Wie spielst du made Hands am Turn?
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du die richtige Turn-Line findest
- Wie du auf Donks und Raises reagierst
Nachdem du bereits im Artikel Wie spielst du made Hands am Flop? grundlegende Konzepte vom Spiel mit made Hands kennen gelernt hast, soll es in diesem Artikel auf dem gleichen Wege weitergehen.
Du wirst erfahren, wann du am Turn eine weitere Bet platzierst, wie du auf Donks reagierst und was das beste Spiel gegen Raises ist. Anhand von Beispielen werden dir dabei verschiedene Konzepte näher erläutert, die dir ein gutes Gefühl vom Spiel am Turn mit Made Hands geben werden.
Welche Line spielst du?

Diese Graphik kennst du schon aus dem Artikel Wie spielst du Made Hands am Flop?
Sie gilt auch für das Spiel am Turn. Lediglich das raisen/cappen mit Draws for Value ist am Turn nicht möglich, da du bei nur einer verbleibenden Karte fast nie genug Outs für dieses Spiel hast. Draws können am Turn natürlich auch als Semibluff geraist werden, dies ist aber nicht Bestandteil dieses Artikels.
Wie auch am Flop bildet am Turn die Stärke deiner Hand die Ausgangsposition. Doch am Turn musst du strenger beurteilen, ob du die beste Hand hast oder nicht. Während du am Flop eventuell noch Spielern gegenüberstehst, die mit Gedanken „Mal schauen, was der Flop bringt“ gespielt haben, sind am Turn in den meisten Fällen nur noch Hände unterwegs, die einen gewissen Wert haben, sei es durch Draws oder made Hands. Das musst du in deine Entscheidung einbeziehen.
Du hast sicher die beste Hand
In diesem Fall ist die Entscheidung einfach. Du gibst weiter Gas! Du bettest und raist bis zum Cap. Für unbegrenztes Raisen am Turn benötigst du aber mindestens Twopair, in manchen Fällen eine noch stärkere Hand.
Du hast wahrscheinlich die beste Hand
Du siehst dich in der Mehrzahl der Fälle vorne, also bettest du, um Value zu erhalten und deine Hand zu protecten. Im Gegensatz zum Flopplay ist die Entscheidung für ein Raise jedoch nicht mehr so einfach. Hier kommt es darauf an, wie der Gegner raist.
Während du am Flop mit Overpair und Toppair meistens Bet/3-Bet spielst, musst du am Turn mit solchen Händen oft nur noch passiv weiterspielen. Wie du deine Hand nach einem Raise korrekt bewertest, erfährst du im Laufe des Artikels.
Du hast eventuell die beste Hand
Du siehst dich auch hier noch oft genug vorne für eine Bet. Doch hier geht es dir größtenteils um Protection. Viele Karten könnten dir noch gefährlich werden, also willst du die Gegner zahlen lassen. Gegen ein Raise siehst du dich dagegen sicher hinten und spielst nach Odds & Outs weiter.
Du hast nicht die beste Hand
Deine Hand ist nicht mehr gut genug, um dich im Mittel vorne zu sehen. Protection spielt keine Rolle mehr. Du möchtest günstig die nächste Karte sehen und dich verbessern. Also spielst du direkt nach Odds & Outs weiter und bettest nicht mehr.
In diesem Artikel (und somit auch schon in der obigen Grafik) wird davon ausgegangen, dass du am Turn die Initiative hast.
Wann bettest du den Turn mit Initiative?
Der wesentliche Unterschied zwischen Flop und Turn sind die Betgröße, die ab dem Turn doppelt so hoch sind.
Es geht nun um Big Bets. Wirf dein Geld nicht aus dem Fenster!
Aufgrund der doppelten Betgröße sind die Pot Odds wesentlich schlechter als am Flop, also musst du am Turn tighter agieren. Am Flop kann man eine SB eher investieren als eine BB am Turn, zumal man auch mit schwachen Draws evt. sogar eine Freecard bekommen kann. Am Turn musst du genauer überlegen, ob deine Hand wirklich eine Big Bet wert ist und darfst mit deinen Bets nicht zu sorglos umgehen.
Hol dir aber das Geld von den Gegnern ab, das dir zusteht!
Trotzdem solltest du Valuebets nicht aus den Augen verlieren. Hast du dich am Flop oft vorne gesehen, ist das am Turn oft auch noch so. Doch dazu mehr im nächsten Abschnitt. Dadurch willst du natürlich auch Geld von Draws kassieren, gegen die du ja ebenfalls vorne bist.
Gegen einen Check können die Gegner nicht folden!
Wegen der schlechteren Pot Odds müssen aber auch deine Gegner tighter werden, was du in den richtigen Situationen zu deinem Vorteil nutzen solltest. Besteht die Wahrscheinlichkeit, dass alle Hände, darunter sogar eventuell bessere Hände, folden, ist auch am Turn eine Bet angebracht.
Aus diesen Punkten ergibt sich folgende Checkliste. Kannst du auf eine der Fragen mit Ja antworten, solltest du betten.
- Callen schlechtere made Hands?
- Könnten bessere Hände folden?
- Sind Draws (die du am Turn schlägst) wahrscheinlich, die zahlen sollen?
Preflop: Hero is BB with A
6 folds, CO calls, SB completes, Hero raises, CO calls, SB calls
Flop: (6 SB) T


