Aktualisiert am 12 März 26 von

Checkbehind mit Initiative am Flop

1. Inhalt

2. Einführung

  • 2.1 Warum solltest du behind checken?
  • 2.2 Theoretische Grundlagen des Checkbehind
  • 2.3 Mathematik und die Fakten
  • 2.4 Psychologische Aspekte des Checkbehind

3. Equity Shift

  • 3.1 Was bedeutet Equity Shift?
  • 3.2 Implikationen des Equity Shift für die Checkbehind-Strategie

4. Verschiedene Handkategorien für den Checkbehind

  • 4.1 Starke made Hands
  • 4.2 Schwache made Hands
  • 4.3 Gute Draws
  • 4.4 Schwache Draws
  • 4.5 Schwache Hände mit etwas Showdownvalue
  • 4.6 Total Air

5. Wann ist ein Checkbehind schlecht?

  • 5.1 Starke made Hands
  • 5.2 Trash Hands
  • 5.3 Wenn eine C-Bet die Hand leicht zu spielen macht
  • 5.4 Hände die ge-3-barrelt werden müssen
  • 5.5 Wenn die Floptextur gute Foldequity bietet

6. Ausblick

  • 6.1 Der Checkbehind in Ringgames
  • 6.2 "Meta-Psychologische" Aspekte
  • 6.3 Autopilot vermeiden
  • 6.4 Deine Gegner ausspielen
  • 6.5 Finally...

Die Autoren

Kobeyard

 Kobeyard    
kobeyard

Kobeyard ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Pokercommunity. Er ist oft auf den Skylimits im FL zu sehen und ist einer unserer besten Videoproduzenten und Coaches.

Gleichzeitig ist er eines der ältesten Mitglieder und ist seit 2006 bei Pokerstrategy.com registriert. In seiner Freizeit spielt er leidenschaftlich gern Basketball.

Mit diesem Artikel gibt er sein Debüt als Strategie-Autor auf PokerStrategy.com. Viele werden ihn jedoch aus seinen ehrlichen Beiträgen zum Pokerleben in unserem Pro-Blog oder aus seinen Videos bereits kennen.

Kobeyard-Portrait in der Presse

Byron Jacobs

Byron Jacobs

Byron Jacobs ist ein auf Poker und Schach spezialisierter Autor und Journalist. Ähnlich wie bei vielen Pokerspielern kommt seine Begeisterung für Spiele ursprünglich aus dem Schach.

Er ist Internationaler Meister und Autor zahlreicher bekannter Pokerbücher. Mittlerweile hat sich seine Aufmerksamkeit auf Poker gerichtet. Er ist ein erfolgreicher Fixed Limit Spieler.

Er ist Autor von "How good is your Limit Hold'em" - eines der ersten Pokerbücher, das sich mit der Analyse von Denkprozessen am Pokertisch auseinandersetzte. Er hat darüberhinaus auch für das Card Player Magazine und 2+2 geschrieben.

Mit diesem Artikel gibt er sein Debüt als Autor auf PokerStrategy.com.

 

2. Einführung

Der Checkbehind am Flop mit Initiative im Fixed Limit ist etwas, was eine moderne Erfindung genannt werden könnte - in dem Sinne, das er als ernstzunehmendes Play von den besten Spielern erst im letzen Jahr in ihr Repertoire aufgenommen wurde. Beinahe alle Pokerratgeber empfehlen eine C-bet in dieser Situation per default als das beste Play, da es  hervorragende Odds mit der erzeugten Foldequity generiert.

Seit jedoch die ultra shorthanded Games (und speziell das Heads up) immer raffinierter geworden sind, ist die Bedeutung der Foldequity dramatisch gesunken. Eine Contibet kann daher nicht mehr per default als das Standardplay gelten.

Die Idee des Checkbehind taucht oft im Fixed Limit Heads up auf (im Gegensatz zu einer postflop HU-Situation aus einem Blinddefense/Steal-Szenario in einem Shorthanded Spiel), weil die Ranges im HU sehr viel weiter sind. Viele Spieler raisen (und defenden) mit bis zu 85% ihrer Hände und es ist auch nicht gänzlich unüblich, Spieler mit nahe 100% Ranges zu sehen. Natürlich wird es sehr viele Situationen geben, in denen der Big Blind preflop reraist (und die Initiative übernimmt), weshalb wir dieses Szenario nicht vertiefter betrachten werden.

Normalerweise wird der Big Blind ca. die Top 20% seiner Hände reraisen und die schlechtesten 10% folden. Deshalb wird seine Calling Range aus ca. 70% der Hände bestehen. Diese Range sieht folgendermaßen aus.

70% Range
44-22, A7s-A2s, K8s-K2s, Q9s-Q2s, J2s+, T2s+, 92s+, 82s+, 72s+, 63s+, 53s+, 43s,
A6o-A2o, K9o-K2o, Q2o+, J2o+, T2o+, 92o+, 84o+, 74o+, 64o+, 54o

70% Range

Wenn wir uns in diesem Artikel auf eine 70% Range des BB beziehen, ist es immer die in der Tabelle genannte. Selbstverständlich werden die Ranges je nach Spieler im Einzelfall variieren, aber erfahrungsgemäß ist diese Range eine gute Ausgangsbasis, mit der man arbeiten kann.

Wenn wir alle möglichen verschiedenen Ranges für alle möglichen Situationen annehmen würden, dann würde der Artikel viel zu kompliziert werden: deshalb sind wir froh, mit dieser Standardrange zu arbeiten. Sie ist eine sehr typische HU-Defendingrange für viele Spieler. Nichtsdestotrotz sollten wir anmerken, dass der Checkbehind gegen Gegner, die preflop nie 3-betten (und daher viele Flops raisen), noch eine sehr viel effektivere Waffe darstellt, weil sie sehr viel weniger Value von ihren starken Händen bekommen.

Zusätzlich solltest du gegen Gegner, die preflop sehr viel reraisen, weniger am Flop behind checken, wenn sie dein Raise nur callen. Ihre Range wird sehr viel schwächer sein und du hast eine größere Pot- und Foldequity. Bevor wir jedoch den Checkbehind genauer analysieren, wollen wir einige einführende Punkte zu diesem Play besprechen.

2.1 Warum solltest du behind checken?

Der Grund für den Checkbehind ist einem fundamentalen Konzept aus No-Limit entlehnt: Pot Control. In NL kann der Pot bedrohlich schnell anwachsen, so dass Spieler oft behind checken, die gut, aber nicht herausragend gefloppt haben (z.B. Top Pair, No Kicker). Ihr Ziel ist der Gewinn eines mittelgroßen Pots, ohne in Gefahr zu geraten, bei einem unangenehmen Turn oder gegen ein Monster potcommited zu sein.

Natürlich kann im Fixed Limit ein Pot nie so schnell anwachsen wie im NL, aber dasselbe Prinzip greift auch hier. Nach einem Raise und Call preflop ist der Pot 2BB. Wenn dein Gegner am Flop checkt und du behind checkst, siehst du den Turn in einem 2BB Pot. Bettest du hingegen, wirst geraist und callst, findest du dich in einem 4BB Pot wieder.

Es wird sehr oft der Fall sein, dass du mit einer spielbaren Hand lieber einen kleinen 2BB als einen gewichtigen 4BB Pot spielen willst. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die wir alle im Verlauf des Artikels behandeln werden.

Es gibt aber auch eine mathematische Grundlage, die du anwenden kannst, um zu entscheiden, ob ein Checkbehind als geeignetes Play in Frage kommt. Wenn du errechnest (oder beim Spielen intuitiv erkennst), dass du weniger als 50% Equity gegen die Range deines Gegners hast und dir gleichzeitig wenig bis gar keine Foldequity bei einer Bet gibst, solltest du einen Checkbehind in Erwägung ziehen.

Da eine Contibet am Flop der erwartete Move ist (der beinahe wie eine fixe Bettingsequenz gesehen wird), ist die erwartete Foldequity sehr marginal.  Viele, wenn nicht gar die meisten Gegner, werden beinahe jede Hand auf beinahe jedem Flop callen. Es gibt aber noch einen wichtigeren Punkt.

Thinking opponents werden verstehen, dass, wenn du alle deine Hände am Flop contibettest, du in ca. 50% der Fälle nichts halten wirst - sie werden dich attackieren. Sie wissen, dass du bei mit 100% Cbet am Flop im allgemeinen eine sehr schwache Range hältst und wahrscheinlich zu 70% im weiteren Verlauf der Hand folden wirst. Wenn du hingegen nur, sagen wir 60% am Flop bettest, wirst du wahrscheinlich nur zu 30-40% folden. Es wird also sehr viel schwieirger für sie, dich anzugreifen, da ihre Foldequity drastisch gesunken ist.

2.2 Theoretische Grundlagen des Checkbehind

Es gibt eine gute theoretische Grundlage für den Checkbehind am Flop im HU - vor allem gegen gute Gegner. Vergegenwärtige die Tatsache, dass in den meisten Fällen deine Range und die deines Gegners bei ca. 85-90% liegen wird. Wenn du das Glück haben solltest, einen Gegner zu spielen, der immer am Flop foldet, wenn er keine Hand, keinen Showdownvalue oder keinen Draw hat, gibt es wenig Gründe für einen Checkbehind (obwohl wir später sehen werden, dass er auch hier in bestimmten Situationen seine Berechtigung im Sinne der Valuemaximierung hat).

Wenige Gegner werden jedoch so entgegenkommend sein und viele verschiedene Optionen im Anschluss an deine Bet wahrnehmen: checkraisen mit guten made Hands, guten Draws oder totalem Trash; callen mit allen möglichen made und drawing Händen und auch mal mit Air, um dich zu floaten oder einen anderen Move anzubringen. Ein guter Gegner wird gebalancte Lines nach deiner Flopbet haben und du wirst dich oft (mit einer Cbetrate von knapp 100%) in einem 3- oder gar 4BB Pot wiederfinden, ohne eine klare Ahnung zu haben, wo genau du in der Hand stehst. Unter diesen Umständen scheint es besser zu sein, ein wenig Potcontrol zu praktizieren und in einem 2BB Pot die Turnkarte zu sehen.

