Aktualisiert am 12 März 26 von

Konzepte: Slowplay - Den Gegner in die Falle locken

Einleitung

In diesem Artikel

  • Protection geht vor Slowplay
  • Slowplay hat nur Sinn, wenn es mehr Value verspricht
  • Slowplay durch Induzieren von Bluffs oder Overcalls

Slowplay bedeutet, eine starke Hand zunächst nur zu checken und/oder zu callen und erst auf späteren Straßen mit Bets bzw. Raises aktiv zu werden. Das Ziel dabei ist es, eine schwache Hand zu repräsentieren und die Gegner mit Händen, die schlechter sind als die eigene, im Pot zu halten, anstatt sie mit einem Raise zu vertreiben.

Am Anfang der Hand (meist am Flop) bekommt man mit der passiven Spielweise in der Regel weniger Geld in den Pot als mit einem Raise, verspricht sich aber durch die erhofften Extra-Gewinne auf den späteren Streets insgesamt mehr Value durch das Slowplay.

Worum geht es in diesem Artikel?

In diesem Artikel geht es um Slowplay in Situationen mit drei oder mehr Spielern. Im Heads-up kann man nicht mehr von Slowplay im klassischen Sinne sprechen. Trotzdem kann es natürlich gut sein, im 1on1 seine Raises zu ‚delayen’, also nicht schon am Turn (oder Flop), sondern am River (oder Turn) zu raisen. Diese Konzepte werden aber hier nicht behandelt.

Nachdem man als Anfänger im Pokern die generellen Spielabläufe verstanden hat, kommen die meisten Pokerspieler in eine Phase, in der sie das Slowplay für sich entdecken. Man versucht die Gegner künstlich im Pot zu halten, um unerwartet am Turn oder oft erst am River ein Raise oder Checkraise zu platzieren. Von vermeintlichen Erfolgen motiviert und mit dem Gefühl, die Gegner ‚ausgetrickst’ zu haben, merken viele erst recht spät, dass eine gradlinige Spielweise häufig mehr Value bringen würde oder dass sie den ganzen Pot verlieren können, wenn sie ihre Hand nicht protecten.

Pokerstrategy rät zu einem tight-aggressive Stil, der wenig Platz für Slowplay bietet. Wie schon angedeutet, ist es in den meisten Fällen auch deutlich besser, seine Hand straight-forward zu spielen, anstatt sie zu slowplayen.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen ein Slowplay den höchsten EV verspricht, und es ist wichtig, diese zu erkennen, um seine Gewinne zu maximieren. In diesem Artikel lernst du, wann Slowplay eine Option ist und wann nicht.

Wann solltest du nicht slowplayen?

Um zu einem Verständnis zu gelangen, welche Spots für ein Slowplay geeignet sind, ist es vorteilhaft, dir vor Augen zu führen, wann du nicht slowplayen solltest und aus welchen Gründen. Generell gibt es zwei Hauptgründe, die gegen ein Slowplay sprechen können. Wenn einer von ihnen zutrifft, sollte man seine Hand generell straightforward spielen.

Du solltest nicht slowplayen, wenn einer der folgenden beiden Gründe gegeben ist.

  • Du verschenkst damit Value. Es gibt Gründe anzunehmen, dass du mit einem direkten Raise insgesamt mehr Value bekommst, als wenn du auf eine spätere Street wartest.
  • Du musst und kannst deine Hand protecten. Wenn Protection möglich und nötig ist, wäre es ein Fehler es nicht zu tun.
Kein Slowplay, wenn du Value verschenkst

BU: 40 / 20 / 1 / 45 (Vpip / PFR / AF / WTS)
BB: Callingstation
SB: Sehr aggressiv


Preflop:
Hero is MP with JJ

Hero raises
, 1 folds, BU 3-bets, SB caps, BB calls, Hero calls.


Flop:
(16 SB) 2, 6, J

SB bets
, BB calls, Hero raises

Hier hast du die absolute Nuts gefloppt und die Gegner haben fast nie mehr als zwei Outs (Overpair) gegen dich, weil wenig Straightdraws möglich und wahrscheinlich sind. Oft sind alle Gegner nahezu drawing dead. Eigentlich optimale Voraussetzungen für ein Slowplay, da du deine Hand nicht protecten musst.

