Aktualisiert am 12 März 26 von

Turnplay OOP ohne Initiative mit Showdownvalue

Einleitung

In diesem Artikel

  • In 2/3 der Fälle bettet der Gegner den River
  • Ab 27% Equity kannst du callen
  • Ab 22% nach einer Preflop-3-Bet

Dieser Artikel befasst sich mit dem Spiel am Turn, wenn du out of Position und ohne Initiative bist, aber Showdownvalue hast.

Check/Call Flop und nun?

Im Artikel Heads-up am Flop OOP: C/C Flop ohne Initiative - mit Showdownvalue hast du erfahren, wann und warum du die Line Check/Call Flop mit einer marginalen Hand spielst, wenn du keine Initiative hast.

Ein zentraler Leitsatz daraus lautet: Im Mittel kannst du daher davon ausgehen, dass du mit A high beim Blinddefend mit ca. 37% Equity am Flop deine Hand mit Showdownintention weiterspielen kannst. Du spielst damit C/C Flop.

Aber wie auch schon im Artikel erklärt wurde, bedeutet das nicht, dass du mit 37% Equity am Flop nun blind in den Calldownmodus verfallen sollst. Du musst die Entwicklung des Boards berücksichtigen. Je nach Turnkarte kann auch eine Hand, die am Flop noch nach einem profitablen Calldown aussah, am Turn nicht mehr spielbar sein.

Im Folgenden wird genauer unter die Lupe genommen, nach welchen Regeln du am Turn deine Hände weiterspielen solltest und wie du dir die zusätzlichen Informationen, die du am Turn erhältst, richtig zunutze machst.

DOWNLOADS

Excel-Chart zur Berechnung der benötigten Equity für C/C Flop

Excel-Chart zur Berechnung der benötigten Equity eines Calldowns

Wie viel Equity brauchst du für einen Turncall?

Beginnen wir mit dem mathematischen Ansatz. Wie viel Equity brauchst du, um am Turn theoretisch profitabel eine Bet mit Showdownintention callen zu können?

Die Ausgangssituation:

Hero is BB

Preflop: Button raises, Hero calls
Flop: Hero checks, Villain bets, Hero calls
Turn: Hero checks, Villain bets, Hero???

Hier gilt die schon bekannte Formel:

EV > 0, wenn EQ > Verlust / (Gewinn + Verlust)

Zunächst ist zu klären, wie hoch Gewinn und Verlust in dieser Situation sind. Auch hier beginnen wir mit dem worst Case: Der Gegner spielt den River perfekt. Daraus folgt, dass sich dein Verlust auf 2 BB beläuft, während der Gewinn lediglich der Turnpot nach der Bet des Gegners ist.

Gewinn = 4,25 BB
Verlust = 2 BB

EV > 0, wenn EQ > 2 / (4,25 + 2) = 0,32

Hast du also in der hier beschriebenen Situation gegen die Range des Gegners nach seiner Turnbet mindestens 32% Equity, dann kannst du den Turn profitabel mit der Absicht callen, den Showdown zu sehen.

Wie auch schon in den anderen Artikeln erläutert, wäre es ein wenig pessimistisch, jedes Mal vom worst Case auszugehen. Darum werden nun einmal die genauen Kosten für einen Showdown auf eine Turnbet des Gegners analysiert.

Im Wesentlichen müssen folgende Fragen näher erläutert werden:

  • 1: Wie oft bekommst du nach einer Turnbet auch eine Riverbet um die Ohren geknallt?
  • 2a: Wie viel Equity hast du am River gegen eine Bet deines Gegners?
  • 2b: Wie beeinflusst dies die Variablen Gewinn und Verlust?
  • 2c: Wie viel Equity benötigst du für einen Calldown auf eine Turnbet?
  • 3: Wie viel Equity hast du gegen eine Turnbet, die im Gegensatz zur Flopbet nicht mehr als Fixed Betting Sequence (FBS)* angesehen werden kann?

* Fixed Betting Sequence: Unter einer fixed Betting Sequence (FBS) versteht man eine Betsequenz, die sich einzig von der Preflopaction ableitet und ungeachtet der eigenen Hand und des Boards immer gleich gespielt wird. Das simpelste Beispiel für eine FBS ist eine Continuationbet am Flop als Preflopraiser gegen einen Gegner.

Zu 1: Wie oft wird der Gegner den River betten?

Ein Versuch wäre auf jeden Fall, den Gegner einfach mal freundlich nach einer schriftlichen Wiedergabe seine Bettingstandards zu fragen. Leider sind die meisten Gegner wenig kooperativ bei dieser Anfrage, so dass man sich anderer Mittel zu Beantwortung bedienen muss.

In diesem konkreten Fall wurde ein empirischer Ansatz gewählt. Die Vorgehensweise ist simpel: In einem großen Aufruf wurden alle PokerStrategy-Mitglieder um Handhistories gebeten, die von den Microlimits bis zu 100/200 reichen. Alle Hände wurden anonymisiert und es wurden nur die verwendet, in denen der jeweilige Hero (=TAG) auch Karten bekommen hat. Insgesamt waren das rund 3,2 Millionen Hände. Diese wurden in eine Datenbank eingespeist.

Für die Frage, wie oft der Gegner den River bettet, wurde dann folgende Datenbankabfrage erstellt:

  • Hero ist im BB und verteidigt seinen Big Blind gegen ein Raise aus MP2, MP3, CO oder Button.
  • Er ist Heads-up am Flop.
  • Flop: Hero checks, Villain bets, Hero calls
  • Turn: Hero checks, Villain bets, Hero calls
  • River: Hero checks, Villain bettet in wie viel Prozent aller Fälle?