Du wirst oft eine marginale Hand mit weniger als 50% Equity gegen die gegnerische Range halten, nichtsdestotrotz musst du die Turnkarte und Riverkarte sehen. Du machst hier also einen kleinen Verlust mit jeder platzierten Bet. Indem du die Zahl der Bets verkleinerst, sparst du Geld.

Es gibt einen weiteren bemerkenswerten Aspekt. Mit dem Checkbehindplay nimmst du deinem Gegner einen großen Teil der Bet-Möglichkeiten. Wenn du in dieser Situation bettest, eröffnest du sozusagen wieder die Setzmöglichkeiten und dein Gegner hat die Option zu raisen. Viele aggressive Gegner werden diese häufig ergreifen, besonders wenn es sich um den Gegnertyp handelt, der preflop nicht so viel 3-bettet, dafür jedoch umso öfter am Flop raist.

Es gibt viele Spieler, die diesen Spielstil bevorzugen, denn er besitzt einige Vorzüge: es ist mehr deceptive, die Initiative erst mit einem Raise am Flop zu übernehmen anstatt preflop zu raisen. Dein Gegner kann dann viel leichter deine Range einschätzen. Gegen diesen Playertyp ist ein Checkbehind eine sehr starke Waffe, da sie mit ihren guten Händen nur einen 2BB Pot am Turn spielen, und keinen 4BB Pot.

Anstelle von 3 Möglichkeiten zu betten/raisen, sind sie auf nur 2 Streets beschränkt. Außerdem wissen sie, dass es nun für dich möglich ist, mit dem Callen von nur 2 Bets zum Showdown zu gelangen. Du wirst bereits 80% des Boards gesehen haben, wenn du den Entschluss fasst, zum Showdown zu gehen. Das ist ein Schlüsselmoment des Checkbehind - du beschränkst den Gegner in seinen spielerischen Möglichkeiten. Viele werden mit dieser Beschränkung nicht umgehen können und frustriert am Turn und River herumspewen. Wir werden dieses Konzept später in diesem Artikel detailliert besprechen.

Beachte darüberhinaus die psychologische Komponente gegen diesen speziellen Spielertyp: sobald er bemerkt, dass er nicht genügend Bets mit seinen starken Händen in den frühen Straßen bekommt, fühlt er sich vielleicht bemüßigt, preflop mit den Top 20-25% seiner Range eher zu 3-betten. Du hast ihn somit manipuliert, er muss seine Komfortzone verlassen und du kannst dir darüberhinaus noch ein klareres Bild seiner Prefloprange machen. Er wird also leichter Fehler machen.

2.3 The mathematics and hard/soft facts

In diesem Artikel versuchen wir immer, die empfohlenen Plays auf einer mathematischen Basis zu analysieren. Es gibt viele Lines, die mit Hilfe dieser Parameter gerechtfertigt werden können. Wenn du zum Beispiel mit einer moderaten Hand oop downcallen willst und du eine klare Idee der Range deines Gegners hast, kannst du das am verständlichsten rein mathematisch darstellen. Solche Analysen gibt es viele in den folgenden Seiten.

Diese Art der Analyse und die daraus resultierenden Ratschläge führen zu sogenannten "hard Facts". Diese Tips basieren auf rein logischen Überlegungen und können als "korrektes" Play erkannt werden. Der Checkbehind kann aber leider nicht immer präzise und trocken auf mathematische Weise analysiert werden.

Wenn du am Flop behindcheckst, kann am Turn immer noch sehr viel Action auf dich zukommen: er checkt, du checkst erneut behind; er checkt, du setzt; er setzt, du callst; er setzt, du raist; er setzt, du foldest. Und das ist nur der Turn - es gibt damit verbunden auch noch das Riverplay. Wenn du alle diese Details mit aufnehmen möchtest, wird der rein mathematische Ansatz, der auf Handranges basiert, sehr schnell so kompliziert, dass er jeden praktischen Nutzen verliert.

Aus diesem Grund werden viele empfohlene Spielweisen in diesem Artikel eher auf "soft facts" beruhen, die schwer mit einer rein mathematischen Betrachtungsweise gelöst werden können. Allerdings können dich diese "soft facts" durchaus zur korrekten Spielweise führen - vorausgesetzt du verstehst, wie dein Gegner sein Spiel gestaltet und in welchen Situationen er Fehler macht.

Wenn wir den Checkbehind betrachten, erhalten psychologische Aspekte sowie das Metagame eine sehr viel größere Bedeutung, besonders wenn du dich Gegnern gegenübersiehst, die gerne im LAG oder TAG-Stil spielen.

Was der Artikel allerdings nicht kann, ist dich mit absolut klaren und "korrekten" Antworten des Checkbehindspiels zu versorgen. Wir werden dir zeigen, wie der Checkbehind eine mächtige Waffe in deinem Arsenal werden kann und wie du ihn produktiv einsetzen kannst. Es wird dann letztlich an dir liegen, ob du diesen Move in dein eigenes Spiel integrieren willst.

Außerdem gibt es viele Fälle, in denen der Checkbehind nicht klar analysiert werden kann. Wie am Turn weiterzuspielen ist (nach einem Check oder einer Bet deines Gegners), ist sehr von der Spielweise des Gegners abhängig und du wirst oft deinen Pokerskill verwenden müssen, um die beste Line herauszufinden.

2.4 Psychologische Aspekte des Checkbehind

Es gibt auch eine große psychologische Komponente für den Checkbehind. Diese ist besonders wichtig, wenn dein Gegner sehr oft mit allen möglichen Händen checkraist. Wenn du den Flop bettest und den Checkraise callst, spielst du nicht nur einen 4BB Pot, sondern hast zudem die Initiative verloren. Wenn du nur behind checkst, spielst du einen kleineren Pot und hast nicht notwendigerweise die Initiative aufgegeben.
   
Obwohl der Verlust der Initiative selbstverständlich keine unmittelbaren Auswirkungen auf den EV im rein mathematischen Sinn hat - in der Praxis ist das sehr wohl der Fall. Für den Spieler mit Initiative ist es sehr viel einfacher zu bluffen, da er lediglich eine C-bet machen muss. Der Spieler ohne Initiative muss erst diese Bet raisen, was aus psychologischer Sicht schwieriger ist.

Wenn du allerdings nur mit der Intention behindcheckst, mit mittelstarken Händen downzucallen oder am Turn aufzugeben, wärst du sehr leicht exploitbar. Jeder halbwegs aufmerksame Gegner würde schnell adapten und deine Range genau einschätzen, jedesmal wenn du behindcheckst.

Obwohl du natürlich mit mittelstarken Händen sehr oft diese Line wählst, wirst du sie auch öfter mit starken gemachten Händen einstreuen. Wenn dein Gegner nun den Turn bettet, wirst du selbstverständlich raisen und er wird dich wahrscheinlich auszahlen. Sobald dies einige Male passiert ist, wird er in Zukunft vorsichtiger nach deinen Checkbehinds sein. Das verschafft dir gleich mehrere Vorteile auf einmal:

1) Er wird nur mehr den Turn betten, wenn er tatsächlich eine Hand hat, die er vor deiner angenommenen Range sieht. Du hast ihn also gezwungen, in gewisser Weise seine Hand offenzulegen und in vorhersehbarer Weise zu agieren. Aus dem Nichts hast du ein Leak kreiiert!

2) Da er viel vorsichtiger nach deinem Checkbehind ist, kannst du dir viele Freecards nehmen. Da du diese Line generell auch mit schwachen Händen nimmst, werden dir diese Freecards sehr helfen. Mit einer schlechten Hand mit z.B. nur 6 Outs eine Freecard am Turn und River zu bekommen ist von der  Equity her gesehen ca. 25% wert (auch wenn es nicht haargenau stimmt, aber zumindest vermeidest du ein direktes Raise am Flop).

3) Du kannst kluge Calls mit sehr schwachen Händen machen und tatsächlich Profit erzielen, obwohl es in einem umkämpften Pot sehr schwer gewesen wäre, die Hand profitabel zu spielen. Hier ist ein typisches Beispiel: du hältst  Qs9h und dein Gegner hat 7s6s. Der Flop ist Jh5h4c und du checkst behind. Dein Gegner ist sofort enttäuscht, weil er mit seinem OESD zu einem Checkraise am Flop ansetzen wollte. Du kommst nur sehr schwer bis zum River, falls deine Flopbet geraist wird und der Turn dir keine Hilfe bringt. Im Allgemeinen ist das keine profitable Line.

Der Turn bringt Jh5h4c4s und da dein Gegner nicht wirklich sicher sein kann, was dein Checkbehind am Flop tatsächlich bedeutet, checkt er vielleicht noch einmal. Beachte besonders, dass er natürlich nicht geraist werden will und einen unprofitablen 2BB Call machen muss, um seinen 8-Outer in einem 2BB Pot zu treffen. Du checkst auch und der River kommt Jh5h4c4sAh. Seine Hand ist jetzt nichts mehr wert.

Da er weiß, dass er den Showdown nicht gewinnen kann und du keine Stärke gezeigt hast, macht er einen verzweifelten Bluff. Sogar mit Q-high ist das jetzt ein leichter Call. Gibst du deinem Gegner eine 85% Range für seinen Preflopcall, dann hast du 26% Equity bei Pot Odds von 3 zu 1. Die Situation ist jedoch für dich aus 2 Gründen noch profitabler :

a) Er kann auch gut unsere angenommene 70% Range spielen. in diesem Fall steigt deine Equity auf 31%.

b) Du solltest bedenken, welche Hände er tatsächlich am River bettet: seine Range ist hier in hohem Grade polarisiert. Er wird alle Paare und viele hoffnungslose Hände betten. Er wird wohl eher keine K- oder Q-high betten. Nehmen wir diese Karten ebenfalls noch aus seiner Range, steigt unsere Equity auf beachtliche 40%!

Du hast deinen Gegner manipuliert, indem er schlechte Entscheidungen auf jeder Street machen musste und schließlich im schlechtesten Moment bettet. Jeder, der mit dem Fundamental Theroem of Poker vertraut ist, kann sehen, was für ein Triumph diese Hand war.