Ein direktes Flopraise ist hier trotzdem die klar bessere Spielweise. Nur zu callen wird im Schnitt mehr Value verschenken, als es einbringt. Der BB (Callingstation) hat bereits am Flop gecallt und wird sich fast sicher auch den Turn angucken, wenn du raist. Hinter dir kommt noch der BU, der angesichts seiner Preflop-3-Bet hier meist zwei Overcards oder ein Pair hat. Beides wird er auch nach einem Raise nicht folden für Odds von 10:1.

Der SB hat preflop viel Stärke gezeigt und ist sehr aggressiv. Er wird oft dein Raise noch 3-betten. Das baut den Pot weiter auf und gibt dir die Möglichkeit für einen Cap, um so das Maximum von allen Gegnern am Flop zu bekommen.

Mit einem Flopraise vertreibst du in diesem Beispiel die Gegner nicht, sondern baust den Pot auf und bindest die Gegner daran. Sie werden am Turn derart gute Odds bekommen, um sie auch mit marginalen Händen und vermeintlichen Outs noch im Pot zu halten.

Oft wird auch ein Gegner trotz deiner Flopaction den Turn noch mal betten oder raisen, was es dir ermöglicht, am Flop und Turn viel Geld in den Pot zu bekommen.

Generell lässt sich sagen, dass Protection umso wichtiger ist, je größer der Pot bereits ist. In kleinen, z.B. unraised, Pötten ist es oft vorzuziehen, for Bluffinduce zu spielen und nur zu callen, was auch ein Slowplay darstellt. Schau dir dazu auch den Artikel an: Wie spielst du in unraised Pots?

Auch wenn Protection nicht nötig und/oder möglich ist, verspricht ein direktes Flopraise in vielen Fällen den größten Value, weil man so die Chance hat, die Gegner an den Pot zu binden und auf allen Streets Value zu bekommen.
DER BALANCING-ASPEKT

Zusätzlich Value verlieren kannst du, wenn du den Verdacht erweckst, zu slowplayen. Das kann besonders gegen aufmerksame Gegner passieren, die deine Lines gut kennen. Dann können sie teilweise schon nach dem Flopcall auf eine sehr starke Hand schließen, weil sie z.B. wissen, dass du mittlere made Hands und Draws am Flop immer raisen würdest und sonst folden müsstest. In anderen Situationen ist zwar der Flopcall alleine noch nicht auffällig, kombiniert mit dem folgenden Turnraise machst du aber jedem klar, dass sie gegen ein Monster spielen. Auch das kann viel Value verschenken, weil du mit einem direkten Flopraise ggf. ein Reraise induziert hättest.

Du solltest also gegen aufmerksame Spieler, die gute Handreader sind, nicht in Spots slowplayen, in denen sich deine Spielweise schwer balancen lässt!

SB: Donkey
BB: guter LAG


Preflop:
Hero is BU with A9

2 folds
, Hero raises, SB calls, BB 3-bets, Hero calls, SB calls.


Flop:
(9 SB) T, 9, 9

SB bets
, BB raises, Hero 3-bets

In diesem Spot kannst du mit einer 3-Bet nicht wirklich protecten. Der SB wird selbst auf seinen Coldcall noch Odds von 1:9 kriegen, womit er selbst Gutshots und Overcard + Backdoor profitabel callen kann. Generell würde ein Slowplay also in Frage kommen. Das hieße hier, nur zu coldcallen und den Turn zu raisen.

Wenn du hier aber am Flop coldcallst, wird das dem BB sehr verdächtig vorkommen. Er weiß nämlich, dass du jede T und jeden starken Draw 3-betten würdest und keine schwachen Draws callen könntest. Der Coldcall wäre nicht balanced. Er kann dich also leicht auf ein Monster setzen und wird dementsprechend vorsichtig sein ab dem Turn. Vielleicht findet er auch auf ein Turnraise toughe Folds mit Händen, die auf eine Flop-3-Bet downgecallt hätten.

