Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Wie spielst du Midpairs/Underpairs?

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wann du mit deiner Hand zum Showdown gehen kannst

  • Auf welchen Boards Bluffbets am besten sind
  • Wann du nicht betten solltest

Hältst du vor dem Flop ein Pocketpair und bist gerade nicht in der glücklichen Situation, dass es ein Paar Asse ist, so wirst du auf kurz oder lang immer wieder in die Situation gelangen, am Flop auf Overcards zu treffen und dann nur noch ein Midpair oder sogar Underpair zu halten. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie du in dieser Situation am besten mit deiner Hand umgehen solltest. Wie stark ist solch ein Midpair? Ist ein Underpair postflop überhaupt weiter spielbar? Was ist alles zu beachten?

In diesem Artikel erfährst du, was du bei deinem Spiel mit Midpairs und Underpairs postflop beachten musst, um unnötige Fehler zu vermeiden.

Zu Beginn wäre es natürlich sehr interessant zu wissen, wie wahrscheinlich es eigentlich ist, mit einem Pocketpair nach dem Flop nur noch ein Midpair oder ein Underpair zu halten. Hierfür kannst du dir nun folgende Tabelle näher anschauen, um direkt zu sehen, wie sich die Wahrscheinlichkeiten von Pocketpair zu Pocketpair verändern:

Wahrscheinlichkeit von Overcards

 Deine Hand 22 33 44 55 66 77 88 99 TT JJ QQ KK
Overcards 88.25 88.22 87.96 87.12 85.39 82.43 77.92 71.53 62.94 51.82 37.84 20.67
Eine Overcard 0.00 1.35 5.71 12.12 19.59 27.14 33.80 38.57 40.49 38.57 31.84 19.31
Paired Board 0.00 1.35 2.45  3.31  3.92 4.27  4.41  4.29  3.92  3.31 2.45 1.35
Non-paired Board  0.00 0.00 3.27 8.82 15.67  22.86 29.39 34.29 36.57 35.27 29.39 17.96
Zwei Overcards 0.00 19.31 31.84 38.57 40.49 38.57 33.80 27.14 19.59 12.12 5.71 1.35
Paired Board 0.00 1.35 2.45  3.31  3.92 4.29 4.41 4.29 3.92 3.31 2.45 1.35
Non-paired Board 0.00 17.96 29.39 35.27 36.57  34.29 29.39 22.86 15.67 8.82 3.27 0.00
Drei Overcards 88.25 67.57 50.41 36.42 25.31 16.71 10.33 5.82 2.86 1.12 0.29 0.02
Paired Board 16.16  13.47 11.02 8.82  6.86 5.14  3.67  2.45  1.47  0.73  0.24 0.00
Non-paired Board  71.84 53.88 39.18 27.43 18.79  11.43 6.53 3.27 1.31 0.33 0.00 0.00
Als Full House  0.24  0.22  0.20  0.18  0.16 0.14  0.12  0.10  0.08  0.06  0.04 0.02

(Alle Angaben sind in %)

In dieser Tabelle siehst du nun genau, in wie vielen Fällen du auf dem Flop mit einer, zwei oder gar drei Overcards mit dem jeweiligen Pocketpair konfrontiert wirst, ohne dabei deine eigene Hand selbst zu einem Set oder Quads zu verbessern.

Sei dir bewusst, dass du nach Preflopcalls beispielsweise mit JJ in etwas mehr als 50% der Fälle mit mindestens einer Overcard konfrontiert wirst. Dieses Wissen kann dir auch schon dabei helfen, deine Entscheidung vor dem Flop etwas anders zu treffen, falls du glaubst, dass du gegen einen Gegner zu oft mit deinem Pocketpair auf Postflopaction treffen wirst und dann zu oft nicht weißt, wie du mit einem Midpair oder Underpair spielen sollst.

In diesem Artikel soll es jedoch nicht direkt um das Preflopplay mit Pocketpairs gehen, sondern vielmehr um die Situation, wenn du einen Flop siehst und mit Overcards konfrontiert wirst.

