Check/Raise River mit Initiative
Einleitung
In diesem Artikel
- C/R River mit Initiative als Valueline
- Sinn und Nutzen der Line
- Welche Karten und welche Gegner dafür geeignet sind
Viele Hände, die man als TAG spielt, laufen nach einem ähnlichen Schema ab: Raise preflop, bet Flop, bet Turn. Durch diese Fixed Betting Sequence (eine Betsequenz, die du ungeachtet des Boards, deiner Hand und deines Gegners fast immer gleich spielst) stehst du ziemlich häufig mit schwachen Händen und mit Initiative am River.
Das Problem Out Of Position
Da du viele dieser schwachen Hände nicht profitabel valuebetten kannst, weil sie zu schwach sind, und nicht profitabel bluffen kannst, weil sie zu stark sind, z.B. A high, musst du notwendigerweise den River mit Initiative oft checken. Dieser Check ist, je nachdem wie stark deine eigene Hand ist und ob du dem Gegner zutraust, eine schlechtere Hand zu bluffbetten, entweder ein Check/Fold oder ein Check/Call (for Bluffinduce). Daraus ergibt sich, dass es für die Gegner generell sinnvoll sein kann, gegen deine Checks am River mit Initiative zu betten. Entweder als Valuebet gegen A-high oder als Bluff.
Wenn dein Check am River immer entweder Check/Call oder Check/Fold ist, ist die Line nicht optimal gebalanced. Dein Check ist immer ein Indikator für eine schwache Hand. Dein Gegner kann davon profitieren, indem er sehr dünn valuebettet bzw. an den richtigen Stellen blufft.
Aus spieltheoretischer Sicht ist es also vorteilhaft, auch die Line check/raise River mit Initiative im Repertoire zu haben. Neben dem unmittelbaren Extra-Value, den sie dir bringen kann, werden deine Gegner oft gezwungen sein, dünne Valuebets auszulassen. Das kann dir an vielen Stellen Geld sparen.
Wann kannst du den River mit Initiative for Value checkraisen?
Das Checkraise mit Initiative ist die Alternative zur Valuebet. Du hoffst mit diesem Move eine BB extra zu gewinnen. Das funktioniert, wenn der Gegner bet/call mit Händen spielt, die er auf eine Bet von dir nur gecallt hätte, oder wenn er bet/fold mit einer Hand spielt, die er auf eine Bet von dir gefoldet hätte (Bluffinduce).
Die offensichtliche Gefahr beim Checkraise-Versuch ist, dass der Gegner eine Hand behindchecken kann, mit der er aber eine Bet gecallt hätte.
Du solltest die Line also anwenden, wenn du glaubst, dass in der Handrange des Gegners mehr Hände sind, die auf einen Check von dir betten, auf eine Bet aber nur callen oder folden, als Hände, die auf eine Bet zwar callen, auf einen Check von dir aber nicht selbst betten.
Auch wenn sich dieser Satz kompliziert anhört, ist es wichtig, den Inhalt zu verstehen und die Implikationen nachzuvollziehen. Um zu beurteilen, ob ein Checkraise mit Initiative einen höheren EV hat als eine Bet, musst du sehr genau die Handrange des Gegners am River analysieren und Annahmen machen, wie er welche Hände aus seiner Range spielen würde.
Wie muss die Handrange des Gegners genau aussehen, damit eine Riverbet optimal ist?
Zunächst solltest du verinnerlichen, gegen was für Handranges eine Bet die beste Spielweise ist. Damit eine Bet dem check/raise vorzuziehen ist, muss die gegnerische Handrange im Gegensatz zu vorheriger Aussage möglichst viele Hände enthalten, mit denen dein Gegner eine Bet zwar callen, selbst aber nicht betten würde, wenn du checkst.
Wenn er eine solche Hand hält, verpasst du mit dem Check eine Valuebet und machst 1 BB weniger Gewinn.
Solche Hände beim Gegner erfüllen folgende Kriterien (aus der Sicht des Gegners):
- Sie sind stark genug, um eine Bet zu callen, weil er gegen deine Range noch manchmal vorne liegt.
- Sie sind zu schwach, um selbst for Value zu betten, weil du zu wenig schlechtere Hände callen würdest.
- Sie sind zu stark, um zu bluffbetten, weil du keine bessere Hand folden würdest.
Diese Kriterien werden von schwachen Händen mit Showdownvalue erfüllt. Das können je nach Board und Action Q high bis A high sein oder kleine Pairs (besonders auf scary Boards).
