checkbehind for Value
Einleitung
In diesem Artikel
- der Sinn eines Checkbehind
- die Prinzipien
- Balancing oder Valueplay
Der Checkbehind ist eine häufig unterschätze Variante im No-Limit Hold'em. Er wird meistens mit Weakness verbunden bzw. mit der Aufgabe einer Hand. Ab und an geht man von einem Slowplay aus, aber damit ist die Geschichte auch schon erzählt.
Jedoch gibt es viele Gründe, den Checkbehind näher zu betrachten und zu überlegen, wann, warum und gegen wen du ihn anwenden könntest.
Checkbehind: Wo?
Die erste Frage, die du dir stellen solltest: Wo und warum ist ein Checkbehind sinnvoll? Logischerweise gibt es nur zwei Streets, auf denen der Checkbehind for Value Sinn ergibt, da er ja impliziert, auf irgendeine Art und Weise im Verlaufe der Hand weiteren Value zu extrahieren. Durch einen Checkbehind am River beendest du aber die Hand.
Preflop gibt es ebenso wenig Möglichkeiten. Der Check als Big Blind zählt nicht dazu, da du dort starke Hände einfach raisen solltest.
Explizit sind also Flop und Turn gemeint, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Flopplay liegen sollte.
Am Turn ist dir der Checkbehind in erster Linie als Checkbehind for Bluffinduce ein Begriff. Auch zu diesem Thema werden im folgenden Beispiele aufgeführt.
Der Checkbehind am Flop hingegen hat bislang nicht die große Aufmerksamkeit erfahren, die ihm vielleicht zustehen sollte.
Checkbehind: Warum?
Zu allererst natürlich die Frage: Warum solltest du überhaupt behindchecken?
Diese Frage ist gut und wichtig, da es immer dein primäres Ziel sein sollte, Argumente für eine Bet zu finden. Eine Bet erzeugt Foldequity und kann Value extrahieren, daher ist die Bet immer die erste Option.
Foldequity erzeugst du gegen stärkere Hände, sie ist somit ein Bluff. Value extrahierst du von schwächeren Händen oder Draws, sie ist somit eine Valuebet.
Neben einer normalen Valuebet dient diese in vielen Fällen auch als Protectionbet. Zum einen als Protection vor Draws (die dich ausbezahlen) oder aber als Protection vor Bluffs (wer zuerst bettet gewinnt den Pot – das willst du sein).
Leider wirst du schon häufig erfahren haben, dass sich viele dieser Bets aber nicht so einfach kategorisieren lassen. Wenn du dich selber bei jeder Bet fragst, warum du eigentlich bettest, wird deine Antwort häufig – nennen wir es mal schwammig – ausfallen.
In gewissen Spots kannst du deine Bet nicht erklären und genau in diesen Fällen musst du dir überlegen, ob die Option des Checkbehinds nicht interessant ist.
Checkbehind und die vier Spielprinzipien
Was bedeutet nun konkret ein Checkbehind? Da du keine Bet platzierst, fallen wie erwähnt Value und Foldequity heraus. Somit sollten dir in erster Linie vier Grundprinzipien ins Auge stechen:
- way ahead / way behind
- Potcontrol
- Slowplay
- Bluffinduce
Schau dir diese vier Prinzipien kurz an und überlege, was sie in Verbindung mit einem Checkbehind bedeuten können. Dafür sollen erstmal drei Beispiele zu Verdeutlichung dienen.
Du siehst dich gut im Rennen, musst deine Hand nicht zwangsweise protecten. Es gibt nicht viele Outs, die deine oder die Hand deines Gegners verbessern würden. Du liegst also entweder vorne oder hinten, kannst das aber schwer einschätzen.
Gleichzeitig möchtest du den Pot mit einer eher als marginal einzuschätzenden Hand aber nicht aufblähen. Es tut dir nicht weh, den Pot klein zu halten, weil deine Hand für einen großen Pot einfach zu schwach ist.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is Button with Q

