Deine Strategie wenn die Blinds sehr groß werden
1. Einleitung

Es gibt für dich nur noch zwei Spielzüge. Entweder gehst du vor dem Flop direkt All-In (push) oder du legst deine Karten weg (fold).
Und mit diesen beiden Alternativen entscheidet sich alles. In der frühen Phase des Turniers nur gute Karten zu spielen, das kann jeder. In der Push-or-Fold-Phase im richtigen Moment den richtigen Knopf zu drücken, das ist eine Wissenschaft für sich. Doch auch hier musst du dir keine Sorgen machen, denn die Turnierexperten von Pokerstrategy haben wieder einmal ihre semiosmotischen Photonenhirne zum Rotieren gebracht und einen Weg gefunden, dir genau diese Wissenschaft quasi „learning by doing“ beizubringen, ohne dass du acht Semester Turnierspiel studieren musst. Doch dazu später mehr.
Du lernst in diesem Artikel, …
- … woran du überhaupt erkennst, dass du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung stehst.
- … wovon deine Spielentscheidung abhängt.
- … wie du mit dem ICM-Trainer von PokerStrategy das richtige Spiel in der Push-or-Fold-Phase trainierst.
2. Wann stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung?
Du stehst vor einer Push-or-Fold-Entscheidung, wenn …
- … du 13 Big Blinds oder weniger hast.
- … alle Spieler hinter dir 13 Big Blinds oder weniger haben.
| WICHTIG | |
| Hast du 13 Big Blinds oder weniger oder haben alle Spieler hinter dir 13 Big Blinds oder weniger, dann stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung. | |
Beispiel 1
Es sind noch drei Spieler im Turnier. Die Blinds liegen bei 300 Chips für den Small Blind und 600 für den Big Blind. Du bist auf dem Button und somit als Erster an der Reihe.
Chipstände:
- Big Blind 2700
- Small Blind 5100
- Button (Du) 1300
Das ist eine klare Push-or-Fold-Situation. Du hast noch etwas über 2 Big Blinds. Auch die beiden Spieler in den Blinds haben jeweils weniger als 13 Big Blinds zur Verfügung.
Beispiel 2
Es sind noch fünf Spieler im Turnier. Die Blinds liegen bei 100 Chips
für den Small Blind und 200 für den Big Blind. Du bist auf dem Button
und die beiden Spieler vor dir haben ihre Karten weggelegt.
Chipstände:
- Big Blind 1700
- Small Blind 400
- Button (Du) 4800
- Cutoff 1600
- MP 1200
Du hast 4800/200 = 24 Big Blinds. Der Small Blind jedoch hat nur noch 2
Big Blinds übrig. Der Spieler im Big Blind hat 8.5 Big Blinds. Damit
stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung, denn alle Gegner nach
dir haben einen Stack, der 13 Big Blinds oder weniger beträgt.
| QUIZ | |
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FRAGE 1: Du hast 2400 Chips. Der Big Blind beträgt 100 Chips. Stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung? a) ja FRAGE 2: Du hast 1200 Chips. Der Big Blind beträgt 100 Chips. Stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung? a) ja |
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3. Wie spielst du in der Push-or-Fold-Phase?
Du sitzt am Pokertisch, hast dich bisher wacker geschlagen. Ihr seid vielleicht noch zu fünft, viert oder vielleicht sogar schon zu dritt und du bist sicher im Geld. Du hältst zwei Karten, die Situation ist die und die - Was machst du? Die älteste aller alten Fragen.
Grundsätzlich kannst du dir schon einmal merken, von welchen fünf Faktoren deine Entscheidung abhängt:
- Wie viele Chips hast du?
- Wie viele Chips haben die Gegner?
- Was haben die Spieler vor dir getan?
- In welcher Position bist du, also wie viele Spieler sind nach dir noch an der Reihe?
- Welche Karten hast du?
Wie viele Chips hast du?
Je weniger Chips du hast, desto größer ist der Druck unter dem du stehst. Deshalb wirst du umso häufiger All-In gehen.
Wie viele Chips haben die Gegner?
Interessant ist die Frage: Wie sind die Chipstände aller Spieler im Verhältnis zueinander? Nimm zum Beispiel an, ihr seid zu viert. Du hast 13 Big Blinds, zwei andere Spieler haben 13 Big Blinds und der vierte hat 3 Big Blinds. Ihr seid noch einen Platz vor den Geldplatzierungen. Du wirst nicht gerade viel Lust verspüren, die beiden Spieler mit 13 Big Blinds anzugreifen, eben die beiden, die dich in einer Hand rauswerfen können. Der Spieler mit 3 Big Blinds ist unter Zugzwang und die Chancen stehen gut, dass er noch vor dir den Tisch verlässt. Deshalb wirst du hier zurückhaltender.
