Odds & Outs Advanced
Einleitung
Eines der
wichtigsten Werkzeuge eines angehenden Pokerprofis ist das Konzept
der Odds & Outs. Bereits in der Bronze-Sektion hast du dieses
Thema kennengelernt. Darauf aufbauend soll dir nun in diesem Artikel
gezeigt werden, wie du dieses Konzept präzise mit verschiedenen
Arten von Draws anwendest. Dabei lernst du, welche Rolle
Backdoor-Draws spielen und wie viele Outs du dir dafür geben kannst.
Du lernst, wie du Outs richtig discountest, also abwertest und wie du
die einzelnen Draws, wie Gutshots, Two-Pair-Draws, Top-Pair-Draws
sowie Kombinationen aus verschiedenen Draws richtig bewertest und
korrekt spielst. Nach diesem Artikel wirst du also ein tieferes
Verständnis von Odds & Outs haben und du wirst in der Lage sein,
auf komplexere, und somit präzisere Weise deine Gesamtzahl an Outs
bestimmen zu können. Das wird dir dann letztendlich dabei helfen, in
fast allen Situationen am Tisch profitablere Entscheidungen zu
treffen.
Das Spiel nach Odds & Outs
Bevor wir uns genau mit der Thematik befassen, greifen wir die Tabelle aus dem Bronze-Artikel auf und passen sie ein wenig an.
In der letzten Spalte siehst du nun aufgelistet, welche undiscounted Draws diese Outs und Odds haben. Eine Ausnahme bildet hier der Gutshot. Mit ihm kannst du in bestimmten Situationen schon ab 7:1, statt 11:1, callen. Warum genau das gilt, erfährst du im Laufe des Artikels.
| Outs |
Odds vom Flop zum Turn |
Undiscounted Draws |
| 1.5 | 46:1 | Backdoor-Straight-Draw |
| 2 | 22.5:1 | Backdoor-Flush-Draw |
| 4 |
7:1 |
Gutshot |
| 5 | 8:1 | Draw auf Twopair & Trips |
| 6 | 7:1 | Overcards |
| 8 | 5:1 | Open-Ended-Straight-Draw |
| 9 | 4:1 | Flush-Draw |
Als
erstes sollte nun geklärt werden, um was es in diesem Artikel genau geht. Wie
gehst du an das Spiel nach Odds & Outs genau heran? Schau dir dazu das folgende Beispiel an:
Preflop:
Hero is CO
with T♣
8♣
UTG+2
calls, MP2 calls, MP3 folds,
Hero calls, 2 folds
, BB checks
Flop:
(4,5 SB) A♣
, J♥ , 7♠
(4 players)
BB
checks, UTG+2 checks, MP2 bets, Hero
???
Du steigst nach
einigen Limpern mit einem suited 1-Gapper in die Hand ein und triffst
am Flop einen Gutshot. Als erstes musst du dir die Frage stellen:
Wieviele Outs habe ich? Ein Gutshot hat, wie du im Bronze-Artikel
schon erfahren hast, 4 Outs. Als nächstes musst du herausfinden, ob
ein Call profitabel ist: Dazu bestimmst du die Potgrösse. Der Pot
ist nach MP2's Bet 5.5 SB gross. Nun musst du bestimmen, wie viel du
bezahlen musst, um die nächste Karte zu sehen. Da kein Spieler vor
dem Flop erhöht hat, ist es unwahrscheinlich, dass ein Spieler ein
check/raise versucht. Dementsprechend kannst du damit rechnen, nur
eine Small Bet für die Turn-Karte zu bezahlen.
Als letztes vergleichst du
nun die Pot Odds mit den benötigten Odds und fällst die
Entscheidung call oder fold. Aus der Odds-&-Outs-Tabelle kannst
du ablesen, dass du 7:1 für einen Call brauchst. Das sind mehr als
die Pot Odds, also foldest du.
Die Checkliste
Aus dem Beispiel wurde ersichtlich, dass das Spiel
nach Odds & Outs in vier Schritte gegliedert ist:
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
2)
Wie groß ist der Pot?
3)
Wie hoch sind die Kosten?
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
bestimmst also zuerst deine Chancen, die Hand zu gewinnen und
vergleichst dann diese Chancen mit dem zu erwartenden Gewinn,
abhängig von den Kosten, die für dich entstehen. So kannst du im
letzten Schritt feststellen, ob sich ein Call lohnt.
Da
jedoch die Outs-Bestimmung selten so einfach ist wie im ersten
Beispiel, lernst du nun im Detail, wie man Outs discountet, also
abwertet.
Die relative Position
Im Beispiel hast du
schon mitbekommen, dass die Bestimmung der Kosten strategisches
Mitdenken erfordert. Die relative Position zu den Mitspielern spielt
eine wesentliche Rolle. ändern wir das Beispiel etwas ab.
Preflop:
Hero is BB with T♣
8♣
UTG+2
calls, MP2 calls, 3
folds , SB calls, Hero checks
Flop:
(4,5 SB) A♣
, J♥ , 7♠
(4 players)
SB
bets, Hero ???
