Aktualisiert am 12 März 26 von

Betarten - Die Overbet

Einleitung

In diesem Artikel

  • Was eine Overbet ist
  • Wann und wie du sie einsetzt
  • Wie du eine Overbet balanct

Die Overbet ist eine relativ selten angewandte Variante des Setzens im Poker. Dementsprechend unsicher sind viele Spieler bei deren Anwendung. Diesem Umstand soll dieser Artikel Abhilfe schaffen.

Wann bzw. gegen wen kannst du eine Overbet einsetzen und welchen Sinn und Zweck erfüllt sie? Diese Aspekte werden in den folgenden Abschnitten erläutert.<!--

Die Definition der Overbet

Ein Overbet ist so definiert, dass die gewählte Betsize – zum Teil deutlich – über der aktuellen Potgröße liegt.

BEISPIEL 1

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero (BU) ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with A, K
UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25

Flop: ($2.85) A, A, K (2 players)
UTG checks, Hero bets $6.00

Welchen Zweck erfüllt die Overbet?

Wie immer hat eine Bet in erster Linie zwei mögliche Gründe:

  • Value (du bettest, um Value von einer schlechteren Hand zu extrahieren)
  • Bluff (du bettest, um eine stärkere Hand zu einem Fold zu bewegen)

Neben diesen Grundsätzen kennst du wahrscheinlich schon alle weiteren Vor- und Nachteile von Bets, sowie die geeigneten Bet- bzw. Raisesizes. Im No-Limit Hold'em richtet sich die Betsize meistens nach der aktuellen Potgröße. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn noch Karten auszuteilen sind, also vor dem River. In diesem Fall gilt es, einen weiteren wichtigen Punkt zu berücksichtigen:

  • Protection (du möchtest deinem Gegner „falsche“ Odds servieren und ihn zu einem inkorrekten Call bewegen)

Dein(e) Gegner sollen nicht günstig drawen und zu einem zu billigen Preis die nächste Karte sehen dürfen, mit der sie eventuell ihre Hand aufwerten und somit noch deine bisherige made Hand ausstechen. Durch jede deiner Bets offerierst du deinem Gegner Odds. Du bietest ihm also eine Wette an, für oder gegen deren Annahme er sich dann entscheiden muss.

Mittlerweile solltest du wissen, welche Pot Odds benötigt werden, um gegen mögliche drawing Hands zu protecten. In den meisten Fällen redet man bei maximaler Protection jedoch von Potsizebets.

Mit einer Potsizebet bietest du deinem Gegner immer Pot Odds von 2 zu 1 an. Somit fällt es jedem Gegner schwer, mit einer unfertigen Hand sowie ohne Einkalkulierung möglicher Implied Odds einen Call zu tätigen.

Vergleichst du nun diese bekannten Betarten bzw. deren Sinn mit denen einer Overbet, so kommst du zu folgenden Ergebnissen:

  • 1.) Value
    Durch eine Overbet wirst du mehr Value extrahieren können, sollte dein Gegner bereit sein, mit seiner schwächeren Hand auch einen überhöhten Preis zu zahlen.

  • 2.) Bluff
    Durch eine Bluffbet möchtest du Foldequity erreichen. Durch eine Overbet erzielst du mehr Foldequity als durch eine kleinere Bet.

  • 3.) Protection
    Du bietest deinem Gegner durch eine Overbet sehr schlechte Odds an. Läufst du also wirklich gegen eine drawing Hand, so wird eine Overbet auch für maximale Protection sorgen.

Weitere Aspekte der Overbet

Neben diesen Faktoren kann man die ungewohnte Betsize natürlich auch aus anderen Gesichtspunkten betrachten. Wie spielst du normalerweise einen Semibluff? Welche Betsize wählst du dort? Auch hier gilt es wieder alle Aspekte zu berücksichtigen: Du erzielst durch eine Overbet mehr Foldequity, und sie ermöglicht dir selbst so gute Odds auf einen Push deines Gegners, dass du die Line bet/call spielen kannst, was bei einer kleiner gewählten Betsize nicht angebracht wäre.

Neben den Aspekten Valuebet, Bluff und Protection wird in diesem Artikel also auch dem Semibluff eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Probleme der Overbet

Nun könntest du denken, die Overbet ist die perfekte Lösung für viele Poker-Probleme. Doch warum wird sie dann so selten genutzt? Ganz einfach: Leider hat auch diese Medaille zwei Seiten.

Das Hauptproblem liegt darin, dass du selten weißt, was genau dein Gegner hält und womit er bereit ist dich auszubezahlen.

