Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Turnplay - Beispiele

Einleitung

In diesem Artikel

  • Deine Optionen am Turn
  • Wie das Turnplay die Entscheidungen am River beeinflusst

Im Grundlagenartikel über das Turnplay hast du erfahren, wann es gut ist, aggressiv zu spielen und wann vielleicht eine passivere Spielweise angesagt ist. In diesem Artikel werden die besprochenen Punkte anhand einiger Beispiele noch einmal veranschaulicht.

Des weiteren soll es darum gehen, ob du deinen eventuell am Flop aufgestellten Plan auch so weiter durchziehen kannst und in welche Situationen am River du dich durch dein Turnplay hineinmanövrieren kannst. Die Beispiele sind zum größten Teil schon aus den Artikeln zum Flopplay bekannt.

Beispiel 1

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
Hero (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000) Fish
BU (t2000)
SB (t2000) tighter Spieler
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP2 with Q , Q
Hero raises to 120, 1 fold, CO calls 120, 1 fold, SB calls 100 1 fold

Flop: (400) 4, 4, J (3 players)
SB checks, Hero bets 250, 1 fold, SB calls 250

Turn: (900) 5 (2 players)
SB checks, Hero...

WO STEHST DU AM TURN?

Am Flop warst du dir sicher die beste Hand zu halten und hast gebettet, um Value zu extrahieren. Nur der tighte Spieler im SB ist in der Hand geblieben, das ändert aber nichts daran, dass du hier nahezu immer vorne liegst und eine Aufgabe der Hand kaum in Frage kommt.

DIE OPTIONEN

Da du die Hand nicht aufgeben möchtest, kommt bet/fold Turn natürlich nicht in Betracht. Somit stehen dir zwei Optionen zur Verfügung:

  • Bet/call

    Du bettest, um Value zu extrahieren und bist bei einem Checkraise deines Gegners bereit, All-in zu gehen.

  • Checkbehind Turn

    Du checkst am Turn behind. Du hältst damit den Pot klein und könntest so versuchen, deinen Gegner am River zu einer Bluffbet zu verleiten.

Möglich ist hier beides, der Gegner scheint schon aggressiv spielen zu können, ist aber keine Callingstation. Welche Hand soll er hier am Turn noch mal callen? Traust du deinem Gegner zu hier mit Jx runterzucallen, so solltest du natürlich betten.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Das Riverplay ist am Turn im Grunde schon festgelegt. Wenn du behind checkst und somit einen Bluff induzieren willst, so musst du am River eine Bet mindestens callen. Alternativ könnte man über einen Valueraise nachdenken.

Solltest du selbst betten, so wirst du wohl meistens den Pot direkt gewinnen (Villain foldet), All-in gehen (Villain spielt checkraise Turn) oder einen free Showdown am River bekommen (dieser Villain wird selten zweimal check/call spielen und den River donken).

FAZIT

Du hast in diesem Beispiel am Turn zum einen den Vorteil der Position sowie den Vorteil eines dry Boards. Du musst nicht protecten, sondern kannst dir überlegen, ob du eher auf Potcontrol spielst und deinen Gegner zu einem Bluff verleiten willst oder ob du mit deiner Hand aufs Ganze gehst. Auch die Aussichten am River sind schön für dich. Du kannst dich dort meistens entscheiden, ob du einfach den Showdown sehen willst oder ob du eine weitere Valuebet anbringen willst.

Beispiel 2

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000) extreme loose preflop, und passiv postflop
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
Hero (t2000)
CO (t2000)
BU (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP3 with A , Q
1 fold, UTG+1 calls 40, 3 folds, Hero raises to 160, 4 folds, UTG+1 calls 120

Flop: (380) A, 7, 2 (2 players)
UTG checks, Hero bets 200, UTG calls 200

Turn: (780) 7 (2 players)
UTG bets 400, Hero...

WO STEHST DU AM TURN?

Diese Frage ist nun nicht mehr so leicht zu beantworten. Du hast deinen Gegner als recht loose und passiv ausgemacht, das macht es nicht einfacher diese Donkbet am Turn zu deuten. Eine 7 ist solch einem Gegner, der 40% seiner Hände spielt, durchaus zuzutrauen. Und natürlich kennst du die Probleme der Domination mit AQ, denn AK ist immer denkbar bei solchen Gegnern.

