Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Valuemaximierung - Profit aus starken Händen holen

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wie du deinen Gegner All-In bekommst
  • Betgrößen, Betsequenzen, Gegnertypen und Image
  • Im Regelfall einfach betten oder raisen

Viele Spieler begehen den Fehler, die Schuld in einer vermeintlich schlechten Spielweise zu suchen, wenn ihr Gegner sie nicht ausbezahlt. Dabei ist das meistens nicht der Fall, sondern einfach das Pech, dass der Gegner keine gute Hand hatte.

Auf der anderen Seite begehen manche Spieler wiederum den Fehler, dass sie, durch obigen Gedankengang beeinflusst, zu trickreich spielen, weil sie glauben, nur auf diese Weise maximalen Value erzielen zu können. Auch dem ist meistens nicht so.

Der folgende Artikel nimmt sich dieser Problematik an und versucht eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie erhalte ich am meisten Value von meinen Gegnern? Er stellt zwei verschiedene Konzepte der Valuemaximierung und die sie beeinflussenden Faktoren vor, um dir dabei zu helfen, zukünftig leichter die richtige Vorgehensweise zu finden, mit der du am meisten Gewinn aus deinen starken Händen holst.

Grundlagen: Pot Building und Slowplay

Pot Building heißt auf Deutsch soviel wie Aufbauen des Pots im Sinne von Vergrößern des Pots und stellt eine Form der Pot Control dar. Oft wird im Bezug auf Pot Control vom Kleinhalten des Pots gesprochen, doch ist hier genau das Gegenteil der Fall. Der Pot soll möglichst groß werden und zwar dann, wenn du eine starke bis sehr starke Hand hältst.

Das Prinzip Pot Building ist eine wichtige Grundlage für die Valuemaximierung, denn es gilt: Hast du eine starke Hand, willst du um einen möglichst großen Pot spielen.

Kleine Pötte für kleine Hände, große Pötte für große Hände – eine recht naheliegende Aussage. Wenn du dich also mit der Valuemaximierung beschäftigst, solltest du dieses Prinzip immer im Hinterkopf haben.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is MP3 with 3, 3
UTG calls $1,00, UTG+1 calls $1,00, UTG+2 folds, MP1 calls $1,00, MP2 folds, Hero calls $1.00, 3 folds, BB checks.

Flop: ($5,50) 9, A, 3 (5 players)
BB checks, UTG checks, UTG+1 checks, MP1 bets $3, Hero ???

Du hast hier die Möglichkeit, die Bet von MP1 nur zu callen, um weitere Calls von den anderen drei Spielern zu provozieren. Oder du kannst direkt die Bet raisen. Bei dieser Boardtextur solltest du unbedingt immer raisen.

Würdest du nur callen, bekämen die anderen Spieler schon Pot Odds von mindestens 3,8:1 und könnten relativ bequem einen Flushdraw callen. Das hieße, sie würden korrekt spielen und du würdest durch deinen Call inkorrekt spielen, da du deine Gegner zu angemessenen Pot Odds drawen lässt. Folglich musst du hier protecten, um den Gegnern schlechtere Pod Odds auf ihren Call zu geben. Aber was bedeutet eigentlich Protection?

Protection ist nichts anderes als Valuemaximierung.

Und zwar gegen Draws! Wenn du protectest, indem du den Preis, den deine Gegner für einen Draw zu zahlen haben, in die Höhe treibst, indem du ihnen die falschen Pot Odds (auch in Hinblick auf ihre implied Odds) servierst, begehen sie einen Fehler, sollten sie den Einsatz dennoch callen.

Callen die Gegner also bei zu schlechten Odds und können diesen Fehler auch nicht durch mögliche implied Odds ausgleichen, so begehen sie mit ihrem Call einen Fehler. Ihr Fehler ist damit automatisch dein Gewinn und du maximierst auf diese Weise deinen Profit gegen ihre Draws.

Protection gegen Draws ist Valuemaximierung durch Pot Building.

Hand in Hand mit Protection geht auch das Thema Pot Building. Denn wenn du dein Blatt durch einen Einsatz schützt, wird der Pot automatisch größer, so dass du auf späteren Straßen und letztendlich am River größer valuebetten kannst.