Wenn es also aufgrund des bisherigen Handverlaufs wahrscheinlich ist, dass der Gegner eine solche Hand hält, solltest du selbst betten und NICHT versuchen, zu checkraisen.
Oft kann man den Gegner gut auf A high readen. Besonders aggressive Gegner würden jedes Pair und jeden Draw meist raisen. Wenn sie bis zum River nur callen, besteht eine gute Chance, dass sie eine solche Hand halten.
Auch wenn der Gegner preflop schon geraist hat und postflop passiv bleibt, bestehen gute Chancen, dass er eine Hand mit Showdownvalue hat, womit er eine Bet callen würde, sich sonst aber dankbar den free Showdown nimmt.
BU: LAG
Preflop: Hero is SB with A
BU raises, Hero 3-bets, 1 fold, BU calls.
Flop:(7 SB) 8

Hero bets, BU calls.
Turn:(4.5 BB) 4
Hero bets, BU calls.
River:(6.5 BB) 5
Hero?
Hero bets! Der Gegner ist aggressiv und würde auf diesem Lowcard-Board in aller Regel jedes Pair und viele Draws raisen, zumal du preflop nicht zu viel Stärke gezeigt hast in dieser BU vs. SB-Situation, als dass er sich nicht noch Bluffpotenzial zugestehen könnte.
Fast seine ganze Range besteht hier also aus K-high und A-high. Diese wird er am River behindchecken, weil aus seiner Sicht wenig bessere Hände folden würden und wenig schlechtere callen. Da er aber gegen Hände aus deiner Range vorne liegt und er schon gute Pot Odds bekommt, wird er A high am River (in der Regel korrekt) callen.
UTG = TAG
Preflop: Hero is BB with T
UTG raises, 4 folds, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) T

Hero checks, UTG bets, Hero raises, UTG calls.
Turn:(4.25 BB) 4
Hero bets, UTG calls.
River:(6.25 BB) 3
Hero bets!
Das ist ebenfalls ein sehr schlechter Spot für ein Checkraise mit Initiative, da die Range des Gegners fast nur aus schwachen Händen mit Showdownvalue besteht. Er hat aus UTG geraist und weiß, dass du auf diesem Board viele Draws checkraisen kannst. Weil nur Blanks kommen, wird er einen Großteil seiner Range am River auf eine Bet callen. Selbst betten wird er hingegen fast nie, weil sich alle Hände, die stark genug für eine Valuebet wären, vorher angezeigt hätten.
Aus der Sicht des Gegners macht also eine Valuebet in diesem Spot generell fast nie Sinn, weil in deiner Range am River kaum Hände sind, mit denen ein Check/Call sinnvoll wäre. Wenn der Gegner smart ist, weiß er, dass du nach dem Check am River entweder einen busted Draw oder einen Bluff aufgibst oder aber ein Checkraise spielen willst.
Gegen welche Handrange ist ein Checkraise einer Bet überlegen?
Bis jetzt wurde besprochen, gegen was für Handranges ein Checkraise mit Initiative nicht gut ist. Aber wie sieht eine Handrange aus, gegen die ein Checkraise sinnvoll ist.
Sie muss größtenteils aus mindestens einer der beiden Handkategorien bestehen:
- Hände ganz ohne Showdownvalue, die auf eine Bet folden würden
- Hände mit genug Showdownvalue für eine Valuebet
Das sind üblicherweise Draws, die nicht angekommen sind. Sie würden eine Bet nie callen, könnten aber auf einen Check von dir bluffbetten. Gegen solche Hände riskierst du nicht, Value zu verlieren, hast aber die Chance noch eine Bet von ihnen zu bekommen. Du induzierst Bluffs.
Das sind oft niedrige oder mittlere Paare, mit denen der Gegner im Calldown-Modus ist. Wenn du checkst, kann er diese Hände valuebetten, weil er dich auf eine schwache Hand mit Showdownvalue readet, z.B. A high.
Diese Hände wird der Gegner zwar callen, wenn du bettest, auf einen Check aber selbst valuebetten und im Regelfall ein Raise callen.
Du riskierst zwar, eine Bet weniger zu gewinnen, wenn er diese Hände doch behindcheckt, wirst aber fast immer eine Bet mehr gewinnen, wenn er sie valuebettet, da fast niemand in dieser Situation bet/fold mit einem Pair spielt. Das liegt daran, dass der Pot am River nach einem Checkraise immer schon eine gewisse Größe hat.
