Aktualisiert am 12 März 26 von

Deals in MTTs

Einleitung

In diesem Artikel

  • Verschiedene Arten eines Deals
  • Wann ein Deal sinnvoll ist
  • Wie du den besten Deal für dich findest

Anstatt ein Turnier auszuspielen, können sich die verbliebenen Spieler an einem Final Table eines MTT darauf einigen, das Geld untereinander aufzuteilen. Die Option für einen Deal bietet sich, sobald der Final Table erreicht ist. Meistens wird sie erst genutzt, wenn nur noch zwei bis drei Spieler übrig sind.

Die Tatsache, dass die Blinds und Antes gegenüber dem Average Chipstack am Ende eines Turniers sehr hoch sind, macht einen Deal attraktiv. Dieser Artikel diskutiert die Vor- und Nachteile des Deal-Makings und erklärt die Vorgehensweise für ein MTT auf Party Poker.

Die verschiedenen Möglichkeiten eines Deals

Die Chipcount-Methode

Eine weit verbreitete und als gerecht geltende Methode ist es, den Pricepool entsprechend des Chipcounts aufzuteilen. Das noch auszuspielende Preisgeld für die offenen Platzierungen wird zusammengezählt, der Betrag abgezogen und verteilt, der jedem Spieler sicher zusteht, und der Rest anteilig an die Spieler je nach Anzahl ihrer Chips ausgezahlt.

BEISPIEL

Drei Spieler sitzen noch am Final Table. Die Auszahlungen für die noch offenen Platzierungen betragen:

  • 1. Platz: 50.000$
  • 2. Platz: 30.000$
  • 3. Platz: 20.000$

Gesamt: 100.000$

Die Chipstände der Spieler sind:

  • Spieler A: 200.000
  • Spieler B: 120.000
  • Spieler C: 80.000

Gesamt: 400.000

Im Verhältnis zur Gesamtanzahl aller im Spiel befindlichen Chips halten sie also:

  • Spieler A: 50%,
  • Spieler B: 30%
  • Spieler C: 20% der Chips.

Da der dritte Platz sicher 20.000$ Preisgeld erhält, ist das die Grundlage für den Deal, denn diesen Betrag erhält jeder Spieler auf jeden Fall. Von den 100.000$ werden also zunächst 60.000$ abgezogen (3*20.000$), an die Spieler verteilt, und es verbleibt ein Pool von 40.000$, der nun entsprechend des Chipcounts gesplittet wird. Spieler A erhält 50%, Spieler B 30% und Spieler C 20% des Geldes.

Im Resultat erhalten sie somit:

  • Spieler A: 40.000$
  • Spieler B: 32.000$
  • Spieler C:28.000$
PRO UND KONTRA

Aus dem Beispiel wird ersichtlich, dass die Chipcount-Methode für alle Beteiligten eine gerechte Aufteilung bietet. Das ist aber nur der Fall, weil die Stacks der Spieler sehr ausgeglichen sind. Im Beispiel gewinnt Spieler C als Shortstack mehr, als wenn er sofort ausschiede, und der Chipleader erhält weniger als bei einem regulären Gewinn des Turniers.

Das ändert sich aber, sobald der Chipcount der einzelnen Spieler etwas unausgewogener wird.

Ein Beispiel anhand der Party Poker Payout Structure:

11$ (10$ + 1$ Fee) Regular Turnier mit 500 Teilnehmern, noch 3 Spieler übrig

Pricepool: 5000$

  • 1. Platz erhält 1250$ (25%)
  • 2. Platz erhält 700$ (14%)
  • 3. Platz erhält 413$ (8,26%)

Die Spieler halten:

  • Spieler A: 80%,
  • Spieler B: 10%,
  • Spieler C: 10% aller im Spiel befindlichen Chips.

Der restliche Pricepool beträgt insgesamt 2363$. Da der dritte Platz 413$ erhält, werden diese vom Pricepool abgezogen. Somit bleiben 1124$ übrig (2363$ - 1239$). Diese werden jetzt wieder nach der Anzahl der Chips aufgeteilt. Das macht dann 899.20$ extra für Spieler A und 112,40$ für Spieler B und C.

Das Endergebnis sieht wie folgt aus:

  • Spieler A erhält 1312,20$
  • Spieler B erhält 525,40$
  • Spieler C erhält 525,40$

In diesem Beispiel schneidet der Chipleader viel besser ab als die beiden Shortstacks. Während er bei normalen Payout 25% des Pricepools erhalten wurde, erhält er jetzt 26%. Daran wird ersichtlich, dass die Chipcount-Methode, das Aufteilen des Pricepools anhand des Chipcounts, profitabler für den Chipleader ist, wenn die Stacks nicht ganz ausgeglichen sind.