Eine Overbet am Flop for Value klingt natürlich gut, bringt dir aber nichts, wenn dein Gegner daraufhin alle Toppairs foldet, mit denen er eventuell sonst sogar zwei Streets gecallt hätte. Somit wirst du hier auf Dauer deinen Value nicht vermehren können.

Eine Overbet als Bluff für maximale Foldequity klingt ebenfalls vielversprechend, wird aber zur Farce, wenn dein Gegner mit eher mittelstarken Händen dennoch callt. Auf einmal ist aus der großen Foldequity ein großer Pot geworden und du hast deinen Gegner ausbezahlt.

Du kannst es also nicht vermeiden, mit einer Overbet eine hohe Foldequity gegen schlechtere made Hands zu erzielen (und somit nicht ausbezahlt zu werden) sowie gegen stärkere Hände durch misslungene Bluffs einen zu großen Pot aufzubauen.

Daher kommt nun ein weiterer wichtiger Aspekt ins Spiel: Das Balancing.

Wenn du die Overbet als wirksame Waffe nutzen willst, sollte sie gebalanct sein. Dein Gegner darf also nicht erkennen, ob du solche Plays mit einer starken Hand spielst um Value zu extrahieren, oder mit einer schwachen Hand um maximale Foldequity zu erzeugen. An dieser Stelle wird es kompliziert.

Balancing-Vergleich mit der Continuationbet

Die oben angesprochenen Probleme kann man indirekt auf jede Bet projizieren. Die bekannteste und am häufigsten verwendete Bet im Postflopplay ist die Continuationbet.

Die Höhe einer Continuationbet richtet sich nach vielen Faktoren, wie z.B. der Art der Gegner und deren Anzahl, dem Board, deiner Handstärke etc., worauf an dieser Stelle aber nicht weiter eingegangen werden kann.

Als grober Richtwert für eine Continuationbet hat sich eine Höhe von 2/3-Potsize eingependelt.

Dieser Wert ist nicht willkürlich entstanden, sondern lässt sich logisch begründen. Auch mit einer Continuationbet versuchst du alle oben genannten Ziele zu verwirklichen:

  • Extrahierung von Value mit einer starken Hand
  • Foldequity gegen bessere Hände als Bluff oder Semibluff
  • Protection gegen drawing Hands
  • Balancing

Durch eine Continuationbet mit 2/3-Potsizebet ist ein perfektes Balancing gewährleistet. Dein Gegner kann daraus nicht ableiten, ob du nun eine starke Hand hältst oder nicht.

Du könntest natürlich auch jedes Mal 1/4-Potsize setzen. Die Auswirkungen wären allerdings negativ.

  • Die Foldequity wird geringer und es verbleiben vermehrt Hände im Pot, die du gerne eliminiert hättest.
  • Du extrahierst weniger Value mit deinen made Hands.
  • Du lieferst deinen Gegnern so gute Odds, dass viele mit drawing Hands im Spiel bleiben und damit keine inkorrekten Calls machen können.

Diese Faktoren gilt es zu vermeiden. Eine Bet sollte nicht nur gebalanct sein, sondern auch alle möglichen Eventualitäten abdecken. Gerade wenn du als Bluff bettest, muss dir klar sein, dass dein Gegner auch tatsächlich häufig genug folden muss, damit diese Bet einen positiven Erwartungswert besitzt (+EV).

Gleichzeitig sollen schlechtere Hände aber auch einen Call tätigen, dabei aber weder mit einer zu kleinen, noch einer viel zu großen Bet konfrontiert werden.

Betrachte die 2/3-Potsize Continuationbet in einem Beispiel als Bluffbet:

In einen 6$ Pot würdest du beispielsweise 4$ betten. Du setzt also 4$, um 6$ zu gewinnen. Das bedeutet, dein Gegner muss nur in 40% der Fälle folden, damit diese Bet auf „+/- Null“ hinausläuft. Wenn er in fünf Fällen zweimal foldet, gewinnst du jeweils den Pot von 6$ (insgesamt 12$). Wenn du dreimal gecallt wirst, verlierst du jeweils 4$ (insgesamt 12$).

Dieser Wert ist also als vernünftig einzustufen. Was würde passieren, wenn du stattdessen Potsize setzen würdest? Dein Gegner wird wesentlich häufiger folden. Setzt du jedoch nur 1/4-Potsize, wird er angesicht der Odds selten das Feld räumen oder gar zu Bluffraises animiert werden.

Vieles spricht in den meisten Fällen also für eine 2/3-Potsizebet. Sie erzielt einerseits genügend Foldequity und muss als Pure Bluff nicht allzu häufig funktionieren, extrahiert dafür aber ansehnlichen Value (mit made Hands) von schlechteren Händen (die bei diesen „normalen“ Odds gerne noch mal einen Call tätigen) und geben gleichzeitig einem gegnerischen Draw keine guten Odds (bei einer 2/3-Potsizebet bekommt dein Gegner Pot Odds von 2,5 zu 1).

