Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Pot Control - Den Pot unter Kontrolle halten

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Einleitung

In diesem Artikel

  • Mit mittelstarken Händen willst du billig zum Showdown
  • In Position kannst du den Pot leichter kontrollieren
  • Pot Control geht über Betsequenzen und Betgrößen

Ein sehr einfaches und grundlegendes Spielkonzept lautet: Je stärker deine Hand, desto größer der Pot, um den du spielen möchtest. Dass du mit Monstern so viel Value extrahieren möchtest wie nur möglich, ist klar.

Auf der anderen Seite aber wirst du häufig Hände halten, die zwar Showdownvalue besitzen, aber stark überspielt wären, wenn du damit in einen riesigen Pot gezogen würdest. Mit diesen Händen willst du billig zum Showdown, einerseits zwar Value von schlechteren Händen erhalten, andererseits aber bessere Hände nicht übermäßig ausbezahlen.

Bei der „Anpassung“ der Potgröße an die eigene Handstärke spricht man von Pot Control. Wann Pot Control wichtig ist und auf welche Weise man dieses Spielkonzept konkret umsetzt, lernst du in diesem Artikel.

Wann wendest du Pot Control an?

Es gibt nur eine Situation, in der du nicht auf den Aspekt der Pot Control achtest, nämlich dann wenn du eine Bluffbet ansetzt. Bei einem Bluff überspielst du deine Hand bewusst, da du glaubst, eine ausreichende Foldequity erzeugen zu können, um diese Bet in sich +EV werden zu lassen. Hier ist dein Ziel, den Pot ohne Showdown zu gewinnen.

Hältst du jedoch eine sehr starke Hand, so willst du den Pot so groß wie nur möglich werden lassen, da du weißt, dass dich kaum eine gegnerische Hand schlagen kann. Hier wird Pot Control durch deine Betsizewahl sehr wichtig. Es gilt die Betsizes so zu wählen, dass man den gesamten Stack bis zum Showdown in die Mitte schieben kann, ohne eine Overbet anbringen zu müssen.

Die Hauptanwendung findet Pot Control dann, wenn du eine relativ schwache oder mittelstarke Hand hältst. Sie hat zwar Showdownvalue, jedoch ist es wenig wahrscheinlich, dass weitere Bets oder Raises deinerseits von einer noch schlechteren Hand gecallt werden.

Daraus folgt eine einfache Grundregel: Gibt es kaum schlechtere gegnerische Hände, die bei weiteren Bets oder Raises deinerseits zum Showdown gehen würden, dann machen diese Bets oder Raises keinen großen Sinn, da du so deine Hand zu sehr in einen Bluff verwandelst.

Dass du bei weiteren Bets eventuell bessere Hände aus dem Pot bluffen kannst, steht auf einem anderen Blatt, denn hier, wie schon zuvor erwähnt, rückt der Aspekt der Pot Control durch das aktive Überspielen deiner Hand in den Hintergrund. Pot Control heißt, dass du die Potsize am Showdown weitestgehend deiner Handstärke anpasst.

Wie wendest du Pot Control an?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du den Pot kontrollieren kannst. Du kannst ihn erstens über die Betsequenz und zweitens über die Betgrößen kontrollieren.

Auf den folgenden Seiten wird für die beiden Fälle „Du bist in Position“ und „Du bist out of Position“ anhand von Beispielen gezeigt, wie du mit mittelstarken Händen Pot Control betreiben kannst. Es sei schon vorweg gesagt, dass du in Position weitaus bessere Möglichkeiten hast, die Potgröße zu diktieren, weshalb sich auch hier wieder einmal der Grundsatz bestätigt: Versuche immer Position auf deinen Gegner zu haben.

Anschließend erfährst du, wie du mit sehr starken Händen die Potgröße zu deinen Gunsten manipulieren kannst. Abschließend werden noch die theoretischen Grundlagen der Pot Control besprochen.