Das Gegenteil von Pot Building ist, den Pot willkürlich klein und unter Kontrolle zu halten. Das passiert meistens, wenn du keine starke Hand hast, z.B. das Toppair auf einem drawless Board am Turn.

Oft wird der Pot aber auch willentlich mit einer starken Hand klein gehalten, was Slowplay genannt wird und ebenfalls keinem anderen Zweck als der Valuemaximierung dient. Man spielt primär mit einem kleineren Erwartungswert, um später durch implied Gewinne die durchschnittliche Potgröße zu maximieren, oder anders formuliert: Man hält auf den frühen Straßen den Ball flach und die Einsätze klein, um dem Gegner die Gelegenheit zu geben, eine gute, aber unterlegene Hand zu treffen, eine gemachte Hand zu überspielen oder schlichtweg irgendwelchen Unsinn zu begehen.

Es führen also, wie so oft, mehrere Wege zum Ziel. Pot Building und Slowplay liegen völlig unterschiedlichen Prinzipien zu Grunde, haben aber beide am Ende nur ein Ziel: Valuemaximierung.

Wie setzt du deinen Gegner All-In?

Die zu Beginn gestellte Kernfrage dieses Artikels lautete: Wie bekomme ich am meisten Value von meinen Gegnern? Formen wir die Fragestellung etwas um, so gelangen wir zu folgender Problemstellung: Wie bekomme ich meinen Gegner All-In?

Wann immer du dich in einer Hand befindest, in der deine Karten das Spiel um Stacks rechtfertigen, musst du dir diese Frage stellen und, basierend auf der Antwort, eine Entscheidung treffen. Die Vorgehensweise hängt hierbei von verschiedenen Faktoren ab.

  • die Größe der beteiligten Stacks
  • die Frage, ob du Position hast oder nicht
  • die Frage, ob du die Initiative hast oder nicht
  • deine absolute Handstärke
  • die beteiligten Gegnertypen
  • das eigene Image und die Table-History
Faktor 1: Die Betgrößen

Ist es dein Ziel, einen Gegner im Verlaufe einer Hand All-In zu setzen, musst du fast zwangsläufig überlegen, wie und in welcher Höhe du deine Einsätze über die Straßen hinweg verteilst, so dass er weder seine Hand foldet, noch du dein Ziel verfehlst. Dein erster Blick sollte somit immer der Größe des gegnerischen Stacks und deines Stacks gelten und der Frage, um wie viel es eigentlich geht.

Zweitens musst du dich in der Potberechnung üben. d.h. du musst ausrechnen können, wie viel du auf einer bestimmten Straße raisen oder betten solltet, damit der Pot am River groß genug ist und der Gegner möglichst wenig Geld übrig hat, so dass er kaum noch folden kann.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Hero: $100
MP2: $100

Preflop: Hero is BU with 5, 5
MP2 raises to $3,00, 2 folds, Hero calls $3.00, 2 folds.

Flop: ($7,50) 5, 9, K (2 players)
MP2 bets $5,00, Hero ???

Das Board lädt natürlich zum Slowplay ein. Es sind kaum Draws möglich und ein Raise wird den Gegner womöglich verscheuchen. Ein einfacher Call hat den Vorteil, dass der Gegner die Chance erhält, seine Hand am Turn zu verbessern, die dennoch deinem Set unterlegen ist. Aber was bringt dir das Slowplay? Manchmal wird der Gegner am Turn seine Hand verbessern, aber was passiert dann?

Der Pot wird $17.50 groß sein und der Gegner wird noch $92 übrig haben. Wie willst du den Gegner nun noch bis zum River All-In bekommen? Oft wird er den Turn checken und seine Hand einfach aufgeben. Manchmal wird er noch einmal betten, aber gegen ein Raise folden. Ein Turnraise auf diesem Board ist meistens kein Bluff, das wird fast jeder Gegner realisieren.

In den meisten Fällen wird er also checken und du wirst betten. Angenommen, du setzt $12, was auf diesem Board angemessen ist, dann wird der Pot am River, sofern er callt, $41.50 groß sein und er wird noch $80 übrig haben. Um den Gegner nun noch All-In zu bekommen, müsstest du den Pot zweifach overbetten. Dass er diese Bet meistens nicht callen wird, ist naheliegend.

