Betsizes - Wie viel setzt du?
Einleitung
In diesem Artikel
- Warum die Betsize wichtig ist
- Value vs. Foldequity
Im Artikel zu den Betarten hast du gelernt, in welchen Situationen du aus welchen Gründen bettest. Offen geblieben ist dabei die Höhe deines Einsatzes und welche Möglichkeiten dir dabei zur Verfügung stehen. In diesem Artikel lernst du nun ein paar Standardbetsizes kennen und erfährst, warum die Betsize so entscheidend ist.
Wie wichtig ist die Betsize?
Die Betsize ist aus mehreren Gründen wichtig. Sie kann variieren, je nach dem, was du mit einer Bet erreichen willst. Du hast bereits die wichtigsten Kriterien der verschiedenen Betarten kennengelernt und auch zum Thema Betsize gibt es zunächst einige Grundgedanken:
Du willst von deinem Gegner Geld gewinnen, wenn du davon ausgehst, die stärkste Hand zu halten. Idealerweise gelingt es dir, einen sehr passiven Spieler zum Runtercallen zu animieren und ihn am River All-in zu setzen. Du kannst also mit einer Hand den kompletten Stack deines Gegners gewinnen, auch wenn dieser nur downcallt, anstatt zu raisen. Um am River keine große Overbet platzieren zu müssen, wählst du auf den vorherigen Streets deine Betsizes schon entsprechend aus.
Besteht die Möglichkeit, dass dein Gegner mit einem Draw callt, gibst du ihm durch die Höhe deines Einsatzes schlechte Odds, so dass er potenziell einen Fehler begeht, wenn er callt. Je höher du setzt und je öfter dein Gegner mit einem Draw callt, desto öfter macht er einen Fehler. Wie in der Definition der Protectionbet bereits erörtert, dient auch diese Bet nicht einzig dem Zweck der Protection, sondern natürlich bekommst du auch hier wesentlich mehr Value, wenn du vernünftig und hoch setzt. Ist am River beispielsweise ein Draw nicht angekommen, bekommst du von solch einer Hand auch keinen Value mehr.
Als dritte Möglichkeit steht dir der Bluff zur Verfügung. Dabei kannst du keinen Value von schwächeren Händen bekommen (oder ganz selten), deswegen beruht der Sinn dieser Bet alleine auf der Foldequity. Natürlich spielt auch hier die Betsize eine entscheidende Rolle. Ist die Bet riesig groß, so muss der Bluff auch sehr häufig funktionieren. Ist die Bet jedoch zu klein, so erzielt sie eventuell nicht ausreichend Foldequity.
Wie viel solltest du setzen?
Grundsätzlich steht es dir im No-Limit Hold’em jederzeit frei, deinen kompletten Stack in die Mitte des Tisches zu stellen. Du kannst bereits preflop All-in gehen, am Flop oder zu jeder anderen sich bietenden Gelegenheit. Die Frage dabei ist jedoch, was du damit erreichen willst.
Ganz wichtig sind dabei die oberen drei Ausgangspunkte:
- Willst du damit erreichen, möglichst viel Geld zu verdienen?
- Schützt du damit deine Hand?
- Oder bluffst du und willst deinen Gegner zu einem Fold bewegen?
Schau dir nun einmal einige Betsizes an:
Ein Push oder Shove bedeutet, dass du in einer einzigen Aktion deinen gesamten Stack in die Mitte schiebst. Theoretisch kann das in der first Position geschehen, indem du first to act sofort All-in gehst.
Aber ist das auch sinnvoll? Ruf dir dazu wieder die drei Grundgedanken ins Gedächtnis. Du wirst selten Value von einer schwächeren Hand bekommen (wobei es hier nebensächlich ist, womit du pushst). Protecten würdest du preflop schon, indem du anständig raist. Die Foldequity ist enorm, denn mit einem All-in vertreibst du viele schwächere Hände, die dich möglicherweise auszahlen würden.
Ein häufig gehörter Begriff ist die Potsizebet. Sie sollte zum Standardrepertoire eines jeden Pokerspielers gehören, da man sie mit etwas Übung relativ leicht ausrechnen kann.