Nachdem du nun ungefähr abschätzen kannst, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, mit einem Midpair oder Underpair dazustehen, ist der nächste Schritt den du machen musst, dir bewusst zu werden, welche Stärken und Schwächen ein solches Midpair/Underpair postflop besitzt.

Die Stärken von Mid- und Underpairs

Der Bluffcatcher

Hält dein Gegner eine unpaired Starthand, so wird er den Flop in den meisten Fällen nicht getroffen haben. Du hingegen hältst nun zwar kein starkes Paar, jedoch schon eines, welches sein A-high oder K-high beim Showdown schlagen würde. Spielst du daher nun gegen einen aggressiven Gegner, der oft Semibluffs oder pure Bluffs startet, so hast du mit deinem Pocketpair die Möglichkeit, deine Hand postflop passiv zu spielen und deine Hand als Bluffcatcher zu verwenden.

Mit einem solchen Midpair/Underpair wirst du sehr oft in die Situation kommen, dass wenn du deine Hand passiv spielst und gegnerische Bets nur callst, nur einen gegnerischen Bluff schlagen kannst. Diese Spielweise kann gegen besonders aggressive Bluffer sehr profitabel sein.

Continuationbets am Flop

Hast du preflop mit einem Pocketpair als Erster geraist und bist dann in der Situation gecallt zu werden und am Flop auf eine Overcard zu treffen, so ist dies in der Regel ein wichtiger Spot für eine Continuationbet. Manchmal wirst du denken, dass du lieber mit deinen ganz starken Händen eine Continuationbet for Value und Protection abgeben willst und deine schlechten unpaired Hands dazu verwenden willst, deine Continuationbets am Flop mit schlechten Händen zu balancen.

Der Gedanke, dass ein Midpair einen gewissen Showdownvalue hat und du daher am liebsten recht billig zum Showdown kommen möchtest und deine Hand nicht in einen Bluff durch eine Continuationbet verwandeln willst, könnte daher nahe liegen.

Gegen passive Gegnertypen mag dies auch eine sehr gute Spielweise sein. Bedenke jedoch, dass du nicht schon nach einer Continuationbet postflop eine vollkommen polarisierte Handrange repräsentieren möchtest. Spielst du gegen einen Gegner, der in der Lage ist, dich postflop in Position zu floaten, so ist es oftmals besser, Midpairs, die nicht zu viele weitere Overcards/Scarecards zu fürchten haben, eine Continuationbet zu spielen. Nach dieser Continuationbet hast du nun mehrere Vorteile:

Kommt eine Blankkarte am Turn und du spielst OOP kannst du einen Float deines Gegner provozieren und die schon zuvor angesprochene Stärke deiner Hand, das Bluffcatchen, ausspielen. Selbst falls dein Gegner auf deinen Turncheck nicht bettet und sich eine Freecard nimmt, ist das nicht sehr schlimm für dich, da du so mit deinem Paar Potcontrol OOP betreiben konntest und nun oft in einer guten Situation bist, um je nach Boardtextur am River eine dünne Valuebet abzugeben oder ein weiteres Mal eine check/call Line zu spielen, um den Gegner zum Bluffen zu animieren bzw. von schlechten Gegner falsche Valuebets zu inducen.

Eine solche Continuationbet hat aber nicht nur den Vorteil, dass du am Turn einen Float inducen kannst. Sie hilft dir auch insgesamt, deine Hand im weiteren Spielverlauf profitabler zu spielen. Sollte der Gegner deine Continuationbet gecallt haben und am Turn eine Overcard zu deinem Paar erscheinen (am besten, noch eine absolute Overcard), so kannst du nun weiterhin diese Scarecard mit einer 2nd-Barrel ausnutzen, da sie möglicherweise auch für deinen Gegner eine schlechte Karte sein kann.