Balancing der Overbet – Stärke oder Schwäche signalisieren?

Neben der Frage, ob du for Value oder als Bluff bettest, stellt sich natürlich auch die Frage, ob du eine Overbet auch balancen kannst. Dies wird in erster Linie dann erforderlich, wenn du die Overbet häufiger in dein Spiel einfließen lässt und dabei mehrfach auf die gleichen Gegner triffst.

Der Idealzustand ist es, wenn dein Gegner aus der Betsize nichts ablesen kann. Da dies aber nicht nur von deiner Betsize abhängig ist, sondern auch davon wie dein Gegner dich einschätzt, ist dies schwer zu gewährleisten.

Betrachte die Overbet als Aussage. Sie wird dir entweder als große Stärke angerechnet, mit der du maximales Value aus deiner top Hand herausholen willst, oder als große Schwäche ausgelegt, mit der du nur bluffst, um eine größtmögliche Foldequity zu erzeugen.

Overbets preflop

Betrachte nun die erste zu spielende Street – das Preflopgame. Schon hier hast du die Möglichkeiten zu einer Overbet, jedoch meist nur in der Form eines Preflopshoves.

Es ist wenig sinnvoll mit irgendeiner Hand für 100 Big Blinds nach einem einfachen Raise eine solch hohe 3-Bet zu platzieren, dass man sie als Overbet katalogisieren könnte. Diese Situationen kommen zu häufig vor und hier von der „standardmäßigen“ Bet- bzw. Raisesize abzuweichen, macht wenig Sinn. Zudem bekämst du natürlich massive Probleme mit dem Balancing.

Es gibt jedoch durchaus Spots, in denen der Prefloppush Sinn ergibt, obwohl man die Optionen eines normalen Raises oder einer normalen 3-Bet hätte. Das folgende Beispiel beschäftigt sich mit diesen Möglichkeiten. Neben der Fragestellung, ob dies for Value oder als Bluff geschieht, steht auch das Balancing im Fokus.

Beispiele Overbets preflop
BEISPIEL 2: Spiel gegen Shortstack

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
Hero (SB) ($25)
BB ($6) (20/6/1.0/31/400) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is SB with A, Q
4 folds, Hero raises All-In, BB folds

In diesem ersten Beispiel geht es um das Spiel gegen einen loosen Shortstack. Natürlich bestünde auch hier die Option eines normalen Raises, jedoch kannst du in solchen Situationen auch direkt pushen.

Im Gegensatz zum Spiel gegen eine tighte Callingstation erzeugt hier ein kleines Raise preflop meistens nicht ausreichend Foldequity. Hätte der Shortstack VPIP/PFR-Werte von 10/8, so könntest du darüber nachdenken, jedes Mal auf 3BB zu openraisen und dadurch viele kleine Pötte zu gewinnen.

Dieser Spielertyp wird jedoch eher loose callen und am Flop stündest du out of Position vor einer schweren Entscheidung. Daher bietet sich die Option an, den Positionsnachteil vergessen zu machen, insbesondere auch deshalb, da dir postflop auch die Möglichkeiten fehlen, solch einen Spieler auszuspielen. Neben dem Nachteil der Position kannst du natürlich auch gegen seinen Stack nicht viel machen. Eine Turnbet als Bluff ist kaum ratsam, da du ihn damit beinahe All-In setzen würdest.

Du kannst dies umgehen, indem du spielbare Hände direkt pushst. In erster Linie tust du das natürlich for Value: Du siehst dich vorne und gehst davon aus, dass hier auch häufig schwächere Hände einen Call finden.

Balancing ist in diesem Fall recht einfach, da alle anderen vier Spieler direkt folden und du first in im Small Blind entscheidest ob du pushst oder foldest.

BEISPIEL 3: Spiel gegen Squeezer

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero (CO) ($25)
BU ($25) (30/17/2.0/32/700) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (22/19/3.5/27/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is CO with A, K
2 folds, Hero raises to $1.00, BU calls $1.00, SB folds, BB raises to $4.50, Hero raises All-In...

Hier triffst du auf eine recht häufig vorkommende Hand. Du openraist eine starke Hand, bekommst einen Call und jemand dahinter entscheidet sich für einen Squeeze.

Du stehst nun zunächst vor der Frage, wie du mit deiner Hand weiter agierst. Dass solch ein Spielertyp (Big Blind) häufiger squeezen wird, könnte man sich auch ohne den direkten Bezug zu weiteren Stats oder Reads denken. Der Button hingegen wird ohnehin viel callen, auch gegen seine Range solltest du vorne liegen.

