Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Flopplay - Aggressives Spiel

Einleitung

In diesem Artikel

  • Der Sinn aggressiven Spiels
  • Wie du dich bei Gegenwehr verhältst

Im ersten Artikel über das Flopplay hast du etwas über die Grundsätze gelernt. Du hast gesehen, dass es wichtig ist, das Board zu analysieren und dir klar zu werden, wo du mit deiner Hand stehst und was du damit erreichen willst. Nun ist es Zeit für ein paar Beispiele,  wann du dich für eine aggressive Spielweise entscheiden solltest und wie du diese am besten umsetzt.

Die Gründe für aggressives Spiel

Das aggressive Spiel wird grundsätzlich in die folgenden vier Punkte unterteilt:

  • Value
  • Protection
  • Bluff
  • Semibluff

Dementsprechend ist klar, dass deine Flopaction aggressiv sein muss, du musst also entweder betten oder raisen.

Bei den folgenden Beispielen ist es deswegen wichtig zu überlegen, wo du mit deiner Hand stehst, warum du aggressiv spielen solltest bzw. musst, wie du das umsetzt und wie deine Aktionen aussehen sollten, wenn dir dein Gegner mit Widerstand begegnet.

Value

Beispiel 1

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ SnG, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
Hero (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000) (looser Spieler)
Button (t2000)
SB (t2000) (durchschnittlicher Spieler)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP1 with Q , Q
3 fold, Hero raises to 160, 2 folds, CO calls 160, 1 fold, SB calls 140, 1 fold

Flop: (520) 4, 4, J (3 players) SB checks, Hero bets 280, ...

Wo stehst du?

Du hast aus mittlerer Position geraist und zwei Coldcaller bekommen. Der Flop gefällt dir durchaus recht gut, du liegst hier in den meisten Fällen vorne. Dass deine Gegner hier eine 4 halten ist recht unwahrscheinlich, maximal dem loosen Cutoff dürftest du solch eine Hand zutrauen. Seine Range wird aber grundsätzlich so groß sein, dass du gegen ihn keinen Fold finden kannst. Da das Board paired und rainbow (drei verschiedene Farben) ist, brauchst du auch nicht zu protecten.

Warum bettest du?

Die Bet hat in diesem Fall einzig und alleine Sinn, den Value zu maximieren. Du hast eine starke Hand, dafür möchtest du ausbezahlt werden.

Was geschieht bei Gegenwehr?

Es gibt hier eigentlich keinen Grund, sich bei Gegenwehr zu viele Gedanken zu machen. Sollte einer der beiden raisen, so hättest du kein Problem damit, am Flop dein ganzes Geld reinzubringen. Die Line bet/3-bet wäre also durchaus möglich. Sollte der Cutoff raisen, so kannst du in der Tat 3-betten. Der Spieler scheint nicht sehr solide zu sein und wird häufig sein Geld mit einer schwächeren Hand reinstellen, Jx dürfte ihm da wohl immer ausreichen. Zudem bist du gegen ihn out of Position, müsstest also den Turn checken und versuchen zu check/raisen.

Sollte jedoch der relativ tighte Small Blind checkraisen, so hast du die Möglichkeit, diesen Gegner weiter bluffen zu lassen. In Position könntest du am Flop nur einen Call finden und am Turn All-in raisen bzw. selber betten.

Fazit

Du liegst hier nahezu immer vorne und möchtest, wenn möglich, all dein Geld investieren. Da du im Sandwich spielst und somit zwei Gegner vorfindest, solltest du gleich aggressiv spielen und betten, immerhin bist du der Preflopaggressor. Bei Gegenwehr stellt sich nicht die Frage ob du broke gehst, sondern wie.

Beispiel 2

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ SnG, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000) (Calling Station)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
Hero (t2000)
CO (t2000)
Button (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP3 with A , Q
1 fold, UTG+1 calls 40, 3 folds, Hero raises to 200, 4 folds, UTG+1 calls 160

Flop: (460) A, 7, 2 (2 players) UTG checks, Hero bets 280, ...

Schauen wir uns nun ein Beispiel an, in dem du aus MP3 mit AQo geraist hast und eine loose Callingstation aus früher Position limp/call gespielt hat.

Wo stehst du?

Du liegst auch hier meistens vorne. Die Callingstation kann aus früher Position eine Menge Mist limp/callen. Kleine Pocketpairs sowie schlechtere Babyaces sind mit am wahrscheinlichsten.

Warum bettest du?