Angenommen du hättest am Turn $17 gebettet, dann wäre der Pot am River $51.50 groß und der Gegner hätte noch $75 übrig. Du müsstest den Pot immer noch overbetten. Auch eine Potsizebet am Turn, die auf diesem Board völlig unangebracht ist, bringt dich deinem Ziel also nicht näher. Ein Slowplay am Flop ist hier folglich suboptimal.

Du solltest den Flop zwecks Pot Building raisen. Dann wird er vieles folden, das stimmt, aber wenn er einen starken König oder AA hat, wirst du kein Problem haben, ihn bis zum River All-In zu bekommen, wenn er denn zum Showdown will.

Angenommen du raist den Flop angemessen auf $15, dann ist der Pot am Turn $37.50 groß und er hat noch $82 übrig. Am Turn solltest du dann $25 betten. Der Pot wird dann am River $87.50 groß sein und der Gegner wird noch $57 übrig haben. Du kannst ihn also mit einer 2/3 Potsizebet All-In setzen und dein Ziel wäre damit erreicht.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Hero: $100
SB: $30

Preflop: Hero is BU with 5, 5
3 folds, Hero raises to $3,00, SB calls $2,50, BB folds.

Flop: ($7,00) 5, K, 9 (2 players)
SB bets $5,00, Hero ???

Hier befindest du dich in einer ähnlichen Situation wie zuvor. Allerdings hat der Gegner diesmal einen kleineren Stack. Callst du nun den Flop, wird der Pot am Turn $17 groß sein und der Gegner wird noch $22 übrig haben. Du kannst $8 betten und der Pot wird am River $33 groß sein mit einem Reststack von $14. Es ist nun kein Problem mehr, den Gegner All-In zu setzen. Ein Slowplay ist in dieser Konstellation die bessere Variante, besser als ein direktes Raise am Flop.

Du siehst, welchen maßgeblichen Einfluss Stackgrößen, Potberechnung und die Betgröße auf deine Entscheidungsfindung haben. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Betsequenz.

Faktor 2: Die Betsequenz

Es gibt viele verschiedene Betsequenzen. Einige ihrer Vor- und Nachteile sollen hier erläutert werden. Wichtig ist, dass du bei deiner Entscheidung nie vergessen solltest, die Stärke deiner Hand in Relation zum Board zu erkennen.

So kann eine Freecard auf manchen Boards tödlich sein. Das Finden der optimalen Betsequenz ist sehr situationsabhängig. Im Folgenden können daher nur allgemeine Vor- und Nachteile aufgezeigt werden. Die meisten Möglichkeiten hast du dabei, wenn du out of Position ohne Initiative spielst.

DU BIST OUT OF POSITION UND HAST NICHT DIE INITIATIVE

Out of Position ohne Initiative gilt es, verschiedene Faktoren gegeneinander abzuwägen. Einer dieser Faktoren ist die Häufigkeit der gegnerischen Continuation Bet, wenn du checkst. Diese wird sehr häufig kommen, wenn du keine Stärke gezeigt hast. Du bekommst also Value von sehr viel schlechteren Händen.

Betsequenz
Vorteile
Nachteile
Gegen wen?
check/raise Flop Pot wird groß Gegner folden oft Fische mit hohem WTSD
check/call Flop
donkbet Turn
Gegner bleiben oft im Pot Pot bleibt relativ klein
Gegner erhalten quasi eine Freecard
Rocks und gute Gegner, z.B. TAGs zum Balancen der Line check/call Flop - bet/fold Turn mit schwachen Händen
check/call Flop
check/raise Turn
Pot wird sehr groß Zwei potentielle Freecards Nur gegen sehr aggressive Spieler wie z.B. Maniacs oder LAGs, die oft 2nd-barreln
bet/raise Flop Pot wird groß Kein Gewinn der Contibet
Gegner folden oft auf Reraise
Gegen sehr aggressive Gegner am Flop, vorzugsweise LAGs und Maniacs
bet/call flop
donkbet Turn
Gegner bleiben oft im Pot Kein Gewinn der Contibet Spieler mit hohem Flop-AF und der Tendenz, viele Bets zu raisen
DU BIST OUT OF POSITION UND HAST DIE INITIATIVE

In dieser Situation ist dein Kontingent an möglichen Betsequenzen sehr eingeschränkt. Hier gilt es, die Initiative in den meisten Fällen aufrecht zu erhalten. Als Preflopaggressor sollte man also auch mit einer starken Hand den Flop ganz normal contibetten. „Ganz normal“ – das ist wichtig, denn ein Check mit dem folgenden Versuch, den Gegner oder die Gegner zu raisen, wäre völlig unnormal und bringt viele Gegner nur dazu, vermehrt über dein Spiel nachzudenken.