Du
hälst wieder einen Gutshot und der Spieler vor dir bettet, jedoch
hat sich deine Position geändert. Es kommen jetzt noch drei
Gegner hinter dir, von denen du noch nichts weisst. Hier musst du von
potentiell mehr Kosten ausgehen. Im Schnitt kannst du hier
mit ~1.5
SBrechnen, die du bis zum Turn bezahlen musst.
Wie spielst du verschiedene
Draws?
In diesem Abschnitt wirst du genau erfahren,
auf was du bei den einzelnen Draws achten musst, ob du sie discounten
musst oder nicht, von welchen Faktoren dies abhängt und wie du die
nötigen Pot-Odds zur Fortsetzung einer Hand mit Draws berechnen
kannst.
Backdoor-Draws
Backdoor ist das englische
Wort für “Hintertür”. Das bezeichnet auch ziemlich genau, was
Backdoor-Draws sind: Nämlich Draws, bei denen du Turn und River zur
Vervollständigung brauchst. Backdoor-Draws treten in zwei Formen
auf: Backdoor-Flush-Draws (BDFD) und Backdoor-Straight-Draws (BDSD).
1-Card Backdoor-Flush-Draws
Bei dieser Art des Backdoor-Draws benutzt du
nur eine deiner Holecards.
Ein Beispiel: Du hälst A♣K♠
und das Board
ist 4♣
J♣
T♦.
Kommen an Turn und River jeweils ein ♣,
hast du einen Ace-High-Flush.
In der folgenden Tabelle
findest du eine Übersicht, wieviele Outs du dir auf deinen
1-Card-Backdoor-Flush-Draw geben kannst.
|
1-Card-BDFD |
Anzahl Outs |
|
|
3+ Gegner |
< 3 Gegner |
|
|
A |
2 |
2 |
|
K |
1.5 |
1.5 |
|
Q |
0.25 |
1 |
|
9+ |
0 |
0.75 |
|
< 9 |
0 |
0.5 |
In der linken Spalte
kannst du ablesen, wie hoch dein Draw ist. In den rechten beiden
Spalten kannst du dann bestimmen, wieviele Outs du dir in
Abhängigkeit von der Gegnerzahl geben kannst.
Beispiel
Preflop:
Hero is BU with K♥
7♦
Hero
raises,
SB calls, BB calls.
Flop:
(6 SB) 4♥
, Q♥ , 8♠
(3 players)
SB
checks, BB checks, Hero
bets,
SB raises, BB
folds,
Hero ?
Du
raist aus dem Button mit K7o, beide Blinds callen. Du verfehlst den
Flop, machst aber erstmal deine
Continuation-Bet.
Der Small Blind check-raist dich und du musst entscheiden, ob du nun
nocheinmal callst,
oder
schon aussteigst. Wenden wir doch einfach gleich die Checkliste an.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Du
hälst eine Overcard und einen K-High BDFD. Da du nur einen Gegner
hast, kannst du die rechte Spalte der Tabelle benutzen und in
der
„King-Zeile“ nachschauen: du hast 1.5 Outs. Auf den König selber
kannst du dir ebenfalls 3 volle Outs anrechnen (warum das gilt,
erfährst du im Abschnitt One-Pair-Draws).
Du hast also zusammen 4.5
Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 9
Small Bets
gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Der
Big Blind hat bereits gefoldet: Ihr seit Heads-Up. Also musst du
genau 1
Small Bet
bezahlen.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 4.5 Outs, wofür du rund 9:1 Pot Odds brauchst. Der Pot ist nach
Frage 2) 9
SB gross, also kannst du knapp callen.
Wichtig:
Ohne den BDFD hättest du in dieser Situation folden müssen.
Ohne
den BDFD hast du 3 Outs, was 15:1 Odds entspricht. Die Pot Odds
reichen also nicht aus.
Es
gibt aber noch eine Möglichkeit. In
dieser Situation kannst du aber mit hoher Wahrscheinlichkeit davon
ausgehen, dass der Small
Blind den Turn betten wird, er zeigt ja viel
Stärke. Wenn es aber so wahrscheinlich ist, kannst du dir das
logischerweise auf deine
aktuellen Pot Odds rechnen. Das nennt man
Implied
Pot Odds (für
nähere Infos schau dir den Artikel
http://de.pokerstrategy.com
/strategy/fixed-limit/1300/
an). Dadurch
bekommst du statt 9:1 Odds (9+2) = 11:1 Pot Odds. Das reicht aber
dennoch nicht und davon
ausgehen, dass er den River bettet, kannst du
nicht.
Du
siehst also, Backdoor-Draws sind alleine nicht viel wert, aber sie
gewinnen an Wert, je mehr andere Outs du noch hast und helfen bei
knappen call-or-fold-Entscheidungen, wie der obigen.
2-Card Backdoor-Flush-Draws
Im
Gegensatz zu den 1-Card-BDFDs verlieren diese Draws nur sehr gering
an Wert, je niedriger sie sind. Deshalb kannst du dir auf
2-Card-BDFDs 2 volle Outs geben.
Beispiel
Preflop:
Hero is MP3 with J♠ 9♠
Hero
raises,
3 folds, BB
3-bets, Hero calls.
Flop:
(6,5 SB) 4♥
, A♥ , 7♠
(2 players)
BB
bets, Hero ???
Du
erhöhst aus dem MP3 mit J9 suited und der Big Blind 3-bettet dich.