Außerdem spielt ein psychologischer Aspekt herein: Wenn man so eine „fancy Line“ spielt, haben die Gegner Angst, dass es ein Bluff sein könnte und machen einen „Curiosity-Call“, um zu sehen, was du so komisch spielst. Oft genug glauben die Gegner einem auch nichts oder fühlen sich veralbert und machen eine Tilt-3-Bet, wovon du profitierst.
Durch deinen Check induzierst du in diesem Fall keine Bluffs, sondern Valuebets von schwächeren Händen.
In manchen Situationen besteht die gegnerische Handrange fast nur aus einer der beiden Kategorien, manchmal sind aber auch viele Hände aus beiden Kategorien enthalten und die Range ist polarisiert zwischen busted Draws und Pairs.
Solche Fälle sind optimal: Entweder hat der Gegner nur einen busted Draw und man kann mit dem Check einen Bluff inducen, oder er hat ein Pair, das er valuebetten wird, wenn du checkst. In jedem Fall verspricht das Checkraise mehr Value.
Woher weißt du aber, wann eine solche Handrange wahrscheinlich beim Gegner vorliegt? Dafür musst du während der Hand eine Range-Analyse machen mit den Informationen, die du hast. Wenn der Gegner z.B. einen guten bis erhöhten PFR hat und preflop first in limpt, kannst du A high schon mal weitestgehend aus seiner Range ausschließen.
Um zu beurteilen, ob er kleine Pairs vom Flop oder Turn aggressiv spielen würde, oder ob sie am River noch in seiner Range sind, musst du deine Reads über ihn nutzen und mit dem Board in Verbindung setzen. So kannst du überlegen, wie plausibel es für ihn ist, ein kleines Pair am Flop und am Turn nur zu callen.
Je nachdem wie aggressiv er ist und ob es ein guter Spot für einen Semibluff wäre, kannst du ebenfalls abschätzen, ob busted Draws am River in seiner Range sind und ob er diese eventuell betten könnte. Viele aggressive Spieler würden einen guten Draw z.B. immer am Flop oder Turn raisen.
Mit welchen Händen solltest du ein Checkraise mit Initiative spielen?
Das Checkraise mit Initiative sollte vor allem mit made Hands als Valueplay gespielt werden.
Theoretisch wäre es notwendig, diese Line mit Bluffs zu balancen, praktisch ist das allerdings in der Regel von nur geringer Relevanz. Eine Line nicht balanced zu haben, ist nur problematisch, wenn Gegner daraus Vorteile ziehen können.
Das hieße im Fall des Checkraise Rivers mit Initiative, dass dein Gegner toughe Folds machen könnte, wenn du diese Line spielst. Das wird aber in der Praxis fast nie geschehen, weil der Pot am River nach einem Checkraise immer schon ziemlich groß ist und deshalb keiner mehr eine gute und auch eine marginale made Hand folden wird.
Das Balancing einer Line verliert umso mehr an Bedeutung, je weiter die Hand fortgeschritten ist und je mehr Geld bereits im Pot ist.
Außerdem kommt es nicht gerade oft vor, dass du diese Line anwendest, so dass die Wichtigkeit des Balancings ebenfalls sinkt. Du wist diese Line selten mehrmals gegen denselben Gegner spielen.
Du solltest also eine Hand haben, die alle Hände schlägt, die der Gegner zunächst passiv spielen könnte und dann am River valuebettet, also alle mittelstarken made Hands. Gut für den Move sind also Hände wie gute Toppairs und besser. Wie in den Beispielen aber gezeigt, kann auch mit schlechteren Händen ein Checkraise for Value profitabel sein.
Gegen Gegner, die gern dünne Valuebets und toughe Folds machen, kannst du natürlich auch einmal versuchen, C/R mit Initiative als Bluff zu spielen. Hierzu kann es aber keine konkrete Anleitung geben, wie dies anzuwenden ist.
Wenn du nach diesen Überlegungen zu dem Schluss kommst, dass es wahrscheinlich ist, gegen ein kleines Pair oder einen busted Draw zu spielen, bestehen gute Chancen für einen erfolgreichen Checkraise mit Initiative.
Heads-up-Match gegen einen TAG (SB hat den Button)
Preflop: Hero is BB with K
SB raises, Hero 3-bets, SB calls.
Flop: (6 SB) T

Hero bets, SB calls.
Turn: (4 BB) K
Hero bets, SB calls.
