Stats (2) - Interpretation
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du Stats richtig interpretierst
- Warum Stats im Kontext zu sehen sind
- Die Tücken der Samplesize
Im ersten Teil hast du das Pyramidenprinzip kennengelernt und weißt jetzt, welche Stats auf welchen aufbauen. Weiterhin wurde verdeutlicht, wie wichtig die Samplesize für Stats ist und was das Prinzip des Interpretierens eines Stats bedeutet.
In diesem Teil wirst du dein Verständnis von Stats vertiefen und lernen, wie du Stats interpretierst und wie du mit der Samplesize umgehst. Weiterführend wird dir auch das Konzept der Interpretationskette vorgestellt.
Am Ende dieses Teils wirst du verstehen, warum bestimmte Stats bei identischem Wert unterschiedliche Schlüsse über Villain zulassen. Je nach Kontext kannst du den Wert so oder so interpretieren. Andere wichtige Einflüsse auf deine Entscheidung wie Boardtextur, History oder Reads werden in den Beispielen nicht konkret berücksichtigt.
Für dich ist es wichtig, dass du den Denkprozess kennenlernst. Bildlich gesprochen geht es also darum, die Formel zu verstehen und nicht darum, bestimmte Ergebnisse auswendig zu lernen.
Um einen Stat in einer spezifischen Situation zu interpretieren, bildest du eine komplexe Interpretationskette. Dabei bildest du jeweils Interpretationsknoten auf jeder Street, die wiederum jeweils in zwei Stufen aufgebaut sind. Die erste Stufe ist das Betrachten der Stats im Kontext zu anderen relevanten Stats.
Diese Ergebnisse interpretierst du nun in der zweiten Stufe anhand der konkreten Spielsituation. Dabei berücksichtigst du alle vorhergehenden Knoten und ziehst auch künftige Streets mit ein. Die zweite Stufe eines Knotens ist also das eigentliche Interpretieren deiner Schlüsse über einen Stat inklusive der Kontextkette unter Berücksichtigung aller situationsabhängigen spezifischen Einflüsse wie Boardtextur, History, Tabledynamic, Reads, Metagame etc.
- Erste Stufe: Bilden eines Kontextknotens
Du betrachtest mehrere isolierte Stats und setzt diese in Beziehung zu relevanten Stats der gleichen Street oder anderer Streets.
- Zweite Stufe: Interpretieren des Kontextknotens in einer konkreten Spielsituation
Das ergibt in der Summe: Knotenpunkt einer Interpretationskette einer Street.
Natürlich baust du deine Flop-Überlegungen auf deinen Preflop-Überlegungen auf. Am Turn baust du deine Überlegungen auf deinen Preflop- und auf deinen Flop-Überlegungen auf usw. So bildet sich also eine komplexe Kette: Die Interpretationskette.
Auf dem folgenden Bild siehst du den Aufbau einer Interpretationskette. Du siehst hier auch, dass jeder Knoten mit jedem anderen verbunden ist. Dies verdeutlicht, dass du sowohl Schlüsse aus vorhergehenden Streets berücksichtigst, als auch folgende Streets anhand deren Stats mit einbeziehst.
Poker ist und bleibt trotz aller Stats ein Spiel mit unvollständigen Informationen. Tagesform, Tilt, Ablenkung und ähnliche Faktoren können jeden Spieler während einer Session stark von seinem üblichen Spielstil abweichen lassen. Je nach Spielertyp ist es also riskant, wenn man einen Villain nur auf seine Stats reduziert.
Man kann also durchaus sagen, dass nicht nur die Kartenverteilung und Kartenreihenfolge der Varianz unterliegt, sondern auch der Spielstil eines Villains in jeder Session.
Stats haben die Eigenart, diese Varianz des Spielstil eines Pokerspielers statistisch als Mittelwerte zu erfassen..
Erfahrene Spieler können durch genaue Beobachtung ihrer Gegenspieler durchaus erfassen, wie risikofreudig ein Villain gerade spielt, ob er auf Tilt ist, ob es eine Tablehistory mit ihm und anderen Spielern gibt, ob er gut oder schlecht drauf ist und dergleichen mehr.
Auch diese Metagame-Einflüsse müssen beim Interpretieren hinzugezogen werden, sofern dein Spielstil oder Limit dies zulässt.
Du siehst also, dass Stats auf vielfältige Weise angepasst werden müssen, wenn du mit einem Villain in einer konkreten Hand stehst. Dieser Grundsatz wird umso wichtiger, je besser deine Gegenspieler werden und je mehr du vom ABC-Poker abweichst.