Du entscheidest dich bei dieser Hand auf jeden Fall broke zu gehen, was bei AK eine Mischung aus Value und Bluff darstellt. AK steht von der Equity betrachtet meistens gut im Rennen, jedoch hättest du auch kein Problem damit, wenn eine bessere Hand (z.B. any Pocketpair) einen Fold finden würde.

Nun bleibt nur noch folgende Frage übrig: Wie bekommst du am elegantesten dein Geld in die Mitte? Eine 4-Bet platzieren oder direkt pushen? In dieser Situation bietet sich aus folgendem Grund ein Push an: Solltest du openraisen und bekommst von Spieler X eine 3-Bet vorgesetzt, so hast du im Normalfall drei Möglichkeiten. Entweder du foldest, du callst oder du 4-bettest ihn.

Womit du jedoch 4-bettest, ist völlig offen. Du kannst dies for Value tun, oder auch als Bluff. Um auch als Bluff 4-betten zu können, musst du eine 4-Betsize wählen, mit der du auf einen möglichen Push deines Gegners noch folden kannst. Hierbei hat sich grob die Größe des 2,5-fachen der 3-Bet durchgesetzt.

Dies würde bedeuten: 4BB Openraise => 12BB 3-Bet => 30BB 4-Bet.

Villain steht nun vor einer schweren Entscheidung. Sollte er pushen, so müsstest du noch 70BB nachlegen um an einem 200BB Pot beteiligt zu sein und bräuchtest dafür 35% Equity.

Für AKo bedeutet dies einen Call gegen eine sehr tighte Range.

Equityanalyse
  Equity Win  Split Loss Hand
Spieler 1 61,176% 40,496% 41,359% 18,145% QQ+, AKs, AKo 
Spieler 2 38,824% 18,145% 41,359% 40,496% AKo

…für einen reinen Bluff einen Fold…

Equityanalyse
  Equity Win  Split Loss Hand
Spieler 1 68,856% 68,635% 0,443% 30,922% QQ+, AKs, AKo 
Spieler 2 31,144% 30,922% 0,443% 68,635% 65s

Du siehst aber, dass auch ein Bluff gut performt, wenn du dir durch deine 4-Bet falsche Odds herbeizauberst. Angenommen du 4-bettest so hoch, dass du deinen halben Stack bereits reingestellt hast und nur noch so wenig nachzahlen müsstest, dass dir 25% Equity ausreichen, so kannst du im Grunde nicht mehr folden. Das ist aber nicht der Sinn deiner Bet.

Schlag nun den Bogen zurück zu obigem Beispiel. Durch den Squeeze ist der Pot schon deutlich größer geworden. Nicht nur durch die zusätzlichen 4BB des Callers im Pot, sondern auch durch die daraus resultierende höhere Betsize. Angenommen du würdest jetzt auf das 2,5-fache 4-betten:

  • 4BB Openraise / 4BB Call => 18BB 3-Bet => 45BB 4-Bet (das 2,5-fache der 3-Bet)

Du hättest das Problem, nur noch 27,5% Equity zu benötigen. Die Folge daraus: Durch eine recht hohe 4-Bet in der Höhe des 2,5-fachen der 3-Bet kannst du nicht 4-bet/fold spielen.

Deinem Gegner ist klar, dass du nach solch einer hohen 4-Bet ohnehin nicht mehr folden kannst. Daraus resultierend wird sich dein Gegenspieler bei einem Push seinerseits keinerlei Foldequity mehr ausrechnen können. Daher ist ein direkter Push, einer so hohen 4-Bet vorzuziehen.

Du beziehst also in solchen Spots die Overbet als Variante des Pushes in dein Play mit ein. Das Balancing ergibt sich dabei von selbst: Du pusht jede Hand mit der du All-In gehen möchtest, egal ob als Bluff oder for Value.

BEISPIEL 4: Spiel gegen Midstacks

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero (BU) ($25)
SB ($25)
BB ($15) (25/25/4.5/22/100) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is BU with J, J
3 folds, Hero raises to $1.00, SB folds, BB raises to $3.00, Hero raises All-In

Im letzten Beispiel des Preflopplays werden die ersten beiden Beispiele quasi zusammengeführt. Warum du gegen solche Spieler eher pushen solltest, wurde in Beispiel 2 bereits erläutert. Warum eine kleinere 4-Bet hier nicht viel Sinn ergibt, kannst du Beispiel 3 entnehmen. Etwas anderes als einen Push kannst du in dieser Situation im Grunde kaum balancen, wenn ohnehin klar ist, dass du nach einer 4-Bet nicht mehr die Segel streichen kannst.