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) K


BB checks, Hero bets $5.50, BB calls $5.50
Turn: ($19.50) 4
BB checks, Hero...
In diesem Fall befindest du dich in einer way ahead / way behind Situation. Dein Gegner kann hier außer JT keinen guten Draw halten. Du liegst hier entweder vorne oder hinten und die Protection ist sekundär.
Wenn du nun setzen würdest, wäre es eine Valuebet? Welche schlechtere Hand soll dich callen?
Du hast eine starke Hand, möchtest aber keine schwächeren Hände vertreiben. Du hoffst, dass dein Gegner seine Hand auf einer späteren Street deutlich verbessert, aber natürlich nur soweit, dass du immer noch vorne liegst. Jedoch musst du dabei der Meinung sein, im Folgenden mehr Value extrahieren zu können, als durch eine Bet.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is Button with A

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB raises to $14.00, Hero calls $14.00
Flop: ($28.50) A


BB checks, Hero checks
Du hast dich preflop für ein Slowplay entschieden und ziehst dieses jetzt durch. Natürlich könntest und dürftest du hier betten, aber eine Hand wie AK/Ax/KK/55 wirst du ohnehin stacken. So gibst du aber dem Gegner die Möglichkeit, seine Hand zu verbessern. Ein weiterer K würde AK (geht ohnehin broke), KQ, Kx eine Hand geben, die locker einen Stack investiert.
Zudem vermeidest du das Risiko, von solch einer Hand nicht ausbezahlt zu werden. Sollte dein Gegner checken, kannst du ab dem Turn in Position einfach zweimal for Value betten, ohne dabei mehr als Potsize setzen zu müssen.
Turn: ($28.50) 2
BB checks, Hero bets $23.00, BB calls $23.00
River: ($74.50) 8
BB checks, Hero bets $63.00 (All-in), BB calls $63.00
Du bist der Meinung, dass dein Gegner eine schwache Hand auf der folgenden Street eher in einen Bluff verwandelt, als auf eine Bet loose zu callen.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is Button with J

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) J


BB checks, Hero bets $5.50, BB calls $5.50
Turn: ($19.50) A
BB checks, Hero checks
River: ($19.50) 5
BB bets $8.00, Hero calls $8.00
In diesem Fall setzt du am Turn keine 2nd-Barrel, um eine anständige Riverbet zu callen. Du möchtest, dass dein Gegner, der hier unter Umständen gar nichts hält, deinen Checkbehind als so weak interpretiert, dass er am River profitabel mit any two bluffen kann.
Genau an diesem Punkt musst du dir jetzt die Frage stellen, ob eine Bet am Turn sinnvoll ist. Diese Frage musst du dir am Turn immer stellen und dabei natürlich immer die Besonderheiten deines jeweiligen Gegners in deine Überlegungen einbeziehen.
Turnplay: Checkbehind for Bluffinduce oder bet/fold for free Showdown?
Bei einem Checkbehind am Turn hast du dir in den meisten Fällen oben beschriebene Frage gestellt, es sei denn, du gibst die Hand auf oder checkst, in der Hoffnung ein Out zu treffen.
Noch einmal zurück zu Beispiel 3:
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (19/16/3.7/23) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with J

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) J


BB checks, Hero bets $5.50, BB calls $5.50
Turn: ($19.50) A
BB checks, Hero...
Bei diesem Gegner kannst du durchaus der Meinung sein, dass er am Turn nicht loose callt, dafür aber am River häufig bluffen könnte. Dafür verzichtest du aber auf die Protection gegen durchaus mögliche Flushdraws.
Wie schaut dies bei einem anderen Gegner aus?
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (38/9/1.0/33) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with J

