Bankrollmanagement für Fortgeschrittene
Einleitung
In diesem Artikel
- Wann du für Shorthanded bereit bist.
- Wann du für ein neues Limit bereit bist.
- Der Sinn und Unsinn von Cashouts.
Mit Erreichen des Silberstatus hast du schon einige Erfahrungen gesammelt und sicher auch schon das Wechselspiel von Up- und Downswings kennen gelernt. Dein wichtigstes Werkzeug beim Aufstieg in den Limits ist und bleibt dein Bankrollmanagement.
Dieser Artikel geht noch einmal in die Tiefe und bespricht Themen wie:
- Wann bist du bereit für Shorthanded-Tische?
- Wann bist du bereit für einen Limitaufstieg?
- Was spricht für und gegen Cashouts?
Grundlage ist, dass du den Bankrollmanagement-Artikel aus der Einsteigersektion gelesen und verstanden hast.
Gehe zum Artikel: Bankrollmanagement – Wie gehst du deinen Weg?
Wann bist du bereit für Shorthanded?
Nicht erst seit kurzem geht der Trend klar zu Shorthanded. Diese Spiele sind actionreicher, fischiger und nicht zuletzt für gute Spieler profitabler. Zudem nimmt mit steigendem Limit die Zahl der Fullring-Tische mehr und mehr ab.
Bei einem vorschnellen Wechsel von Fullring zu Shorthanded kannst du dir aber leicht eine blutige Nase holen, denn die Anforderungen an dich als Pokerspieler und die Swings werden größer. Bevor du also wechselst, solltest du …
- … die Artikel der Bronze- und Silbersektion verstanden haben.
- … ein ausreichendes finanzielles Polster (min. 500 BB) besitzen.
- … dich mental bereit fühlen. Bist du auf scared Money oder rätst du fortwährend, anstatt zu wissen, solltest du erst einmal die Finger davon lassen und dein Pokerwissen ausbauen.
Eine gute Einführung in das Spiel an Shorthanded-Tischen erhältst du im folgenden Artikel:
Gehe zum Artikel: Wie spielst du shorthanded?
Den Wechsel solltest du frühestens auf dem Limit $0.50/$1.00 vollziehen. Dementsprechend benötigst du eine Bankroll von $500, ruhig auch ein wenig mehr.
Die zunehmende Action und die gehäuften marginaleren Spots an Shorthanded-Tischen können zudem stark an den Nerven zehren. Tilt tritt an 6max-Tischen weitaus leichter ein. Bist du dafür anfällig, und fast jeder ist auf irgendeine Weise anfällig für Tilt, dann wirf einen Blick in die Psychologieartikel und -videos.
Gehe zu den Psycholgieartikeln
Wann bist du bereit für einen Limitaufstieg?
Auch wenn Poker viel Spaß bereiten kann, ist das Hochspielen der eigenen Bankroll auf den kleinen Limits auch ein notwendiges Übel. Das richtige Geld kommt erst noch und bis dahin heißt es, Geduld und Disziplin zu beweisen. Wem es schon auf $0.25/$0.50 ständig in den Fingern juckt, der wird auf $5/$10 auch nicht weit kommen.
Ein Limitaufstieg ist immer ein besonderer Schritt für einen Pokerspieler. Die Einsätze steigen, die Gewinne steigen, die Verluste steigen und die Art der Spieler ändert sich. Dementsprechend solltest du es dir zur Gewohnheit machen, einen Limitaufstieg nicht einfach so nebenbei vorzunehmen, sondern dir ganz bewusst folgende Fragen stellen:
- Habe ich genügend Geld für das Limit?
- Fühle ich mich mental dem Limit gewachsen?
- Bin ich dem Limit spielerisch gewachsen?
- Wann werde ich absteigen?
Die allgemeinen Regeln sind dir bekannt:
- Für Fullring brauchst du mindestens 300 Big Bets.
- Für Shorthanded brauchst du mindestens 500 Big Bets.