Einzig und alleine um Value zu extrahieren. Protection ist auf diesem Board nicht nötig, jedoch wird Villain kaum irgendwas selber betten. Er liebt es runter zu callen und genau diese Möglichkeit solltest du ihm bieten.

Was geschieht bei Gegenwehr?

An dieser Stelle musst du aufpassen. Wirst du auf diesem sehr trockenen Board von einem solch passiven Spieler geraist, klingeln die Alarmglocken. Eine 3-Bet macht nun am Flop gar keinen Sinn! Hält dein Gegner eine schwächere Hand oder tatsächlich einen Bluff (den du ihm eigentlich recht selten zutraust), so kann er noch folden, jede stärkere Hand wird natürlich pushen. Wenn du tatsächlich 3-betten würdest, müsstest du diesen Push auch callen.

Du hast zwei Optionen: Entweder du gibst ihm Credit und erkennst an, dass AK/77/22/A7/A2 durchaus in seiner Range liegen kann und findest einen Fold. Das wäre jedoch eine sehr vorsichtige Line. Ebenso möglich ist ein Call, denn du hast hier wieder den großen Vorteil in Position agieren zu dürfen.

Am Turn könntest du dann neu entscheiden, ob du ihm bei einer 2nd-Barrel seinerseits die stärkere Hand glaubst.

Fazit

Hältst du eine solche Hand auf einem trockenen Board, so musst du gegen einen solch passiven Gegner einfach durchbetten. Sollte er Gegenwehr zeigen, musst du dir klar darüber werden, dass Villain wohl irgendwas getroffen hat. In diesem Fall musst du sicherlich nicht broke gehen, eine 3-Bet würde hier recht wenig Sinn ergeben. Während du in diesem Fall in Position einen Call finden solltest, wird die Alternative Fold gerade out of Position durchaus eine Option.

Protection

Beispiel 3

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ SnG, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
Hero (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000) (tighter Spieler)
Button (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP1 with A , K
Hero raises to 160, 1 fold, CO calls 160, 3 folds

Flop: (380) K, 7, 6 (2 players) Hero bets 240, ...

Du raist aus MP1 mit AKo und bekommst einen Coldcaller. Du befindest dich am Flop also im Heads-up out of Position gegen einen recht tighten Gegner, der preflop wohl nicht sonderlich viele Hände coldcallt.

Wo stehst du?

Du hast mit deiner Hand gut getroffen. Toppair / Topkicker ist gerade Heads-up eine recht starke Hand. Allerdings ist klar, dass die Range von Villain recht polarisiert ist. Das heißt, du kannst die Hände, die er preflop callt, ungefähr abschätzen. Meist werden das kleine Pocketpairs sein, die ihm zu schlecht zum 3-Betten, aber zu gut zum Folden sind. Oder aber potentiell dominierte Hände, wie möglicherweise AQ, AJ oder KQ. Recht selten hält er hier suited Connectors, dennoch kannst du Hände wie 45s+ nicht völlig ausschließen.

Warum bettest du?

Du bettest hier, um vor den eventuellen suited Connectors zu protecten. Kleine Pocketpairs wirst du damit meistens zum Folden bekommen, aber auch das ist ein akzeptables Ergebnis. Eine Hand wie KQ wird dich möglicherweise auszahlen.

Was geschieht bei Gegenwehr?

Bei Gegenwehr musst du auch bei diesem Gegner erstmal vorsichtig sein. Er ist nicht der aggressivste, dennoch wird er in der Lage sein mit Händen wie suited Connectors oder sogar schwächeren Kx Hände zu raisen, auch einen Bluff kann man solch einem Spieler hier und da mal zutrauen.

Dein Problem liegt darin, dass du nun out of Position agierst und somit im Falle eines Calls den Turn checken würdest. Das bedeutet, du verteilst quasi zwei Freecards. Da dies nicht ideal ist, solltest du hier die Varianten fold oder 3-bet in Betracht ziehen. Klar ist auch hier, wenn du 3-bettest, musst du natürlich einen Push callen.

Schaust du dir die oben genannte Range an, so liegst du nur gegen 66 und 77 zurück. Raisen wird der Gegner mit einer breiteren Range. Du machst hier mit der Line bet/3-bet/broke keinen sonderlich großen Fehler.

Fazit

Auf diesem Board muss protected werden. Dein Gegner ist recht aggressiv, out of Position hast du dort nicht sonderlich viele Möglichkeiten. Bevor du bettest, solltest du dir am besten im Klaren darüber sein, wie du auf ein Raise reagierst. Ist dir der Gegner als sehr tight aufgefallen, so ist ein Fold ab und an vertretbar. Deine Line sollte dann bet/fold lauten, am Flop sowie am Turn.

