Loose Blind Steals - der LAG-Approach
Einleitung
In diesem Artikel
- Die Vorteile des looseren Stealens
- Welche Bedingungen erfüllt sein müssen
- Die praktische Anwendung dieses Stils
In vielen Medium-Stakes-Sngs wird, zumindest wenn die Spielerzahl unter 6 sinkt, nicht mehr loose sondern weak-tight gepokert. Der optimale Weg, das auszunutzen, ist der loose-aggressive Approach.
Der Grundgedanke
Der Idee hinter dem LAG-Approach ist: Man attackiert sehr viele kleine Pötte mit gutem Risk-Reward-Ratio und hält sich generell von Gegenwehr und großen Pötten fern. Da weak-tighte Bubbles meistens sehr lange dauern, reicht es nicht, immer wieder mit demselben Move die Blinds zu stehlen, sondern man sollte über ein großes Repertoire an Blindsteals verfügen, um es den Gegner so schwer wie möglich zu machen, ihre Strategie anzupassen.
Dieser Artikel listet die verschiedenen Arten dieser Steals auf und erklärt, wann und warum sie angebracht sind.
Vorbemerkungen
Ein Grund, warum man mit tightem Pokern erfolgreich ist, resultiert daraus, dass man sich von schwierigen Entscheidungen fernhält. Spielt man loose, wird man um einiges häufiger komplizierten Situationen gegenüberstehen. Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Disziplin und ist deshalb nicht für extremes Multitabling geeignet. Andererseits lassen sich auf diese Weise selbst mit sechs Tischen ROI-Werte erzielen, die die eines 12tablers bei weitem übertreffen.
Die in diesem Artikel genannten Moves machen nur Sinn ab einer gewissen Stackgröße und solange man selbst und bestenfalls auch die Gegner nicht im Push-or-Fold-Modus sind. Man sollte seine Hände immer vornherein planen, d.h. so, dass man den Bluff jederzeit aufgeben kann und immer noch komfortabel weiterspielen kann. Es bedarf gut ausgebildeter Postflop-Fähigkeiten und man muss sich darüber im Klaren sein, dass man ein looses Image kreiert, und damit umgehen können, dass die Gegner u.a. häufiger bluffen und checkraisen werden.
Aufgrund der damit einhergehenden erhöhten Tilt-Gefahr sollten Spieler, die anfällig für Tilt sind, eher ihr gewohntes tightes Spiel verfolgen. Andererseits bekommt man nun für die eigenen starken Hände mehr Value.
Beherrscht man die hier genannten Spielzüge, sollte man am Button und im Small Blind nur noch für Deception openfolden. In hohen, tighten Limits können sie sogar schon ab dem ersten Blindlevel angewendet werden. Viele tighte Gegner werden bei einer Konfrontation mit diesem Spielstil anfangen, zu tilten.
SB vs. BB
Gegen weak-tighte Gegner erweist sich ein Openraise vom SB als sehr effektiv. Man sieht sich nur selten mit einem Call und noch seltener mit einem Reraise konfrontiert, was einem auch die teure Contibet erspart. Dieser Move verliert an Profitabilität, wenn die Stacks weniger als 20 BB betragen, da der Gegner so gut All-In defenden kann.
Es ist profitabel, in dieser Situation auch die schwächsten Hände zu raisen, da es nur selten zu einem Postflopspiel kommt. Ohne Antes reichen 2½ BB, mit Antes sollte man in der Regel jedoch 3 BB setzen, da thinking Opponents zu gute Pot Odds erhalten, zumal sie Position besitzen. Weak-tighte Gegner werden hier in aller Regel ungeachtet der Pot Odds folden. Morgoth raist hier auf höheren Limits generell auf 3BB.
Wird man gecallt, sollte man sich die Board-Textur genau anschauen und dann ggfs. ½ Potsize contibetten. Ich würde hier jedes Ass, jedes Ragboard und jeden paired Flop betten.
Auf einem Flop wie 9JK würde ich wahrscheinlich check/fold spielen, wenn ich nichts getroffen habe. Sollte es zum Postflopspiel kommen, ist es wichtig, gegen tighte Gegner die eigenen mediocre Hands nicht zu überspielen.
Angenommen, ich openraise vom SB zum wiederholten Male gegen einen sehr tighten Gegner, der mich bisher noch nie gecallt hat:
Blinds 100/200(5 players)<
Stacks&Stats
Hero ($2700)
BB ($2500)
Preflop: Hero is SB with 6

3 folds, Hero raises to $500, BB calls $300.
Flop: ($1000) 3


Hero bets $600, BB calls $600.
Turn: ($2200) J
Hero checks, BB bets $700, Hero?