Eine andere Situation, in der du zurückhaltender wirst, besteht z.B. dann, wenn du gegen einen Spieler stehst, der so viele Chips hat, dass es ihm nicht weh tut, gegen dich einmal zu verlieren. Je mehr es einen Gegner "schmerzt", sollte er gegen dich verlieren, umso aggressiver kannst du gegen ihn vorgehen.
Bei Gegnern, die wie du nachdenken und ihr Spiel strategisch ausrichten, kann die Anzahl ihrer Chips auch Aufschluss darüber geben, mit welchen Händen sie entweder All-In gehen oder dein All-In mitgehen. Jemand mit 13 Big Blinds wird doch häufiger mit einer kleineren und stärkeren Gruppe von Händen All-In gehen als einer, der nur noch vier Big Blinds hat.
Was haben die Spieler vor dir getan?
Der Autor Dan Harrington hat in seiner Buchreihe "Harrington on Hold'em" den Begriff first in vigorish geprägt. Dahinter steht schlicht die Tatsache, dass du um Welten häufiger All-In gehen kannst, wenn du der erste Spieler bist, der in die Hand einsteigt. Sind Spieler vor dir in die Hand eingestiegen, dann wirst du um einiges weniger Hände spielen. Die Chance steigt, dass mindestens einer dein All-In auch mitgeht.
Ein anderer Fall tritt ein, wenn jemand vor dir All-In geht und du überlegst, ob du mitgehen solltest. Es ist ein großer Unterschied, ob du selbst All-In gehst oder ein All-In mitgehst, denn im zweiten Fall musst du die bessere Hand haben, während dein Profit im ersten Fall daher kommt, dass du sehr oft bessere Hände zur Aufgabe zwingst.
In welcher Position bist du, also wie viele Spieler sind nach dir noch an der Reihe?
Es ist klar: Je mehr Spieler nach dir noch handeln können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine Hand hält, mit der er spielen will. Auch in der Push-or-Fold-Phase ist deine Position entscheidend.
Welche Karten hast du?
Auch wenn du in der Push-or-Fold-Phase je nach Chipanzahl mit sehr vielen Händen All-In gehst und es selten darauf ankommen lassen willst, dass irgendjemand mitgeht, sind die Karten dennoch nicht ganz unwichtig. Je höher die Karten, desto besser. Andererseits ist z.B. ein Ass nicht immer wirklich gut, denn wenn ein Spieler mitgeht, dann häufig mit einem besseren Ass. Du musst es relativ sehen. Eine Zehn und eine Neun von einer Farbe können durchaus eine bessere Hand darstellen als z.B. ein Ass und eine Drei.
Um die "Wissenschaft" der Push-or-Fold-Phase auf ein mathematisches Fundament zu setzen, wurde das so genannte Independent Chip Model ICM entwickelt. Ganz einfach gesagt, rechnet es die Anzahl der Chips in Geldwerte um. Logisch, man spielt schließlich nicht um Chips, sondern darauf, eine möglichst gute Platzierung zu erreichen, denn nur das gibt Geld. Auch hier kommt wieder das Prinzip "Überleben" zum Tragen. Das ICM schaut nun darauf, wie sich eine Aktion darauf auswirkt, welche Platzierungen man mit welcher Wahrscheinlichkeit erreicht.
Das Spielen nach ICM ist ein sehr weites Feld und eine für den Anfang auch etwas zu komplexe Materie. Entsprechende fortgeschrittene Artikel in der Strategiesektion von PokerStrategy werden sich damit ausführlich auseinandersetzen. Dennoch können wir dich schlecht auf später vertrösten. Du musst es ja können. Aus diesem Grund haben unsere pc-gebräunten IT-Experten ein Programm entwickelt, mit dem du das Spiel in der Push-or-Fold-Phase trainieren und dir sozusagen learning by doing das Independent Chip Model aneignen kannst.
Mit diesem kostenlosen Tool, dem PokerStrategy ICM-Trainer, kannst du das Spiel in der Push-or-Fold-Phase üben. Dir werden Beispielsituationen vorgestellt, in denen du entscheidest, ob du All-In gehst oder aussteigst. Anschließend wird deine Entscheidung nicht nur bewertet, sondern auch analysiert und das Programm zeigt dir auf, wie du generell in der jeweiligen Situation spielen kannst.
Das nächste Kapitel erklärt dir genau, wie du das Programm benutzt und wie du damit deine Push-or-Fold-Strategie perfektionieren kannst.
| QUIZ | |
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FRAGE 3: Je weniger Chips du hast, ... a) Mit desto mehr Händen gehst du All-In. FRAGE 4: Ist vor dir schon ein Spieler in die Hand eingestiegen, ... a) Spielst du mehr Hände, da der Pot größer ist. FRAGE 5: In welcher Situation gehst du mit den meisten Händen All-In? a) Wenn vor dir schon ein Spieler in die Hand eingestiegen ist. |
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4. Wie trainierst du mit dem ICM-Trainer von PokerStrategy?