Insgesamt erhält man maximal 2837 Spots, die nach diesen Abfragebedingungen übrig bleiben. Villain hat in 1927 Fällen gebettet. Das entspricht 68%.

In einer weiteren Abfrage wurden nur Hände der Limits 0,5/1 – 30/60 berücksichtigt. Bei dieser Abfrage blieben 1616 Spots am River, wobei die Betfrequenz 66% betrug. Diese Samplesizes für den entsprechenden Spot sind natürlich nicht riesig, sie reichen aber aus, um eine ungefähre Hausnummer über die tatsächliche Betfrequenz zu erhalten. Mit Sicherheit sind 2-3% Abweichungen realistisch, aber es liegt nun eine gute Näherung vor, an denen man sich bei weiteren Berechnungen orientieren kann.

Für weitere Berechnungen wird eine Betfrequenz von 2/3 = 0,667 angenommen.

Da die Microlimits nicht unbedingt die Gegner widerspiegeln, die auf Small und Midstakes zu treffen sind, könnten die Hände von 0,5/1 – 30/60 die bessere Grundmenge sein. Wie gesagt, sind kleine Abweichungen möglich, aber im Folgenden wird sich zeigen, dass diese kaum ins Gewicht fallen werden.

Zu 2a, 2b, 2c: Wie hoch ist deine Equity und wie viel brauchst du?

Widmen wir uns den nächsten Fragen aus unserem Katalog:

  • 2a Wie viel Equity hast du am River gegen eine Bet deines Gegners?
  • 2b Wie beeinflusst dies die Variablen Gewinn und Verlust?
  • 2c Wie viel Equity benötigst du für einen Calldown auf eine Turnbet?

Zuvor wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Bet des Gegners des Rivers mit 0,667 veranschlagt werden kann. Mit diesem Richtwert kann nun eine genauere Berechnung der am Turn benötigten Equity vorgenommen werden. Dazu erneut die bereits bekannte Formel:

EV > 0, wenn EQ > Verlust / (Gewinn + Verlust)

Hierzu müssen die Variablen zunächst neu definiert werden.

VERLUST

Bei einer Betfrequenz von 2/3 betragen die Kosten für einen Showdown im Mittel 1,667 BB (1 BB Call Turn + 0,667 BB Call River). Aber auch hier wäre es zu pessimistisch, davon auszugehen, dass der Gegner den River perfekt spielt. In diesem Fall könntest du ja auch jedes Mal folden, wenn du keine Chance hättest, gegen eine Bet zu gewinnen.

Darum ist es realistischer, dem Gegner keine perfekte, sondern eine optimale Spielweise zu attestieren. Optimal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Gegner eine nicht exploitable Blufffrequenz am River wählt. Eine solche Frequenz erreicht er, wenn ein Anteil von 1 / (Pot+2) seiner Bets am River Bluffs sind.

Beispiel: In der vorliegenden Situation betrüge der Pot vor einer Riverbet des Gegners 5,25 BB. Wenn ein Anteil von 1 / 7,25 (entspricht 1 / ( Pot + 2)) seiner Bets Bluffs sind, könntest du diese Frequenz nicht exploiten. Im Mittel wirst du 6,25 von 7,25 Mal 1 BB verlieren und einmal von 7,25 Fällen 6,25 BB gewinnen, was einem EV von 0 entspricht.

Für die Berechnung wird im Folgenden deine Equity am River mit 1 / (Pot+2) beziffert, was bei einer Potgröße von 5,25 BB in etwa 14% entspricht.

Der Verlust berechnet sich nun folgendermaßen: Du zahlst am Turn 1 BB. 0,667 BB zahlst du am River. Zusammen ergibt das 1,67 BB. Da du aber am River im Mittel noch 13,8% EQ hast, senken sich die Kosten am River auf 0,667 * (1 - 0,138) = 0,575 BB

Das heißt, der Verlust liegt bei 1,575 BB

GEWINN

Der minimale Gewinn ist zunächst die Potgröße nach der Turnbet des Gegners. Diese beträgt 4,25 BB. Weiterhin könntest du im Falle eines Bluffs am River noch weiteres Geld gewinnen. Dieser sogenannte „Bluffcatch-Value“ setzt sich aus der Betwahrscheinlichkeit am River und der Bluffwahrscheinlichkeit zusammen.

Gewinn = 4,25 BB + 0,667 * 0,138 = 4,34 BB

4,25 BB sind dir sicher. Hinzukommt eine Bet, die Villain in 2 von 3 Fällen macht und die mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,138 ein Bluff ist. Diese 0,09 BB können auf den zu erwarteten Gewinn addiert werden, so dass er 4,34 BB beträgt.

Somit sind die Variablen einigermaßen präzise angenähert, so dass die vollständige Rechnung lautet:

EV > 0, wenn EQ > Verlust / (Gewinn + Verlust)
Verlust = 1,575 BB
Gewinn = 4,34 BB

EV > 0, wenn EQ > 1,575 / (4,34 + 1,575) = 0,266

Es würden also genau 26,6% für einen Call reichen. Um im echten Leben bei kleinen Ungenauigkeiten ein bisschen Puffer zu schaffen, um auf der sicheren Seite zu sein, sollte der Wert auf die nächste ganze Zahl aufgerundet werden.