Mit welcher anderen Hand würdest du so spielen? Einem guten Gegner wird dies sofort auffallen und ein schlechter Spieler ist in dieser Situation meist zu passiv und checkt den Flop behind, wodurch du ihm eine Freecard geben würdest. Der Pot bleibt klein und dein Gegner kann zudem noch unter Umständen kostenlos eine bessere Hand am Turn treffen. Du selbst wirst aber im Glauben sein eine sehr starke Hand zu halten und wirst daher zu oft den Gegner ausbezahlen.

Am Turn kannst du dann dein Spiel variieren. Meistens solltest du auch hier wieder betten. Gegen aggressive Gegner kann man allerdings durchaus ein Checkraise versuchen. Natürlich sollte das Board in so einem Fall kaum Drawmöglichkeiten bieten. Erstens schadet dir eine Freecard in diesem Fall und zweitens callt der Gegner viele schlechtere Hände gegen eine erneute Bet aufgrund des drawheavy Boards.

Ein Aufgeben der Initiative bietet sich des Weiteren auch nur Heads-up an. Spielst du gegen zwei Gegner am Turn mit Initiative und einer starken Hand, solltest du auf jeden Fall noch einmal betten, da die Gefahr zu hoch ist, dass durchgecheckt wird, wenn du checkst.

DU BIST IN POSITION UND HAST NICHT DIE INITIATIVE

In Position ohne Initiative gestaltet sich das Spiel mit starken Händen relativ einfach. Du musst nur folgende Regeln beachten:

  • Wenn der Gegner checkt, bettest du.
  • Wenn der Gegner bettet, raist du.

Du callst die Bet des Gegners nur, wenn ...

  • ... der Pot in Relation zu den effektiven Reststacks bereits sehr groß ist.
  • ... du durch einen Call andere Spieler hinter dir im Pot behalten und Overcalls induzieren kannst.

Im zweiten Fall ist natürlich zu beachten, dass das Board möglichst keine Draws bieten sollte, da die Spieler hinter dir andernfalls die
korrekten Pot Odds für ihren Draw erhalten könnten.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with 7, 8
MP2 raises to $3,00, 2 folds, Hero calls $3,00, SB calls $2,50, BB calls $2,00.

Flop: ($12,00) 7, 8, 8 (4 players)
SB checks, BB checks, MP2 bets $10,00, Hero ???

Diese Hand ist ideal für ein Slowplay. Das Board ist für deine Hand völlig ungefährlich, es lässt aber viele Draws zu. Durch deine passive Spielweise kannst du auch gut einen Draw repräsentieren.

Wenn
überhaupt, halten deine Gegner maximal drei Outs gegen dich und
Protection ist daher kein Thema. Durch einen Call gibst du den
Spielern hinter dir gute Odds, so dass diese vielleicht im Pot bleiben.
Ein Raise verscheucht im Gegenzug fast alle schlechteren Hände. Eine 8
oder 77 werden bis zum River sowieso All-In sein. Wichtig hierbei ist,
dass dich kaum eine Karte am Turn stört.

In fast allen anderen Fällen ist in Multiwaypötten ein Slowplay am Flop
falsch, da einer der Gegner auf den folgenden Straßen zu häufig seine
Hand verbessern wird und du den Pot noch abgeben musst.

DU BIST IN POSITION UND HAST DIE INITIATIVE

Auch in Position mit Initiative gibt es kaum Variationsmöglichkeiten. Wenn der Gegner checkt bzw. die Gegner checken, solltest du immer betten, um den Pot anzufüttern. Du solltest niemals mit einer starken Hand check behind spielen, um Bluffs zu induzieren. Ein Check ist ein Move, der den Pot klein hält, und genau das willst du mit einer starken Hand vermeiden.