Gegen unaufmerksame und schlechte Gegner ist Balancing nicht entscheidend. Gegen gute Spieler kann es viel Value verschenken, ein Slowplay zu machen, in einer Situation, in der deine Spielweise nicht gut balanced ist.
Kein Slowplay, wenn du deine Hand protecten musst


Preflop:
Hero is BB with T8
MP calls, CO calls, 2 folds, SB raises, Hero calls, MP calls, CO calls.


Flop:
(8 SB) T, 7, 8

SB bets
, Hero raises

Protection bedeutet, mit Bets und Raises seine meist beste Hand gegen schwächere Hände mit Outs zu schützen. Im engeren Sinne bedeutet es, dem Gegner inkorrekte Odds für seinen Draw zu geben und ihn so in eine Situation zu bringen in der er nur verlieren kann. Entweder er gibt seinen Anteil am Pot auf und foldet (Pot-Equity), oder er macht einen mathematisch falschen Call, der einen negativen Erwartungswert hat. Schau dir dazu auch den Artikel an: Protection

In diesem Fall hast du zwei Gegner hinter dir, die viele Hände mit Outs gegen dein Twopair in ihrer Range haben. Tx- und 8x-Hände haben meist fünf Outs, Gutshots haben vier Outs. Die Gegner hinten dir würden Odds von 1:10 bzw. 1:11 auf den Call bekommen - genug um profitabel zu drawen mit 3-5 Outs (+ implied Odds). Raist du hingegen, bekommen die Gegner Odds von 2:11 = 1:5,5 bzw. 2:12 = 1:6, was nicht ausreicht für einen Call.

Haben die Gegner hinter dir einen starken Draw, also einen OESD, kannst du ihn zwar keine inkorrekten Odds zum Ccallen geben, zumindest stellst du aber sicher, dass sie zwei Bets für ihren Draw zahlen.

Ein genereller weiterer Vorteil von einem direkten Raise ist, dass du weniger Stärke zeigst als mit call Flop, raise Turn. Du würdest das Flopraise ja auch mit mittleren made Hands, z.B. der 8, spielen. So steigen deine Chancen, von schlechteren Händen (z.B. Toppair) gereraist zu werden und so einen größeren Pot zu gewinnen.

Wenn Protection möglich ist (du kannst Gegnern hinter dir inkorrekte Odds für einen Call geben), solltest du in jedem Fall nicht slowplayen, sondern direkt raisen.

Wann solltest du slowplayen?

Wie gezeigt gibt es viele Gründe, straightforward zu spielen und in den meisten Situationen ist es besser, kein Slowplay zu betreiben. Unter welchen Voraussetzungen ist ein Slowplay aber vorzuziehen?

Grob gesagt: Immer dann, wenn die oben genannten Gründe für ein unmittelbares Raise nicht zutreffen. Wie schon angesprochen, sind die Kriterien vor allen dann gegeben, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Kriterium 1: Du musst und/oder kannst nicht protecten
  • Kriterium 2: Ein Call würde voraussichtlich insgesamt mehr Value bringen als ein direktes Raise.

Wenn eins der Kriterien nicht ausreichend erfüllt ist, sollte man Abstand nehmen von einem Slowplay!

Analyse Kriterium 1: Du musst und/oder kannst nicht protecten.

Dies kann der Fall sein, wenn du eine fast uneinholbare Hand gefloppt hast.


Preflop:
Hero is BU with TT

3 folds
, Hero raises, SB calls, BB calls.


Flop:
(6 SB) 5, 5, T
SB checks, BB bets, Hero?

In dieser Situation ist in aller Regel jeder Gegner drawing dead gegen dich und deine Hand benötigt keine Protection. (Das heißt nicht, dass Kriterium 2 unbedingt erfüllt sein muss und ein Call hier besser ist!)

