Gegnertypen: Wie spielst du gegen Callingstations?
Einleitung
In diesem Artikel
- Valubets, Valuebets, Valuebets
- Bluffe nicht
- Bet Turn for free Showdown
Die Callingstation (CS oder Station) ist genau wie der Rock sehr passiv. Sie callt preflop viele Hände und raist nur wenige. Postflop bettet und raist sie wenig und wenn doch, hat sie meistens eine starke Hand. Im Unterschied zum Rock geht sie aber sehr oft zum Showdown und callt Hände mit sehr schwachen Gewinnchancen.
Diese Spieler sind besonders auf niedrigen Limits sehr oft anzutreffen und die typischen Fische, von denen ein TAG den Großteil seines Gewinns bekommt. Sie stellen dich selten vor schwere Entscheidungen, weil sie nicht bluffen und du kannst sehr dünn gegen sie Valuebetten. Typische Stats einer Calling Station sind z.B. (50 / 7 / 0,6 / 45) (VPIP / PFR / AF / WTS).
Was für Typen von Callingstations gibt es?
Alle Callingstations haben gemeinsam, dass sie viel callen und wenig raisen. Sie unterscheiden sich aber darin, ob sie gerne betten, wenn man zu ihnen checkt. Viele sind einfach sehr passiv und machen, auch wenn zu ihnen gecheckt wird, wenige Valuebets und keine Bluffs. Ein anderer Typ callt zwar fast immer wenn man bettet, bettet aber auch fast immer mit allen möglichen Händen, wenn du zu ihm checkst.
Die Spielweisen gegen diese beiden Tendenzen bei den Callingstations unterscheidet sich teilweise, da Gegner, die betten, wenn man checkt, für Bluffinduce (check/call) oder Checkraises mit Initiative in Frage kommen, während man gegen die passiven Stations fast nur bet oder check/fold spielen sollte. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Frage: Wie spielst du gegen Callingstations?
Wie spielst du gegen Callingstations?
Der größte Fehler der Callingstations ist es, zu schlechte Starthände zu spielen und die dadurch resultierenden marginalen Hände zu oft downzucallen. Sie haben typischerweise einen sehr hohen Went to Showdown und callen auch am River noch mit schwachen Händen, wenn es offensichtlich ist, dass sie geschlagen sind.
Diese Tatsache musst du ausnutzen, indem du auch schwache Hände noch valuebettest, die du gegen andere Gegner check/folden könntest. Das können je nach Situation Middlepair, Underpair oder K-high sein.
Callingstations haben eine weitere Schwäche: Sie sind zu passiv. Das kannst du ausnutzen, indem du toughe Folds machst und ihnen dadurch so wenig Value wie möglich für ihre starken Hände gibst. Bet/fold ist die beste Line gegen Stations.
Natürlich musst du vorsichtig und aufmerksam sein. Manche Callingstations sind auch zu Bluffs in der Lage, so dass man bet/fold nicht grundsätzlich und ohne vernünftigen Read spielen sollte.
Gegen wirklich passive Gegner solltest du immer valuebetten oder check/folden. Check/call ist selten gut, da die Callingstation immer mehr schwächere Hände callt, als sie selbst betten wird.
Vorsicht: Selbst vermeintlich passive Callingstations sind oft am River in der Lage zu bluffen, wenn du zu ihnen checkst. Ein Gegner mit den Stats (47 / 11/ 0.7 /42) ist nicht übertrieben passiv und wird oft genug Trash betten, wenn du zu ihm checkst. Gerade manche Callingstations (der oben erwähnte: Ich bette, wenn du checkst- Typus) fallen sehr gerne auf die Check/Call-Falle rein.
Wie kannst du das herausfinden, ob eine Calling Station zu Bluffs in der Lage ist? Nur die Stats geben darüber keinen Aufschluss. Ein höherer oder niedriger AF sagt nichts über die Blufffrequency aus. TAGs haben beispielsweise eine River-AF von 1,5-2,0 und bluffen dort fast nie, wohingegen Fische mit River-AF 1,0 gern mal einen Bluff platzieren. Die Reads über die Bluffwahrscheinlichkeit müssen aus dem Spiel kommen.
Beispiel: Du checkst mit A high den River und die Station checkt einen busted Flushdraw ohne Showdown-Value behind. Wenn der Gegner nicht mal in diesem Spot blufft, ist das ein klares Zeichen dafür, dass du es wirklich mit einer passiven Callingstation zu tun hast, gegen die gilt: check/fold oder bet.
Gegenbeispiel: In demselben Spot checkt die Station Middlepair behind, verpasst also eine Valuebet. Jetzt könnte man argumentieren, dass eine Riverbet ja sehr stark sein muss, wenn er selbst ein Pair nicht bettet und daraus ableiten, dass check/call gegen diesen Gegner keinen Value hat. Das ist aber ein Trugschluss. Es heißt für dich lediglich, dass in Zukunft seine Range polarisiert ist zwischen guten made Hands und einem völligen Bluff. Dieser Gegner könnte also durchaus seinen busted Draw in derselben Situation bluffen, so dass check/call for Bluffinduce oft eine gute Line sein kann.
Generell kannst du out of Position gegen eine Callingstation dünne Valuebets machen, da diese manchmal unfassbar schlechte Hände noch heruntercallen. Fast jeder Spieler wird irgendwann Hände erlebt haben, in denen er von J high oder noch schlechteren Händen gecallt wurde.
Bedenke aber, dass du es je nach Passivität der Station auch nicht mit Valuebets übertreiben musst. Durch die Passivität des Gegners steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass er bessere Hände check behind spielt, wodurch du vermeidest, deinem Gegner die Valuebet abzunehmen.
Wenn du also glaubst, dass zu wenige Hände möglich sind, die selbst die Callingstation noch callen könnte, solltest du checken. Oft genug wird sie bessere Hände behindchecken. Sollte die Bet kommen, musst du die Bluffwahrscheinlichkeit abwägen. Ohne exakte Reads solltest du aber lieber callen, als einen fragwürdigen Fold zu machen. Wie bereits erwähnt, sind Callingstations die typischen Opfer, die in die „Check/Call for Bluffinduce“-Fallen laufen. Betätigen sie aber den Raise-Button ist höchste Vorsicht geboten.
Preflop: Hero is SB with A
2 folds, CO (CS) calls, 1 folds, Hero raises, 1 folds, CO calls.
Flop:(5 SB) J