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) J


BB checks, Hero bets $5.50, BB calls $5.50
Turn: ($19.50) A
BB checks, Hero...
Hier stehen die Vorzeichen nun anders. Der Gegner kann am Turn noch mit vielen schlechteren Händen callen, neben Draws (Odds und Position werden ihn kaum interessieren) auch mit kleinen Pocketpairs oder sonstigen High Cards. Allerdings kannst du nicht davon ausgehen, dass dieser passive Spieler häufig am River blufft. Haut er dort eine harte Bet raus, kannst du diese nicht einfach callen. Daher ist hier die Bet am Turn for Value, Protection und for free Showdown deutlich vorzuziehen.
Checkbehind for Bluffinduce:
- Dein Gegner muss aggressiv sein
- Er darf am Turn nicht loose callen (ansonsten Valuebet)
- Er hat einen hohen River-AF
- Es dürfen nicht viele Draws offen liegen
- Deine Hand ist zu schwach, um bet/call for Protection zu spielen
Bet for free Showdown:
- Dein Gegner callt häufig schwächere Hände
- Dein Gegner ist eher passiv und du erwartest selten Bluffs am River
- Auf eine hohe Riverbet müsstest du folden ( kein Bluffinduce möglich)
- Deine Hand ist zu schwach, um bet/call zu spielen
Diese Gedanken musst du dir am Turn häufig machen. Doch wie oben bereits bemerkt, soll das Hauptaugenmerk auf dem Flopplay liegen. Darum wird es nun gehen.
Übertragbarkeit der Prinzipien vom Turn- auf das Flopplay
Vom Grundsatz her kannst du diese Gedanken auch bei den Überlegungen am Flop zu Rate ziehen, aber natürlich haben beide Spielweisen einen Haken:
- Es stehen noch zwei Streets aus
- Draws haben eine deutlich bessere Equity gegen dich
Das bedeutet, bei einem Bluffinduce müsstest du bereit sein, zwei Barrels zu callen. Ansonsten müsstest du auf zwei Checks deines Gegners auf den folgenden Streets hoffen, um den Showdown for free zu sehen.
Es geht hier – im Gegensatz zum Turnplay – nicht unbedingt darum, Bluffs zu induzieren, sondern darum, schlechtere Hände valuebetten zu lassen.
Schau dir ein Beispiel an und vergleiche die Hand mit oben bereits genannten Argumenten.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with K

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero...
Das ist quasi ein Standardbeispiel. Du hast dein Toppair getroffen, schön und gut. Dein Gegner ist ein eher tighter Spieler, der durchaus eher mal einen kleinen Bluff starten könnte, als hier loose runter zu callen. Was sollst du nun am Flop machen?
Das Hauptproblem in diesem Spot besteht darin, dass sich zu wenig Spieler Gedanken darüber machen, welches Ziel eine Bet hier hat.
In erster Linie heißt es: „Auf solch einem Flop macht man immer eine Continuationbet. Also auch hier, wenn man getroffen hat.“
Dieser Punkt ist durchaus korrekt. Balancing ist in solchen Spots wichtig, da sie sehr häufig vorkommen. Auch wenn deine Gegenspieler nicht auf vieles achten, so doch zumindest auf deine Aktion am Flop. Es ist sicherlich richtig, dass ein Checkbehind in diesem Fall nach sich ziehen könnte, dass du in einem folgenden Spot keinen Credit bekommst.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with 5

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 7


BB checks, Hero bets $5.50, BB...
Hier könnte dein Gegner schon davon ausgehen, dass du selten ein Ass hältst und häufig bluffen würdest, sollte die Hand in Beispiel 5 zum Showdown gegangen sein. Er wird denken, dass du Toppairs häufig nicht bettest. Balancing ist somit einer der Haken dieses Plays, worauf nun noch mal ein genauerer Blick geworfen werden sollte.
Balancing oder Valueplay?
Die mit Abstand wichtigste Frage beim Balancing ist folgende: Ist sie überhaupt nötig?
Gegen wen spielst du? Wie sehr achten deine Gegner auf dieses Play? Ist die Deception, also die Verschleierung deines Gesamtspiels, wichtiger oder ein Spiel welches in diesem Spot den größten Erwartungswert besitzt?
Häufig wird die Deception unnötigerweise so weit in den Vordergrund geschoben, dass man ein gewinnorientiertes Spiel außen vor lässt.
Achte dabei auf folgende Fragen:
- Sind deine Gegner schlechte Spieler (kein Balancing nötig)?
- Sind deine Spieler adaptionsfähig?
- Sind deine Gegner aggressiv?
- Spielst du häufig gegen sie, so dass du auch in den folgenden Tagen darauf zurückgreifen kannst, oder spielst du auf einem Limit mit hoher Fluktuation?
Grundsätzliche Gedanken zur Deception findest du hier:
Die Continuationbet
Trotz allem wird es deutlich, dass neben dem Balancing das Grundkonzept deiner Continuationbet in Gefahr gerät. Du darfst nicht nur als Bluff contibetten und mit schwachen made Hands grundsätzlich behindchecken.
Dazu noch einmal Beispiel 5:
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with K