Den Flop verfehlst du komplett. Du musst also nach Odds & Outs
weiterspielen. Die Checkliste ist gefragt.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Da
der Gegner unbekannt ist, gehst du bei seiner 3-Bet vom
BB-Defense-Chart aus. Demnach kannst du dir auf den J und die 9
keine
Outs geben: er hält hier meistens ein Ass oder ein hohes
Pocket. Das einzige, was dir übrig bleibt, ist der J-High-BDFD. Du
hast also 2
Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 7.5
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Ihr
seit im Heads-Up, also musst du genau 1
SB zahlen.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 2 Outs,
wofür du 22:1 Pot Odds brauchst. Du bekommst aber gerade mal 7.5:1
Pot Odds, weshalb du folden
musst.
Hero
folds.
Backdoor-Flush-Draws: Warum ist der 2-Card-BDFD
oft viel mehr wert?
In den beiden Beispielen und der
Tabelle hast du gesehen, dass es einen erheblichen Unterschied macht,
ob dein BDFD 1-Card oder 2-Card ist. Ein 2-Card-Draw ist aus
verschiedenen Gründen für dich besser.
-
Besser versteckt: Ein
2-Card-Flush ist natürlich besser versteckt (4-suited gegen
3-suited Board), was deine Implied Odds erhöht, da du so viel
öfter noch ausbezahlt wirst. -
Draw auf beste Hand: Liegen
4 Karten der gleichen Farbe auf dem Board, muss ein Gegner nur eine
Karte dieser Farbe halten, was gerade mal halbsoviele Karten sind,
wie er auf einem 3-suited Board bräuchte. Du bist also viel öfter
geschlagen, falls du nur einen 1-Card-Flush hast, was sich auch in
der Tabelle niedergeschlagen hat.
Backdoor-Straight-Draws
Backdoor-Straight-Draws
erfordern eine etwas komplexere Betrachtung. Abgesehen von der
Unterscheidung von 1-Card- und 2-Card-BDSDs gibt es drei Arten.
Schauen wir uns dafür ein Beispiel an. Du hälst J♣9♦.
Der
Flop ist:
-
T♦3♥2♠:
Du hälst einen
0-Gap-BDSD.
Die 3 Karten, die den Draw ausmachen, sind ohne Lücken verbunden. -
8♦3♥2♠:
Du hälst einen 1-Gap-BDSD.
Die 3 Karten haben eine Lücke. -
7♦3♥2♠:
Du hälst einen 2-Gap-BDSD.
Die 3 Karten haben zwei Lücken.
Der
Unterschied von diesen Arten besteht hauptsächlich darin, dass
0-Gapper bessere Chancen auf einen Open-Ended-Straight-Draw am Turn
haben als die 1-Gapper und die 1-Gapper mehr als die 2-Gapper.
Dadurch ändern sich natürlich die Outs, die du dir auf die
einzelnen Draws geben kannst.
In der folgenden Tabelle
findest du eine Übersicht zu der Anzahl von Outs der BDSDs. Da dich
bei Straights noch ein Flush überholen kann, gibt es zusätzlich
noch eine Unterscheidung von Rainbow und 2-suited Boards.
|
BDSD |
Anzahl Outs |
|
|
Rainbow Board |
2-suited Board |
|
|
0-Gap-BDSD |
1,5 |
1 |
|
1-Gap-BDSD |
0.75 |
0.5 |
|
2-Gap-BDSD |
0.25 |
0 |
Wie aus der Tabelle schon klar wird,
sind BDSDs (wie auch schon die BDFDS) nur unterstützende Draws.
Allein bekommst du sehr selten die Odds auf einen Call (bei 2 Outs
brauchst du 22.5:1 Pot Odds zum Turn), aber sie können anderere
Draws stärken und können so bei knappen call-or-fold-Entscheidungen
helfen.
Flushdraws
Flushdraws (FDs) kann man,
wie die Backdoor-Draws, in zwei Kategorien einteilen: die 2-Card-FDs
und 1-Card-FDs. Bei 2-Card Flushdraws kannst du dir das discounten
meist sparen. Auch wenn dies theoretisch durchaus angebracht wäre,
hast du mit einem Flushdraw nahezu immer die nötigen Pot-Odds, um
die Hand mindestens bis zum River zu spielen.
Anders sieht es bei
1-Card-FDs aus. Hältst du nur eine Flushkarte, wird es
wahrscheinlich, dass andere Spieler ebenfalls die gleiche Farbe
halten.
Beispiel
(Eine
ausführliche Auswertung dieses Beispiels findest du am Ende des
Artikels)
Preflop:
Hero is BB with 4♥
4♠
BU
raises, SB calls, Hero calls.
Flop:
(6 SB) J♥
, A♥ , 6♥
(3 players)
SB
bets, Hero ???
Der
Flushdraw, auf den du dir undiscounted 9 Outs gibst, ist nicht mehr
viel wert. Er ist der zweitniedrigste und 2 Spieler haben schon
Stärke gezeigt. Du solltest ihn um mehr als die Hälfe discounten
auf 3.5 Outs.