Gibst du ihm aber nicht genügend Credit, so reicht diese Hand aus, um deinen ganzen Stack zu investieren. Da ein Call out of Position nicht in Betracht kommt, ist die Line bet/3-bet hier durchaus angebracht.

Beispiel 4

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
Hero (t2000)
CO (t2000)
Button (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP3 with K , K
1 fold, UTG+1 calls 40, 3 folds, Hero raises to 200, BU calls 200, 3 folds, UTG+1 calls 160

Flop: (660) 5, 6, 3 (3 players) UTG checks, Hero bets 400, ...

In diesem Beispiel hältst du Kings und raist aus middle Position. Der loose UTG+1 ist wieder mit in der Hand, aber auch der recht tighte Button findet diesmal einen Call. Du befindest dich am Flop also in einem 3-handed Pot im Sandwich.

Wo stehst du?

Alleine der Fakt, dass ihr 3-handed seid, lässt dein Overpair etwas an Wert verlieren. Du kannst hier gegen drawing Hands und kleinere Overpairs vorne liegen, aber gerade die Range des Button beinhaltet recht häufig Hände wie 33/55/66.

Warum bettest du?

Natürlich musst du hier protecten, du willst am Turn weder eine -Karte noch eine 4, eine 2 oder eine 7 sehen. Letztlich ist es aber so, dass du auch bettest, um zu sehen wo du stehst.

Was geschieht bei Gegenwehr?

Wirst du geraist, so wird die Geschichte langsam eng. Es besteht durchaus die Gefahr, dass du die schlechtere Hand hast, aber da der Pot bereits so groß ist und dein Gegner hier einige Draws, einige Pairs mit Draws und einige Overpairs halten kann, die aber schlechter als dein KK sind, musst du hier wohl oder übel broke gehen.

Fazit

Du musst hier broke gehen, da der Pot bereits so riesig ist. Ein Fold kommt nur in Betracht, wenn du Reads auf deine Gegner hast. Du solltest dir hier also sicher sein, dass dein Gegner nur Sets und absolute Monsterdraws reraist, wenn du folden möchtest.

Beispiel 5

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ SnG, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
Button (t2000)
SB (t2000) (looser aggresiver Spieler)
Hero (t2000)

Preflop: Hero is BB with Q , Q
8 folds, SB raises to 120, Hero raises to 360, SB calls 240

Flop: (720) 2, 5, 8 (2 players) SB checks, Hero bets 450, ...

Nun hast du einen 3-bettet Pot, in dem natürlich die gleichen Regeln gelten.

Grundsätzlich gibt es jedoch ein paar kleine Unterschiede in 3-bettet Pots:

  • Die Potgröße am Flop ist höher
  • Die Range des Gegners ist eingeschränkter
  • Drawing Hands sind unwahrscheinlicher
  • Der Weg zum All-in ist kürzer

Im Klartext heißt das, dass du auf einem 2-suited Board nicht zwanghaft von einem Draw bei deinem Gegner ausgehen musst, da viele spekulative Hände wie suited Connectors oder suited Aces seltener in 3-bettet Pots zu finden sind.

In diesem Fall jedoch triffst du ein 1-suited Board, somit ist natürlich die Gefahr eines Onecard-Flushdraws sehr groß.

Wo stehst du?

Es gibt keinen Grund dich auf diesem Board hinten zu sehen. Wie bereits beschrieben ist ein made Flush bei Villain recht unwahrscheinlich, einzig A K oder A Q würden Sinn ergeben. Hände wie Aces oder Kings hätte ein solch aggressiver Spieler preflop wohl meistens ge-4-bettet oder gepusht.

Warum bettest du?

Neben der Annahme dass du häufig vorne liegst, musst du hier natürlich hart protecten. Welche Hände sind da gefährlich für dich? Beispielsweise A Kx / AX K oder J Jx / T Tx. Du kannst auch davon ausgehen, dass diese Hände selten am Flop folden werden und du somit meistens ausbezahlt wirst.

Was geschieht bei Gegenwehr?

Kannst du dir vorstellen diese Hand aufzugeben? Es gibt zu viele Hände, die du noch schlägst. Ein fold wäre hier zu weak. Das Ziel muss es sein, möglichst am Flop All-in zu kommen. Die Line sollte bet/(call)push lauten.