Hast du Showdownvalue, kannst du in einer Blinddefend-Situation eine Turnbet bei einer Potgröße von 4,25 BB showdowngebunden callen, wenn deine Equity mindestens 27% beträgt.

Bedenke, dass unterschiedliche Blindstrukturen oder anderweitig veränderte Potgrößen den Wert beeinflussen können.

EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN PARAMETER

Es kann natürlich sein, dass verschiedene Gegner andere Betfrequenzen am River haben oder auch seltener oder öfter bluffen. Dies kann sich auf die benötigte EQ auswirken.

Beispiele:

Riverbetfrequenz wäre 100% nötige EQ = 30%
Riverbetfrequenz wäre 0% nötige EQ = 19%
Riverbetfrequenz wäre 70% nötige EQ = 27%
Riverbetfrequenz wäre 65% nötige EQ = 26%
Blufffrequenz wäre 0% nötige EQ = 28%

Letztlich kannst du auch selbst mit den Parametern rumspielen. Unten siehst du ein Screenshot eines Excelsheets, das die Berechnungen automatisch durchführt, wenn du die Parameter änderst.

Dieses Sheet kannst du hier downloaden: Excelsheet zur Berechnung der benötigten Equity

Dann kannst du die Parameter anpassen, wenn du einen bestimmten Read auf einen Gegner hast.

Berechnung der benötigten Equity mittels Excelsheet

Zu 3: Wenn die Turnbet keine Fixed Betting Sequence ist

Kommen wir zur letzten Frage:

  • 3. Wie viel Equity hast du gegen eine Turnbet, die im Gegensatz zur Flopbet nicht mehr als Fixed Betting Sequence (FBS) angesehen werden kann?

Nachdem zuvor berechnet wurde, wie viel Equity für einen showdowngebundenen Call nötig ist, muss nun geklärt werden, wie man am besten die Equity gegen eine Turnbet des Gegners ermittelt.

Im Gegensatz zum Flop ist es am Turn aber schwerer, die Range des Gegners zu bestimmen. Während am Flop eigentlich jeder Gegner mit seiner gesamten Prefloprange eine Continuationbet macht, kommt am Turn zwar sehr oft eine weitere Continuationbet, aber eben nicht immer, so dass du am Turn nicht ohne weiteres die Prefloprange des Gegners automatisch als seine Range setzen kannst.

Das muss aber wiederum nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Range des Gegners nach einer Turnbet automatisch stärker ist als am Flop. Gerade wenn ein Gegner zu check behind Turn in der Lage ist, macht er das meistens als Bluffcatcher und zwecks Potcontrol mit einer Hand die SD-Value hat und A high eh dominiert. Mit den Händen, die du am Turn aber schlägst, gibt sich der Gegner oft noch die Chance, dich von einer besseren Hand runter zu holen.

Wir schauen uns erneut das Beispiel aus dem Artikel zum Flopplay an:

Hero: A 2

Openraiserange des Gegners am Button: (ca. 40%) 22+, A2s+, K2s+, Q6s+, J8s+, T8s+, 98s, 87s, 76s, 65s, A2o+, K7o+, Q9o+, J9o+, T9o

Flop: J 6 3 Equity: 38% C/C
Turn: 9 Equity: 29% C/C

Gegen die gesamte 40% Range hast du hier nun 29% Equity, könntest also in diesem Fall profitabel C/C Turn mit Showdownambition spielen.

Wenn du aber davon ausgehst oder auch weißt, dass der Gegner zu check behind Turn in der Lage ist, dann musst du dich fragen, mit welchen Händen er dies tun könnte. Auch wenn man nie genau in die Köpfe der Gegner schauen kann, hat ein Checkbehind am Turn meistens 2 Intentionen:

  • Der Gegner hat SD-Value, findet seine Hand aber zu schlecht für eine Valuebet und möchte ein Checkraise vermeiden. In Position möchte er sich vorbehalten, den SD für maximal eine Bet zu sehen. Standardmäßig wird der Gegner auch eine BB am River callen.

  • Der Gegner hat einen Draw, gibt sich aber zu wenig Foldequity von besseren Händen, als dass er eine Bet in Erwägung zieht. In diesem Fall möchte er von der Freecard profitieren und gibt seine Hand in der Regel am River auf eine Bet auf.

Erfahrungsgemäß ist der erste aber der Hauptpunkt, warum die meisten TAGs und auch LAGs am Turn check behind spielen.

Welcher Intention hinter einem Checkbehind stecken könnte, hängt natürlich vom Board ab. Auf dem hier vorliegenden Board ist ein Checkbehind mit einem Draw eher unwahrscheinlich und du kannst davon ausgehen, dass check behind Turn hier eher eine Hand mit SD-Value sein könnte, die kein Checkraise kassieren möchte.

Nehmen wir also einmal an, der Gegner würde hier A high am Turn check behind spielen, alle Pairs natürlich betten wie auch alle Trashhände (K high und schlechter), mit denen er sich evtl. Foldequity erhofft.

Nehmen wir A high aus seiner Range am Turn heraus, ergibt sich folgende Range:

22+, AJs, A9s, A6s, A3s, K2s+, Q6s+, J8s+, T8s+, 98s, 87s, 76s, 65s, AJo, A9o, A6o, A3o, K7o+, Q9o+, J9o+, T9o

Gegen diese Range hättest du am Turn mit A 2 nun aber sogar 31% Equity im Gegensatz zu den 29%, die du gegen die gesamte Prefloprange des Gegners hast.