Entscheidest du dich broke zu gehen, solltest du auch gegen solche Midstack-Spieler nach einer 3-Bet den direkten Weg zum All-In finden und overbetten.

Overbets am Flop

Während preflop die meisten Handlungen noch auf Mathematik basieren, so ist das Spiel am Flop natürlich um einiges schwieriger.

  • Du könntest out of Position agieren
  • Du könntest in einem multiway Pot spielen
  • Du kannst deine Handstärke nicht direkt definieren
  • Neben Value und Bluff musst du auch wichtige Aspekte wie Semibluff, Protection oder gar Potcontrol berücksichtigen (dass bspw. Potcontrol mit einer Overbet nicht vereinbar ist, sollte klar sein)

Du überlegst also zunächst, wo du dich in der betreffenden Hand siehst und kannst dir erst danach Gedanken über eine Overbet machen.

Einer der zu beachtenden Hauptaspekte ist dabei sicherlich die Protection. Gerade in multiway Pots ist es sinnvoll schon am Flop den Sack zuzumachen und durch eine Overbet (bzw. einen Push) deinen Gegnern die Odds dermaßen zu verhageln, dass sie quasi zu Fehlern gezwungen werden.

Dies ist vor allem dann angebracht, wenn du deinen Gegnern solche Fehler zutraust und es gleichzeitig sehr viele Karten gibt, die du am Turn nicht sehen willst. Unabhängig davon, ob dir diese Karten wirklich gefährlich werden könnten, denn sie könnten auch die Zahlungsbereitschaft negativ beeinträchtigen.

Beispiele Overbets Flop:
BEISPIEL 5: Protection

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero (BU) ($25)
SB ($25) (30/10/1.5/30/1000) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25) (24/12/2.5/31/1000) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is BU with A , A
3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, BB calls $1.00

Flop: ($3.00) 4, 5, A (3 players)
SB bets $2.25, BB calls $2.25, Hero raises All-in

Du hast es hier mit zwei Spielern zu tun, die sich nur ungern von einer made Hand oder einem starken Draw trennen. Der Sinn der Overbet bzw. des Pushes ist klar: Value und Protection.

Hier sollen dich schwächere Hände callen und gleichzeitig gibt es viele Karten am Turn, die dir nicht gefallen. Wie weiter oben bereits erwähnt, bedeutet auch hier ein viertes am Turn natürlich nicht automatisch dass du beat bist. Dennoch kannst du kaum noch for Value betten und selbst starke made Hands bei deinen Gegnern, wie bspw. 44/55/45/A4/A5, könnten sich dann aus der Hand verabschieden.

Dies möchtest du natürlich verhindern und solltest daher größtmögliche Aggressivität am Flop zeigen.

BEISPIEL 6: Semibluff

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25) (24/19/2.9/28/1200) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero (BU) ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with A , K
2 folds, CO raises to $1.00, Hero raises to $3.00, 2 folds, CO calls $3.00

Flop: ($6.35) 2, 2, 6 (2 players)
CO bets $4.00, Hero raises All-in

In diesem Spot geht es nicht primär um Value und Protection, sondern das Spiel der Hand als Semibluff. Du möchtest Foldequity gegen bessere Hände erzeugen, hättest aber auch kein Problem damit, wenn dein Gegner mit einer mittelstarken Hand einen Call finden sollte:

Equityanalyse
Board 2, 2, 6
  Equity Win  Split Loss Hand
Spieler 1 48,687% 48,687% 0,000% 51,313% A, K
Spieler 2 51,313% 51,313% 0,000% 48,687% 99-JJ

Das Balancing sollte nicht schwer fallen, da du auch mit starken made Hands diese Line wählen kannst. Du wirst deinem Gegner nur schwer verkaufen können, dass du hier im 3-bettet Pot als Preflop-Aggressor die Line raise/fold wählen möchtest, da du dir natürlich selber recht gute Odds auf einen Call gibst. Daher kannst du in solchen Spots direkt pushen, was dir Vorteil beschert, ein hohes Maß an Foldequity zu besitzen.

Noch wichtiger mag die Foldequity aber in folgendem Beispiel sein:

BEISPIEL 7: Bluff

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25) (24/19/2.9/28/1200) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero (BU) ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 4 , 5
2 folds, CO raises to $1.00, Hero raises to $3.00, 2 folds, CO calls $3.00

Flop: ($6.35) Q, 7, 3 (2 players)
CO bets $4.00, Hero raises All-in

Du setzt hier natürlich ausschließlich auf die Foldequity und spielst die Hand somit als reinen Bluff. Solche Plays solltest du nicht häufig gegen unbekannte Gegner spielen, daher ist dieses Beispiel mit Vorsicht zu genießen. Jedoch hast du dich hier aufgrund deines Gegners sowie der gesammelten Reads für einen Bluff entschieden und überlegst nun, wie du ihn am profitabelsten umsetzen könntest.