Ich erhalte hier zwar sehr gute Odds (ca. 1:4), jedoch sind Reversed Implied Odds (ca. 1:2) weniger gut und zudem kann ich mir ziemlich sicher sein, dass mein Gegner mich geschlagen hat und wohl bereit ist, bis zum Showdown zu gehen.
Dieser Spielzug, sofern nicht überspielt, ist der wohl einfachste Steal mit dem besten Risk-Reward-Ratio. Sind beispielsweise 5handed die Blinds bei 100/200 mit einer Ante von 25 und man opencompletet im SB mit Pot Odds von 1:4, beträgt der Pot am Flop 525 Chips. Wenn man jetzt 300 bietet, hat man letztlich 400 auf einen Pot von 525 gesetzt, was Pot Odds von mehr als 1:1 sind. Foldet der Gegner in zwei von drei Fällen, erzielt man einen enormen Erfolg, ohne viele Chips zu riskieren.
Manche Gegner raisen fast grundsätzlich gegen einen opencompleted Small Blind. In diesem Fall macht das Spiel offensichtlich keinen Sinn, man kann aber andererseits sehr gut mit hohen Pocketpairs slowplayen.
Button vs. Blinds
Da der Button grundsätzlich die beste Position ist, sollte man hier nur selten openfolden. Als Raise-Höhe empfehlen sich fast immer nur 2½ BB, weil ein mögliches All-In-Reraise aus den Blinds die Position negiert. Zudem spielen die Blinds postflop OOP und deren Foldequity ist so oder so gegeben, was ein größeres Raise unnötig macht.
Bei einem All-In-Raise aus den Blinds, sollte sich die Calling-Range nur minimal verändern, da man bei tighten Gegnern generell nicht von überspielten Defend-Aktionen ausgehen kann. Erhöht man z.B. first in am Button mit A9o auf 2½ BB und ein tighter Spieler in den Blinds geht All-In, sollte man auch bei Pot Odds von 1:2 noch folden, da man höchstwahrscheinlich dominiert ist.
Wie schon früher gesagt, ist auch dieses Raise am effektivsten, wenn die Stacks mehr als 20 BB betragen, da der Gegner nun nicht profitabel All-In defenden kann.
Wird das Preflop-Raise gecallt, sollte man wieder Ace-high-Boards, Ragboards und paired Boards ½ Potsize contibetten, falls der Gegner checkt. Gefährliche Boards kann man nach einem Check auch gut delayed contibetten, indem man am Flop ebenfalls checkt und erst am Turn nach einem Check des Gegners setzt, um Traps zu vermeiden. Das kreiert unter Umständen beim Gegner sogar das Gefühl, man würde selbst slowplayen, und man erhält noch mehr Informationen über die Hand des Gegners.
Donkt der Gegner den Flop, sollte man, sofern man nichts getroffen hat, in den meisten Fällen folden oder gegen sehr aggressive Gegner bei den richtigen Boards bluffcallen, also am Flop callen, um auf einen gegnerischen Check am Turn hin relativ niedrig zu betten. Es genügt dann oft auch eine Bet in Höhe von einem Drittel des Pots, weil man davon ausgehen kann, dass der Gegner keine besonders gute Hand hält.
Anders ist es, wenn er am Turn eine 2nd Barrel feuert, auf die man ohne eine gute Hand natürlich folden muss.
Blinds 100/200 (5 players)
Stacks&Stats
Hero ($4000)
BB ($3500)
Preflop: Hero is BU with J

2 folds, Hero raises to $500, 1 fold, BB calls $300.
Flop:($1100) A


BB bets $500, Hero calls $500
Turn: ($2100) T 
BB checks, Hero?
Am Turn überlegt mein Gegner und checkt. Hätte er eine ordentliche Hand am Flop besessen, macht es wenig Sinn, dass er sofort donkt und mich nicht contibetten lässt. Andererseits macht es auch wenig Sinn, dass er, falls er z.B. A9 hält und die Hand straightforward gespielt hat, den Turn nicht bettet, immerhin ist das Board sehr drawlastig geworden. Alles deutet darauf hin, dass er doch nicht bis zum Showdown gehen will. Er könnte ein mittleres Pocketpair haben, einen King, einen Flushdraw, ein gutes Ass oder aber selbst bluffen.
Die Gelegenheit scheint also günstig, uns den Pot zu kaufen. Der Gegner hat noch 2000 Chips, daher sollten 900-1200 reichen, um uns den Pot profitabel zu holen. Betten wir 1000, haben wir ab dem Flop 1500 bezahlt, um einen 1600er Pot zu stehlen. Hätten wir am Flop geraist, hätten wir ebenfalls auf ungefähr 1500 geraist, jedoch ohne die zusätzlichen Information auf dem Turn.
