Lighte Preflop 3-Bets
Einleitung
In diesem Artikel
- Lighte 3-Bets machen dich schwerer lesbar und gewinnen zudem mehr kleine Pötte.
- TAGs und Semi-LAGs sind die besten Ziele.
- Mindestens 71 BB als effektiver Stack.
- Gegen lighte 3-Bets ist eine weitere 4-Bet-Range ein gutes Mittel.
Lightes 3-betten preflop meint nichts Anderes, als mit Non-Premium-Händen aufgrund unterschiedlicher Faktoren exakt einen Spieler (Coldcaller sind nicht erwünscht!) zu 3-betten.
Dieser Artikel wird sich mit den wichtigsten Faktoren bei dieser Entscheidung beschäftigen und zeigen, worauf du achten musst. Es wird dir hier das grundlegende Konzept näher gebracht, so dass du dein eigenes Preflopspiel durch 3-Bets etwas mehr öffnen und vom tighten ABC-Poker abweichen kannst, das ab NL200 nicht unbedingt ausreicht, um erfolgreich zu sein.
Durch Konzepte wie das lighte Preflop-3-Betten kannst du deinSpiel kreativer gestalten und dich als Pokerspieler enorm weiterentwickeln.
Warum solltest du mit einer größeren Range preflop 3-betten?
Die Standard-3-Betting-Range, welche dir bisher von pokerstrategy näher gebracht wurde, bewegt sich meist um JJ+, AQs+ und AKo herum. Diese Range ist im Grunde völlig legitim, jedoch hat sie den Nachteil, dass ein mitdenkender Gegner dich genau auf diese Range setzen kann.
So wird er es meist sehr einfach haben, postflop die richtigen Entscheidungen zu treffen. Spielst du also beispielsweise in einem 3-Bet-Pot gegen einen mitdenkenden TAG, so wirst du nie wirklich glücklich sein können, wenn dieser postflop Action macht.
Da du weißt, dass der Gegner mitdenkt und dich auf deine exakte Handrange setzen kann, bist du in einer sehr schwierigen Situation, da der Pot preflop oft schon so groß geworden ist und deine Hand dennoch stark genug ist, um aufgrund der Odds weiterzuspielen, obwohl du sehr sicher sein kannst gegen die Handrange des Gegners hinten zu sein.
Beginnst du nun deine 3-Bet-Range zu öffnen, so wird es unweigerlich vorkommen, dass du irgendwann am Showdown 97s zeigst, und schon hat jeder mitdenkende Gegner Probleme, dich auf eine tighte Range zu setzen, da du im ersten Moment wie ein totaler Maniac aussehen wirst. Diese aktive Beeinflussung deines Tableimages und Metagames wird dir unweigerlich mehr Aktion mit deiner zuvor als legitim bezeichneten 3-Betting-Range geben. Nun wirst du mit Assen nicht nur ausgezahlt, wenn der Gegner Damen oder Könige hat. Nun wird er dich auch mal mit einem Toppair/ middle Kicker lighter runtercallen, da er sich denken kann, dass du durchaus mit einer „Trashhand“ preflop eine 3-Bet gemacht haben könntest.
Das ist aber nicht der einzige Grund, der dir langfristig eine Winratesteigerung bringt. Du wirst ebenso durch eine größere 3-Betting-Range öfter mittelgroße Pötte durch eine Continuationbet direkt mitnehmen oder schon preflop die Sache für dich entscheiden. Ab NL200 ist es daher sehr sinnvoll, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, da man so gerade die multitablenden ABC-TAGs sehr gut exploiten kann, da diese sehr viel aus ihrer Openraisingrange auf eine 3-Bet direkt folden oder 4-betten, wobei man ihre 4-Bet-Range sehr oft auf QQ+ und AK eingrenzen kann.
Hinzu kommt, dass dir ab den Midstakes immer mehr mitdenkende Gegner begegnen werden, die genau dieses Konzept des lighten Preflop-3-Bettens verfolgen, und du somit von diesen Leuten exploitet wirst, ohne es zu merken, wenn du dich selbst nicht anpasst.
Welche Faktoren musst du beachten?