River: (6 BB) 3
Hero checks, SB bets, Hero raises, SB calls.
In dieser Hand spielst du Heads-up gegen einen TAG. Am Flop spielst du noch gegen eine ziemliche große Range. Der Gegner kann jedes Pair und jeden Draw callen, um entweder am Turn zu raisen oder zu callen, außerdem jedes A high und Hände mit Overcard und Backdoordraws.
Der Turncall schränkt seine Range allerdings ein. Eine gute Hand, King oder besser, hätte er geraist, wertlose Hände gefoldet. Pairs schlechter als Toppair sind sehr wahrscheinlich. Selbst eine T ist in seiner Range, da er damit call Flop, raise Turn spielen wollte, von diesem Plan aber angesichts des Kings am Turn abgerückt ist.
Draws sind teilweise noch in seiner Range. Starke Draws hätte der Gegner wahrscheinlich oft als Semibluff geraist. Möglicherweise wollte er aber keine 3-Bet riskieren und hat seine Draws passiv gespielt, weil er sich nicht genug Foldequity ausgerechnet hat.
Ob er A high am Turn noch callen würde, hängt davon ab, wie loose er ist und wie loose deine Preflop-3-Bets im bisherigen Verlauf ausgefallen sind.
Es sind also am River einige Hände in seiner Range, gegen die ein Checkraise oft gut wäre, z.B. die T oder 8. Es sind aber auch Hände möglich, gegen die du lieber selbst for Value betten solltest, weil er sie auf Bet callen wird, auf Check aber behindcheckt.
Ob man hier checkraist oder bettet, hängt also von den Annahmen ab, die man über die Callingrange des Gegners am Turn und über seine Bettingrange am River macht. Diese Ranges werden nun einmal genauer unter die Lupe genommen.
Annahme 1: Angenommen, der Gegner würde A high am Turn folden, z.B. weil er deine 3-betting-Range für tight hält, und jedes Pair for Value betten. Dann wäre die Sache eindeutig, selbst wenn er busted Draws nie blufft: Das Checkraise wäre immer das beste Play.
Annahme 2: Nimm an, der Gegner hat alle A-highs von A7-AJ nach wie vor in seiner Range und würde eine Riverbet damit callen, aber auf Check von dir check behind spielen.
Das entspricht 48 Kombos (A7, A9, AJ = 3*16 Kombos). Gegen diese Hände würdest du also 1 BB Value verlieren.
Außerdem gehst du davon aus, dass er kleine Pockets und die 6 behindcheckt, mit denen er eine Bet auch noch gecallt hätte. (22, 44, 55, 62s, 64s-67s, 69s, 6Js, 6Qs, 6As, 67o, 69o, 6Jo, 6Qo, 6Ao) = 84 Kombinationen.
Gegen insgesamt 84+48 = 132 Kombinationen der gegnerischen Handrange wäre der Ertrag des Checkraise-Versuchs -1 BB.
Du gehst zudem davon aus, dass der Gegner jede 8 und jede T valuebettet und ein Raise damit callt. Das sind folgende Hände: T5o, T7o, T9o, TJo, TQo, T2s, T4s, T5s, T7s, T9s, TJs, TQs, 85o, 87o, 89o, 8Jo, 8Qo, 8Ao, 82s, 84s, 85s, 87s, 8Js, 8Qs, 8As. Das entspricht 138 Kombinationen.
Gegen 138 Kombinationen gewinnst du also mit einem Checkraise 1 BB mehr als mit einer Bet, verlierst jedoch gegen 132 Kombinationen mit dem Check/Raise 1 BB gegenüber der Bet, da dein Gegner den River mit diesen Händen behindchecken wird.
Zusätzlich muss noch beachtet werden, dass der Gegner mit 33, 63s, T3s, 83s sich zu einem Set bzw. 2-Pair verbessert hat und dich damit überholt hat. Es ist davon auszugehen, dass der Gegner diese Hände gegen eine Bet raist und gegen einen Check/Raise 3-bettet, das heißt, du verlierst mit Check/Raise/Call 1 BB mehr als mit Bet/Call, sodass diese Hände zur Berechnung des EV's zu denen addiert werden können, gegen die die Bet 1 BB mehr gewinnt als der Check/Raise. 33, 63s, T3s, 83s entsprechen 9 Kombinationen, es steht damit insgesamt 141:138 für die Bet.
Allerdings ist es sehr knapp und schon geringe Veränderungen der Annahme über die Range des Gegners haben Auswirkungen auf die bessere Line.