Fazit

Auch in 3-bettet Pots muss protectet werden, allerdings gilt es hier wiederum genauer auf den Gegner zu achten. In 3-bettet Pots kannst du häufiger die Range deines Gegners einschränken und viele Draws somit ausschließen. Dennoch sind auch auf 2-suited Boards Draws möglich und gänzlich ausschließen solltest du sie nicht. Auf einem Board wie oben jedoch muss hart protectet werden, zudem ist ein Fold zu weak, da du einfach zu häufig die beste Hand hältst.

Bluffs

Bluffs am Flop müssen am ehesten nach der Preflopaggression unterteilt werden. Solltest du selbst der Preflopaggressor sein, so ist die Continuationbet ein geeignetes Mittel den Pot sofort mitzunehmen. Zum Thema Continuationbets gibt es aber einen eigenständigen Artikel, so dass du hier nur Beispiele findest, in denen du preflop passiv gespielt hast.

Beispiel 6

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ SnG, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
Hero (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is BU with 2 , 2
UTG raises to 120, 5 folds, CO calls 120, Hero calls 120, 2 folds

Flop: (420) Q, T, 6 (3 players) UTG checks, CO checks, Hero checks

Preflop hast du in Position auf Setvalue gecallt, nachdem bereits der CO einen Coldcall vollzogen hatte. Den Flop verfehlst du komplett, jedoch checken beide Gegner zu dir und du bekommst die Möglichkeit einer Positionbet. Deine Chips sind aber zu wertvoll, um sie hier zu verlieren. Du bleibst bei deinem Plan und spielst die Hand nur auf Setvalue. Deshalb ist deine Line von hier ab Check/Fold.

Somit kann man sagen, dass für einen pure Bluff in einem SNG von deinem Stack her eigentlich kein Spielraum ist. Ausnahmen können absolute Dryboards im unraised Pot gegen die Blinds sein, denn da ist es sowohl billiger als auch wahrscheinlicher, einen Pot mitzunehmen. Leider ist der gewonnene Pot so klein, dass man dadurch keinen wirklichen Mehrwert hat.

Bluffs sind in einem SNG an dieser Stelle nicht nötig. Wenn die Blinds hochgehen, stealen wir dafür mit unserem tighten und straigthen Image. Diese haben somit einen deutlich besseren $EV.

Semi-Bluffs

Die Idee des Semi-Bluffs hängt eng mit der Theorie des pure Bluffs zusammen. Der Unterschied: Auch wenn dir ein Fold deines Gegners gelegen kommen würde, da du aktuell kein Showdownvalue besitzt, ist ein Call keine Katastrophe für dich, da du deine Hand auf den späteren Streets noch verbessern kannst.

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ SnG, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
Hero (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is BU with 4 , 5
UTG raises to 80
, 5 folds, CO calls 80, Hero calls 80, 2 folds

Flop:
(300) 7, 6, J (3 players)
UTG bets to 200
, CO folds, Hero raises to 720

Wo stehst du?

Mit 5 high am Flop hast du momentan sicher nicht die beste Hand. Jedoch hast du diesmal einen starken Draw aufgegriffen. Neben dem Flushdraw hast du sogar einen Open Ended Straight Draw getroffen. Du hältst hier einen der stärksten möglichen Draws mit 15 recht sauberen Outs.

Warum bettest du?

Einerseits hast du kein Problem damit, wenn dein Gegner foldet und du mit 5high den Pot gewinnst. Andererseits wäre auch ein call des Gegners in diesem Fall nicht schlimm für dich, da du auf eines deiner 15 Outs am Turn hoffen kannst.

Was geschieht bei Gegenwehr?

Dies ist natürlich immer abhängig von der Stärke deines Draws. Hier hast du einen sehr starken Draw, den du am Flop nicht aufgeben darfst. Ab einem 12-Outer aufwärts wird es profitabel für dich, am Flop All-in zu gehen. Ein Push gleicht durch die erzeugte Foldequity und das Deadmoney im Pot den leichten mathematischen Rückstand deines 12 Outers aus.

Das wird hier jedoch nicht möglich sein, sollte unser Gegner 3-betten oder pushen wird er sich nicht mehr von der Hand lösen. Klar ist aber, dass du hier häufig eine Situation vorfindest, wo du mindestens 50% Equity besitzt. Oftmals bist du sogar Favorit. Sollte dein Gegner also pushen, bekommst du so phantastische Odds, dass du nicht mehr folden kannst!