Du
siehst also, 1-Card-FDs nehmen mit der Höhe stark an Stärke ab. Wie
genau du diese Draws discountest, siehst du in folgender Tabelle.
|
1-Card-Flush-Draw |
Anzahl Outs |
||
|
< 3 Gegner |
3 Gegner |
> 3 Gegner |
|
|
A |
9 |
||
|
K |
8 |
7 |
4.5 |
|
Q |
7 |
6 |
4 |
|
J |
4.5 |
0 |
|
|
8+ |
4 |
0 |
|
|
< 8 |
3.5 |
0 |
|
Die relative Höhe
In dieser Tabelle siehst du konkrete Karten, wie das Ass oder die 8, abgebildet, doch bei einem Flush-Draw entscheidet die relative Höhe. Hälst du selbst nur den King, auf dem Board liegt aber auch das Ace in der Flush-Farbe, hast du einen Ace-High-Flush-Draw: du drawst auf die Nuts.
Open-Ended-Straight-Draws
2-Card-OESDs brauchst du
ähnlich den Flush-Draws kaum zu discounten. Lediglich die
Flushgefahr spielt nun eine Rolle. Schau dir folgendes Beispiel an.
Beispiel
Preflop:
Hero is MP3 with J♦
9♦
MP2
calls, Hero raises,
3 folds,
BB calls, MP2 calls.
Flop:
(8.5 SB) T♣
, Q♣ , 2♥
(4 players)
BB
bets, MP2
calls, Hero
raises, BU
folds, BB
calls, MP2 calls.
Turn:
(7.25 BB) 4♠
BB
bets, MP2
calls, Hero ???
Du
triffst am Flop einen OESD und raist die Donk vom Big Blind, um
eventuell eine Freecard zu bekommen. Der Big Blind scheint deinen
Plan leider durchschaut zu haben und donkt den Turn erneut.
Offensichtlich bringt ein Raise jetzt nichts mehr. Du spielst nach
Odds &
Outs weiter.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Auf
deine beiden Holecards kannst du dir keine Outs mehr geben. Es ist
ziemlich unwahrscheinlich, dass der Big Blind eine schlechtere Hand
hält. Aber du hast den OESD, der dir undiscounted 8 Outs gibt. Doch
wirfst du einen Blick aufs Board, siehst du, dass Flushdraws möglich
sind. Bei 2 Gegnern sind sie auch wahrscheinlich. Der MP2 war die
ganze Zeit passiv, bei ihm sind Flushdraws (neben schlechten made
hands und anderen Draws natürlich) anzunehmen. Beim Big Blind sind
sie weniger wahrscheinlich, jedoch könnte er diese Donks
beispielsweise mit Top Pair + Flush-Draw machen. Alles in allem
kannst du dir nicht sicher sein, mit der 8♣
und K♣
zu gewinnen, falls du triffst. Es sind sogenannte tainted
Outs. Du
kannst sie dir nicht komplett als Outs anrechnen: Da du nur 2 Gegner
hast, solltest du jeweils ein halbes Out abziehen und hast so 7
Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 9.25
BB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
bist last-to-act, schliesst also die Action ab. Dementsprechend musst
du genau 1
BB zahlen.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 6 Outs, was 7:1
Odds
entspricht, also kannst du bei knapp 9:1
Pot Odds
bequem callen.
Ist
das Board 2-suited und du hast ...
-
...
zwei Gegner: discounte
die tainted Outs um die Hälfte. -
...
mehr als zwei Gegner: discounte
die tainted Outs komplett.
Gutshot-Draws
Gutshots sind in bestimmter Hinsicht
interessant. Einerseits triffst du sie selten, sie haben ja gerade
mal 4 undiscounted Outs, aber auf der anderen Seite kommen nun die
schon oben erwähnten Implied Pot
Odds ins Spiel. Denn gerade
Gutshots sind
ziemlich versteckt, was du dir beim
Drawen zunutze machen kannst. Deshalb wirst du in diesem Abschnitt
von einer anderen Seite herangeführt: Dir wird gezeigt, mit welchen
Implied Odds du in Abhängigkeit der Situation rechnen kannst. Das
genaue Prinzip von Implied Odds kannst du hier nachlesen
(http://de.pokerstrategy.com/strategy/fixed-limit/1300/).
Beispiel 1
Preflop:
Hero is BU with 7♥
6♥
Hero
raises,
SB folds, BB calls.
Flop:
(4.5 SB) 8♠
, Q♣ , 4♦
(4 players)
BB
checks, Hero
bets, BB
raises, Hero ?
Der
Big Blind check-raist dich und du bist gezwungen, nach Odds &
Outs weiterzuspielen.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Du
hast sicher die 4
Outs auf
den Gutshot. Doch das war es auch schon. Die Holecards kannst du dir
nicht als Outs anrechnen, denn der Big Blind wird in den meisten
Fällen entweder bluffen oder eine stärke Hand halten: Seine Range
ist polarisiert.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 7.5
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Da
du last-to-act bist, bezahlst du genau 1
SB.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 4 Outs, was Odds
von 11:1
entspricht. Die Pot Odds sind aber gerade mal 7.5:1, also müsstest
du folden. Doch nun kommen die
Implied
Pot Odds ins
Spiel. Der Big Blind wird in den meisten Fällen am Turn betten,
womit du schon 2 SB zu den Pot Odds addieren
kannst.