Hero bets, CO calls.
Turn:(3,5 BB) K
Hero bets, CO calls.
River:(5,5 BB) 7
Hero bets, CO raises, Hero folds.
Mit dem Wissen, dass die Callingstation am Flop any two callen wird, bettest du nochmal den Turn, weil du dich oft genug vorne siehst. Am River kommt dein Pair und du solltest valuebetten. Der Gegner hat oft die 4, 6, 22, 33, 55 oder könnte sogar A high noch callen. Falls er einen K hat, würde er ihn sowieso selbst betten. Der einzige Vorteil des Checks wäre, dass die Station einen J behindchecken könnte. Der Raise steht dann wiederum zu oft für eine starke Hand, als dass du profitabel callen könntest.
Preflop: Hero is BB with 8
2 folds, CO (CS) calls, 2 folds, Hero raises, CO calls.
Flop:(4,5 SB) T

Hero bets, CO calls.
Turn:(3.25 BB) 3
Hero bets, CO calls.
River:(5.25 BB) A
Hero bets, CO raises, Hero folds
Auch hier hast du am River eine Valuebet gegen jedes Pocket, die 5 und jede 7. Auf einen Check könnte der Gegner zwar eine T behindchecken, du kannst aber davon ausgehen, dass er noch jedes kleinere Pair callt, daher ist am River bet/fold die beste Line gegen eine Callingstation.
Den meisten Value verlieren Callingstations mit ihrem erhöhten WTS nur, wenn du sie viel valuebettest. Versuchst du, sie hingegen zu bluffen, wird ihre Spielweise profitabel. Da du in der Regel keinerlei Foldequity gegen bessere Hände hast, solltest du wirklich nur betten wenn du glaubst, eine gute Chance zu haben, vorne zu liegen. Bluffs und auch Semibluffs lohnen sich nicht. Selbst mit einem starken Draw kannst du im Heads-up nur profitabel raisen, wenn neben deiner eigentlichen Equity noch Foldequity hinzukommt. Da dies gegen Callingstations unzureichend gegeben ist, sind solche Plays meist nicht profitabel.
Preflop: Hero is BB with A