Doch sind das allgemeine Regeln, die du noch an deine persönlichen Bedürfnisse anpassen musst. Insbesondere von Bedeutung ist dabei das Polster, das du haben möchtest, um bei einem Downswing nicht sofort wieder absteigen zu müssen.
Es spielt sich tatsächlich leichter und befreiter, wenn man nicht immer die Abstiegsgrenze vor Augen hat. Möchtest du dich sauber auf einem Limit etablieren und gestehst du dir Anfangsverluste zu, solltest du ein größeres Polster besitzen.
Der Umstieg auf ein neues Limit bringt immer Veränderungen mit sich und oft auch Anpassungsschwierigkeiten, mithin Verluste. Mach dir in dieser Hinsicht nichts vor und berechne diese Umstellungsprobleme ein.
Sei auch ehrlich in der Frage, und zieh da auch deine bisherige Erfahrung heran: Bin ich diszipliniert genug, dann im Limit abzusteigen, wenn ich es sollte? Hast du bisherige Abstiege hinausgezögert oder bist du bei nüchterner Betrachtung eher nicht der Typ, der leicht mit Rückschlägen umgeht, dann wähle dein finanzielles Polster größer.
Du kannst dann ein straffes Bankrollmanagement durchziehen, wenn du wirklich der Spielertyp dafür bist, mit Rückschlägen umzugehen weißt und die Disziplin hast, Limitabstiege dann vorzunehmen, wenn sie notwendig sind.
Es gibt tatsächlich Spieler, die sich bis zu einem bestimmten Limit hochgearbeitet haben, dort seit Jahr und Tag solide Gewinne einfahren, aber kein höheres Limit in Angriff nehmen, weil sie sich da unwohl fühlen, auf scared Money spielen, sich den Gegnern nicht gewachsen fühlen, etc.
Das sind Extremfälle, doch sie weisen auf ein wesentliches Konzept im Poker: Die Komfortzone. Die Bankrollgrenzen für Limitauf- und abstiege sind nur nackte Zahlen. Es zählt aber noch mehr, das psychologische Bankrollmanagement.
Spiele das Limit, auf dem du dich wohl fühlst und auf dem du in der Lage bist, dein A-Game abzuliefern. Dieses Limit liegt in deiner Komfortzone.
Sobald du anfängst, dauernd auf deinen Kontostand zu schauen, dem Geld nachzutrauern, das du in die Mitte schiebst, oder gehemmt bist, den richtigen Spielzug zu machen, spielst du nicht mehr in deiner Komfortzone.
In deiner Komfortzone zu spielen bedeutet, gutes Poker im Rahmen deiner Möglichkeiten abzuliefern und dass es dir letztlich egal sein kann, ob du gewinnst oder verlierst. Denn obwohl es ein etwas abgedroschener Spruch sein mag: Gewinne sind nur eine Nebenwirkung von gutem Poker.
Von nichts kommt nichts, das wusste man schon zu Großmutters Zeiten. Es ist zwar relativ einfach, sich das notwendige Pokerwissen für die Micro- und Low-Limits anzueignen, doch irgendwann reicht das nicht mehr.
Besonders ein Limitaufstieg birgt in dieser Hinsicht Gefahren, gleichwohl nicht auf jedem Limit. Du wirst mit zunehmendem Limit mehr und mehr Spieler treffen, die genauso gut wie du oder sogar besser als du sind. Ebenso verändern sich allgemeine Spielweisen, du triffst auf andere Tischkonstellationen und stehst vor schwierigeren Entscheidungen.
Nicht immer müssen es große Verluste sein, die dich darauf hinweisen, dass du spielerisch noch nicht bereit für ein Limit bist. Findest du dich immer wieder in toughen Spots, in denen du mit deinem Latein am Ende bist, kann das ebenfalls ein Zeichen sein. Findest du trotz guter Tableselection nicht ausreichend Fische, ist dein Pokerraum entweder stark unterfrequentiert oder du bist der Fisch.
Gerade PokerStrategy bietet in Hinsicht auf Fixed Limit das derzeit wohl umfassendste Lehrmaterial. Das Problem: Du musst es nutzen. Hier mal ein Artikel, da mal ein Video und abends mal ein Coaching mitgehen, das ist besser als nichts, aber auch kaum mehr. Beschäftige dich intensiv mit den Lehrangeboten, setze dir nicht nur Bankroll- sondern auch Lernziele.