Ein Wunder ist geschehen: anstatt 2BB durch eine Bet am Flop mit nachfolgendem Checkraise zu verlieren, hast du im Gegenteil einen 2BB Pot mit einer wirklich schwachen Hand gewonnen. Selbstverständlich ist das nicht die ganze Geschichte und die Hand hätte auch ganz anders gespielt werden können. Aber die gezeigte Sequenz ist sehr glaubwürdig und ist beiden Autoren bei vielen Gelegenheiten untergekommen. Wir hoffen, dass bereits dieses Beispiel dich überzeugt hat, dass der Checkbehind eine sehr mächtige Line ist, die deinen Gegner zudem extrem frustriert.

3. Equity Shift - Eine Schlüsselkomponente der Checkbehind-Strategie

Er ist eine sehr bedeutende Komponente der Checkbehind-Strategie. Wir sollten also zuerst genau erklären, was der Begriff Equity Shift beschreibt.

3.1 Was bedeutet Equity Shift?

Sehr häufig befindest du dich am Flop in einer Situation, bei der die Turnkarte kaum einen großen Einfluss auf deine Hand hat. Sehen wir hierzu einige Beispiele an.

BEISPIEL 1

Du hältst: AcTh
Flop: AdJc6h

Offensichtlich ein großartiger Flop für dich, der dir gegen die 70% Range eine Equity von 90% bringt. Daran wird auch die Turnkarte nicht sehr viel ändern. Sogar Karten, die sehr schlecht aussehen, z.B. ein Jack oder eine 6 verkleinern deine Equity nur auf 87%. Eine Blank wie z.B. eine 2 erhöht deine Equity sogar auf 91%. Deine Equity schwankt also nur zwischen 3-4%.

BEISPIEL 2

Du hältst: 2h2s
Flop: Kc9d3h

Deine Equity gegen die 70% Range ist 50%. Sehen wir uns einige Turnkarten an:

  • 6h - fällt auf 45%
  • Kh - steigt auf 51%
  • Tc - fällt auf 44%

Sogar ein A ist eine knapp vorteilhafte Karte (die 70% Range schließt viele Ax Hände aus) - deine Equity erhöht sich auf 53%. Im allgemeinen fällt deine Equity jedoch leicht am Turn (wie du weißt, kannst du mit 22 schwer improven), jedoch nicht mehr als um ca. 5-6%.

Solche Situationen sind nicht anfällig für einen Equity Shift. Nichtsdestotrotz sind auch Situationen, in denen sich die gefühlte Equity am Turn drastisch verändert, ebenfalls relativ "statisch". Zum Beispiel:

BEISPIEL 3

Du hältst: AhKs
Flop: Qd8h2c

Deine Equity gegen eine 70% Range ist 57%. Da du deine Overcards treffen kannst, misst man dem Turn einige Bedeutung zu. Wie zutreffend ist das? Werfen wir einen Blick darauf:

  • Ad (großartige Karte: Top Paar) - Anstieg auf 91%
  • Qh (sichere Karte: Overcards) - Anstieg auf 62%
  • Th (schlechte Karte: Overcards plus Draw) - Rückgang auf 53%
  • 6d (schlechte Karte: Overcards) - Rückgang auf 48%

Mit der Ausnahme die Killer-Overcards zu hitten, schwankt die Equity Range lediglich zwischen 13-14%. Das ist zwar mehr als in den vorangegangenen Beispielen, jedoch nicht dramatisch.

Selbstverständlich wird sich deine Einschätzung der Range deines Gegners ändern, falls du in dieser Situation am Flop bettest und er entweder callt oder raist. Um jedoch zu diskutieren, was mit dem Begriff Equity Shift gemeint ist, sollten wir die Situation rein theoretisch betrachten.

Betrachten wir einige andere Hände.

BEISPIEL 4

Du hältst: JhTh
Flop: 9d6h3c

Hier hast du eine eher bescheidene Equity von 42% gegen die 70%-Standardrange deines Gegners. Du hast jedoch immer noch deine Overcards und einige Backdoordraws, so dass sich deine Equity am Turn drastisch verändern kann. Sehen wir einige Turnkarten an: 

  • Js (großartige Karte: Top Pair) - Anstieg auf 86%
  • Qh (gute Karte: sehr guter Draw) - Anstieg auf 57%
  • 8s (passable Karte: mittelstarker Draw) - Rückgang auf 38%
  • 2h (passable Karte: mittelstarker draw) - Anstieg auf 44%
  • Kc (schlechte Karte: schwacher Draw) - Rückgang auf 38%
  • 5d (furchtbare Karte: keine Hand) - Rückgang auf 22%

In vielleicht überraschender Weise unterliegt deine Equity großen Schwankungen. Großartige Karten treiben deine Equity um bis zu 44% in die Höhe, während furchtbare Karten sie auf bis zu 20% reduzieren. Das bedeutet eine Schwankung von bis zu 64% mit vielen Abstufungen dazwischen. Beachte, dass besonders mit den Backdoordraws viele Turnkarten deiner Hand neues Leben einhauchen: oft hast du am Turn Draws mit 12 und mehr Outs, die profitable Semibluff-Moves ermöglichen.

BEISPIEL 5

Du hältst: 7h6h
Flop: Jh8s4s

Deine Equity gegen die 70% Range liegt bei 34%. Du hast zwar einen Gutshot und einige Backdoordraws, aber es gibt viele Karten, die dir eine katastrophale Equity am Turn bringen:

  • Qs (furchtbare Karte: keine Hand) - Rückgang auf 16%
  • 7d (gute Karte: Pair und Gutshot) - Anstieg auf 59%
  • Ah (passable Karte: Flushdraw) - unverändert bei 35%
  • 2s (furchtbare Karte: keine Hand) - Rückgang auf 17%

Das ist eine ideale Situation für einen Checkbehind, obwohl du keinen Showdownvalue hast. Ob du den Turn dann nach einem weiteren Check deines Gegners bei einer Blank bettest, wird sehr gegnerabhängig sein. Deine Reads auf ihn werden dir bei der Entscheidung helfen.

Ein wichtiger Aspekt liegt darin begründet, dass ein Flop mit einigermaßen koordinierten Middlecards sehr häufig die 70% Range deines Gegners trifft - eine Flopbet hat also kaum Foldequity. Sogar relativ schwache Hände wie 9s6d oder Ts6c werden callen, da viele Turnkarten Draws bringen und Hände mit hohen Spades auch einen Backdoorflush-Draw haben. Es ist sogar relativ schwierig Hände zu finden, die ein LAG oder TAG überhaupt folden würde (vielleicht Kc3c).

Vergleiche diesen Flop mit anderen wie etwa TdTh4s. Falls du jetzt immer noch 7h6h hältst, wird sich deine Equity bei spärlichen 30% befinden. Andererseits solltest du hier eher betten, da du einige Backdoowdraws hast und zudem auf dem dry Board schwache Hände (die dennoch stärker als deine sind, Z.B. Q6, J7) eher folden werden. Darüberhinaus wirst du auf diesem Board wohl keine Raises von der 70% Range bekommen (was sollte er auch repräsentieren?). Eine Flop-Bet bringt dich normalerweise auch zum River: die Turndonkbet ist genauso unwahrscheinlich wie ein Flopraise.

BEISPIEL 6

Du hältst: 8h6h
Flop: JcTc8d

Deine Equity gegen die 70% Range ist 52%. Du hast ein schwaches 3. Pair auf einem drawheavy board, bei der die Turnkarte deine Equity außerordentlich verändern kann.

  • Qc (furchtbare Karte) - Rückgang auf 36%
  • 9h (furchtbare Karte) - Rückgang auf 35%
  • 2h (gute Karte) - Anstieg auf 58%
  • 6s (großartige Karte) - Anstieg auf 79%

Es gibt hier selbstverständlich das Argument, keine Freecards verteilen zu wollen. Wenn wir die Situation jedoch eingehender betrachten, wird schnell klar, dass es nicht wirklich viele schwächere Hände gibt, die von der Freecard profitieren. A-x und K-x Hände haben lediglich 3 Outs; Q-x profitieren ein wenig, jedoch sind 9-x sowieso nicht weit hinten (9d5d hat 45% Equity and Kh9d liegt bei 50%).

Der kleine Nachteil beim Geben der Freecard wird von der Tatsache aufgehoben, dass dein Gegner nicht mehr davon ausgeht, dass deine Hand so "stark" wie 8-6 sein könnte. Am ehesten setzt er dich auf A-x oder vielleicht einen schwachen Draw wie K-7. Bei einer Blank am Turn ringt er sich vielleicht nicht zu einer Bet durch und zahlt dich mit schwachen Händen wie A-high aus.

3.2 Implikationen des Equity Shift für die Checkbehind-Strategie

Die Einschätzung des möglichen Equity Shifts kann dir am Flop einen sehr guten Indikator bieten, ob es sich um einen guten Spot für den Checkbehind handelt. Ist der Equity Shift Value (den wir hier kurz ESV nennen wollen) hoch, solltest du sicherlich den Checkbehind in Betracht ziehen. Ist der ESV niedrig, dann sollten andere Faktoren ins Spiel kommen: ob du protecten willst oder die Hand besser mit einer Bet spielbar wird. Sehen wir uns einige Beispiele an, die auf dem obigen Material aufbauen.

BEISPIEL 7

Du hältst: JhTh
Flop: 9d6h3c

Das ist nur eine Wiederholung von vorher. Wie wir bereits vorher gesehen haben, hast du eine eher spärliche Equity von 42% gegen die 70% Range. Bei einem eher Showdown orientierten oder aggressiven Gegner ist es eine gute Gelegenheit für einen Checkbehind. Wie vorher musst du auch hier deinen Pokerskill einsetzen, um die beste Line am Turn zu bestimmen. Es ist wieder sehr gegnerabhängig und kein Szenario, wo es eine klar "beste" Line gibt. Das passt auch zu unserer grundlegenden Annahme, dass ein Checkbehind besonders dann gut ist, wenn deine Equity gegen die Range des Gegners weniger als 50% beträgt. Die Gefahr eines Raise ist groß und Foldequity ist kaum vorhanden.

