Aktualisiert am 12 März 26 von

SAGE - Sit And Go Endgame System

Einleitung

In diesem Artikel

  • Was ist Sage
  • Warum es dir bei hohen Blinds helfen kann
  • Wie du es anwendest

SAGE (Sit And Go Endgame System) ist ein System, das speziell für das Heads-up, also das Spiel mit zwei Spielern, bei sehr hohen Blinds entwickelt wurde und daher besonders bei SNG-Turnieren Anwendung findet.

Viele Spieler sind nicht in der Lage, sich an die Situation bei im Verhältnis zu den Stacks sehr hohen Blinds anzupassen, wodurch sie, obgleich sie unter Normalbedingungen gute Spieler sein mögen, ihren spielerischen Vorteil stark beschneiden. Mittels SAGE ist man in der Lage, gegen eben diese Spieler den eigenen Vorteil um 5% bis 40% zu erhöhen.

Das System selbst ist relativ einfach und leicht zu erlernen. Dieser Artikel stellt die Bedingungen dar, unter denen SAGE angewendet werden kann, und die Vorgehensweise, wenn man nach diesem System spielt.

Was ist SAGE?

Das SAGE-System basiert auf einer so genannten Equilibrium-Strategie. Eine solche Strategie stellt ein strategisches Gleichgewicht dar, innerhalb dessen ein Spieler nicht einseitig in seiner Vorgehensweise abweichen kann, ohne seine eigenen Siegchancen zu beschneiden.

Studien haben gezeigt, dass die Anwendung einer Equilibrium-Strategie das Ergebnis in einem Heads-up-Spiel mit kleinen Stacks annähernd zu einem Münzwurf macht, wodurch in erster Linie auch verhindert wird, dass man von einem Spieler mit größerer Pokererfahrung ausgespielt werden kann.

SAGE wurde durch eine Analyse aller 169 Starthände und ihrer Stärke in einem Heads-up erstellt und weicht nur minimal vom tatsächlichen mathematischen Optimum ab, welches, im Gegensatz zu SAGE, während eines Spiels natürlich nicht errechnet werden kann.

SAGE gibt die annähernd optimale Strategie vor, wann man unter den im weiteren Verlauf dieses Artikels noch dargestellten Voraussetzungen im Small Blind All-In gehen bzw. im Big Blind ein All-In des Gegners mitgehen sollte, das alles in Form einer kleinen, übersichtlichen Tabelle.

Wann kann man SAGE anwenden?

Drei Kriterien müssen zutreffen, damit das SAGE-System angewendet werden kann:

  • Das Spiel ist Heads-up, es gibt also nur euch und einen weiteren Gegner.
  • Die Blinds sind im Vergleich zu den Stackgrößen sehr hoch. Der Shortstack, der kleinste Stack am Tisch, sollte maximal 10 Big Blinds besitzen. Die Differenz zwischen den Stacks ist hierbei unerheblich. Was zählt, ist allein der Shortstack, da er vorgibt, um wie viel Chips maximal in einer Hand gespielt werden kann.
  • Der Small Blind spielt push or fold, d.h., dass er vor dem Austeilen des Flops entweder seine Karten ablegt oder sofort All-In geht. Sollte er hingegen nur den Big Blind mitgehen oder kleine Erhöhungen anbringen, kann SAGE nicht verwendet werden.

Wie wende ich SAGE an?

Ausgangspunkt der Strategie ist der so genannte Power Index (PI), der die Stärke der eigenen Hand widerspiegelt.

Berechnung des Power Index PI
  • Die Power Number einer Karte entspricht ihrem Kartenwert.
    • 8 = 8
    • 9 = 9
    • T = 10
    • J = 11
    • Q = 12
    • K = 13
    • A = 15
  • Man multipliziert die Power Number der höchsten Startkarte mit 2.
  • Man addiert zum Ergebnis die Power Number der kleineren Startkarte.
  • Sind die Startkarten ein Paar, ein so genanntes Pocket-Pair, addiert man 22 zum Ergebnis hinzu.
  • Sind die Startkarten gleichfarbig, addiert man 2 zum Ergebnis hinzu.
  • Das Ergebnis dieser Berechnung ist der Power Index der Hand.
BEISPIEL 1:

Power Number Ass = 15
Power Number 7 = 7

Power Number der höchsten Karte (Ass) *2 = 15 * 2 = 30
+ Power Number der kleinere Karte (7) = 30+7 = 37
Power Index = 37

Power Number 4 = 4
Power Number 2 = 2
Power Number der höchsten Karte (4) *2 = 4 * 2 = 8
+ Power Number der kleinere Karte (2) = 8+2 = 10
+ 2, da die Karten die gleiche Farbe besitzen = 10+2 = 12
Power Index = 12