Im folgenden Kapitel werden die wichtigsten Faktoren beschrieben, welche zu beachten sind, bevor man sich dazu entscheidet, einen Gegner light zu 3-betten. Hierbei ist wichtig, dass du nicht nur einen einzelnen Faktor isoliert betrachten darfst. Das gesamte Zusammenspiel der einzelnen Faktoren ist ausschlaggebend. So kann es durchaus vorkommen, dass ein einzelner Faktoren eher eine lighte 3-Bet unterstützt, ein anderer ihr aber eher widerspricht. Du musst dir die Gesamtheit aller Faktoren anschauen und abwägen, ob die wichtigeren Faktoren für eine 3-Bet sprechen oder nicht.
Als Anmerkung hierzu ist jedoch zu beachten, dass die „Rangfolge“ der Faktoren nicht in jeder Situation gleich ist. So kann in der einen Situation der Gegner wichtiger sein als die Position, wobei bei einer anderen Situation dies gerade umgekehrt sein kann. Um das selbst immer korrekt einschätzen zu können, bedarf es einiger Erfahrung am Tisch. Umso mehr man sich mit diesem Thema auseinandersetzt, desto klarer werden die Situationen für einen selbst und deshalb ist es sehr wichtig, dass man anfangs das lighte 3-Betten mit Vorsicht in das eigene Spiel einbaut. Übertreibt man es oder wendet es in den falschen Spots an, so kann aus der gewinnbringenden Waffe sehr schnell eine geldvernichtende Maschine werden.
Bei der Betrachtung der Position gehen wir standardmäßig von einem vollbesetzten Shorthanded-Tisch aus. Bei der Position sind zwei Dinge zu beachten:
- a) Die Position des Openraisers am Tisch
- b) Deine relative Position zum Openraiser
Je nach Position des Openraisers wird dieser eine größere oder kleinere Openraisingrange haben. Somit ist klar, dass, wenn der Openraiser in UTG oder MP sitzt, seine Range tendenziell kleiner und stärker ist, als wenn er im CO oder BU sitzt und er sich somit in einer Blindstealingsituation befindet. Vorteilhaft für das lighte 3-Betten ist natürlich, wenn die Range des Gegners groß und tendenziell schwach ist, da er dann auf eine 3-Bet einen großen Anteil seiner Range folden muss und du so direkt den Pot mitnehmen kannst.
Bei einer kleinen und starken Range wirst du hingegen sehr oft eine 4-Bet bekommen, auf die du in der Regel folden musst. Callt dein Gegner hingegen deine Erhöhung, so ist seine Range dennoch meist gegenüber deiner Hand vorne, und du bist darauf angewiesen, die Hand postflop für dich zu entscheiden.
Hierzu gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder wirst du postflop in Position spielen oder out of Position. Letzteres wird nur dann auftreten, wenn du deinen Blind mit einer 3-Bet verteidigst. Ein Limp/Raise ist eine weitere Möglichkeit, jedoch als eigenständiger Spielzug nicht Thema dieses Artikels.
Bist du in einer Blinddefendsituation, hast du zwar postflop den Positionsnachteil, andererseits bist du aber auch in der Lage, als Erster zu setzen und so mit einer Continuationbet den Pot für dich zu entscheiden.
Da der Pot durch die 3-Bet schon recht groß ist, wiegt der Positionsnachteil auch nicht so schwer wie bei einem Coldcall aus den Blinds heraus. Daher gilt auch, dass deine Entscheidungen umso einfacher werden, umso größer du den Pot preflop machst. Deine 3-Bet sollte out of Position daher größer ausfallen als in Position, etwa in Potsize, tendenziell noch höher.
Die Continuationbet in Verbindung mit der etwas größeren Preflop-3-Bet Preflop erzeugt somit die maximal notwendige Foldequity, um diese Situation in eine +EV-Situation zu verwandeln. Jedoch solltest du darauf achten, dass du nicht von Gegner exploitet wirst, welche sehr gerne in 3-bet Pots floaten. Um dies zu verhindern, solltest du gegen solche Gegner ab und an den Turn mit starken Händen checkraisen.
Bist du postflop IP, hast du den Positionsvorteil auf deiner Seite. Das bedeutet, dass die Preflop-3-Bet nicht so hoch ausfallen muss. Auch hier ist eine Erhöhung um Potsize, tendenziell etwas weniger, ein guter Richtwert.