Bettet der Gegner in dich hinein, solltest du in den meisten Fällen raisen. Ist der Pot allerdings schon sehr groß in Relation zu den Stacksizes und kannst du den Gegner auch ohne ein Raise am Flop problemlos bis zum River All-in setzen, bietet sich ein Slowplay an.

Ein besonderer Fall ist ein Checkraise deines Gegners. Je nach Drawmöglichkeiten ist hier meistens ein einfacher Call besser, um dann eine erneute Bet zu raisen. Hier ist es unbedingt wichtig, dass du die Boardtextur gut einschätzen kannst. Bei trockenen Boardtexturen wirst du mit einer 3-Bet am Flop oftmals den Gegner direkt verscheuchen.

Callst du hingegen nur, so wirst du meist die gegnerische Bet am Turn noch einsammeln können. Du gibst ihm daher die Chance, seine schlechteren Hände als die beste anzusehen, am Turn noch etwas Geld in den Pot zu legen und dann eventuell aufgrund der Odds ein Raise bzw. Push deinerseits noch zu callen.

Bei der Valuemaximierung ist es unbedingt erforderlich, deinen Stack nicht direkt reinzustellen, sondern immer zu versuchen, dem Gegner die Möglichkeit zu geben, mit einer möglichst weiten Handrange, welche jedoch weitestgehend deiner Hand unterlegen ist, broke zu gehen.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is MP2 with A, Q
Hero raises to $3,00, 3 folds, SB calls $2,50, BB calls $2,00.

Flop: ($9,00) A, Q, 9 (3 players)
SB checks, BB checks, Hero bets $7,00, SB raises to $24,00, BB folds, Hero calls $17.00.

Ein Call am Flop ist hier besser als ein direkter Push. Gegen einen Push könnte dein Gegner Hände wie AJ oder AK noch weglegen, womöglich sogar Q9, wenn auch unwahrscheinlich. Des Weiteren musst du auf diesem Board kaum protecten. Du machst einzig und allein einen Fehler, wenn dein Gegner JT hält. In den meisten Fällen wird er diese Hand allerdings nicht haben.

Pushst du, folden viele schlechtere Hände. Diese behältst du im Pot, wenn du stattdessen nur callst, um dann eine erneute Bet am Turn zu raisen bzw. auf einen Check hin zu betten. Weiterhin wird der Pot durch das Checkraise am Flop sehr groß, so dass du keine Probleme haben wirst, den Gegner bis zum River All-in zu setzen.

Faktor 3: Deine absolute Handstärke

Bisher hast du gesehen, dass du bei der Valuemaximierung eine sehr starke Hand benötigst, da du ja selbst mit dem Gedanken spielst, bis zum River All-In zu kommen. Nun stellt sich noch die Frage, ob es eventuell einen Unterschied in der Spielweise abhängig von der absoluten Handstärke gibt. Und an dieser Stelle gibt es ein weiteres Konzept, welches besagt:

Ein Slowplay ist mit der 3rd oder 4th Nuts meist besser als mit der absoluten Nuts.

Auf den ersten Blick scheint dies etwas widersprüchlich zu sein, da du mit der absoluten Nuts oftmals keine weiteren Karten fürchtest und daher eher nur checken kannst.
Jedoch willst du eine besondere Situation unbedingt vermeiden. Du willst nicht gegen die 2nd oder 3rd Nuts slowplayen. Hierzu ein einfaches Beispiel.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)


Preflop:
Hero is BB with QQ

2 folds
, CO raises to $3.00, BU calls, SB folds, Hero calls.


Flop:
($9.00) AQQ
Hero checks, CO checks, BU checks.


Turn:
($9.00) K
Hero checks, CO checks, BU checks.


River:
($9.00) A
Hero checks, CO checks, BU checks.

CO holds AK
BU holds KT

In dieser Situation hast du es geschafft, aus deiner Hand den geringsten Value herauszuholen. Du hattest versucht, auf jeder Straße ein Checkraise anzubringen, jedoch hat keiner deiner Gegner eine Bet abgefeuert. Der Grund, warum hier sogar der River durchgecheckt wurde, war, dass der CO selbst versucht hat, seine Hand durchweg slow zu spielen, um dem BU die Möglichkeit für eine Bet zu geben, um dann dich zu trappen und noch einmal drüberzugehen. Der BU selbst war jedoch an keiner Stelle der Hand von seiner eigenen Handstärke überzeugt und sah daher keinen Sinn mit seiner Hand zu betten.