Doch
da er hier ausserdem oft eine made hand halten wird, die er gegen ein
Turn-Raise noch nicht folden wird, kannst du dir weitere 2
SB
hinzurechnen. Du kannst hier so leichtfüßig damit umgehen, da dein
Gegner zwar oft eine made hand hält, diese aber in den meisten
Fällen schlechter als eine Straight ist. Du bekommst im Mittel also
ca. 2 BB (= 4 SB) extra, wenn du deinen Draw triffst. Damit sind
deine
Implied
Pot-Odds dann 7,5 SB + 4 SB = 11.5:1
und kannst daher callen.
Hero
calls.
Turn:
(4.25 BB) J♠
BB
bets, Hero ???
Dein
Draw kommt am Turn nicht an. Du musst also wieder eine Entscheidung
fällen.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
4
Outs hast
du immernoch. Da du aber nun am Turn stehst, haben sich deine Odds
verändert. Das Verhältnis „Nicht hilfreiche Karten
–
hilfreichen Karten“ hat sich geändert. Du hast jetzt 46, statt 47,
unbekannte Karten, also 42 statt 43, nicht hilfreiche Karten, was dir
10.5:1 Odds gibt.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 5.25
BB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Da
du immernoch last-to-act bist, bezahlst du genau 1
BB.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Die
Odds haben sich leicht verbessert: 10.5:1.
Die Pot Odds hingegen haben sich verschlechtert: Du bekommst nur noch
5.25:1 Pot
Odds. Jetzt kannst du auch nicht mehr einfach behaupten,
er bettet den River nochmal. Blufft er, wird er am River meistens
aufgeben.
Ausserdem könnte er check/call mit einer schwachen made
hand spielen, wodurch du nur 1 BB bekommst. Hier kannst du dir nur
noch
rund 1 BB Implied Odds geben. Du bekommst also grob 6:1
Pot Odds,
was für einen Call nicht mehr ausreicht. Du foldest.
In
der folgenden Tabelle sind die Implied Odds von den einzelnen
Gutshots aufgelistet. Du kannst hieraus ablesen, wieviel Odds du
benötigst, um mit einem bestimmten Gutshot auf einem rainbow oder
2-suited Board zu callen, sofern du hinter dir kein Raise erwartest.
|
Gutshot |
Board |
Benötigte Pot Odds |
|
|
Flop |
Turn |
||
|
2-Card-Gutshot auf ... |
Rainbow Board |
7:1 |
10:1 |
|
2-suited Board |
9:1 |
10.5:1 |
|
|
1-Card-Gutshot auf ... |
Rainbow Board |
10:1 |
10.5:1 |
|
2-suited Board |
14:1 |
14:1 (3) |
|
Beispiel
2
Preflop:
Hero is BU with J♦
T♦
MP2
calls, MP3 raises,
Hero calls,
2 folds, MP2 calls.
Flop:
(7.5 SB) 5♠
, Q♣ , A♣
(3 players)
MP2
bets,
MP3 calls,
Hero ?
Vor
dem Flop coldcallst du nach call und raise und triffst am Flop einen
Gutshot. MP2 donkt am Flop und der PFA callt. Du wirst hier
selten
noch vorne sein, denn auf diesem Board in den PFA reinzudonken ist
selten ein Bluff. Oft hat er selber einen starken Draw, wie
einen
Flushdraw oder eine stärkere Hand wie eine Queen oder ein Ass.
Selbst eine 5 schlägt dich ja schon. Daher musst du wieder zur
Checkliste greifen.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Deine
Holecards sind nicht mehr allzu viel wert, aber du hast einen
2-Card-Gutshot auf den King, der vier Outs wert ist. Jedoch musst du
wegen dem Flushdraw um die Hälfte discounten. Du hast also
3.5 Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 9.5
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
bist last-to-act, also bezahlst du wieder genau 1
SB.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast also einen 2-Card-Gutshot auf einem 2-suited Board. In Frage
1) hast du
festgestellt, dass du gerade mal 3.5 Outs hast, also
12.5:1 Pot Odds
bräuchtest. Doch hier kannst du wieder mit Implied Odds arbeiten. In
der Tabelle oben kannst du ablesen, dass du dir
Implied
Odds von 9:1
geben kannst, also bei Pot
Odds von 9.5:1 callen
kannst.
Berücksichtige
bei Gutshot-Draws unbedingt deine Implied Odds. Hier steckt das
Potential dieser ansonsten recht schwachen schwachen Draws.
Two-Pair-Draws
Two-Pair-Draws zu spielen und entsprechend
richtig zu discounten oder sich noch implied Odds anzurechnen ist
sehr situationspezifisch. Der Kernpunkt ist auch hier, welcher deiner
Outs bessere Hände vervollständigt.
Beispiel 1
Preflop: Hero is BB with 7♦
5♦
MP3 raises,
CO folds, BU calls, SB calls, Hero calls.
Flop (8 SB) Q♥ T♠
5♣ (4 players)
SB checks, Hero checks, MP3 bets, BU
calls, SB calls, Hero ?
