Aktualisiert am 12 März 26 von

Wie spielst du nach dem Flop?

Einleitung

Was brauchst du, bevor du loslegen kannst?

Damit sind wir schon zum letzten Teil der Shortstackstrategie angelangt - dem Spiel ab der zweiten Setzrunde.

Ob du nach dem Austeilen der ersten drei Gemeinschaftskarten oder in den späteren Setzrunden weiteres Geld investierst, hängt in erster Linie davon ab, welches Blatt du mit den Gemeinschaftskarten getroffen hast. Hast du getroffen, geht es Richtung All-In. Hast du nicht getroffen, nunja ...

Oder schau dir die Strategie als Videopräsentation an

Die Shortstackstrategie gibt es auch in Videoform. Für jeden Artikel gibt es ein Video: Grundlagen, das Spiel vor dem Flop und das Spiel nach dem Flop.

Grundlagen Vor dem Flop Nach dem Flop

Welche Blätter kannst du halten?

Die meisten spielbaren Blätter wie Straße oder Flush kennst du bereits aus dem Artikel zu den Regeln von Texas Hold'em. Für die Shortstackstrategie gibt es aber noch ein paar Sonderfälle, z.B. drei verschiedene Arten von Paaren: Mittelpaar, Toppaar und Überpaar.

WAS IST EIN MITTELPAAR?

Ein Mittelpaar hast du, wenn deine beiden Startkarten schon ein Paar bilden, und in den Gemeinschaftskarten genau eine höhere Karte liegt, die aber kein Ass sein darf.

Du hast z.B. zwei Buben auf der Hand und am Flop kommen eine Acht, eine Vier und ein König. Dann hast du ein Mittelpaar, weil es nur eine größere Karte gibt, nämlich den König.

Mittelpaar

 
Du hast:   Der Flop:
WAS IST EIN TOPPAAR?

Ein Toppaar ist ein Paar aus einer deiner beiden Startkarten und der derzeit höchsten Gemeinschaftskarte.

Hältst du beispielsweise Ass Bube auf der Hand, dann hast du immer genau dann ein Toppaar, wenn die höchste Gemeinschaftskarte entweder ein Ass oder ein Bube ist.

Toppaar

 
Du hast:   Der Flop:
WAS IST EIN ÜBERPAAR?

Ein Überpaar ist ein fertiges Paar aus deinen beiden Startkarten und beide Startkarten sind höher als jede Gemeinschaftskarte.

Hältst du z.B. zwei Asse auf der Hand und im Flop liegen nur kleinere Karten, dann ist das ein Überpaar.

Überpaar

 
Du hast:   Der Flop:
WAS IST EIN OESD?

Einen OESD (open-ended Straightdraw) hast du, wenn du vier direkt benachbarte Karten vorweisen kannst, z.B. 4, 5, 6 und 7.

Direkt benachbart bedeutet, dass die Karten aufeinanderfolgen. Dir fehlt oben oder unten eine fünfte Karte zur Straße. Nur dann ist dieser Straßendraw auch spielbar. Fehlt dir eine mittlere Karte zur Straße z.B. bei 4, 5, 7 und 8, dann spiel dieses Blatt niemals.

Wie generell in Texas Hold'em ist es egal, wie viele deiner beiden Karten und wie viele Gemeinschaftskarten du für dieses Blatt verwendest. Es ist egal, ob du deine beiden Karten und drei Gemeinschaftskarten oder ob du vier Gemeinschaftskarten und nur eine deiner Karten für den Draw verwendest.

OESD

 
Du hast:   Der Flop:
WAS IST EIN FLUSHDRAW?

Einen Flushdraw hast du, wenn du vier gleichfarbige Karten vorweisen kannst.

Bei diesem Draw fehlt dir eine fünfte Karte der Farbe zum fertigen Flush. Mit Farbe ist im Poker übrigens gemeint: Herz, Karo, Pik und Kreuz.

Flushdraw

 
Du hast:   Der Flop:

Wie spielst du dein Blatt?

Du hast vor dem Flop erhöht

Hast du vor dem Flop erhöht, ist das Spiel relativ einfach. Du versuchst mit allen Blättern, die im Abschnitt zuvor gezeigt wurden, und natürlich noch besseren Blättern wie einem Flush direkt am Flop all dein Geld einzusetzen.

Du spielst: Mittelpaar, Toppaar, Überpaar und jedes bessere Blatt + OESD und Flushdraw

Spielweise:

  • Hat noch niemand gesetzt, setzt du ca. 2/3 des Pots.
  • Hat schon jemand gesetzt, gehst du direkt All-In.
  • Hast du gesetzt und nach dir wird erhöht, gehst du direkt All-In.
  • Musst du für deinen Einsatz mehr als die Hälfte deines Geldes einsetzen, gehst du direkt All-In.
  • Gehen Gegner deinen Einsatz am Flop nur mit, gehst du in der anschließenden Setzrunde am Turn direkt All-In.