Hätte irgendein Spieler, egal auf welcher Strasse, die Setzrunde durch eine Bet eröffnet, so wärst du mit höchster Wahrscheinlichkeit bis zum River gegen den CO All-In gekommen.

Du solltest daher immer bedenken, dass du ein Slowplay mit der absoluten Nuts bis zum River vermeiden möchtest, da du so eventuell viel Value gegen 3rd- oder 4th-Nuthände verlieren kannst, wenn diese sich ebenfalls dazu entscheiden, ihre Hand slow zu spielen.

Das obere Beispiel ist nun ein Extrembeispiel, was nur sehr selten vorkommen wird, jedoch sollte dir dadurch klar werden, inwiefern dieses Konzept zu verstehen ist.

Faktor 4: Der Gegnertyp

Ebenfalls von Bedeutung für deine Entscheidungen sind die verschiedenen Gegnertypen. Die folgenden Beispiele sollen das verdeutlichen.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with 4, 4
MP2 folds, MP3 raises to $3,00, 3 folds, Hero calls $2,00.

Flop: ($6,50) 4, 9, 8
Hero ???

Im ersten Fall ist dein Gegner ein Fisch (50/5/1/35). Hier ist ein Checkraise am Flop die beste Spielweise. Der Pot wird dadurch sehr groß und du genießt all die Vorteile eines Checkraises gegen diesen Gegner. Du hast nicht das Problem, dass dein Gegner viele Hände folden wird, da er einen sehr hohen WTSD hat.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with A, T
MP2 calls $1,00, 2 folds, Hero raises to $5,00, 2 folds, MP2 calls $4,00.

Flop: ($11,50) K, Q, J (2 players)
MP2 bets $8,00, Hero ???

Der gleiche Gegner, eine andere Hand. Auch hier solltest du direkt den Flop raisen, um den Pot möglichst groß zu machen. Mit Straights lohnt sich ein Slowplay generell kaum. Jede Zehn, jedes Ass und jede Karte, die das Board pairt, vermindert in diesem Fall die Action, die dir dein Gegner mit schlechteren Händen gibt.

Du musst nicht zwangsweise geschlagen sein, aber das Board sieht umso gefährlicher aus für deinen Gegner, wenn eine dieser Karten eintrifft. Des Weiteren wird dein Gegner hier sehr viele schlechtere Hände gegen ein Raise callen. Daher solltest du sehr geradlinig spielen und versuchen, dein Geld von Anfang an in die Mitte zu bekommen.

Das alles ändert sich, wenn du gegen verschiedene Gegner spielst. Im zweiten Fall ist der Gegner ein sehr aggressiver (aber auch sehr guter, aufmerksamer) Spieler (33/22/3/20).

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with 4, 4
MP2 folds, MP3 raises to $3,00, 3 folds, Hero calls $2,00.

Flop: ($6,50) 4, 9, 8
Hero ???

Du besitzt in dieser Situation mehrere Möglichkeiten. Du kannst z.B. den Flop donken und hoffen, dass dein Gegner raist. Das wird auch relativ häufig passieren, denn normalerweise wird er nicht glauben, dass du auf diesem Board etwas getroffen hast.

Als Alternative kannst du auch den Flop checkraisen. Du kannst ebenso check/call Flop, donk Turn oder auch check/call Flop, check/raise Turn spielen. Das alles ist möglich und womöglich auch ähnlich profitabel, wenn du denn Folgendes beachtest: Du musst die Lines mit deinen starken Händen gegen aufmerksame Gegner balancen.

Das heißt in der Praxis: Du musst solche Flops ab und zu als Bluff checkraisen oder floaten, wenn du das auch mit deinen starken Händen tun würdest. Floaten in diesem Fall heißt, den Flop zu callen und dann den Turn zu donken. Wenn du auf diesem Board nur mit Twopair oder besser checkraist, dann wird das einem aufmerksamen Spieler auffallen und du wirst logischerweise in Zukunft weniger Value aus deinen starken Händen bekommen. Gleiches gilt für jede andere Line.

