Preflopplay Basic Concepts
Einleitung
In diesem Artikel
- Was du mit einer Starthand erreichen willst
- Welche Hände spielbar sind
- Wie du deine Starthände spielst
Wie beim Hold'em ist es auch beim Omaha wichtig, dass du deine Starthände sorgfältig auswählst. Du musst dir vor dem Flop überlegen, welche Möglichkeiten deine Hand bietet, was für einen Flop du treffen möchtest und ob du aggressiv spielst und raist, oder nur in den Pot limpst. Aufgrund der vier Startkarten sind diese Überlegungen natürlich ungleich komplexer, als beim Hold'em.
Im Folgenden bekommst du einen Überblick über die grundsätzlichen Konzepte für das Spiel vor dem Flop.
Ziele mit einer Starthand
Bevor du eine Starthand spielst, solltest du immer kurz im Kopf durchgehen, welches Ziel du mit dieser Starthand hast bzw. was du am Board treffen willst.
Die drei möglichen Ziele sind:
- ein großes Full House (bzw. die Vorstufe, ein Set oder Trips)
- ein Nutflush
- eine Nutstraight.
Das erste Ziel erreichst du mit hohen Karten in deiner Starthand. Solche Hände sind große Paare (z.B. KK**) oder High Connected Cards (z.B. A-K-Q-J).
Bei Paaren in deiner Starthand gilt: Während du mit hohen Paaren wie AA, KK oder QQ fast immer limpen kannst, auch wenn sie nicht besonders gut zu den Beikarten passen (das gilt vor allem, wenn du siehst, dass am Tisch preflop fast nur gelimpt und kaum geraist wird), gilt sonst: Je kleiner die Paare in deiner Starthand, desto mehr connected sollten sie mit den anderen Karten sein. Ich würde dir generell raten, Paare unter 77 nicht zu spielen, es sei denn, sie sind sehr gut und ohne Lücke connectet (z.B. 6-6-5-4, 6-5-5-4).
Das zweite Ziel erreichst du meistens mit Suited Aces (A*s**) in deiner Hand. Jedoch solltest du beachten, dass deine Beikarten möglichst gut zusammenpassen.
So kannst du z.B. mit nicht nur auf einen möglichen Flush drawen, sondern auch auf ein mögliches Set. Wenn du z.B.
hältst, kannst du neben dem Flush auch auf einige Straßen drawen. Mit A*s** solltest du also möglichst in mindestens zwei Richtungen drawen können (sprich Straße, Flush, Set bzw. Full House).
Dazu ein praktisches Beispiel, das die Equity gegen andere Hände veranschaulichen soll:
Deine Hand:
Flop:
| Hand 1 | Hand 2 | Potequity |
| AAxx | 71,26% zu 28,74% | |
| 88xx | 64,51% zu 35,49% | |
| A8xx | 60,03% zu 39,07% | |
| 86xx | 48,99% zu 51,01% |
Die Bedingung für das dritte Ziel (Nutstraight) ist, dass du möglichst mit Karten spielst, die so wenig Lücken wie möglich haben. Je näher die Karten zueinander passen, desto mehr mögliche Straßen kannst du dir basteln, und du gewährleistest auch, dass sich deine Wahrscheinlichkeit auf Redraws erhöht, solltest du gemeinsam mit einem anderen Spieler die Nutstraight bekommen (ein sehr wichtiger und oftmals unterschätzter Punkt).
Die besten Hände für dieses Ziel sind Karten in einer Reihenfolge, z.B. 8-7-6-5, auch Rundownhände genannt. Je weiter die Abstände auseinanderliegen, desto schlechter wird die Hand bzw. desto niedriger werden die Chancen auf Straßen bzw. Redraws.
Natürlich gibt es auch Kartenkombinationen, mit denen du zwei (z.B. AKsQsJ) oder gar drei Ziele verfolgen kannst (z.B. KKQJss). Diese Hände sind die besten Handkombinationen, die auch gegen ein Raise nicht gefoldet werden müssen bzw. mit welchen du selber raisen kannst.
Du kannst, wenn du möchtest, die Hände noch in sehr gute Hände (welche zwei Ziele erfüllen) und Premium Hände (welche drei Ziele erfüllen) unterteilen.
Diese Unterscheidung ist relativ marginal und viele Leute raisen oft nur ihre Premium Hände, was aber oft ein Fehler ist, denn du solltest, wenn du raist, einen Mix aus guten und Premium Händen haben, um nicht zu vorhersagbar zu werden (eine der schlimmsten Sachen in Omaha).
Bei den Premium Händen werden oft nur hohe Paare mit guten Beikarten (z.B. A-A-7-7 oder A-A-K-Q) oder hohe connectet Karten genommen (z.B. A-K-J-T, K-Q-J-T), jedoch läufst du dann Gefahr, von einem aufmerksamen Gegner durchschaut zu werden, der dich dann, wenn du raist, nur mehr auf hohe Karten setzt und dich bei niedrigen Flops oft (bluff-)reraist. Um dies zu verhindern solltest du, wenn du raist, mit einer breiteren Palette an Starthänden raisen.