CO: Fisch
BU: TAG
Preflop: Hero is UTG with A
Hero raises, CO calls, BU calls, 2 folds.
Flop:(7.5 SB) J

Hero bets, CO folds, BU calls.
Turn:(4.75 BB) 2
Hero bets, BU calls.
River:(6.75 BB) J
Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Button ist ein TAG. Du kannst daher gute Annahmen über seine Coldcalling-Range machen. Realistisch ist etwa: 22-77, 67s-KQs, 79s-JKs.
Nachdem er Flop und Turn nur callt, kannst du Hände ohne Draw und Pair aus seiner Range entfernen. Ebenso kann er den Jack oder 66/22 nicht haben, da er starke made Hands am Flop oder Turn geraist hätte. Mit der T würden manche TAGs auch den Flop oder Turn raisen, manche angesichts deiner starken Range aber nur passiv callen.
Es ist auf diesem Board durchaus wahrscheinlich, dass der Gegner kleinere Pairs passiv spielt. Draws sind auch noch nach wie vor in seiner Range, weil der Gegner sich gegen ein UTG-Raise auf diesem Board keine Foldequity ausrechnen wird, da du mit AK und AQ einen Gutshot + Overcards hättest, womit du auf jeden Fall den River sehen würdest. Außerdem könntest du auf die Idee kommen, AK und AQ zu semibluffen, was einem kleinen Pocket das Leben schwer machen würde.
Seine Handrange enthält am River also relativ sicher folgende Hände: 33-55,77, 67s, 89s,
Oft, aber nicht sicher, in seiner Range sind außerdem diese Holdings: 78
Ein TAG wird fast nie mit dem busted Draws den River callen oder bluffraisen. Daher ist gegen diese Hände eine Bet schon mal definitiv schlecht. Er wird zwar auch selten bluffbetten, wenn du zu ihm checkst, trotzdem ist das deutlich wahrscheinlicher als ein Bluffraise.
Du kannst davon ausgehen, dass der TAG in der Regel jedes Pair am River crying callen wird, da er noch gegen einige Hände aus deiner Range vorne liegt. Ausnahme wäre ein tougher Fold mit guten Reads, wenn der Gegner vermutet, du würdest AK am River checken.
Mit einer Bet würdest du also gegen die Pairs eine sichere Big Bet bekommen. Gegen busted Draws ist der Unterschied zwischen einem Check und einer Bet marginal, weil TAGs hier selten bluffen werden.
Wie oft muss das Checkraise mit Initiative funktionieren, damit es einen höheren EV hat als die Bet? Da du riskierst, eine Big Bet weniger zu gewinnen, um im Erfolgsfall eine Bet mehr zu gewinnen, muss der Spielzug in 50% der Fälle erfolgreich sein!
Wenn der TAG z.B. 33-55 behindcheckt (18 Kombinationen), dafür aber 56s, 67s, 77 und 88 bettet (18 Kombinationen), ist der EV des Checkraises gleich dem EV einer Bet.
Wenn man noch die Chance hinzurechnet, dass der Gegner selten doch einen Bluff bettet, wäre ein Checkraise profitabler als eine Bet.
In diesem Beispiel würden viele TAGs sogar jedes Pair valuebetten, weil sie dich nach dem Check auf A high setzen, was du aufgrund der busted Draws check/call spielen könntest. In diesem Fall wäre ein Checkraise nach den oben gemachten Berechnungen dann klar die beste Line.
Bei solchen Berechnungen wird jeweils nur die Entscheidung bezüglich ihres unmittelbaren EVs isoliert betrachtet. Dabei kann es für zukünftige Hände für dich von Vorteil sein, diesen Move versucht zu haben, selbst wenn er nicht funktioniert hat. Der Gegner wird nicht mehr so dünn gegen dich valuebetten können, was dir Geld sparen kann.
Villain: 45, 20, 0.8, 39
Preflop: Hero is MP with A
Hero raises, 2 folds, BU calls, 2 folds.
Flop:(5.5 SB) J

Hero bets, BU calls.
Turn:(3.75 BB) 2
Hero bets, BU calls.
River:(5.75 BB) 2
Hero checks, BU bets, Hero raises, SB calls.
Gegen dein MP-Raise würde der Gegner gute Asse 3-betten und schlechtere nur eventuell coldcallen. Wahrscheinlichere Hände nach einem Coldcall sind (suited) Connectors und Pockets.
