Shorthanded Theorie
Einleitung
In diesem Artikel
- Shorthanded-Theorie
- Überblick über Artikel, die dich weiter bringen
- welche Faktoren dein Spiel beeinflussen können
Du solltest deine ersten Erfahrungen im No-Limit Holdem an Fullring-Tischen sammeln. Hast du mit der Zeit genügend Hände dort gespielt, so wird es Zeit sich an den Shorthanded-Tischen zu versuchen, also an Tischen mit maximal 6 Spielern.
Du bekommst in diesem Artikel einen Überblick über das Shorthanded-Spiel. Du erfährst grundlegende Prinzipien und bekommst Hinweise auf weiterführende Artikel. Diese geben dir eine ausführliche Erklärung zu deiner Spielweise.
Actionreicheres Spiel
Dir muss klar sein, dass du an Shorthanded-Tischen deutlich mehr Action zu erwarten hast. Dies liegt einfach daran, dass nur maximal sechs Leute spielen anstatt zehn. Dadurch bleibt es dir nicht erspart, häufiger mit schwächeren Karten zu spielen.
Deshalb musst du bereit sein, auch mit marginaleren Händen am Tisch präsent zu sein. Während du an einem Fullring-Tisch aus früher Position meistens nicht viel zu melden hast, so kannst du an einem Shorthanded-Tisch schon deutlich schwächere Hände spielen.
Du kannst Dich nicht so gut „verstecken“ sondern musst zeigen, dass du durch aggressives Spiel jederzeit bereit bist, die Blinds zu attackieren.
Vor dem Flop - dein Image
Wie du Preflop agieren kannst, entnimmst du am besten den Preflop-Artikeln. Dort sind viele Gedankengänge zum Preflop-Play dargestellt. Dort findest du auch praktische Beispiele.
Dein Image ist ein entscheidender Faktor! Untertauchen analog dem Fullring-Game ist nicht möglich! Dort wartest du einfach auf spielbare Hände und kannst Dich dann in den Pot involvieren – gerade zu Anfang natürlich immer mit Blick auf das Chart. Im Shorthanded-Game ist so ein Chart nicht so leicht machbar, da es hier einfach zu viele Randbedingungen gibt, die du zu berücksichtigen hast.
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Postflop – knappere Entscheidungen
Häufig wirst du hören, dass sich das Spiel postflop nicht großartig unterscheidet. Dies ist jedoch nicht ganz richtig! Wichtig ist zu wissen, welche „Range“ dein Gegner hat. Dies ist beim Fullring-Game meistens viel leichter einzuschätzen. Du kannst dir zum Beispiel denken, was ein Limp/Call eines eher tighten Spielers aus Early Position in vielen Fällen bedeutet. Oder was es bedeutet, wenn dieser in der nächsten Runde eine 3-Bet anwendet.
Im Shorthanded-Bereich ist dies leider nicht so einfach. Ein Openlimp kommt meistens nur von recht schwachen Spielern. Wenn ein stärkerer Spieler eine Hand spielen will, so openraist er. Agiert dahinter ein weiterer Spieler, so wird dieser häufig 3-betten. du kannst dir vorstellen, wie groß die Ranges hier sein können.
Du kannst oft eine 3-Bet sehr schwer einschätzen. Ist es eine gute Hand, eine mittelmäßige Hand oder gar ein Bluff. „Bluffs“ kommen beim Shorthanded-Game häufiger vor, da man praktisch dazu genötigt wird.
Sitzt du beispielsweise hinter einem sehr aggressiven Spieler, der jedes Mal openraist, so musst du Dich irgendwann zur Wehr setzen. Solltest du nur auf eine Top-Hand warten, so wirst du zu leicht lesbar.
Also hast du im Grunde keine andere Wahl, als auch mal mit einer marginalen Hand eine 3-Bet einzustreuen, bevorzugt natürlich mit einer Hand die bei einem Call selten dominiert ist. Wie du dich am Flop, Turn und River am besten verhalten sollst, erfährst du in den betreffenden Artikeln.
Schätze deine Gegner richtig ein
Du musst Dich also deutlich mehr mit deinen Gegnern beschäftigen, dir überlegen, gegen welche Range du läufst. Und genau diese Annahmen verändern das Postflopspiel. Standardmäßig gespielte Continuation Bets bringen dir beispielsweise nicht viel, da du zu häufig gecallt wirst.