Du siehst, dass deine Equity gegen die Turnbet sogar noch steigt bei Gegnern, die den Checkbehind am Turn mit A high als „cheap Showdown“-Move machen, da sie eigentliche Valuebets mit A high auslassen und somit der prozentuale Anteil an Bluffs und Semibluffs in ihrer Range steigt.

Aber was, wenn der Gegner doch in der Lage wäre, auch Draws check behind Turn zu spielen? Nehmen wir einmal an, der Gegner würde gute Draws wie KT und QT am Turn checken. Addierst du diese zu den A-high-Checks hinzu, ergibt sich folgende Range:

22+, AJs, A8s, A6s, A3s, K2s-K9s, KJs+, QJs, Q9s-Q6s, J8s+, T8s+, 98s, 87s, 76s, 65s, AJo, A8o, A6o, A3o, K7o-K9o, KJo+, QJo, Q9o, J9o+

Gegen diese Range hättest du 27% Equity.

Gehst du davon aus, der Gegner würde A high immer for free SD betten und nur Draws wie KT, QT und T8s check behind spielen, ergibt sich folgende Range:

22+, AJs, A9s, A6s, A3s, KJs+, K9s-K2s, QJs, Q9s-Q6s, J8s+, T9s, 98s, 87s, 76s, 65s, AJo, A9o, A6o, A3o, KJo+, K9o-K7o, QJo, Q9o, J9o+

Gegen diese Range lägest du bei 26% Equity.

Zusammenfassend ergibt sich also folgendes Bild:

Hero A 2 gegen 40% Range vom Button

Flop: J 6 3 Equity: 38% C/C
Turn: 9 Equity: 29% gegen Autobet C/C
Turn: 9 Equity: 31% gegen cb Turn mit A high C/C
Turn: 9 Equity: 27% gegen cb Turn mit A high, KT und QT C/C
Turn: 9 Equity: 26% gegen cb Turn mit KT und QT C/F

Auch wenn deine benötigte Equity in allen Fällen ca. 27% ist, kann deine tatsächliche EQ je nach Spielart des Gegners variieren. Ist der Gegner zu check behind Turn in der Lage, bedeutet das aber nicht, dass dadurch seine Range nach einer Bet gegen deine Hand unbedingt stärker wird.

In der Praxis wird der Checkbehind am Turn bei TAGs eher mit A-high-Händen als mit Draws angewendet, weil bei den Draws immer noch die Hoffnung vorherrscht, eine bessere Hand könnte auf eine Bet folden. Es ist eher selten der Fall, dass du gegen potenzielle „Behindchecker“ auf eine Bet schlechter dastehst als gegen seine gesamte Prefloprange.

Wenn du also keine Informationen über die Checking-Standards des Gegners hast, dann solltest du einfach davon ausgehen, dass du gegen seine gesamte Prefloprange spielst. Hast du aber doch einen Read, solltest du diesen unbedingt einfließen lassen, um deine Equity besser bestimmen zu können.

Mit diesem Ansatz kannst du gut berechnen, ob du genug Equity für einen Call am Turn hast. Da diese Berechnungen am Tisch aber wie so oft nicht leicht durchzuführen sind, folgen nun einige Beispiele, die dir ein besseres Gefühl bei der Einschätzung deiner Equity am Tisch geben sollen. Dazu werden unter anderem auch die Beispiele weitergeführt, die bereits im Artikel zum Flopplay besprochen wurden.

Als Standard wird hierbei von einer Autobet am Turn ausgegangen, weil so einmal klare Vergleiche einzelner Hände ermöglicht werden. An dieser Stelle der erneute Appell, unbedingt Reads über die Bettingstandards deines Gegners einfließen zu lassen.

BEISPIEL 1

Du defendest deinen BB gegen eine 40%-Range vom Button:

22+, A2s+, K2s+, Q6s+, J8s+, T8s+, 98s, 87s, 76s, 65s, A2o+, K7o+, Q9o+, J9o+, T9o

Hero A 5
Flop: T 6 3 Equity: 40% C/C
Turn: 6 Equity: 43% C/C
Turn: J Equity: 29% C/C
Turn: Q Equity: 29% C/C
Turn: K Equity: 23% C/F

Hero A 7
Turn: K Equity: 27,0% C/C oder C/F gleichwertig

Hero A 8
Turn: K Equity: 29% C/C

Mit etwas Übung dürfte es für dich offensichtlich sein, dass du auf dem Flop T 6 3 mit A5o noch genug Equity zum Weiterspielen hat. Weiterhin kannst du aber auch am Turn auf fast alle Karten profitabel callen, wenn du gegen die gesamte Prefloprange des Gegners antrittst. Lediglich der K vernichtet die Träume eines profitablen Calldowns mit A 5. Obwohl sich A 7 kaum anders anfühlt, hast du satte 4% mehr EQ und damit einen absoluten Grenzspot für einen Call. Dieser Fall ist so knapp, dass es fast keinen Unterschied machst, wofür du dich entscheidest. Mit A 8 hingegen findest du einen klaren Call.

In diesem Beispiel ist auch keine konkrete Anpassung der Turnbetrange von Villain erforderlich. Ist er ein denkender Spieler, so wird er den K oder die Q als „A-high-Killer“ ansehen und auf diese Karte fast jede Hand erneut betten. Sollte er tighter betten, stehst du equitytechnisch eh noch besser da. Lediglich, wenn er auf den K am Turn Q9 und QJ selektiv check behind spielen würde, verschlechtert sich die Situation.