DIE OPTIONEN

Theoretisch hast du drei Optionen. Jedoch kommt ein Fold nicht in Frage. Auch wenn dir die Donkbet vielleicht nicht in den Kram passt, so serviert dir Villain doch hervorragende Odds. So leicht kannst du dich nicht aus dem Pot drängen lassen.

Ein Call ist hier eine sehr interessante Alternative, du betreibst Potcontrol auf einem dry Board. Solltest du raisen, so vertreibst du womöglich viele schwächere Hände und würdest dich gegen eine gute Range isolieren. Denn viel mehr Hände als Bluffs oder strong made Hands wird Villain wohl kaum so spielen.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Gerade bei einem Raise musst du davon ausgehen, deinen ganzen Stack zu riskieren. Raist du am Turn, so musst du auch konsequenterweise All-in gehen. Sollte Villain dein Raise nur callen und den River pushen, bekommst du zu gute Odds um noch zu folden.

Callst du jedoch nur, so kannst du am River erneut überlegen, ob dein Prinzip des way ahead / way behind noch Sinn macht. Dies wird von der Riverkarte sowie von der möglichen Betsize deines Gegners abhängen.

FAZIT

Die ideale Line ist in dieser Situation der Call. Du musst nicht protecten und kannst den Pot klein halten. Das ist wichtig, da du dir gegen diesen Gegner nicht sicher sein kannst, wo du stehst. Eine nicht allzu große Riverbet würdest du normalerweise wohl auch noch callen.

Beispiel 3

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
Hero (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000) sieht sehr gerne flops, spielt dann aber tight
BU (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP2 with A , K
Hero raises to 120, 1 fold, CO calls 120, 3 folds

Flop: (300) K, 7, 6 (2 players)
Hero bets 180, CO calls 180

Turn: (660) 5 (2 players)
Hero...

WO STEHST DU AM TURN?

Nach dem dein postflop recht tighter Gegner am Flop deine Continuationbet nur gecallt hat, kannst du nicht ganz klar einschätzen wo du stehst. Dein Gegner kann auf einer schwächeren made Hand sitzen (KQ-), auf einem Draw (Flushdraw, 45, 89) oder einem sehr unwahrscheinlichen Bluff.

Die Turnkarte komplettiert nur einen 98-Straightdraw.

DIE OPTIONEN

Bet/fold ist in diesem Fall meistens eine gute Line. Du protectest gegen einen möglichen Flush- oder Straightdraw. Sollte dein Gegner hier raisen, so sollte man sich womöglich von der Hand trennen. Out of Position bleibt dir ohnehin nur die Möglichkeit eines Pushes. Ob du gegen diesen Gegner häufig genug vorne liegst, ist die große Frage.

Solltest du checken, hast du natürlich nach einer Bet Villains wieder drei Optionen. Ein Checkraise wäre jedoch übertrieben, du hast bislang keine Anzeichen dafür, dass Villain ein aggressiver Bluffer ist. Mit check/call erreichst du nichts, außer dass du eine Freecard verteilst, nicht weißt wo du stehst und ein guter Plan für den River heiß begehrt sein dürfte.

Für check/fold ist deine Hand einfach zu stark!

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Am River kann die Situation recht eklig werden. Out of Position hast du natürlich nicht viele Optionen. Solltest du den Turn betten und Villain callen, hast du am River meist drei Möglichkeiten (die im Riverplay-Artikel erläutert werden). Diese Situation wird aber nicht verbessert, solltest du den Turn nur checken.

FAZIT

Am River wirst du so oder so out of Position vor einer schweren Entscheidung gegen diesen Gegner stehen. Es spricht hier aber nichts gegen eine Bet am Turn. Damit protectest du aktiv und weißt wo du stehst. Ein Check auf diesem drawy Board kann gefährlich werden und birgt für das Riverplay noch größere Problematiken.