Dein Gegner wird aufgrund seines Positionsnachteils einen großen Teil seiner Openraisingrange folden müssen. Das führt dazu, dass du in Position weitaus mehr 3-betten kannst als out of Position. Insbesondere bietet sich das an, wenn du im Button sitzt und dein Gegner im Cutoff first in raist. Seine Range wird hier sehr groß sein, was deine 3-Bet schon zu einem +EV-Move macht, da er viel zu viel folden muss.
Erleichternd kommt hinzu, dass du in Position immer die Kontrolle über den Pot hast. Du bist so z.B. viel besser in der Lage, maximalen Value aus Händen wie 87s oder 88 zu erhalten, solltest du mit ihnen ein Monster treffen.
Bei der Betrachtung der Stacksizes gehen wir immer von den effektiven Stacks aus. Insbesondere ist hier zu beachten, dass du Shortstacks nicht light 3-betten solltest. Du müsstest viel zu häufig aufgrund der guten Odds einen möglichen Push des Gegners callen und ob das Zeigen von 53s als 3-Bet-Hand deinem Tableimage wirklich gut tut, sei dahingestellt.
Du benötigst eine Stacksizekonstellation, die es dir erlaubt, preflop wie auch postflop noch genug Foldequity zu erzeugen, ohne dich aktiv zu committen.
Um dies genauer betrachten zu können, müssen wir uns zuerst im Klaren sein, wo die Unterschiede zwischen einem raised Pot und einem 3-bet Pot liegen und wie so eine Hand dann meist verlaufen wird. Ein wichtiger Punkt hierbei ist die Größe der Continuationbet in einem 3-bet Pot.
Es wäre ein kleines Leak, wenn man standardmäßig seine Continuationbet weiterhin im gleichen Verhältnis zum Pot wählt, wie man dies in normalen raised Pots macht. Du würdest sehr oft sehr viel Geld in eine Continuationbet investieren, obwohl du den Flop häufig weit verfehlt hast.
In einem 3-bet Pot reicht jedoch eine Continuationbet zwischen ½ und ²/³ Potsize völlig aus, um genug Foldequity zu erzeugen und ausreichend zu protecten, sofern du eine sehr gute Hand getroffen hast. Da der Pot zuvor stark angewachsen ist, bist du nicht mehr dazu gezwungen, große Bets zu machen, um den maximalen Value aus einer Hand zu holen. Ist dein Ziel, am River All-In zu sein, reichen meist Bets in einer Größenordnung von 60% des Pots. Würde man am Flop, Turn und River jeweils 60% Potsize betten und der Gegner immer callen, so hätte man schlussendlich ~135 BB selbst hineingestellt
Eine Bespielrechnung einer möglichen Hand könnte nun wie folgt aussehen:
0,5 BB - Größe des SB
1 BB - Größe des BB
3,5 BB - Raisegröße des Openraisers
12 BB - Größe deiner 3-Bet
Nach einem Call des Openraisers wäre der Pot (ohne Rakeabzug) bei 25,5 BB.
Nach einer Continuationbet zwischen 13 BB und 19 BB und einem Call wäre der Pot am Turn zwischen 51,5 BB und 63,5 BB groß.
Um nun noch genügend Foldequity erzeugen zu können, sowie noch die Möglichkeit zu haben, etwas Value aus der Hand heraus zu holen, bräuchtest du noch mindestens 40B B. So würdest du dich auch nicht mit einer Continuationbet am Flop committen.
Der Mindeststartstack sollte also bei 40BB+19BB+12BB = 71BB liegen.
Man kann zwar auch kleinere Stacks light 3-betten, jedoch sollte man sich dann klar sein, dass man postflop unter Umständen den ein oder anderen crying Call machen müsste, obwohl man sehr sicher sein kann, dass man geschlagen ist.
Du siehst, dass bei den Stacksizes ein gewisser Mindestwert gegeben sein muss, um eine lighte 3-Bet auch +Ev ausführen zu können. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, ob die Stacks für eine 3-Bet zu groß sein können. Im Grunde kann man das verneinen, jedoch sollte man bei Deepstacks vorher überlegen, ob es nicht Alternativen gibt. Ein Coldcall IP mit einer drawing Hand ist in diesem Fall durchaus ein profitabler Spielzug. Außerdem erhalten die Gegner beim Spiel mit sehr deepen Stacks bessere Implied Odds und können daher die 3-Bet auch häufiger callen. Bei deepen Stacks wiegt der Positionsvorteil daher auch um einiges schwerer.