Dein Blatt ist nicht spielbar?

Hast du keines der oben genannten Blätter, wirst du im Normalfall einfach aufgeben und kein weiteres Geld investieren. Vielleicht kannst du ja ohne weiteren Einsatz die Turn-Karte anschauen und dein Blatt dort zu einem Paar oder besser verbessern. Dann spiel da weiter wie am Flop.

Es gibt aber schon am Flop zwei Ausnahmen.

Ausnahme 1: Ist der Pot zu Beginn der Setzrunde schon doppelt so groß wie dein Chipstapel, gehst du auf jeden Fall All-In, egal was deine Gegner machen oder welches Blatt du hältst.

Ausnahme 2: Hast du vor dem Flop erhöht und nur genau einen Gegner, setzt du auf jeden Fall ungefähr 2/3 des Pots. Es ist egal, welches Blatt du hältst, weil du hier bluffst. Das aber nur gegen einen Gegner, der noch nichts gesetzt haben darf.

Erhöht der Gegner, steigst du aus. Geht er deinen Einsatz mit, gibst du den Bluff auf. Außer natürlich, du verbesserst dein Blatt mit der Turn-Karte, z.B. zu einem Mittelpaar oder Toppaar.
Dann gehst du am Turn All-In.

Du hast nicht vor dem Flop erhöht

Die Situation ändert sich, wenn du vor dem Flop nicht erhöht hast. Das kommt meistens nur vor, wenn du in der Position des Big Blinds bist und niemand vor dem Flop erhöht.

Erstens spielst du dann kein Blatt, das sich noch verbessern muss, also keinen OESD oder Flushdraw.

Zweitens spielst du auch kein Mittelpaar mehr und Toppaare nur dann, wenn deine zweite Startkarte (Beikarte oder Kicker genannt) mindestens ein Bube ist.

Du spielst: Toppaar (mindestens Bube als Beikarte), Überpaar und jedes bessere Blatt.

Spielweise:

  • Hat noch niemand gesetzt, setzt du 2/3 des Pots.
  • Hat schon jemand gesetzt, gehst du direkt All-In.
  • Hast du gesetzt und nach dir wird erhöht, gehst du direkt All-In.
  • Musst du für deinen Einsatz mehr als die Hälfte deines Geldes investieren, gehst du direkt All-In.
  • Gehen Gegner deinen Einsatz am Flop mit, gehst du am Turn direkt All-In.

Praxisbeispiele

BEISPIEL 1
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist in früher Position mit

  • Du erhöhst auf $0.40. Dir bleiben $1.60.
  • Der Spieler im Big Blind geht mit.
Am Flop - Aktive Spieler: 2 - Pot: $0.85
  • Dein Gegner schiebt.
  • Du setzt $0.55.

Du erhöhst vor dem Flop mit Ass König und ein Spieler geht mit. Am Flop schiebt er. Du selbst hast zwar kein Paar oder besser getroffen,  jedoch signalisiert dein Gegner Schwäche. Zudem ist er dein einziger Gegner, weshalb die Chancen gut sind, dass er auf einen Einsatz hin aussteigt.

Die Höhe deines Einsatzes sollte immer bei ungefähr 2/3 des Pots liegen. In diesem Fall machst du einen Einsatz von $0.55. Diese Größe kannst du schätzen und musst sie nicht exakt berechnen. Wenn du $0.50 oder $0.60 setzt, machst du keinen Fehler, Hauptsache du setzt.

Würde dein Gegner den Einsatz mitgehen, wäre die Runde für dich erst einmal gelaufen, es sei denn, du verbesserst dein Blatt am Turn oder River.

BEISPIEL 2
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist in früher Position mit

  • Du erhöhst auf $0.40. Dir bleiben $1.60.
  • Der Spieler im Big Blind geht mit.
Am Flop - Aktive Spieler: 2 - Pot: $0.85
  • Dein Gegner setzt $0.20.
  • Du erhöhst und gehst All-In.

Wieder erhöhst du mit Ass König und wieder geht der Spieler im Big Blinds mit. Dieses Mal setzt er am Flop, aber du hast jetzt auch ein starkes Blatt getroffen, das Toppaar Könige.

Die Strategie besagt, dass du All-In gehst, wenn ein Gegner vor dir setzt und du ein spielbares Blatt getroffen hast.