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) 8
BB bets to $5.50, Hero...
Du hast dich am Flop für einen Checkbehind entschieden. Dabei hast du das Balancing außen vor gelassen. Warum?
Zum einen kannst du deine Bet hier nicht klar definieren. Es sollte natürlich eine Valuebet sein, aber bei jeder Valuebet musst du ein paar schlechtere Hände aufzählen können, die dich ausbezahlen.
In diesem Fall wird das eng. Es sind keine Draws möglich (somit ist Protection nicht nötig), des Weiteren kann dieser Gegner hier ganz locker mit Händen wie KQ/KJ, eventuell sogar AK preflop gecallt haben.
Es ist unwahrscheinlich, dass er hier sehr loose runtercallen wird. Dafür kann dein Gegner eine andere Option ziehen, das Checkraise.
Nun stell dir vor, dein Gegner checkraist diesen Flop. Was will er dir damit verkaufen? Es gibt wenig Hände, die dich beat haben. Von den oben genannten Spielprinzipien sollte hier zuerst der Way ahead / Way behind-Gedanke vorkommen. Sollte dein Gegner hier Kx overplayen? Oder mit 3x for Value raisen? Oder gar pur bluffen, da du selbst mit Kx hier nicht ganz einfach weiterspielen kannst?
Wie reagierst du? Bei diesem Gegner müsste beinahe der Fold anstehen, auch wenn du dir sein Play nicht erklären kannst. Im Klartext heißt das aber, dass bet/fold einem Bluff hier schon sehr nahe kommt.
Was spricht also in diesem Fall für den Checkbehind?
- Du kannst einem Checkraise schwer standhalten
- Du brauchst nicht protecten
- Es gibt kaum schlechtere Hände die deine Bet callen können
- Der Gegner wird nicht loose callen
- Der Gegner wird eher light am Turn valuebetten oder bluffen
Nun könntest du annehmen, dass dein Gegner auch mit einem kleinen Pocketpair mindestens einmal check/call spielt. Diese Annahme ist auch nicht verkehrt. Aber damit kommen wir zu einem weiteren entscheidenden Punkt:
Gegen einen normalen Gegner kannst du solch eine Hand nicht dreimal for Value betten.
Am Flop kannst du selbstverständlich für eine Bet argumentieren. Du würdest solch einen Flop immer contibetten, eventuell callt auch noch etwas schlechteres, also bettest du. Dann passiert folgendes:
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with K

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero bets to $5.50, BB calls $5.50
Turn: ($19.50) 8
BB checks, Hero...
Und nun? Trotz deiner durchaus guten Hand, kannst du nicht sonderlich glücklich mit diesem Call sein. Hast du hier eine weitere Bet? Wenn du diesen Turn nicht bettest, warum am Flop?
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with K