Und bevor du einen Limitaufstieg in Angriff nimmst, hilft es schon, sich ein paar Abende einmal das Spiel auf dem anvisierten Limit nur anzuschauen und damit vertraut zu machen, wie da so gespielt wird. Wenn du ehrlich sagen kannst: Der macht das deshalb und am besten macht man darauf das, dann bist du bereit.
Vor jedem neuen Aufstieg solltest du schon zuvor ganz klar eine Grenze festlegen, ab der du wieder absteigst. Das ist einerseits schon durch dein Bankrollmanagement vorgegeben, andererseits spielt da aber auch das schon erwähnte finanzielle Polster hinein, das du dir zugestehst.
Wichtig ist, dass du die Abstiegsgrenze klar festlegst, dich daran auch wirklich hältst und sie so wählst, dass du bequem auf dem kleineren Limit weiterspielen kannst. Es nutzt nichts, wenn du normalerweise ein 500-BB-Bankrollmanagement fährst, die Abstiegsgrenze aber bei 300 BB des kleineren Limits festlegst.
Es ist immer möglich, dass du einmal absteigen musst, und dann möchtest du weiterspielen können und dich nicht auf dem kleineren Limit mit einer knapp bemessenen Bankroll wiederfinden, denn dann findest du dich schnell statt nur ein Limit gleich zwei Limits tiefer wieder, solltest du dort nicht sofort die Kurve kriegen, sondern auch nach dem Abstieg noch Verluste einfahren.
Pros und Kontras des Cashouts
Cashouts sind ein wichtiges Thema. Es gibt sehr viele Spieler, die sehr früh in ihrer Pokerkarriere möglichst viel Geld auscashen wollen. Doch sehr häufig sind Cashouts finanziell absolut unklug. Mit dem Geld magst du dir vielleicht etwas leisten und endlich ein handfestes Resultat deiner Bemühungen vor Augen haben, für deine Pokerkarriere ist ein Cashout aber immer noch nur ein finanzieller Rückschritt.
Nimm an, du hast alle Theorieartikel gelesen und verinnerlicht. Du hast das Limit $0.50/$1.00 nachhaltig geschlagen und eine Bankroll von $500 aufgebaut. Dann bist an die Shorthanded-Tische gewechselt. Du schlägst das Spiel solide und deine Bankroll wächst stetig weiter.
Du besuchst regelmäßig Coachings, nimmst an Strategiediskussionen im Forum teil, postest und bewertest Hände in den Beispielhandforen, kurzum du machst all das, was man machen sollte, wenn man möglichst schnell möglichst gut werden will.
Deine Bankroll ist mittlerweile auf $800 angewachsen und du könntest auf $1/$2 aufsteigen, das du sehr wahrscheinlich aufgrund deiner fundierten Pokerkenntnisse schlagen würdest. Doch dann möchtest du dir doch lieber erst einmal etwas leisten, einen neuen Monitor zum Beispiel.
Du cashst $400 aus, übrig bleiben $400 in deiner Bankroll. Damit kannst du bequem $0.50/$1.00 spielen. Das wäre auch in Ordnung, wenn du vorhast, dein halbes Leben auf diesem Limit zuzubringen. Hast du aber vor, dich in die wirklich profitablen Limits ab $2/$4 oder $5/$10 hochzuarbeiten, hat dich dieser Cashout eine Menge wertvoller Zeit gekostet.
Nimm an, deine durchschnittliche Winrate liegt bei 2 BB/100 Hände und du spielst 300 Hände in der Stunde. Auf $0.50/$1.00 machst du damit im Durchschnitt $6 Gewinn pro Stunde. Auf $1/$2 wären es schon $12 die Stunde, auf $2/$4 sogar schon $24 und auf $3/$6 sehr angenehme $36.