Durch eine solche 2nd-Barrel repräsentierst du eine stärkere Hand als du tatsächlich hältst und kannst daher auf ein Turnraise oder Turncall den River meist bedenkenlos check/folden bzw. direkt auf das Turnraise folden. Diese 2nd-Barrel/fold Turn Lines werden dir für dein gesamtes Spiel in dem Sinne weiterhelfen, dass du nun gegen die richtigen Gegner keine großen Bedenken mehr haben musst, auch am Turn mit einer TPTK Hand broke zu gehen bzw. Action für deine Overpairs, Sets etc. zu bekommen.

Zur besseren Veranschaulichung dieses Konzepts folgt nun ein erstes Beispiel.

BEISPIEL 1:

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (Button) 100$
Villain (BU) 100$

Preflop: Hero is MP with 9, 9
UTG folds, Hero bets 4$, CO folds, BU calls 4$, 2folds.

Flop: (9.5$) Q, 5, 8 (2 players)
Hero bets 8$, BU calls 8$.

Turn 1: (25.5$) 5 (2 players)
Hero checks

In dieser Situation kannst du gegen aggressive Gegner einen Float inducen und check/call am Turn spielen. Dadurch wird der Pot klein gehalten und du lässt dir weiterhin die Möglichkeit offen, einen Showdown noch zu gewinnen. Gegen passivere Gegner, die hier sehr oft einen Flushdraw oder Straightdraw halten, ist natürlich eine 2nd-Barrel als Protectionbet ein sehr guter Weg, die Hand weiterzuspielen.

Turn 2: (25.5$) A (2 players)
Hero bets 20$

Diese Turnkarte ist im Vergleich zum oberen Beispiel keineswegs eine Blankkarte. Du hast aus MP geraist und bist daher sehr oft in der Situation, dass du eine A-high Hand am Flop mit einer Continuationbet gespielt hast und daher das Ass sehr gut in deine Handrange passt. Dies ist nun also ein sehr guter Spot, dein Midpair in einen Bluff zu verwandeln und den Gegner von Draws wie auch Q high oder besseren Pockets (TT, JJ) zu bluffen. Auf weitere Action kannst du dann beruhigt folden.

Würdest du dich nun dazu entscheiden, deine Hand am Turn zu checken, so hast du das große Problem, deine eigene Handstärke korrekt einzuschätzen und wirst so deinem Gegner eine gute Situation eröffnen, um den maximalen Value aus deiner Hand zu extrahieren. Sollte dein Gegner jedoch deine 2nd-Barrel am Turn callen, so kannst du weiterhin versuchen deinen Gegner durch eine 3rd-Barrel von einer Q oder einem schlechten A zu bluffen.

Die Schwächen von Mid- und Underpairs

Deine Handstärke

Teilweise wird es dir recht schwer fallen, deine eigene Handstärke korrekt einzuschätzen. Mit einem Midpair kannst du gegen manche Gegner nicht unbedingt sicher sein, dass sie eine bessere Hand halten, nur weil sie deine Continuationbet gecallt haben.

Hier ist es sehr wichtig, die gegnerischen Spieltendenzen sowie die Boardtextur im Auge zu behalten. Manche Spieler callen prinzipiell immer eine Continuationbet am Flop mit einem Draw oder mit jedem Paar. Andere Spieler sind hier hingegen etwas weaker und folden teilweise eine große Handrange auf deine Continuationbet. Abhängig von der Boardtextur verändert sich dann auch deine eigene Handstärke mit einem Midpair/Underpair. Auf einem dry Board wirst du wahrscheinlich öfter gegen die gegnerische Callingrange hinten liegen, als auf einem drawheavy Board.

Solltest du dich beispielweise gegen eine Continuationbet am Flop entscheiden, so hast du auch in dieser Situation Probleme, deine Handstärke korrekt einzuschätzen. Manche Spieler werden nun 100% ihrer Handrange am Turn betten, andere nicht. Du selbst musst jedoch immer befürchten, dass dein Gegner dich schon geschlagen hat und weißt genau, dass du ohne einen guten Read gegen einen Standard unknown Gegner nicht zwei Straßen callen kannst, da du hier im Großteil der Fälle geschlagen sein wirst.

