Postflop: Semibluff und Pure Bluff
Einleitung
In diesem Artikel
- Die zwei Arten des Bluffs
- Bluffs machen nur Sinn, wenn die Gegner aufgeben können
- Je mehr Gegner desto aussichtsloser ist der Bluff
Immer wieder sieht man im Fernsehen, wie die größten Pokerspieler die abgefahrensten Bluffs ausführen. Viele Anfänger wollen das nachmachen und starten wirre Bluffs, die dann zu ihrem Erstaunen sehr häufig nach hinten losgehen. Wann es sich wirklich lohnt zu bluffen und was es für Arten des Bluffs gibt, stellt das Thema dieses Artikels dar.
Die zwei Arten des Bluffs
Man unterscheidet grundlegend zwischen zwei Arten des Bluffs:
- Semibluff
Das ist ein Bluff mit einer Hand, die momentan sehr wahrscheinlich noch hinten liegt, aber gute oder nennenswerte Aussichten hat, sich noch zur besten Hand zu entwickeln, sprich ein Bluff mit einem Draw. Man kann den Pot gewinnen, indem man entweder alle Gegner zur Aufgabe zwingt oder indem man seine Hand verbessert. - Pure Bluff
Das ist ein Bluff mit einer Hand, die momentan sehr wahrscheinlich geschlagen ist, und auch wenig Aussichten hat, noch zur besten Hand zu werden. Man kann im Regelfall nur gewinnen, indem man alle Gegner zur Aufgabe zwingt.
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Die Übersicht zur Mathematik des Pokerns - Odds und Outs
Der Semibluff
Du spielst einen Semibluff, wenn du der Ansicht bist, nicht die beste Hand zu halten, aber noch ausreichende Chancen hast, diese zu erlangen.
Der Grund einen Semibluff zu spielen, ist ganz einfach. Indem du aggressiv gegen einen Gegner vorgehst, indem du setzt oder erhöhst, versuchst du, deinen Gegner zur Aufgabe zu zwingen und so den Pot zu holen. Sollte das nicht funktionieren, hast du immer noch passable Aussichten, im weiteren Verlauf deine Hand zur besten Hand zu verbessern.
Du kannst einen Semibluff in fast allen Varianten spielen. Du kannst setzen, erhöhen oder auch ein Checkraise ist möglich. Entscheidend ist nur, dass du einen Draw spielst, der die Chance hat, sich zur besten Hand zu entwickeln.
Die Vorteile eines Semibluff sind vielseitig. Dein Hauptziel ist, deinen Gegner zur Aufgabe zu zwingen und den Pot direkt zu gewinnen, den du ansonsten unter Umständen verlieren würdest. Aber es gibt noch mehr Vorteile.
Insbesondere stellt der Semibluff in vielen Fällen die bessere Alternative dar, wenn du einen wahrscheinlichen Einsatz deines Gegners in einer späteren Setzrunde sowieso mitgehen würdest. Es kostet dich summa summarum genauso viel, ob du nun setzt oder ob du den Einsatz mitgehst. Durch aggressives Spiel vertreibst du aber evtl. deinen Gegner aus der Hand und hast zudem die Initiative in der nächsten Setzrunde, was insbesondere mit Position auf den Gegner von Vorteil ist.
Du kannst dir dann zum Beispiel mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Freecard nehmen, wenn der Gegner dein Gebot oder deine Erhöhung (Freecard-Raise) mitgeht und in der folgenden Setzrunde schiebt.
Schwierig wird es nur, wenn dein Gegner nach deinem Semibluff weiter erhöht. Dann solltest du dich auf jeden Fall hinten sehen und strikt nach Odds&Outs spielen. Hast du die Odds, um weiterzuspielen, dann spiel weiter. Ansonsten musst du aussteigen.
Der Pure Bluff
Im Unterschied zum Semibluff hat ein purer Bluff nur dann Erfolg, wenn der Gegner auch tatsächlich aussteigt. Damit ist die Gewinnwahrscheinlichkeit natürlich drastisch reduziert, weil es eben nur eine geringe Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass du am Showdown die beste Hand halten wirst, sollte der Gegner nicht aufgeben.
Wenn also ein Semibluff schon mit Verstand eingesetzt werden will, so musst du mit einem Pure Bluff noch vorsichtiger sein. Gerade in loosen Spielen sind Pure Bluffs sehr oft nicht profitabel.
Du kannst einen Bluff spielen, wenn du die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegner aussteigt, höher einschätzt als deine Pot Odds. Dann hat ein Bluff einen positiven Erwartungswert.
Was bedeutet das? Nun, ganz einfach. Stell dir vor, du bist am River mit noch einem Gegner. Im Pot liegen $10 und du müsstest $1 setzen. Du hast also Pot Odds von 10:1. Wenn dein Gegner nun in mindestens ~9% der Fälle (1:10) auf deinen Einsatz hin aussteigt und du somit den Pot gewinnst, wäre damit ein Bluff zu rechtfertigen und auch profitabel. Wie wir sehen, hat das Spielen eines Bluffs viel mit Erfahrung und Reads zu tun.
Pure Bluffs sind wenn überhaupt fast immer nur gegen einen Gegner korrekt. Mit jedem weiterem Gegner in der Runde fallen deine Chancen fast proportional zu der steigenden Gegnerzahl. Doppelte Gegnerzahl bedeutet also nur noch etwa halbe Chance, mit einem Bluff durchzukommen.
Deception nennt man alles, was dazu beiträgt, deine Hand und deine Spielweise zu verschleiern und deine Gegner darüber zu täuschen. Tricksen, tarnen, täuschen.
Insgesamt ist der Pure Bluff, wie natürlich auch der Semibluff, ein wichtiger Faktor im Spiel, da er dir entscheidend dabei hilft, Deception einzubauen, also deine Hand und generell deine Spielweise zu verschleiern. Das ist daher wichtig, da deine Gegner dich sonst sehr schnell durchschauen, wenn du deine Hände immer straight forward spielst und nur mit den starken Händen Action machst. Gute Spieler, die dich durchschauen, können dich dann sehr einfach lesen, und du wirst für deine guten Hände nicht mehr ausbezahlt.
Fazit
Du spielst einen Bluff dann, wenn du glaubst, dass dein Gegner mit einer hohen Wahrscheinlichkeit aufgeben wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegner aufgibt, muss höher sein als deine eigenen Pot Odds. Je mehr Gegner gegen dich in der Hand sind, desto seltener kannst du bluffen.
Du solltest nicht zu selten und nicht zu oft bluffen. Durch gelegentliches Bluffen erhältst du das Image eines tighten Spielers, dessen Bluffs noch abschreckend genug sind, so dass sie oft funktionieren, die gleichzeitig aber noch so oft auffliegen, dass deine regulären Hände ausbezahlt werden. Das alles zu handhaben und in der richtigen Häufigkeit perfekt zu spielen, erfordert wie immer viel Erfahrung.
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