Eine strukturierte Möglichkeit, mit deren Hilfe du dir die nötigen Denkprozesse aneignen kannst, wird dir im Folgenden genauer vorgestellt: Die Interpretationskette.
Die Interpretationskette und Villains Range
Nachdem du Stats in Teil 1 überwiegend isoliert betrachtet hast, wirst du hier lernen, wie Stats zusammenhängen.
Interpretationsketten sind nicht fest definiert, sondern müssen je nach Villain, Situation und vorhandener Samplesize individuell gebildet werden. Bei den hier vorgestellten Beispielen geht es also darum, dir den Prozess zu verdeutlichen, damit du später am Tisch eigenständig deine Interpretationskette bilden kannst.
Die Interpretationskette hilft dir nicht nur dabei Schlüsse für die aktuelle Street zu ziehen, sondern auch dabei, einen Plan für zukünftige Streets für deine Hand zu formen.
Dabei gilt, dass du in Position überwiegend die gespielte Action Villains beurteilst und out of Position die mögliche Reaktion Villains mit einbeziehst.
Stats in einen Kontext zu setzen bedeutet, dass du andere relevante Stats mit einbeziehst und im Zusammenhang mit diesen siehst.
Der I VPIP und der I PFR sind ein gutes Beispiel für Stats, die sehr eng miteinander verknüpft sind und die dir bei ausreichender Samplesize einen sehr guten Eindruck über Villains Preflopstil und Villains Range am Flop geben. Weiterhin definiert die Differenz gleichzeitig Villains Preflop-Callingrange.
Es gibt kein absolutes Schema. Daher wirst du hier einige Beispiele finden, die dir die Zusammenhänge veranschaulichen werden.
Preflop: I VPIP – I PFR – I Callingrange
Überlegungen:
Je kleiner die Lücke (zum Beispiel Villain mit 18/16) desto…
- …aggressiver spielt Villain seine Hände preflop.
- …öfter steht Villain mit der Initiative am Flop.
- …seltener callt Villain preflop passiv und desto kleiner wird seine Callingrange.
Je größer die Lücke (zum Beispiel Villain B mit 20/10) desto…
- …passiver spielt Villain preflop.
- …seltener hat Villain die Initiative am Flop.
- …öfter callt Villain preflop passiv und desto größer wird seine Callingrange.
Bei diesem Beispiel siehst du, wie diese drei Stats unmittelbar zusammenhängen, und was du für generelle Schlüsse über Villains Floprange ziehen kannst.
Diese Zusammenhänge sind ein wichtiger Aspekt für das Betrachten eines Stats im Kontext. Daraus ergibt sich eine lange Kette an Zusammenhängen, die jeweils unterschiedliche Interpretationen ermöglichen, also bei gleichem „Stat-Wert“ abhängig der vorhergehenden Interpretationen abweichende Schlüsse zulassen. Dies ist die Grundlage für deine Kontextkette.
Beachte jedoch, dass Poker trotz aller Stats weiterhin ein Spiel mit unvollständigen Informationen bleibt.
Ausgehend von dieser ersten Interpretationsstufe der Preflopstats betrachtest du hier im Beispiel nun die zweite Stufe der Kontextkette, also die relevanten Flopstats.
Flop: II CBet – II Fold to CBet – II Raise CBet – AF - WTS
Überlegungen:
- Je aggressiver ein Villain preflop spielt, desto häufiger kommt er in eine Situation, in der er am Flop eine II CBet spielen kann.
- Je passiver ein Villain preflop spielt, desto häufiger kommt er in eine Situation, in der er am Flop mit einer II CBet konfrontiert wird.
- Je aggressiver ein Villain spielt (AF), desto häufiger wird er am Flop betten.
- Je passiver ein Villain spielt (AF), desto seltener wird er am Flop betten.
- Je höher der WTS von Villain ist, desto seltener wird er am Flop folden.
- Je kleiner der WTS von Villain ist, desto häufiger wird er am Flop folden.
Diese Grundsätze sind sicher nicht neu für dich. Aber im Zusammenhang mit der Interpretationskette kannst du hier am Flop schon sehr komplexe Schlüsse ziehen. Viele Spieler haben einen Spielstil, von dem sie nur selten abweichen. Je schlechter der Spieler ist, desto stärker bleibt er seinem Spielstil treu. Demnach ist es immer auffällig, wenn ein Spieler einen Spielzug macht, der seinem Spielstil zu widersprechen scheint.