Auf diesem Board kann er also sehr gut ein Pair oder einen Draw halten. Möglich sind z.B. 57, 79, 9T, TQ, 9Q als Straightdraws, eine Menge Flushdraws sowie 6x, 8x und 33, 44, 55, 77 als Pairs.
Der Gegner ist nicht sehr aggressiv. Du kannst daher keine dieser Hände aus seiner Range streichen, nur weil er an Flop oder Turn nicht geraist hat. Lediglich der Jack wäre wahrscheinlich aggressiv gespielt worden.
Wenn du hier den River checkst, wird es für den Gegner so aussehen, also ob du aufgibst, z.B. mit Händen wie QTs, oder als ob du check/call mit A high spielst.
Das wäre in diesem Fall auch eine gute Line mit A high, die du oft spielen würdest - check/call for Bluffinduce.
Daher wird der Gegner geneigt sein, einen großen Teil seiner Handrange zu betten, Pairs for Value gegen A high und ggf. busted Draws als Bluff. Selbst wenn er wertlose Hände nicht blufft, verlierst du gegen diese Hände mit einem Check keinen Value.
MP: weak-semiaggressive (22/14/1,7/35)
Preflop: Hero is SB with A
UTG raises, 3 folds, Hero 3-bets, 1 fold, UTG calls.
Flop:(7 SB) 2

Hero bets, UTG calls.
Turn:(4.5 BB) A
Hero bets, UTG calls.
River:(6.5 BB) 4
Hero checks, UTG bets, Hero raises, UTG calls.
In dieser Hand spielst du gegen einen passiven Gegner, der die 5 oder 4 eher nicht in seiner Range hat und sie außerdem nicht zum Showdown bringen würde. Du kannst außerdem davon ausgehen, dass er kleinere Pockets am Turn foldet (zu Recht gegen deine starke Range).
Nachdem er den Turn noch einmal callt, kannst du seine Range auf zwei Handkategorien einschränken, auf Flushdraws (67 ist nicht in seiner Range) und das Ass. Hände wie JJ-AA hätte er wahrscheinlich preflop gecappt. Da er bei dir von einer starken Hand ausgeht, könnte er den Flushdraw auch aus Angst vor einer 3-Bet passiv spielen.
Das Toppair wird er hier nur Wa/Wb downcallen, auf einen Check von dir am River wird aber selbst ein passiver Gegner fast immer valuebetten. Einen busted Flushdraw wird er zwar nicht oft bluffbetten, noch seltener aber callen, so dass das Checkraise mit Initiative hier eine gute Spielweise ist.
Villain TAG
Preflop: Hero is SB with K
Hero raises, BB calls.
Flop:(4 SB) T

Hero bets, BB calls.
Turn:(3 BB) 7
Hero bets, BB calls.
River:(5 BB) 4
Hero checks, BB bets, Hero raises, BB calls.
Dies ist eine Situation, in der ein Checkraise mit Initiative auch mit einer schlechteren Hand als Toppair relativ sexy sein kann. Der Gegner ist aggressiv genug, um sein Toppair am Flop oder Turn zu raisen, daher ist 2nd Pair mit 2nd Kicker in dieser Situation eine ebenso starke Hand wie Toppair mit Topkicker.
Der Flop ist ziemlich schlecht für A high, so dass man diese Hand eher vernachlässigen kann, nachdem der Gegner nach dem Flop auch den Turn callt.
Damit bleiben für seine Range viele Pairs über (Tx, 8x, 79, 7J, kleine Pockets), die der Gegner auf Check oft betten wird, weil die mit deiner Spielweise eine schwache Hand repräsentierst, die eine Bet noch callen könnte.
Weiterhin hält er am River auch möglicherweise busted Draws, mit denen er sich für eine passive Spielweise entschieden hat. Es kann ja auch durchaus sinnvoll sein, Draws passiv zu spielen und sie erst am River zu bluffen, weil dies am wenigsten einen Draw repräsentiert. So kann sich der Gegner mit einer Bet Foldequity ausrechnen.
Diese Denkweise hat ihre Berechtigung, da in solchen Situationen auch Hände aufgegeben werden, weil man eben nicht mit einem busted Draw rechnet. Dieser Gedankengang spielt besonders im Spiel TAG vs. TAG eine Rolle, da auf diesem Niveau 2nd und 3rd Level Thinking einen wichtigen Denkprozess darstellt.
Abgesehen von der Handrange des Gegners, musst du außerdem beachten, was du selbst mit dem Check repräsentieren kannst, wie deine eigene Handstärke ist und was für einen Gegner du hast.