Die ICM-Methode

Du berechnest die Werte der Chips mit Hilfe eines ICM-Calculators und teilst das übrige Geld danach auf. Diese Werte sind gerechter als beim Chipcount-Deal. So kannst du dir ein gutes Bild machen, was fair ist und versuchen, die Gegner in die für dich selbst günstigere Richtung zu beeinflussen. Denn meist wissen die wenigsten Gegner, was nun wirklich fair wäre.

Für die oben genannten Beispiele ergibt das:

Beispiel 1 mit 50%, 30%, 20% Stacks (Chipcount-Deal in Klammern):

  • Spieler A: 38.392$, (40.000$)
  • Spieler B: 32.750$, (32.000$)
  • Spieler C: 28.857$, (28.000$)

Beispiel 2 mit 80%, 10%, 10% Stacks (Chipcount-Deal in Klammern):

  • Spieler A: 1.133$, (1.312$)
  • Spieler B: 614$, (525$)
  • Spieler C: 614$, (525$)

Du siehst hier deutlich, dass der Bigstack schlechter, der Middlestack besser und der Shortstack deutlich besser wegkommen als beim Chipcount-Deal.

Die Post-Deal-Methode

Eine andere Methode, die Post-Deal-Methode, besteht darin, den Pricepool unter allen verbliebenen Spielern gerecht aufzuteilen und um den Rest weiterzuspielen. Diese Methode wird häufig bei ähnlich großen Chipstacks genutzt, da so jeder den gleichen Anteil vom Pricepool erhält und der verbleibende Rest ausgespielt wird. Dabei bleibt es den Spielern überlassen, ob nur der Sieger das Geld bekommt oder ob alle verblieben Plätze extra ausgezahlt werden.

BEISPIEL

11$ (10$ + 1$ Fee) Regular Turnier mit 500 Teilnehmern, noch 3 Spieler übrig

Pricepool: 5000$

  • 1. Platz erhält 1250$ (25%)
  • 2. Platz erhält 700$ (14%)
  • 3. Platz erhält 413$ (8,26%)

Der restliche Pricepool beträgt insgesamt also 2363$. Die Spieler entscheiden sich für die Post-Deal-Methode und teilen den Pool in drei gleiche Beträge mit einem Rest. Somit bekommt jeder 700$ und die übrigen 263$ (2363$ - 2100$) werden dem Gewinner zugeschrieben.

Das Endergebnis sieht wie folgt aus:

  • 1. Platz erhält 963$
  • 2. Platz erhält 700$
  • 3. Platz erhält 700$

Es zeigt sich, dass diese Vorgehensweise für Shortstacks profitabler ist. Der Drittplatzierte zu diesem Zeitpunkt würde somit das Preisgeld für den zweiten Platz erhalten. Hinzu kommt immer noch die Möglichkeit, die 263$ für den ersten Platz zu gewinnen. Wenn man zu diesem Zeitpunkt allerdings der Chipleader war, ist diese Form eines Deals nicht die beste, da er hier viel schlechter abschneidet als bei der Chipcount-Methode, selbst wenn er noch gewänne.

Die Seat+Chipcount-Methode

Diese Methode kombiniert einfach die Post-Deal- mit der Chipcount-Methode. Zunächst erhält jeder Spieler für seinen Seat, also dafür dass er noch am Tisch sitzt und Chips hat, einen festen Betrag, genau wie bei der Post-Deal Methode. Der Rest wird allerdings nicht ausgespielt, sondern per Chipcount-Deal verteilt.

Diese Methode ist entstanden, weil Shortstacks oft keine Chipcount-Deals annehmen wollten mit der Begründung, dass nicht nur ihre Chips einen Wert haben, sondern auch der Platz auf dem sie sitzen. Denn damit haben sie immer die Möglichkeit, das Turnier noch zu gewinnen. („All you need is a chip and a chair.")

ICM-Berechnungen sind zwar fairer, aber die wenigsten Leute können diese verstehen, geschweige denn im Kopf durchfuhren. Je kleiner der eigene Stack ist, umso mehr profitiert man von einem großen Anteil für den Seat. Als Supershortstack sollte man so einen Deal vorschlagen.

Deal or No Deal?

Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, egal in welcher Position er zu diesem Zeitpunkt ist, auf einen Deal einzugehen oder nicht. Trotzdem gibt es einige Punkte die für und gegen einen Deal sprechen, und je nachdem, inwieweit sie gegeben sind, solltest du deine Entscheidung treffen.

Pro:

  • Du bist Bigstack und könntest durch einen Deal ähnlich gut oder besser abschneiden, als wenn du das Turnier gewinnen würdest
  • Du bist selbst noch unerfahren in Turnieren bzw. dem Spiel am Final Table und die Gegner werden stärker eingeschätzt
  • Du bist müde oder hast keine Zeit mehr
  • Die Blinds und Antes sind so hoch, so dass die Chance besteht ausgeblindet zu werden, bevor du eine gute spielbare Hand bekommst
  • Du bist auf scared Money und möchtest lieber etwas mehr Sicherheit haben als den maximalen EV

Kontra:

  • Als Shortstack bekommst du durch einen Deal kaum mehr, als würdest du direkt in der nächsten Hand rausfliegen
  • Als Chipleader ist der Gewinn durch einen Deal deutlich geringer als die Aufteilung nach Chipcount bzw. das Preisgeld für den ersten Platz
  • Die Gegner sind viel schwächer als du selbst und die Chancen sind hoch, das Turnier auch ohne Deal zu gewinnen

Welcher Deal mit welchem Stack ?

Hier sind ein paar Faustregeln, mit welchem Stack du welche Deals bevorzugen solltest.

Deal als Chipleader

Bist du Chipleader bei hohen Blinds, so dass die Gegner alle unter 10 BB haben, so solltest du nur einem Deal zustimmen, der dir nahezu den 1. Platz sichert oder dem Chipcount-Deal entspricht. Denn du kannst alle Gegner durch All-in Pushes einfach unter Druck setzen. Haben die Gegner 15-20 BB, ist dies schwieriger, da du bei einem direkten All-in zuviel riskiert und aggressive Spieler restealen können. Dann hängt es also davon ab, wie passiv die Gegner sind.

Post-Deal-Methode als Chipleader

Hier solltest du versuchen, einen Chipcount-Deal zu vereinbaren. Dort besteht auch die Möglichkeit mehr zu bekommen, als dir für den 1. Platz zustehen würde, da es erstens vielleicht niemandem auffällt und zweitens die anderen Sicherheit wollen. Wenn die Gegner auf scared Money sitzen, kann so ein Deal auch noch den negativen Effekt haben, dass die Gegner besser bzw. optimaler spielen, weil sie nun mehr Geld sicher haben. Deshalb sollte der Deal für dich schon gut sein.

Deal als Middle Stack

Ob ein Deal hier gut oder schlecht ist, hängt oft von der Situation und den Spielweisen der Gegner ab. Wirst du von Big Stacks sehr unter Druck gesetzt, da du nicht vor den Shortstacks busten willst, bleibt dir oft nichts anderes als sehr tight zu spielen und dich langsam runter zu blinden. In so einer Situation solltest du einem Deal eher zustimmen. Nach Möglichkeit natürlich eher nach der ICM-Methode.

Deal als Shortstack

Als Shortstack solltest du eigentlich nie einem Chipcount-Deal zustimmen. Es sollte eine Aufteilung nach ICM-Methode oder mit Anteil für den Seat gewählt werden. Den Wert, den ein Shortstack hat, wird von vielen unterschätzt. Ein Shortstack ist nämlich meist viel leichter optimal zu spielen. Bist du z.B. der einzige Spieler unter 10 BB, kann man auch gegen den Chipleader mittelgute Hände All-in pushen, während Middlestacks durch ein Reraise des Big Stacks zum Folden gezwungen werden können. Nicht selten kannst du so einen Shortstack noch bis ins Heads-up bringen und dort dein Glück versuchen, da die meisten Spieler einfach zu unvorsichtig mit ihren Chips umgehen.

Zusammenfassung

Ob du einem Deal mit deinen Mitspielern suchen solltest, ist eine individuelle Entscheidung. Häufig ist die Frage einfach: Wie hoch sind deine Chancen, mehr zu gewinnen, wenn das Turnier ausgespielt und nicht vorzeitig beendet wird, und bist du gewillt, um solche hohe Summen zu gamblen?

Hast du dich für einen Deal entschieden, gilt als Richtlinie, dass die Standardmethode für den Chipleader zu empfehlen ist, und die ICM-Methode fur einen Middle- oder Shortstack.