Der Gegner ist mit der wichtigste Faktor bei der Entscheidung für oder gegen eine lighte 3-Bet. Gegen bestimmte Gegnertypen ist eine lighte 3-Bet tendenziell -EV. So willst du weder einen Gegner light 3-betten, der mit einer breiten Range openraist und viele 3-Bets callt, noch einen Gegner, der eine sehr tighte Openraisingrange hat, die zu 95% aus Premiumhänden besteht, mit denen er häufig 4-bettet. Somit sind Spieler des 70/30- Typs wie auch des 32/4-Typs nicht wirklich profitabel light zu 3-betten.
Die besten Gegner sind mitdenkende TAGs und Semi-LAGs, die eine kleine 3-Betting-Callingrange haben. Besonders gut sind auch multitablende Regulars, da diese dazu neigen, Poker im Autopilot-Modus zu spielen und kaum merken, dass du sie light 3-bettest. Sie folden ihre Hände häufig, ohne überhaupt darüber nachzudenken, was überhaupt gerade geschieht.
Doch nicht nur die gegnerischen Preflop-Tendenzen sind wichtig, sondern auch die Frage, inwiefern der Gegner dazu neigt, postflop sehr tricky zu werden. Ein Bluffcheckraise am Flop wird dich oft zum Folden bringen, was du natürlich in einem 3-bet Pot vermeiden willst.
Am besten sind daher Fit-or-Fold-Spieler, die ihre Hand aufgeben, wenn sie nichts getroffen haben, und callen, wenn sie getroffen haben. Bei ihnen kannst du am Turn sehr oft die profitabelste Entscheidung treffen, da du die Stärke ihrer Hand nahezu optimal einschätzen kannst.
Zusammenfassen ist also zu sagen, dass der Gegner preflop eine eher kleine 3-Bet-Callingrang haben und postflop sehr weak spielen sollte, so dass du den Pot mit einer Continuationbet oft direkt mitnehmen kannst.
Nun stellt sich noch eine auf den ersten Blick sehr wichtige Frage: Um welche Händen solltest du deine 3-Betting-Range erweitern? Einfach wahllos Hände auszusuchen wäre hier suboptimal. Zwar werden 3-betted Pötte selten in einem Showdown enden, wenn nicht beide Gegner eine sehr gute Hand getroffen haben, jedoch willst du möglichst Showdowns gewinnen, wenn es dazu kommt. Somit ist schon einmal ein Kriterium klar, dass die Hände erfüllen müssen: Sie müssen starke Hände bilden und große Pötte holen können.
Große Pötte gewinnt man selten mit Toppair/weak Kicker. Du benötigst Straights und Flushs. Daher eignen sich suited Connectors (54s+), mittlere offsuited Connectors(54o+) und suited Onegapper (75s+) sehr gut für diesen Zweck. Einfach jede suited Hand zu spielen, wäre aber fatal, denn z.B. eine Hand wie Q3s kann dir arge Probleme bereiten, wenn du einen Q-high-Flop mit Backdoordraws triffst. Das Folden kann dann schwer fallen.
Da ist es dann doch angebrachter, mit 76s ein Midpair, no Draw zu treffen, welches man ohne Bedenken in einem 3-bet Pot folden kann. Schwächere Asse (A6, A9...) sollten daher nicht in die erweiterte Range aufgenommen werden, da du hier sehr große reverse implied Odds hast. Du wirst den Pot entweder mit eine Continuationbet mitnehmen oder kannst dir ziemlich sicher sein, sofern du nicht Twopair oder besser getroffen hast, mit deinem Toppair geschlagen zu sein.
Mittlere und kleine Pocketpaare sind ebenso recht gute Hände, welche man in die erweiterte Range mit aufnehmen kann, da sie postflop recht einfach zu spielen sind. Entweder man trifft sein Set und ist sich sicher, gut zu sein, oder man trifft ein Mid- oder Underpair und weiß, dass man auf Aktion folden kann. Bei den Pocketpaaren solltest du aber preflop immer die Möglichkeit eines einfachen Coldcalls auf Setvalue in Betracht ziehen. Sind passive Spieler in den Blinds, so kannst du eher auf Setvalue callen, da du sehr wahrscheinlich einen Multiwaypot spielen wirst. Sind hingegen squeezefreudige Spieler in den Blinds, wäre das ein Argument für eine lighte 3-Bet anstatt, ohne nachzudenken, einfach coldzucallen, um dann auf ein Squeeze folden zu müssen.