Das korrekte Einschätzen der eigenen Handstärke mit einem Midpair/Underpair ist daher das größte Problem. Wobei du dir natürlich sicher sein kannst, dass dein Underpair immer schwächer sein wird als ein Midpair in der gleichen Situation. Jedoch immer davon auszugehen, dass dein Underpair geschlagen ist, ist wiederum ein Trugschluss.

Die Reverse Implied Odds

Aufgrund der Problematik deine eigene Handstärke korrekt einschätzen zu können folgt auch hieraus schon der zweite große Nachteil im Spiel mit einem Midpair/Underpair. Du wirst postflop in aller Regel mit Reverse Implied Odds spielen, wenn du eine passivere Line wählst. Nur in Ausnahmefällen, dann wenn du einen besonderen Read auf deinen Gegner hast, dass dieser besonders aggressiv spielt und eine polarisierte Handrange blufft, kannst du den Faktor der Reverse Implied Odds bei einem Bluffinduce deinerseits verringern.

Du solltest daher unbedingt immer auf diesen Aspekt sowohl in deinem als auch in den gegnerischen Spielstrategien achten. Denn solltest du einen Spieler entdecken, der wie oben beschrieben das Problem der Einschätzung der eigenen Handstärke durch eine passive Callingstation-Line zu lösen versucht, sollte dies für dich immer eine Note wert sein, um gegen diesen Spieler deine eigene Handranges besser anzupassen.

Die mangelnde Equity bei einem Semibluff

Mit einem Midpair/Underpair wirst du im Grunde nie in eine Situation kommen, in der du profitabel einen Semibluff durchführen kannst. Du wirst niemals gegen eine gegnerische Handrange, die dir nach einem Semibluff weiterhin Action gibt, genügend Equity halten, um deinen Semibluff profitabel weiterzuspielen.

Dir sollte daher bewusst sein, dass du postflop nie als Semibluff bluffst sondern immer nur als pure Bluff. Daher sind gerade All-In-Bluffs mit einem Midpair/Underpair ein sehr großer Fehler. Hier musst du eine enorme Foldequity erzeugen, um durch die mangelnde Equity bei einem Call insgesamt einen +EV Bluff gespielt zu haben. In aller Regel wirst du jedoch nicht so viel Foldequity erzeugen können, um All-In Situationen als 85/15 Underdog ausgleichen zu können.

Die wichtigen Konzepte im Spiel mit Midpairs/Underpairs

Was geschah zuvor?

Um postflop mit einem Midpair/Underpair den bestmöglichen EV zu erreichen, ist es besonders wichtig zu erkennen, dass du hier niemals deine Lines nur von der Boardtextur und deinem Gegner abhängig machen darfst. Eine der wichtigsten Fragen ist immer, wie du genau zu deinem Midpair/Underpair gekommen bist. Hier gibt es zwei wichtige Unterschiede.

  • Du warst preflop der Aggressor und wurdest gecallt. Am Flop hast du nun mit deinem Midpair/Underpair die Initiative.
  • Du warst preflop selbst nur ein Caller oder Limper und hast dein Pocketpair in dieser Situation auf Setvalue gespielt.

Aufgrund dieser beiden verschiedenen Merkmale der Preflopaction verschieben sich deine Möglichkeiten postflop teilweise enorm. Neben deiner relativen Position postflop, ist dies daher zu Beginn deiner Analyse der Situation ein sehr wichtiger Aspekt. Denn bedenke, du spielst am Flop nicht nur dein Midpair/Underpair sondern deine gesamte Handrange, die du in dieser Situation halten wirst. Und daher kannst du beispielsweise mit Pocket 55 auf einem KA2r Board als UTG-Raiser natürlich viel besser eine Continuationbet machen, um auch deine guten Hände zu balancen bzw. den Credit, den dir deine Gegner aufgrund deiner Position und Preflopaction geben, vollständig auszunutzen.