SB checks, Hero bets, CO raises, SB folds, Hero 3-bets, CO calls
Turn: (6BB) K
Hero ???
Callen schlechtere made Hands?
Der King stellt auf den ersten Blick eine Scarecard für dich dar, doch du kannst dich trotzdem noch oft vorne sehen. Der CO raist am Flop mit einer großen Anzahl von made Hands, angefangen bei Bottompair.
Gegen den Großteil dieser Hände bist du vorne. Von denen möchtest du einerseits Value haben und andererseits auch protecten, etwa gegen 5-Outer mit einem Middlepair. Außerdem könnte er viele dieser made Hands selber behindchecken, da er sich nicht mehr oft vorne sieht und billig zum Showdown will.
Hierbei darfst du die Flopaction nicht aus den Augen verlieren: Du hast ge-3-bettet und die Initiative. Checkst du nun am Turn, hast du ziemlich offensichtlich keine Hand, die du folden willst, denn sonst hättest du als Bluff gebettet, da der King eine gute Scarecard darstellt. Alles in allem verlierst du also Value mit einem Check und bettest daher.
Der Vollständigkeit halber werfen wir noch einen Blick auf die anderen Fragen der Checkliste.
Könnten bessere Hände folden?
Das ist sehr unwahrscheinlich. Bessere Hände sind JJ, QQ, sowie Toppair und besser. Die Pocketpairs sind aufgrund der Preflopaction unwahrscheinlich (limp, complete) und ein King hat sich gerade verbessert, wird also fast nie folden.
Sind Draws wahrscheinlich, die zahlen sollen?
Das Board ist ziemlich trocken. 2 OESDs sind möglich, ansonsten nur Gutshots und Overcards. Protection vor Draws tritt somit in den Hintergrund und sollte in dieser Situation nicht den einzigen Grund für eine Bet ausmachen.
Glaubst du, nach der Flopaction die beste Hand zu haben (ohne den Turn zu kennen), dann bettest du in den meisten Fällen am Turn ein weiteres Mal. Ausnahmen gibt es, diese sind aber relativ selten.
Doch wie das so mit Richtlinien und Regeln ist, gibt es Ausnahmen, wie folgendes Beispiel verdeutlichen soll.
Preflop: Hero is SB with J
MP2 raises, 2 folds, BU 3-bets, Hero caps, BB folds, MP2 calls, BU calls.
Flop: (13 SB) T