BEISPIEL 3
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist in früher Position mit

  • Du erhöhst auf $0.40. Dir bleiben $1.50.
  • Ein Spieler in mittlerer Position geht mit.
  • Der Spieler im Big Blind geht mit.
Am Flop - Aktive Spieler: 3 - Pot: $1.25
  • Der Spieler im Big Blind schiebt.
  • Du schiebst.
  • Der Spieler in mittlerer Position schiebt.
Am Turn - Aktive Spieler: 3 - Pot: $1.25
  • Der Spieler im Big Blind setzt $0.40
  • Du gehst All-In.

Die gleichen Karten in einer ähnlichen Situation. Vor dem Flop erhöhst du erneut mit Ass König. Dieses Mal triffst du nichts am Flop und hast zudem zwei Gegner. Demzufolge hat ein Einsatz hier wenig Sinn. Du schiebst daher ebenfalls und hoffst, die Turnkarte sehen zu können und dein Blatt nach Möglichkeit zu verbessern.

Das geschieht dann auch, denn du triffst das Toppaar Könige. Ein Spieler vor dir setzt. Für dich das sichere Signal, um jetzt All-In zu gehen und all dein Geld in den Pot zu bringen.

BEISPIEL 4
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist der Big Blind

  • Zwei Spieler in mittlerer Position gehen mit.
  • Du schiebst.
Am Flop - Aktive Spieler: 3 - Pot: $0.35
  • Du schiebst.
  • Ein Gegner setzt, der andere steigt aus.
  • Du steigst ebenfalls aus.

Hier eine etwas kniffligere Situation, die oft falsch gespielt wird. Du bist der Big Blind und da niemand vor dem Flop erhöht hat, kannst du die Flopkarten sozusagen kostenlos sehen.

Du triffst auch ein Toppaar, doch die Shortstackstrategie besagt, dass du mindestens einen Buben als Beikarte zu deinem Toppaar haben musst. In diesem Fall ist deine Beikarte zum Paar eine 7. Dein Blatt musst du damit leider so behandeln, als hättest du gar nichts getroffen.

Du schiebst und steigst auf jeden gegnerischen Einsatz hin aus. Das sollte dir auch nicht allzu schwer fallen.

BEISPIEL 5
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist in später Position mit

  • Du erhöhst auf $0.40. Dir bleiben $1.40.
  • Beide Spieler in den Blinds gehen mit.
Am Flop - Aktive Spieler: 3 - Pot: $1.20
  • Beide Spieler in den Blinds schieben.
  • Du gehst All-In.

Hier ein Beispiel für ein so genanntes Mittelpaar. Du hast ein fertiges Paar Damen auf der Hand, erhöhst vor dem Flop, doch der Flop bringt mit dem König eine höhere Karte. Jetzt ist z.B. ein Toppaar Könige beim Gegner besser als dein Blatt.

Trotzdem kannst du dein Blatt ganz normal weiterspielen, solange die höhere Gemeinschaftskarte kein Ass ist.

In diesem Fall setzt du nicht nur, sondern gehst direkt All-In. Das machst du aufgrund der Regel: Müsstest du für deinen Einsatz mehr als die Hälfte deines Geldes setzen, gehst du direkt All-In.

Normalerweise würdest du ca. 2/3 des Pots setzen. Das macht $0.80. Du hast noch $1.40 übrig und die Hälfte davon ist $0.70. Ganz klar also, dass dein Einsatz mehr als die Hälfte deines Geldes betragen würde und du hier All-In gehen musst.

Wiederholung

Du hast gelernt ...

  • Hast du vor dem Flop erhöht, spielst du Mittelpaar, Toppaar, Überpaar und bessere Blätter + OESD und Flushdraw.
  • Hast du vor dem Flop nicht erhöht, spielst du Toppaar (mindestens Bube als Beikarte), Überpaar und jedes bessere Blatt.
  • Ein Mittelpaar ist wertlos, wenn ein Ass in den Gemeinschaftskarten liegt.
  • Bluffen kannst du nur, wenn du vor dem Flop erhöht hast und am Flop nur einen Gegner hast.

Und das war sie auch schon, die Shortstackstrategie, die wahrscheinlich kleinste und effektivste Hold'em-Strategie der Welt. Wichtig ist, dass du dich wirklich an die Vorgaben hältst. Die sehr mathematische Natur dieser Strategie bedingt, dass du nicht einfach so abweichen kannst, selbst wenn du glaubst, gute Gründe dafür zu haben.

Viel Erfolg an den Tischen und vergiss nicht, dass du dir die komplette Strategie auch als handliche Druckversion herunterladen kannst.

Schau noch in die Übersicht zur Shortstackstrategie inklusive Starting Hands Chart