Und schon schließt sich der Kreis am Flop, denn wer jetzt behauptet, ein normaler Raise wäre besser, da ein Push zu „offensichtlich“ sei, hat nicht beobachtet, dass du solche Overbets am Flop auch gut mit starken made Hands for Protection (und Value), mit starken Draws als Semibluff oder gar mal als Pure Bluff spielen kannst.

Somit ergibt sich das Balancing von alleine und du brauchst quasi nur noch in jedem Spot darauf zu achten, welchen Sinn deine Overbet erfüllen soll, und ob die Randbedingungen dafür in Ordnung sind (Board, Anzahl der Gegner, Art der Gegner).

Spiel gegen Shorties und Midstacks

Da du nun das Spiel gegen Bigstacks gesehen hast, sollte es nahezu logisch sein, dass du gerade gegen kleinere Stacks noch eher bereit bist durch eine Overbet deinen ganzen Stack in die Mitte zu schieben. Vorsichtig musst du natürlich nur bei den Midstack Callingstations sein, sofern du recht häufig Bluffs in Erwägung ziehst.

Neben ihrer ohnehin kaum vorhandenen Bereitschaft eine made Hand zu folden, bekommen sie natürlich aufgrund ihres kleinen Stacks immer bessere Odds auf einen Call. Ein umstrittenes Play wie in Beispiel 7 solltest du dir also gegen solche Spieler eher ersparen.

Definitiv dabei sein sollten jedoch Semibluffs. Du wirst kaum drum herum kommen auch diese aggressiv gegen die kleineren Stacks zu spielen und durch die Overbet ein maximales Maß an Foldequity zu erzeugen.

Overbets am Turn

Für die Overbets am Turn sind keine weiteren Beispiele nötig. Die Hauptpunkte

  • Value
  • Bluff
  • Semibluff
  • Protection

haben natürlich auch hier die gleiche Wichtigkeit wie am Flop.

Zu beachten ist natürlich, dass sich die Verhältnisse etwas ändern. Eine Valuebet bleibt eine Valuebet, aber bei den anderen drei Faktoren musst du natürlich beachten, dass nur noch eine Street aussteht und die Reststacks kleiner geworden sind.

Somit muss ein Bluff schon eine recht hohe Foldequity nach sich ziehen, gleichzeitig muss aber hinterfragt werden, warum die Overbet nicht bereits am Flop gesetzt worden ist. Macht die erzählte Geschichte so einen Sinn?

Ähnliches gilt natürlich für den Semibluff. Hier muss ebenso berücksichtigt werden, dass deine Equity bei nur noch einer ausstehenden Street schlechter geworden ist (solltest du natürlich gehittet haben, kannst du die Overbet als Valuebet platzieren).

Overbets am River

Overbets am River müssen nun noch gesondert betrachtet werden.

Zu allererst ist natürlich eines klar: Es gibt nur zwei Gründe, am River eine Overbet zu platzieren:

  • als Bluff
  • for Value

Semibluffs und Protection haben nun keine Bewandtnis mehr, da es keine weiteren Karten mehr geben wird. Dir und deinem Gegner ist somit klar, dass eine Overbet am River entweder maximale Foldequity gegen eine bessere Hand erzielen will oder aber maximales Value von einer schwächeren Hand extrahieren möchte.

In erste Linie ist dies natürlich von deinem Gegner abhängig. Eine Overbet for Value ist gegen eine Callingstation sicherlich am ehesten angebracht, eine Overbet als Bluff eher gegen einen tighten Gegner, idealerweise einen Rock, der am River tatsächlich noch made Hands weglegen kann.

Um einen Rivershove for Value möglichst profitabel zu gestalten, sollten einige Randbedingungen erfüllt werden:

  • Deine Hand sollte sehr stark sein
  • Der Gegner muss in der Lage sein, schwächere Hände zu callen
  • Das Board bietet idealerweise massenhaft Möglichkeiten eine gute Hand zu halten
  • Gut geeignet sind dort bspw. Flush auf Straightboard oder Full House auf Flushboard
Beispiele für Overbets am River
BEISPIEL 8: For Value

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero (BU) ($25)
SB ($25) (30/10/0.9/32/1100) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 8 , 8
3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold

Flop: ($2.25) 5, 6, 7 (2 players)
SB checks, Hero bets $1.50 , SB calls

Turn: ($5.25) 6 (2 players)
SB checks, Hero bets $3.50 , SB calls

River: ($12.25) 8 (2 players)
SB checks, Hero bets All-in

Dies ist das ideale Beispiel. Du hast es mit einem loosen Gegner zu tun, der gerne bereit ist, sich den Showdown anzusehen. Am River hältst du nun quasi die Nuts, gleichzeitig gibt es massig Hände die dein Gegner hier wohl kaum noch weglegen dürfte. Das fängt bei einer Straight an, geht über den Flush bis hin zu kleineren Full House Händen. Nicht zu vergessen, dass bei solchen Gegnern auch Hände wie TT+ / 6x etc. keine Seltenheit sind.

