Wie spielst du Draws am Flop?
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du die Stärke eines Draws herausfindest
- Wann du aggressiv und wann du passiv spielst
- Semibluffs brauchen Foldequity
- Wie du in Abhängigkeit von der Gegnerzahl spielst
Ein entscheidender Moment in einem Hold'em-Pokerspiel ist ohne Zweifel der Flop. An dieser Stelle musst du die Stärke deiner Hand so gut wie möglich einschätzen, um wichtige Entscheidungen für deine weitere Spielweise treffen zu können.
Du kannst am Flop entweder eine made Hand, einen Draw oder aber absolut gar nichts halten. Den letzten Fall lassen wir weg, hier wirst du einfach folden und nicht mehr mitspielen.
Mit einer made Hand oder einem Draw aber willst du im Spiel bleiben, daher ist es wichtig hier festzustellen, wie stark deine Hand ist und wie du dementsprechend mit ihr weiterspielen solltest.
Dieser Artikel befasst sich mit dem Spiel von Draws. Den entsprechenden Artikel zum Spiel von made Hands findest du hier: Wie spielst du made Hands am Flop?
Die Stärke einer Drawing Hand
Die Stärke einer Drawing Hand ist in erster Linie abhängig von der Anzahl der discounted/modified Outs. Das realistische Discounten der Outs ist eine Grundvoraussetzung für das Finden der idealen Spielweise.
Wenn du noch nicht vertraut mit diesen Begriffen oder unsicher in der Anwendung dieser bist, so wirf doch zuerst noch einmal einen Blick in den Artikel Mathematik des Pokerns
Um die Qualität deiner Hand beurteilen zu können, sind folgende Faktoren von Bedeutung:
- Die Textur des Boards
- Die Anzahl und Art der Gegner
- Deine Position
- Die Aktionen der Gegner
Die Faktoren im Überblick
Die Karten des Boards geben dir einen wichtigen Hinweis auf die Stärke eines Draws. Insbesondere ist hier die Frage von Bedeutung, welche anderen Draws oder made Hands mit weiteren Outs (z.B. ein Set mit Outs zum Full House) möglich sind und inwiefern sie sich mit deiner eigenen Hand und deinen Outs überschneiden.
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REVERSE IMPLIED ODDS Reverse implied Odds sind das Gegenteil zu den implied Odds und betrachten die Frage, wie viel Geld man mit seiner Hand zukünftig noch verlieren kann. |
Drawst du z.B. mit einem OESD zu einer Straight und es ist ein Flushdraw möglich, so kann es sein, dass zwei deiner Outs nicht mehr relevant sind, da sie auch den Flush komplettieren würden.
Wenn du auf einem 3-suited Flop einen OESD hältst, musst du deine Outs sehr stark discounten und bei übermäßiger Action sogar davon ausgehen, drawing dead zu sein, weil ein Gegner möglicherweise schon einen fertigen Flush haben kann.
In diesem Zusammenhang spielen auch die reverse implied Odds eine Rolle, die z.B. den Fall einbeziehen, wenn du auf dem Turn deine Hand machst, ein Gegner aber gute Chancen hat, auf dem River eine noch bessere Hand zu erhalten. Je stärker der gegnerische Draw und je höher die Chancen, dass er im Verlauf der folgenden Straßen die beste Hand erhält, desto schlechter sind deine reverse implied Odds, da die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass du am Showdown die beste Hand halten wirst, obwohl du deinen Draw komplettieren konntest.
Die Anzahl der Gegner und ihre Spielweise - tight, loose, aggressiv, passiv - bestimmt wesentlich das weitere Vorgehen. Gegen einen tighten Gegner kann aggressives Spielen sinnvoll sein, da er häufig folden wird. Eine Calling Station hingegen wird nicht folden und ebenso sind die Aussichten gering, drei oder mehr Gegner dazu zu bewegen, ihre Hände wegzuwerfen.
Wie du weiter spielen solltest, welche Aktionen Sinn machen und welche nicht, wird durch die relative Position auf die Gegner beeinflusst. In Position ist es z.B. möglich, durch aggressives Spiel am Flop eine Freecard am Turn zu bekommen.