Du bist in Position

In Position hast du sehr viele Möglichkeiten die Größe des Pots zu beeinflussen, denn du kannst immer nach deinem Gegner agieren.

Verschiedene Betsequenzen lassen den Pot unterschiedlich groß werden. Gegen sehr schlechte Spieler bietet sich mit TPTK oft "bet Flop, bet Turn, bet River" an. Ein schlechter Gegner wird oft mit einem schlechteren Paar downcallen.

Wie sieht es nun allerdings mit Gegnern aus, die sich nicht so viel Geld mit einer recht schwachen Hand wegnehmen lassen? Folgendes Beispiel soll diese Situation verdeutlichen:

Hero (Button) (100$)
Villain (SB) (100$)

Preflop: Hero is Button with A, Q.

2 folds
, Hero raises to $4, SB calls $3,50, 1 fold.

Flop: ($9) 7, 3, Q (2 players)
SB checks, Hero bets $8, SB calls $8.

Turn: ($25) 6 (2 players)
SB checks, Hero ?

Bis zu diesem Punkt ist die Hand standardmäßig gespielt. Mit AQo vom Button raist du first in und am Flop bettest du knapp unter Potsize dein TPTK. Gehen wir im Folgenden einmal vier verschiedene Szenarien durch.

SZENARIO 1A: Hero bets $20. SB folds.

In diesem Szenario bettest du und der SB foldet. So bekommst du kein weiteres Geld von deinem Gegner.

SZENARIO 1B: Hero bets $20. SB calls.

Nach dem Call von dem SB gibt es am River mehrere Möglichkeiten. Triffst du deinen Flush, fällt die Entscheidung natürlich leicht: Du bettest oder raist.

Triffst du den Flush nicht, kann der SB entweder donkbetten oder checken. Checkt er, nimmt man gegen einen normalen Gegner gewöhnlich den free Showdown. Donkt er allerdings, stehst du vor einer schwierigen Entscheidung. Oft bist du bei einer solchen Betsequenz (check/call Flop, check/call Turn, bet River) geschlagen, wenn mögliche Draws, die er am Flop gehalten haben kann, angekommen sind.

SZENARIO 1C: Hero bets $30. SB raises All-In.

Dies ist wohl der schlimmste Fall. Auf der einen Seite hast du TPTK und den Nutflushdraw, auf der anderen Seite bist du hier sehr oft geschlagen. Geht man nun vereinfacht davon aus, dass dein Gegner hier, wenn er nicht blufft, auf jeden Fall vorne liegt (was auch der Realität recht gut entspricht) und im Falle eines Bluffs dich nicht mehr einholen kann, ergibt sich folgende Rechnung:

Pot = Geld im Pot (hier 143$)
PB = Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Villain blufft
PF = Wahrscheinlichkeit, dass der Flush ankommt (hier 0,195)
Call = Von dir zu callender Betrag (hier 58$)

Der Call ist profitabel, wenn gilt:

Gewinn > Verlust
<=> (1-PB) * PF * Pot + PB * Pot > (1 - PB) * (1 - PF) * Call
<=> PB > (Call - PF * Call - PF * Pot) / (-PF * Pot + Pot + Call - PF * Call)
<=> PB > 0,116

Villain müsste also in 11,6% der Fälle bluffen, damit du profitabel callen kannst. Natürlich gibt es Gegner, bei denen das zutrifft. Doch um diese zu erkennen musst du entweder ein Meister der Reads sein, oder bereits eine entsprechende History mit Villain haben. Meistens wird die Situation für dich in einem Standardfold enden müssen.

SZENARIO 2A: Hero checkt, SB bettet den River

Vorteile durch den Checkbehind am Turn:

  • Der Pot ist klein geblieben. Du spielest mit deiner mittelstarken Hand nicht um große Anteile deines Stacks.
  • Du hast am Turn Schwäche signalisiert. Es werden am River öfter schlechtere Hände eine Valuebet gegen dich machen.
  • Aus dem gleichen Grund wird dein Gegner auch häufiger bluffen.

