Umstiegsguide auf Shorthanded
*Update 30.01.07*
Unterschiede zwischen Fullring und Shorthanded:
Shorthanded spielt sich nicht nur aggressiver sondern auch intensiver. Am Anfang hilft es, wenn ihr die Situationen so betrachtet, als ob ihr an einem Full Ring Tisch sitzt und die erste vier Spieler haben gefoldet. Shorthanded ist nämlich nicht grundlegend anders als Full Ring! Viele Spieler machen den Fehler und denken, nun loose-aggressive spielen zu müssen, das ist absolut falsch!
Tight is still right! 😉
Pre-Flop: Der Shorthanded Silber Chart
Da ihr nun mit nur fünf weiteren Mitspielern am Tisch sitzt, werdet ihr mit Situationen konfrontiert, für die das Starting Hand Chart nicht ausgelegt ist.
Wir möchten euch nun ein neues Werkzeug an die Hand geben, mit dem ihr Pre-Flop arbeiten könnt. Diese Chartsammlung ersetzt den alten Starting Hands Chart:

Anwendung der Charts:
Um die Charts richtig anwenden zu können, schildere ich im Folgenden einzelne Situationen und die korrekte Anwendung der Charts.
Alle Spieler vor euch folden:
Alle Spieler folden vor euch, ihr sitzt in den Positionen, die in dem Chart "FIRST IN" als Spalten aufgelistet sind. Die dort angegebenen Hände sagen euch, ab welcher Hand ihr raisen könnt. Alle anderen Hände werden gefoldet. Ihr spielt Pre-Flop also, solange vor euch kein Raise oder Call kam, IMMER "Raise or Fold", es gibt kein callen wenn ihr als erster dran seid!
1 Raise vor euch:
Vor euch raised ein Spieler. Ihr müsst entscheiden, ob eure Hand stark genug ist für eine 3-Bet oder ob ihr besser foldet. Dabei orientiert ihr euch nicht nach euer eigenen Position, sondern nach der eures Gegners, denn die Handrange eures Gegners richtet sich, wie es bei euch auch der Fall ist, nach seiner Position. Der Chart "1 RAISE" gibt die untere Grenze der Hände an, mit denen ihr 3-betten solltet. Ihr schaut einfach nach von welcher Position euer Gegner raised, nehmt die entsprechende Spalte der Tabelle und den Eintrag Links von dem "/". Befindet ihr euch im SB und werdet mit einem Raise konfrontiert, so 3-bettet ihr die Hände im entsprechenden Fend rechts von dem "/". Auch gegen einen Raise vor euch gilt, "Raise or Fold". Einzige Außnahme ist der Big Blind. Aus dem ihr auch gegen einen Raise einfach nur callen könnt mit einigen Händen. Mehr dazu in dem Blind Defense Kapitel weiter unten.
1 Raise, 1 Coldcall vor euch:
Ihr tut einfach so als gebe es nur den Raiser und keinen Coldcaller. Ihr macht eine 3-Bet mit den Händen die gegen die Position des Raisers laut dem Chart "1 RAISE & 1 CALL" vorne liegen. Dabei bestimmt ihr wieder seine Position und schaut den Eintrag in der entsprechenden Spalte nach. Pocket Pairs 3-bettet ihr in dieser Situation erst ab 99+.Hände die schlechter sind als die untere Grenze zum 3-Betten werden dann gecalled, wenn sie eine gute Playability oder gute Implied Odds haben. Dazu gehören die Hände JTs, QTs, KJs, 22-88.
1 Call, 1 Raise vor euch:
Siehe "1 Raise, 1 Coldcall vor euch" oben
1 Raise, 1 Reraise vor euch:
Hier gibt es nur Hände mit denen ihr Cap oder Fold spielt. Gecapped werden die Standard Cap Hände aus dem SHC (AKo/AKs/AA/KK/QQ). Auf 6-Max (also Shorthanded) Tischen könnt ihr noch AQs, JJ und TT dazu nehmen. Grafisch findet ihr dies dargestellt im Chart "3-BET".
1 Call vor euch:
Ihr raised alle Hände, die im Chart "LIMPER (1,2,3)" ganz links aufgeführt werden.
2 Calls vor euch:
Ihr raised alle Hände, die im Chart "LIMPER (1,2,3)" in der Mitte in der Spalte "Raise" aufgeführt werden. Die Hände die gecalled werden findet ihr in der "Call" Spalte.
3 und mehr Calls:
Ihr raised die Hände, die wenn ihr ein Paar trefft, wahrscheinlich die beste Hand machen (z.B. KQ+, AT+). Hände die gute Implied Odds haben callt ihr. Ihr könnt dabei noch etwas looser werden als die untere Grenze gegen 2 Calls vor euch.
nehmt hier wieder den rechten Teil des Charts "LIMPER (1,2,3)" zu Hilfe.
Blind Defense:
Wenn man es genau nimmt, ist Poker immer ein Kampf um die Blinds. Gäbe es keine Blinds, so wäre es sehr einfach perfektes Poker zu spielen. Man müsste lediglich jede Hand folden und AA raisen. Erst die Blinds bewirken, dass die Spieler anfangen durch Raises um den Pot zu kämpfen.
Im allgemeinen gibt das Starting Hands Chart schon grobe Auskunft über das Spielen in den Blinds. Es beschäftigt sich aber nur mit Multiwaypot-Situationen. Im Folgenden erkläre ich, wie ihr eure Hand spielt, wenn ihr als Small Blind oder Big Blind durch einen Raise attackiert werdet.
Die Blind Defense Situationen sind typischerweise Heads-Up und man befindet sich Out of Position. Beides sind Faktoren, die zu sehr schweren Post-Flop Entscheidungen führen. Dennoch wäre es zu unprofitabel, diesen Situationen Post-Flop aus dem Weg zu gehen, indem man jedes mal foldet.