BEISPIEL 8

Du hältst: Ks8c
Flop: Th8h7s

Es kann auch oft eine gute Idee sein, mit einigen starken Händen behind zu checken (die mehr als 50% Equity haben), aber dennoch anfällig für einen Equity Shift sind. Gegen die 70% Range hast du in diesem Beispiel eine sehr gute Equity von 62%. Ein Checkbehind fühlt sich also ziemlich falsch an. Dennoch bist du in dieser Situation anfällig für einen umgekehrten Equity Shift, da es eine Menge an schlechten Turnkarten gibt.

Dennoch willst du in dieser Situation beinahe immer zum River kommen. Das erlaubt dir der Checkbehind mittels Potcontrol. Es ist klar, dass diese Idee sicherlich kontrovers ist und viele Spieler einfach den Kopf schüttelnd sagen werden, dass es keine korrekte Möglichkeit sei, nicht zu betten, wenn man in Position gegen die Range des Gegners 62% Equity hat.

Das fühlt sich intuitiv wie ein -EV Move an. Dennoch ist es sehr wichtig zu erwähnen, dass wir nicht nur an eine simple Calldown-Strategie gebunden sind. Bei einer guten Turnkarte (irgendeine low Card) kann unser Gegner sich leicht zu einer Bet mit mittelstarken Holdings hinreißen lassen (wir haben den Flop nicht gebettet, also wieso sollte uns diese Karte helfen?). Wir können ihn dann raisen. Von einer Hand wie 7-5, mit der er am Flop wahrscheinlich check/call gespielt hätte, haben wir also eine kleine Bet gewonnen.

In dieser Situation ist wichtig zu wissen, ob dein Gegner zu Donkbets am Turn imstande ist. Das ist sehr wichtig für deine weitere Handplanung. Naturgemäß will man den Flop aufgrund des Equityvorteils betten, behält sich aber die Option vor, auf unangenehme Turnkarten behind zu checken. Im Rückblick auf das obige Beispiel wird diese Idee noch deutlicher.

Mit unserer Hand wollen wir sicherlich zum Showdown. Je nach Turnkarte besitzt unsere Hand jedoch nicht die nötige Stärke, um jede Street zu valuebetten. Es gibt also zwei mögliche Spielweisen:

  • a) wir könenn entweder am Flop contibetten und bei unangenehmen Turnkarten behind checken
  • b) wir können am Flop behind checken und am Turn neu evaluieren

 

a) Wir c-betten den Flop und werden gecallt

Falls der Turn eine Blank ist, werden wir erneut betten. Allerdings gibt es eine Anzahl von unangenehmen Karten, die wir lieber behind checken werden, z.B. jede 6, 9, J, evtl. sogar jede 7 und jedes Herz.  Falls unser Gegner entgegenkommend ist, besteht kein Problem, für nur 0,5 BB zum River zu kommen. Wenn hingegen dein Gegner zu Donkbets auf Scarecards fähig ist, dann können wir nicht einfach folden, es kostet uns dann allerdings auch 1,5 BB, um zum River zu kommen.

Strärkere Spieler werden sicherlich diese Donkbets in ihrem Repertoire haben und werden nach dem Flopcall in folgenden Situationen donken: sie haben 6-7 und der Turn bringt 10-8-7-6 oder sie halten 7-9 auf dem gleichen Turn 10-8-7-6. Das ist v.a. dann besonders gefährlich, wenn es starke Spieler sind, die ihre Donkbets balancen. Sie können z.B. diese Line auch mit Händen wie Ah6s auf Turns wie Th8h7sQh mit dem Nutflushdraw spielen. Es ist nicht leicht, die Donkbet hier zu callen, aber ein Fold wäre ein schlimmer Fehler.

b) Wenn wir den Flop jedoch behind checken,

haben wir sehr viel mehr Kontrolle und vermeiden das Problem der Donkbett. Das ist zwar genaugenommen nicht vollständig wahr, da unser Gegner ja immer noch donkbetten kann (wir haben ja am Flop behind gecheckt, so dass die Benennung Donkbet eine Definitionsfrage ist). Trotzdem können wir immer noch callen und erreichen den River für 1BB - eine Verbesserung gegenüber dem 1,5BB aus Szenario a).

Zusätzlich haben wir durch Line b) unseren EV zusätzlich durch Bluffinduce erhöht. Wenn wir einen scary Flop behind checken, werden viele Gegner annehmen, dass wir nichts getroffen haben und vielliecht sogar mit A-high downcallen. Wenn der Turn eine 6 oder einen J bringt, wird seine Bettingrange sehr viel weiter und sogar einen guten Teil Air sowie viele schwache Hände enthalten, die wir schlagen. Selbstverständlich haben wir dann sogar mit einem einfachen Downcall eine sehr profitable Line bis zum River (als einfachste Option).

4. Verschiedene Handkategorien für den Checkbehind

Man kann mit jeder möglichen Hand behind checken, beginnend mit starken made Hands wie 2 Pair bis hin zu total Air. In diesem Abschnitt wollen wir bei verschiedenen Handtypen betrachten, ob sie sich für einen Checkbehind am Flop eignen und wann sich eine günstige Gelegenheit dafür bietet. Selbsverständlich müssen wir dies im Kontext von verschiedenen Floptexturen (dry bis sehr drawy) tun. Wir wollen 6 Handkategorien in Betracht ziehen, und dann jede einzelne detailliert unter die Lupe nehmen.

Im Spiel gegen smarte Gegner sollte ein wichtiger Teil deines Spiels auf Balancing ausgerichtet sein. Wenn du den Flop immer mit einer starken made Hand oder einem starken Draw bettest und mit allen anderen Händen behind checkst, kann dein Gegner dich sehr gut auf eine Range setzen. Es ist trotzdem leicht, deine Lines zu balancen, indem du mit allen Typen von Händen bettest und checkst. Deshalb kannst du dein Flopplay auch dazu benutzen, bestimmte Tendenzen deines Gegner zu exploiten, während dein eigenes Spiel gebalanced bleibt.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass dich Balancing im allgemeinen ein klein wenig EV kostet. Falls dein Gegner also nicht sophisticated genug ist, dein nicht gebalanctes Spiel zu exploiten, solltest du einfach die Lines mit dem größten EV spielen. Die sechs Handkategorien sind die folgenden:

1) Starke made Hands
Da wir höchstwahrscheinlich Heads up spielen, ist eine starke made Hand bereits ein top oder second Pair mit gutem Kicker, z.B. J-5 auf einem J-7-4 Board, K-8 auf einem Q-8-3 board oder 8-8 auf einem A-7-5 board.

2) Schwache made Hands

Hierunter befinden sich typische Heads up Hände wie Bottom Pair oder gute Aces auf trockenen Boards: 3-3 auf Q-9-4, 6-5 auf einem K-8-6 Board, A-J auf Q-7-2 oder A-5 auf J-J-4. Solche Hände haben normalerweise ca. 55% Equity gegen die 70% Range unseres Gegners.

3) Gute Draws 
Ein guter Draw hat gemeinhin keinen Showdownvalue, aber zumindest 9 Outs um sich zu verbessern: z.B. 6d5d auf einem Kd9c7d Board,  JsTs auf Qh8s7c.
Das letzte Beispiel ist weniger klar strukturiert, da es gegen Q-x lediglich 4 Outs gibt und die 10er Outs gegen 8-x und 7-x nicht ganz rein sind aufgrund der Vielzahl der möglichen Draws. Dafür entschädigt uns jedoch der Backdoorflushdraw.

4) Schwache Draws
Schwache Draws haben normalerweise nicht mehr als 4 Outs, wenn du mit deiner Hand hinten liegst, z.B. 5-6 auf einem K-9-8 board oder haben mehr unsaubere Outs, z.B. 8-6 auf einem 9-10-J Board, oder 7h8h auf einem Ks9s6s Board.

5) Schwache Hände mit etwas Showdownvalue
Spielt dein Gegner Ranges von 85% oder mehr, gewinnen sogar schlecht aussehende Hände an Showdownvalue: z.B. K-4 auf einem 10-8-3 Board or Q-J auf einem 7-5-3 Board. Diese Hände haben eine schlechte Equity (normalerweise um die 35%) gegen die typische Range deines Gegners und können sehr leicht von schwächeren Händen unter Druck gesetzt werden.

6) Total Air
Alles andere - keine Hand, kein Draw und kein Showdownvalue: z.B. 7-5 auf einem K-10-3 Board, 8-6 auf K-Q-10.

4.1 Starke made Hands

Selbstverständlich kannst du EV verlieren, wenn du mit einer starken made Hand nicht bettest, es ist trotzdem nicht die volle Wahrheit. Wenn dein Gegner gar nichts oder wenig hat, wird er auf eine Bet wohl folden (denke daran, dass wenn du eine starke Hand hast, es ein wenig unwahrscheinlicher wird, dass er etwas hat). Wenn du checkst, wird er evtl. einen anderen Blick auf seine Hand haben und mehr Value darin sehen, als er tatsächlich hat.

Das verleitet ihn vielleicht, Bets in den Pot mit furchtbarer Equity zu investieren. Zum Beispiel hältst du Q-J und er K-9 auf einem Q-7-4 Board. Du checkst aus Balancinggründen behind. Sagen wir, dass am Turn eine Blank kommt, er checkt wieder und du setzt. Vielleicht denkt er nun, dass du den Pot klauen willst (er hat ja mittlerweile bereits zweimal gecheckt) und ringt sich zu einem Calldown mit King high durch (der Downcall wird sogar noch wahrscheinlicher, wenn er eine A-Rag Hand hält). Möglicherweise raist er sogar mit solchen Händen.

Das trifft besonders dann zu, wenn er dich bereits in anderen Situationen mit Trash Händen behind checken gesehen hat. Du hast zwar möglicherweise 1SB am Flop verpasst, bekommst aber 2BB am Turn und River, weil er dich auf die komplett falsche Hand readet.

Es gibt eine weitere gute Möglichkeit hier. Sagen wir, er hält eine schwache Hand wie 5-4. Damit wird er höchstwahrscheinlich auf allen 3 Streets check/call spielen. Wenn du jedoch den Flop behindcheckst, wird er bei einer Blank am Turn möglicherweise versuchen, seine Hand durch eine Bet zu protecten. Du kannst ihn dann raisen und bekommst 3 BB anstelle von 2,5 BB bei seinem Downcall.