Du triffst am Flop Bottom-Pair. Bei so vielen
Gegnern bist du sicherlich nicht mehr vorne. Du spielst nach Odds &
Outs weiter. Du hast
discounted 5 volle Outs, was 8:1 Odds entspricht. Die 7 ermöglicht
kaum neue Draws und vervollständigt auch keine schon bestehenden.
Flush-Draws sind ebenfalls nicht möglich. Der Call ist bei 11:1 Pot
Odds recht einfach.
Schau dir dagegen das nächste
Beispiel an.
Beispiel 2
Preflop: Hero is BB with J♦
5♦
MP3 raises, CO
folds, BU calls, SB calls, Hero calls.
Flop (8 SB) Q♣ T♥
5♣ (4 players)
SB checks, Hero checks, MP3 bets, BU
calls, SB calls, Hero ?
Diesmal hälst du J5
suited und triffst wieder ein Bottom-Pair am Flop. Dieses Mal sieht
es mit dem Discounten jedoch anders aus.
1) Wieviele discounted Outs hast du?
Deine Outs auf die 5
sind noch relativ sauber, da die ♣5
schon liegt. Der Jack hingegen ist nicht ganz sauber. Du musst den ♣J
discounten. Ausserdem ermöglicht ein Jack am Turn einige
Straight-Redraws und lässt 2 Gutshots ankommen, AK und K9.
Dementsprechend solltest du die beiden verbleibenden Jacks um die
Hälfe discounten. Du hast also 3 Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 11
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
bist last-to-act, also bezahlst du wieder genau 1
SB.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 3 Outs, was Odds
von 15:1
entspricht. Du bekommst Pot
Odds von 11:1,
weshalb du folden
musst.
Hast
du mehr als 2 Gegner und Outs deiner Hand komplettieren bessere Draws
oder bringen Redraws, discounte sie um die
Hälfte.
In den letzten beiden Händen hast du ein
Beispiel dafür gesehen. Die 7 war als Kicker besser als der Jack, da
sie keine anderen
Draws completet oder Redraws bringt. Das wiederum
gibt dir ja Reverse Implied Odds, weshalb du dir diese tainted Outs
nicht komplett
anrechnen kannst, abhängig von der Gegnerzahl.
Overcards
Da
diesen Draws ein kompletter Artikel in der Silber-Sektion gewidmet
ist, gehen wir hier nicht genau darauf ein. Vielmehr soll dir auch
hier die Anwendung der Checkliste näher gebracht werden.
Beispiel
Preflop:
Hero is
Button with J♥
T♥
UTG+1
calls, 3 folds
, MP2 calls, MP3 calls, 1 fold
, Hero calls, SB folds
, BB checks
Flop:
(5 SB) 3♣
, 5♣ , 9♠
(5 players)
UTG+1
bets, MP2
folds, MP3 calls, Hero???
Du
kannst dich natürlich nicht mehr vorne sehen. UTG+1 bettet in das
ganze Feld, er hat meist etwas getroffen oder einen starken Draw.
Gehen wir die Checkliste durch.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Da
du dir nicht sicher sein kannst, inwieweit deine Overcards eventuell
tainted sind,teilst du die volle Outszahl 6 durch 2. Abgesehen von
den Overcards hast du noch einen Backdoor-Straight-Draw. In der
Tabelle weiter oben kannst du ablesen, dass du für einen 0-Gapper
auf einem 2-suited Board 1 Out berechnen kannst. Du hast also 4
Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 7
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
bist last-to-act, also musst du genau 1
BB zahlen.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 4 Outs, was 11:1
Odds
entspricht. Die Pot
Odds sind 7:1,
also foldest
du.
Wichtig:
Verwechsle
das nicht mit dem Gutshot, wo du dir 7:1 Implied Odds geben konntest.
Das war speziell der Gutshot, der fast
immer zu den Nuts wird. Das
bedeutet, dass ein Top-Pair viel weniger robust ist. Du wirst öfter
noch bis zum River überholt. So hast du
zwar einerseits 1-2 BB
Implied Odds, andererseits aber auch gleichzeitig 1-2BB Reverse
Implied Odds,
also negative IOs. Das bedeutet,
du musst den Gegner ausbezahlen,
falls du triffst und er dich noch überholt. Du hast immerhin
Top-Pair und die Wahrscheinlichkeit des
Bluffes beim Gegner besteht
immer. Es heben sich also IOs und RIOs im Mittel auf.
Beispiele
Du hast nun gesehen, wie du verschiedene Draws auf
verschiedenen Boards richtig bewertest und wie zu möglichst präzisen
Abschätzungen deiner tatsächlichen Outs gelangen kannst. Im
Folgenden wird dieses Wissen anhand mehrerer Beispiel vertieft. Dabei
wirst du auch lernen, wie du mit Kombinationen aus verschiedenen
Draws umgehst, um die richtige Entscheidung zu treffen.
Beispiel 1
In diesem Beispiel greifen wir nochmal die Situation
aus dem Abschnitt „1-Card-Flush-Draws“ auf.
Preflop:
Hero is BB with 4♥
4♠
BU
raises, SB calls, Hero calls.