Du spielst nun eine Hand gegen Villain A und Villain B. In beiden Fällen raisen die Villains first in aus MP und du callst mit einem Pocketpair vom BU. Am Flop in Position wirst du jetzt von beiden mit einer Continuationbet konfrontiert. Du musst nun also diese Continuationbet interpretieren und benutzt dazu eine Kontextkette.
Villain A (18/16) und Villain B (20/10) haben beide einen CBet-Wert von 75%. Überlege dir nun kurz, was dieser identische Wert in Bezug auf die obigen Grundsätze der Interpretationsstufe Flop und die der Interpretationsstufe preflop, über Villains Range aussagen.
- Villain A (18/16, 75% CBet)
- Villain B (20/10, 75% CBet)
Da Villain A preflop aggressiver spielt und somit öfter eine CBet spielen kann, ist die Range, die er in diesem Spot hält, nicht sonderlich stark eingeschränkt. Villain B ist preflop passiver, er bettet und raist also seltener. Er wird daher tendentiell am Flop mit einer stärkeren Range stehen als Villain A – Vergleiche hier PFR 10% gegen PFR 16%. Eine CBet von Villain B ist demnach trotz gleichen Werts seltener ein Bluff als bei Villain A.
Dieses einfache Beispiel zeigt dir also, wie identische isolierte Stats, hier der gleiche CBet Wert von 75%, unterschiedlich interpretiert werden und zu unterschiedlichen Schlüssen über die Stärke von Villains Range führen können, wenn du zusätzliche andere Stats hinzuziehst.
Natürlich betrachtest du nicht nur den II CBet Wert, sondern auch andere relevante Werte der Interpretationsstufe Flop, damit du dir einen Plan für die weiteren Streets machen kannst. Du überlegst dir also anhand der Interpretationen am Flop schon, wie du deine Hand weiterspielen möchtest.
- Villain A (18/16, 75% CBet, AF 3.0, WTS 35%)
- Villain B (20/10, 75% CBet, AF 1.5, WTS 50%)
Villain B ist in diesem Beispiel insgesamt passiver, du wirst auf den weiteren Streets demnach seltener Action wie Semibluffs von ihm sehen. Da Villain B jedoch generell nach einer CBet am Flop eine stärkere Range hält als Villain A, ist eine Second Barrel am Turn stärker zu werten, als es eine Second Barrel am Turn von Villain A ist.
Wenn du jetzt den CBet Wert weiter interpretierst und noch den AF und den WTS hinzuziehst, dann liegt beispielsweise der Schluss nahe, dass Villain B bei 75% CBet Flop aber nur 1.5 AF den größten Teil seiner Aggression am Flop ausspielen wird.
Dein Plan für den Turn könnte also so aussehen, dass du auf weitere Action von Villain B beispielsweise mit einem Pocket aufgibst und alternativ in Position einen Checkbehind spielst für einen free River oder einen Float ansetzt, was jedoch hier bei 50% WTS nicht immer eine gute Idee sein wird. Hier sei erwähnt, dass diese Gedanken natürlich noch von weiteren Stats gestützt werden können, wie dem III Turn CBet oder dem AF Flop und AF Turn.
Wie du schon weißt, benötigst du für jede weitere Statstufe eine entsprechende Samplesize. Diesen wichtigen Grundsatz musst du unbedingt in deine Überlegungen einbinden, wenn du hier z.B. den III Turn CBet einbeziehen willst.
Diese Überlegungen sind in der ersten Stufe rein auf Stats gestützt. Wie du diese Gedanken in der zweiten Stufe anhand einer konkreten Spielsituation interpretierst, erfährst du weiter unten.
Der AF und der WTS sind am Flop, wie im Beispiel gezeigt, sehr nützlich, obwohl sie allgemeine Werte darstellen, also nicht an den Flop gebunden sind.
Generell lässt sich sagen, dass ein hoher AF mit einem kleinen WTS und ein kleiner AF mit einem großen WTS korreliert. Das liegt daran, dass aggressive Spieler ihre Hände oft über Foldequity gewinnen, ohne in den Showdown zu gehen, was ihren WTS kleiner werden lässt.
Wichtig ist hier, dass du den AF und WTS immer in Zusammenhang mit den Werten der ersten Interpretationsstufe preflop (VPIP, PFR, Call Range) interpretierst, da sich besonders der WTS relativ auf die Floprange verhält, wie du im ersten Teil der Stat-Serie schon gelernt hast.
Überlegungen zum WTS:
- Je höher der WTS, desto größer ist Villains Range am Showdown.