Der Checkbehind kann auch als Slowplay benutzt werden. Mit der erhöhten Aggression, die mittlerweile Standard ist, ist das Slowplay aus der Mode gekommen. Man ist der Überzeugung, dadurch Value aufzugeben.

Dennoch wirst du bei einer vorsichtigen Analyse der Range deines Gegners feststellen, nur gegen einen kleinen Teil seiner Range EV aufzugeben. Im Gegenzug gewinnst du sehr viel EV gegen einen sehr viel größeren Teil seiner Range. Damit machst du im Endeffekt Profit. Um noch genauer zu demonstrieren, was wir damit meinen, folgendes Beispiel:

Du hältst AA und der Flop kommt A-2-2. Solange dein Gegner nicht sehr oft zu Bluffraises ansetzt, gibt es nicht sehr viele Gründe hier zu betten. Der Teil seiner Range, mit der er dir Action machen wird, enthält nur A-x, 2-x Hände und Pärchen (natürlich kann er auch mit K und Q high downcallen).

Mit einem Checkbehind gibst du (möglicherweise) etwas EV gegen eine sehr kleine Range auf. Gegen den größten Teil seiner Hände wirst du deinen EV steigern. Dies ist eine der Situationen, die auf soft facts beruht. Es kann nicht mathematisch bewiesen werden, jedoch sollte ziemlich klar sein, das der Hauptanteil seiner Range aus Händen wie Q-5, 10-8, 7-6 besteht. Diese Hände haben aus der Sicht deines Gegners wohl keine große Equity oop am Flop, aber können sehr viel besser nach einer guten Turnkarte aussehen.

Es gibt darüberhinaus sehr viele Spieler, die vor allem im Heads-up nicht davon ablassen können zu betten,  wenn du Schwäche zeigst. Sie hassen einfach den Gedanken, mit T high gegen dein J high zu verlieren, während eine Bet dich zum Folden gebracht hätte. Wenn du also den Flop checkst, werden einige Spieler häufig am Turn betten, beinahe unabhängig von der Karte.

Welche Line du dann auch wählst (entweder sofort raisen oder vielleicht erst am River) - du hast eine offensichtlich sehr profitable Situation konstruiert, die schwerlich nach einer Flopbet hätte erreicht werden können.

Balancing

Trotz allem sollte es dennoch bei weitem dein Standardplay sein, alle starken Hände am Flop zu betten. Spieler mit Gespür für Balancing werden wohl die kleine Gefahr bemerken, wenn man niemals starke Hände behind checkt. Mitdenkende Gegner können deine Range reduzieren und Hände ausschließen, die eine starke Valuebet am Flop machen.

Dennoch sollte es jetzt keine große Geschichte sein, denn auch der Checkbehind ist ein großer Teil deines Spiels: die meisten Flops sollst du also trotzdem betten. Da starke made Hands im Heads up eher selten sind, werden deine Bets sowieso von der großen Anzahl an Bets am Flop mit vielen anderen Handtypen getarnt.

Ab und an solltest du wirklich auch weirde Lines im Heads up nehmen, da sich dieser Eindruck umso mehr im Kopf deines Gegners verankert. Zum Beispiel wenn du ihn mit wirklich schwachen Händen, sagen wir Q high, downcallst. Das ist jedoch sicherlich nicht in reinem EV Begriffen erwähnenswert.

Dein Gegner wird zufrieden sein, für einige Bigbets ausbezahlt worden zu sein, aber er wird bemerken, dass du wie eine totale Station gespielt hast. Da dies ein merkwürdiges Play ist (anders als ein A-high Downcall), wird er es einige Zeit im Gedächtnis behalten. Vielleicht spielt er die nächsten 100 Hände suboptimal, indem er nach knappen Valuebets Ausschau hält und gleichzeitig Bluffs vermeiden will. Du kannst das selbstverständlich bemerken und exploiten.

Ab und an kann es gut für das Metagame sein, mit A-K auf einem K-9-3 Flop behind zu checken (dann solltest du aber den River und nicht den Turn raisen). Wenn du also behind checkst, muss dein Gegner auch sehr starke Hände mit in deine Range aufnehmen. Davon profitierst du andererseits auch wieder, wenn du Freecards nehmen willst: er wird nicht ganz so aggressiv sein.

4.2 Schwache made Hands

Protection vs Bluffinduce 

Das ist ein sehr wichtiger Teil der Checkbehind-Strategie und erlaubt dir maximalen Value mit marginalen Händen zu gewinnen, v.a. gegen sehr tighte und/oder aggressive Spieler. Es kommt vor, dass du mit deinen mittelstarken Händen mit Showdownvalue behind checkst - typische Hände, mit denen man lieber einen 2BB als 4BB Pot spielen will.

Der Nachteil ist selbstverständlich, dass du deine Hand nicht protectest, wenn du vorne bist. Allerdings ist der Pot dann so klein, dass es eher vernachlässigt werden kann. Der Vorteil ist jedoch, dass du einen Haufen Bluffs von Händen induzieren wirst, die nur 6 Outs haben.

BEISPIEL 9

Du hältst:As9h
Flop: Ks8d3c

Mit einer A-high Hand auf einem unkoordinierten Board wird dieser Plan oft aufgehen. Dein Gegner hält die Standard 70% Range. Solltest du betten oder behind checken?

Wie wir in der Einleitung angedeutet haben, ist diese Situation aus mathematischer Sicht sehr kompliziert. Aber da sie so häufig im Heads up vorkommt, lohnt es sich, einen genauen Blick darauf zu werfen und einige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Mathematische Annäherung

Vor dem Fortgang der Analyse müssen wir jedoch betonen, dass es keine vollständig erschöpfende Analyse aller möglichen Wahrscheinlichkeiten ist. Wir werden viele (mehr oder weniger fundierte) Abschätzungen vornehmen, sind uns jedoch bewusst, dass vieles nur Annahmen sind. Wenn wir eine Schlussfolgerung ziehen, dann immer bewusst auf bestimmten Annahmen basierend. Wenn wir auch keine definitv gültige Antwort finden, haben wir zumindest eine sehr viel bessere Idee von den zugrundeliegenden Faktoren bekommen.

Zunächst sollten wir unsere Equity gegen die 70% Range bestimmen. Es ist ziemlich klar, dass wir nur gegen K-x, 8-x und 3-x Hände aus der 70% Range zurückliegen, also nicht gegen A-K oder 3-2. Wir liegen somit zu ca. 60% vorne, der Pot ist 2BB groß. Es gibt 2 Möglichkeiten: wir liegen entweder vorne oder hinten.

Wenn wir zurückliegen, ist ein Checkbehind auf alle Fälle besser, allerdings ist eine genaue Quantifizierung sehr schwierig, welches Play besser ist. Es hängt viel davon ab, wieviel wir bezahlen müssen, wenn er zu betten beginnt. Dennoch ist ziemlich klar, dass ein Checkbehind gut sein muss, auch wenn wir nicht ganz sicher sind, um wieviel besser.

Wie können wir den Checkbehind bewerten, wenn wir vorne sind? Lasst uns die Situation in folgende Szenarien aufteilen und jede einzelne näher betrachten.

  • 1) Du setzt und er foldet
  • 2) Du setzt und er callt
  • 3) Du setzt und er raist
  • 4) Du checkst und er setzt immer am Turn
  • 5) Du checkst und er setzt niemals am Turn

1) Du setzt und er foldet

Beginen wir mit der leichtesten Situation. Du gewinnst 2BB, also ist der Value auch 2BB.

2) Du setzt und er callt

Jetzt íst es schon schwieriger. Der Pot ist 3BB und der Einfachheit halber nehmen wir an, dass es am Turn check/check geht, was ja realistisch ist. Wenn er nun am River setzt, wirst du immer callen müssen, da du ja Schwäche gezeigt hast. Er wird auch hoffnungslose Hände betten, obwohl er natürlich auch den Turn oder River gehittet haben kann und for Value bettet. Geben wir ihm eine random Hand wie z.B. Q-7, liegt seine Chance, dich doch noch zu überholen bei 25%. Er wird möglicherweise auch in 25% der Fälle mit einer schlechteren Hand betten und in allen anderen Fällen geht es check/check am River und du gewinnst.

Unser EV ist daher:

0,25* -1,5BB (er outdrawt uns und wir zahlen ihn aus)
0,5*2,5BB (es gibt keine weiteren Bets, wir gewinnen den Pot)
0,25*3,5BB (er blufft den River, wir catchen ihn)

Gesamt: (0,25 * -1,5BB) + (0,5 * 2,5BB) + (0,25 * 3,5BB) = 1,75BB


3) Du setzt und er raist

Das ist offensichtlich sehr kompliziert, da er auch herumspewen kann und du möglicherweise die  beste Hand foldest. Wir wollen nicht versuchen, dies zu berechnen und stattdessen diese Situation außen vor lassen.

4) Du checkst und er setzt immer am Turn

Wir werden hier immer callen. Die Gleichung wird ähnlich wie in Fall 2) ausssehen, außer dass der Pot etwas größer sein wird. Falls er am River die beste Hand hält, wird er nochmal betten und du zahlst ihn aus. Nehmen wir zusätzlich an, dass er 25% seiner schlechteren Hände ebenfalls bluffbettet.

Unser EV ist jetzt:

0,25 * -2BB (er drawt uns aus und wir zahlen)
0,5 * 3BB (er bettet am Turn und gibt dann auf)
0,25 * 4BB (er blufft am River und wir callen)

Gesamt: (0,25 * -2BB) + (0,5 * 3BB) + (0,25 * 4BB) = 2BB


5) Du checkst und er setzt niemals am Turn

Falls er auf deinen Checkbehind nicht den Turn bettet, wirst du meistens mit einer Bet den Pot gewinnen. Manchmal wird er mit schlechteren Händen (A-2, Q-T) callen, was sehr profitabel ist, da er lediglich einen Sechsouter hat. Manchmal wird er auch die stärkere Hand am Turn halten, jedoch nicht betten (z.B. mit 4-5). Diese Szenarien wiegen sich jedoch auf, sodass es sehr wahrscheinlich ist, dass wir im Schnitt 2BB gewinnnen.