Deine Gegenspieler können nicht immer warten bis sie etwas getroffen haben, um den Pot zu gewinnen. Somit ist das typische „Set-Mining“, was an den Fullring-Tischen sicherlich ein Großteil der Spielweisen von sehr tighten Spielern ausmacht, an Shorthanded-Tischen unbrauchbar.
Wer also mit kleinen Pocket Pairs limp/callen möchte, wird auf Dauer nichts verdienen, da er postflop nur Action machen dürfte, wenn er gehittet hat.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Statistiken eines Gegners. Natürlich sollst du selber beobachten, was deine Gegenspieler veranstalten, wenn möglich auch in Händen wo du eben nicht involviert bist. Aber es fällt auf Dauer natürlich schwer, alles unter Kontrolle und im Blick zu haben.
Eine Stats-Hilfe wie beispielsweise der „Elephant“ nimmt dir sehr viel Arbeit ab und ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg, wenn du deine Gegner richtig einschätzen möchtest.
Im Gegensatz zu 10max Tischen bedeutet ein Preflop-Raise aber nicht, dass man gegen eine außerordentlich gute Hand spielt. Letztlich bedeutet dies: Es fehlen einem die Implied Odds.
Wer an einem 6max-Tisch passiv spielt, legt bei Aggressionen seinerseits seine Hand offen und wird den Gegner nicht häufig genug stacken, um sein Spiel profitabel zu gestalten. Unter dieser Berücksichtigung bleibt einem guten Spieler gar nichts anderes übrig als seine Hände zu verschleiern und am Flop auch mit mittelmäßigen Händen Gas zu geben.
Die „Theorie“ des Postflop-Plays bleibt natürlich unverändert, aber du musst dir genau anschauen, gegen wen du spielst. Ein Flop-Raise bedeutet nicht häufig eine starke Hand, sondern kann auch oft genug ein Bluff oder Semi-Bluff sein, während du an einem Fullring-Tisch nach solch einer Aktion eines eventuell eher zurückhaltenden Spielers schon von den Beinahe-Nuts ausgehen kannst.
Daraus folgt, dass du gewisse Hände einen Tick leichter zum Showdown führen kannst. An 6max-Tischen findest du in der Regel vermehrt Spieler, die einen sehr aggressiven Stil pflegen. Und es wird dir nichts übrig bleiben, als dich diesen Verhältnissen einigermaßen anzupassen.
Siehst du Dich also einem Spieler gegenüber, der häufig mit Draws raisen kann, musst du dein Toppair auch so stark schützen, dass du bereit bist, damit am Flop All-In zu gehen.
Ist das Board drawless, solltest du deine Hände eher im Sinne des Way ahead / Way behind – Prinzips runtercallen. Du kannst / darfst / solltest hier unterm Strich in allen Belangen einen Tick looser agieren als an einem Tisch mit 10 Personen.
Balancing und Deception
Das ist wichtig für das Balancing und die Deception
deines Spiels. Du musst unlesbar bleiben (Deception) und darfst den
Gegnern nicht auf die Nase binden, was du halten könntest. Dieses
Grundkonzept der Verschleierung ist an einem Fullring-Tisch einfach
nicht so wichtig, da die meisten dort ohnehin nur mit ihren eigenen
Händen beschäftigt sind.
An einem 6-max-Tisch jedoch kommen auch deine Gegenspieler auf den
Gedanken, dein Play häufiger Mal zu hinterfragen und sich darauf
einzustellen. Dementsprechend musst du gegnerspezifischer
spielen. Es gibt wenige Entscheidungen, die du automatisch fällen
kannst. Analysiere jedes Mal die Situation neu, mach dir mehr Gedanken
darüber was dein Gegner halten könnte.
Um dieses in der Praxis gut umzusetzen gibt es zwei wichtige Punkte zu beachten:
Zuerst solltest du weniger Tische
spielen. Während du beim Fullring-Game sehr gut an mehreren Tischen
agieren kannst, ohne weitere Reads von deinen Gegnern zu sammeln, so
solltest du beim Shorthanded-Game deine Tische und Gegner immer im
Blick haben.
Es ist hier auch wichtig zu sehen, wie deine Gegenspieler in gewissen Spots reagieren. Diese Reads solltest du in einer der kommenden Runden, wenn du gegen diesen Spieler antrittst, im Hinterkopf haben.