Die Potsizebet errechnet sich aus der Größe der gegnerischen Bet mal drei + der aktuellen Potgröße:
Ist der Pot beispielsweise 10$ groß und Villain bettet am Flop wieder 10$, so errechnet sich die Potsizebet (hier das Potsizeraise) folgendermaßem: 10$*3 + 10$ = 40$.
Was ist an der Potsizebet so wichtig? Du benötigst sie dringend, wenn Protection angesagt ist. Du weißt zum Beispiel, dass am Flop ein Straightdraw (8 Outs) oder ein Flushdraw (9 Outs) in einem von 5 Fällen am Turn improved. Bis zum River geschieht das sogar ein einem von drei Fällen. Es ist also enorm wichtig, dass du weißt, welche Odds du deinem Gegner mit einer Bet gibst.
Bei einem Potsizeraise, sind die Odds für deinen Gegner immer 2:1. Sofern er diese Bet callt, macht er schon einen Fehler (die implied Odds bleiben erstmal außen vor).
Zurück zum Beispiel von oben:
Durch dein 40$-Raise muss dein Gegner 30$ bezahlen, um den Turn zu sehen. Gewinnen könnte er den aktuellen Pot von 10$ + seine bislang am Flop gesetzten 10$ + dein Raise von 40$, macht insgesamt 60$. Das Verhältnis von 60$ / 30$ gibt ihm Odds von 2:1.
Wie groß eine 2/3-Potsizebet ist, ist dir nun auch klar. Die Frage ist, wann setzt du eine solche Bet an?
Du weißt, dass beim Sinn einer Bet immer mehrere Faktoren zu berücksichtigen sind. Die Potsizebet bietet maximale Protection vor einem Draw. Was aber, wenn dein Gegner gar keinen Draw hält? Je höher du setzt, desto mehr protectest du, bekommst jedoch auch weniger Value von schwächeren Händen.
Die 2/3-Potsizebet offeriert grundsätzlich Odds von 2,5 zu 1.
Beispiel: Der Pot ist am Flop 9$ groß und du setzt6$ (2/3 des Pots). Dein Gegner müsste 6$ callen, um 15$ zu gewinnen. Das Verhältnis von 15$ / 6$ gibt ihm Odds von 2,5 zu 1.
Auch diese Odds sind für ihn nicht sonderlich aussichtsreich, jedoch könnte er sich animiert fühlen, mit einer schlechteren Hand noch einmal zu callen.
Ein wichtiger Anwendungsbereich für eine 2/3-Potsizebet ist die Continuationbet. Du willst nämlich mit einer Continuationbet, die grundsätzlich aus allen drei oben genannten Gründen platziert werden kann (Value, Protection, Bluff), mehrere Ziele erreichen.
Spielst du beispielsweise im Heads-up am Flop und bist selbst der Preflopaggressor, so ist die Protection zwar grundsätzlich nicht unwichtig, wenn du z.B. Toppair triffst und deinem Gegner einen möglichen Draw zutraust. Jedoch ist es genauso wahrscheinlich, dass er bei dieser Betsize mit einer schlechteren Hand callt oder gar, dass er mit einer besseren Hand als deiner (solltest du z.B. gar nichts getroffen haben) foldet.
Würdest du als Continuationbet im Heads-up jedes Mal Potsize setzen, so müsste die Bet in 50% aller Fälle erfolgreich sein. Du setzt 10$ um 10$ direkt am Flop zu gewinnen. Bettest du jedoch nur 2/3 des Pots, so muss die Bet nur in 40% aller Fälle einen direkten Erfolg nach sich ziehen.
| WICHTIG | |
| Je mehr du setzt, umso häufiger muss dein Gegner folden. | |
Andererseits benötigst du ein Mindestmaß an Foldequity. Würdest du beispielsweise nur einen Dollar in den 10$-Pot betten, so müsste dies logischerweise auch nur in einem von zehn Fällen funktionieren. Das Problem ist nur, dass dein Gegner dann nahezu niemals folden wird bzw. zu einem Bluff animiert werden könnte. Deine Continuationbet braucht also ein Mindestmaß an Foldequity sowie eine vernünftige Grenze nach oben, damit sie nicht zu oft erfolgreich sein muss.