Beispiel 4

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000) spielt sehr gerne drawing Hände, eher passiv
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
BU (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP3 with K , K
1 fold, UTG+1 calls 40, 3 folds, Hero raises to 160, BU calls 160, 3 folds, UTG+1 calls 120

Flop: (540) 5, 6, 3 (3 players)
UTG checks, Hero bets 350, BU fold, UTG calls 350

Turn: (1240) 4 (2 players)
UTG checks, Hero…

WO STEHST DU AM TURN?

Die Turnkarte gefällt dir natürlich gar nicht. Gegen diesen Spieler kannst du beinahe schon davon ausgehen, hinten zu liegen. Sechs mögliche Pocketpairs haben ein Set oder eine Straight, unzählige suited Connectors haben ebenfalls hart getroffen (Twopair, Straight).

DIE OPTIONEN

Wenn du bettest, musst du auch broke gehen. Aufgrund der Potgröße sowie der Reststacks kommt bet/fold nicht in Frage. Doch was bringt dir diese Bet? Maximal gegen einen Flushdraw müsstest du noch protecten, alles andere ist bereits angekommen. Das Problem ist, dass Villain hier viele schlechte Hände aufgeben wird, aber die ganzen starken Hände würdest du ausbezahlen.

Alternativ kannst du hier behind checken. Man könnte an einen Checkbehind for Bluffinduce denken, aber dein Checkbehind heißt nicht, dass du am River automatisch eine Bet callst.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Sollte Villain checken, hast du nichts gegen einen free Showdown einzuwenden. Sollte Villain betten, so hängt es von der Potgröße ab. Eine kleine Bet wäre wohl callbar, aber alles was in Richtung 2/3-Potsize und darüber hinaus geht, ist höchstwahrscheinlich zu viel für deine mittlerweile doch als überaus unsicher zu bezeichnende Hand.

FAZIT

Wenn der Turn eine sehr unschöne Karte bringt, so kann man eine Hand auch mal aufgeben. Protection gerät hier in den Hintergund, Potcontrol sollte dagegen oberste Priorität genießen. Das Riverplay hängt dann von der Riverkarte sowie von Villains möglicher Betsize ab.

Beispiel 5

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
BU (t2000)
SB (t2000)
Hero (t2000)

Preflop: Hero is BB with Q , Q
4 folds, SB raises to 120, Hero raises to 360, SB calls 240

Flop: (720) 2, 5, 8 (2 players)
SB checks, Hero bets 450, SB calls 450

Turn: (1620) 2 (2 players)
SB checks, Hero…

WO STEHST DU AM TURN?

Im 3-bettet Pot musst du dich hier weiterhin vorne sehen. Das Board ist sehr gefährlich, häufig sind Draws möglich (z.B. J Jx – . A Kx- etc.), gegen die du vorne liegst. Zudem hat Villain nach deiner 3-Bet preflop keine Aggressionen mehr gezeigt.

DIE OPTIONEN

Ein Checkbehind ist verdammt gefährlich, da du hier protecten musst. Ob du auf diesem Board damit einen Bluff am River induzierst, ist ohnehin eine andere Frage. Aber gerade auf dem Board ist eine Hand mit A oder K bei deinem Gegner möglich. Somit hat diese Hand nicht nur die Flush-Outs, sondern auch Overcard-Outs. Hier muss protectet werden, alles andere als bet/call oder push Turn wäre grob fahrlässig.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Nach einer Turnbet deinerseits bist du committed. Du hast dort also keine schwere Entscheidungen mehr zu treffen.

FAZIT

Wenn man augenscheinlich protecten muss, so sollte man dies tun. Tricky Play lohnt sich hier überhaupt nicht, hier muss hart protectet werden. Unterm Strich wirst du dadurch auch massig Value extrahieren, wenn Villain hier nicht mehr bereit ist seinen Draw zu folden.

Beispiel 6

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000) kein Fish aber relativ loose passiv
Hero (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is BU with 2 , 2
UTG raises to 80, 1 fold, CO calls 80, Hero calls 80, 2 folds

Flop: (300) Q, T, 6 (3 players)
UTG checks, CO checks, Hero bets to 150, 1 fold, CO calls 150

Turn: (600) 2 (2 players)
CO checks, Hero…

WO STEHST DU AM TURN?