Hero A 8

Flop: T 6 3
Turn: K Equity: 25% C/F wenn Villain Q9 und QJ am Turn cb spielen würde

BEISPIEL 2

Du defendest deinen BB gegen eine 25%-Range vom CO:

44+, A2s+, K7s+, Q9s+, J9s+, T9s, 98s, 87s, A7o+, K9o+, QTo+, JTo

Hero A 5

Flop: T 6 3 Equity: 35% C/F

Gegen eine tightere Range ist das Board aus Beispiel 1 schon am Flop zu schlecht, um weiterspielen zu können.

Flop: 9 6 3 Equity: 39% C/C

Simsalabim, die böse T in eine 9 verwandelt und schon kannst du den Fight um den Pot profitabel fortführen. Nun werfen wir einen Blick auf verschiedene Turnkarten:

Turn: 6 Equity: 42% C/C
Turn: 8 Equity: 37% C/C
Turn: T Equity: 22% C/F
Turn: J Equity: 23% C/F
Turn: Q Equity: 23% C/F
Turn: K Equity: 22% C/F

Du siehst, dass Highcards gegen eine übliche Range vom CO deutlich mehr ins Gewicht fallen als gegen eine Range vom Button. Auf jede Highcard hast du beeindruckende 15%-16% weniger EQ im Vergleich zur 8.

Hero A 7 gegen 25%-Range vom CO
Flop: 9 6 3
Turn: T Equity: 30% C/C, der Gutshot richtet es
Turn: J, Q K Equity: <27% C/F

Hero A 8 gegen 25% Range vom CO
Flop: 9 6 3
Turn: T Equity: 34% C/C
Turn: J Equity: 29% C/C
Turn: Q Equity: 29% C/C
Turn: K Equity: 28% C/C

Noch einmal der Vergleich: Gegen die 25%-Range vom CO

Hero A 8
Turn: J Equity: 29% C/C

Hero A 2
Turn: J Equity: 23% C/F

Gegen die 40% Range vom Button

Hero A 8
Flop: 9 6 3
Turn: J Equity: 36% C/C

Hero A 2
Turn: J Equity: 28% C/C

Hier zeigt sich, dass dein Kicker von A high eine wesentliche Rolle für deine Equity spielt. Besonders gegen ein Buttonraise hat A 8 auf dem 9 6 3 J Board am Turn 8% mehr EQ als A 2. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass der Gegner vom Button jedes Ass raist, so dass du ihn sogar dominieren kannst.

Außerdem hast du viel häufiger noch 6 Outs gegen ein kleines Pocketpair oder ein Lowpair.

Zu solchen Situationen könnten beliebig viele Beispiele analysiert werden. Du solltest entsprechende Analysen regelmäßig durchführen, da du so irgendwann ein Gefühl entwickeln wirst, wie es in einer bestimmten Situation am Tisch um deine Equity steht.

BEISPIEL 3
Hero BB mit 2 2 vs. 40%-Range vom Button

Flop: A 6 3 Equity: 42% C/C
Turn: K Equity 27% unterste C/C - Grenze
Turn: Kein K Equity > 27% C/C

Spielst du mit dem Babypair auf diesem A-high-Board, so ist aus mathematischer Sicht irrelevant, was am Turn kommt, wenn du bei einer Bet von der gesamten Range des Gegners ausgehst. Hier bleibt einzig und allein die Frage, welche Hände der Gegner erneut am Turn bettet, wenn du auf diesem Board am Flop C/C spielst. Viele Gegner geben am Turn die Hand auf.

Genau diesen Punkt hier auch noch bitte als Beispiel: Dies führt natürlich dazu, dass du in so einer Situation einen Bluffcall am Flop machen könntest, um auf cb Turn am River deinen Bluff zu vollenden. Dies ist aber ein anderes Thema, was den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.

BEISPIEL 4
Hero BB mit K 7 vs. 40%-Range vom Button

Flop: 4 2 2 Equity: 37% C/C
Turn: < 9 Equity > 29% C/C
Turn: 9, T, J Equity 27% unterste C/C-Grenze
Turn: A Equity 34%! C/C

Mit K high gibt es nicht viele Flops, die du profitabel weiterspielen kannst. Ist dieser aber erst einmal gefunden, schlägt sich K 7 wackerer als man denkt. Lowcards geben locker genug Equity zum Weiterspielen und selbst bei 9-J befindest du dich noch im Grenzbereich.

Ein Ass ist logischerweise die einzige Highcard, auf die du locker weiterspielen kannst, da dadurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass der Gegner selbst ein Ass hält. Darum ist ein Ass generell eine gute Karte, wenn du A high nicht schlagen kannst.

Eine Rangeeinschränkung des Gegners ist auch hier kaum möglich. Da du auf diesem Lowcardflop immer mindestens zwei Overcards hast, wird der Gegner in diesem Spot meist seine gesamte Prefloprange erneut am Turn betten.

Berücksichtigung des Rakes und der Blindstruktur

Wie schon bei deiner Entscheidung am Flop musst du auch am Turn berücksichtigen, dass der Rake und die Blindstruktur deine benötigte EQ beeinflussen können. Den Einfluss dieser Faktoren kannst du anhand der über nachfolgenden Downloadlink erreichbaren Excel-Tabelle ablesen (Diese ist ausführlicher im Artikel zum Flopplay Heads-up am Flop OOP: C/C Flop ohne Initiative - mit Showdownvalue erklärt).