Unter Berücksichtigung dieser beiden Randbedingungen hat sich eine 2/3-Potsizebet erfahrungstechnisch als gutes Mittelmaß erwiesen.
Wenn du dir dieses Prinzip vor Augen hältst, können natürlich auch kleinere Betsizes erfolgsversprechend sein. Solltest du der Meinung sein, auch mit einer ½-Potsizebet die nötige Foldequity zu erzielen, so ist dies natürlich ebenso möglich. Dafür solltest du deinen Gegner jedoch etwas besser einschätzen können.
Je kleiner deine Bet ausfällt, desto weniger Foldequity erzielst du und desto weniger Value bekommst du von schlechteren Händen. Außerdem bekommt dein Gegner bei einer ½-Potsizebet Odds von 3:1, wodurch natürlich weniger Protection gegeben ist.
Als Overbet bezeichnet man eine Bet, die größer angesetzt wird, als der aktuelle Pot. Wie bereits erläutert, führt dies zu einer höheren Foldequity, gleichzeitig verlierst du dadurch aber Value, da du schlechteren Händen kaum eine Möglichkeit bietest zu callen. Um zu protecten, wäre die Overbet theoretisch natürlich ideal.
Eine Potsizebet reicht aber für maximale Protection, weshalb du grundsätzlich eher auf Overbets verzichten solltest.
Was ist mit der Deception?
Deception bedeutet kurz gesagt, dass du nicht lesbar werden willst. Deswegen ist es gerade bei den Betsizes von Vorteil, Standardgrößen zu setzen. Machst du deine Continuationbet also jedes Mal in Höhe von 2/3 des Pots, so werden die Gegner kaum einschätzen können, ob du unimproved bluffst und nur auf die Foldequity vertraust oder ob du protectest bzw. for Value bettest. Solange man dich nicht „lesen“ kann, zwingst du deinen Gegner zu Fehlern und machst dadurch langfristig viel Geld.
Auffällig wäre eine Variation der Betgrößen beispielsweise, wenn du als Bluff nur ½ Potsize bettest, mit einem Monster 2/3-Potsize und mit einer Hand, die du zwingend schützen musst, eine Potsizebet raushaust. Mitdenkende Gegner werden das irgendwann merken und somit wissen, was deine Betsizes jeweils zu bedeuten haben.
Mögliche Betsizes auf den verschiedenen Streets
Preflop hast du deine Standardraises. First-in ist ein 4BB-Raise ausreichend. Sollten sich vorher bereits Limper im Pot befunden haben, so erweiterst du dein Raise auf 4BB+1BB/Limper.
Nach einem Raise vor dir solltest du als Minimum das Dreifache des Raises ansetzen. Sollten zusätzlich Limper eingestiegen sein, so kannst du diese noch dazu addieren. Solltest du dich out of Position befinden (small Blind/big Blind), kannst du ebenfalls noch ein BB höher raisen.
Auch hier gilt bereits der Value-/Protection-Aspekt. Du willst mit der vermutlich besseren Hand preflop bereits Geld in den Pot bekommen und spekulative Hände nicht günstig drawen lassen, um dich postflop auszusucken.
Am Flop besitzt du häufig die Initiative und kannst eine Continuationbet anbringen. Wie erwähnt, bietet sich im Heads-up eine 2/3-Potsizebet an.
Sollten jedoch mehrere Gegner am Flop dabei sein und ist das Board sehr drawlastig, könntest du höher betten und bis maximal Potsize gehen. Die Protection wird hier immer wichtiger.
In einigen Situationen hast du natürlich nicht die Initiative und musst eine gegnerische Continuationbet raisen. Hierfür empfiehlt sich ebenfalls ein Wert um 2/3-Potsize. Maximal ist auch hier ein Potsizeraise möglich, jedoch musst du auch hier wieder abwägen, inwiefern Protection und Foldequity im Verhältnis zu einander stehen. Jeweilige Betrachtungen von Gegner und Board sind hier unerlässlich.