Viele Leute glauben, man brauche für ein Slowplay immer ein Monster, also Trips oder besser. Das stimmt aber nicht. Neben den offensichtlichen Spots wie in dem gerade gesehenen Beispiel kann ein Slowplay auch mit schwächeren Händen die beste Spielweise sein.

Es gilt separat für jede Hand einzuschätzen, ob Protection Priorität eingeräumt werden muss oder ob die Gegner im Schnitt so wenige Outs gegen dich haben, dass ein Raise nicht notwendig ist. Besonders in kleinen Pötten haben die Gegner manchmal im Schnitt nicht genügend Outs, um auch nur eine Bet zu callen, sie bekommen also schon inkorrekte Odds, ohne dass du raist.


Preflop:
Hero is BU with QQ

3 folds
, Hero raises, SB calls, BB calls.


Flop:
(6 SB) 5, 5, T
SB checks, BB bets, Hero?

Mit einem Raise könntest du hier den SB mit zwei Bets konfrontieren und deine Hand ‚protecten’. Das ist aber bei genauerer Betrachtung nicht möglich bzw. nicht notwendig. Der Small Blind wird fast nie AK haben, dementsprechend hat er in den meisten Fällen entweder ein Pocketpair oder die T mit einem Kicker kleiner Q mit 2 Outs, eine Overcard mit 3 Outs oder eine noch schlechtere Hand mit 0-1,25 Outs (Backdoors).

Callst du den Flop nur, bekommt Villain 1:8 auf seinen Call. Alle diese Hände kann der Gegner nicht profitabel callen. Es ist also in deinem Interesse, dass er diesen inkorrekten Call macht und nicht foldet. Mit einem Raise würdest du eine Hand mit geringer Gewinnchance aus dem Pot drängen. Obwohl Hero eine vermeintlich verwundbare Hand hat, kommt Slowplay hier also durchaus in Betracht. Trotzdem sei angemerkt, dass auch hier Kriterium 2 (Ein Call würde voraussichtlich insgesamt mehr Value bringen als ein direkter Raise) nicht notwendigerweise erfüllt ist und somit ein Raise oft besser sein kann.

Beispiel: SB ist eine Callingstation, die am Flop fast nie foldet und BB ein Maniac. In diesem Falle würde es reichlich Value verschenken, nur zu callen, weil der SB selbst mit schwachen Holdings auch zwei Bets coldcallen würde und der BB oft den Pot durch einen Reraise am Flop noch größer macht.

Gegenbeispiel: Du hast folgenden Read auf den BB: 3-bettet selten, callt bei Widerstand nur down, checkt nicht mit Initiative. SB: Semifisch.

Auch wenn der Read auf BB konstruiert wirkt, findet man solche Gegner recht oft - Typ Donk/Calldown. In dieser Konstellation würde der SB hinter dir eine Bet oft callen, auf ein Raise deinerseits aber die meisten seiner Hände folden, was, wie erläutert, nicht in deinem Interesse wäre. Der BB würde auf dein Raise direkt downcallen (mit der T oder einem Pocket), bei Call aber den Turn betten und auch auf dein verspätetes Raise downcallen. Wie man sieht, hätte bei solchen Gegnern ein Slowplay den höchsten Erwartungswert.

LAST TO ACT

Bisher wurde nur der Fall behandelt, dass noch Gegner hinter dir kommen, die du mit einem Raise mit zwei Bets konfrontieren kannst. Was aber wenn du in Position bist und nach dir kein Gegner mehr kommt, spielt dann der Protection-Aspekt eine Rolle?

Wenn du in einem 3-handed+ Pot nach einer Bet als Letzter an der Reihe bist, kannst du keinen Gegner mit zwei Bets konfrontieren. Selbst in einem raised 3-handed Pot bekommt der Gegner 1:10 für seinen Call am Flop, wenn du raist.


Preflop:
Hero is BU with TT

3 folds
, Hero raises, SB calls, BB calls.


Flop:
(6 SB) 5, 5, 8

SB bets
, BB calls, Hero raises, SB gets 1:11 to call.

Für diese Odds kann der Gegner (mit dem Wissen, dass der BB fast immer auch noch callt, und Implieds) jeden 4-Outer oder besser profitabel callen.