Diesmal ein umgekehrtes Szenario. Hast du am Flop noch versucht, durch eine Bluffbet in Position den Pot einzusacken, beschert dir der Turn eine sehr starke Hand. Du liegst sehr häufig gegen Toppairs (Qx), Twopairs (bspw. QT), Draws (bspw. KJ) oder schwächere Hände vorne.

DIE OPTIONEN

Natürlich kann man hier fragen, welche schwächere Hand eine Turnbet callen soll. Zudem ist das Board recht drawless, so dass man es sich durchaus leisten könnte, hier behind zu checken und einen Bluff zu induzieren.

Jedoch entgeht dir damit langfristig Value. Dein Gegner ist schon relativ loose und wird sich von einem Toppair nicht so leicht trennen können. Seine geringe Aggressivität ist auch nicht gerade ein Initiator dafür, hier nur auf Bluffinduce zu spielen. Du hast hier eine klare Valuebet.

Nebenbei zeigst du damit auch deutlich Stärke. Die Gegner wissen nicht, ob du tatsächlich etwas Gutes getroffen hast oder ob du deinen Bluff einfach konsequent durchziehst. Hättest du nämlich am Turn nicht improved, wäre auch hier eine 2nd Barrel eventuell sinnvoll gewesen. Wenn du hier häufiger als Bluff 2nd-barrelst, so musst du hier natürlich auch bei einem Hit betten.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Nachdem du diese Turnkarte gesehen hast, muss dein Ziel sein, All-in zu kommen. Wenn dir das am Turn nicht gelingt, so solltest du am River alles dafür tun.

FAZIT

Es gibt keinen Grund, mit starken made Hands tricky zu spielen. Auch wenn es nichts zu protecten gibt, so sind doch gerade Gegner, die ohnehin viel zu häufig zum Showdown wollen, prädestiniert dafür, dich auszubezahlen. Mit einem Set kannst du hier jederzeit broke gehen, es gibt einfach zu viele schlechtere Hände, die dein Gegner hier callen wird.

Tiefere Gedanken über einen Bluffinduce am Turn solltest du häufiger machen, stündest du am Turn eher mit einer marginalen Hand wie bspw. KQ.

Beispiel 7

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000) raist preflop fast alles, spielt postflop aber eher tight
BU (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is BU with K , Q
6 folds, CO raises to 120, Hero calls 120, 2 folds

Flop: (240) 5, 7, Q (2 players)
CO bets 180, Hero calls 180

Turn: (600) 3 (2 players)
CO checks, Hero…

WO STEHST DU AM TURN?

Nachdem du am Flop way ahead / way behind gespielt hast, hat sich die Situation am Turn nicht geändert. Entweder du liegst mit deinem Toppair klar vorne oder aber klar hinten. Da der Cutoff ein recht tighter Spieler zu sein scheint, ist ein Draw relativ unwahrscheinlich.

DIE OPTIONEN

Wenn du jetzt bettest, kannst du ein Raise nicht callen. Bet/call wäre gegen diesen Gegner overplayed. Bet/fold wäre zwar denkbar, aber mit welcher Hand soll Villain hier am Turn check/call spielen? Da es nichts zu protecten gibt, solltest du hier versuchen durch einen Checkbehind am Turn einen Bluff zu induzieren.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Solltest du den Turn betten und Villain tatsächlich callen, so solltest du dir den free Showdown nehmen. Checkst du am Turn behind, so musst du natürlich eine Riverbet callen, denn das gehört zu deinem Plan dazu. Es wird häufig genug eine Bluffbet sein.

Sollte Villain jedoch abermals checken, ist bet/fold eine Option. Etwas Value solltest du für deine Hand bekommen und dein Play sähe durchaus etwas merkwürdig aus, so dass Villain durchaus mit schwächeren Händen eine Bet callen könnte.

FAZIT

Du hast dich preflop und am Flop dafür entschieden, deine Hand passiv zu spielen. Das solltest du jetzt konsequent am Turn fortsetzen und versuchen, einen Bluff am River zu induzieren.

Natürlich kann man jetzt dagegenhalten, dass man mit seinem Toppair Value extrahieren will. Aber wie schon oben erwähnt: Welche Hand soll dich hier ausbezahlen? Unter diesen Umständen macht ein Bluffinduce wesentlich mehr Sinn.