Lade dir die Excel-Tabelle herunter

BEISPIEL

$3/$6, 5-handed, Hero SB

CO raises, Hero 3-bets, CO caps

Flop: Hero checks, CO bets, Hero calls

Turn: Hero checks, CO bets, Hero???

  • Basis EQ am Turn = 21%
  • Einfluss Rake 4-5-handed $3/$5 = +2%
  • Einfluss 1/3 Blindstruktur = +0,5%
  • -> Benötigte EQ für profitablen C/C am Turn = 21% + 2% + 0,5% = 23,5%

Nach Preflop-3-Bet

Neben dem Big-Blind-Defend findest du dich am häufigsten oop ohne Initiative wieder, wenn du openraist und vom CO oder Button eine 3-Bet kassierst. Wie du solche Situationen am Flop richtig evaluierst, kannst du im Artikel Heads-up am Flop OOP: C/C Flop ohne Initiative - mit Showdownvalue nachlesen.

Im Folgenden beschäftigen wir uns mit dem Spiel am Turn, nachdem du am Flop C/C gespielt hast. Die dafür notwendige Mathematik wurde bereits im ersten Abschnitt dieses Artikels erörtert. Dabei wurde gezeigt, dass du nach einer Preflop-3-bet bei einer Potgröße von 8,5 SB nach der Continuationbet des Gegners mit 27-28% Equity das Gefecht um den Pot aufrechterhalten kannst.

Im Vergleich zum Blinddefend verändern sich nach einer Preflop-3-Bet einige Parameter. Diese wären:

  • Andere Potgröße (beeinflusst deinen zu erwartenden Gewinn)
  • Andere Handrange des Gegners (beeinflusst deine Equity)
  • Andere Betfrequenz am River? (beeinflusst Verlust und wird noch später erläutert)

Wir greifen eine Situation auf, die schon im Artikel zum Flopplay analysiert wurde:

Preflop: Hero is CO with A 8
2 folds, Hero raises, Button 3-bets, Blinds folden, Hero calls

Flop: (7,5 SB) T 5 3 (2players)
Hero checks, Button bets, Hero calls (31% EQ)

Turn: (4,75 BB) 6 (2players)
Hero checks, Button bets, Hero???

Zur Berechnung deiner benötigten Equity für einen Call am Turn erneut die so schöne einfache und praktische Formel:

EV > 0, wenn EQ > Verlust / (Gewinn + Verlust)

Wie auch schon im ersten Abschnitt müssen nun die Variablen Gewinn und Verlust definiert werden. Dazu wird zunächst folgende Frage geklärt: Wie oft bettet der Gegner im Mittel nach einer Turnbet auf den River?

Wie auch im Falle eines Blinddefends wurde hier ein empirischer Ansatz gewählt, um abschätzen zu können, wie oft statistisch gesehen eine Riverbet zu erwarten ist. Aus der Sammeldatenbank mit 3,2 Millionen von TAGs gespielten Händen wurde nach folgendem Schema gefiltert:

  • Preflop: Hero ist vor dem Button und raist, Villain ist nicht SB oder BB und 3-bettet, Hero callt und es geht HU zum Flop.
  • Flop: Hero checks, Villain bets, Hero calls
  • Turn: Hero checks, Villain bets, Hero calls
  • River: Hero checks, Villain bettet in wie viel % aller Fälle?

Das Ergebnis lautet: Nach einer Preflop-3-Bet bettet Villain den River in Position im Mittel in ~68% aller Fälle (1023 von 1499 Spots).

Zum Vergleich: Im Falle des Blinddefends bettet er im Mittel in 66,67% der Fälle.

Obwohl man aufgrund der wohl besseren Handstärke nach einer 3-Bet davon ausgehen könnte, dass der Gegner am River häufiger valuebetten könnte, zeigt die Analyse, dass es nur einen sehr kleinen Unterschied im Vergleich zu einer „Button vs. BB“-Situation gibt. Die Betfrequenz am Turn hingegen zeigt einen Unterschied: Während in der „Button vs. BB“ Situation die Gegner im Mittel zu ~70% den Turn betten, sind es in der 3-Bet-Situation hingegen 79%.

Mit diesen Informationen können nun die Variablen Gewinn und Verlust bestimmt werden und letztlich deine benötigte Equity für einen Call am Turn mit Showdownambition ermittelt werden.

EV > 0, wenn EQ > Verlust / (Gewinn + Verlust)

Wie die Variablen Gewinn und Verlust berechnet werden, wurde im ersten Abschnitt ausführlich erläutert. Die Berechnungen überlassen wir diesmal Excel und müssen nur die veränderten Parameter eintragen. Diese wären:

Pot nach Turnbet in BB = 5,75
P(Bet River) = 0,68
Pot nach Riverbet = 7,75

Berechnung der benötigten Equity mittels Excelsheet

In der beschriebenen Situation brauchst du 21,4%, um weiterspielen zu können. Aber auch hier wollen wir einen kleinen Puffer lassen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Nach einer Preflop-3-Bet kannst du out of Position und mit Showdownvalue eine Turnbet bei einer Potgröße von 5,75 BB showdowngebunden callen, wenn deine Equity mindestens 22% beträgt.