Zusammenfassung

  • Wir sind vorne und betten den Flop. Unser EV ist 2BB wenn er foldet und 1,75BB wenn er callt. Wir haben außen vor gelassen, was passiert wenn er raist.
  • Wir sind vorne wenn wir checken. Unser EV liegt bei 2BB wenn er immer den Turn bettet und 2BB falls er niemals den Turn bettet.

Unsere Annahme, dass der Checkbehind nicht schlechter als die Bet ist, scheint überraschenderweise also doch wahr zu sein, sogar wenn wir vorne sind. Wenn wir das noch mit der Tatsache kombinieren, dass der Check auf alle Fälle besser ist, wenn wir hinten liegen, dann sieht es langsam wie das richtige Play aus. Natürlich haben wir eine Anzahl an vielleicht anfechtbaren Annahmen über den Spielverlauf gemacht. Welche Faktoren sollten nun unsere Entscheidung nachhaltig beeinflussen?

Wenn wir nicht sonderlich showdownbound spielen (z.B. um Varianz zu vermeiden), sind wir mit einem Check auf alle Fälle besser bedient. Das Problem bei einer Bet liegt darin, dass uns schlechtere Hände raisen können, wir aber nicht zum Showdown gehen. Eine Bet kann daher die schlimme Konsequenz haben, die bessere Hand zu folden und damit massiv -EV zu sein.

Sogar als sehr showdowngebundener Spieler ist ein Checkbehind eine gute Line am Flop. Solange du dich bei einem Flopraise nicht unwohl fühlst. Falls er aber z.B. sehr oft den Flop checkraist und auf trockenen Boards herumspewt, liegt mehr Value darin, mit Bets weitere Bluffs zu induzieren.

Falls dein Gegner jedoch passiv und ehrlich spielt (du wirst nicht sehr viele dieser Gegner ab einem bestimmten Midstakes-Level finden), dann ist eine Bet möglichweise besser. Es wird dann meistens auf folgendes hinauslaufen: er foldet schlechtere Hände auf diesem dry Board und raist mit den besseren; er wird nicht den Turn nach deinem Flopcheck mit schlechteren Händen betten (ein Bluffinduce funktioniert nicht und du gibst einfach nur Freecards.

Fazit

In den meisten Fällen wirst du mit A-high mit einem Checkbehind auf dry Boards besser dran sein - wenn also deine Equity zwar über 50%, jedoch nicht über 60% liegt. Nichtsdestotrotz musst du dich aber an deinen Gegner anpassen. Wenn Gegner sehr loose den Flop floaten, ist Bet Flop/Bet Turn for free Showdown das bessere Play. Sollten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit bluffen nach deinem Check am Flop, wird Checkbehind zu einer besseren Option.

Metagame 

Es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt. Wenn du in diesen Situationen behindcheckst, dein Gegner setzt und du gewinnst nach einem Calldown, musst du immer auch das Metagame im Auge behalten. Falls das mehrere Male passiert, wird dein Gegner kaum weitermachen und dir Geld schenken. In Zukunft wird er den Turn nur dann betten, wenn er höchstwahrscheinlich gegen dein A-high vorne liegt. Dann kannst du beginnen, gute Folds zu machen.

4.3 Gute Draws

Wir alle wissen, dass wir oft betten um Foldequity zu generieren. Da wir außerdem meistens viele Outs haben, sind wir eher nicht zu besorgt, falls wir geraist werden. Ein Checkbehind mit einem guten Draw (und sogar einem schlechten Draw) fühlt sich also erstmal falsch an.

Dennoch gibt es ein einfaches Prinzip, das wir sorgfältig betrachten müssen. Spieler verlieben sich oft in ihre starken Draws und betten sie wie die Nuts. Dennoch bieten diese "großartigen Draws" manchmal nicht die benötigte Equity, mit der wir vielleicht rechnen.

Falls wir darüberhinaus geraist werden, liegt unsere Equity meist unter 50%. Das hält viele Spieler nicht davon ab, fröhlich zu 3-betten. Sie haben einen schlechten Stand und sehr wenig Foldequity für den weiteren Verlauf der Hand (der Gegner wird sehen, dass es ein drawy Board ist und eine 3-Bet auf der "billigen" Street in Position wird nicht sehr viel Respekt ernten). Sehen wir uns folgendes Beispiel an:

 

BEISPIEL 10

Du hältst: QhJh
Flop: Td9d6s

Du hältst QhJh für 2 Overcards und einen OESD-Straightdraw.

Eine großartige Hand, nicht wahr? Andererseits ist deine Equity gegen die Standard 70% Range ca. 56%. Falls du stattdessen 6d5s für Bottom Pair, no Kicker hältst, rangiert deine Equity in derselben Größenordnung bei ca. 54%. Es ist schwer vorstellbar, warum Spieler auf solchen Boards mit Q-J enthusiastisch werden, dagegen nicht so sehr mit 6-5, obwohl beide Hände fast glech viel Wert sind.

Natürlich sind harte Bets mit drawing Hands immer gut und recht, aber nur, wenn das auch Foldequity generiert. Es gibt keine starken Hände, die auf diesen Board nicht einen Showdown sehen wollen. Jedes Paar und sogar A-high werden downcallen, da sie dich oft auf einen Draw setzen werden und sich von busted Draws Value erhoffen.

Sogar eine Hand wie 7-6 wirst du kaum loslassen, weil sie sehr viele Outs bis zum River besitzt. Auch wenn das Board ugly wird, ist ein crying Call bei der Potgröße eigentlich automatisch. Einzige Ausnahme unter den stärkeren Händen, die dir entweder Action geben oder folden werden, sind K-8 und K-7.

Falls du einen Checkbehind machst, wird deine Hand sehr deceptive sein, da dich dein Gegner kaum auf einen so starken Draw in deiner Range readet. Er wird höchstwahrscheinlich annehmen, dass du A-x oder ein kleines Pärchen hast, das keinen Semibluffraise auf dem Drawy Board riskieren will. Das wird er sich ziemlich sicher so denken, da er bereits in ähnlichen Situationen Checkbehinds von dir gesehen hat. Es können nun zwei gute Dinge passieren.

Erstens, wenn er eine akzeptable Hand hält, wird er jeden Turn betten. Falls du dich jetzt oder am River verbesserst, wird er dein Raise bezahlen, da er dich nach deiner Bettingsequenz auf keine starke Hand setzen kann. In diesem Fall gewinnst du 3BB anstelle von 2,5BB, die du erzielt hättest, wenn du seine Bets auf allen Streets nur callst. Falls du deinen Draw verfehlst, verlierst du lediglich das Minimum.

Zweitens, falls er nicht wirklich etwas hält, zahlt er dich vielleicht trotzdem aus, da er dich auf eine total andere Hand setzt. Sagen wir, er hält 2-2. Er checkt den Flop und du checkst behind. Der Turn bringt jetzt

Flop:  Td9d6s
Turn: Jc

Falls er checkt und du bettest, zahlt er dich womöglich aus, da in seiner Wahrnehmung deine Range aus vielen A-x, K-x und Q-x Händen besteht.

Falls du den Flop bettest, vermittelst du ihm den Eindruck, dass dir das Board wirklich gefällt, zumal du ja bereits bewiesen hast, dass du solche Boards bei einem Miss oft behindcheckst. Bei vielen Turnkarten wird er denken, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass du gehittet hast und wird gute Folds mit seinem kleinen Pair machen.

Bei Blanks am Turn und einem Check von Villain solltest du am ehesten nochmal behindchecken. Nach deinem Flopcheck wird er kaum eine bessere Hand folden, besonders A-x. Eine Turnbet wird also nicht den gewünschten Erfolg zeigen, da dir Foldequity gegen bessere Hände fehlt.

Der Hauptaspekt hier -und das ist auf die meisten Situationen mit starken Draws anwendbar- verlierst du zwar mit einem Checkbehind einen kleinen Teil Foldequity, aber der Anteil an Deception wiegt diesen Nachteil bei weitem wieder auf. Gute Spieler nehmen an, dass du deine Draws hart bettest und im Gegenzug ist es daher sehr profitabel, sie passiv zu spielen. Du wirst bei einem Hit sehr oft gut ausbezahlt werden und falls nicht, vermeidest du herumzuspewen. Mit einem guten Draw ohne Foldequity solltest du immer die passive Line in Erwägung bevorzugen.

4.4 Schwache Draws

Oft ist es sehr gut, mit schwachen Draws nur behind zu checken, ganz besonders wenn du Overcards auf einem drawy Board hältst. Ein Standardbeispiel ist J-8 auf einem 6-5-3 Board. Das ist ein wirklich hässlicher Flop für deine Hand und deine Equity gegen die 70% Range liegt bei 33%. In vielen Beispielen in diesem Artikel regen wir einen Checkbehind an, obwohl es auch Argumente für eine Bet gibt. In diesem Fall existieren jedoch keine Argumente für eine C-bet und der Checkbehind ist das weit bessere Play.

Das Problem bei einer C-bet: sie ist ein -EV Play, die keine Vorteile hinsichtlich der Foldequity bringt, weder jetzt noch auf späteren Streets. Es gibt keine besseren Hände die folden und alle schwächeren haben Draws und werden dich attackieren. Sogar wenn du von Händen wie K-7 gecallt wirst, liegt deine einzige Chance zu gewinnen im Hitten deiner 6 Outs oder in einer 3-Barrel.

Wenn du nicht 3-barrelst (und z.B. am Turn checkst), wird dich jeder thinking Player auf eine sehr schwache Hand setzen und den River check/callen. Falls du 3-barrelst, bekommst du vielleicht einen Fold am River. Nichtsdestotrotz kann eine 3-Barrel nicht +EV sein, wenn du höchstwahrscheinlich behind bist.

Du kannst also genausogut deine Freecard nehmen - was überhaupt kein schlechtes Play ist. Jacks und Achter sind augenscheinlich hervorragend, jede 7 gibt dir einen Openender. Ein weiterer Vorteil: dein Gegner wird möglicherweise (und zurecht), deinen Checkbehind als A-high einstufen, das zum River will. In diesem Fall bekommst du vielleicht eine weitere Freecard am Turn.