Was denkt dein Gegner über deinen Check am River?
Abgesehen davon, dass in der Handrange des Gegenspielers potenzielle Valuebet-Hände vorhanden sein müssen, muss es aus seiner Sicht auch plausibel erscheinen, dass du mit einer schlechteren Hand callen würdest, nachdem du gecheckt hast. Ansonsten wird er nicht valuebetten, selbst wenn er eine recht starke Hand hat.
Schlechte Spieler werden sich darüber keine Gedanken machen. Gegen aufmerksamere Gegner musst du dir aber darüber klar sein, was du eigentlich mit dem Check für eine Hand repräsentieren kannst.
Wenn es deinem Gegenüber unwahrscheinlich erscheint, dass dein Check auch Check/Call bedeuten kann, wird er nicht dünn valuebetten.
In einigen Situationen ist deine eigene Range nach dem Check am River polarisiert zwischen Händen, die du C/F spielst und jenen, die du C/R spielst, weil C/C in manchen Situationen keinen Sinn macht. Wenn dein Gegner weiß, wie du spielst und in der Lage ist, die Situation richtig zu deuten, wird er in diesen Spots auf deinen Check immer behindchecken.
Dieser Aspekt beinhaltet eine Menge 2nd Level Thinking und setzt gute Gegner mit guten Reads auf dich voraus. Da man solche Gegner vermehrt auf höheren Limits findet, ist es wichtig, sich darauf einzustellen.
Generell sind Spots gut, in denen du A high repräsentierst, mit dem du check/call spielen willst. Wenn du preflop geraist hast, das Board dich oft verfehlt hat und viele busted Draws möglich sind, würdest du mit A high oft check/call for Bluffinduce spielen. Das wissen viele Gegner und werden demnach jedes Pair for Value betten, so dass deine Chancen für ein erfolgreiches Checkraise mit der besten Hand gut sind.
Preflop: Hero is SB with A
UTG raises, 3 folds, Hero 3-bets, 1 folds, UTG calls.
Flop:(7 SB) A

Hero bets, BU calls.
Turn:(4.5 BB) 2
Hero bets, BU calls.
River:(6.5 BB) 3
Hero?
Dieser Spot scheint zunächst sehr gut geeignet für einen Checkraise mit Initiative. Das hängt aber elementar davon ab, wie gut der Gegner deine Lines kennt.
UTG = schlechter TAG
Wenn du gegen einen unaufmerksamen, schlechten oder aggressiven TAG spielst, wäre dieser Spot sehr gut für ein Checkraise mit Initiative. Der Gegner hat hier nämlich fast immer das Ass, was er Wa/Wb spielt, da keine andere Hand aus seiner Range Sinn ergibt, weil er 7x UTG nicht raist und weil er ein Pocket hätte folden müssen.
Wenn du checkst, wird er glauben, du hast selbst nur ein Pocketpair, und wird valuebetten, so dass du mit dem Checkraise fast immer eine zusätzliche Big Bet extrahieren kannst.
UTG = guter TAG, der Reads sammelt
Gute Tags kennen deine Handrange und machen Annahmen darüber, welche Hände du wie spielen wirst. Aus deiner Sicht würde es keinen Sinn ergeben, ein Pocketpair zu check/callen, weil dann eigentlich jede schlechtere Hand behindchecken wird und nur bessere Hände betten.
Dieser Sachverhalt wird auch im Artikel zum Riverplay in der Goldsektion behandelt. LINK (speziell Seite 3, Check/Call Beispiel 3. http://de.pokerstrategy.com/strategy/fixed-limit/1289/3/)
Der Gegner wird also wissen, dass du meistens check/fold spielen willst, z.B. mit 88 oder KQ, oder eben check/raise mit einem Ass. Die Gefahr ist also sehr groß, dass der Gegner selbst mit einem Ass check behind spielen könnte.
Check/Raise versus Bet/3-Bet
Wenn deine Hand so stark ist, dass du damit 3-betten könntest, solltest du eher geneigt sein, selbst zu betten. Das gilt insbesondere, wenn es wahrscheinlich ist, dass dein Gegner den River raist. Das ist z.B. der Fall, wenn du einen Read auf den Gegner hast, dass er gerne delayt und mit einem Raise bis zum River wartet, oder wenn die Riverkarte die Range des Gegners oft getroffen hat, so dass gute Chancen auf ein Raise mit einer verbesserten 2nd best Hand bestehen.