Ein ähnlicher Fall wäre beispielsweise ein Board wie T52r auf dem du Pocket 33 hältst, die du gegen ein Openraise aus MP vom BU auf Setvalue cold-gecallt hast. Selbst wenn dein Gegner hier nun eine Continuationbet machen sollte, ist das weder ein Nobrainer-Fold, noch ein Nobrainer-Call oder Raise. Hier kannst du im Grunde jede Aktion durchführen. Du musst nur verstehen warum das so ist.

Dein Gegner hat in der Regel auf solch einem Board selbst keine Monsterhand. Seine Continuationbet kann daher von A-high, 8-high bis zu einem Set oder Overpair reichen. Doch gerade aufgrund der sehr großen Handrange deines Gegners spürst du in dieser Situation die große Schwäche deines Midpairs/Underpairs.

Du kannst kaum deine eigene Handstärke richtig einschätzen. Du wirst sehr oft noch vorne sein, was wohl für einen Call spricht. Als Gegenargument musst du dir natürlich über deine Reverse Implied Odds bewusst sein und wissen, dass du postflop in aller Regel kaum zwei Bets callen kannst, da auf diesem Board eigentlich nur schlechte Karten für deine Pocket 3er erscheinen werden.

Deine Hand gegen eine so weite gegnerische Handrange jedes Mal direkt zu folden, kann jedoch ebenfalls etwas zu weak sein, da du insgesamt gesehen, gegen die gegnerische Handrange einen nicht zu kleinen Anteil Potequity aufgibst. Ebenso wichtig ist es, deine eigene Handrange nicht zu offensichtlich zu spielen. Dein Gegner sollte daher nicht immer direkt aus einem Raise seiner Continuationbet auf ein Set deinerseits schließen können bzw. nach einem Call seiner Continuationbet auf ein Midpair/Underpair.

Daher ist ein Raise mit einem Midpair/Underpair in diesem Spot ebenfalls eine gute Alternative, um zwar deine Hand in einen puren Bluff zu verwandeln und dich um jeglichen Showdownvalue zu bringen, dadurch jedoch deine eigene Handrange in diesem Spot nicht nur auf Sets zu begrenzen.

Aufgrund dieser Unterschiede in deinen Möglichkeiten postflop solltest du dir am besten schon bei deiner Entscheidung preflop darüber im Klaren sein, wie du postflp ungefähr vorgehen möchtest und deinen Gegner schon einmal auf eine Handrange setzen. Denn preflop ein mittleres Paar gegen einen LP-Stealer aus dem Blind passiv zu verteidigen, kann dich durchaus in recht marginale Spots bringen.

Diese Spots werden dir bei einer sehr weaken Spielweise, bei der du am Flop sehr oft auf eine Continuationbet foldest, zwar nicht zu große Verluste bringen, jedoch wirst du in diesen Situation auf jeden Fall Value liegen lassen, wenn du dich nicht mit diesen Gedankengängen beschäftigst.

Der Bluffinduce und die Boardtextur

Solltest du dich entscheiden, dein Midpair/Underpair postflop nicht direkt gegen die gegnerische Aggression aufzugeben, so gibt es einige wichtige Aspekte, die du bei deiner Spielweise beachten musst.