Bedenke auch hier, dass bei anderen Blindstrukturen oder anderer Action die Potgröße und die damit verbundene benötigte Equity variieren können.

Um auch hier ein besseres Gefühl für solche Situationen zu vermitteln, noch einige Beispiele. Auch hier wird von einer Autobet am Turn ausgegangen. Diese ist empirisch auch wahrscheinlicher, da laut Datenbankanalyse die Betfrequenz am Turn nach einer Preflop-3-Bet bei knapp 80% liegt im Vergleich zu 70% nach einfachem Raise gegen Blinddefend.

Dennoch macht nicht jeder Gegner nach eine Autobet am Turn. Auch wenn es bequemer ist, mit der gesamten Range zu rechnen, musst du berücksichtigen, wenn dein Gegner hier nicht jeden Turn bettet.

BEISPIEL 1

Zunächst das Beispiel aus dem Anfang dieses Abschnitts.

Hero CO mit A 8 raises, Bu 3-bets (Range: 44+, A5s+, KTs+, QJs, JTs, A8o+, KJo+)

Flop: T 5 3 Equity: 31% C/C
Turn: 6 Equity: 27% C/C
Turn: 9 Equity: 26% C/C
Turn: J, Q Equity: 18% C/F
Turn: K Equity: 13% C/F
Turn: T> Equity: 32% C/C

Auch hier musst du mit A high in den Kampf ziehen, in vielen Fällen auch bis zum bitteren Ende. Fällt am Turn keine Highcard, findest du einen leichten Call. Nur bei Facecards macht deine Equity einen gewaltigen Sprung nach unten und du musst folden. Pairt sich das Board hingegen, verbessert sich die Situation drastisch und du kannst natürlich easy callen.

Beachte auch hier die Macht deines Kickers. Zum Vergleich:

Hero CO mit A 2 raises, Bu 3-bets (Range: 44+, A5s+, KTs+, QJs, JTs, A8o+, KJo+)

Flop: T 6 3 Equity: 26% C/F
Turn: 9 Equity: 21% C/F

Hier musst du schon am Flop knappt folden, aber selbst wenn du dich für einen Call entschieden hättest, wäre am Turn Endstation.

BEISPIEL 2a
Hero CO mit K Q raises, Bu 3-bets (Range: 44+, A5s+, KTs+, QJs, JTs, A8o+, KJo+)

Flop: 8 6 4 Equity: 28% -> C/C
Turn: 9 Equity: 22% unterste C/C - Grenze
Turn: T Equity: 20% C/F
Turn: J Equity: 14% C/F

Auch mit KQ findest du in den meisten Situationen Flops vor, auf denen du weiterspielen kannst. Gegen eine 3-Bet-Range ist es aber wesentlich schwerer, deinen Showdownvalue zu ermitteln, da du sehr oft 6 Outs hast, die einen beträchtlichen Teil deiner Equity ausmachen. Zur Ermittlung, wie oft du am Turn vorne liegst, wird das Board mit eine Blank aufgefüllt und die Equity angeschaut.

Hero CO mit K Q raises, Bu 3-bets (Range: 44+, A5s+, KTs+, QJs, JTs, A8o+, KJo+)

Flop: 8 6 4 Equity: 28% C/C
Turn: 9 Equity: 22% C/C
Hypothetischer River: 4 Equity: 16%

Auch bei einer Blank am River hast du gegen die gegebene 3-betting-Range immer noch 16% Equity, damit kannst du auch noch oft genug Bluffs einsammeln, da du statistisch am Turn noch oft genug vorne liegst. Dies zeigt, dass du hier sogar mit K high noch showdowngebunden spielen kannst, wenn das Board keine hohen Karten bringt, die dir nicht helfen.

BEISPIEL 2b
Hero CO mit K Q raises, Bu 3-bets (Range: 44+, A5s+, KTs+, QJs, JTs, A8o+, KJo+)

Flop: J 6 3 Equity: 24% C/C!!!

Obwohl du hier nur 24% Equity am Flop hast, findest du einen klaren Call. Beachte hierbei, dass die berechneten Equitygrenzen sich darauf beziehen, dass du mit Showdownintention C/C spielst. In diesem Fall ist deine Hand zwar nicht gut genug für einen Showdown, du hast aber locker mit den Highcards und der Backdoorstraight die nötigen 4,5 - 5 Outs, um für eine SB einen Blick auf den Turn zu riskieren.

BEISPIEL 3
Hero CO mit 4 4 raises, Bu 3-bets (Range: 44+, A5s+, KTs+, QJs, JTs, A8o+, KJo+)

Flop: K Q 6 Equity: 30% C/C
Turn: 5 Equity: 35% C/C
Turn: 9 Equity: 28% C/C
Turn: T, J Equity: 21% C/F
Turn: A Equity: 4% C/F

Mit Pocketpairs schlägst du A high. Damit ist klar, dass du auf fast jedem Flop eine einfache Fortsetzung der Hand findest. Aber auch auf denkbar ungünstigen Flops wie K Q 6 kannst du mit 4 4 in einem reraised Pot noch weiterspielen. Kommt am Turn keine Highcard, bleibst du gut im Rennen und findest meist einen Showdown. Auf Highcards, die das Board nicht pairen, musst du dich dann aber knapp geschlagen geben. Bei einem Ass ist der Ofen dann gänzlich aus.