Hero bets, MP2 calls, BU calls
Turn: (8 BB) A
Hero ???
Am Flop liegst du mit deinem Overpair oft vorn. Da du kein Raise bekommst, kannst du sogar noch sicherer sein, da in so großen Pötten seltener ein Monster slowgeplayt wird. Die Gegner halten hier oft kleinere Paare oder Overcards, meist mit einem Ass. Am Turn kommt nun eine denkbar schlechte Karte.
Callen schlechtere made Hands?
Schlechtere made Hands callen selten. Es könnten lediglich kleine Paare callen, die noch einen Flushdraw am Turn aufgegabelt haben. Außerdem eine T, die am Flop passiv gespielt wurde und die sich noch 5 Outs auf ein Twopair gibt.
Könnten bessere Hände folden?
Fast nie. Auch wenn das Board für QQ und KK nun ebenfalls unschön geworden ist, werden solche Hände in solchen Pots fast von keinem Gegner gefoldet.
Sind Draws wahrscheinlich, die zahlen sollen?
Draws sind sehr gut möglich, allein schon einzelne 
Du hast also nur auf Frage 3 eine halbwegs positive Antwort bekommen, was für eine Bet allerdings nicht ausreicht. Du kannst dich im Mittel nicht mehr vorne sehen, weshalb es auch nichts bringt, Draws zahlen zu lassen. Außerdem wäre ein Raise absolut hässlich, weil du deinen Flushdraw nicht folden könntest und die Hand dann unnötig teuer wird.
Hero check/calls. Dies ist der beste Weg, um so günstig wie möglich zum River zu kommen.
Was kannst du daraus lernen? Kommt am Turn die falsche Karte, kann das deine Taktik völlig verändern. In seltenen Fällen macht eine Turnbet keinen Sinn, selbst wenn du am Flop meistens vorne gelegen hast.
Wie reagierst du auf eine Donk?
Preflop: Hero is Button with A
1 fold, UTG+1 calls, 2 folds, MP2 calls, 1 fold, CO raises, Hero 3-bets, 3 folds, MP2 calls, CO calls
Flop: (11,5 SB) 6


