Standardlines: Donkbet
Einleitung
In diesem Artikel
- Definition der Donkbet
- Heads-up gegen den Flopraiser
- Wie trappst du mehrere Spieler?
Definition der Donkbet
Der Ausdruck Donkbet leitet sich vom englischen Wort donkey (Esel) ab, womit suggeriert wird, dass es sich um eine dumme oder merkwürdige Aktion handelt.
Die genaue Bedeutung kann variieren, hier die verschiedenen Definitionen:
- Eine unerwartete Bet (Bet out of nowhere), deren Bedeutung sich schwerlich erschliesst, da sie nicht im Einklang mit der bisherigen Betting-Sequenz zu stehen scheint.
- Eine riskante und egozentrische Bet, welche die Gefährlichkeit des Boards in Verbindung mit Stärke demonstrierenden Gegnern ignoriert. Häufig weist das auf schwache Spieler hin, die nur stur (Esel) ihre eigenen Karten spielen und nicht schauen, was um sie herum passiert. Solche Spieler betten z.B. ihr Top Pair out of Position, obwohl Straight- und Flushmöglichkeiten bestehen oder die Action nahe legt, dass ein Gegner bereits „2 Pair or better“ hat.
Eine Donkbet seitens eines starken Spielers kann auch auf eine Stop-and-Go-Taktik zurückzuführen sein.
Donkbet Turn
Bei einer Standard-Donkbet handelt es sich normalerweise um eine Bet auf dem Turn out of Position gegen den Flop-Raiser. Die Donkbet am Turn als Teil einer Betsequenz bietet sich in zwei Fällen an:
- Man hat eine starke Hand und ist Heads-up gegen einen aggressiven Gegner, der Flop-Aggressor war.
- Man hat ein Monster und steht gegen mehrere Spieler, die man nach Möglichkeit in der Hand trappen möchte.
Ist man Heads-up gegen den Flop-Aggressor, nachdem man am Flop entweder check/call oder bet/call gespielt hat, bietet sich gegen aggressive Gegner eine Donkbet am Turn, wenn man eine sehr starke Hand, z.B. ein Set, hält. Man spekuliert dabei darauf, dass der Gegner raist und einem so die Möglichkeit bietet, eine 3bet anzusetzen, was mehr Gewinn verspricht als nur ein Checkraise.
Diese Spielweise hat mehrere Vorteile.
- Der psychologische Vorteil: Man hofft, dass die Lead-Bet auf dem Turn als Bluff ausgelegt wird und mit einem Gegen-Semibluff gekontert wird.
- Der monetäre Vorteil: Man hofft darauf, dass der Gegner eine teure Second Best Hand besitzt (AK bei einem Flop mit einen A, man selbst hält ein Set), und aggressiv for Value raist.
- Der positionelle Vorteil: Man gibt dem Gegner keine Chance auf eine Freecard.
- Der Magnet-Vorteil: Man lässt den Gegner nicht so einfach von der Hand. Bei einem normalen "check-raise Turn" gibt es für viele Gegner ein leichten Ausstieg.
Preflop: Hero is SB with 6

UTG calls, 3 folds, Hero raises, BB 3-bets, 1 folds, Hero calls.
Flop: (7.00 SB) 6


Hero checks, BB bets, Hero calls.
Turn: (4.50 BB) 5
Hero bets, BB raises, Hero 3-bets, BB calls.
River: (10.50 BB) K
Hero bets, BB calls.
Hält man eine Monsterhand und ist gegen mehrere Gegner bietet sich auf ungefährlichen Boards die Line bet/call Flop - bet Turn an. Das Ziel ist es, die anderen Gegenspieler zwischen sich und dem Flop-Aggressor zu trappen, um maximalen Value aus der Hand zu holen.
Preflop: Hero is SB with 7

2 folds, MP2 calls, 1 folds, CO raises, Button calls, Hero calls, BB calls, MP2 calls.
Flop: (10.00 SB) A