Hände für eine Limp-Runde
Das sind Hände, die du spielen kannst, wenn schon ein oder mehrere Spieler in den Pot eingestiegen sind. Gegen ein Raise solltest du sie allerdings meist folden.
Solche Hände sind z.B. A-Q-T-9, K-K-8-6, , 7-7-6-6.
Gefährliche Hände
Das sind Hände, die eigentlich nur aus dem SB spielbar sind und im Zweifel auch gefoldet werden können (Du verschenkst kaum Value und du hältst dich aus unangenehmen Situationen heraus, die dich am Ende viel Geld kosten könnten).
Solche Hände sind z.B. T-T-7-4, Q-J-8-6, A-Q-8-3 (gilt auch, wenn das A mit einer Karte suited ist).
Unspielbare Hände
Das sind Hände, die aus allen Positionen absolut unspielbar sind.
Solche Hände sind z.B. Drilling Hände wie J-J-J-* , Vierlinge wie T-T-T-T, Hände, die in keiner Art und Weise zusammen passen, wie z.B. K-8-5-2, oder kleine Paare mit schlechten Beikarten, wie z.B. 8-5-2-2.
Hier ein kleiner Equity Vergleich von Trash Hands gegen zwei andere Hände:
| Hand 1 | Hand 2 | Potequity |
| AAxx | 79,47% zu 20,53% | |
| 45,47% zu 54,53% |
Raisen oder limpen?
Ein wichtige Frage im Preflopplay ist nicht nur, welche Hände du spielst, sondern auch wie du diese preflop spielst.
Da du preflop, anders als in Texas Hold'em, selbst mit den besten Händen keine allzu große Edge hast, spricht auf den ersten Blick nicht viel dafür, preflop zu raisen, da du die größte Edge definitiv erst ab dem Flop hast.
In der Tat ist es aber auch so, dass viele Gegner dazu neigen, ihre Hände nach einem Preflopraise oder nach einem gecallten Preflopraise zu overplayen, mehr als sie das in einer Limp-Runde tun würden. Allein deswegen solltest du raisen, wenn du dieses Verhalten bei einigen Gegnern beobachtest, obwohl du auf den ersten Blick preflop keine große Edge hast, aber du zwingst einige Gegner dazu, häufiger Fehler nach dem Flop zu machen, von denen du letztendlich profitierst.
Position beim Raisen
Eine ganz wichtige Komponente beim Preflopraisen ist die Position. Viele PLO-Spieler empfehlen, generell nicht aus UTG und den frühen MP Positionen zu raisen. Das Ganze wird einem verständlich, wenn man den Flop nicht perfekt getroffen hat, nach dem Flop first oder second to act ist und - wie sehr oft in Omaha - gegen zwei oder mehr Gegenspieler spielen muss.
Um das zu verdeutlichen ein kleines Beispiel.
Deine Hand:
Preflopaction: Du raist aus UTG, BU und SB callen.
Flop:
Flopaction: SB checkt, du bettest 2/3-Potsize, der BU reraist dich und der SB foldet.
Da du nur ein Overpair hast und selbst gegen einen Gegner, der nur den K getroffen hat, kein großer Favorit bist, kannst du dir vorstellen, dass das Ganze im Durchschnitt eine -EV-Situation ist.
Folgende Flopaction ist auch nicht wesentlich besser:
Flopaction: SB checkt, du bettest 2/3-Potsize, der BU callt, SB foldet.
Turn:
Turnaction: Hero?
Der Turn ist schwierig zu spielen. Einerseits könntest du hier noch vorne liegen, wenn der BU nur mit einem K gecallt hat, andererseits könnte der Gegner ein Flushdraw erhalten haben, oder er könnte jetzt Twopair haben. Wenn du zu ihm checkst, wird er mit großer Sicherheit betten; wenn du bettest, läufst du Gefahr, geraist oder wieder gecallt zu werden, was beides unangenehm ist, da dir am River kaum eine Karte hilft.
Du siehst also schon, wenn man out of Position den Flop nicht richtig trifft, kann das Ganze sehr schwierig werden.
Nun drehen wir die Sache einmal etwas von der Position her um.
Preflopaction: UTG limpt, du raist aus dem CO, und sowohl der BB als auch der UTG callen.
Flop:
Flopaction: Der BB und UTG checken zu dir.
Du hast nun eine deutlich bessere Situation. Egal ob du checkst oder bettest, du kannstdir sicher sein, dass du wesentlich weniger investieren musst, um einen Showdown zu sehen oder den Pot zu gewinnen.
Gehen wir im Beispiel einmal weiter:
Flopaction: Du bettest 2/3 potsize und der BB callt dich.
Turn:
Turnaction: Der BB checkt zu dir, Hero?
Du kannst jetzt frei wählen, ob du die Freecard nimmst und den Pot klein hältst, oder ob du versuchst, den Pot mit einer Bet hier zu gewinnen, je nachdem welche Art von Gegner du hast.