MP2 checks, CO bets, Hero raises, MP2 calls, CO 3-bets, Hero caps, MP2 calls, CO calls
Turn: (11,75 BB) Q
MP2 checks, CO bets, Hero ???
Preflop und am Flop gab es mit deinen Aces sehr viel Action und am Turn donkt der CO erneut trotz deines Caps am Flop. Am Turn kommen nun der Flushdraw und eine weitere Karte aus seiner Playingzone an.
Der Gegner könnte den Flush halten, Twopair, eventuell sogar ein Set. Du kannst hier nicht davon ausgehen, dass du im Mittel noch vorne liegst. Außerdem ist MP2 ebenfalls noch in der Hand. Im Mittel kannst du dich gegen beide nicht mehr vorne sehen, weshalb du nur noch callst.
Turn: (11,75 BB) 2
MP2 checks, CO bets, Hero ???
Der Turn bringt eine Blank. Doch selbst hier kannst du dich nicht mehr gegen CO vorne sehen. Einen Flushdraw kannst du jetzt mit ziemlicher Sicherheit ausschließen. Er könnte noch mal mit einem Toppair donken (eventuell, weil er Angst vor einer Freecard hat), doch in den meisten Fällen wird er dennoch eine stärkere Hand halten, weshalb du auch hier ebenfalls passiv weiterspielst.
Wie reagierst du auf ein Raise hinter dir?
Dieses Thema ist wesentlich komplexer als das Äquivalent am Flop. Während du am Flop in einen Raise oft wegen der guten Odds und der weiten Range der Gegner callen wirst, musst du am Turn auf einen Raise sensibler reagieren. Das resultiert aus der Verdoppelung der Betsize am Turn und dass nur noch eine Karte kommt, die Semibluffern weiterhelfen kann.
Ein Bluffraise ist eventuell möglich, falls du nur wenige Gegner hast (gerade im Heads-up ist das Spiel teilweise wesentlich aggressiver) und zwischen dir und dem Bluffer keine Caller sind.
Aus diesen Gründen werden dir im Folgenden verschiedene Arten von Turnraises vorgestellt. Darauf aufbauend erfährst du, wie du in den einzelnen Handkategorien agierst.
Villain 1 checks, Villain 2 checks, Hero bets, Villain 3 raises
In dieser Situation ist ein Bluff noch am wahrscheinlichsten von Villain 3. Es sind keine Caller zwischen dir und dem Aggressor und er ist in Position. Außerdem haben schon zwei Spieler gecheckt, was marginale Hände bei ihnen vermuten lässt, die Villain 3 gut möglich rausbluffen kann. Dennoch musst du selbst hier schon in den meisten Fällen von einer starken made Hand ausgehen, mindestens Toppair und besser.
Hero bets, Villain raises (2 Spieler noch dahinter)
Hier ist ein Bluff schon etwas unwahrscheinlicher. Villain ist out of Position gegen zwei andere Spieler, die noch nicht agiert haben. Außerdem hast du ebenfalls gegen drei Spieler oop eine Bet platziert.
Hero bets, Villain 1 calls, Villain 2 calls, Villain 3 raises
In dieser Situation kannst du einen Bluff nahezu komplett ausschließen. Du zeigst mit deiner Bet in drei Spieler viel Stärke und zwei Gegner callen. Hier weiß selbst ein ziemlich dummer Gegner, dass ein Bluff nur extrem selten Erfolg hat. Die Hand von Villain 3 ist sehr stark.
Villain 1 checks, Hero bets, Villain 2 calls, Villain 3 calls, Villain 1 check/raises
Diese Situation ist noch eine leichte Steigerung der vorigen. Während Villian 3 in der letzten Situation in Position gegen alle war, ist Villain 1 nun out of Position gegen alle Gegner und checkraist drei Gegner. In den meisten Fällen wird er das nur mit einer sehr starken Hand, oft einem Monster, machen.
Befassen wir uns nun mit den einzelnen Handkategorien.
Mit diesen Händen hast du in den meisten Fällen auch am Turn noch die beste Hand und 3-bettest daher fast immer.
Preflop: Hero is BB with Q

2 folds, CO raises, BU calls, SB folds, Hero calls.
Flop: (6.50 SB) T


Hero checks, CO bets, BU calls, Hero raises, CO calls, BU calls.
Turn: (5.75 BB) A
Hero bets, CO raises, BU calls, Hero ?
Du triffst am Flop die Nutstraight. Am Turn raist dich der CO und der BU coldcallt. Du findest dich in der eben erläuterten Situation B wieder. Offensichtlich bist du gegen BU vorne, fraglich ist nur der CO. Doch selbst gegen ihn kannst du dich oft vorne sehen.
Da er am Flop nicht weiter Action gemacht hat und das auf einem drawlastigen Board, kannst du ein Full House weitestgehend ausschließen. Viel öfter hält er hier Trips Aces und du solltest for Value und Protection 3-betten.
Mit diesen Händen liegst du ebenfalls in den meisten Fällen vorne und solltest dich von einem Raise nicht abschrecken lassen.
Preflop: Hero is MP2 with Q

Hero raises, MP3 calls, 3 folds, BB calls.
Flop: (6.50 SB) J


BB checks, Hero bets, MP3 calls, BB calls.
Turn: (4.75 BB) 2
BB checks, Hero bets, MP3 raises, BB calls, Hero ?
Der MP3 raist deine erneute Turnbet und der Big Blind coldcallt. Dieses Beispiel spiegelt die oben dargestellte Situation A wider. Da der MP3 am Flop nur gecallt hat und erst am Turn raist, hat er meistens eine starke Hand. Draws würde er meist schon am Flop raisen und am Turn fällt eine Blank - ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt zum Bluffen oder Semibluffen.
Doch du selbst hältst ebenfalls eine sehr starke Hand. Bessere Hände sind AK, AJ, A2, JJ und 22. AK, AJ und JJ sind aufgrund der Preflopaction eher unwahrscheinlich, also bleiben nur A2 und 22 übrig, wobei 22 am Flop auch foldbar wäre. Viel wahrscheinlicher ist aber ein kleineres Ass, weshalb du hier eine klare 3-Bet hast.
Preflop: Hero is MP3 with K