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero bets to $5.50, BB calls $5.50
Turn: ($19.50) 8
BB checks, Hero bets to $13.00, BB calls $13.00
River: ($45.50) 7
BB checks, Hero...
Gegen den Gegner solltest du nun drei Kreuze machen, dass du es zum Showdown geschafft hast. Selbst eine Donkbet am River wäre ein Albtraum für dich. Dennoch stellt sich nun die Frage, ob du hier eventuell doch noch eine Valuebet hast?
In einem solchen Spot kommt bei vielen Spielern erst am River der Gedanken auf, dass man soviel eigentlich nicht schlägt oder dass man durch eine 3rd-Barrel eventuell KJ/KQ zum folden bekommt. Man denkt auf einmal über Bluffbets nach, obwohl man vorher for Value gebettet hat. In diesem Spot aber muss dir klar sein, dass dieser Gegner selten eine 3rd-Barrel mit einer schlechteren Hand callt. Du kannst hier unmöglich eine Valuebet platzieren.
Stimmst du mit dieser Erkenntnis überein, gehe in der Hand noch mal zurück. Wenn du unmöglich dreimal for Value betten kannst, weil deine Hand zu schwach für einen großen Pot ist, aber auch gleichzeitig Protection am Turn nicht nötig ist, warum bettest du dann überhaupt den Flop?
In diesem Spot stehst du am River gegen eine recht polarisierte Range. Dein Gegner zeigt Stärke, er check/callt zweimal out of Position, obwohl er sehr weit von einer Callingstation entfernt zu sein scheint.
Und in diesem Spot ist es absolut kein Fehler, über eine Bluffbet nachzudenken. Dein Gegner wird hier häufig KJ+ halten und eher selten kleinere Pocketpairs. Doch damit ist die ganze Line inkonsequent.
Spule noch mal zurück und stell dir vor, du hättest die Hand anders gespielt.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with K

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) 8
BB bets to $5.50, Hero calls $5.50
Du hast dich für die passive Variante entschieden. Im Hinterkopf hattest du obigen Handverlauf und warst dir darüber im Klaren, gegen diesen Spieler keine drei Barrels feuern zu können. Also öffnest du seine Range, indem du ihn am Turn betten lässt.
Und genau an diesem Punkt kommt ein entscheidender Faktor hinzu: Du kassierst hier natürlich Bluffbets, aber auch Valuebets von schlechteren Händen.
Dieser Punkt wird später noch genauer durchleuchtet. Hier ist es eher grenzwertig, weil das Board sehr klar koordiniert ist und dein Gegner nun nicht gerade Mr. Maniac himself zu sein scheint. Aber gerade gegen diese Spielertypen lohnt sich ein solches Play noch mehr.
Bevor du dir dazu die Range des Gegners ansiehst, spielst du die Hand erst einmal zu Ende.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with K

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) 8
BB bets to $5.50, Hero calls $5.50
River: ($19.50) 7
BB bets to $12.00, Hero calls $12.00
Du bist nun am Showdown mit einer guten Hand, die dieser Potgröße durchaus entspricht. Viel mehr wäre hier nicht rauszuholen gewesen.
Deinem Gegner kannst du nun drei Hauptranges zuordnen. Dann vergleiche das Spiel dieser Range einerseits mit deiner passiven Variante, andererseits mit der aggressiven Variante.
Die Hauptranges bestehen aus made Hands die dich schlagen (1), aus schwachen made Hands die du schlägst (2) und aus Bluffs (3.):
- (1): AK/KQ/KJ/3x
- (2): QQ-44
- (3): 45s-JTs, AQ-/QJ-
Gegen Range (1) wird der Pot ungefähr gleich groß bleiben. Diese Hände werden valuebetten, sie werden aber auch deine Bets callen.
An Range (3) wirst du hier am meisten verdienen. Am Flop wird diese Hand deine Bet nicht callen, aber:
- Villain könnte mit ihnen als Bluff checkraisen. Du möchtest aber nicht broke gehen, foldest also die bessere Hand.
- Villain kann diese Hände am Turn und River bluffen.
Gegen diese Range und diesen Gegner ergibt das passive Play am meisten Sinn.
Range (2) ist jetzt der Grenzfall. Dieser Gegner muss nicht zwangsweise QQ preflop 3-betten, er kann sich aber nach deinem Checkbehind vorne sehen. Es besteht die Möglichkeit, dass er Hände wie JJ am Turn und River valuebettet, da er dich auf einem kleinen Pocketpair sieht und glaubt, der King würde dich am Flop verunsichern.
Villain möchte viele dieser Hände nicht aufgeben, aber verlierst du Value wenn du den Flop behind checkst?
Hier kommt ein weiterer wichtiger Aspekt ins Spiel: Eine delayed Continuationbet. Also eine Bet, die du erst am Turn tätigst. Sie zeugt nicht von soviel Stärke wie die Bet am Flop. Wer zweimal zu dir checkt, möchte den Pot eventuell gar nicht haben und du wirst quasi zum betten gezwungen.
Du hast also am Turn immer noch die Möglichkeit, zu betten und dabei sogar einen leichteren Call deines Gegners zu bekommen. Die Frage, ob du dadurch nicht Value verschenkst, hat sich im Vorfeld schon geklärt, da du nicht drei Barrels for Value feuern kannst/möchtest.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with K