Beispiel 8

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000) sieht sehr gerne Flops, limpt aber auch mit guten Händen
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
Hero (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is BU with A , J
1 fold, UTG+1 calls 40, 5 folds, Hero raises to 160, 1 folds, BB calls 120, UTG+1 calls 120

Flop: (500) A, 6, 6 (3 players)
BB checks, UTG+1 bets 250, Hero calls 250, 1 folds

Turn: (1000) 9 (2 players)
UTG+1 bets 500, Hero…

WO STEHST DU AM TURN?

Nachdem der recht passive Spieler zum zweiten Mal in dich rein bettet, ist das langsam eine ernstzunehmende Frage. Eine 6 liegt mit Sicherheit in seiner Range, ebenso sind natürlich Hände wie AK- möglich. Problem an der Sache: Selbst A9 schlägt dich jetzt.

DIE OPTIONEN

Raisen macht weiterhin keinen Sinn. Du hast am Flop passiv gespielt, am Turn gibt es weiterhin nichts zu protecten. Ein Call wäre möglich, jedoch kann man sich langsam aber sicher durchaus mit dem Gedanken an einen Fold beschäftigen.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Genau da liegt das Problem. Solltest du dich am Turn für einen Call entscheiden, so musst du auch einen Riverpush callen. Es gibt augenscheinlich keine Karte am River, die deine Situation großartig verändert. Am Turn zu callen und den River zu folden, macht wenig Sinn.

Diese reverse implied Odds gilt es bereits am Turn zu berücksichtigen. Du hast also zwei Optionen:

  • Fold
  • Call Turn / call River

Wenn du dich in diesem Fall gegen den recht passiven Spieler meistens hinten siehst und nicht bereit bist, am River deinen ganzen Stack zu riskieren, so kannst du hier am Turn einen toughen Fold finden.

FAZIT

Way ahead / way behind bedeutet nicht, jedes Mal bis zum äußersten zu gehen. Wichtig ist immer, dass du einen Plan für die kommende Street hast. Was erwartest du von deinem Gegner und wie wirst du auf seine Aktion reagieren? In diesem Fall (also dem Fall, in dem du deinem Gegner hier sehr oft eine besser Hand zutraust) hast du bislang nicht viel investiert, siehst dich nicht zwanghaft vorne und bist nicht bereit, am River deinen ganzen Stack zu investieren. Daraus resultierend sollte sich die Option fold am Turn durchsetzen.

Beispiel 9

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
Hero (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000) postflop tight, kann aber auch draws aggressiv spielen
BU (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is UTG with A , K
Hero raises to 120, 5 folds, CO calls 120, 3 folds

Flop: (300) K, 7, 6 (2 players)
Hero bets 180, CO raises 450, Hero calls 270

Turn: (1200) Q (2 players)
Hero checks, CO bets 600, Hero...

WO STEHST DU AM TURN?

Am Flop warst du dir schon dermaßen unsicher, dass du auf Protection verzichtet hast und der Potcontrol den Vorzug gegeben hast. Die Turnkarte gefällt dir nun überhaupt nicht. Der Flush kommt an und selbst KQ schlägt dich jetzt. Viel mehr Hände kann man diesem Villain kaum zutrauen. Dafür erhältst du im Gegenzug jedoch mit deinem K einen Redraw.

DIE OPTIONEN

Nachdem du am Flop passiv gespielt hast, solltest du den Turn checken. Gerade mit deinem Redraw wäre bet/fold hier sehr Schade. Bet/call wäre gegen diesen doch sehr tighten Gegner overplayed. Deine Equity wird dafür meistens nicht ausreichen.

Wenn du checkst, bleibt die Frage wie viel Villain bettet. Im obigen Beispiel bekommst du Odds von 3 zu 1. Für deinen Flushdraw bräuchtest du Odds von 4 zu 1.

Du machst hier mit einem Fold nichts verkehrt, denn

  • du spielst am River out of Position
  • demnach müsstest du den River donken, da sich Villain zu häufig den Checkbehind nehmen wird.
  • deine Hand ist auf einem Board mit vier -Karten sehr offensichtlich. Dich wird kaum noch eine schlechtere Hand ausbezahlen.