UTG+1 calls, 2 folds, MP2 calls, Hero raises, 5 folds, BB calls, UTG+1 calls, MP2 calls
Flop: (8.5 SB) Q


BB bets, UTG+1 calls, MP2 calls, Hero raises, BB calls, UTG+1 calls, MP2 calls
Turn: (6,23 BB) 7
BB checks, UTG+1 checks, MP2 checks, Hero bets, BB calls, UTG+1 calls, MP2 raises, Hero ?
Du hast Top-Twopair am Flop getroffen und am Turn pairt sich das Board. Du findest dich in Situation D wieder.
Der MP2 checkraist das gesamte Feld. Wie du schon am Anfang dieses Abschnitts erfahren hast, zeigt MP2 mit diesem Raise extreme Stärke. Da sich das Board gepairt hat, musst du hier von einer 7 ausgehen und kannst nicht mehr 3-betten, sondern Calldown spielen.
Liegst du wirklich hinten, hast du noch 4 solide Outs auf ein Full House, was einen Call am Turn easy macht. Außerdem besteht immer die, wenn auch sehr geringe, Wahrscheinlichkeit, dass MP2 mit einer schlechteren Hand wie Kx raist. Komplett ausschließen kannst du es nicht und solltest daher auch am River noch die letzte Bet investieren.
Mit Overpairs und Toppairs sieht die Situation nicht mehr ganz so rosig aus. Eine 3-Bet ist in den meisten Fällen unprofitabel.
Preflop: Hero is SB with A
1 fold, UTG+1 calls, 2 folds, MP2 raises, 1 fold, CO calls, 1 fold, Hero 3-bets, 3 folds, MP2 calls, CO calls
Flop: (11 SB) 7


Hero bets, MP2 raises, CO calls, Hero 3-bets, MP2 calls, CO calls
Turn: (10 BB) J
Hero bets, MP2 raises, CO folds, Hero ?
Der MP2 raist deine erneute Bet am Turn, nachdem es auf den vorigen Straßen schon viel Action gab. Du bist in Situation B. Der CO foldet und du bist im Heads-up. Am Flop könnte MP2 mit vielen Händen raisen. Die wahrscheinlichsten made Hands sind hier Bottompair bis Toppair. Da das Board so drawlastig ist, könnte er auch mit einigen Draws raisen. Flushdraws sind möglich, ebenso Straightdraws. Straightdraws sind jedoch nicht wahrscheinlich, da MP2 vor dem Flop einen Limper isolieren wollte und somit eher höhere Karten in seiner Range liegen.
Sein erneutes Raise am Turn deutet jedoch auf eine Hand hin, die dich oft geschlagen hat. Du hast vor und am Flop viel Stärke gezeigt, er kann also nicht davon ausgehen, dich noch zum Folden zu bringen. Er wird also in den meisten Fällen mindestens ein sehr gutes Toppair halten. Am wahrscheinlichsten sind hier aber Hände, die dich geschlagen haben. Sehr wahrscheinlich sind Twopairs wie KJ oder ein Set wie 99, 77 oder Jacks, die er am Flop, entgegen der Drawlastigkeit, slowplayen wollte. Du kannst dich also nicht mehr oft vorne sehen und solltest daher Calldown spielen.
Bedenke, dass du hier niemals folden darfst. Selbst wenn du hinten liegen solltest, hast du gegen eine Hand wie KJ noch 8 Outs.
Preflop: Hero is CO with A
6 folds, Hero raises, Button calls, 1 fold, BB calls
Flop: (6,5 SB) A