Um zu entscheiden, ob ein Bluffcall profitabel ist, sollte man auf folgende Werte achten:
- Flop Aggression: Bei einem Gegner mit niedrigem Wert (< 1) ist der Call mit nichts meistens unangebracht
- Went to Showdown: Bei einem hohen wert (>50) sollte man auch überlegen, ob ein Call Sinn macht
- Turn Aggression: Ein sehr niedriger Wert (<1) könnte bedeuten, dass der Gegner hier oft auf check/call umstellt, was die Sinnhaftigkeit eines Bluffcalls wiederum fraglich erscheinen lässt.
(bei einem tighten Button kann man auch am CO callen)
Dieses Spiel ist in den meisten tighten Runden eher verpönt, da der Move an sich schon Schwäche zeigt: Man ist in Position, spielt nur gegen die Blinds, warum raist man nicht, wenn man eine legitime Hand hat? Da am Button selten nur gecallt wird, wissen die meisten Spieler nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Das verschafft uns eine Edge gegenüber diesen Spielern, zumindest für die ersten Male.
Der Move ist in erster Linie gut, um das eigene Spiel zu variieren, nachdem man öfter am Button geraist hat. Ich empfehle hier vor allem Hände, die im Preflop-Matchup gegen die beiden Blinds keine hohe Equity aufweisen, bei einem guten Flop aber sehr stark werden können, sprich suited Connectors und Hände wie KTo.
Gerade gegen Gegner, die ihre Blinds gerne defenden, ist das ein guter Zug, da man in deren Augen ihre Blinds gar nicht angegriffen hat. Wird man aus den Blinds heraus geraist, kann man bequem folden, wenn man nicht die richtigen Odds bekommt, schließlich hat man kaum Chips in die Hand investiert.
Der Buttoncall ist besonders effektiv bei Stacks um die 15 BB, weil man die Gegner nun vor die Wahl stellt, mit 15BB All-In zu pushen oder zu checken, da sie bei einem Raise von 3-4 BB ihrerseits fast alles auf einen Push von uns hin folden müssen. Deshalb checken sie hier oft. Auch halbwegs starke Hände wie A9o, mit denen sie nach einem Raise All-In gegangen wären.
Zur Durchführung
Haben beide (oder nur der BB) den Flop gecheckt, sollte man wieder jedes Board ½ Potsize betten. Um die Credibility dieser Bet nicht zu ruinieren, sollte man, gerade wenn Regulars mit am Tisch sitzen, sogar die Nuts betten.
Donkt einer der beiden Spieler den Flop, sollte man alle schwachen Hände folden, gute Hände ganz normal weiterspielen oder ggfs., wie oben beschrieben, bluffcallen, wenn die Parameter stimmen und das Board einigermaßen scary ist. Dabei ist zu bedenken, dass man für ein Ass nicht besonders viel Credit kriegt, da man preflop nicht geraist hat.
Callt ein Blind die Bet, sollte man meistens aufgeben oder gegen sehr weake Gegner noch einmal einen gecheckten Turn betten. Hierbei muss man sich den Wert fold to flop bet und den gegnerischen Stack anschauen. Niedriger Stack und hoher fold to flop bet-Wert deuten auf eine starke Hand und den Willen, bis zum Showdown zu callen oder zu checkraisen, mittlerer bis großer Stack und geringer fold to flop bet-Wert sind ein Anzeichen dafür, dass der Pot noch kaufbar ist.
Ist man auf einem drawlastigen Board gecallt worden, kann man auch den Turn behind-checken und dann den River nach einem Check betten, wenn kein offensichtlicher Draw angekommen ist. Nach dem Check am Turn hat man genug Schwäche gezeigt, dass...
- der Check des Gegners am River schon sehr schwach aussieht
- eine Riverbet ein bisschen höher ausfallen muss. Riverbluffs sollten generell höher ausfallen, da nur noch diese Bet den Gegner vom Showdown trennt und er sich um Reversed Implied Odds keine Sorgen machen muss. ¾ bis Potsize sind eine gute Riverbet.
Zusammenfassung
Wie sich gezeigt hat, sind loose aggressive Blindsteals dann profitabel, wenn die Gegner möglichst tight und weak sind und man zudem in der Lage ist, sehr schnell die Spots zu erkennen, in denen man eine Hand aufgeben muss bzw. in denen noch ein Move möglich ist. Insbesondere ist darauf zu achten, dass sich das eigene Image durch die aktivere Spielweise ändert und dementsprechend auch das Verhalten der Gegner. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass das Ziel dieses Stils die kleinen und relativ einfach zu gewinnenden Pots sind.