Je nach Gegenspieler und Situation kann eine Leadbet am River auch einen Bluffinduce-Effekt haben. Gegen gute und sehr aggressive Gegner kann eine Riverbet eher einen Bluff inducen als ein Check. Eine Riverbet polarisiert deine Range oft stärker als ein Check, der in vielen Fällen C/C bedeutet.
Bettest du hingegen, könntest du auch einen Bluff starten. Kann dein Gegner aber selbst einen Bluff kaum schlagen, könnte er ein profitables Bluffraise in Erwägung ziehen. Generell sind Bluffraises am River aber eher die Ausnahmen. Du brauchst also schon einen Read, dass er zu sehr aggressiven Plays in der Lage ist, wenn du ein Bluffraise provozieren möchtest.
Gegen wen ist die Line am besten?
Die typischen Gegner für die Line sind nicht TAGs, obwohl es gegen viele aggressive TAGs auch gut funktionieren kann. Typische TAGs sind zwar in der Lage, dünn zu valuebetten, was ein Checkraise mit Initiative begünstigt.
Dafür haben sie aber selten eine Range, die gut für deinen Move ist. Das kommt daher, weil die meisten TAGs Draws ohne SD-Value und Pairs aggressiv spielen. Sie haben also relativ oft A high in ihrer Range, wenn sie bis zum River nur passiv gecallt haben und werden aus dem Grund nur selten betten. Außerdem bluffen TAGs nicht viel, wenn zu ihnen gecheckt wird, was den Bluffinduce-Effekt der Line entkräftet.
Ein weiterer Grund wurde schon erläutert. Gute TAGs (auf 5/10+) werden in den entsprechenden Spots oft deine Checkraise-Absicht erkennen und aufgrund der Polarisierung deiner Range selbst relativ gute Hände nicht valuebetten. Es ist nicht so leicht Spots gegen sie zu finden, in denen du mit einem Check am River wenig Argwohn erweckst.
Eine gute Möglichkeit zu überprüfen, ob ein Checkraise gut ist, besteht darin, dir in der konkreten Situation am River zwei Fragen zu stellen:
- Habe ich viele A high oder andere schwache made Hands in meiner Range?
- Würde ich diese in der gegebenen Situation check/callen?
Wenn beides erfüllt ist und dein Gegner gut ist, wird er die Fragen für dich ebenfalls beantworten können und somit für sich eine dünne Valuebet für profitabel halten. Generell kannst du natürlich gegen Gegner, gegen die du oft check/call River spielst, auch öfter check/raisen als gegen andere.
Die optimalen Gegner für die Line raisen selten, betten aber oft. Jede Menge Callingstations und andere Fische raisen fast nie, betten aber meistens, wenn man zu ihnen checkt. Leider sind diese Reads nicht durch Stats zu bekommen. Ein Tableread ist also sehr wichtig. Wenn der Gegner nicht in der Lage ist, dünn zu valuebetten, sollte man immer selbst betten.
Ein Checkraise kann oft gut sein, wenn der Gegner wenig showdownbound ist. Jemand mit 45 WTS oder höher wird am River immer viele weake Hände in seiner Range haben, die er auf eine Bet noch callt, aber nicht selbst bettet, so dass ein Checkraise zu oft Value verschenkt.
Wenn ein Gegner mit niedrigem WTS am River ist, bestehen gute Chancen, dass er eine solide made Hand oder einen guten Draw hält. Gegen beide Handkategorien bietet sich das Checkraise an.
Fazit
Die Line check/raise River mit Initiative hat im Wesentlichen zwei Intentionen. Du willst zum einen gegen schlechte Gegner einfach eine Extrabet kassieren, weil sie in die dir gestellten Fallen tapsen. Zum anderen willst du gegen gute Gegner deine Checks am River optimal balancen.
Es ist nicht zu vermeiden, dass du OOP mit Initiative auch mal am River checken musst. Um nach diesen Checks nicht wie ein zahnloser Hai dazustehen, solltest du auch in der Lage sein, nach einer Bet des Gegners zu checkraisen.
In diesem Artikel hast du gelernt, wie du optimal bewerten kannst, wann ein Checkraise am River die profitabelste Spielweise sein kann. Wenn du diese Line korrekt anwendest, kannst du schlechte Spieler maximal exploiten und bist auch für gute Spieler ein sehr unangenehm zu spielender Gegner.
| LINKS | |||||
|
|||||