BB checks, Hero bets, Button calls, BB calls
Turn: (4,75 BB) 3
BB checks, Hero bets, Button raises, BB calls, Hero ?
Der Button raist deine Turnbet, nachdem er preflop coldgecallt hat und am Flop ebenfalls passiv agierte. Du bist in der oben genannten Situation A. Während du jedoch im letzten Beispiel noch gegen jedes Toppair vorne liegst, hast du nun den schlechtesten Kicker. Somit müsste der Button mit einer sehr marginalen made Hand am Turn bluffen, was unwahrscheinlich ist. Ebenso könnte er mit Draws semibluffen. Das Board ist sehr drawlastig. Da du aber im Allgemeinen von keinem Bluff ausgehen kannst, musst du dich in den meisten Fällen hinten sehen. Da du dir hier im Schnitt nur 2 bis 3 Outs geben kannst, musst du bei 10:1 Pot Odds sogar ausnahmsweise ein Toppair folden.
Der Fold in diesem Beispiel rührt hauptsächlich daher, dass dein Kicker so schlecht ist. Da du bei einem Turnraise generell von keinem Bluff ausgehen kannst und somit Toppair und besser am wahrscheinlichsten ist, hast du das Toppair in diesem Beispiel eher wie ein sehr gutes Middlepair betrachtet.
Preflop: Hero is SB with K
6 folds, CO calls, Button calls, Hero raises, BB calls, CO calls, Button calls
Flop: (8 SB) J


Hero bets, BB calls, CO calls, Button calls
Turn: (6 BB) 5
Hero bets, BB calls, CO calls, Button raises, Hero?
Der Button raist das gesamte Feld, nachdem ein OESD vom Flop angekommen ist. Du findest dich in Situation C wieder. In den meisten Fällen raist er hier ein absolutes Monster wie ein Set oder die Straight, eventuell noch ein Twopair. Du musst dich also weit hinten sehen und nach Odds & Outs weiterspielen. Ein Calldown kommt hier nur sehr selten in Frage, eben genau dann, wenn du Button zutraust, einen Draw oder eine schlechtere Hand zu bluffen. Bei einem unbekannten Gegner kannst du davon nicht ausgehen.
Wie viele discounted Outs hast du?
Du musst deine 5 Outs stark discounten. Das Board ist stark drawlastig und du könntest gut möglich bereits drawing dead sein. Auch hier kannst du dir nicht mehr als 2-3 Outs geben.
Wie groß ist der Pot?
Der Pot ist 11 BB groß.
Wie hoch sind die Kosten?
In den meisten Fällen wirst du nur 1 BB zahlen müssen. Die beiden Caller waren die ganze Hand über passiv, was sich auch nach dem Raise nicht oft ändern wird. Sehr wahrscheinlich sitzen beide auf Draws und marginalen made Hands.
Vergleich Pot Odds zu Odds: Entscheidung Call oder Fold
Mit deinen 2-3 Outs hast du bei 11:1 Pot Odds leider bei weitem nicht die korrekten Odds und musst auch hier schweren Herzens dein Toppair folden.
In dieser Kategorie von made Hands musst du dich in den meisten Fällen in allen Situationen weit hinten sehen, denn nun schlägt dich schon jedes Toppair und es gibt nur noch wenige made Hands, gegen die du noch vorne liegst.
Da Middlepairs marginale made Hands sind, die gegen wenige Gegner einiges an Wert gewinnen können, wird dir ein Beispiel mit unterschiedlicher Action vorgestellt.
Preflop: Hero is MP1 with T
3 folds, Hero raises, 3 folds, Button calls, 1 fold, BB calls
Flop: (6,5 SB) J