Power Number Zehn = 10
Power Number Zehn = 10
Power Number der höchsten Karte (Zehn) *2 = 10 * 2 = 20
+ Power Number der kleinere Karte (Zehn) = 20+10 = 30
+ 22, da die Karten ein Paar sind = 30+22 = 52
Power Index = 52

Anwendung des Power Index

Für das weitere Vorgehen ist es nun von Bedeutung, einen zweiten Wert R zu berechnen. R ist schlicht die Anzahl der Big Blinds, die der Shortstack besitzt, nach dem Abzug des gezahlten Blinds.

R = Größe des Shortstacks / Höhe des Big Blind

Anhand der nachfolgenden Tabelle könnt ihr nun die jeweils beste Aktion für eure jeweilige Hand in Verbindung mit der Höhe des Shortstacks herausfinden. Die Handlung, die ihr ausführt, richtet sich dabei nach zwei einfachen Regeln:

  • Ist euer PI größer oder gleich dem in der zweiten Spalte der Tabelle angegebenen Wert, dann geht ihr als Small Blind sofort All-In.
  • Ist euer PI größer oder gleich dem in der dritten Spalte der Tabelle angegebenen Wert, dann geht ihr als Big Blind ein All-In des Gegners mit.
R All-In im Small Blind
Mitgehen im Big Blind
1 17 immer
2 21 17
3 22 24
4 23 26
5 24 28
6 25 29
7 26 30

Beispiele

Blinds: 600/1200
Spieler 1
Spieler 2
Position
Small Blind Big Blind
Stack 3400 14800
Karten
Power Index Power Number K = 13
* 2 = 26
+ Power Number 7 = 33
Power Index = 33
Power Number 2 = 2
* 2 =4
+ Power Number 2 = 6
+ 22, da Paar = 28
Power Index = 28
R 3400/1200 = 3, da der kleinere Stack 3400 beträgt

Der Eintrag für Spieler 1 in der Tabelle bei einem R von 3 lautet 22, was bedeutet, dass er bei einem Power Index von größer als oder gleich 22 All-In gehen sollte. Sein Power Index beträgt 33, ist größer als 22, und daher geht er All-In.

Der Eintrag für Spieler 2 in der Tabelle bei einem R von ebenfalls 3, da für die Berechnung von R immer der kleinere der beiden Stacks herangezogen wird, lautet 24. Ist sein Power Index größer als oder gleich diesem Wert, kann er ein All-In von Spieler 1 halten. Sein Power Index beträgt in diesem Fall 28 und somit geht er das All-In seines Gegners mit.

Blinds: 300/600
Spieler 1
Spieler 2
Position
Small Blind Big Blind
Stack 3400 14800
Karten
Power Index Power Number K = 13
* 2 = 26
+ Power Number 7 = 33
Power Index = 33
Power Number 2 = 2
* 2 =4
+ Power Number 2 = 6
+ 22, da Paar = 28
Power Index = 28
R 3400/600 = 6

Die Situation ist wie im Beispiel zuvor, jedoch sind die Blinds jetzt halb so groß, was bedeutet, dass R von 3 auf 6 steigt.

Für Spieler 1 lautet der Eintrag in der Tabelle nun 25, was bedeutet, dass er bei einem Power Index von größer als oder gleich 25 All-In gehen sollte. Sein Power Index beträgt 33, ist größer als 25, und daher geht er All-In.

Der Eintrag für Spieler 2 in der Tabelle bei einem R von 6 lautet nun jedoch 29. Ist sein Power Index größer als oder gleich diesem Wert, kann er ein All-In von Spieler 1 halten. Sein Power Index beträgt in diesem Fall 28, ist offensichtlich kleiner als 29, und somit kann er nicht mitgehen und muss seine Karten ablegen.

Zusammenfassung

Eine kurze Beschäftigung mit SAGE und der in diesem Artikel dargestellten Tabelle sollte klar machen, dass viele Spieler bei hohen Blinds zu zurückhaltend sind und man daher mit dem vorgestellten SAGE-System seinen Vorteil gegenüber diesen Spielern nennenswert erhöhen kann.

Dabei ist jedoch immer darauf zu achten, dass SAGE nur unter eng gesteckten Bedingungen anwendbar ist, nämlich nur im Heads-up wenn einer der beiden Spieler nur noch 10 Big Blinds oder weniger besitzt und wenn es um die Frage geht, ob man ein All-In im Big Blind mitgehen oder im Small Blind selbst All-In gehen sollte.