  • 1. Ein Bluffinduce sollte immer auf einem Read deines Gegners basieren. Einfach runterzucallen, nur weil du dir nicht sicher bist, ob du nicht doch die beste Hand hältst, ist meist eine sehr schlechte Idee. Wenn dein Gegner hingegen sehr aggressiv und in der Lage ist, 2- oder 3-Barrel Bluffs durchzuführen, kann diese Line aber sinnvoll sein.
  • 2. Die Boardtextur ist von besonderer Bedeutung. Je mehr Overcards/Scarecards noch zu deinem Midpair/Underpair erscheinen können, desto eher wirst du dich in einer Reverse Implied Odds Situation befinden und deinem Gegner die Chance geben, seine 3- oder 6 Outs gegen deine Hand zu treffen und schlussendlich noch gegen deine Hand zu valuebetten. Dein Pair ist daher oftmals nicht sehr stark, wenn du eine zu große Lücke zwischen deinem Paar und der Highcard am Flop hast. Außerdem willst du natürlich vermeiden, bei solchen Scarecards zu oft die beste Hand zu folden und deinem Gegner häufig derart gute Bluffingspots zu geben.
  • 3. Deine eigene Position ist weiterhin ein wichtiger Aspekt, falls du dich für eine Bluffinduce-Line entscheiden solltest. In aller Regel ist eine solche Line am besten, wenn du selbst IP bist. Denn spielst du OOP, so wird dein Gegner oftmals, falls er am Turn einen Draw oder selbst eine mittelstarke Hand hat, den Turn behindchecken, um sich die Freecard zu nehmen bzw. Potcontrol zu betreiben. Du selbst hast nun jedoch das Problem, am River nur sehr selten wirklich OOP mit deinem Mid-/Underpair valuebetten zu können.

Checkst du daher nun ein weiteres Mal zu deinem Gegner, so wird dieser sehr oft jede Hand, welche nur etwas SD Value hat und schlechter als deine eigene Hand ist, behindchecken und vermehrt die besseren Hände + vereinzelnd Bluffs betten. Du hast nun also das Problem, zu wenig Value von den schlechteren Händen/Bluffs zu bekommen und zu oft deinen Gegner auszuzahlen.

Spielst du selbst jedoch IP, so hat dein Gegner postflop OOP einfach viel weniger Optionen seine Hand zu spielen und wird daher oftmals den Turn auch mit einem Draw betten bzw. A-high Hände 2nd-barreln. Sollte er nun am River seine Hand nicht verbessern, wird er oft in die Versuchung kommen, seine Draws wie auch A-high Hände zu 3-barreln, um dich von schwachen Pairs zu bluffen (vorrausgesetzt, es ist ein aggressiver Gegner). Genau in dieser Situation kannst du den Bluffinduce am profitabelsten spielen.

Checkt der Gegner jedoch an einer Stelle nun zu dir, so kannst du dich entscheiden for Potcontrol behind zu checken oder teilweise auch mit deinem Midpair/Underpair for Protecten/Value zu betten. Bedenke jedoch unbedingt, dass du dir bei einem gegnerischen Check am River einige Gedanken über die gegnerische Handrange machen solltest.

Oftmals ist hier eine Bet mit einem Underpair/Midpair falsch, da dich dein Gegner nur noch mit besseren Händen callen wird und die schlechteren Hände, gegen die du sowieso den Showdown gewinnen würdest, foldet. Ein Bluff ist daher, obwohl er ausreichend Foldequity erzeugt, zwar +EV, jedoch oftmals einem Checkbehind unterlegen.

Zur Veranschaulichung dieser Problematik findest du nun noch einige Beispielhände zum Thema Bluffinduce mit einem Midpair/Underpair.

BEISPIEL 2: OOP

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (BB) 100$
Villain (UTG) 100$

Preflop: Hero is BB with 8, 8
UTG bets 4$, 4 folds, Hero calls.

Flop: (8.5$) K, 5, 2 (2 players)
Hero checks, UTG bets 7$, Hero calls

Auf diesem dry Board wird ein aggressiver Spieler meist eine Continuationbet abgeben, um dich zum Folden zu bekommen. Du fürchtest zwar viele Overcards und überlegst dir kurz, deine Hand in einen Bluff zu verwandeln, callst jedoch, um so eventuell billig zum Showdown zu gelangen.

Turn: (22.5$) K (2 players)
Hero checks, UTG checks.

River: (22.5$) T (2 players)
Hero checks, UTG checks

Am River hast du es nun sehr schwer dein Pocketpair zu spielen. Wird dich hier noch eine schlechtere Hand callen? Sehr wahrscheinlich nicht, daher entscheidest du dich hier keine Valuebet abzugeben. Auf eine Bet des Gegners hast du jedoch das Problem, dass du einen klaren Bluffcatcher hast, dein Gegner in der Regel jedoch nicht so oft bluffen wird, so dass du als Standardline callen kannst.