Flop:
(6 SB) K♥
, A♥ , 6♥
(3 players)
Du
callst im Big Blind mit Pocket 4ern, nachdem der Bu ein Steal-Versuch
gemacht hat und der Small Blind coldgecallt hat. Am Flop
triffst du
einen Flushdraw und ein Underpair. Betrachten wir nun 2 Situationen
vom Flopplay. In beiden Situationen wird die Frage nach
den
discounted Outs gleich beantwortet, deswegen klären wir diese
zuerst.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Der
Flushdraw, auf den du dir undiscounted 9 Outs gibst, ist nicht mehr
viel wert, denn er ist der zweitniedrigste. Daher discountest du ihn
auf 3.5 Outs.
Ausserdem
hast du 2 Outs auf ein Set. Diese brauchst du nicht zu discounten. Du
hältst selber schon das Herz und so niedrige Straights sind aufgrund
der Preflop-Action unwahrscheinlich. Ausserdem hälst du einen
2-Gap-BDSD. In der obigen Tabelle für BDSDs kannst du dabei in der
Rainbow
Board –
Spalte nachschauen, da dir die Suit ja weiterhilft. Da steht: 0.25
Outs.
Zusammen
hast du also 3.5 + 2 + 0.25 = 5.75 Outs, was rund 6 Outs
entspricht.
Nun
zu den Situationen.
Situation 1
Flop:
(6 SB) K♥ , A♥
, 6♥ (3 players)
SB checks, Hero checks,
BU bets,
SB calls, Hero ?
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 8
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
bist last-to-act, also zahlst du genau 1 SB
zum Turn.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 6 Outs, was
7:1 Odds
entspricht. Du bekommst du 8:1
Pot Odds,
also callst
du.
Situation 2
Flop:
(6 SB) K♥
, A♥
, 6♥
(3 players)
SB
bets, Hero ???
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 7
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Das
ist hier eine interessante Frage. Hinter dir kommt noch der
Preflop-Aggressor, der raisen könnte. Aber auf der anderen Seite ist
der
Small Blind auch an der Hand interessiert. Was passiert, wenn er
auf ein Raise vom Button 3-bettet? Du sitzt im sogenannten Sandwich.
Von beiden Seiten musst du weitere Action erwarten. Das steigert
natürlich deine Kosten. Du wirst hier im Mittel 1.3
-1.5 SB
zahlen
müssen.
Das
wiederum ändert aber auch die Potgrösse entsprechend. Musst du 2 SB
zahlen, bekommst du (6+1.5*2)=9:2, also 4.5:1 Pot Odds.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 6 Outs, was
7:1 Odds
entspricht. Wie in Frage
3) geklärt,
bekommst du 4.5:1
Pot Odds.
Deshalb foldest
du.
Beispiel 2
Preflop: Hero is BB with J♣,
9♠
CO raises, BU calls, SB calls, Hero
calls
Flop: (8 SB) 2♣, T♣,
Q♣ (4 players)
SB checks, Hero checks, CO
bets, BU folds, SB
raises, Hero ?
Du callst im Big
Blind mit J9o ein Steal-Raise vom CO, den aber den Button und den SB
nicht weiter gejuckt haben. Am Flop triffst du einen OESD- und 1
Card-Flush-Draw. Man könnte über einen Raise for Value mit einem
Draw nachdenken, da du aber bei keinem deiner Outs sicher sein
kannst, auf die beste Hand zu drawen, solltest du hier von so einer
Spielweise eher absehen.. Der CO könnte eventuell noch folden,
jedoch zeigt der Small Blind schon viel Stärke mit seinem
check/raise. Es ist fraglich, ob du ihn noch zum folden bekommst.
Daher spielst du passiv nach Odds & Outs weiter.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Auf
deine Holecards kannst du dir bei der Action keine Outs mehr geben.
Der Flush-Draw ist 1-Card und < Q, wodurch du in der Tabelle für
1-Card-FDs 4.5 Outs ablesen kannst. Auf den OESD kannst du dir die
vollen 6 Outs geben (die 2♣
sind schon gezählt). Der Flop ist zwar 2-suited, aber eine weitere
Karte in dieser Suit gibt dir ja einen FD. Somit hast du 10.5
Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 11
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Trotz
der Action am Flop kannst du damit rechnen, in den meisten Fällen
nur 2
SB für
den Turn zahlen zu müssen. Der CO macht nur
seine Conti-Bet. Er hat
Position auf die meisten Spieler und das Board ist scary. Er wird
also trotzdem noch häufig eine schlechte Hand
halten. Dazu kommt
noch, dass der Small Blind durch den check/raise Out of Position viel
Stärke zeigt. Bettet er auch den Turn, hat er
oft eine starke Hand.
Das weiss CO aber auch und gerade wenn du noch callst, muss er eine
viel stärkere Hand haben, um zu 3-betten.
Da CO aber sicherlich
nicht in allen Fällen nur callt, sind es Mittel mehr als 2 BB. Du
solltest dir hier ~2.2
SB Kosten
anrechnen.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 10.5 Outs, was 3.5:1
Odds
entspricht. Du bekommst 11:2.2 = 5:1
Pot Odds,
kannst also callen.
Beispiel 3
Preflop: Hero is MP2 with K♠ J♠
Hero raises, 4
folds, BB calls.
Flop (4.5 SB) 3♣ Q♥
7♠ (2 players)
BB checks, Hero
bets, BB raises, Hero ?