4.5 Schwache Hände mit etwas Showdownvalue

Oft genug hast du im Heads up Hände mit etwas Showdownvalue. Normalerweise sind das A-high und K-high Hände, obwohl auch kleine Pockets auf koordinierten Boards ab und an in diese Kategorie gehören. Solche Hände erfordern einen billigen Showdown und daher ist der Checkbehind am Flop die richtige Line.

Oft wird das Board kleine, koordinierte Karten bringen und wenn du dann bettest und geraist wirst, willst du wahrscheinlich hier und auch am Turn callen. Wenn du den River dann auch noch callst, hat dich die Line 3BB gekostet und deine Hand wird selten gut sein. Wenn du stattdessen am Flop behind checkst, siehst du bereits für 2BB garantiert den Showdown.

Meistens wird deine Hand zwar ebenfalls nicht gut sein. Wenn jedoch dein Gegner die Nachricht erhält, dass du nach einem Checkbehind auch mit sehr schwachen Händen downcallst, wird er womöglich beginnen, sehr ehrlich am Turn zu spielen. Er bettet dann nur, wenn er sich gegen deine schwache Showdownrange vorne sieht. Das ist ein gutes Beispiel für das vorher diskutierte Prinzip, deinem Gegner eine Betmöglichkeit zu nehmen.

Wenn du den Flop bettest und er raist dich, sieht es immer nach einem sehr starken Play aus, da er weiß, dass du weitere 3 Calls bis zum Showdown machen musst. Mit marginalen Showdownhänden ist das ziemlich tough; deshalb ist Aggression eine so mächtige Waffe im Heads up. Wenn du jedoch bereits am Turn bist, ohne dass dein Gegner die Möglichkeit besaß, eine Bet zu platzieren, wird es für ihn um einiges schwerer: er hat noch nicht die Initiative übernommen und er weiß, dass du lediglich 2 Bets callen musst, um zum Showdown zu gelangen.

Darüberhinaus wird es oft passieren, mit einem Checkbehind bereits 80% des Boards gesehen zu haben (anstelle von 60%), bevor du dich entschließt, ob du zum Showdown gehst und weitere Chips investierst. Das ist ein klarer Vorteil. Dadurch kannst du sehr viel fundiertere Einschätzungen machen, ob ein Calldown +EV ist.  

Eine typische Hand für diese Line ist z.B. K-J auf einem 9-7-3 rainbow Flop. Gegen die Standardrange deines Gegners hast du hier um die 45% Equity - viel zu viel für einen Fold, aber auch zuwenig für eine Bet. Das bekräftigt das bereits in der Einleitung diskutierte fundamentale Prinzip, dass ein Checkbehind vor allem dann in Frage kommt, wenn deine Equity am Flop weniger als 50% beträgt.

Wenn der Turn blankt und Villain checkt, wird ein weiterer Check die beste Option sein, besonders früh in einer Session. Du kommst mit nützlichen Informationen zum River und wirst weiterhin sehen, wie er seine Hand gespielt hat. Eine sehr viel bessere Line als bet/fold, wenn du dir nicht sicher bist, welche Line du nehmen sollst.

Das trifft auch zu, falls es ausgeschlossen ist, dass eine bessere Hand folden wird (wenn du einen Genger findest, der A-x hier foldet, hast du einen Heads up Jackpot geknackt; du kannst dann auch jeden Ratschlag aus dem Artikel vergessen; bette einfach und nimm sein ganzes Geld). Es gibt keinen Grund zu betten, da auch auf späteren Streets keine Foldequity generiert wird. Der Checkbehind ist die Methode, um maximalen Value aus deiner Hand zu generieren.

Einen weiteren Aspekt enthüllst du, wenn er so etwas wie 7-6 hält: wenn du den Flop bettest, wird er dich wahrscheinlich mit Middle Pair raisen. Falls du behindcheckst und der Turn eine Scarecard bringt, z.B. 9-7-3-A, wird er ebenfalls nicht betten, zumal ein A ja einen großen Teil deiner Checkbehind-Range hittet. Du kommst also für 0BB vom Flop zum River, was ein großer Fortschritt im Vergleich zur 2BB Option ist.

Es gibt ein Gegenargument, falls du bet/call am Flop gespielt hast. Ein A wird ihn am Turn vielliecht bremsen, aber nicht sehr wahrscheinlich. Wenn er einmal am Flop geraist und die Initiative übernommen hat, kann er kaum am Turn check/call spielen. Mit besseren Händen bekommt er dann null Value und wird dich nur mit schwächeren ausbezahlen.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass der Checkbehind die Nachteile minimiert, wenn du behind bist. Du solltest allerdings auch daran denken, dass es deinen Profit mit schwachen Händen maximiert. Hält dein Gegner Q-8 auf dem Flop 9-7-3, wird er wohl kaum auf eine Flopbet folden, besonders nicht mit einem Backdoorflushdraw.

Falls der Turn blankt, er checkt und du checkst behind, wird die Hand sehr wahrscheinlich downgecheckt, womit du 0,5BB postflop gewinnst. Bei einem Checkbehind wirst du oft eine Bet deines Gegners induzieren, und bei check/check am River hast du aber dann 1BB gewonnen.

Schlußendlich wirst du oft noch eine Valuebet am River mit K-high haben, falls es keine Bets gab und bis zum River durchgecheckt wurde. Angesichts der "Paralyse" beider Spieler kann deine Bet von einem smarten Gegner durchaus gecallt werden, da deine Range in seinen Augen stark polarisiert ist.

4.6 Total Air

Manchmal findest du dich auch mit Händen und Flopstrukturen in Situationen, in denen du einfach aufgeben solltest. Wir alle spielen gerne aggressives Poker und wollen solche Situationen eigentlich nicht haben. Du solltest jedoch immer bedenken, dass eine gesparte Bet mit einer loosing Hand genausoviel Wert ist wie mit einer winning Hand extra Value zu generieren - Verteidigung ist genauso wichtig wie Angriff. Folgendes Beispiel:

Du hältst T-5 und der Flop ist Q-9-7. Du hast einige Onecard Backdoordraws und sonst nix. Gegen manche Gegner hast du möglicherweise etwas Foldequity, um eine Bet/Fold Strategie profitabel erscheinen zu lassen. Aber gegen wirklich aktive Gegner hat eine Bet an Flop oder Turn nahezu keinen Wert.

Du kannst kein Raise callen und du kannst den Turn nicht unimproved betten (sogar mit einer 5 würdest du evtl. nicht betten). Leider werden bessere Hände hier nie folden und schlechtere Hände werden viel bluffen. Es gibt keinen profitablen Weg, wie du diese furchtbare Hand spielen könntest.

Ein weiteres Beispiel: Du hältst J-3 auf dem Board 8-6-4. Eine große Menge an Hände werden eine Flopbet raisen und du besitzt keine Foldequity. 3-Barreln wird niemals +EV sein, da Hände wie A-5 immer den River callen werden. Lass es bleiben.

5. Wann ist ein Checkbehind schlecht?

Nachdem wir uns bisher für den Checkbehind stark gemacht haben, sollten wir nun einige Situationen besprechen, in denen eine Bet das klar bessere Play ist.

5.1 Starke made Hands

Der erste dieser Fälle beinhaltet starke made Hands - besonders gegen tricky Gegner. Starke made Hands kommen im Heads up nicht so häufig vor und Slowplay hat dann meistens keinen Grund. Gegen gewitzte Gegner, die oft den Flop checkraisen und den Turn mit allen Arten von Händen betten (wogegen du mit 85%+ vorne liegst), ist ein Check -EV. Nachdem du bet/call am Flop gespielt hast, kannst du den Turn raisen und den River betten, um ganze 4BB zu erhalten. Mit einem Check am Flop wirst du meist nur 3BB bekommen. Sogar wenn sie bluffen wollen und dann auf Gegenwehr aufgeben, gewinnst du 1BB mehr mit bet/call am Flop (sie werden wohl bet/fold am Turn spielen).

Schwache Gegner die postflop straightforward spielen

Gegen schwächere Gegner, die am Turn das meiste folden, kann ein Check mit einer starken Hand ab und zu deinen EV erhöhen. Wenn du einen solchen Gegner hast, der fit or fold spielt, killst du meistens mit deinen Bets die Action.

Sie werden annehmen, dass du auf sehr drawigen Boards wie 8-7-5 behind checkst. Aber wenn du einmal mit dieser Gewohnheit brichst und KQ auf einem K-9-4 board behind checkst, dann werden sie Verdacht schöpfen und nicht mehr so herumspewen und keine Bluffs versuchen. Es ist für das Metagame besser, einfach bei den Bettingsequenzen zu bleiben. Wenn du Glück hast, haben sie selber eine gute Hand, um dich auszubezahlen. Sie werden dann deine starke Hand sehen und dir für alle deine C-bets auf dry Boards weiteren Credit geben.

5.2 Trash Hands

Es gibt keinen guten Grund, mit Trash Händen behind zu checken, auch wenn die Foldequity bei einer Bet gering ist. Du hältst z.B. 6-4 auf einem K-Q-9 Board. Ein Checkbehind ist hier Quatsch. Bet/fold ist viel besser - du solltest lediglich etwas Foldequity besitzen, damit das Play gut ist, besonders wenn dein Gegner knapp an die 100% seiner Hände spielt. Ein weiteres Beispiel ist

BEISPIEL 11

Du hältst: Qc4h
Flop: 9s8s7s

Deine Equity ist hier wirklich furchtbar - lediglich 22%, die einen Checkbehind verbieten. Eine Bet ist viel besser, weil du noch Folds von K-high, Q-high oder Trash Hands bekommst. OOP werden einige deiner Gegner sogar kleine Pärchen oder A-high ohne Spade folden, da auch diese gegen deine Range am Flop eine fürchterliche Equity haben und meistens nur auf sehr wenige Outs drawen, wenn sie hinten sind.