Obwohl dieser Faktor nun als letztes angesprochen wird, ist er doch sehr, sehr wichtig. Du solltest immer wissen, wie sich der Tisch gerade verhält!
- Tiltet ein Spieler?
- Sind viele neue Spieler hinzu gekommen und du hast nahezu keine History mehr?
- Hast du zuvor sehr viele Preflop-3-Bets gemacht?
- Wie adapten die Gegner jeweils auf deine größere 3-Betting-Range?
Man sollte also nur lighte 3-Bets machen, wenn die allgemeine Tischsituation es anbietet. Warst du zuvor, aufgrund von Kartenglück oder lighten 3-Bets, sehr aktiv, solltest du dich etwas zurückhalten und es nicht übertreiben. Einer der Gründe für die vermehrten 3-Bets ist schließlich, dass du mit deiner legitimen Range, die aus Preflopmonstern besteht, mehr Action erhalten möchtest. Die Kunst ist hierbei also, die Balance zu finden zwischen vermehrten 3-Bets, die zu mehr Action führen, aber das auch nicht zu übertreiben und diese Action dann zu haben, wenn du schlechtere Hände hältst, die du auf eine 4-Bet sehr oft folden musst.
Neben deinem Tableimage musst du auch den Gemütszustand der anderen Spieler betrachten. Soeben verteilte Bad Beats, ob von dir oder einem anderen Spieler, können jemanden auf Tilt bringen. Der kann dann eher geneigt sein, auf deine 3-Bet hin einfach zu 4-betten oder zu pushen. Das willst du nicht, deshalb solltest du über die wichtigen vergangenen Hände im Bilde sein.
Da das etwas Übung braucht, ist es anfangs anzuraten, weniger Tische zu spielen, denn gerade bei den ersten Versuchen, dieses Konzept in sein eigenes Spiel einzubauen, gilt es die Situationen bestmöglichst zu analysieren. Beginnt man beim 6-Tabling einfach ab und an querbeet 3-Bets einzustreuen, welche durchaus dann auch funktionieren können, so kann dies zu einem Leak führen, das zu beseitigen, später wieder viel Zeit in Anspruch nimmt.
Wie wehrst du dich gegen lighte 3-Better?
Bisher haben wir nur die Sicht des Aggressors betrachtet, der "dauernd" 3-bettet. Gerade auf den höheren Limits wird man aber immer wieder selbst zum Opfer eines lighten 3-Betters und dann stellt sich die Frage, wie man darauf am besten reagiert. Sollte man einfach auf gute Hände warten und dann Action geben oder sollte man vermehrt 4-betten oder vielleicht einfach mehr callen und versuchen, den Gegner am Flop auszuspielen?
Egal wie die Antwort ausfällt, ist eines wichtig: Nimm die Preflop-Aggression nicht persönlich und fange nicht an, dich auf diesen Spieler einzuschießen, um ihn nun unbedingt light zu 4-betten oder postflop durch einen tollen Move aus dem Pot zu drängen. Analysiere die Situation am Tisch immer objektiv!
Generell kommst du sehr oft in schwierige Situationen, wenn du eine Preflop-3-Bet nur callst. Auf eine Continuationbet musst du oft aufgeben oder deine Hand in einen Bluff verwandeln und dann hoffen, dass der Gegner seine Hand foldet, obwohl sie durchaus häufig besser ist als deine. Zudem ist ein Float im 3-bet Pot sehr teuer und aufgrund der Potgröße ist es für den Gegner nicht einfach, Toppair-Hände zu folden.
Daher solltest du diese Variante nur wählen, wenn du dir sicher bist, dass dein Gegner postflop mittelstarke Hände folden kann, und wenn die Stacks groß genug sind, um Postflop einen Move anzubringen, ohne dass du dich direkt committest bzw. dem Gegner die Odds gibst, dass er zu 90% committed ist. Ebenso musst du die implied Odds betrachten, die du preflop erhältst, denn nur wenn die gut aussehen, solltest du einen Call in Betracht zu ziehen.