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) 8
BB checks,Hero bets to $5.50, BB calls $5.50
River: ($19.50) 7
BB checks, Hero bets to $12.00, BB calls $12.00
Summierst du nun alle diese Beispiele, kannst du zu der Annahme kommen, dass der Erwartungswert dieser Hand am größten ist, wenn du den Flop behindcheckst.
- Schwächere Hände könnten ab dem Turn bluffen.
- Schwächere Hände könnten light for Value betten.
- Gegen starke Hände verlierst du am wenigsten.
- Du kannst nicht aus der Hand geblufft werden.
- Deine Turnbet wird möglicherweise leichter gecallt als deine Bet am Flop.
Beispiele für lighte Valuebets deiner Gegner
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (25/20/4.1/24) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with A

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 3


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) 8
BB bets to $5.50, Hero...
In solchen Spots kannst du dir einfach sicher sein, dass dein Gegner schwächere Hände for Value bettet. Neben Ax-Händen vielleicht sogar kleinere Pocketpairs. Daneben besteht auch immer noch die Möglichkeit, dass dein Gegner nur bluffen möchte.
Somit kannst du die große Action sogar auf den River verschieben. Das ist sinnvoll, je aggressiver dein Gegner ist.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (36/30/4.5/22) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with A

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 7


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) 3
BB bets to $5.50, Hero calls $5.50
River: ($19.50) 4
BB bets to $16.50, Hero raises to $45.00
Sollte das Board jedoch zusätzliche Draws liefern, kannst du die Action auch schon am Turn durch ein Raise starten. Auch dies kann gebalanced werden, schaue dir dazu den letzten Abschnitt dieses Artikels an.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100) (36/30/4.5/22) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Preflop: Hero is Button with A

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 7


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) 6
BB bets to $5.50, Hero raises to $18.00
Alle diese Spielzüge sollen keine Standardlines sein, aber du solltest immer im Hinterkopf haben, ob der Erwartunswert nicht größer wird, wenn du schwächere Hände for Value betten lässt.
Gegnertypen
Deinen Gegnern solltest du natürlich immer die größte Beachtung schenken, daher ist ein solches Play selbstredend nicht bei jedem Gegner sinnvoll.
Wie oben bereits in den Beispielen aufgeführt, ist die passive Variante eher auf aggressive Spieler ausgerichtet.
Es heißt hier abzuwägen, ob dein Gegner eher bluffen / light valuebetten kann, oder ob er eher ein Spieler ist, der gerne mit schlechteren Händen runtercallt, ohne selbst aktiv zu werden.
Gegnertypen wie Callingstations (loose-passive) sind also eher nicht dein Ziel. Du kannst hier meistens davon ausgehen, dass er mit vielen schlechteren Händen am Flop callt, dafür aber verhältnismäßig selten eine Hand am Turn bluffen wird. Ebenso kannst du bei einem Checkraise am Flop relativ sicher sein, in eine starke Hand zu laufen. Die Probleme, die du bei dem Spiel gegen einen aggressiven Spieler bekommst, treten hier alsonicht auf.
Boards
Eine Übersicht über Boards kann man nicht geben, den Gedankengang musst du immer selber vollziehen.
Fakten wurden bereits genannt, welche Anforderungen muss ein Board erfüllen?
- Wenig Draws
- Wenig schlechtere Hände, die dich ausbezahlen
- Typisches way ahead / way behind – Board (weder du noch dein Gegner kann viele Outs haben)
- Wenige Hände die hier plausibel for Value checkraisen könnten
- Du selbst kannst nicht viele Hände verkaufen, die du for Value bettest
Das ideale Board ist im Ausgangsbeispiel bereits erwähnt:
KTo auf K33r-Flop erfüllt hierbei alle Aspekte.
Wäre das Board K