BB checks, Hero bets, Button calls, BB calls
Turn: (4,75 BB) 9
BB checks, Hero bets, Button raises, BB folds, Hero ?
Der Button raist deine Bet am Turn und der Big Blind foldet. Situation A ist gegeben. Der Move call Flop, raise Turn in Position spricht in einigen Fällen für eine starke made Hand, die der Button eventuell slowplayen will (was nicht gerade intelligent ist auf diesem drawlastigen Board).
Außerdem könnte er sich am Turn zu einem Twopair oder Set verbessert haben (wobei ein Set 9 unwahrscheinlich ist, da er vor dem Flop passiv coldgecallt hat). Dennoch könnte er möglicherweise bluffen oder semibluffen.
Er ist in Position und der Big Blind hat schon gecheckt. Das Board bietet Flush- und Straightdraws. Er könnte hier gut möglich mit einem Straightdraw vom Flop semibluffen oder am Turn einen Straightredraw aufgeschnappt haben.
Im Mittel musst du dich also gegen ihn hinten sehen. Aufgrund der Bluffmöglichkeiten spielst du jedoch Calldown und nicht nach Odds & Outs.
Preflop: Hero is MP1 with T
3 folds, Hero raises, 3 folds, Button calls, 1 fold, BB calls
Flop: (6,5 SB) J


BB checks, Hero bets, Button calls, BB calls
Turn: (4,75 BB) 9
BB checks, Hero bets, Button raises, BB calls, Hero ?
In dieser Situation callt der Big Blind, was deine Situation wesentlich schlechter macht. Gehst du bei ihm von einem mitdenkenden Spieler aus, muss er einen starken Draw halten, falls er drawt. Er bekommt ~4:1 Pot Odds auf den Call, braucht also ~9 Outs, was mindestens ein Flushdraw ist.
Ebenso könnte er aber eine made Hand, wie einen schlechten Jack, halten und sieht Button ebenfalls auf einem Bluff, möchte aber nicht 3-betten (gerade in so einer Situation sehen sich schlechte Spieler auf den unteren Limits oft überfordert, wollen aber ihr schlechtes Pair nicht folden und callen fälschlicherweise).
Im Mittel musst du dich also gegen die beiden Spieler hinten sehen und dementsprechend nach Odds & Outs weiterspielen.
Da du dir nur 1 – 1.5 Outs auf dein Pocketpair geben kannst, musst du folden, da der Pot viel zu klein ist.
Wie zu erwarten war, kannst du dich mit Bottompairs als der untersten Kategorie der made Hands nur sehr selten vorne sehen. Du bist im Falle von Raises seitens der Gegner oft nur noch gegen die Bluffs und Semibluffs vorne.
Preflop: Hero is MP1 with T
3 folds, Hero raises, 3 folds, Button calls, 1 fold, BB calls
Flop: (6,5 SB) J


BB checks, Hero bets, Button calls, BB calls
Turn: (4,75 BB) K
BB checks, Hero bets, Button raises, BB folds, Hero ?
Diese Hand ist ähnlich der letzten, doch nun hast du kein Middlepair mehr. Der King erscheint am Turn und der Button raist dich wieder. Im Gegensatz zum letzten Beispiel sind hier jedoch viel mehr Hände möglich, gegen die du hinten liegst. Der Button könnte sich zu einem Toppair oder Twopair verbessert haben, was auch sein passives Spiel am Flop erklärt. Draws sind immer noch gut möglich, auf die er bluffen könnte. Gerade der King als Scarecard stellt eine gute Bluff- oder Semibluff-Möglichkeit dar.
Doch da du hier kaum gegen eine sinnvolle made Hand vorne liegst, die er raisen könnte und du generell von keinem Bluff in der Mehrzahl der Fälle ausgehen kannst, solltest du hier auf ein passives Spiel umstellen und dementsprechend folden.
Beispiele
An dieser Stelle werden die Beispielhände aus dem Artikel Wie spielst du made Hands am Flop? weitergeführt, bei denen du mit Initiative zum Turn gegangen bist.
Preflop: Hero is MP2 with T
UTG+1 calls, UTG+2 folds, MP1 calls, Hero calls, 2 folds, BU calls, SB completes, BB checks.
Flop: (6 SB) J