Da du hier am Turn check behind gespielt hast, ist der Pot immer noch 25$ groß. Bettet der SB nun am River, wird sich seine Bet in der Regel zwischen 10$ und 25$ bewegen, also ein durchaus callbarer Betrag.


Zweiter Vorteil:
Die Bet von SB muss in diesem Szenario absolut nichts heißen. Du hast am Turn check behind gespielt und ihm somit Schwäche signalisiert. Er kann ein Monster haben, eine schwache Hand, die du schlägst, for Value betten oder nur bluffen. Du maximierst dadurch sehr oft deinen Erwartungswert durch diesen Checkbehind am Turn.

Aufgrund der Tatsache, dass du den Turn gecheckt hast, musst du am River natürlich callen. Du wirst sehr oft vorne liegen. Des Weiteren hast du dein Ziel erreicht, nämlich mit einer mittelstarken Hand preiswert zum Showdown zu kommen. Durch den Turncheck hast du dafür gesorgt, dass der Gegner keinen großen Pot spielen kann, falls er eine bessere Hand hält.

SZENARIO 2B: Hero checks, SB checks River

Ebenfalls eine gute Situation. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der SB dich geschlagen hat. Du kannst ohne Probleme eine Valuebet machen.

Vorteile durch den Checkbehind am Turn:

  • Der Pot ist klein geblieben. Du spielest mit deiner mittelstarken Hand nicht um große Anteile deines Stacks.
  • Du hast am Turn Schwäche gezeigt. Deine Valuebet am River wird dadurch häufiger auch von schlechteren Händen gecallt, weil der Gegner glaubt, vorne zu liegen oder dich auf einen Bluff setzt.

Gegen sehr tricky Gegner sollte man sich vor der Valuebet am River noch überlegen, wie man auf ein mögliches Checkraise reagiert. Weiß man, dass der Gegner sehr oft den River checkraist, man selbst aber mit der momentanen Handstärke nicht callen möchte, so kann man auch auf eine Valuebet verzichten. Im Allgemeinen spielen aber nur sehr wenige Spieler den River nach solch einer Betsequenz check/raise als Bluff oder als Valueline. Daher ist die eigene Valuebet in der Regel eine einfache Entscheidung.

FAZIT

Der Checkbehind am Turn hat einige Vorteile. Du bekommst oft mehr Value von Händen, die gegen eine normale Bet gefoldet hätten, und du verlierst weniger Geld, falls du schon gegen den Flush oder eine ähnlich starke Hand hinten liegst.

Des Weiteren hältst du den Pot klein, da du Villain keine Möglichkeit gibst, durch ein Raise den Pot groß zu machen. Du erreichst folglich dein Ziel, mit einer mittelstarken Hand den Pot klein und unter Kontrolle zu halten. Liegst du vorn, gewinnst du das Maximum. Liegst du hinten, verlierst du das Minimum.

Du bist out of Position

Out of Position ist Pot Control um einiges schwieriger als in Position. Du musst immer vor deinem Gegner agieren, kannst also nicht abwarten, wie er reagiert und dementsprechend handeln. Eine Freecard am Turn beispielsweise wird dadurch wesentlich unwahrscheinlicher. Hier zunächst ein Beispiel, wie man mit TPTK den Pot klein halten kann.

Hero (CO) ($100)
Villain (Button) ($100)

Preflop: Hero is CO with A, Q

3 folds
, Hero raises to $4, BU calls $4, 2 folds.

Flop: ($9) 7, 3, Q (2 players)

Hero bets $8
, BU calls $8.

Turn: ($25) 6 (2 players)
Hero ...

Wie im Beispiel zuvor läuft bis zum Turn alles vorschriftsmäßig. Du raist mit AQo first in vom CO und bettest am Flop dein TPTK. Am Turn ist nun folgende Situation entstanden: Du hast TPTK auf einem 3-suited Board. Es gibt kaum schlechtere Hände, die erneut eine Bet callen.