Du kannst also in diesen Situationen nicht effektiv protecten und ein Slowplay kommt in Frage. Durch deinen Raise bekommt aber der SB die Möglichkeit zu einer 3-Bet, was wiederum Protection ermöglicht


Flop:
(6 SB) 5, 5, 8

SB bets
, BB calls, Hero raises, SB 3-bets, BB bekommt 13 zu 2 = 7.5 zu 1 für einen Call.

Für diese Odds kann der Gegner einen Gutshot nur schwer profitabel callen. Er könnte außerdem einen 5-Outer bis 6-Outer inkorrekt (!) folden, weil er Angst hat, in einen Raisingwar zu geraten oder schon drawing dead zu sein. Das wäre ein guter Erfolg für dich.

Wenn man also z.B. einen Read hat, dass der Gegner oop sehr oft schlechtere Hände 3-betten wird, nachdem er gedonkt hat, kann man raisen und auf eine 3-Bet hoffen. Auf diesem Weg protectest du nicht selber, sondern benutzt deinen Gegner dazu

FAZIT PROTECTION

Du solltest nicht nur deine absolute Handstärke betrachten, sondern durch eine Handrangeanalyse in Verbindung mit dem Board versuchen zu ermitteln, ob deine Gegner im Schnitt wirklich viele Outs gegen dich haben und ob du ihnen mit einem Raise inkorrekte Odds für einen Call geben oder sie zu inkorrekten Folds zwingen kannst.

Wenn das nicht der Fall ist und Protection deshalb nicht möglich oder nötig ist, kommt ein Slowplay in Frage. Je größer der Pot bereits ist, desto stärker solltest du deinen Focus auf Protection und Gegnerreduktion legen.

Analyse Kriterium 2. Ein Call bringt mehr Value als ein Raise

Wenn du herausgefunden hast, dass Protection keine Rolle spielt, musst du dir darüber klar werden, ob der oftmals verlorene Value am Flop durch den zusätzlichen Value auf späteren Streets mindestens ausgeglichen werden wird.

Wenn man die anderen Gegner gerne noch in der Hand halten möchte, muss man sich zunächst fragen, ob es nicht wahrscheinlich ist, dass sie auch für zwei Bets callen würden. In dem Fall wäre ein Raise fast immer besser als ein Call.

Wenn man last to act ist, haben die Gegner bereits eine Bet gezahlt. Das führt dazu, dass sie fast nie auf ein einzelnes Raise folden würde. In Position ohne weitere Gegner hinter sich ist ein Slowplay also selten gut! Man sollte hier in der Regel die Chance nutzen, die Gegner direkt an den Pot zu binden bzw. hofft man auf eine 3-Bet.

Ein Call anstatt eines Raises kommt also nur in Frage, wenn man berechtigte Gründe für die Annahme hat, dass die Gegner hinter einem für zwei Bets meist folden, eine einzelne Bet aber oft callen würden.

Wenn deine Hand wenig verwundbar ist, wäre durch ein solch erfolgreiches Slowplay viel gewonnen. Neben den Extra-Bets am Flop von den Gegnern die sonst gefoldet hätten, kann es gut sein, dass sie am Turn zu einer Hand improven, mit der sie weitere Bets in den Pot investieren müssen, obwohl sie geringe bis gar keine Gewinnchancen haben. Du hoffst also, dass sie sich zu einer teuren 2nd (oder 3rd) best Hand verbessern.

Die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, wie oft die Gegner hinter einem auch bereit sind, zwei Bets zu callen, setzt die Betrachtung der Gegnertypen und des Boards voraus. Je stärkere Callingstations die Gegner sind (WTS), desto eher werden sie auch mit marginalen Händen zwei Bets callen. Weiterhin wird das direkte Flopraise auf Boards begünstigt, auf denen die Gegner hinter dir oft zwei Overcards und Backdoordraws haben könnten.