- Je kleiner die Floprange von Villain, desto stärker ist seine Range bei gleichem WTS am Showdown.
- Je größer die Floprange von Villain, desto schwächer ist seine Range bei gleichem WTS am Showdown.
- Je höher der AF desto kleiner der WTS.
- Je kleiner der AF desto höher der WTS.
Dies waren beispielhafte Überlegungen der ersten Stufe: Kontext. Du wirst dir sicher schon gedacht haben, dass man für konkrete Aussagen zu Villain natürlich auch wichtige Details wie die aktuelle Board-Textur mit einbeziehen muss.
In der zweiten Stufe interpretierst du diese Ergebnisse jetzt anhand einer konkreten Spielsituation. Dabei spielen die Board-Textur, Tabledynamic, Reads, History und alle weiteren Faktoren eine wichtige Rolle.
Das Ergebnis ist ein Interpretationsknoten. In diesem Beispiel am Flop.
Die zweite Stufe eines Interpretationsknotens, also das eigentliche Interpretieren in einer konkreten Spielsituation, ist sehr komplex. Du verwendest alle Grundsätze, die hier in den anderen Strategieartikeln behandelt werden und auf die hier nicht näher eingegangen wird.
Dieses Beispiel hat dir verdeutlicht, wie umfangreich die Überlegungen sein können, wenn du nur einen Stat interpretierst. Du hast gesehen, dass dir auch Stats von anderen Streets auf der aktuellen Street bei deiner Interpretation helfen können.
Die Samplesize ist dir ein vertrauter Begriff. Sie gibt an, wie viele Hände du von einem Villain in deiner Pokerdatenbank hast. Du weißt mittlerweile, dass dieser Stat sehr wichtig für deine Interpretationen ist, da die Aussagekraft aller anderen Stats davon direkt abhängt. Diese Grundsätze wurden dir in Teil 1 anhand des Pyramidenprinzips vorgestellt.
Probleme mit Stats und Samplesize
Bevor du irgendeinen Stat interpretierst, sollte dein Blick zuerst auf die Samplesize fallen, damit du eine sinnvolle Basis für deine Interpretationen hast.
Ist die Samplesize zu gering für deine aktuelle Stufe, z.B. am Turn, dann hilft es, zumindest die Stats zu berücksichtigen, die entsprechend weniger Samplesize benötigen. Das sind alle Stats der ersten Stufe, also besonders der VPIP und der PFR.
Wichtig ist hier jedoch, dass du keine Schlüsse aus Stats ziehst, die eine deutlich größere Samplesize benötigen. Bei z.B. nur 50 Händen solltest du keinesfalls irgendwelche Turnstats wie Second Barrel oder Villains 3-Bet-Wert preflop berücksichtigen. Viele Tracking-Programme zeigen diese auch bei sehr geringer Samplesize im Overlay an.
Damit du hier nicht in die „Keine-Samplesize-Falle“ tappst, solltest du dir also angewöhnen, automatisch zuerst den Blick auf die Samplesize wandern zu lassen, bevor du dir irgendeinen anderen Stat ansiehst.
Reicht die Samplesize nicht, deinem Gegner einen groben Spieltyp zuzuordnen, dann musst du ihn als „Unknown Player“ behandeln.
Wer ist eigentlich der viel zitierte „unknown Player“? Was setzen wir bei ihm voraus?
Der unknown Player ist stark von der Spielvariante und der Limit-Dynamic abhängig. Ein NL10 Unknown wird also anders eingeschätzt als ein NL100 Unknown.
Wir setzen bei einem unknown Player das für das gespielte Limit übliche durchschnittliche Pokerfachwissen voraus. Auch jede Aktion auf allen Streets wird ein unknown Player grundsätzlich limittypisch spielen. Auf einem passiven Limit gehen wir also auch von passiveren Spielweisen aus.
Ein unknown Player ist also in unserer Einschätzung in etwa das, was ein durchschnittlicher Regular auf dem Limit spielt. Wir sehen in ihm also keine außergewöhnlichen Spielertypen und trauen ihm ein limittypisches, rudimentär überlegtes Pokerspiel zu.
Diese Vorgehensweise ist dann interessant, wenn dein Stat-Overlay z.B. gewisse Stats nicht anzeigt oder wenn deine Samplesize für hochstufigere Stats (z.B. am River) nicht ausreichend ist.