SZENARIO 1A: Hero bets 18$, Villain raises All-In

Keine schöne Situation. Du hast TPTK mit dem Nutflushdraw. Sehr oft liegst du hier hinten. Die Entscheidung, ob ein Call noch Sinn macht oder doch eher ein Fold, ist sehr schwierig und wird oft die falsche sein. Wie oft der Gegner bluffen müsste, kannst du analog zu der Rechnung aus dem vorherigen Kapitel berechnen.

SZENARIO 1B: Hero Bets 18$, Villain calls 18$.

Um einiges besser als Szenario 1a. Villain callt "nur" und du siehst für einen akzeptablen Preis die Riverkarte. Du bist allerdings erneut first to act.

Triffst du deinen Flush, ist der nächste Schritt einfach. Du musst nur abwägen, ob es besser ist, zu donken oder ein Checkraise anzusetzen. Das ist gegnerabhängig.

Schwierig wird es dann, wenn du den Flush nicht triffst. Für gewöhnlich wirst du einfach checken und abwarten, was der Gegner macht. Aufgrund der größeren Potsize wirst du jedoch nicht immer einen leichten Call finden können, wie es noch zuvor der Fall war, als du am River in Position nach einem Checkbehind gespielt hattest. Hinzu kommt, dass du selbst kleine Suckbets meist mit einem gemischten Bauchgefühl callen wirst.

SZENARIO 2A: Hero checks, Villain checks.

Du bekommst hier eine Freecard am Turn, wie du sie in Position ebenfalls oft nehmen würdest. Am River kannst du deine Hand so auf jeden Fall valuebetten. Dadurch, dass du am Turn mit deinem Check Schwäche gezeigt hast, wird deine Riverbet so auch mit deutlich schlechteren Händen gecallt.

SZENARIO 2B: Hero checks, Villain bets 18$.

Der Gegner bettet und die Standard-Spielweise ist, hier zu callen, um sich die Riverkarte anzusehen. Bei einem Raise würdest du keine bessere Hand zum Folden bekommen und keine schlechtere Hand zum Callen. Daher würdest du mit einem Checkraise deine Hand selbst in einen Bluff verwandeln, was du jedoch in dieser Situation nicht nötig hast.

Die gegnerische Bet sagt außerdem nicht viel über die Handstärke des Gegners aus. Durch den Check signalisierst du Schwäche, woraufhin viele Spieler automatisch versuchen, den Pot durch eine Bet einzusammeln.

Am River wirst du jedoch wieder vor einer ähnlichen Entscheidung stehen wie in Szenario 1B. Jedoch wird es dir hier schwerer fallen, eine weitere gegnerische Bet zu callen, da dein Gegner nun auf Turn und River Stärke signalisiert hat.

FAZIT

Durch den Check am Turn bekommst du oft noch eine Bluffbet des Gegners. Des Weiteren hältst du den Pot klein, indem du Villain keine Möglichkeit gibst, dich zu raisen und dadurch den Pot richtig groß zu machen.

Bisher hast du gesehen, wie man am Turn den Pot versuchen kann klein zu halten. Jedoch greift das Konzept der Pot Control auch schon am Flop. Spielst du beispielsweise in Position gegen einen Gegner, der sehr gerne den Flop checkraist, so kannst du auch schon hier behindchecken, um dann am Turn die gegnerische Bet mit deiner mittelstarken Hand zu callen. Hier gilt es jedoch besonders immer den Aspekt der Protection mit dem der Pot Control korrekt abzuwägen, um nicht zu viele Freecards am Flop zu geben und dem Gegner anzuzeigen, dass du nur eine mittelstarke Hand hältst.

Pot Control mit Monstern

Bisher hattest du immer eine mittelstarke Hand, mit der du recht günstig zum Showdown kommen wolltest. Doch auch mit einer Monsterhand ist Pot Control wichtig. Hier gilt es den Pot in den richtigen Maßen anwachsen zu lassen, um schlussendlich bis zum River die Möglichkeit zu haben, deinen gesamten Stack in die Mitte zu schieben.