BEISPIEL 3: IP

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (Button) 100$
Villain (CO) 100$ (recht aggressiver Regular)

Preflop: Hero is BU with 7, 7
2 folds, CO bets 4$, Hero calls, 2 folds.

Flop: (9.5$) 8, 5, 3 (2 players)
CO bets 7$, Hero calls.

Turn: (23.5$) 2 (2 players)
CO bets 17$, Hero calls.

Diese Turnbet callst du aus dem einfachen Grund, dass du deinem Gegner eine recht weite Range mit Overcards/Flushdraw/Gutshot gibst und daher denkst, dass dein Gegner hier sehr oft 2nd-barreln wird.

River: (57.5$) K (2 players)
CO checks, Hero checks.

In diesen beiden Handbeispielen ist dir sicher aufgefallen, dass du nicht mit einer Riverbet konfrontiert wirst. Das ist auch gewollt, um zu verdeutlichen, dass du für solche Spots immer einen besonderen Read benötigst und somit jedes mögliche Handbeispiel, welches einen solchen Spot ohne ausführliche Darlegung der History/Tabledynamik demonstriert, kein allgemein gültiges Konzept verkörpern kann, sondern immer nur aufgrund der besonderen Tabledynamik und History vertretbar sein kann.

Das Board spielen

Neben einer passiven Line kannst du postflop dein Midpair/Underpair auch dazu nutzen, einfach das Board zu spielen und den Gegner dazu zu zwingen, selbst eine viel bessere Hand zu halten, als dein Midpair/Underpair, um dir weiterhin Action geben zu können. Auch dazu ein Beispiel.

BEISPIEL 4:

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (BB) 100$
Villain (CO) 100$

Preflop: Hero is BB with 7, 7
2 folds, CO bets 4$, 2 folds, Hero calls.

Flop: (8.5$) K, T, 3 (2 players)
Hero bets 7$

In dieser Hand kannst du natürlich auch immer check/fold Flop spielen. Jedoch bietet sich deine Hand auch sehr gut dafür an, deine Donkingrange balancen. Denn dein Gegner benötigt nun nach deiner Donkbet mindestens eine Highcard im richtigen Suit, um eine gute Spielsituation für sich zu gestalten. Selbst falls dein Gegner nur ein Paar hält, wird er hier Probleme haben weiterer großer Action standzuhalten.

Weiterhin hast du so die Chance, deine gefloppten Flushes, die nicht zwingend sehr stark sein müssen, zu protecten/for Value am Flop zu donken, anstatt hier in 100% der Fälle immer den Flop zu checken und dann weiter zu schauen.

Protection vs. Showdownvalue

An dieser Stelle wirst du bemerken, dass viele Pokerspieler hier ein recht großes Leak haben, da sie nicht erkennen, wann sie mit einem Midpair/Underpair protecten und wann sie eher auf ihren Showdownvalue setzen sollten. Das folgende Handbeispiel soll dir diese Situation etwas veranschaulichen.

BEISPIEL 5:

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (CO) 100$
Villain (UTG) 100$

Preflop: Hero is CO with 7, 7
UTG bets 4$, 2 folds, Hero calls, 2 folds.

Flop: (9.5$) J, 5, 2 (2 players)
CO bets 7$, Hero calls.

Turn: (23.5$) T (2 players)
CO checks, Hero checks.

River: (23.5$) 8 (2 players)
CO checks, Hero checks.

An dieser Stelle wird sich mancher Pokerspieler denken, dass er hier nun eine recht gute Situation erzeugt hat, um seinen Gegner zu floaten. Doch was bringt hier ein Float?
Protection? Handrangebalancing?