Du machst am Flop deine Conti-Bet und wirst vom
Big Blind Out of Position geraist. Eine 3-Bet hat wenig Sinn. Du hast
nur King-High. Sehen wir uns mal die Checkliste an.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Du
hälst eine Overcard, den King. Dafür kannst du dir 2.5 Outs, also
annährend 3 Outs, geben. Es ist unwahrscheinlich, dass du dominiert
bist, da er preflop in der BB gecalled hat. Potentiell dominierende
Hände wie K3, Q3 oder K7 sind eher unwahrscheinlich. Da das Board
aber so trocken ist, werden Draws unwahrscheinlich. Entweder blufft
dein Gegner oder hält eine Made Hand. Somit wird eine Queen
wahrscheinlich, aber oft wirst du noch selbst mit dem Jack gewinnen.
Deshalb solltest du den Jack nicht komplett discounten, aber die Outs
halbieren von 3 auf 1.5.
Darüber
hinaus hast du aber noch 2 Backdoor-Draws: Einen King-High-BDFD, auf
den du dir 1.5 Outs geben kannst und einen 0-Gap-BDSD, auf den du dir
auf dem rainbow Board ebenfalls 1.5 Outs geben kannst. Somit hast du
7.5 Outs
zum Turn.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 7.5
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
bist im Heads-Up am Flop, also 1
SB.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast 7.5 Outs, was
~5:1
Odds
entspricht. Du bekommst 7.5:1
Pot Odds,
kannst also bequem callen.
Beispiel 4
Preflop: Hero is SB with A♥
9♥
MP3 raises, 3
folds, Hero 3-bets, MP3
caps, Hero calls.
Flop (8.5 SB): 3♥ 5♠
7♠ (2 players)
MP3 bets, Hero ???
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Auf
den ersten Blick sieht es ganz gut für dich aus. Du hast 2
Overcards, einen 2-Gap-BDSD und einen BD-Nut-FD. Die 2 Overcards
musst du stark discounten. Das Ass ist dominiert von AK-AT, die neun
könnte schon geschlagen sein von Pockets TT+. Die 6 vollen Outs
musst du durch 2 teilen. Auf den BDSD kannst du dir trotz der
2-suitedness des Boards 0.25 Outs geben, da du nur einen Gegner hast.
Auf den BDFD kannst du dir 2 volle Outs geben. Du hast also 5.25
Outs.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 9.5
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
bist im Heads-Up am Flop, also 1
SB.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast rund
5 Outs, was 8:1
Odds
entspricht. Du kannst also bei 9.5:1
Pot Odds
callen.
Beispiel 5
Preflop:
Hero is MP3 with T♣
, 9♣
Hero raises,
2 folds,
SB calls, BB calls.
Flop:
(6 SB) 3♥
, Q♦
, K♠
(3 players)
SB
checks, BB checks, Hero
bets,
SB
raises,
BB
3-bets,
Hero ?
Du
raist mit einem Suited Connector aus dem MP3 und beide Blinds callen.
Am Flop triffst du einen Gutshot und machst deine Conti-Bet.
Dummerweise entscheiden sich beide Blinds dazu, ordentlich Action zu
machen. Ein Cap for Freecard wird dir selten etwas bringen, du
musst
nach Odds & Outs weiterspielen.
1)
Wieviele discounted Outs hast du?
Du
hast mit dem Gutshot auf dem rainbow board 4
Outs auf
den Jack. Deine Holecards musst du komplett discounten.
2)
Wie groß ist der Pot?
Der
Pot ist 12
SB gross.
3)
Wie hoch sind die Kosten?
Du
musst für den Call 2 SB bezahlen. Jedoch wird der Small Blind in
einigen Fällen noch 3-betten, der Big Blind in einigen Fällen sogar
auf die 3-Bet cappen. Im Schnitt kannst du hier mit 2.5
SB
an Kosten rechnen.
4)
Vergleich Pot Odds zu Odds:
Entscheidung
Call oder Fold
Du
hast einen sauberen Gutshot, hast also Implied
Odds von 7:1.
Du bekommst jedoch nur ~5:1
Pot Odds,
musst also folden.
Hero
folds.
Zusammenfassung im PDF-Format
- Odds & Outs - Tabelle vom Anfang
- Checkliste
- Backdoor-Draws
- Tabelle 1-Card BDFDs
- Hinweis: 2-Card BDFDs nicht discounten
- Tabelle BDSDs
- Tabelle 1-Card-FDs
- OESDs
- Board 2-suited und
- 2 Gegner: tainted outs auf hälfte discounten
- mehr als 2 gegner: tainted outs komplett discounten
- Tabelle Gutshot-Draws
Fazit
Mit diesem Artikel hast du ein tieferes Verständis für Odds & Outs erhalten. Du kannst jetzt discounten und ausserdem Backdoor-Draws einschätzen. Stehst du an Flop oder Turn vor der Entscheidung, nach Odds & Outs weiterspielen zu müssen, kannst du deine Check-Liste auspacken und die Situation richtig evaluieren. Damit bist du nun mit einem weiteren wichtigen Werkzeug ausgestattet, um gegen den Rest der Spieler am Tisch einen Vorteil zu haben und deine Winrate zu steigern.