Hero (CO) 100$
Villain (Button) 100$

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)


Preflop:
Hero is CO with 33

2 folds
, Hero raises to 4$, BU calls 4$, 2 folds.


Flop:
(9,50$) A, 3, 7 (2players)

Hero bets 8$
, BU calls 8$.


Turn:
(25,50$) 7 (2 players)
Hero ???

Am Flop hast du eine Continuationbet angebracht, da du mit deinem Bottomset sehr sicher vorne sein wirst. Am Turn kommt nun die zweitbeste Karte im Deck (die 3 wäre natürlich die perfekte).

Warum ist die 7 aber eine der besten Karten? Weil sie nicht in deine Handrange passt, deine Hand aber dennoch sehr stark ist. Ebenso passt eine 7 auch nicht in die gegnerische Handrange. Hat der Gegner hier also mit einem Ass gecallt, wird er sehr oft dazu verleitet sein, einen Bluff hinter deinen Bets zu sehen und dich callen.

Hält der Gegner ein Pocketpaar, so wird er bemerken, dass sich das Board durch die Turnkarte nicht merklich verändert hat. Dadurch könnte er annehmen, dass du hier kein Ass erneut betten würdest, da du dadurch nur alle schlechteren Hände vertreiben würdest. Somit stellt sich ihm die Frage, wie oft du hier bluffen wirst und er noch mit einem Pocketpaar callen kann.

Du selbst hast ein Monster und willst natürlich um den gesamten Stack spielen. Wie kannst du das nun am besten anstellen? Du willst den Gegner ja auch nicht durch eine Overbet vollständig vertreiben.

SZENARIO 1A: Hero bets 15$, Villain calls 15$.

Der Pot beträgt nun 55,50$ und dein Reststack beläuft sich auf 73$. Ein All-In/Push am River wäre eine Overbet, welche du im Grunde nicht abgeben möchtest, da du so dem Gegner sehr schlechte Odds auf einen Call gibst.

SZENARIO 1B: Hero bets 20$, Villain calls 20$.

Nun beträgt die Potsize am River 65,50$ und dein Reststack beläuft sich auf 68$. Du hast es also fast geschafft, mit einer Riverbet dem Gegner exakt 2:1 Odds auf einen Call zu geben.

SZENARIO 1C: Hero bets 25$, Villain calls 25$.

Nun beträgt die Potsize am River 75,50$ und dein Reststack beläuft sich auf 63$. Du kannst also nun ohne große Probleme den River All-In pushen und das ohne eine Overbet.

FAZIT

Durch deine Betsizewahl am Turn manipulierst du also die Potgröße am River und lässt dir dadurch die Möglichkeit offen, ohne eine Overbet den gesamten Stack in die Mitte zu schieben. Anhand der oberen drei Szenarien siehst du, dass du mehr als 20$ betten solltest, um dir diese Option offen zu lassen und deinen Move am River vorzubereiten.

Hierfür gibt es eine kleine Rechnung, welche sich während des Spiels auch im Kopf bewältigen lässt:

B: Betsize am Turn
S: effektiver Stack am Turn
P: Potsize am Turn

B > (S-P) / 3

Im oberen Beispiel würde das bedeuten:

B > (88$ - 25,50$) / 3
B > 62,50$ / 3

B > 20,83$

Ab einer Betsize am Turn von 20,83$ wird dein Stack am River kleiner sein als die dortige Potgröße.

Durch diese Art der Pot Control kannst du nun immer versuchen, deine Monster um Stacks zu spielen, ohne dazu gezwungen zu sein, eine Overbet machen zu müssen, oder darauf zu hoffen, dass dich dein Gegner raist.

Diesen Aspekt der Pot Control kannst du nun in allen möglichen Handszenarien anwenden und teilweise dadurch erkennen, dass du deine Raisingbetsize auch sehr gut variieren kannst und in besonderen Fällen schon ein Minraise oder nur eine Raise etwas größer als ein Minraise seinen Zweck erfüllt und dir die Potgröße für die spätere Straße vorbereitet.