Für ein wenig Luxus zwischendurch hast du die Chance aufgegeben, deinen Stundenlohn zu verdoppeln. Mehr noch hast du die Zeit bis zum Erreichen der noch höheren Limits unnötig weiter hinausgezögert und kannst dich jetzt erst einmal wieder für $6 die Stunde abstrampeln, um erneut die Bankroll für das höhere Limit zu erspielen.
Um $400 zu gewinnen, brauchst du …
- … auf $0.50/$1.00 durchschnittlich 67 Stunden.
- … auf $1/$2 durchschnittlich 33 Stunden.
- … auf $2/$4 durchschnittlich 17 Stunden.
- … auf $3/$6 durchschnittlich 11 Stunden
- … auf $5/$10 durchschnittlich 7 Stunden
Je mehr Limits du von deinem angestrebten Gutes-Geld-Limit entfernt bist, desto mehr schadet dir ein Cashout. Je niedriger du spielst, desto mehr Zeit kostet es dich und wenn du nicht vorhast, die Mid- oder Highstakes zu erreichen, wenn du alt und auf Pflegestufe 1 bist, dann solltest du so lange deine Bankroll beisammen halten, wie du noch nicht auf den wirklich profitablen Limits angelangt bist.
Ähnlich wie in der freien Wirtschaft gilt auch beim Pokern: Zeit ist Geld. Wenn es z.B. dein Ziel ist, $5/$10 zu erreichen, dann solltest du im Optimalfall die Limits darunter nicht als Limits ansehen, auf denen du Geld verdienst, sondern als Limits, auf denen du deine Bankroll aufbaust, mit der du dann später auf $5/$10 Geld verdienst.
Es gibt natürlich auch viele Argumente für einen Cashout, auch wenn er für deine Pokerkarriere selbst eher nachteilig ist. Er kann aber besonders in psychologischer Hinsicht Vorteile bringen, etwa um dich zu belohnen oder während eines Downswings zu motivieren.
Folgende Faktoren sprechen für einen Cashout:
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Ich habe ein vorläufiges Ziel erreicht und möchte mich durch einen Cashout belohnen. Ich bin mir natürlich darüber bewusst, dass mein Aufstieg in den Limits dadurch verlangsamt wird, das nehme ich aber gerne in Kauf. Die Belohnung ist mir wichtiger.
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Ich habe einen signifikanten Downswing und habe seit sehr langer Zeit kein Geld mehr ausgecasht. Ein Cashout ist für die eigene Motivation in solchen Situationen oft enorm wichtig. Man muss einfach merken, dass man bares Geld mit Poker erwirtschaftet hat.
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Ich spiele auf einem Limit, wo die Beträge, mit denen ich „arbeite", bereits einen derart hohen Wert für mich haben, dass das sichere ausgecashte Geld meine wirtschaftliche Situation enorm verbessern würde.
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Ich habe einen unglaublichen Upswing erlebt oder einen Jackpot oder ähnliches gewonnen, so dass mir enorm viel Geld zur Verfügung steht. Ich hätte jetzt die Bankroll, um auf Limits zu spielen, denen ich spielerisch aber gar nicht gewachsen bin. Das Geld würde also nur unnütz rumliegen, denn ich spiele keine Limits, auf denen ich der Fisch bin.
Fazit
Das für dich am passendste Bankrollmanagement lässt sich nicht nur an der Größe deiner Bankroll festmachen. Es ist wichtig, dass du dich vor jedem Limitaufstieg fragst, ob du nicht nur finanziell, sondern auch mental und spieltechnisch dem neuen Limit gewachsen bist. Nichts ist schlimmer, als der Fisch am Tisch zu sein.
Die Notwendigkeit des Limitabstiegs sollte dir als schon relativ erfahrenen Spieler schon lange bewusst sein. Sei dir im Klaren darüber, dass ein Abstieg keine Niederlage ist, sondern Teil des großen Spiels. Setze dir klare Grenzen, bei denen du absteigst, und halte dich daran. Insbesondere sollten diese Grenzen so liegen, dass sie nicht das minimal mögliche widerspiegeln, sondern dass du auch nach einem Abstieg bequem weiterspielen kannst.
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