Bettest du nun hier den Turn nach einem Check des Gegners, so musst du dir darüber im Klaren sein, dass du deiner Hand nahezu zu 100% ihren Showdownvalue nimmst. Deine einzige Chance die Hand zu gewinnen liegt also darin, einem Showdown aus dem Weg zu gehen. Sprich, dein Gegner muss entweder am Turn auf deinen Float folden oder auf eine weitere Riverbet seine Hand in den Muck werfen.

Checkst du jedoch behind, so gibst du dir die Chance einen mittelkleinen Pot noch am Showdown zu gewinnen, falls dein Gegner ein A-high oder schwächeres Paar runter checkt. Protection ist in dieser Situation daher nicht notwendig.

Solche Floats solltest du also am besten mit TP Händen (mit diesen hast du noch genug Showdownvalue, um nach einem gegnerischen Call den Showdown zu gewinnen), puren Bluffs bzw. Semibluffs (Diese Hände haben in der Regel an sich schon kaum Showdownvalue, um den du sie durch eine Bet bringen könntest) durchführen.

BEISPIEL 6:

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (BU) 100$
Villain (MP) 100$

Preflop: Hero is BU with 8, 8
UTG folds, MP bets 4$, CO folds, Hero calls, 2 folds.

Flop: (9.5$) 3, T, 2 (2 players)
MP bets 7$, Hero calls.

Turn: (23.5$) 5 (2 players)
CO checks, Hero bets 15$

Auf einem drawheavy Bord kannst du dich jedoch dazu entscheiden, mit deinem Midpair/Underpair zu floaten, da du mit einer Bet deiner Hand nicht zu viel Showdownvalue nimmst, da dein Gegner durchaus einen Draw nun check/call kann und du außerdem sehr viele Karten am River fürchtest, vor denen du deine Hand protecten möchtest.

Eine ähnliche Problematik findest du jedoch auch, wenn du selbst der Aggressor am Flop bist und nun am Turn vor der Entscheidung stehst, eine 2nd-Barrel abzugeben oder zu checken.
Auch dazu ein kurzes Beispiel.

BEISPIEL 7:

0.50$/1.00$ No-Limit Hold’em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (CO) 100$
Villain (BB) 100$ - TAG

Preflop: Hero is BU with J, J
2 folds, Hero bets 4$, 2 folds, BB calls.

Flop: (8.5$) 3, 3, 2 (2 players)
BB checks, Hero bets 7$, BB calls.

Turn: (22.5$) K (2 players)
BB checks, Hero bets 15$, BB raises to 89$ (ALL-In)

Durch eine 2nd-Barrel überrepräsentierst du nun deine Hand und kannst daher kaum weiterer Action deines Gegners widerstehen. Im Grunde ist hier ein Checkbehind mit deinem Paar gegen den Großteil deiner Gegner eine viel bessere Option.

Deine Hand hat Showdownvalue und du gibst dem Gegner die Chance zu betten, falls er einen busted Draw am River halten sollte bzw. eine schlechtere Hand am River zu check/callen. IP hier eine 2nd-Barrel abzugeben ist daher oft ein Fehler.

Solltest du OOP spielen, so wird die Entscheidung zwischen 2nd-Barrel und Check etwas knapper. In aller Regel wirst du jedoch weiterhin mit einem Check zu deinem Gegner einen größeren EV erreichen, als mit einer 2nd-Barrel bei der du deine Hand überrepräsentierst und dann einen zu großen Pot im Vergleich zu deiner absoluten Handstärke spielst.

Zusammenfassung

Mit diesem Artikel sind dir nun noch einmal die Stärken und Schwächen sowie die Problemsituationen im Spiel mit Midpairs/Underpairs bewusst geworden und du solltest zusammenfassend folgende Dinge für dich mitnehmen:

  • Die Preflopaction gibt dir immer unterschiedliche Optionen dafür, wie du deine Hand postflop am profitabelsten spielen kannst.
  • Midpairs/Underpairs bieten sich nie zum Semibluffen an.
  • Bluffinduces sind sehr abhängig von Gegner, Board und Position.
  • Den Showdownvalue deiner Hand solltest du nicht leichtfertig durch falsch angesetzte Bets vernichten.