Theoretische Grundlagen

Die entscheidende Frage ist immer, wie du in welcher Gesamtsituation den Pot am besten klein halten kannst. Nicht immer erreichst du mit einer kleinen Bet einen kleinen Pot, so wie eine große Bet nicht immer einen möglichst großen Pot generiert.

BETSIZE

In Position erübrigt sich dieses Problem. Hier kannst du einfach abwarten, wie der Gegner reagiert und dementsprechend, um den Pot klein zu halten, callen bzw. checken.

Sonderfall: In wenigen Situationen bietet sich eine kleine Bet an, um den Gegner auf der nächsten Straße daran zu hindern, zu betten. Wir würden also eine Freecard bekommen. Am Turn kann man das auch als eine Art Bet for free Showdown auffassen.

Out of Position gestaltet sich dies ein wenig schwieriger. Hier musst du als Erster agieren. Du hast zwei Möglichkeiten: betten oder checken. Nun musst du abwägen, welche Aktion den Pot kleiner hält.

Betrachten wir zunächst die Bet:

  • Idealer Fall: Dein Gegner raist eine Bet nie. Du kannst die kleinstmögliche Bet wählen, da so der Pot am kleinsten bleibt.
  • Realer Fall: Kleine Bets werden öfter geraist als große.

Durch das Raise musst du deine Hand oft folden, auch wenn der Gegner blufft (kleine Bets werden oft als Schwäche interpretiert).

Wenn du dich für eine Bet entscheidest, aus welchen Gründen auch immer, musst du also eine Betsize wählen, bei der du relativ sicher auf ein Reraise folden kannst, die aber auf der anderen Seite den Pot klein hält. Wie genau das gegen verschiedene Gegner realisiert wird, ist allgemein nicht zu beantworten.

Faustregel: Alles deutlich unter 1/2 Potsize wird oft als Schwäche interpretiert und öfter geraist.

Das ist eine rein empirische Erfahrung. Wenn man den Pot klein halten will, bieten sich oft Bets in Höhe der halben Potsize an, um auf der einen Seite keinen Raise zu provozieren, auf der anderen Seite den Pot durch eine geringe Betsize klein zu halten.

Nun muss noch überlegt werden, ob ein Check nicht eventuell besser wäre. An dieser Stelle geht der Artikel nur auf den Aspekt Pot Control ein. Weitere wichtige Punkte wie Protection und Bluffinduce bleiben außen vor.

Die Fragen, die du dir stellen musst, sind folgende:

  • Würde mein Gegner betten, wenn ich checke?
  • Was für einen Betrag würde er betten?
  • Würde mein Gegner raisen, wenn ich einen kleineren Betrag setze als den, den er setzen würde?

Bist du dir sicher, dass dein Gegner auf einen Check deinerseits betten würde, aber nicht raisen würde, wenn du einen kleineren Betrag setzt, als er setzen würde, dann bette selbst. Ist das nicht der Fall, dann checke und call sein Bet.

BETSEQUENZEN

In verschiedenen Situationen bieten sich verschiedene Betsequenzen an, um den Pot klein zu halten. Leider ist es extrem gegner- und imageabhängig, mit welcher Betsequenz der Pot am kleinsten bleibt. Ich werde im folgenden ein paar häufig auftretende Situationen kurz ansprechen.

Du bist in Position

Du spielst gegen den Preflop-Aggressor
(fast immer kommt eine Continuationbet des Gegners):

Call Flop - Call bzw. Check behind Turn

Das ist die Standardsequenz. Du hast Position und kannst callen oder checken, je nachdem, was dein Gegner macht. Ab der Turnkarte verändert sich teilweise deine Handstärke in Relation zur Boardstruktur und falls du dann immer noch gewillt bist, zum Showdown zu gehen, ist hier ein Call oder ein Checkbehind angeraten.