Die Spielzüge der Gegner geben nicht nur Hinweise auf die Stärke ihrer Hand, sondern auch darauf, wie viele deiner Outs tatsächlich sauber sind und mit welchen Implied Odds du rechnen kannst. Gegen ein Set z.B. besitzt du größere Implied Odds als gegen ein Top Pair, wobei auch die Gefahr größer ist, durch einen gegnerischen Redraw auf das Full House noch geschlagen zu werden, selbst wenn du z.B. deinen Flush Draw triffst.
Die grundlegenden Fragen - nicht nur in Situationen mit Drawing Hands - die du dir stellen solltest sind:
- Was sind meine Karten?
- Welche Karten zeigt das Board?
- Wer sind meine Gegner?
- Was ist meine Position?
- Was haben meine Gegner getan?
Wann spielst du aggressiv, wann passiv?
Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten dafür, wie du einen Draw spielen kannst:
- Die aggressive Spielweise, die darauf abzielt, deine/n Gegner zum Folden zu bewegen oder bei einem starken Draw, den maximalen Gewinn aus dem gegebenen Equity-Anteil zu ziehen.
- Die passive Spielweise, bei der ein Spieler erst aktiv wird, wenn er seinen Draw getroffen hat.
Die Entscheidung für eine Strategie ist von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von den im Abschnitt zuvor genannten, und häufig ergibt sich eine Mischung aus beiden Spielweisen.
Ein aggressives Vorgehen empfiehlt sich immer dann, wenn du eine Möglichkeit siehst, dass dein Gegner eine bessere Hand foldet. Je wahrscheinlicher es ist, dass er eine bessere Hand foldet (Foldequity), und je stärker dein Draw ist, also die Equity deiner Hand, umso eher solltest du die aggressive Spielweise wählen.
Dabei solltest du natürlich immer auf das Verhältnis von Bet- zu Potsize achten, denn je kleiner der Pot, desto häufiger muss der Gegner folden, um deinen Semibluff (denn nichts anderes ist eine Bet mit einem Draw) profitabel zu machen.
Für eine detaillierte Betrachtung sei auf den Artikel "Semibluff" verwiesen, in dem das Thema Foldequity und die genauen Formeln zu deren Berechnung dargestellt sind.
Du solltest einen Draw passiv spielen, wenn ...
- der Gegner keinerlei Bluffmöglichkeiten bietet
- wenn die Foldequity nur sehr gering ist
- du durch eine passive Spielweise durch die implied Odds mehr profitieren kannst
- wenn deine Equity sehr gering ist und du deshalb möglichst wenig in den Pot investieren möchtet.
Um das Thema Foldequity in Bezug auf das Thema des Artikels noch einmal zu vertiefen, sind im Folgenden die wichtigsten Faktoren aufgeführt, welche die Foldequity in einer Hand bestimmen.
Deine Foldequity sinkt, wenn ...
- du gegen viele Gegner spielst
- du gegen einen Maniac mit hohem WTS spielst
- du gegen eine Calling Station mit hohem WTS spielst
- ein Rock sehr aggressiv spielt
- die Preflop-Action darauf hindeutet, dass einer oder mehrere Gegner ein starkes Blatt halten (Pocketpair, AK, …), indem zum Beispiel preflop gecappt wurde und auf dem Flop ein Ass erscheint
- einer oder mehrere Gegner aggressiv bet/3-bet o.ä. auf dem Flop spielen, was entweder auf einen höheren Draw oder auf ein Set/Twopair hindeutet
Deine Foldequity steigt, wenn ...
- du nur gegen einen oder zwei Gegner spielst
- beide Gegner preflop nur gelimpt haben, z.B.: SB completet nur
- du preflop selber geraist und die Initiative in der Hand hast
- das Board scary ist (viele Highcards, viele Draws möglich)
- du gegen Gegner mit niedrigem WTS spielst
- der Gegner aus late Position geraist hat und zu seiner Raise-Range damit auch schwächere Hände gehören (Blindbattle)
Wie spielst du Heads-up?
Heads-up solltest du dir zunächst folgende Fragen stellen:
- Habe ich Showdownvalue?