Wenn ihr Heads-Up am Flop seid, orientiert euch an dem Artikel Standard Moves am Flop Heads-Up.
In der downloadbaren *.pdf Version des Charts ist noch eine Kurzdarstellung des Artikels enthalten. Stellt aber sicher, dass ihr den Artikel selber mehrmals und ausführlich gelesen habt, da eine grafische Darstellung des Artikels zu grob ist.
Blind Defense aus dem SB:
Ihr 3-bettet die Hände nach dem Chart "1 RAISE", die rechts von dem "/" stehen. Die Spaltenüberschrift ist die Position des Gegners, der eure Blinds attackiert.
Blind Defense aus dem BB:
Hier benutzt ihr den Chart BB-BLINDDEFENSE:
Beispiel 1) Ihr seid beispielsweise im BB und der MP3 raised, alle weiteren Spieler folden. Ihr haltet K4s. Der Eintrag in der MP3 Spalte bei Ks ist: "K2". Ihr called also alle suited Kings und erst recht K4s.
Beispiel 2) Ihr seid im BB und der MP2 raised, alle Spieler vorher und nachher folden. Ihr haltet AJs. Der Eintrag in der MP2 Spalte für suited Hände ist: "A2/AJ". Also könnt ihr AJs 3-betten, da es rechts vom "/" der Eintrag AJ steht. Ihr könnt nach Chart alle Hände ab AJs und besser 3-betten.
Hättet ihr A9s auf der Hand, würdet ihr als BB nur callen, da der Eintrag links vom "/" A2 ist. Alle Hände von A2s bis inklusive ATs aus dem BB werden in dieser Situation also gecalled.
Post-Flop:
Durch die Tatsache, dass eure Gegner viel looser spielen, halten diese auch viel seltener eine tatsächlich gute Hand. Das bedeutet, dass ihr oft erleben werdet, wie eure Gegner euch bluffen oder einen Move mit einem Middle/Bottompair machen. Dies führt dazu, dass ihr selber aggressiver werden müsst, um die Fehler eurer Gegner auszunutzen. So stellt z.B. ein Top Pair, schlechter Kicker bei Shorthanded eine wesentlich bessere Hand als bei Full Ring dar.
Es gibt auch Situationen wo es sich nicht empfiehlt sehr aggressiv zu spielen, auf diese spezielle Situationen geht der Artikel Way ahead - Way behind ein, den ihr unbedingt gelesen haben solltet!
Psychologisches:
Shorthanded ist swinglastiger, dies ist ein leidiger Fakt. Dadurch sollte man sich, wenn man auf Shorthanded umsteigt, darüber unbedingt im Klaren sein. Man sollte sich daran gewöhnen, dass Downswings im 100BB Bereich eine Normalität sind. Auch Swings über 200BB trifft man häufiger an und kann man als normal bezeichnen.
Ist man bisher gut ohne Downswings ausgekommen, so sollte man sich präventiv damit auseinandersetzen und diesen Artikel gut durcharbeiten. Natürlich sollten sich auch alle anderen den Artikel wenigstens einmal durchgelesen haben: Downswing
Wann sollte ich wechseln?
Eine Antwort auf diese Frage liefert euch der Artikel Bankrollmanagement Advanced. Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass wenn ihr 0.5$/1$ Fullring gut geschlagen habt, ihr euch an den Shorthanded Tische versuchen solltet.
Wie viele Tische sollte ich am Anfang spielen?
Shorthanded solltet ihr zu Beginn erst einmal an maximal zwei Tischen spielen. Die Entscheidungen, vor die ihr Post-Flop gestellt werdet, sind schwerer als an einem Full Ring Tisch. Ihr solltet euch anfangs die Zeit nehmen neue Situationen und schwierige Hände ausführlich zu durchdenken. Allein dadurch, dass Post-Flop im Durchschnitt weniger Spieler mit durchschnittlich schlechteren Händen den Flop sehen, führt oftmals dazu, dass ihr nicht genau einschätzen könnt, wo ihr steht. Oft habt sowohl ihr, als auch eure Gegner kein Pair getroffen. Doch einer wird den Pot am Ende der Hand gewinnen.
Spielt Shorthanded noch konzentrierter als Full Ring. Lasst keine Routine aufkommen und durchdenkt jede einzelne Situation erneut.
Table- und Seatselection:
Table Selection ist auf den 0.5$/1$ - 1$/2$ Shorthanded Tischen nicht so wichtig. Der Grund ist, dass es wirklich extrem viele schlechter Spieler gibt und man nicht nach ihnen suchen muss. Natürlich solltet ihr, wenn ihr an einem sehr tighten Tisch sitzt, an einen neuen Tisch wechseln. Aber die meisten Tische werden euch eher aufgrund des loosen Pre-Flop Spiels erschrecken.
Echte Table Selection mit Buddylist oder Analyseprogrammen ist aber noch nicht nötig.
Die Seatselektion ist wesentlich wichtiger. Im Optimalfall habt ihr einen loose passive Fisch an euer rechten Seite sitzen, den ihr häufig durch eure Raises isolieren könnt um Heads-Up gegen ihn zu spielen. Ihr solltet der Situation bis auf weiteres aus dem Weg gehen, einen Maniac oder sehr loose aggressiv Spieler links von euch sitzen zu haben. Diese Spieltypen stellen euch oft vor schwere Entscheidungen, die ihr zumindest anfangs vermeiden solltet.
Stellt bitte sicher, bevor ihr beginnt Shorthanded Tische zu spielen, dass ihr die oben vorgestellten Pre-Flop Chart komplett verstanden habt!