2 folds, BU (CS) raises, 1 folds, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) 9

Hero checks, BU bets, Hero calls.
Turn:(3,25 BB) Q
Hero checks, BU bets, Hero calls.
River:(5,25 BB) 2
Hero checks, BU bets, Hero folds
Während man gegen andere Gegner einen Semibluff spielen könnte, verschenkt das gegen die Callingstation Geld. Sie wird keine bessere Hand folden, zumal sie schon durch das Preflop-Raise angezeigt hat, eine gute Hand zu halten. Außerdem hast du gute Chancen, am Turn nach check/call Flop eine Freecard zu bekommen, weil der Gegner selten A high noch mal betten wird.
Eine der besten Waffen gegen Callingstations ist die Bet for free Showdown, also eine Turnbet in Position mit der Intention, am River behindzuchecken. Sie ist immer dann optimal, wenn du eine Hand hältst, die gute Chancen hat, noch vorne zu liegen, aber zu schwach ist für eine Valuebet am River.
Du protectest also deine Hand gegen einen 6-Outer+, den der Gegner oft hält. Für dieses Play kommt je nach Board Bottompair in Frage, meist aber A- bis J-high. Dieses Play ist kein Bluff. Du kannst nicht davon ausgehen, dass eine Callingstation jemals eine bessere Hand foldet, wenn du selbst schon Showdownvalue hast.
Gerade gegen Callingstations bietet sich diese Line an, weil du auf ein Checkraise eine einfache Entscheidung hast: Du kannst beruhigt folden.
Preflop: Hero is Bu with K
3 folds, Hero raises, 1 folds, BB (CS) calls.
Flop:(4,5 SB) 7

BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn:(3,25 BB) 2
BB checks, Hero bets, BB calls.
River:(5,25 BB) Q
BB checks, Hero checks.
BB shows: 6

Die Station wird auf diesem Flop fast any two callen, das sie fast immer zwei Overcards, ein Pair oder einen Draw hat. Gegen viele dieser Hände liegst du am Turn noch vorne, daher bettest du for free Showdown, um deine oft beste Hand zu protecten.
Da die Callingstation keine Hände mit Showdownvalue folden wird, bringt es dir nichts, Geld mit Händen ohne Showdownvalue in den Pot zu investieren. Der Value von Initiative und Contibets geht verloren, wenn der Gegner keine Hände foldet.
In Position hast du mit einer wertlosen Hand in Abhängigkeit von der Einschätzung deines Gegners zwei Möglichkeiten:
-
Wenn die Callingstation zwar selten raist und donkt, aber in der Lage ist zu betten, nachdem du checkst, solltest du die ‚Bet for Freecard’ am Flop spielen. Du contibettest also ganz normal den Flop und nimmst dir dann die Freecard am Turn. So investierst du nur eine Small Bet und siehst dafür zwei Karten. Hättest du bereits den Flop behindgecheckt, hätte solch ein Gegner oft den Turn gedonkt, worauf du folden müsstest.
-
Spielst du hingegen gegen eine richtig passive Callingstation, die wirklich nur bettet, wenn sie etwas getroffen hat, kannst du auch mit Initiative schon den Flop behind checken. Sie wird sehr oft den Turn anchecken, wodurch du zwei Freecards mit der wahrscheinlich schlechteren Hand bekommst.
Auch out of Position solltest du den Turn einfach check/folden, wenn du eine wertlose Hand hast, die zu selten vorne liegt.
BB: Sehr passive Callingstation.
Preflop: Hero is BU with T
3 folds, Hero raises, 1 folds, BB calls.
Flop:(4,5 SB) 3

BB checks, Hero checks.
Turn:(2,25 BB) 2
BB checks, Hero checks.
River:(2,25 BB) 9
BB checks, Hero bets, BB calls.
BB shows A

Hier wirst du am Flop nahezu keine Foldequity haben und hast nur selten die beste Hand. Wenn der Gegner extrem passiv ist, nimmst du dir lieber die Freecard am Flop in der Hoffnung, auch am Turn eine zu bekommen. Dieses Spiel ist aber nur gegen sehr passive Gegner angebracht.
BB: Callingstation-Typ: Ich bette, wenn du checkst.
Preflop: Hero is BU with T
3 folds, Hero raises, 1 folds, BB calls.
Flop:(4,50 SB) 8

BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn:(3,25 BB) 2
BB checks, Hero checks.
River:(3,25 BB) 9
BB checks, Hero bets, BB calls.
Ist dein Gegner schon in der Lage, den Bet-Button zu finden, wenn du inaktiv bist, solltest du die übliche Continuationbet am Flop immer machen. Da du nur selten ein Raise kassieren möchtest, baust du auf eine Freecard an den big Streets. Da bessere Hände zu selten folden, solltest du unimproved von einer Continuationbet am Turn absehen.
Preflop: Hero is CO with T
3 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds.
Flop:(5,5 SB) J

Hero bets, BU calls.
Turn:(3,75 BB) 5
Hero checks, BU checks.
River:(3,75 BB) K
Hero checks, BU bets, Hero folds.
Auch oop solltest du wertlose Hände nicht blind am Turn weiterfeuern. Nimm dem Fisch nicht die Valuebets ab und profitiere davon, dass er zu selten bettet und zu viel checkt.
Gegen einige Gegner (z.B. Rocks) kann es sehr profitabel sein, sie mit suited Connectors preflop zu isolieren, weil sie häufig am Flop folden. Gegen Callingstations lohnt sich das nicht. Wenn man Hände wie 89s preflop raist, kommt ein Großteil des Values der Hand aus der Foldequity, die man postflop gegen bessere Hände generieren kann. Betrachtet man nur die Equity, ist man oft kein Favorit gegen einen Openlimp. Postflop ist gegen Callingstations oft keine Foldequity gegeben und man investiert unnötig Geld in Contibets.
Wenn du eine starke drawing Hand mit wenig Showdownvalue hältst, nachdem eine Callingstation gelimpt hat, kannst du sie eventuell overlimpen, die Regeln dazu werden in einem eigenen Artikel näher erläutert: Klicke hier für den Artikel: Wann kannst du coldcallen oder overlimpen?
Um eine Callingstation zu isolieren, solltest du also nach Möglichkeit Showdownvalue haben, also K high oder besser. Gerade in Position spielt sich die Hand dann häufig sehr einfach: bet Flop, bet Turn for free Showdown.
Preflop: Hero is BU with A
3 folds, CO (CS) calls, Hero raises, 2 folds, CO calls.
A5o hat definitiv Showdownvalue, so dass du die Station isolieren kannst.
Preflop: Hero is BU with T
3 folds, CO (CS) calls, Hero calls, SB calls, BB checks.
Mit T9s machst du lieber einen Overlimp, da du ohne Showdownvalue erst einmal einen Blick auf den Flop werfen möchtest.
Preflop: Hero is BU with T
3 folds, CO (CS) calls, Hero folds
JTo ist insgesamt zu schwach, um hier schon preflop groß zu investieren. Du solltest das Geld sparen und die Hand gegen einen Gegner folden.
Preflop: Hero is BU with T
3 folds, MP calls, CO (CS) calls, Hero calls, SB calls, BB checks.
Gegen zwei Gegner bekommst du wesentlich bessere Pot Odds, so dass du am Button einen Blick auf den Flop riskieren kannst.
Fazit
Callingstations bringen die Langeweile aber auch einen Großteil deiner Winrate ins Poker. Sie sind sehr einfach zu spielen und man steht selten vor schwierigen Entscheidungen. Sie sind die hauptsächliche Einnahmequelle für TAGs, weil sie viel zu schlechte Hände spielen und damit viel zu oft zum Showdown gehen.
Den optimalen Value kann man aber nur aus ihnen extrahieren, wenn man sich ihrer Schwächen klar wird und sein Spiel dementsprechend anpasst. Die sonst so wichtige (2nd) Continuationbet auch mit Trash verliert deutlich an Gewicht. Dafür sollte die Free-SD-Bet ein fester Bestandteil deines Spiels werden. Wenn du dann noch verinnerlichst, nicht zu bluffen, an den richtigen Stellen Bluffs zu induzieren und dünne Bet/Folds in deinem Spiel verankerst, wirst du das Optimum gegen Callingstations herausholen.
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