SB checks, BB checks, UTG+1 checks, MP1 bets, Hero raises, 2 folds, BB calls, MP1 calls.
Turn: (6 BB) T
BB checks, MP1 checks, Hero bets, BB calls, MP1 raises, Hero ?
Zwei Spieler haben dein Raise am Flop gecallt. Am Turn erscheint nun eine sehr schlechte Karte. Du hältst nur noch das Idiot-End der Straight: jedes Ass hat dich überholt. Dennoch bettest du am Turn noch mal, doch eher weniger for Value, sondern hauptsächlich for Protection.
Der MP1 checkraist das Feld. Wie schon weiter oben erklärt, ist das ein sehr starker Move und er wird das nur mit Monstern machen. Du musst die Straight als sehr wahrscheinlich ansehen und spielst nach Odds & Outs weiter. Über Odds & Outs musst du hier aber nicht groß nachdenken. Du bist in der Mehrzahl der Fälle drawing dead und foldest daher.
Preflop: Hero is CO with K
6 folds, Hero raises, BU calls, SB calls, BB 3-bets, Hero calls, BU calls, SB calls.
Flop: (12 SB) 2


SB checks, BB bets, Hero raises, BU calls, SB folds, BB 3-bets, Hero caps, BU calls, BB calls.
Turn: (12 BB) 4
BB bets, Hero ?
Bis zum Turn gab es viel Action. Der Big Blind hat viel Stärke gezeigt und donkt auf einmal am Turn. Du musst neu bewerten. Am Flop hast du den Big Blind wenige Premiumhände (AK, AA, KK, TT) oder einen unwahrscheinlichen Flushdraw gesetzt.
Da er hier eventuell noch AK oder AA so spielt und du eventuell mit einem starken Draw am Flop for Value gecappt hast, solltest du ein weiteres Mal raisen, um einerseits vor dem Button zu protecten, der offensichtlich auf einem Draw oder einer marginalen Hand ist, und andererseits, um Value aus deinem Twopair zu ziehen. Du raist und callst auf eine 3-Bet down.
Preflop: Hero is BU with A
2 folds, UTG+2 calls, MP1 calls, 2 folds, CO raises, Hero 3-bets, 2 folds, UTG+2 calls, MP1 folds, CO calls.
Flop: (11.5 SB) 8


UTG+2 checks, CO bets, Hero raises, UTG+2 calls, CO 3-bets, Hero caps, UTG+2 calls, CO calls.
Turn: (12 BB) T
UTG+2 checks, CO bets, Hero calls, UTG+2 raises, CO 3-bets, Hero ?
Auch in dieser Hand gab es massig Action vor dem Flop und am Flop ging es sogar bis zum Cap. Am Turn donkt der CO. Wie im Abschnitt über Overpairs & Toppairs schon festgestellt, kannst du dich im Mittel nicht mehr vorne sehen und callst nur noch.
Doch der einst passive Spieler macht einen starken Move und checkraist das Feld, woraufhin der CO auch noch 3-bettet. Du bist hier in den allermeisten Fällen weit hinten und solltest dich aus der Hand schnellstmöglich verabschieden. Don’t get married with Aces!
Fazit
In diesem Artikel hast du die wichtigsten Konzepte kennen gelernt, mit denen du dein Spiel am Turn auf feste Füße stellen kannst. Dir ist es nun möglich, fundierte Entscheidungen mit den verschiedenen Handkategorien zu treffen und die Informationen über Gegner und Board richtig einzusetzen. Damit hast du ein wichtiges Thema der Pokertheorie von Texas Hold’em tiefer verstanden und kannst dieses Wissen nutzen, um deinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein.
Ob du den Inhalt dieses Artikels auch wirklich verstanden hast, kannst du im dazugehörigen Quiz überprüfen:
Teste dein Wissen im Quiz: Made Hands am Turn
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