Hero bets, BB calls, MP2 folds, CO calls, Button raises, Hero calls, BB calls, CO calls.
Turn: (9.00 BB) 3
Hero bets, BB calls, CO calls, Button is all-in ($1.00).
River: (12.25 BB) J
Hero bets, BB calls, CO calls.
Donkbet River im Heads-up
Eine weitere interessante Version der Stop-and-go-Taktik ist die Sequenz check/call Flop - check/call Turn - bet River. Es bieten sich hierfür drei Anwendungsgebiete:
Der Flop kommt mit relativ niedrigen Karten, man trifft eine von ihnen und setzt den Gegner aller Wahrscheinlichkeit nach auf zwei hohe Karten. Am River würde der Gegner natürlich mit einem unimproved AK nur noch checken. Bettet man nun den River, gewinnt man gegen Leute, die einen auf einen Bluff setzen und gewohnheitsgemäß mit Ace high callen, noch eine Bet.
Was ist aber, wenn der Gegner ein Overpair besitzt? Häufig callt er dann den River nur, aus Angst, gegen 2pair or better zu stehen. Auf diese Weise verliert man nur die gleiche 1 Big Bet, die man auch durch check/call River verloren hätte. Diese Spielweise scheint besonders gegen eine Callingstation interessant. Eine solche callt den River mir Ace high und raist ihn nicht mit einem Overpair. Sie sollte aber auch wiederum nicht so passiv sein, dass sie den Turn unimproved niemals betten würde.
Wieder kommt der Flop so, dass er zwei hohen Karten nicht hilft. Diesmal erwischt man einen starken Draw. Der Standardmove wäre jetzt check/raise Flop - bet Turn. Wird der Flop daraufhin von einem sehr aggressiven Gegner 3betted, ...
- würde man den Turn betten, wenn der Draw ankommt (das ist eine Donkbet)
- könnte man einen Checkraise-Semibluff bringen, wenn das nicht der Fall ist
Der Semibluff hat aber nur Sinn, wenn man dem Gegner so viel Aggression unterstellt, dass seine 3bet am Flop sehr gut ein Semi-Bluff hätte sein können. Wie sieht es mit den Alternativsequenzen aus?
Alternative 1: check/call Flop - check/raise Turn
Das Problem hierbei ist, dass die Fold-Equity nicht größer ist, da bereits 1 Big Bet mehr im Pot ist als bei unserem Standard-Move. Natürlich ist dies ein sehr kraftvoller Zug, doch sind Checkraise-Bluffs am Turn heute nichts Ungewöhnliches mehr, so dass man danach nicht automatisch foldet. Ein weiteres Problem besteht in der Gefahr eines Check-Behinds am Turn, was unseren Semi-Bluff verhindert. Betten wir nun den River, könnte das als "Bluff nach gezeigter gegnerischer Schwäche" am Turn ausgelegt werden. Der Gegner würde dann sicherlich mit einem großen Ass (Bluff-Catcher) callen.
Alternative 2: check/call Flop - check/call Turn - bet River
Diesmal dient die Donkbet als Riverbluff, sollte sich der Draw nicht materialisieren. Diese Sequenz ist eher ungewöhnlich, da die Fold-Equity hier geringer ist als beim Checkraise am Flop.
Man hält ein Ass mit schwachem Kicker und ist out of Position gegen einen Preflopraiser.
Preflop: Hero is UTG+2 with A 
Hero calls, 4 folds, Button raises, 2 folds, Hero calls.
Flop: A 

Hero checks, Button bets, Hero calls.
Turn: 9
Hero checks, Button bets, Hero calls.
River: T
Hero bets ...
Untersuchen wir die gespielte Strategie check/call Flop - check/call turn - bet/call River. Wir nehmen an, dass es sich beim Gegner um ein TAG (tight-aggressive Player) handelt, was auf dem Niveau 10/20 häufig der Fall ist. Durch die Riverbet versucht man, maximalen Value aus der Hand zu extrahieren, indem man Underpairs keinen free Showdown gewährt. Eine solche Bet wird nur selten von größeren Assen geraist, aus Sorge vor 2 pair or better. Liegt man hinten, verliert man damit also in der Mehrzahl der Fälle die gleiche Big Bet wie nach check/call. Liegt man vorne, gewinnt man eine zusätzliche Big Bet.
Wie sieht es mit der Alternativstrategie check/raise Flop - bet Turn aus? Ein TAG könnte dort seine TT folden, wonach wir im Gegensatz zur Standardvariante nur eine SB verdienten. Mit einem großen Ass würde er jedoch den Flop oder den Turn raisen, was für uns kostspieliger wäre.
Wir verändern nun zwei Parameter, zuerst den Spieler, dann das Board. Beide Veränderungen begünstigen die Sequenz check/raise Flop - bet Turn:
Gegner ist loose-passive
Angenommen, wir befinden uns in der gleichen Konstellation wie zuvor gegen einen loose-passive Player (LPA). Hier wäre die Variante check-raise Flop - bet Turn interessanter, da der LPA seine TT vermutlich nicht folden würde. Außerdem wäre er weniger dazu aufgelegt, mit einem großen Ass auf dem Flop oder Turn zu raisen. Drittens beherzigt ein LPA das Follow-through-Prinzip unter Umständen nicht. Mit einem Underpair würde er am Turn nur check behind spielen, was unsere Standardsequenz entkräften würde.
Board ist drawheavy
Nehmen wir an, das Board wäre A 


- Draws leichter in der Hand blieben (selbst wenn die Odds nicht ausreichen)
- man eher auf einen Semi-Bluff mit einem Draw gesetzt wird (mit entsprechendem Calldown von Underpairs).
Natürlich ist ein Draw Heavy Board auch weniger dazu geeignet, dem Gegner eine Freecard zu erlauben.