Du bist Preflop-Aggressor:

i) Bet Flop - Check behind Turn

Ebenfalls die Standard-Betsequenz. Du machst eine Continuationbet am Flop, um den Pot möglichst direkt mitzunehmen und keine Freecards zu verteilen. Am Turn bist du allerdings oft mit einer besseren Hand deines Gegners konfrontiert. Darum checkst du, um den Pot möglichst klein zu halten und dir schwierige Entscheidungen am River zu ersparen. Wie zuvor schon erklärt, kannst du dir aber auch Gedanken machen, ob du dir am Turn gegen deinen Gegner einen free Showdown durch eine 2nd Barrel erkaufen willst.

ii) Check behind Flop - Call Turn

Am Flop verzichtest du dieses Mal auf eine Continuationbet. Checkraist dein Gegner sehr viel am Flop und spielt ansonsten auch sehr aggressiv, so kannst du durch deinen Checkbehind sehr gut for Bluffinduce und Pot Control spielen ohne selbst in die Lage gezwungen zu werden, um einen sehr großen Pot zu spielen. Diese Betsequenz ist jedoch sehr gegner- und imageabhängig und sollte nicht als Standardline gesehen werden.

Du bist out of Position

Du spielst gegen den Preflop-Aggressor
(fast immer kommt eine Continuation-Bet des Gegners):

Der Check zum Preflop-Aggressor ist Standard. Damit gibst du ihm keine Möglichkeit, den Pot durch ein Raise groß zu machen (ob nun mit einer guten Hand oder als Bluff).

i) Check / Call Flop - Bet Turn

Diese Bet-Sequenz bietet sich gegen Gegner an, die oft eine Continuationbet am Flop machen, am Turn dann allerdings passiver werden (trifft auf sehr viele ABC-Gegner zu). Gute Spieler deuten diese Bet-Sequenz allerdings oft als Schwäche und versuchen durch ein Bluffraise am Turn den Pot einzusammeln. Ein guter Gegnerread ist hier unbedingt wichtig.

ii) Check / Call Flop - Check Turn

Diese Bet-Sequenz bietet sich gegen Gegner an, die auch am Turn aggressiv weiter spielen (Raisen von Draws, made Hands, Bluffs). Wie du dann auf eine 2nd Barrel reagierst, hängt sehr stark von der Boardtextur und dem genauen Read auf den Gegner ab.

Du bist Preflop-Aggressor:

i) Bet Flop - Check (Bet) / Call (Fold) Turn

Das ist eine Standard-Betsequenz für alle mittelguten Hände, auch für Draws auf ungefährlichen Boards. Bei der Aktion am Turn spielen die Überlegungen aus dem Kapitel zum Spiel in Position hinein. Hier muss abgewogen werden, ob gecheckt oder gebettet werden sollte.


ii) Check / Call Flop - Check (Bet) Turn

Diese Betsequenz ist etwas ungewöhnlich und in nicht allen Situationen anzuraten. Der Check/Call am Flop als Preflop-Aggressor wirkt auf viele Gegner sehr weak, da du eigentlich sowohl deine guten Hände wie auch deine Bluffs contibettest. Daher kann der Gegner deine Handstärke sehr gut einschätzen, wenn du das nur mit mittelguten Händen machst. Spielst du jedoch gegen einen überaggressiven Gegner, so kannst du durch diese plötzliche Passivität sehr gut deine Hand for Bluffinduce spielen und dabei den Pot recht klein halten.

Fazit

In diesem Artikel ging es ausschließlich um Pot Control. Dieses Konzept steht im genauen Gegensatz zur Protection, dem Schützen deiner Hand vor Händen, die dich noch überholen können.

Wann genau was anzuwenden ist, ist nicht von heute auf morgen zu lernen, sondern bedarf einiges an Erfahrung. Beide Konzepte sind gleich wichtig und sollten für eine erfolgreiche No-Limit-Karriere auf jeden Fall verinnerlicht werden.