Wenig davon wird er noch folden, auf jeden Fall so wenig, dass sich ein Push hier rentieren sollte.

Die Frage nach dem Balancing stellt sich hier nur sekundär.

  • Dein Gegner ist ein Fisch
  • Ihr werdet – verhältnismäßig gesehen - selten am River spielen (zumindest deutlich seltener als preflop oder am Flop)
  • Die besseren Spieler am Tisch sehen, dass du hier einfach Value von Mr. Callingstation extrahierst und werden sich daraufhin eher selten einen Read bilden, weil sie der Meinung sein könnten, du würdest gegen sie genauso spielen.

Balancing steht hier demnach hinten an, denn gegen diesen Gegner ist ein Riverbluff mit einer schwachen Hand wohl nicht wirklich sinnvoll.

BEISPIEL 9: Als Bluff

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
Hero (MP) ($25)
CO ($25) (15/12/2.0/25/1550) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is MP with 6 , 7
1 fold, Hero raises to $1.00, CO calls $1.00, 3 folds

Flop: ($2.35) 9, 8, 3 (2 players)
Hero bets $1.50 , SB calls

Turn: ($5.35) K (2 players)
Hero bets $3.50 , SB calls

River: ($12.35) A (2 players)
Hero bets All-in , SB folds

In diesem Fall sehen die Vorzeichen anders aus. Du kannst am River keine made Hand vorweisen, gleichzeitig hast du es aber mit einem Gegner zu tun, dem du durchaus zutrauen kannst sich am River noch von einer schwächeren made Hand zu trennen.

Hier möchtest du maximale Foldequity erzeugen und deinen Gegner dazu zwingen, bessere Hände wegzulegen. Sicherlich hilft dir dabei die Boardentwicklung, denn die Turn- und Rivercard kannst du jeweils recht gut als Scarecard benutzen.

Ein Bluff macht hier auch Sinn, da du selber am Showdown nichts schlagen wirst. Auf diesem Board sind auch massenhaft Draws möglich, gegen die du aber hinten liegst (bspw. JTo, Q J etc.).

Möglich sind aber auch drawing Hands, die ein Ass beinhalten (bspw. A 5 ) und nun am River zum Toppair improved haben. Auch diesen Händen willst du keine leichte Entscheidung ermöglichen und daher das maximale Maß an Foldequity herbeiführen.

Overbets in unraised Pots:

Einen weiteren Vorteil von Overbets findest du in unraised Pots gegen schwache Gegner. Gegenüber einem Preflop standardmäßig bereits erhöhtem Pot haben diese Bets in erster Linie zwei Ziele:

  • Value
  • Potbuilding

Schwache Gegner machen ihre Fehler schon im Preflopplay und vergessen dort auch mit starken Händen zu protecten. Postflop trennen sie sich dann nur noch ganz schwer von einer made Hand. Bei solchen Gegnern musst du versuchen, so viel Value wie möglich zu extrahieren und kannst die Overbet gezielt einsetzen.

Jede Overbet macht den Pot für die folgende Street deutlich höher, so dass du hier einen Riesenunterschied feststellen wirst. Gemeint sind damit auch „einfache Overbets“, die beispielsweise im Bereich des 1,2 – 1,5-fachen des aktuellen Pots liegen.

Zum Vergleich nun zwei Hände gegen den gleichen Gegner, bei denen du den großen Unterschied zwischen einer normalen Bet und einer Overbet feststellen wirst.