Diese Gedankengänge sind natürlich nur gegen aufmerksame Gegner sinnvoll. Sind deine Gegner schlecht, sprich Fische oder auch schlechte TAGs, kannst du einfach straightforward spielen, ohne dir Sorgen machen zu müssen. Das heißt, dass du meistens einfach den Flop raisen bzw. betten solltest.

Faktor 5: Dein Image

Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor ist dein Image. Mit Image ist gemeint, was für ein Bild die anderen Spieler von dir haben. Es wird durch die History, also die „Geschichte“ am Table, gebildet. Beides sind sehr wichtige Aspekte, die oft vernachlässigt werden.

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is CO with K, K
2 folds, Hero raises to $3,00, BU folds, SB raises to $12,50, BB folds, Hero ???

In dieser Hand ist dein Gegner ein aufmerksamer TAG. Ohne weitere Informationen ist es schwierig, hier zu entscheiden, ob ein einfacher Call oder eine 4bet profitabler ist, d.h. mehr Value bringt. Nun kommen dein Image und die Table-History ins Spiel.

Du schaust dir deine Statistik für den Tisch an und siehst, dass du mit 27/20 bis jetzt für deine Verhältnisse sehr loose gespielt hast. Zudem erinnerst du dich an eine Situation, in der du in einem ähnlichen Spot gegen diesen Gegner eine 4bet mit AK angesetzt hast und der Gegner gefoldet hat. Diese Informationen sind wichtig.

Vor diesem Hintergrund solltest du auch hier 4betten. Dein Gegner wird denken, dass du schon wieder versuchst, den Pot preflop mitzunehmen und wird dadurch loose pushen oder auch nur callen. Mit Händen wie AK, AQ, TT+ könnte er hier theoretisch preflop All-In gehen. Das sind Hände, die postflop ui wahrscheinlich nicht broke gehen, wenn du das Reraise nur callst und dann den Flop raist.

Du hast ein looses Image und das solltest du ausnutzen. In nachfolgenden, ähnlichen Situationen solltest du dich allerdings etwas zurückhalten und nur noch deine starken Hände 4betten, da du eben keinen Credit für ein Monster bekommen wirst.

Hast du hingegen ein sehr tightes Image, solltest du nicht gerade in dieser Situation mit der zweitbesten Starthand 4betten, sondern einfach nur callen, um den Flop zu raisen.

Beispiele

In diesem Abschnitt wird anhand von Beispielen erläutert, wann es besser ist, den Pot zu vergrößern oder zu slowplayen.

BEISPIEL 1

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Hero: $120
MP3: $80
MP2: $180

Preflop: Hero is BU with J, T
MP2 raises to $3,00, MP3 calls $3,00, CO folds, Hero calls $3,00, 2 folds.

Flop: ($10,50) 7, 4, Q (3 players)
MP2 bets $8,00, MP3 calls $8,00, Hero ???

Du floppst den 3rd Nutflush. Die Frage ist nun, ob du raisen oder nur callen solltest. Wenn du nur callst, wird der Pot am Turn $34 groß sein. Im Vergleich zu den Stacksizes ist das relativ groß. Du könntest betten und deine Gegner bis zum River relativ einfach All-In bekommen.

Trotzdem solltest du den Flop raisen. Es gibt hier einige schlechtere Hände, die eine Bet noch callen werden. Dazu gehören das A und der K , aber auch jedes Set oder Twopair. Ein Slowplay ist an dieser Stelle unangebracht, da du Value verschenkst gegen Hände, die ein Raise callen würden. Am Flop sollte demzufolge auf ungefähr $30 erhöht werden.

BEISPIEL 2

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Hero: $100
MP3: $100

Preflop: Hero is BU with K, K
MP2 raises to $3,00, 2 folds, Hero raises to $10,00, 2 folds, MP2 calls $7,00.

Flop: ($21,50) A, K, 7 (2 players)
MP2 checks, Hero bets $15,00, MP2 raises to $30,00, Hero ???