Der erste Schritt besteht natürlich darin, sich das Programm herunterzuladen und zu installieren. Das Programm findest du auf folgender Seite:
Lade es herunter, öffne die Datei und führe das Programm Setup.exe aus, um das Programm zu installieren.
Hast du den ICM-Trainer einmal gestartet und die Initialisierung ist abgeschlossen, startest du eine neue Trainingseinheit, indem du auf den Button "Starte neues ICM Training" klickst.
Nun gibt das Programm dir Spielsituationen vor, in denen du entscheiden musst, ob du All-In gehst (Push) oder aussteigst (Fold). Du bist dabei immer der Spieler "Hero". Du siehst deine Karten und was die Gegner vor dir getan haben.
Ebenso kennst du alle Chipstände. Schau dir die Situation an, versuche, die korrekte Entscheidung zu treffen und klicke dann entweder auf den Button "Push" für All-In gehen oder "Fold", wenn du deine Karten weglegen würdest.
Ob du richtig entschieden hast, wird dir anschließend angezeigt. Ebenso zeigt dir das Programm an, mit welchen Händen du in der gezeigten Situation alles hättest korrekt, also profitabel, All-In gehen können, den so genannten Push-Bereich. Du siehst zunächst, mit wie viel Prozent aller überhaupt möglichen Hände, du All-In gehen solltest, und anschließend eine Auflistung des kompletten Handbereichs, z.B. so etwas wie "22+ A3s+ ATo+ ...", was bedeutet, dass du mit jedem Paar ab 22, jedem Ass mit gleichfarbiger Beikarte ab A3 und jeder ungleichfarbigen Hand mit einem Ass ab AT All-In gehst.
Am besten du nimmst dir immer wieder etwas Zeit, spielst ein größeres Set durch und trainierst so deine Push-or-Fold-Strategie. Je mehr Hände du durchspielst, desto treffsicherer wirst du werden. Schau dir auch die Auswertungen an, den Push-Bereich und versuche den Zusammenhang zu erkennen zwischen Spielsituation, Chipständen und den Händen, mit denen du All-In gehst. Es ist klar, dass du die perfekte Strategie nicht in 5 Minuten erlernen kannst. Wenn es so einfach wäre, würden deine Gegner das auch können. Investiere ein bisschen Zeit und die Belohnung wird sich bald in Form guter Platzierungen und Geldgewinnen zeigen.
5. Fazit
Du hast jetzt gelernt, dass die Push-or-Fold-Phase die wahrscheinlich komplexeste Phase in einem Turnier ist, obwohl es doch nur zwei Wahlmöglichkeiten gibt: All-In oder Aussteigen. Du weißt, dass die Zahl 13 die entscheidende Grenze markiert. Wenn du 13 Big Blinds oder weniger hast oder alle Gegner nach dir 13 Big Blinds oder weniger besitzen, dann stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung.
Die Strategie für diese besondere Phase wird durch ein mathematisches Modell vorgegeben, das Independent Chip Model ICM. Mit dem ICM-Trainer von PokerStrategy kannst du dich fast spielerisch auf diesen Spielabschnitt vorbereiten und dir das ICM in der Praxis aneignen, auch wenn du noch nicht sehr tief in die Theorie dieses Modells eingedrungen bist.
Du solltest dir auch die Videos anschauen und Coachings besuchen, in denen das Push-or-Fold-Spiel in der Praxis gezeigt und erläutert wird. So wirst du bald ganz genau wissen, wie du am profitabelsten spielst.
Im abschließenden Artikel Wie du deinen Weg gehst: Das Bankrollmanagement in dieser Reihe erfährst du nun, wie du dein Pokerkonto am besten verwaltest, um einerseits sehr rasch in den Limits aufzusteigen und deinen Gewinn zu maximieren, andererseits aber auch das Risiko des Bankrotts zu minimieren.
6. Anhang: Lösungen |
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Frage 1: Du hast 2400 Chips. Der Big Blind beträgt 100 Chips. Stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung? |
b) | Nein | |
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Frage 2: Du hast 1200 Chips. Der Big Blind beträgt 100 Chips. Stehst du vor einer Push-or-Fold-Entscheidung? |
a) | Ja | |
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Frage 3: Je weniger Chips du hast, ... |
a) | Mit desto mehr Händen gehst du All-In. | |
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Frage 4: Ist vor dir schon ein Spieler in die Hand eingestiegen, ... |
b) | Spielst du weniger Hände. | |
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Frage 5: In welcher Situation gehst du mit den meisten Händen All-In? |
c) | Wenn vor dir noch kein Spieler in die Hand eingestiegen ist. | |