Beispiele für Overbets in unraised Pots
BEISPIEL 10: Value gegen CS mit normalen Bets

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25) (40/5/1.0/33/600) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
MP ($25)
CO ($25) (37/2/0.8/35/750) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25)
SB ($25)
Hero (BB) ($25)

Preflop: Hero is BB with T , 7
UTG calls $0.25, 1 fold, CO calls $0.25, 2 folds, Hero checks

Flop: ($0.85) T, 7, 4 (3 players)
Hero bets $0.65, 1 fold, CO calls $0.65

Turn: ($2.15) 7 (2 players)
Hero bets $1.50 , CO calls $1.50

River: ($5.15) 5 (2 players)
Hero bets $4.00 , CO calls $4.00

Final Pot: $13.15

BEISPIEL 11: Value gegen CS mit kleinen Overbets

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25) (40/5/1.0/33/600) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
MP ($25)
CO ($25) (37/2/0.8/35/750) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25)
SB ($25)
Hero (BB) ($25)

Preflop: Hero is BB with T , 7
UTG calls $0.25, 1 fold, CO calls $0.25, 2 folds, Hero checks

Flop: ($0.85) T, 7, 4 (3 players)
Hero bets $1.30, 1 fold, CO calls $1.30

Turn: ($3.45) 7 (2 players)
Hero bets $5.00 , CO calls $5.00

River: ($13.45) 5 (2 players)
Hero bets $18.45 (All-in) , CO calls $18.45

Final Pot: $50.35

Der Unterschied zwischen Pot 1 und Pot 2 ist extrem. Auf jeder Street hast du nur „etwas“ über Pot gebettet, du bist nicht einmal über das 1,5-fache des aktuellen Pots gekommen. Dennoch gelingt es dir dadurch, anstatt eines 13$-Pot den ganzen Stack deines fischigen Gegners zu gewinnen.

Die Frage ist: Womit callt er hier runter? Lohnt sich das?

Bei solchen Spielern gibt es zwei wichtige Faktoren. Einer wurde oben bereits genannt: Ihr Preflopplay ist meistens fehlerhaft, so dass du in solchen Spots nahezu niemals Hände wie AA/KK/QQ/JJ ausschließen kannst. Und die wird so ein Spieler nicht folden.

Zum anderen overplayen diese Spieler gerne ihr Toppairs. Er wird zwar selbst mit Händen wie AT/KT- keine sonderlich große Action zeigen wollen, jedoch wird er diese Hand auch nur ungern folden.

Alleine gegen diese Hände hast du mit Sicherheit das Ziel so hoch wie möglich zu betten und den Pot so anwachsen zu lassen, dass es dir tatsächlich gelingt am River den ganzen Reststack in die Mitte zu schieben.

Besonderheiten in unraised Pots:

Wenn du dir diese Argumente durch den Kopf gehen lässt, ist es wohl offensichtlich, dass dieses Play sich in erster Linie gegen Spieler lohnt, die zu viel runtercallen oder evtl. gerne moven. Sprich in erster Linie ist die Callingstation das geeignete Opfer dafür, ab und an könnte auch ein Maniac Ziel dieses Plays sein.

Neben dem Valueplay sowie des Potbuildings protectest du natürlich auch deine Hand. Ein Problem ergibt sich aber dabei, dass du mit einer unfertigen Hand – wie beispielsweise einem Flushdraw – nicht mal sicher sein kannst durch Overbets den Pot häufig genug mitzunehmen.

Dies heißt, dass du mit einem Draw eher passiv spielen und dir Pure Bluffs in unraised Pots gegen womöglich mehrere schlechte Spieler komplett sparen solltest. Somit besteht auf der anderen Seite das indirekte Problem, dass du dieses Play nicht balancen kannst. Eine Overbet in einem unraised Pot bei dem du bis zum River versuchst möglichst All-In zu kommen, wird nahezu immer ein Valueplay sein.

Dies ist aber nicht schlimm, gegen solche Spieler brauchst du nichts zu balancen, sondern solltest einfach das straightforward Spiel durchziehen. Vernachlässige hier das Balancing, den Fisch wirst du evtl. sowieso nie wieder sehen und selbst wenn, wird er auf solche Sachen meistens nicht achten.

Zusammenfassung

Du hast heute Vor- und Nachteile sowie Einsatzgebiete der Overbet kennengelernt. Sie mag eine hilfreiche Waffe sein, jedoch musst du dir immer Gedanken machen wozu du sie einsetzt. Value, Protection, Bluff, Semibluff oder Potbuilding können jeweils Argumente sein, müssen aber auch gegeneinander abgewogen werden.

Gerade gegen gute Spieler solltest du dabei auf das Balancing achten, in aller erster Linie bei Lines die das Preflop- oder Flopplay betreffen, da diese Spots recht häufig auftreten. Benutze die Overbet bzw. den Push nicht nur als (Semi-)Bluff oder nur for Value, sondern balance es.

Im letzten Teil hast du jedoch gesehen, dass es gerade gegen callfreudige schwache Spieler wenig Sinn macht irgendwas balancen zu wollen. Dort kannst du straightforward auf Potbuilding spielen und einfach versuchen, aus dieser einen Hand den maximal möglichen Value herauszuholen.