Sofern du dich nur noch im Heads-up befindest, kannst du dich hier auf eine 2/3-Potsizebet festlegen oder in gewissen Situationen auch darunter bleiben. Es steht nur noch eine Karte aus und somit sind die Odds für deinen Gegner, sollte er einen möglichen Draw halten, ohnehin wesentlich schlechter als am Flop. Demnach musst du nicht zwanghaft Potsize betten, sondern solltest schlechteren Händen die Möglichkeit geben, dich auszubezahlen.
Natürlich sind auch die Reststacks sehr entscheidend, da du dir bewusst machen solltest, wie du auf gegnerische Action reagierst und inwiefern dein Gegner auf die Höhe deiner Bet reagiert. Du kannst am Turn entweder bet/folden oder bet/callen (sofern du überhaupt betten willst. Natürlich kannst du deine Hand auch durch check/fold aufgeben). Solltest du der Meinung sein, ein sehr passiver Spieler raist hier nur mit starken Händen, so kannst du tendenziell etwas weniger setzen.
Spielst du aber beispielsweise gegen einen sehr schwachen Gegner, der ohnehin zuviel callt und dich auch mit vielen schlechteren Händen ausbezahlt, so kannst du natürlich mehr setzen, um ihn am River All-in zu bekommen. Der mögliche Verlauf auf zukünftigen Streets und die gegnerischen Verhaltensweisen sollten also immer im Hinterkopf vorhanden sein und mit berücksichtigt werden.
Der River bietet nun einen Sonderfall, da dort die Protection wegfällt. Deine Hände sind gemacht und du liegst entweder vorne oder nicht. Es stehen keine weiteren Karten mehr aus.
Eine Bet am River erfüllt daher nur noch zwei Aspekte:
- Du bettest, um Value von einer schwächeren Hand zu bekommen.
- Du bettest, um eine bessere Hand zum Folden zu bringen (Bluff).
Hier kannst du abhängig vom Gegner vermehrt variieren. Bist du der Meinung, Villain würde eine halbe Potsizebet noch mit einer schlechteren Hand callen, auf eine höhere Bet aber folden, so solltest du auch nur so viel setzen. Bist du hingegen der Meinung, dein Gegner callt einen Shove/Push (bspw. da dein Draw angekommen ist, den dir dein Gegner nicht abkauft) mit einer schlechteren Hand, so kannst du das ausnutzen. Denn auch hier ist im Umkehrschluss klar, dass du das Geld entweder jetzt bekommen musst oder gar nicht mehr, da die Hand nach dieser Betrunde abgeschlossen ist.
Auch die im ersten Artikel angesprochene Blockbet findet hier Beachtung, du kannst auch sehr klein betten und auf ein Raise folden. Hier dient die Bet eher der Information, als dass du Value willst oder bluffen musst.
Solltest du am River eine sehr starke Hand in Position halten und Villain bettet, so solltest du natürlich raisen um Value zu extrahieren. Auch hier musst du dir die Frage stellen, wie viel dein Gegner mit einer schwächeren Hand noch callen würde. Ab und an bieten sich hier auch kleinere Raises an, um noch Value von dominierten Händen zu bekommen. Du solltest aber nicht zu klein raisen, denn letztlich willst du Geld gewinnen und sollte dein Gegner bluffen, callt er ohnehin kein Raise mehr.
Zusammenfassung
Bei den Betsizes ist es grundsätzlich wichtig zu hinterfragen, welchen Zweck deine Bet erfüllen soll. Das Verhältnis von Value und Foldequity sollte in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen.
Das ist wichtig, da du nicht nur mit starken made Hands bettest, um Value zu extrahieren, sondern auch mit schwächeren Händen, um eine eventuell bessere Hand zu einem Fold zu bewegen. Um nicht anhand deiner Betsizes lesbar zu werden, solltest du diese Hände möglichst gleich spielen.
Wichtig ist dabei eine stetige Betrachtung der Gegner, damit du einschätzen kannst, warum du überhaupt bettest und mit welchen Händen dein Gegner callen könnte bzw. welche besseren Hände er folden könnte.
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