- Bringe ich eine bessere Hand zum Folden, unter Berücksichtigung der Range meines Gegners?
Aggressives Drawspiel bietet sich an, wenn ...
- ... du viele Outs hast und somit kaum Foldequity benötigst.
- ... das Board sehr scary ist und der Gegner sehr wahrscheinlich nichts getroffen hat.
In den meisten Fällen trifft sowohl 1. als auch 2. zu und deshalb reicht es oft auch schon, wenn du nicht sehr viele Outs hast oder das Board weniger scary ist, um einen so genannten Semibluff zu starten.
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Einen Draw HU passiv zu spielen, ist selten profitabel, da du häufig nicht die nötigen Pot Odds erhälst, um zu drawen. Doch es gibt Ausnahmen, z.B. wenn du zusätzlich zu deinem Draw schon eine Made Hand mit einem gewissen Showdown-Value besitzt, d.h. die Hand an sich schon zu einem nennenswerten Prozentsatz den Showdown gewinnen kann.
Dem großen Teil dieser Ausnahmesituationen ist zudem gemein, dass du in ihnen keine oder nicht genügend Foldequity erzeugen kannst, da der Gegner entweder eine sehr starke Hand hält oder einen sehr hohen WTS-Wert besitzt.
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Wie spielst du bei zwei Gegnern?
Gründe und Situationen einen Draw gegen zwei Gegner aggressiv zu spielen, sind:
- Ein Gegner kann ausgeschaltet werden, indem du den Preflopaggressor isolierst. Das ist nur sinnvoll, wenn der Aggressor Overcards hält, die anschließend ebenfalls zum Folden gebracht werden können.
- Du kannst for Value raisen, da die Equity für einen größeren Pot spricht. Dazu sind viele Outs notwendig und in der Regel ist der Zug nur am Flop möglich.
- Du hälst keinen reinen Draw, sondern z.B. Middlepair und einen Flushdraw, liegst möglicherweise vorne und kannst for Protection raisen.
Gründe und Situationen einen Draw gegen 2 Gegner passiv zu spielen, sind:
- Du erzielst mehr Value, wenn du den Draw triffst und von mehreren Gegnern ausbezahlt wirst, bzw. wenn die Gegner aufgrund der Spielweise den Draw für unwahrscheinlich halten, wodurch die Implied Odds steigen.
- Du würdest dich mit einem Raise nur gegen eine stärkere Hand isolieren, z.B. gegen ein hohes Pocketpair.
Beispiele: OESD Dieses Beispiel zeigt eine Situation, in der es nicht empfehlenswert ist, direkt den Flop zu raisen.
Wie spielst du bei drei oder mehr Gegnern?
In Multiway-Pötten bietet es sich oft an, den Flop for Value zu spielen. Beispielsweise gehören einem Spieler mit dem Nutflushdraw ca. 35% des Pots und er sollte bestrebt sein, so viele Gegner wie möglich in der Hand zu halten.
Für das Finden der idealen Spielweise ist insbesondere die Preflop-Action interessant. So ist es zum Beispiel möglich, Spieler zwischen dir und dem Preflopaggressor zu trappen und so von ihnen zusätzliches Geld in den Pot zu bekommen.
Natürlich besitzt ein Draw in Multiway-Pötten in der Regel wenig bis keinen Showdownvalue und auch die Foldequity ist sehr gering. Daher solltest du am Turn unimproved auf check/call umsteigen oder je nach Position bet/3-bet oder check/raise for Value spielen.
Schwache Draws (z.B. Gutshots) sollten im Normalfall passiv gespielt werden, da ein Valueraise wenig Sinn macht und keine Foldequity vorhanden ist, man aber andererseits häufig die Pot Odds zum Drawen erhält.
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Fazit
Wie ein Draw gespielt werden sollte, hängt, wie gezeigt wurde, von vielen Faktoren ab, insbesondere der Zahl und Art der Gegner, der Textur des Boards, der relativen Position und der Stärke des Draws. Du solltest in der Lage sein, deine Foldequity und Equity möglichst realistisch einschätzen zu können, um die profitabelste Spielweise in einer gegebenen Situation zu finden.