K





Während im Ausgangsbeispiel deine Hand recht offen liegt und du nicht viel verkaufen kannst, sieht das beispielsweise mit QQ auf einem 2


Trotzdem tritt dieses Prinzip in den Hintergrund, da viele der Hände, gegen die du vorne liegst, dich hier ausbezahlen (angefangen von 66-JJ). Überlege dir also immer, mit wie vielen Händen dein Gegner hier runtercallen könnte.
Bei dem KTo-Beispiel gab es zusätzlich den Haken, dass dein Gegner hier wenig bessere Hände halten kann. Und ob er die (KJ+) hier checkraisen würde, ist wiederum eine andere Frage. Du hast somit ein Problem, einfach bet/fold zu spielen, da du das Gefühl hast, häufig in einen Bluff zu laufen.
Hier musst du dir vorher überlegen, ob in diesem Falle ein Checkbehind nicht besser ist. Dies gilt in erster Linie auf paired Boards (=> Yeti-Theorem), auf denen ein Raise bzw. eine 3-Bet am Flop nur eine sehr schmale Range oder Bluffs verkauft.
3-bettet Pots
Insbesondere kann dieses Play in 3-bettet Pots herangezogen werden. Hier sollte es sogar zum Standard werden, nicht jeden Flop zu contibetten. Im 3-bettet Pot hast du im Gegensatz zum normalen raised Pot viele Unterschiede, die allesamt eher für ein passives Flopplay sprechen:
- Du brauchst kein wirkliches Balancing betreiben.
- Du contibettest nicht jeden Flop.
- Der Pot ist schon groß, somit können dir kaum Valuebets entgehen, da du spätestens am River immer noch All-In sein kannst, sofern du das möchtest.
- Lighte Calls deiner Gegner sind unwahrscheinlicher, da sie sich häufig damit committen.
- Ein Checkraise im 3-bettet Pot ist häufiger der Fall, wenn Villain eine brauchbare Hand hat. Er kann sich mit Draws auf den folgenden Streets kaum Implied Odds geben und steht deswegen meist vor der Entscheidung Push or Fold.
- Protection steht hinten an, da in 3-bettet Pots verhältnismäßig gesehen weniger drawing Hands unterwegs sind.
Dazu ein paar Beispiele in Verbindung mit geeigneten Gegnern unter der Fragestellung, ob ein Checkbehind am Flop sinnvoll ist.
Stacks & Stats
CO ($100) (16/12/2.0/26) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Hero ($100)
Preflop: Hero is Button with A

2 folds, CO raises to $4.00, Hero raises to $12.00, 2 folds, CO calls $12.00
Flop: ($25.50) 3


CO checks, Hero checks
In Beispiel 2 wurde bereits gezeigt, dass du bis zum River immer noch zum All-In kommen kannst. Value entgeht dir also nicht. Overpairs wirst du meistens stacken können, dafür können aber spekulative Hände am Turn eventuell bluffen. Zudem werden viele Pairs selber am Turn for Value betten, um zu protecten (du könntest hier auch mit AK/AQ/etc. behindchecken).
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100) (40/13/0.9/31) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is Button with A

2 folds, CO raises to $4.00, Hero raises to $12.00, 2 folds, CO calls $12.00
Flop: ($25.50) 3


CO checks, Hero bets to $17.00
Bei diesem Gegner solltest du betten. Du kannst nicht davon ausgehen, dass er am Turn light valuebetten wird, allerdings schmeißt er hier auch keine middle Pairs oder 9x weg. Du bekommst hier wesentlich häufiger Value von schlechteren Händen, aber eine Overcard zu seiner Range (K,Q, evtl. J) kann seine Zahlungsbereitschaft ab dem Turn einschränken, sollte er Hände wie 9x, TT, 88- halten. Auch in 3-bettet Pots sind Callingstations keine geeigneten Gegner für ein passives Flopplay.
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100) (30/19/3.2/25) [VPIP/PFR/AF/WTS]
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is Button with A