Spielst du wiederum gegen tightere Gegner bzw. auf einem eher trockenen Board mit Highcard, werden selten Gegner hinter dir zwei Bets coldcallen, oft genug aber eine Bet, z.B. wenn sie eine Overcard halten. In dem Fall wäre ein Slowplay sinnvoll.

Am Anfang des Artikels wurde schon ein Beispiel gegeben, in dem Slowplay Value verschenkt. Dort warst du aber last to Act und wirst mit einem Raise in der Regel sowieso keine Gegner vertreiben. In den folgenden Beispielen kommen noch Gegner hinter dir.

BEISPIEL 1

BB: LAG
SB: Callingstation


Preflop:
Hero is BU with 77

3 folds
, Hero raises, SB calls, BB calls.


Flop:
(6 SB) 7, 3, 3
SB checks, BB bets, Hero raises, SB calls

SB hat hier fast immer nur 0, selten 2 Outs gegen dich. Du möchtest ihn also gerne in der Hand halten, damit er sich am Turn noch zu einer 2nd best Hand verbessert. Protection ist nicht notwendig. Trotzdem ist dies kein guter Spot für einen Call, da SB sehr oft auch zwei Bets coldcallen wird, wahrscheinlich mit allen Overcards und jedem Kreuz. Außerdem ist der BB aggressiv und wird oft 3-betten, was dir extra Value gibt.

Ist der SB nicht eine solche Callingstation, wird ein Call am Flop deutlich besser, weil er dann in der Regel eine Bet, nicht aber zwei callen wird.

BEISPIEL 2

BB: Eher passiv
BU: eher moderat tight


Preflop:
Hero is CO with JJ

2 folds
, Hero raises, BU calls, BB calls.


Flop:
(6 SB) J, 2, 6

BB bets
, Hero?

Viele würden auf diesem Board direkt raisen, dabei ist es gut für ein Slowplay geeignet. Protection ist hier absolut nicht nötig. Der Gegner hinter dir hat fast nie einen Gutshot und Pairs sind nahezu drawing dead.

Wenn er einen Flushdraw hat, kannst du mit deinem Raise nicht protecten. Er wird immer zu korrekten Odds callen. Daher sollte es lediglich dein Bestreben sein, einen Overcall zu induzieren und ihn möglichst viel bis zum River zahlen zu lassen.

Das kannst du hier, wenn du mit deinem Raise auf den Turn wartest. Der eher passive BB wird oft auf ein Flopraise nur downcallen, auf einen Call deinerseits aber noch mal den Turn betten. Ein Slowplay verspricht hier den höchsten EV.

Call for Overcall

Was Hero jeweils macht beim Slowplay, wenn er nicht last to act ist, ist ein Call for Overcall, also ein Call mit der Intention, weitere Gegner hinter sich zum Callen zu bewegen. Dieses Konzept wird in einem eigenen Artikel erläutert und ist häufig für den River anwendbar mit Händen, von denen man nicht sicher ist, ob sie vorne liegen: Overcalls

Beim Slowplay geht es um Calls am Flop und Turn. In zwei weiteren Beispielen siehst du nun, wie du den Call for Overcall am Flop und Turn mit einer guten Hand im Sinne von Slowplay angemessen anwenden kannst.

BEISPIEL 1


Preflop:
Hero is BB with 79

2 folds
, CO calls, BU calls, SB calls, Hero checks.


Flop:
(4 SB) 5, 8, 2
SB checks, Hero checks, CO checks, BU checks.


Turn:
(2 SB) 6

SB bets
, Hero calls

Hier sind in aller Regel die Gegner hinter dir drawing dead. Außerdem haben sie wahrscheinlich keine gute Hand, mit der sei ein Raise noch callen würden. Daher ist es hier am besten Call for Overcall zu spielen, um noch Geld von den Gegnern hinter dir zu bekommen.

BEISPIEL 2


Preflop:
Hero is SB with KK

2 folds
, CO calls, BU calls, Hero raises, BB calls, CO calls, BU calls.