Je größer die Stacksizes sind, desto höhere implied Odds bekommst du preflop für deinen Call. Das kombiniert mit der Tatsache, beispielsweise aus dem BU geraist zu haben und einem Defend des BB gegenüberzustehen und somit postflop IP zu spielen, gibt einem eine gute Möglichkeit, preflop nur zu callen, um dann postflop den ein oder anderen Move als Bluff zu machen oder das Glück zu haben eine sehr gute Hand zu treffen und für diese dann den maximalen Value zu bekommen.
Da du jedoch selbst weißt, dass du als ligther 3-Better ungern eine 4-Bet sehen möchtest, liegt die beste Antwort auf die Frage, wie man sich gegen lighte 3-Better wehrt, auf der Hand. Du solltest einfach deine 4-Bet-Range etwas öffnen. Das ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, da du mit einer 4-Bet schon extrem viel Geld in den Pot investierst und auf auf 5-Bet oftmals sogar noch einigermaßen gute Odds erhältst, um gegen eine bestimmte Range callen zu können.
Beachte auch, mit Monstern ungefähr in der gleichen Höhe zu 4-betten. Wenn du über unterschiedliche Raisehöhen dem Gegner die Möglichkeit gibst, zwischen Bluff und legitimier 4-Bet deinerseits zu unterscheiden, kann er profitabel gegen dich pushen oder auch folden.
Um sich also gegen lighte 3-Better zu wehren, ist es oftmals besser, selbst wieder zum Aggressor zu werden und direkt eine Preflop-4-Bet zu machen. Dadurch verändert sich dein Tableimage wiederum, was einen ähnlichen Effekt wie zuvor bei der 3-Bet hat. Du wirst in Zukunft mehr Action auf deine 4-Bets erhalten.
Solltest du dich mit dieser aggressiven Anpassung nicht anfreunden können, da du z.B. zu starke Bedenken hast, mit JTs als Bluff eine 4-Bet zu platzieren, kannst du auch stattdessen deinen Openraisingrange tighter gestalten. Dann hast du häufiger legitime 4-Bet-Hände in so einer Situation.
Nachteil dieser Adaption ist, dass du schlichtweg zu tight und auf dem besten Wege zum Rock bist, der nur schwer Action für seine guten Hände erhält. Daher ist der aggressivere Weg der zu empfehlende.
Zusammenfassung
Wie wir also gesehen haben, ist es nicht einfach damit getan, mit irgendwelchen Händen 3-Bets einzustreuen, um die Vorteile des lighten 3-bettens genießen zu können. Man muss stets auf den jeweiligen Spot warten und die 3-Bets mit Sorgfalt anwenden, da ansonsten diese Veränderung im eigenen Spiel sehr schnell negative Ausmaße nehmen kann, welche man dann in der Winrate sehen wird.
Hier sind nun noch mal die wichtigsten Punkte der einzelnen Kapitel kompakt zusammengefasst:
- Die Position:
- Position des Openraisers am Tisch
- Möglichst weite Range => bevorzugt CO und BU => UTG vermeiden
- relative Position zum Openraiser
- IP ist OOP vorzuziehen
- IP 3-bettingrange > OOP 3-bettingrange
- OOP preflop höher 3-betten als IP und öfter C-Bet machen
- Position des Openraisers am Tisch
- Die Stacksizes
- Der effektive Stack zählt!!
- Keine Shortstacks light 3-betten
- Ungefährer Mindeststack sollte um 70bb herum liegen
- Je größer die Stacks, desto wichtiger wird die relative Position
- Der Gegner
- Sollte nicht zu tight sein und sehr viel 4-betten
- Sollte nicht 3-Bets zu light callen und postflop tricky/spewy sein
- Bevorzugt sind Fit-or-Fold-Spieler, welche direkt den Flop folden, wenn sie nichts treffen
- Deine Hand
- Die Hand muss große Pötte gewinnen können (off-/suited Connectors, suited Onegapper)
- Toppair, weak Kicker Hände sind zu meiden (Ax, Kx, Qx)
- Die Tischdynamik
- Man sollte immer über sein Tableimage bescheidwissen
- Gemütszustand der Gegner ist von großer Bedeutung (Tilt, Bad Beats, wer gambelt?)