Aus diesen Gründen fehlen dir die implied Odds am Turn, die einen Call rechtfertigen würden. Trotz deines Redraws ist gegen diesen Gegner check/fold am besten.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Im Falle einer Freecard müsstest du einen ankommenden Flush wohl donken, auch wenn du dafür wie erwähnt recht selten ausbezahlt wirst. Ein Check bringt dir aber meistens auch nicht viel mehr.

FAZIT

Man kann auch einen vernünftigen Draw am Turn aufgeben, wenn man der Meinung ist für das Riverplay nicht die nötigen implied Odds zu haben. Auch wenn die Hand merkwürdig aussieht, so hast du dich am Flop sowie am Turn für die korrekten Lines entschieden.

Beispiel 10

Party Poker No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

Stacks & Reads
UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
Hero (t2000)
CO (t2000)
BU (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is MP3 with K , K
1 fold, UTG+1 raises to 120, 3 folds, Hero raises to 360, 4 folds, UTG+1 calls 240

Flop: (780) A, 7, 4 (2 players)
UTG checks, Hero checks

Turn: (780) 3 (2 players)
UTG checks, Hero…

WO STEHST DU AM TURN?

Am Flop hast du dich für ein passives Spiel entschieden und die Potcontrol der Protection vorgezogen. Du hast gehofft, eventuell eine Bluffbet von Villain zu erhalten. Der Turn lässt einen theoretisch möglichen Flushdraw ankommen und Villain checkt erneut. Du kannst hier noch häufig die beste Hand halten, Villain hingegen könnte mittlerweile sehr gut auf einem Onecard-Flushdraw sitzen.

DIE OPTIONEN

Wie gehabt kann man hier erneut checken, um einen Bluff zu induzieren oder aber betten. In diesem Fall bietet sich eine Bet jedoch an:

  • Ein Onecard-Flushdraw wird jetzt noch bezahlen, am River aber nicht mehr
  • Du bekommst einen free Showdown
  • Nach einem Checkraise bist du wohl nahezu immer hinten

Dem entsprechend ist bet/fold hier eine gut geeignete Line.

WAS ERWARTET DICH AM RIVER?

Sollte Villain deine Bet nur callen, so solltest du dir den free Showdown genehmigen. Es gibt wohl keine schlechtere Hand die bereit ist, noch mal eine Bet zu callen. Sollte Villain jedoch selbst aggressiv werden, so müsste wohl ein Fold herhalten. Solltest du jedoch den Turn behind checken, so müsste man eine normale Bet am River wohl callen, es sei denn es kommt eine -Karte. Dann ist alles außer check/fold unsinnig.

FAZIT

Die passive Line am Flop kann bei passender Turnkarte durchaus in bet/fold geändert werden. Villain zeigt Schwäche, du liegst eventuell noch vorne, musst jetzt aber deine Hand schützen. Nach einer anständigen Turnbet bist du jedoch mit der Hand fertig, da du auf weitere Action nicht mehr reagieren kannst.

Zusammenfassung

Viele der Prinzipien, die das Turnplay ausmachen, wurden hier durchleuchtet und an Beispielen dargestellt. Den einzig richtigen Weg gibt es selten, jedoch ist es immer von Bedeutung dir vor Augen zu führen, ob dein Spiel Sinn macht.

Kannst du die Geschichte, die du preflop und am Flop erzählt hast, am Turn logisch weiter erzählen? Musst du protecten oder kannst du dir gegen einen aggressiven Gegner mal leisten, einen Bluff zu induzieren?

Wie sieht dein Plan für den River aus? Inwiefern beeinflusst du durch dein Turnplay deine Entscheidung am River?

Solltest du dir darüber viele Gedanken machen, so wirst du dich bald über die vielen Optionen am Turn freuen. Und denke immer dran: Je besser du spielst, umso mehr Pötte gewinnst du. Je aggressiver du am Turn spielst, umso größer werden die Pötte. Du wirst also durch aggressives Spiel auf Dauer viel Geld gewinnen. Und dennoch hast du gesehen, dass es teilweise mehr zu gewinnen gibt, wenn man in den richtigen Situationen auch mal den Fuß vom Gas nimmt.