Flop:
(8 SB) 3, 8, K

Hero bets
, BB calls, CO calls, BU raises, Hero calls, BB calls, CO calls


Turn:
(8 BB) 6

Hero donks

Du bist fast uneinholbar vorne und musst dir um Protection keine Gedanken machen. Hier ist es gut am Flop nur zu callen, weil BB und CO oft eine schwache Hand haben werden, die eine Bet callen kann, für zwei aber folden wird (Pair, A high). Am Turn musst du dann unbedingt donken, um die beiden Gegner die zwischen dir und dem Flopaggressor sind zu trappen und an den Pot zu binden. Diese Spielweise nennt man Stop and Go.

Der Balancing-Aspekt

Wie schon erwähnt, kann es Value verlieren, wenn dein Slowplay nicht balanced ist und die Gegner dadurch frühzeitig vorsichtig werden, weil sie dich schon auf einem Monster vermuten. Du solltest also deine Monster zumindest gegen gute Gegner auch so spielen wie du deine schwächeren made Hands und Draws (ggf. Bluffs) spielen würdest. Oft setzt dich ein Tag nach einem vermeintlichen ‚Protection-Raise’ auf eine eher schwache Hand und wird häufig starke Gegenwehr leisten, entweder weil er sich vorne sieht oder weil er glaubt, dich noch aus der Hand bluffen zu können.

Du kannst dir dies aber auch zunutze machen und deine eigentlich schlecht gebalancten Lines mit Slowplay balancen.

SB: TAG
BB: Fisch


Preflop:
Hero is BU with AT

2 folds
, Hero raises, SB 3-bets, BB calls, Hero calls.


Flop:
(9 SB) T, 3, 5

SB bets
, BB calls, Hero callt, um den Turn zu raisen.

Du bist klarer Favorit am Flop gegen beide. In Position für 1:12 würdest du mit zwei Overcards + Händen mit einer Overcard und Backdoor am Flop callen, in der Regel aber Toppair und besser raisen. Damit wird der Gegner dich nach einem Call hier auf eine schwache Hand setzen und einen großen Teil seiner Range am Turn noch mal betten. Protecten könnte man mit einem Raise am Flop sowieso nicht. Wenn du also gelegentlich deine schwachen Flopcalls als Letzter mit einem solchen Slowplay balancst, wird es dem Gegner in Zukunft deutlich schwerer haben, deine Hände zu readen.

Der Bluffinduce-Aspekt

Ein Slowplay ist besonders gut, wenn es wahrscheinlich ist, dass der Better blufft. Dann wird er nämlich fast immer auf dein Raise folden, seinen Bluff aber vielleicht noch an den Big Streets fortführen.

Beispiel

Read auf BB: Donk = Bluff


Preflop:
Hero is BU with AK

2 folds
, Hero raises, SB calls, BB calls.


Flop:
(9 SB) K, 8, 4
SB checks, BB bets, Hero calls

Der Gegner hinter dir hat selten viele Outs gegen dich, zumal du selbst die einzige Overcard hältst und ihn so manchmal dominierst. Diesen Gegner in der Hand zu halten, wäre also wünschenswert, da er auch für eine Bet inkorrekte Odds bekommt. Der SB wird angesichts seines wahrscheinlichen Pure-Bluffs in der Regel direkt auf das Flopraise folden. Auch das soll nicht geschehen. Mit dem Slowplay animierst du ihn zum Weiterbluffen und maximierst so den Profit deiner Hand.

Fazit

Ein Fundament des tight-agressiven Stils ist es, straightforward zu spielen. Wie dir auch an diesem Artikel deutlich werden sollte, ist das gut begründet. Das bietet die bestmögliche Kombination aus Value und Protection.

Es sollte aber auch klar werden, dass in einigen Fällen Slowplay einen höheren EV versprechen kann, besonders wenn Protection eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn du Slowplay mit der nötigen Vorsicht als Teil deines Spiels etablierst und die richtigen Spots findest, wird es dir in vielen Stellen zusätzlichen Value einbringen.

Inwiefern du den Inhalt dieses Artikels verinnerlicht hast, kannst du einem interaktiven Quiz überprüfen: Teste dein Wissen im Quiz - Slowplay