2 folds, CO raises to $4.00, Hero raises to $12.00, 2 folds, CO calls $12.00
Flop: ($25.50) 3


CO checks, Hero checks
Dieses Beispiel ist ein Grenzfall. Ein Checkbehind tut sicherlich nicht sonderlich weh, auch wenn deinem Gegner wohl klar ist, dass du hier selten den Flop checkst, um die Hand aufzugeben. Würdest du gar nichts halten, so wäre das ein wunderbarer Flop zum bluffbetten.
Hier ist Feingefühl gefragt. Sofern du weißt, dass Villain hier wohl selten checkraisen wird, aber am Turn durchaus in der Lage ist, light zu valuebetten, ist auch hier ein Checkbehind sinnvoll. Er kann deinen Check auch als weak interpretieren, da du mit Händen wie bspw. QQ-77 in einen miesen Spot geraten bist.
Dein Gegner kann nun versuchen, dich entweder davon runterzubluffen oder aber mit Händen wie KQ-/QQ- selber for Value zu betten. Schätzt du den Gegner so ein, kann ein Checkbehind hier sinnvoll sein.
Multiwaypots
In Multiwaypots sieht die Sache etwas anders aus. Läufst du gegen mehrere Hände an, ist ein way ahead / way behind Spot in den meisten Fällen nicht mehr gegeben. Viele Hände haben auch viele Outs gegen dich.
Zudem ist ein Checkraise hier deutlich stärker einzustufen, da der Gegner im Falle eines Bluffs seinerseits schon mindestens zwei Gegner zu einem Fold bewegen muss.
Hier gilt es speziell auf die Gegner zu achten und deine Handstärke einzuschätzen. Auf Checkbehinds mit made Hands solltest du in solchen Fällen nicht so häufig zurückgreifen, wie im Spiel Heads-Up.
Checkbehind Flop / Raise Turn als Bluff
Zum Abschluss ein Move, der nur indirekt mit dem Checkbehind am Flop zusammenhängt. Es wäre quasi eine Art Balancing der Checkbehinds, bei denen du am Turn ein Raise platzierst, um neben starken made Hands, die du for Value raist, auch mit Bluffs die Hand direkt zu gewinnen.
Notwendig ist das nicht, da bereits oben festgestellt wurde, dass es unlogisch wäre, bei solchen Plays, die eher auf den maximalen Erwartungswert der Hand abzielen, dabei aber das Gesamtplay (Balancing, Deception) etwas vernachlässigen, nun durch das Turnplay dieses dennoch balancen zu wollen. Wenn du am Flop nicht auf Balancing achten möchtest, brauchst du dies auch nicht am Turn zu tun.
Stacks & Stats
Hero ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is Button with Q

3 folds, Hero raises to $4.00, 1 fold, BB calls $4.00
Flop: ($8.50) 4


BB checks, Hero checks
Turn: ($8.50) J
BB bets to $5.00, Hero raises to $16.00, BB folds
Gezeigt werden soll dadurch nur, dass du gerade durch Einbeziehung solcher Turnbluffs dafür sorgst, dass dein Checkbehind am Flop auf Dauer nicht eingestuft werden kann. Du bleibst unlesbarer, dadurch werden deine Gegner mehr Fehler machen, wovon du langfristig profitieren wirst.
Zusammenfassung
Du hast heute gesehen, dass es eine gute Alternative zur Standard-Contibet als default gibt. Kannst du deine Bet nicht klar als Bluffbet oder Valuebet einstufen, siehst du in der Anwendung des way ahead/way behind Prinzips mehr Value, glaubst du dein Gegner kann keine drei Barrels mit einer schwächeren Hand callen und das Board bietet keine Draws, so ist diese Alternative immer als Möglichkeit in Betracht zu ziehen.
Wichtig ist immer, dass du weißt, was du tust und warum du es tust. Überlege in Zukunft, ob solche Checkbehinds nicht ein wertvolles Mittel sein können, um schwächere Hände zu lighten Valuebets zu verleiten.
| LINKS | |||||
|
|||||