BEISPIEL 4
Hero MP3 mit A 7 raises, CO 3-bets (Range: 66+, A9s+, KQs, ATo+, KQo, QJs, JTs)

Dem CO geben wir hier die übliche 3-Betting-Range nach dem Artikel Preflop Starting hands – Expert Theory. Weiterhin wurden noch QJs und JTs addiert, um einen Gegner zu simulieren, der gern auch deceptive 3-Bets spielt, falls er bei dir Weakness vermutet.

Flop: T 5 2 Equity: 23% C/F
Flop: 8 5 2 Equity: 28% C/C
Turn: 5 Equity: 28% C/C
Turn: 9 Equity: 28% C/C
Turn: T Equity: 20% C/F
Turn: K Equity: 12% C/F

Ist die Preflop-Action eine Position nach vorne verschoben, musst du im Falle einer 3-Bet von einer wesentlich stärkeren Range ausgehen. Hier bekommst du auch auf eher harmlos wirkenden Flops 9 5 2 schon an die Grenze dessen, was du mit A 7 weiterspielen kannst. Außerdem ist eine Equity am Turn bei Highcards wesentlich empfindlicher, so dass du hier nur selektiv einen Weg zum Showdown suchen solltest.

Was tun, wenn der Gegner am Turn eigentlich nie blufft und nur Pairs + starke Draws bettet?

Solche Gegner sind extrem selten, aber wenn so ein Gegner eine Turnbet platziert, kannst du unimproved fast jede Hand folden bzw. nach Odds und Outs weiterspielen. Ohne Pair wirst du aber fast nie die Odds für einen Call bekommen. Gegen so einen Gegner gelten aber auch andere Prinzipien am Flop. Da du am Turn perfekte Informationen über die Hand des Gegners erhalten würdest, kannst du am Flop sehr loose callen, da du mit einer schlechteren Hand fast immer nur eine SB zahlst und am Turn immer gute Folds findest.

Im Umkehrschluss ist dann wiederum so ein Gegner prädestiniert, mit Bluffcalls oop auseinander genommen zu werden. Das bedeutet, dass du auch marginale Hände am Flop callen kannst. Dein Plan besteht dann darin Freecards zu kassieren und nach check behind Turn mit hoffnungslosen Hände am River zu bluffen, da der Gegner viele Hände am Turn mit seinen check behind einfach aufgibt.

Was tun, wenn du improvst?

Generell wäre diese Frage einen eigenen Artikel wert, darum kann das Thema nur kurz angerissen werden. Die einzige feste Richtlinie dazu lautet: NICHT donken. Gegen passive Fische kann eine Donkbet nach Treffen eines Outs gut sein, nicht aber auf höheren Stakes gegen bessere Gegner.

Generell ist es wichtig, dass du die Line C/C Flop check Turn vernünftig balancst. Somit stellt sich nun die Frage, ob du eher C/C nach wa/wb spielst oder doch C/R. Generell hat auch C/C den Vorteil, dass du deine C/C-C/C-Line balancst und der Gegner nach Call Flop, Call Turn nicht automatisch weiß, dass du auf einem equitybasierten Call ohne Pair sitzt.

Allgemein ist es gegen viele Spieler eine gute Spielweise, auch beim Treffen des Ass C/R Turn zu spielen. Viele Gegner kaufen dir das Ass eh nicht ab und zahlen dich aus. Außerdem wird er aber auch jedes bessere Ass in der Regel nicht 3-betten oder den River raisen, weil er sich selbst wa/wb gegen deine Range sieht. Wichtig ist natürlich, dass du auch mit Draws in der Lage bist, C/C, C/R zu spielen.

Fazit

Am Flop trifft man nur ca. jedes 3. Mal ein Paar. Dies gilt aber nicht nur für dich, sondern auch für deine Gegner. Ace high oder auch manchmal K high ist einfach zu oft die beste Hand, als dass du diese einfach blind ohne Fight aufgeben könntest. Im Artikel Heads-up am Flop OOP: C/C Flop ohne Initiative – Mit Showdownvalue wurde erörtert, wie du deine Hand am Flop bewerten und weiterspielen kannst.

In diesem Artikel hast du gelernt, nach welchen Kriterien du mit Showdownvalue am Turn spielen solltest. Dabei darfst du nicht den Fehler machen, dich zu sehr auf das Treffen eines Outs zu konzentrieren, sondern musst auch unimproved den Wert deiner Hand richtig einstufen. Durch diese Spielweise wirst du relativ häufig ohne Initiative oop C/C Flop und auch C/C Turn spielen.

Hierbei ist natürlich wichtig, dass diese Lines auch ausreichend balanced sind, so dass dein Gegner deine Hand nicht zu leicht readen kann. Sonst könnte er seine Betting-Range am Turn optimal anpassen und du müsstest im Fall einer Bet von ungünstigeren Bedingungen ausgehen als bei den durchgeführten Berechnungen. Das entsprechende Balancing von C/C Flop und C/C Turn wird aber in einem eigenen Artikel bearbeitet, weil dies hier den Rahmen sprengen würde.

Das korrekte Einschätzen und Spielen deiner Equity auch ohne Pair ist ein essenzielles Tool für erfolgreiches Pokern auf den Mid- und auch auf den Highstakes. Weakes Folden war gestern, heute kitzelst du jedes bisschen Value aus deinen Händen heraus und bringst deine Gegner damit zur Verzweiflung.

Zum Schluss noch einmal der Link zum Excelsheet, mit dem du die benötigte Equity je nach gegebener Situation berechnen kannst: Excelsheet zur Berechnung der benötigten Equity