5.3 Wenn eine C-Bet die Hand leicht zu spielen macht

Es gibt auch Fälle, in denen eine C-bet dir eine klare Idee deines Turn- und Riverplays gibt, je nachdem, wie dein Gegner reagiert. Du hältst z.B. A-3 auf einem K-8-3 rainbow Flop. Dein Gegner checkraist alle made Hands und viele Draws, callt aber mit Highcards. Er macht keine pure Bluffs am Flop. Dieser Stil ist selbstverständlich exploitable, aber bei weitem nicht ungewöhnlich. Solltest du hier behindchecken, der Turn bringt K-8-3-T und dein Gegner bettet, wirst du nie sicher sein, was du jetzt tun sollst, da eine ganze Menge an Draws und viele made Hands möglich sind.

Du bekommst durch eine Bet einen sehr guten Read auf den Gegner - je nach seiner Reaktion. Gegen ein Raise bist du hinten, ein Call wird meist A-high oder 2 Karten zwischen 9-Q sein. Ein Fold ist ein hervorragendes Ergebnis für deine Hand. Du kannst jetzt den Turn sehr genau spielen, und zum Beispiel leichter bet/fold am Turn wählen.

5.4 Hände die ge-3-barrelt werden müssen

Manchmal hältst du eine sehr schwache Hand, die nicht viel Wert ist. Normalerweise sind das Gutshots mit kleinen Karten, z.B. 5-4 auf K-7-3. Obwohl du versucht sein könntest, einen Check für eine Freecard zu nehmen, solltest du hier wirklich betten, da du keinen Showdownvalue hast und Druck ausüben willst.

Deine Foldequity mit einer einzelnen Bet ist sicher nicht so groß, aber die Foldequity auf den späteren Streets zahlt sich aus. Viele nonpair Hände werden callen, aber unimproved nicht zum Showdown gehen. Zum Beispiel werden alle Kombos aus 8,9,T,J,Q höchstwahrscheinlich callen und auf eine 2, ein A oder bei gepairten Board folden. Außerdem können sie auch einen Gutshot aufgabeln, noch einmal callen und am River unimproved folden.

Ein Checkbehind ist dagegen viel zu weak. Du wirst unimproved keine Turnbet callen können, weswegen es sinnvoll ist, die Initiative zu behalten und bessere Hände zum Folden zu bringen ("bessere" Hände muss in Anführungszeichen gesetzt werden, da es kaum schwächere Hände gibt)

Selbstverständlich hilft dir der Gutshot sehr. Zweimal 4 Outs auf die Nuts zu haben bringt dir mindestens 16,5% (oder jedes 6. Mal den Gewinn), falls du zum River gehst. Deine Equity auf einem K-7-3 Flop liegt bei ca. 30%, während sie auf K-9-3 auf weniger als 20% schrumpft. (dann solltest du bet/folden wie oben besprochen). Bedenke, dass eine erfolgreiche 3-Barrel unimproved einen großen Swing zu deinen Gunsten bedeutet.

Es gilt als allgemeine Daumenregel, mit einer Hand, die nahe am Nut Low ist, immer zu 3-barreln, da der Value bei einem Fold so groß ist.

5.5 Wenn die Floptextur gute Foldequity bietet

Bei einem dry Board wie z.B. 7-7-3 ist eine Bet mit einem schwachen Draw wie 5-4 klar besser. Es gab ein ähnliches Beispiel im Abschnitt "Equity Shift". Sollte dein Gegner hier irgend etwas repräsentieren wollen, wird es nicht sehr überzeugend aussehen und er kann davon ausgehen, dass eine Entscheidung wohl meistens von den Starthänden abhängt. Selbstverständlich wird er kein A-x und K-x folden, aber da er oop ist, wird er mit schwächeren Händen - Q-x und J-x - oft nicht weiterspielen, da er keinen Value sieht. Hast du auf diesem ultra-dry Board einmal Schwäche gezeigt, wird ein smarter Gegner dich mit absolut allem downcallen oder dich im Gegenzug sogar mit seiner eigenen schlechten Hand attackieren.

6. Ausblick

6.1 Der Checkbehind in Ringgames

Bisher hat sich dieser Artikel mit dem Checkbehind im Heads up befasst, aber wir wollen auch kurz anführen, wie er effektiv in Ringgames eingesetzt werden kann. Es gibt viel weniger Situationen im Ringgame, wo man die Line gewinnbringend einsetzen kann. Die Ranges sind einfach viel tighter. Der beste Weg den Checkbehind einzubauen, ist ihn auf speziellen und typischen Boardstrukturen zu benutzen, die z.B. dem Caller im Big Blind sehr viel mehr geholfen haben. Ein typisches Beispiel: Du openraist mit AQ vom Cutoff, der Big Blind callt dich und der Flop kommt 9-8-6. Das ist eine gute Gelegenheit für einen Checkbehind, da der Flop mehr die Callingrange des BB als deine Openraiserange getroffen hat. Außerdem kannst du auf diese Weise deine Checkbehinds auf diesen Bordtexturen balancen, sogar wenn du A-A oder 9-9 hältst und intuitiv eigentlich protecten möchtest.

6.2 "Meta-Psychologische" Aspekte

Wie bereits gesagt, gibt es viele technische Argumente, wieso der Checkbehind in deinem HU und shorthanded Waffenarsenal nicht fehlen sollte. Darüberhinaus gibt es jedoch auch die psychologische Komponente, die dem Checkbehind noch zusätzliche Berechtigung verleihen.

6.3 Autopilot vermeiden

In meinem früheren Leben war ich (Byron Jacobs) ein starker Schachspieler. Im Schach sind die Standarderöffnungen Sequenzen, die jeder zigtausendfach gespielt und wiederholt hat. Deshalb ist es überhaupt nicht ungewöhnlich, wenn die ersten 15 Züge einer Partie quasi ohne Überlegung gespielt werden. Nur wenn ein neuer oder weniger bekannter Zug gewählt wird, wird jeder Spieler einhalten und genauer über die Position nachdenken.

Als mein Spielverständnis reifte, wurde mir klar, dass das wahrlich keine gute Sache ist. Es ist viel besser, die Eröffnung etwas langsamer zu spielen und dich bei jeder Gelegenheit zu erinnern, wieso du jetzt genau diese Züge machst, anstatt sie einfach wie ein Affe rauszuhauen. Wenn dann die Zeit des wirklichen Nachdenkens kommt, ist dein Gehirn bereits ein wenig aufgewärmt und kann die neue Situation eingehender betrachten und logisch analysieren.

Ich glaube, dass ein ähnliches Argument auch für Poker gilt. Wir sind viel zu sehr an automatische Plays gewohnt. Wir haben sie einmal gelernt und seitdem verwenden wir sie automatisch, da es nichts mehr nachzudenken gibt (Multitablen hilft in dieser Hinsicht ebenfalls wenig). In Position mit Initiative zu betten ist eines dieser Autopilot Plays, die nahezu jeder Spieler nahezu immer macht. Meistens ist es ja tatsächlich das Richtige, aber in anderen Situationen wäre der Checkbehind zu bevorzugen. Einen kurzen Moment innezuhalten und darüber nachzudenken, lässt dich aufmerksam und wachsam bleiben.

6.4 Outplaying your opponents

Wenn du mir noch einen Moment Nachsicht zollst, würde ich gerne eine weitere Analogie aus dem Schach ziehen. Im Schach treten oft sehr starke Spieler gegen deutlich schwächere, aber ebenfalls anständige Gegner an. Einige starke Spieler sind sehr effizient, die schwächeren Spieler zu schlagen, während andere kaum über ein Remis hinauskommen. Woran liegt das?

Der Grund hierfür liegt darin, dass die erfolgreicheren Spieler begreifen, dass sie Probleme kreiieren müssen, die ihre Gegner nicht lösen können, auch wenn sie dann nicht ganz optimal spielen. Wenn sie keine Probleme schaffen (meistens durch ungewöhnliche, komplizierte Stellungen), wird ihr größerer Skill nicht ausreichend belohnt.

Die Bedeutung des Checkbehind im Poker ist es, Probleme für deinen Gegner zu schaffen, die du mit einer 100% Betstrategie nicht erreichst. Sogar mittelmäßige Spieler werden gegen eine 100% Bettingtaktik halbwegs vernünftig ihre Lines balancen können. Falls du dein Spiel hingegen variierst, wirst du vermehrt Situationen schaffen, die ihnen unvertraut sind. Dann werden sie mit vorhersagbaren Mustern (Leaks) reagieren, die du exploiten kannst.

6.5 Finally...

In diesem Artikel haben wir dir den Checkbehind als mächtige und nützliche Waffe in deinem Arsenal nahegelegt. Wir haben viele Situationen besprochen, in denen ein Play klar besser ist als eine C-bet. Andererseits gibt es auch viele Situationen, in denen beide Optionen gleichen oder ähnlichen Value haben. Dann solltest du vom Gegner abhängig machen, welche Line du spielst.

Darüberhinaus gibt es Spots, in denen du durch die Reaktion deines Gegners auf eine C-bet ein sehr viel besseres Verständnis gewinnst, wo du in der Hand stehst. In diesen Fällen solltest du zur C-bet tendieren. Im Gegenzug gibt es auch Situationen, in denen dir eine C-bet keine Vorteile bringt und deine Equity unter 50% liegt. Dann solltest du eher einen Checkbehind in Erwägung ziehen.

Einen weiteren wichtigen Aspekt für den Checkbehind stellst das Metagame dar. Hast du eine klare Vorstellung von der Reaktion deines Gegners auf deinen Checkbehind? Wenn du dir letztlich nicht sicher bist, was die beste Line ist, kannst du einfach je nach Situation entscheiden. Willst du lieber Varianz vermeiden kannst du einfach checken. Falls Varianz kein Problem ist und du eher glaubst, dass du nach einem Check aus der Hand gepusht wirst, solltest du eher betten.

Wir haben dich hoffentlich überzeugt, dass der Checkbehind eine sehr mächtige und unerwartete Waffe im Heads up ist. Es war ja keine große Überraschung, dass es sich sehr gut für A-high Hände anbietet, die zum Showdown wollen. Andererseits zeitigt er auch gute Ergebnisse in eher unerwarteten Situationen, z.B. mit einem starken Draw. Das erlaubt dir, dein Spiel weiter zu balancen und effektiver zu werden.