Wann ist es sinnvoll, preflop (mit Aces) zu reraisen?
Generell sagt man, wenn man mehr als 1/3 seines gesamten Stacks preflop committen kann, ist ein Reraise mit Aces oder in manchen Fällen mit Kings sinnvoll. Du musst dir natürlich immer der Tatsache bewusst sein, dass dich die Gegner auf eine der beiden Hände readen, d.h. der Flop muss für dich passen! Willst du ein taktisches Reraise mit Low Connected Cards machen, um den Gegner am Flop zu trappen, so solltest du relativ sicher sein, dass er meistens preflop nicht All-In geht, ansonsten ist es besser, wenn du nur callst.
Wie verhalte ich mich gegen ein Preflopreraise?
Wir unterscheiden hier zwei Szenarien:
Hier kannst du dir relativ sicher sein, dass beide Aggressoren relativ viele Highcards in ihren Händen halten. Die Chance, dass ein Low Flop kommt, steigt also. Ideale Call Hände mit großen Implied Odds sind hier sicherlich Low Connected Cards (z.B. 9-8-7-6, möglichst double-suited). Aber auch Kombinationen wie z.B. 9-9-8-7 oder 9-9-8-8 sind durchaus einen Call wert.
Deine Callingrange in solchen Situation richtet sich natürlich nach den Kartenkombinationen, die du bei deinem Gegner vermutest und nach den Postflopskills deiner Gegner; je besser deine Gegner, desto besser sollten klarerweise deine Call Hände sein.
Diese Richtlinie bezieht sich in erster Linie auf ein Potsizereraise. Wenn der Gegner aber deutlich weniger reraist, und du bessere Odds bekommst, kannst du natürlich um einiges looser callen.
In diesem Szenario hast du, wenn du dich an die Raising Kriterien hältst, normalerweise wenig Probleme, das gegnerische Reraise zu callen, da du mit den Implied Odds eigentlich fast immer einen gerechtfertigten Call hast.
Allerdings solltest du vermeiden, dass du mit Händen wie A*** oder K*** callst, da diese leicht von AA** bzw. KK** dominiert sein können. Du solltest immer in der Lage sein abzuschätzen, mit welchen Händen der Gegner reraisen könnte, im Normalfall sind das die zwei oben beschriebenen.
Im Regelfall wird das Reraise Potsize sein, und du kannst normalerweise mit den meisten Händen callen, sofern du mit einer guten Hand geraist hast. Fällt das Reraise aber wesentlich geringer aus und bekommst du sehr gute Odds, so wirst du wahrscheinlich mit fast allen Händen callen können.
Handquiz
Alle Spieler besitzen einen 100 BB Stack.
Deine Hand:
Preflop: MP3 limpt, Hero (CO) raist Potsize, BU callt, BB reraist Potsize, MP3 foldet. Hero?
Deine Hand:
Preflop: UTG limpt, MP1 raist Potsize, Hero callt, SB reraist Potsize, UTG foldet, MP1 callt. Hero?
Deine Hand:
Preflop: Hero raist Potsize aus MP3, CO callt, Button reraist Potsize. Hero?
Deine Hand:
Preflop: Hero raist Potsize vom Button, BB reraist Potsize. Hero?
Deine Hand:
Preflop: MP3 raist Potsize, Hero callt, SB reraist Potsize, MP3 callt. Hero?
Auflösung
Fold und das relativ klar. Du bist hier von normalerweise einer, wenn nicht sogar von zwei Händen dominiert, wie z.B KK**, QQ**, JJ** oder TT**. Dazu kommt, dass der Spieler hinter dir noch All-In pushen könnte und du dich dann mit einer oft dominierten Hand committest.
Call. Du hast eine Hand, die gut connectet ist und die möglicherweise gegen zwei Highcard-Hände antritt, somit auf jeden Fall eine recht gute Preflopequity hätte. Dazu kommt, dass du die Gegner normalerweise auf gewisse Hände setzen kannst, während man bei dir vielleicht keine so "kleine" Hand vermutet.
Fold. Diese Hand ist prinzipiell keine so schlechte Raising Hand, allerdings gegen zwei Spieler nicht besonders gut zu spielen. Ein Ace-High-Flop könnte dir einige Problem bringen, wenn deine Gegner Hände wie A*** mit hohen Beikarten spielen. Dazu kommt noch, dass hinter dir ein Gegner All-In gehen könnte, unddeine Preflopequity mit dieser Hand nicht besonders gut gegen zwei Gegner ist.
Call. Deine Hand ist double-suited und kann einem Reraise selbst von AA** standhalten. Gegen aggressive Preflopraiser kann man hier sogar ein All-In in Erwägung ziehen (wobei die Frage ist, ob die Edge am Flop nicht noch größer ist).
Fold. An sich sind connected Hands sehr schöne Hände, allerdings ist diese Hand schon sehr marginal und gegen zwei Gegner schwierig zu spielen, denn außer mit einer gefloppten Straight oder einem Monsterdraw, kann dir diese Hand in einige Probleme bringen.