Du floppst die 2nd Nuts in einem reraised Pot - optimal - und dein Gegner checkraist dich, woraufhin du nur callen solltest. Zwar liegt ein Flushdraw, allerdings wird er diesen in der Mehrzahl der Fälle nicht halten, sondern ein Ass, ein Ass, das er womöglich gegen einen Push noch weglegen könnte. Mit einem All-In verscheuchst du also fast alle schlechteren Hände, die du aber im Spiel hältst, wenn du am Flop nur callst, um den Turn zu raisen bzw. zu betten. Der Pot wird am Turn um die $100 groß sein und es wird leicht sein, deinen Gegner in den zwei verbleibenden Wettrunden All-In zu setzen.

BEISPIEL 3

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Hero: $100
BU: $100

Preflop: Hero is MP2 with 9, 9
Hero raises to $3,00, 2 folds, BU calls $3,00, 2 folds.

Flop: ($7,50) 9, 4, 5 (2 players)
Hero bets $5,00, BU calls $5,00.

Turn: ($17,50) K
Hero ???

Betrachten wir nun zwei Szenarien:

  • Dein Gegner ist ein LAG (30/22/3/20) und du hast bereits einige Hände gegen ihn gespielt. Am Turn hast du bis jetzt deine Hand fast immer aufgegeben, wenn du zu ihm gecheckt hast. Du solltest daher jetzt nicht aufhören, zu ihm zu checken! Du nimmst die potenzielle Freecard in Kauf. Das tust du allerdings nur, weil du weißt, dass der LAG die Scarecard oft betten wird. Du kannst dann zum Raise ansetzen. Du solltest nicht anfangen, Scarecards zu 2nd-barreln, wenn du die 2nd Nuts hältst.

  • Dein Gegner ist ein aufmerksamer TAG (22/16/3/21). In den letzten Händen hast du relativ oft den Turn erneut gebettet, da er den Flop sehr oft callt und zu floaten versucht. Auch hier solltest du dich deinem Image anpassen und nicht aufhören, zu betten. Dein Gegner wird dir eine starke Hand nicht abnehmen und das ist auch gut so. Deine vermeintliche 2nd Barrel wird ihn nicht beeindrucken.

BEISPIEL 4

0,50/1,00 No-Limit Hold'em (6 handed)

Hero: $100
MP2: $120

Preflop: Hero is SB with 8, 8
MP2 raises to $3,00, MP3 calls $3,00, 2 folds, Hero calls $2,50, BB folds.

Flop: ($10,00) K, 8, 6 (3 players)
Hero ???

Hier befindest du dich mit einer starken Hand in einem Multiwaypot. Es sind kaum gefährliche Draws möglich bis auf einen OESD mit 79. Wie bereits erwähnt, sollte man in Multiwaypötten fast immer direkt am Flop Action machen. Bei mehreren Gegnern ist die Wahrscheinlichkeit, dass du am Ende noch geschlagen wirst, eben doch höher als im Heads-up.

MP2 ist der Preflopraiser. Sehr oft wird er dieses Board contibetten und wenn nicht, dann ist das zwar schlecht, aber bei den Gemeinschaftskarten auch nicht tödlich. Sollte MP2 checken, hat zudem MP3 noch die Gelegenheit für eine Bet. Daher solltest du erst einmal checken und MP2 die Möglichkeit für eine Contibet geben und gleichzeitig MP3 die Chance, diese Contibet mit zahlreichen Händen in Position zu callen. Das wird häufig passieren. Dann bist du wieder an der Reihe und kannst raisen. Du trappst also MP3 und baust einen großen Pot auf.

Fazit

Wie hoffentlich gezeigt wurde, ist es mit starken Händen meistens besser, den Pot unmittelbar zu vergrößern, anstatt, dass man ihn künstlich durch ein Slowplay klein hält. Allerdings gibt es Ausnahmen, in denen ein Slowplay durchaus angebracht ist.

Oberstes Ziel sollte immer sein, den Gegner All-In zu bekommen. Dabei braucht man gegen schlechte Spieler nicht viel zu beachten: Bet, bet, bet und wenn der Gegner foldet, dann sei es so. Gegen aufmerksame Spieler allerdings musst du versuchen, etwas Abwechslung in dein Spiel zu bringen, damit du nicht zu einfach zu lesen bist.