Varianz contra Bankrollmanagement
Der letzte Satz des vorherigen Blocks offeriert somit natürlich gleich eines der Hauptprobleme des Shorthanded-Games ... es ist varianzreich! Nun könntest du das einfach so hinnehmen, doch die Varianz kann sich natürlich in vielen Bereichen deines Pokerlebens auswirken.
Da wäre zum einen der Tilt! Wenn du durch vermeidliche Bad Beats schnell die Fassung verlierst oder es dir sehr schwer fällt, den Verlust eines Stacks in Kauf zu nehmen, so wirst du an 6max-Tischen (anfangs) natürlich Probleme bekommen. Es kann durchaus sein, dass die Stacks so schnell zu deinen Gegnern wandern, dass du mit dem Rebuyen kaum hinterher kommst.
Die knappen Situationen, wo du Dich mit einer eher als marginal anzusehenden Hand entscheiden musst, deinen Stack in die Mitte zu stellen, nehmen an 6max-Tischen deutlich gegenüber Fullring-Tischen zu und lassen sich leider nicht vermeiden.
Richtig problematisch wird es, wenn du dadurch dein A-Game verlässt und unkontrolliert spielst. Es ist logisch, dass du hier viel schneller teure Fehler machen kannst. Versuche also in solchen Situationen ruhig zu bleiben und lies dir vorher die von Pokerstrategy bereitgestellten Artikel zum Thema Tilt durch und überlege, ob du die dort angegebenen Maßnahmen ergreifen solltest.
Aus der Kombination des varianzreichen Spiels sowie der Möglichkeit, nicht mehr ganz unbefangen zu spielen wenn einem die Stacks nur so durch die Finger gleiten, ergibt sich natürlich das allseits beliebte Thema Bankrollmanagement.
Dieses hat einige wichtige Funktionen, die wichtigste lautet: du sollst nicht broke gehen! Ein Bankrollmanagement ist immer wichtig, damit du durch einen Downswing, den jeder Spieler durchlaufen muss, nicht deine gesamte Bankroll verlierst.
Aber auch dem Tilt kann es vorbeugen. Spiele mit deinem Bankrollmanagement auf einem Limit, wo Dich ein Verlust von ein paar Stacks nicht großartig stört. Es muss dir klar sein, dass diese Verluste zum Spiel gehören und sich nicht vermeiden lassen.
Empfohlen wird für das Shorthanded-Game ein Bankrollmanagement mit mindestens 25 Stacks. Aber solltest du das Gefühl haben, damit nicht unbefangen spielen zu können, so korrigiere es für Dich einfach nach oben.
Was bleibt sonst noch zu sagen? Das Shorthanded-Game ist auf dem Vormarsch und über kurz oder lang musst du Dich mit dem Gedanken anfreunden, auch diese Variante zu beherrschen.
Besonders schlechte Spieler lieben das 6max-Spiel. Sie sind gerne häufig in der Hand (am liebsten jedes Mal) und mögen die Action. Diese wird ihnen an Fullring-Tischen zu selten geboten.
Somit findest du im Verhältnis gesehen mehr schlechte Spieler an 6max-Tischen als an 10max-Tischen. Da somit die Nachfrage an 10max-Tischen eher gering ist, stehen es auf den meisten Plattformen auch deutlich mehr Shorthanded-Tische zur Verfügung. Je höher die Limits werden, umso mehr konzentriert sich das Spiel auf die 6-max-Variante.
Doch wie heißt es immer so schön: „Wer suchet, der findet!“. Natürlich hast du durch gute Selektion auch die Möglichkeit, profitable Fullring-Tische auf höheren Limits zu finden. Doch irgendwann solltest du Dich schon fragen, ob du das Shorthanded-Game nicht ausprobieren willst ... und dann wird es um Dich geschehen sein.
Zusammenfassung
Du hast nun ein paar wesentliche Unterschiede zwischen dem 6max- und dem 10max-Game kennen gelernt. Am besten ist es für dich natürlich, wenn du die Variante spielst, die dir am meisten Freude bereitet.
Hast du an Fullring-Tischen bereits viel Erfahrung gesammelt und entscheidest Dich, nun auf das 6max-Game zu wechseln, solltest du die oben genannten Punkte verinnerlicht haben und auch die Artikel zum Pre- und Postflopspiel lesen.
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