Angenommen du stehst am Flop mit ausreichender Samplesize für Interpretationen der zweiten Stufe auf deinen Gegner, also etwa 500 Hände, möchtest jedoch die Wahrscheinlichkeit einer III Second Barrel ausreichend abschätzen.
Grundlage für diese Ableitung sind Villains Floprange als PFA, also sein I PFR Wert, dann sein II Continuationbet Flop Wert und als allgemeine Stats Villains AF und WTS.
Das Interpretieren dieser Stats lässt durchaus Schlüsse zu, mit welcher Wahrscheinlichkeit du eine III Second Barrel am Turn erwarten kannst. Am Tisch selbst musst du natürlich noch das Metagame und alle weiteren wichtigen Faktoren berücksichtigen wie Board-Textur, Position, Anzahl der Gegner etc.
Du musst also auch abgeleitete Stats ganz normal in einem Kontext sehen und entsprechend interpretieren.
Es ist also durchaus möglich, fehlende Stats von vorhandenen Stats abzuleiten. Das Interpretieren von Stats und die Interpretationskette geben dir nützliche Denkmuster an die Hand, um Villains Spielstil genauer analysieren zu können und jeden einzelnen Stat im Gesamtkontext sehen zu können. Daraus kannst du einen Spielstil ableiten und dir entsprechend Gedanken machen, wie ein „fehlender Stat“ in Villains Spielstil hineinpasst.
Natürlich zählt auch hier: Samplesize ist entscheidend.
Das kann durchaus passieren. Auch Villains bilden sich, je nach Limit mehr oder weniger erfolgreich, weiter. Daher werden besonders die Regulars, die man oft an den Tischen sieht und von denen man entsprechend hohe Samplesizes hat, ihren Spielstil anpassen und gewisse Leaks über die Zeit abstellen.
Denk einfach mal darüber nach, dass du ja selbst auch ein Regular auf deinem Limit bist, und wie stark dein heutiges Spiel von deinem Spiel von vor einigen Monaten abweicht.
Es ist also durchaus sinnvoll, auf eine aktuelle Samplesize mehr Augenmerk zu legen als auf eine möglichst große mit vielen Händen, die mehrere Monate alt sind. Im Zweifel sind jedoch zu viele Hände immer nützlicher wie zu wenige.
Grundsätzlich lässt sich sagen: Je unspezifischer ein Stat ist, desto stabiler verläuft seine Entwicklung. Ein gutes Beispiel sind hier der I VPIP und der I PFR.
Situationsabhängige Stats neigen dazu, stärker zu schwanken. Ein Checkraise am Turn ist also abhängiger von den individuellen Umständen während dieser Entscheidung.
Kann man einen Villain auf seine Stats reduzieren?
Die Frage kannst du mittlerweile sicher leicht beantworten. Du weißt, dass Stats statistische Mittelwerte wieder geben, die auf zwei Stufen interpretiert werden müssen, also für sich alleine nicht sonderlich aussagekräftig sind.
Die erste Stufe ist das Interpretieren der statistischen Mittelwerte untereinander im Kontext.
Die zweite Stufe ist das Interpretieren der Überlegungen aus der ersten Stufe während einer spezifischen Spielsituation in einer Hand unter Berücksichtigung der Board-Textur, der History, der Tabledynamic, der Reads und aller anderen situationsabhängigen Einflüsse.
Wenn du Villains Spielzüge als Gesamtkomplex betrachtest, dann wirst du feststellen, dass die Summe aller Stats vielmehr Villains Spielstil wiedergeben als seine Holecards.
Jeder Stat ist für dich eine Facette in Villains Spielstil. Wenn du lernst, diese Facetten spezifisch zu interpretieren, wirst du viele Schlüsse ziehen können, die dir in deinen aktuellen Entscheidungen helfen werden.
Zusammenfassung
Du hast in diesem Artikel gelernt, dass trotz aller Möglichkeiten, die die verschiedenen Trackingprogramme dir bieten, es dir überlassen bleibt, wie du mit den gesammelten Informationen umgehst.
Ein Wert muss richtig interpretiert werden, damit er dir im Spiel helfen kann, eine profitable Entscheidung zu treffen. Weiterhin steht ein Wert selten alleine und du solltest ihn immer im entsprechenden Kontext betrachten. Wie komplex die Anwendungsmöglichkeiten dabei sind, hast du anhand der Interpretationskette gesehen.
Wenn du die hier dargestellten Inhalte verstanden hast und dir der Tücken und Stolperfallen bewusst bist, wirst du bald eine mächtige Waffe im Kampf um die Chips in dein Spiel integrieren können.
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