Fazit:

Mit einem sehr starken Draw ist es sehr wichtig, am Flop mit einem Semibluff aggressiv zu spielen. Du kannst den Pot sofort gewinnen und brauchst nicht auf eines deiner Outs zu hoffen. In diesem Beispiel hättest du nämlich ein Problem, solltest du den Flop nur callen in der Hoffnung am Turn zu hitten. Triffst du nämlich nicht, würdest du bei einer großen Bet am Turn Probleme bekommen. Mit einem 15-Outer und angenommenen implied Odds könntest du am Turn eventuell noch mal einen Call finden, müsstest aber den River unimproved aufgeben.

Solltest du aber einen schwächeren Draw haben, so musst du häufig schon am Turn aufgeben. Das liegt ganz einfach daran, dass im Gegensatz zum Flop nur noch eine Karte aussteht und deine Equity schlagartig sinkt.

Du bist mit einem sehr starken Draw am Flop häufig sogar Favorit, deswegen solltest du auch dort versuchen, dein Geld in die Mitte zu bewegen. Ganz hart gesagt: Deinen Raise am Flop kann man hier unter Umständen sogar als Value-Raise bezeichnen. Ein weiteres Beispiel verdeutlicht dies.

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ SnG, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
Hero (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is BU with A , K
UTG raises to 80
, 1 fold, CO calls 80, Hero raises to 320, 3 folds, CO calls 240

Flop: (760) 4, 5, T (2 players)
CO bets to 380
, Hero raises All-in

Diesmal befinden wir uns wieder in einem 3-bettet Pot. Du hast den aggressiven UTG-Raise ge-3-bettet, der daraufhin aufgegeben hat. Der loose Cutoff hat jedoch zweimal gecallt und steht nun gegen dich im Heads-Up Out of Position am Flop.

Wo stehst du?

Seine Range ist sicherlich recht groß und seine Donk zeigt keine große Stärke. Jedoch kann das häufig eine weak Made Hand sein, die eventuell sogar (seiner Ansicht nach) Showdown-Value hat. Dein Problem: Mit A-high schlägst du am Flop nicht viele Hände.

Warum raist du?

Zum einen hast du gegen weak Made Hands einiges an Foldequity zu erwarten. Wenn du hier eine bessere Hand zum folden bekommst, ist das natürlich ein Erfolg. Jedoch ist auch hier wieder die Frage, ob du Equity-technisch tatsächlich hinten liegst?

Selbst gegen made Hands wie Tx oder JJ/QQ hast du meist 15 saubere Outs. 9 Outs für deinen Flushdraw und 6 Outs auf deine Overcards. Zudem ist auch durchaus möglich, dass Villain selber einen Draw hält oder eine Hand wie beispielsweise AQ overplayed. Gegen diese Hände liegst du sogar aktuell schon vorne.

Deswegen solltest du hier raisen (in diesem Fall pushen) und Villain vor eine schwere Entscheidung stellen!

Was geschieht bei Gegenwehr?

Mehr als callen kann Villain nicht mehr.

Fazit:

Auch in 3-bettet Pots sind Semi-Bluffs möglich. Rät man von pure Bluffs ab, so haben Semi-Bluffs den Riesenvorteil, dass man neben der Foldequity natürlich noch einige Outs hinter sich weiß und häufig sogar als Favorit sein Geld in die Mitte bewegt, obwohl man aktuell am Flop kein Showdown-Value vorweisen kann.

Zusammenfassung

Wir haben uns mit einigen aggressiven Zügen am Flop beschäftigt und gesehen, welche verschiedenen Hintergründe sie haben.

Willst du Value extrahieren? Musst du protecten? Hast du ausreichend Foldequity und kannst bluffen? Erzeugst du Foldequity mit Hilfe eines Semi-Bluffs oder bist du mit starken Draws sogar Favorit?

Wichtig ist immer zu wissen, wie man sich bei Gegenwehr verhält. Der angesprochene „Plan“ muss stehen. Es wird nicht immer der perfekte Plan sein, es ist schon gut, wenn man zumindest einen hat. Solltest du dir dabei unsicher sein, so helfen dir die Handbewertungsforen weiter.

Sofern du dort deinen Plan für die Hand vorstellst, kann auch aktiv darüber diskutiert werden. Schlecht ist es immer, wenn du auf einmal einen gewagten check/raise am Flop auspackst und letztlich gar nicht weißt, warum und wie du auf einen push / eine 3-bet reagieren sollst.

Natürlich muss am Flop nicht immer aggressiv gespielt werden, wie wir den Flop auch passiv spielen können wird dir in dem Artikel „Flop – Passives Spiel“ vermittelt.